Spiel 46: Ein Sieg des Charakters

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Vor dem Spiel war allen klar, wie wichtig dieser Abend sein würde. Nach dem 5:2 gegen den direkten Konkurrenten aus Augsburg sieht die Welt für die Ice Tigers noch ein bisschen besser aus. Nach dem Klick gibt es deshalb natürlich viel Lob, Liebe – aber auch deutliche Worte.

Warm-up

  • Als die Fans die Arena schon langsam verlassen hatten, da stand Chris Brown immer noch am Rand der Eisfläche und lächelte. An 45 anderen Spieltagen wäre es wahrscheinlicher gewesen, dass der Angreifer lacht, selbst nach Niederlagen hätte man ihm das eher abgenommen. Aber doch nicht an einem Dienstagabend, an dem er für insgesamt sechs Minuten hintereinander auf der Strafbank sitzen musste – und danach noch einmal für ein paar auf der Bank gegenüber. Oder doch? Chris Brown lächelte jedenfalls, was vor allem an seinen beiden Kindern und seiner Frau lag, die ebenfalls in das Objektiv von Thomas Hahn strahlten.
  • Ein paar Schritte weiter wirkte Chris Brown dann schon nicht mehr so glücklich. „Der Schiedsrichter trifft seine Entscheidung und das muss ich akzeptieren“, sagte er. „Ich muss meine Emotionen besser kontrollieren und nicht noch eine nehmen.“ So schnell wird das wohl auch nicht mehr vorkommen, wenn man seinem Trainer glaubt. Kurt Kleinendorst hat in der Kabine mit Chris Brown gesprochen, „die Message ist angekommen“, sagte Kleinendorst.
  • Mehr wollte Chris Brown nicht sagen über diese wilden Minuten im letzten Drittel, in denen er fast permanent im Mittelpunkt stand. Die Frage des Kollegen Mayer, ob mancher Augsburger nicht auch ganz gern gefallen war, moderierte er ganz schnell ab. „Das weiß man nie“, sagte er nur.
  • Kurt Kleinendorst wählte seine Wort ebenfalls mit Bedacht, als er darauf angesprochen wurde. Für ihn war die Szene, als Brandon Buck vom Eis musste, schlimmer. „Es war eine Strafe gegen ihn, ja, aber sein Gegenspieler embellished auch. Für mich hätten beide raus gemusst.“
  • Geht es nach Chris Brown, wird er auch künftig gerne in Nürnberg aufs Eis gehen – und notfalls auch auf der Strafbank Platz nehmen. „Ich würde liebend gerne bleiben, das hier ist unser Zuhause“, schwärmte er, „es liegt nicht an mir, ich hoffe, es klappt alles, aber ich habe ein gutes Gefühl.“
  • Wie es Daniel Fischbuch geht? Kurt Kleinendorst wusste es nicht, als er zur Pressekonferenz erschien. Beim ersten Blick aufs Bewegtbild sah die Szene jedenfalls nicht so schlimm aus, wie man beim Anblick des liegenden Fischbuch hätte vermuten können.

Das Spiel

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Nach 17 Minuten belohnten sich die Ice Tigers für den Aufwand, den sie nach anfänglicher Überlegenheit Augsburg betrieben. Daniel Fischbuch leitete einen Angriff selbst ein, Will Acton erkämpfte den verloren geglaubten Puck, legte zu Fischbuch zurück, der cool blieb. Augsburg glich unter Mithilfe von Oliver Mebus aus, dann zeigte Chad Bassen, dass er auch im fortgeschrittenen Alter noch sehr gut Eishockey spielen kann. Joa, und dann kam Chris Brown. Das erste Powerplay überstanden die Ice Tigers gut, Christian Rupp hatte gerade erst „Nürnberg ist wieder komplett“ durchgesagt, da waren sie schon wieder nicht mehr komplett. Die Aussicht, erneut zwei Minuten zuschauen zu müssen, erzürnte Chris Brown – also durfte er nach ausgiebigem Schimpfen sogar vier Minuten raus – und von dort direkt bis zum Spielende auf die Bank. „Es wäre für mich nicht fair der Mannschaft gegenüber gewesen, ihn nochmal aufs Eis zu schicken. Ich liebe diese Momente nicht, es ist wie eben so, wie als Elternteil“, sagte Kurt Kleinendorst später. „Er war dann aber großartig auf der Bank, er war ein gutes Cheerleader und wir haben einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen. Das war wichtig. Ich liebe ihm immer noch. Das hat sich nicht geändert.“ Simon Sezemsky glich mit einem „Hammer“ (Kleinendorst) aus, doch dann fanden die Ice Tigers eben einen Weg, zu gewinnen: Patrick Reimer traf zum 3:2, Brandon Buck und Andreas Eder sogar doppelt ins leere Tor. Und aus. „Es war ein Charaktersieg“, sagte Chris Brown. Sein Trainer wählte die selben Worte.

