Spiel 22: Buck shoots, Buck scores

Foto: Thomas Hahn/Zink

Jetzt sitzt er da in seiner wunderbar gemütlichen Art, der Christoph Fetzer, einfach so. In Fürth. Und erzählt so interessant. Jetzt macht er via Twitter Druck. Vielen Dank. Gleich nehm‘ ich ihm die Schokolade von seinem Kopfkissen und räum die Gute-Nacht-Lektüre (das Gesamtwerk von Bernd Schwickerath) zurücks Bücherregal. Selten war der Druck so groß, ein Eishockeyspiel angemessen zusammenzufassen. Der Kollege Kommentator fand das 5:4 der Ice Tigers gegen Augsburg jedenfalls gut. Er war aber ja auch das erste Mal in dieser Saison in Nürnberg.

Warm-up

  • Wir haben es einmal versucht, ein zweites und ein drittes Mal. Manuel Kofler aber wollte nicht über die Eisqualität sprechen. An Tagen nach Heimspielen des HC Erlangen leidet das Eis in der Arena massiv, vor allem wenn mehr als 7000 Menschen den Turnverein Hassee-Winterbek sehen wollen. Natürlich beeinflusst schlechtes Eis beide Mannschaften, das technisch versiertere Team aber leidet vielleicht ein wenig mehr. Und das ist bei allem Respekt vor DEL-Ausnahmespielern wie Drew Leblanc und Simon Sezemsky derzeit eher Nürnberg als Augsburg.
  • Die Frage ist nur, ob sich die Ice Tigers auf das weiche Eis nicht eher hätten einstellen können. Brandon Buck hat schließlich genau das auch gemacht: den ersten Penalty hat er noch hineingezockt, den zweiten hat er einfach geschossen und getroffen, weil er wusste, dass das Eis ein einen weiteren kunstvollen Abschluss vielleicht verhindert hätte.
  • Die Qualität des Spiels selbst wollte aber niemand mit der Eisqualität erklären, schon eher mit der Qualität des Gegners. Es war dem sehr netten Tray Tuomie zu wünschen, dass er wieder ein DEL-Team als Headcoach übernehmen darf. Die Herausforderung, in Augsburg dem sehr autoritären und erfolgreichen Mike Stewart als ehemaliger Co-Trainer nachzufolgen, aber war maximal groß. Oberflächlich betrachtet vielleicht groß. Augsburg aber hat an diesem Freitag nicht wie eine Mannschaft gespielt, die ein Coaching-Problem hat. Im Gegenteil.
  • München hat es dann doch ausgereizt, beinahe bis zum letzten Tag. Und genauso muss man das von einem professionell geführten Klub auch erwarten. Vielleicht hätten sie Andreas Eder dann ja doch noch dringend brauchen können. Jetzt bleibt der Mittelstürmer in Nürnberg. Gegen Augsburg hat man noch nicht gesehen, wie wichtig diese Personalie für die Ice Tigers noch werden könnte. Eder sucht den Abschluss weiterhin aus wenig erfolgversprechenden Positionen. Kurt Kleinendorst hat unter der Woche zugegeben, dass sie genau das ändern wollen. Auch deshalb spielt Daniel Fischbuch neuerdings an Eders Seite.
  • Marco Sternheimer geht es gut. Oder so gut es jemandem gehen kann, der seinen Unterschenkel von Brett Festerlings Schlittschuh bis zum Knochen aufgeschlitzt bekommen hat. Die Szene hat mich ein wenig an den Zusammenstoß von David Backes und Scott Sabourin erinnert – und offensichtlich geht sie ähnlich glimpflich aus. Sternheimer verfolgte das Ende des Spiels bereits wieder in der Arena. Sein Coach Tray Tuomie rechnet mit einer Ausfalldauer von zehn Tagen. Angesichts des ersten Schreckmoments sind das gute Nachrichten.
Foto: Thomas Hahn/Zink

Das Spiel

Nürnberg hat vier Spiele in Folge gewonnen, kassiert aber nach elf Sekunden das Gegentor, weil Brett Festerling am Puck vorbei pincht, kommt dann vergleichsweise leicht zum Ausgleich (vielleicht gerade weil Will Actons Querpass auf Patrick Reimer nicht perfekt war) und zum 2:1 (weil Philippe Dupuis sein Büro hinter dem Tor wieder bezogen hat), findet aber trotzdem nicht zu seinem Spiel. Es war erklärbar, warum die Ice Tigers nicht so scharf wirkten, wie noch am Wochenende zuvor. Der Spielverlauf hat das eher noch begünstigt. Denn auch das 3:2 (noch eindrucksvoller aus Dupuis‘) fiel in eine Phase, in der Nürnberg das Spiel nicht kontrolliert hat. Augsburg hatte sich jedes Tor hart erarbeitet und sich den Punkt deshalb auch redlich verdient.

Der Moment

So oft geht es in Spielanalysen um Kleinigkeiten, um Details. Selten war das offensichtlicher als an diesem Freitag im Schlussdrittel. Henry Haase hat Daniel Fischbuch den Puck geschenkt. Fischbuch hat Ramoser ins Spiel gebracht. Ramoser hat Keller ausgetanzt, Keller aber wollte sich nicht geschlagen geben und unbedingt in die Magenta Sport Top Ten. Letztlich haben ihn nur Zentimeter daran gehindert. Trotzdem war es eine großartige Szene, die für Kellers Saisonverlauf (4,95 GAA, 85% Fangquote) hätte extrem wichtig werden können, die aber nun vielleicht für den immer engagierten, aber oftmals so glücklosen Ramoser wichtig werden kann. Diese eine Szene kann darüber entscheiden, ob ein Spiel als Erfolg angesehen wird oder als unerwarteter Rückschritt. Weil aber Philippe Dupuis genau zwei Minuten vor dem vermeintlichen Ende meinte, eine Strafe nehmen zu müssen, kam es dann doch ganz anders.

