Spiel 35: Der erste Schritt

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Strahlende Tiger gab es selten in den vergangenen Wochen. Nach dem 1:0 gegen die Krefeld Pinguine schien plötzlich jeder in der Arena zu strahlen. Zu groß war die Erleichterung über den ersten Sieg nach acht Niederlagen in Folge. Wer als Fan noch ein bisschen weiter strahlen will sollte genauso weiterlesen wie , joa, eigentlich jeder. Spoiler: Es gibt Neuigkeiten.

Warm-up

  • 29. November 2019. Ja, es war tatsächlich ein Freitagabend vor 42 Tagen, an dem die Ice Tigers zum letzten Mal ein Heimspiel gewonnen haben. Nun, an diesem 10. Januar 2020, haben sie der elendig langen Serie ein Ende gesetzt. „Ich wusste, dass es so kommen würde“, sagte Kurt Kleinendorst später.
  • Bei der Erklärung dieses 1:0 war sich Kleinendorst mit seinem Kapitän einig. Einer der Gründe dafür, dass die Ice Tigers aus dem Negativstrudel herauskamen, war für beide Führungsfiguren vor allem die vergangene Woche – die erste reguläre Trainingswoche seit einer gefühlten Ewigkeit. „Die Woche war super“, sagte Kleinendorst. „Es war eine sehr intensive Trainingswoche, was uns geholfen hat, heute eine andere Intensität zu gehen“, befand Patrick Reimer.
  • Es wirkte ein bisschen so, als ob Kurt Kleinendorst sich rechtfertigen wollte. Als ob er mitbekommen hatte, dass Wolfgang Gastner in der Bild-Zeitung zuletzt unter anderem über die Perspektiven des Trainers Kurt Kleinendorst reden sollte. Also redete Kurt Kleinendorst nach dem Spiel im Pressekonferenzraum ungefragt darüber, dass seiner Meinung nach auch bei den acht Niederlagen nicht alles schlecht gewesen war. „Es war frustrierend. Wir waren nicht gesund, haben aber nie nach Ausreden gesucht, haben Verletzungen nicht zählen lassen,. Ich weiß, dass die Fans unglücklich waren, dass die Reporter negativ waren kann ich verstehen. Das lag aber nicht am fehlenden Aufwand, die Mannschaft hat immer hart gearbeitet, auch wenn es nicht immer so aussah.“
  • Kurt Kleinendorst ist ein großer Fan von Markus Lillich. Das hätte er nicht extra betonen müssen, schließlich hatte jeder in der Arena gesehen, wie viel der 20 Jahre junge Angreifer aus Bayreuth spielen durfte. Zwölf Minuten und zwei Sekunden war er an diesem Abend, bei seinem vierten Spiel für die Ice Tigers, auf dem Eis – und hat seinen Trainer dabei begeistert. „War er nicht herausragend?“, fragte Kurt Kleinendorst nach dem Spiel – und erwartete natürlich keine Antwort. Viel lieber lobte er Lillich noch weiter. „Er hätte es verdient gehabt, schon früher hier zu sein und wir hätten ihn auch hier haben sollen, aber Bayreuth hatte auch zu kämpfen mit vielen Verletzungen. Ich mag ihn wirklich“
  • Auf einmal waren das Strahlen und die positive Ausstrahlung von Kurt Kleinendorst weg. Gerade schwärmte er noch, da sah er traurig aus. Der Grund: Austin Cangelosi. Dessen Verletzung im Adduktorenbereich sei „chronisch“, sagte er, „vielleicht hat er schon sein letztes Spiel für uns gemacht, würde mich nicht so überraschen.“
  • Jim O’Brien und Jack Skille sollen am nächsten Wochenende auf dem Eis stehen. „Es wird nicht der 40-Spiele-Jim sein, aber er ist immer noch ein guter hockey player. Er wird etwas Rost an seinen Ecken haben, uns aber trotzdem helfen.“ Wer noch mehr wissen will: In den Nürnberger Nachrichten werden im Laufe der nächsten Woche Texte über die beiden neuen Hoffnungsträger erscheinen.
  • In der Nürnberger Fankurve hing (auf dem Foto von Thomas Hahn ganz rechts) eine Fahne mit der Aufschrift „Love Hockey, hate Fascism“. Vielen mag das gar nicht aufgefallen sein, aber es sollte hier Erwähnung finden, weil es ein wichtiges Statement ist, generell, aber auch angesichts dessen, was tagtäglich so geschieht in diesem Land. Danke dafür!
Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Das Spiel

