Spiel 27: R.I.P, Scot

Foto: Thomas Hahn/Zink

Es gibt Tage, die wirken wie verhext. Tage, an denen einfach nichts klappt, an denen die schlechten Nachrichten nicht abzureißen scheinen. Der Dienstag war für die Ice Tigers so einer. Nicht nur wegen dieses 2:7 gegen die Adler Mannheim.

Warm-Up

  • Eigentlich sollte Kurt Kleinendorst am Montag zurück nach Nürnberg kommen. Zu seiner Mannschaft, die ihm am Wochenende zwei Siege geschenkt hatte. Das war der Plan, der so auch in den Nürnberger Medien zu lesen war. Doch diese Erfolge in Ingolstadt und Schwenningen dürfte Kurt Kleinendorst daheim in den USA zur Kenntnis genommen haben. Mehr aber nicht. Eishockeyspiele sind derzeit nicht wichtig, nicht, wenn der eigene Bruder im Sterben liegt. Am Dienstag wurde bekannt, dass Scot Brian Kleinendorst seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Ruhe in Frieden. 
  •  „Wir haben vor dem ersten Spiel des Wochenendes kurz telefoniert und es ging nur um die Familie. Wir haben vor dem zweiten Spiel kurz telefoniert und es ging nur um die Familie.Wir haben nicht über Eishockey gesprochen. Denn es gibt wichtigere Sachen“, sagte Manuel Kofler. Am Sonntagabend hat Kurt Kleinendorst seinen so geschätzten Assistenten dann schon informiert, dass sich der Zustand seines Bruders dramatisch verschlechtert hat. Der nächste Anruf kam am Dienstagmorgen, vor dem Training. „Mir worn grod beinand ghockt“, erinnert sich Kofler. Er und Patrick Reimer. Danach haben sie gemeinsam die Mannschaft informiert.  
  • Apropos Patrick Reimer: Der soll am Freitag wieder mitspielen können.
  • Dann wird auch Manuel Kofler wieder an der Bande stehen. Und vielleicht noch öfter. „Wir haben als Verein gesagt, dass sich Kurt seine Zeit nehmen soll“, so Kofler.
  • Ob er irgendwann an diesem torreichen Abend daran dachte, Jonas Langmann für Niklas Treutle spielen zu lassen? „Na, hommer neda“, sagte Manuel Kofler. „Mir homs besprochn, aber mir wolltn ern Niklas durchspieln lassn.“
  • Moritz Wirth tauchte nicht auf dem Spielberichtsbogen auf. Schon an den vergangenen beiden Wochenenden hatte Pavel Gross keine Verwendung für den 20 Jahre jungen Verteidiger, der während der laufenden Saison von Nürnberg nach Mannheim gewechselt war. Info-Block: Mit den Heilbronner Falken ist Moritz Wirth derzeit Zweiter in der DEL2.
  • Diese Adler Mannheim werden nicht mehr lange Dritter bleiben. Sie haben München zuletzt zweimal geschlagen. Und dann kamen die Ice Tigers, die zuletzt auch deutlich öfter gewonnen als verloren hatten. Und man muss sagen: Das war teilweise schon sehr, sehr gut, was die Adler da abgeliefert haben. 

Das Spiel

Foto: Thomas Hahn/Zink

Manuel Kofler sagte den Satz, obwohl er Sätze wie diesen hasst, wie er zugab. „So ein Spiel wie heute, sowas passiert halt mal.“ Schimpfen wollte er nicht, vor allem nicht mit dem Wissen, dass eine Nachricht wie die vom Morgen einen Menschen beschäftigen kann, wenn er ein paar Stunden später Eishockey spielt. „Das muss man den Spielern auch mal zugestehen“, so Kofler. „Es ist schon passiert.“ Der Spielverlauf in Kürze: Unterzahl nach 37 Sekunden, 0:1 nach sieben und zwei Ausrutschern von Tom Gilbert, 0:2 nach neun Minuten, ein vergebener Alleingang von Chad Bassen – und im Gegenzug das 0:3. Pause. Zwölf Sekunden: 0:4. „Da war das Spiel eigentlich gelaufen“, sagt Manuel Kofler. Tim Bender traf in Überzahl: 1:4. Dann 1:5. David Wolf. Schmähgesänge. Pause. 1:6. David Wolf. Keine Schmähgesänge mehr. 1:7. Und als Abschluss: Tim Bender zum 2:7. Neun Mannheimer Tore in einem Spiel.