Der Moment

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Erst war da nur Stille. Schockiert blickten die Menschen von allen Plätzen hinunter auf das Eis, wo Daniel Fischbuch lag. Wie er dorthin gekommen war, wer die Schuld trug an seinem Sturz, das war für viele Zuschauer aber schnell klar. Sie durchbrachen die Stille schnell mit aufgebrachtem Geschrei. Es ist ja schick, auf die Schiedsrichter zu schimpfen – in dieser Szene aber hatten sie alles richtig gemacht, indem sie einfach gar nichts taten. Denn Daniel Fischbuch war nicht etwa von einem Augsburger gefoult worden, wie viele Zuschauer glaubten. Ein kurzer Blick nach links auf Roman Horlamus‘ Laptop genügte. Fischbuch war ohne Einwirken seines Gegenspielers einfach nur sehr blöd gefallen. Das konnten die meisten Menschen leider nicht sehen und sangen deshalb das sehr bescheidene Lied von der schwarzen Sau.

Three Stars

Das 5:2 gegen Schwenningen war schön für die Statistik, das 3:2 an diesem Abend könnte dafür sorgen, dass den Ice Tigers in der ersten Playoff-Runde eine weite Reise erspart bleibt. Patrick Reimer ist immer wichtig für diese Mannschaft, das hat er mit seinem Game Winner mal wieder gezeigt. Und natürlich nicht nur damit.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Ich zitiere kurz den Kollegen Böhm vom vergangenen Sonntag. “ Er hatte danach den Helm auf. Wirklich gut hat das nicht ausgesehen, es hat ihn aber nicht gestört.“ Tom Gilbert durfte diesmal einen alten Fahrradhelm tragen, weil seine Mitspieler fanden, dass er es sich verdient hatte. Hatte er. Nicht nur, weil er nach Chris Summers (22:06) mit 20 Minuten und 14 Sekunden die meiste Zeit auf dem Eis verbrachte.

Kurt Kleinendorst wurde nicht nach Chad Bassen gefragt, er redete trotzdem lange über ihn. „Es war ein großartiges Tor“, sagte er über Bassens tatsächlich sehr schönes 2:1. „Er ist einer unser most unsung heroes, er macht sehr vieles gut für uns, er macht einfach alles, was ich von ihm fordere, er hat immer sehr gute Einstellung“, schwärmte Kleinendorst. „Wir haben keine Favoriten, aber wenn wir welche hätten, dann wäre er einer. Er ist ein absoluter Teamspieler und einfach ein guter Mensch.“

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Und sonst?

War ich erstmals nicht alleine mit meiner Meinung über manchen Menschen auf dem großen Parkplatz neben der Arena. Jedes Mal laufe ich kopfschüttelnd zum Eingang, weil es für manche Menschen scheinbar nicht möglich ist, ihr Auto zwischen zwei dicken weißen Strichen abzustellen. Vielleicht ist es Bequemlichkeit, vielleicht ist es Arroganz, vielleicht rege ich mich auch unnötig über ein First World Problem auf – alleine war ich damit an diesem Abend jedenfalls nicht. Der nette Herr vom Ordnungsdienst schimpfte auch, „und dann kam einer mit dem SUV, der fährt nur in der Stadt damit“, sagte er. Für eine Diskussion über viel zu große und breite Autos hatte ich dann leider keine Zeit mehr.

5 Kommentare in “Spiel 46: Ein Sieg des Charakters

  1. Brown war gestern dümmer als dumm, zurecht keine Eiszeit mehr nach den 3 Strafzeiten. Hätte uns beinahe das Spiel gekostet, aber mit Sicherheit das Guthaben auf seinem Konto erheblich verringert.

    Ansonsten ein starker Patrick Reimer in den letzten Spielen. PPO dürften sicher erreicht sein, evtl. ist sogar noch Platz 6 möglich.

    Ich würde gerne mal wieder Langman sehen, keine Ahnung, warum er nicht mal wieder ein oder zwei Starts bekommt. Jiranek war wohl von seiner Verpflichtung mehr überzeugt als jetzt Kurt.

  2. Wir können uns glücklich schätzen eine Reimer zu haben.
    Nicht nur gestern war Bassen ein echter und wertvoller Teamplayer. Da könnten sich einige Andere ein Beispiel nehmen. Extra Bonuszahlung für sein Konto ist angebracht.

  3. Vertragsverlängerung Brown? Da sollte man erstmal die PO abwarten. In den letzten Wochen hat er nicht gerade überzeugt. Im Gegenteil. Pomadige Spielweise, dumme Fouls: eigentlich keine Argumente für eine vorzeitige Verlängerung. Seit dem gestrigen Spiel dürfte sein Kontostand tief im Minus stehen.

  4. Ich würde mich freuen, wenn Brown bleibt. Ich mag ihn und er ist einer unserer besten Scorer. Vielleicht bleibt dann auch Summs, ich glaube die beiden sind ja sehr gut befreundet.

    Sebastian, welcher deutsche Spieler bleibt denn nun? Mehr Hinweise bitte!

    Vor einigen Wochen wurde in einem Interview mal angedeutet, dass es evtl. einen Rückkehrer geben könnte. Gibt es da schon Neuigkeiten? Pföderl wohl zu teuer, Ehliz… nein, Fox?, Reino – wäre hammer, aber als was?, Weiß Aronson und Bast können weg bleiben, Jenike hat Vertrag in Iserlohn,…

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