Es gab natürlich auch wieder Momente, die so gut zur momentanen Situation der Ice Tigers gepasst hätten. Da spielen sie eines der besten Auftaktdrittel, schießen, setzen nach, schießen aber einfach kein Tor. Und dann denkt man sich bei jedem Angriff: Joa, ein Gegentreffer würde ins Bild passen. Es fiel aber kein Gegentreffer, weil entweder die Verteidigung gut verteidigte oder Niklas Treutle einfach Niklas Treutle war. Und dann erzwangen die Ice Tigers ihr Glück einfach. Kevin Schulze schlenzte den Puck vors Tor, Patrick Reimer tat das, was ein Angreifer tun muss – und schon fiel all der Ballast ab. Genauso wie um 21.42 Uhr, als die Schlusssirene erklang. „Es ist schön zu sehen, dass wir ein Spiel auch mal 1:0 gewinnen können“, sagte Reimer ein paar Minuten später. „Klar hätten wir gerne mehr Tore geschossen, aber es war auch wichtig, defensiv gut zu stehen.“

Der Moment

Als Christian Rupp gerade Kurt Kleinendorsts Ausführungen im offiziellen Teil der Pressekonferenz übersetzte, da fiel dem Nürnberger Trainer ein, dass er etwas vergessen hatte. Glücklicherweise fragte der Arenasprecher und Moderator noch einmal nach Patrick Reimer. „Er war genial“, sagte Kleinendorst also. „Es war sehr eindrücklich, wie er die Mannschaft mitgerissen und angeführt hat. Und dann macht er mit seinem 350. DEL-Tor den Game Winner. Das sagt alles viel über ihn aus. Genau das haben wir heute gebraucht.“

Three Stars

Die Lobeshymne auf Patrick Reimer hat sein Trainer ein paar Zentimeter weiter oben bereits gehalten. Das einzig Traurige an einem für die Ice Tigers so schönen Abend war, dass Reimers empty net goal nicht mehr zählte, weil die Uhr genau in dem Moment abgelaufen war, in dem der Puck scheinbar noch wenige Millimeter vor der Torlinie über das Eis rutschte.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Der letzte Shutout von Niklas Treutle? War tatsächlich nur fünf Tage länger her als der letzte Heimsieg der Ice Tigers. Damals gewann seine Mannschaft 3:0 gegen Düsseldorf, diesmal 1:0 gegen Krefeld. Übermäßig viel hatte er nicht zu tun gegen die Pinguine, aber wenn er etwas tun musste, tat er das sehr gut. Zum Beispiel, als er sehenswert gegen Daniel Pietta rettete. Allein für diesen Save hat er sich einen Stern verdient.

Daniel Fischbuch sieht ja oft etwas unglücklich aus. Als er nach dem Sieg nochmal aus der Kabine aufs Eis wollte, da schaute er aber noch ein bisschen trauriger. Das lag aber nicht daran, dass ihm kein Tor gelungen war, sondern schlicht daran, dass sein Sohn nicht mit dem Papa aufs Eis wollte und lieber bei der Mama auf dem Arm blieb. Ansonsten war Daniel Fischbuch mal wieder ein Lichtblick – und durfte mal wieder das Powerplay orchestrieren, von dem sein Trainer hinterher sagte, dass es sehr gut gewesen war. Nur eben ohne Belohnung geblieben war.

Und sonst?