Der Moment

Einem Bayern sagt man ja ein positives Gemüt nach. Und Manuel Kofler fand auf dem Podium tatsächlich eine Sache, die er loben konnte. Auch wenn diese Sache bei einem 2:7 und nach einem Tag voller schlechter Nachrichten vielleicht nicht weltbewegend ist. Mannheim hatte sechs Überzahlminuten – und schoss kein Tor. Die Ice Tigers durften einmal Fünf gegen Vier spielen – und trafen. „Bei den Special Teams hatten wir heute 100 Prozent“, sagte Kofler also. „Ich hätte aber lieber Punkte gehabt.“

Three Stars

Als Tim Bender zum ersten Mal in Nürnberg trainierte, da musste er schmunzeln. Sportredakteure stellen manchmal doofe Fragen, die lustig sein sollen. Zum Beispiel, weil sie eine ganze Seite über die Neuzugänge der Ice Tigers machen wollen. Ob er, der mit den Jungadlern so viele Titel gewonnen hat, nun das Sieger-Gen nach Nürnberg bringen würde, fragte ich Tim Bender also. Und er verstand den Spaß, ging darauf ein. Seitdem hat Tim Bender sehr viele lustige Geschichten erzählt – und an diesem Abend zwei Tore erzielt. Dafür gebührt ihm ein Stern.

Tja, und sonst? Man könnte nun Eugen Alanov loben, dass er zwar ein paar schlampige Pässe in die Kelle seiner Gegner gespielt hat, aber sich danach nicht zu schade war, jedes Mal hart weiterzuarbeiten und sich den Puck wieder zu holen. Oder Will Acton, der tatsächlich zweimal Applaus von den Rängen bekam für seine Defensivarbeit. Übrigens etwas, für das ihn auch Kurt Kleinendorst immer wieder lobte.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Der dritte Stern muss aber an Manuel Kofler gehen. Das soll zwar kein Mode-Blog sein, aber es zeugte schon von einem gewissen Stil, einen schicken Anzug mit Trachtenschuhen und den dazugehörigen Socken zu komplettieren. Chapeau!

Und sonst?

Die Ice Tigers haben am Mittwoch frei, „es waren viele Spiele jetzt“, sagt Manuel Kofler. Am Freitag geht es ja schon wieder weiter. Gegen Wolfsburg. Hoffentlich auch für den Kollegen Böhm, der derzeit krank zuhause sitzt. Oder liegt. Gute Besserung.

5 Kommentare in “Spiel 27: R.I.P, Scot

  1. Guten Morgen,

    tja ich denke schon auch, dass solche Spiele passieren dürfen, allerdings muss man auch ganz ehrlich sagen, dass diesmal kein überragender Treutle oder der Herr „Zufall“ unsere Katastrophale Defensivarbeit unterstüzt haben. Denn wenn man die rosarote Brille beiseite legt, muss man feststellen, dass alle Spiele in letzter Zeit defensiv sehr schwach waren. Mannheim hat die Chancen, die wir in jedem Spiel zulassen einfach genutzt. Die Verteidigung steht einfach nicht richtig. Ich weiß nicht, was wir da machen, aber es ist irgendwie schlechte Raumdeckung.

    Läuferisch die ersten zehn Minuten komplett überfordert und ein Zusalmenspiel feststellbar. Das Körperspiel kam nachdem 0 zu 3….

    Ich will es nicht überbewerten, aber die Defensive ist im Moment eine Zumutung.

  2. Ein ernüchternder Abend in einer für mich überraschend leeren Arena. Sehr faires Spiel mit wenig Körpereinsatz, was ebenfalls den Adlern in die Karten gespielt hat. Immerhin waren die 60 Minuten relativ schnell vorbei. Auch wenn die Trainer bisher viel richtig gemacht haben in der Saison: Treutle permanent spielen zu lassen, erweist sich immer mehr als massive Fehler. Inzwischen ist er weit entfernt von Glanzleistungen und fängt in fast jedem Spiel mindestens 1 bis 2 haltbare Tore, so wie gestern. Das trägt auch zu der hohen Gegentorquote in den letzen Spielen bei. Wahrscheinlich wird er am Freitag auch wieder spielen, da ja „wichtiges Heimspiel“.