Geht’s am Sonntag nach Straubing, die am Freitagabend 2:5 in Iserlohn verloren haben. Ein guter Gegner also für die Ice Tigers? Oder doch ein schlechter? Wer weiß das schon. „Es war ein schritt in die richtige Richtung“, sagte Patrick Reimer nach dem 1:0, „aber wir sind noch nicht über dem Berg.“

4 Kommentare in “Spiel 35: Der erste Schritt

4 Comments
  1. – Patrick Reimer hat völlig verdient seinen 350. DEL Treffer und damit den Gamewinner und das einzige Tor des gestrigen Abends erzielt. Auch wenn die Zahl eigentlich herzlich egal ist, er checkt, schießt, kämpft, arbeitet am härtesten und sucht am wenigsten Ausreden. Er ist ein wahrer Leader und geht immer voran. Ich kann mir unsere Ice Tigers ohne ihn nicht vorstellen, ich wünschte er könnte für immer spielen.

    – Für alle, die zuletzt über Niklas gemeckert haben und an ihm gezweifelt haben: Bitteschön! Mit der beste Spieler auf dem Eis. Auch Rynnäs muss man wirklich Respekt zollen, ebenfalls sehr stark. Was Pietta zu Treutle nach seinem Riesensave gesagt hat, würde mich wirklich brennend interessieren.

    – Daniel Fischbuch: Stark gespielt, gut gekämpft, bald kommt das Glück auch wieder dazu.

    – Markus Lillich: Hat mir sehr gut gefallen, ich hoffe er spielt nun öfter für die Ice Tigers. Die gesamte Reihe hat gut harmoniert.

    – Man hat den Teamgeist gestern sehr deutlich gespürt. Jeder kämpft für jeden und mir hat auch das Körperspiel gut gefallen gestern. Wie die Ice Tigers nach der Deutschlandcup Pause.

    – Ich habe Krefeld zuletzt ein bisschen verfolgt, vermutlich haben sie gestern ihr bestes Saisonspiel gespielt. Und trotzdem sind wir als Sieger vom Eis gegangen. Sie hatten durchaus einige gute Chancen, aber auch unsere Jungs hatten noch 3 Eisentreffer, wenn ich richtig gezählt habe. 4:3 als Endergebnis wäre also auch denkbar gewesen. 1:0 ist mir aber trotzdem lieber.

    – Ich bin mir sicher, demnächst haben wir das Glück auch wieder mehr auf unserer Seite. Die letzten Wochen kam einfach alles zusammen: Abnehmende Leistung, die nicht sofort wieder gesteigert werden konnte. Vom Spielsystem weggekommen, Cheftrainer nicht da und die emotionale Situation um ihn. Dann verliert man, dadurch leidet das Selbstvertrauen und dann kommt auch noch das Pech dazu. Ich glaube diese erste volle Trainingswoche seit langem hat sehr gut getan und ich bin mir sicher, dass es jetzt wieder bergauf geht. Wer sich noch an letzte Saison erinnert, da hatten wir ungefähr zu dieser Zeit 11 Punkte zu Platz aufzuholen und haben es geschafft!

    – Ich hoffe die Jungs sind heute glücklich, ich bin es auf jeden Fall.

  2. Oh, etwas habe ich noch vergessen:

    – Bucki: DING DONG, der Nussknacker.

    Zu den Schiedsrichtern: ich fande, es wurde auf beiden Seiten viel laufen gelassen und auf beiden Seiten 1 klares Foul übersehen. Passt also.

  3. Richtig beschrieben Herr Fischer, es ist ein erster Schritt dem noch sehr viele folgen müssen will man die Playoffs erreichen. Wir waren alle sehr froh über die 3 Punkte, die wenn man ehrlich ist (durch einen Großteil vergebenen Torchancen) zum Schluss als Glücklich zu bezeichnen ist. Bis zu letzten Sekunde hatten die sich sehr schwach präsentierenden Krefelder die Möglichkeit zum Ausgleich. Jetzt wollen wir mal sehen wie sich das Team in Straubing präsentiert und noch mehr bin ich gespannt wenn die zwei AL O’Brien und Skille ob diese der Offensive mehr Durchschlagskraft verleihen werden

  4. Danke für den Hinweis, dass die Takatukas meine Idee jetzt auf Leinwand im Stadion aufhängen. Sehr schade, dass sie das in Augsburg noch nicht am Start hatten.

    Love Hockey – Hate Fascism

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