  3. Zunächst mal,
    Alles gute an die Familie Kleinendorst, RIP Scott!

    Ehrlich gesagt ist gestern mal das passiert was ich schon seit langem erwartet habe.
    Unser teilweise vogelwildes Spiel aus/in der Abwehr raus wurde mal konsequent bestraft.
    Hochrisikopässe, Querpässe in Tornähe und Klein-Klein Gespiele in der Abwehr wurde gestern
    mal vom Gegner dankbar angenommen!
    Bisher ging es ja immer irgendwie zu kaschieren, denn es hat ja vorne immer geklappt irgendwie mehr Tore zu schießen, als man sich hinten einfängt.
    Unsere Abwehrjungs haben auch schon mal bessere Tage gesehen, durch die Bank. Wenn man Mannheim dann auch noch spielen lässt und auch nicht durch einen Check aus dem Spiel(zug) nimmt, darf man sich am Ende nicht wundern.
    Was ich aber wirklich nicht verstehe, wenn man schon eine ellenlange Verletztenliste hat, warum man konsequent KEINE Förderlizenzen holt um wenigstens mal ein klein wenig Entlastung zu schaffen!!??
    Warum dann auch Langmann nicht zum Zuge kommt, wenn es an einem Abend so läuft.., ist auch nicht verständlich, für mich und einige Bekannten um mich rum!
    Nun gut, wollen wir mal nicht alles auf ein einziges Spiel projezieren, aber es hat doch mal deutlich gezeigt wie der (Leistungs) Stand der Dinge (Mannschaft) ist! Solide und unbequem, aber nicht über alle Maßen überragend!

  4. Angesichts der schlimmen Nachricht vom Tod Scot Kleinendorst rückt der Sport in den Hintergrund. Mein Beileid an die Familie und viel Kraft für die kommende, schwere Zeit.

    Auch wenn gestern eine Mannschaft auf dem Eis stand, die in den Gedanken sicher oft bei ihrem Cheftrainer war – die Partie zeigt ein paar grundsätzliche Probleme dieses Jahrgangs der Ice Tigers.

    – Die Mannschaft ist läuferisch stark und in guten Momenten auch spielerisch auf einem sehr soliden Niveau

    – In Sachen Körperspiel hat das Team aber erkennbare Defizite – selbst in der inzwischen praktisch völlig körperlosen DEL.

    – Mannschaften wie Mannheim oder München sind in Topform für die Ice Tigers praktisch nicht zu schlagen – auf spielerischem Weg ohnehin nicht, aber auch körperlich hat Nürnberg da wenig entgegenzusetzen.

    – Die Mannschaft spielt außerordentlich brav. Für meinen Geschmack zu brav.

    – Etwas verwunderlich ist außerdem, dass Jonas Langmann derart wenig Einsätze bekommt. Ein paar Pausen mehr würden Treutles Spiel sicher nicht schaden – eher im Gegenteil.

    So richtig begeistert mich die Mannschaft und die Art zu spielen dieses Jahr ehrlich gesagt nicht. Aber: Natürlich sind Platzierung und Punkteausbeute gemessen an der Qualität des Kaders und den widrigen Begleitumständen deutlich besser als man erwarten durfte.

  5. Ich gebe Michl uns Stefan #12 dahin gehend recht, das das Defensivverhalten wohl der Bereich ist, wo Richtung Play-Off-Platzorientierung noch die meiste Luft nach oben und das größte Verbesserungspotenzial da ist.
    Allerdings bin ich mir a) sicher das die Trainer das noch deutlicher erkennen und wissen wie wir als Fans und b) nehme ich die Spieler schon so wahr, das sie sich nicht auf irgendwelchen Lorbeeren und guten Zwischenergebnissen ausruhen wollen und werden, sondern an der Verbesserung ihrer eigenen Leistung arbeiten! Also (Vorsicht Phrase! „Mund abwischen und weitermachen“.

    Ich hatte beim Betrachten des ersten Drittels den Eindruck bei einem 80iger Jahre Spiel zwischen der DEB Auswahl und Wiktor Tichonow`s UdSSR erinnert!
    Soweit ein paar Anmerkungen zum Geschehen auf dem Eis- abseits davon muss ich von außen betrachtet den Verantwortlichen Respekt zollen und ein gutes Fingerspitzengefühl bescheinigen.

    Wenn ich mich richtig erinnere hat am Tag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon Abends der SC Freiburg sein Uefa-Cup Spiel austragen müssen.
    Wenn ich dagegen den Umgang mit dem Schicksalsschlag bei Familie Kleinendorst (möge Sie sich gegenseitig viel Kraft geben) und den Geschehnissen beim Spiel in Köln sehe, so muss man einfach sagen, es gibt schlimmeres und wichtigeres wie ein Liga-Spiel! Ich denke das – auch wenn für die Spieler der Bruder von Kurt Kleinendorst bisher keine Bedeutung hatte- so ist auch an ihnen die Nachricht nicht emotionslos vorbeigegangen. Auch unter diesen Aspekt darf man den gestrigen Abend nicht überbewerten.
    Deshalb freuen wir uns gemeinsam über alles Gute was wir in unserem Leben haben und das in wenigen Tagen mit dem „erreichen“ des 24igsten bei vielen der Stress der letzten Woche abfallen dürfte!

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