Das Interview (präsentiert vom Hoferbauer)

Es sah so aus, als sei Ihnen gleich klar gewesen, dass der drin war?
Joachim Ramoser: Nee. Ich habe nur den Fischi gesehen, der aufs Tor gezeigt hat. Und dann habe ich das einfach auch gemacht. Ging ja dann gut aus für uns.

War das ein typisches Spiel, dass den Ice Tigers nach einer kurzen Siegesserie aufgezeigt hat, dass Siege nichts Selbstverständliches sind?
Ramoser: Augsburg hat eine gute Mannschaft, die sich gegenüber dem starken letzten Jahr kaum verändert hat. Schlussendlich haben wir die zwei Punkte geholt, aber es war nicht gut genug heute.

Fühlen Sie sich wohl in dieser neugebildeten Reihe neben Andreas Eder und Daniel Fischbuch?
Ramoser: Gut, wir arbeiten dran, dass wir vielleicht auch ein bisschen mehr Tore machen. Wenn wir weiterhin zusammen bleiben, glaube ich auch daran, dass das was wird, weil wir eine starke Reihe sind. Macht Spaß, mit den beiden zusammen zu spielen.

Gegen die DEG hat das schon sehr gut funktioniert, gegen Augsburg eher nicht so. Ist das normal, weil man sich als Reihe erst finden muss?
Ramoser: Heute hat es einfach ein bisschen gefehlt. Wer weiß, woran es liegt. Das müssen wir abhaken.

Immerhin haben Sie ein vermeintlich wichtiges Tor geschossen. War es dieses Erfolgserlebnis, das noch gefehlt hat?
Ramoser: Wir haben das Tor ja auch als Mannschaft dringend gebraucht.

Three Stars (präsentiert von der Schlierseer Blasmusik)

Foto: Thomas Hahn/Zink

Es waren nicht seine beiden Treffer, die nachwirken werden, sondern seine Sorge um Marco Sternheimer. Chris Brown blieb stehen, beobachtete, was da passierte und verabschiedete den verletzten Gegner dann mit einem Klaps, während Sternheimers eigentliche Kollegen weit entfernt auf die Fortsetzung des Spiels warteten.

Brandon Buck war stolz, weil er ein entscheidender Spieler einer Mannschaft war, die ihren Gegner „outworked“ hat. Gut, das kann man jetzt auch anders sehen. Aber dem Brandon Buck aus der Saison 2018/2019 hatte man auch nur selten dabei zusehen dürfen, wie er in Unterzahl Schüsse blockt. Gegen Augsburg hat er das gemacht, zweimal. Christoph Fetzer war ganz beeindruckt. Und dass er individuell zu den stärksten Spielern dieser Liga zählt, ist nun auch nichts Neues. Im Penaltyschießen hat er genau das mal wieder gezeigt.

Er ist der Grund, warum ich jetzt, um 2.36 Uhr immer noch schreibe. Er ist aber auch der Grund, warum es heute noch so sehr viel mehr Spaß gemacht, diesen Blog zu schreiben. Zwischen uns stehen vier Meister und Kupfer Spezial. Er darf gerne wieder kommen, der Christoph Fetzer.

7 Kommentare in “Spiel 22: Buck shoots, Buck scores

7 Comments
  1. Ausgezeichneter Blog-Eintrag. Die Sorge um Sterni von Brown und die anhaltende Ruhe der Arena kurz nach Wiederanpfiff, zeigen mir wieder einmal, dass Nürnberg großen Charakter hat. Wirklich großartig.
    Ich bin kein großer Analytiker, jedoch ist mir aufgefallen, dass sich der AEV von Anfang an gut auf unser Spiel eingestellt hat. Mir fehlte da ein wenig die entscheidende Reaktion unserer Coaches.
    Dennoch ein sehr unterhaltsames Spiel mit einem relativ sympathischen AEV (außer sie gehen wieder mal zu zweit auf Weber).
    Auch Acton hat mir im Vergleich zum letzten Jahr heute wieder ganz gut gefallen. Gerade dann, wenn er mal alleine vor´s Tor fährt. Meistens glücklos aber irgendwann platzt der Knoten.
    Zuletzt muss hier noch die Kommunikation der Schiris loben. Keine Ahnung, ob sich Schukies das selbst in den Kopf gesetzt hat, dass die Entscheidungen mit der Halle kommuniziert werden, es war jedenfalls eine gute und kluge Entscheidung. Gebt den Zebras endlich Mikros!

    • Fetzi, bist du das? Den Gedanken mit den Schiedsrichtern hatte Christoph Fetzer genauso geäußert, irgendwann weit nach Mitternacht. Ich vermute, dass das verbesserte Auftreten der Schiedsrichter auf Lars Brüggemann zurückgeht.

  2. Es ist soweit: der erste Bloggkommentar von mir in der laufenden Saison ;).

    Ein seltsames Spiel, dass vielleicht auch der jetzt bekannt gewordenen Eisqualität geschuldet war.
    Für mich erinnerte da einiges an eines der ersten Spiele nach der Sommerpause :). Auf beiden Seiten fehlte das Seitenglück wenngleich Augsburg gefühlt etwas mehr davon hatte als die Ice Tigers.
    Kosmachuk könnte für die Augsburger ein Glücksgriff werden, hat mir gut gefallen der Knabe. Seine Reihe sorgte stets für Unruhe.

    Wie die Mannschaft aber weiterhin auftritt gefällt mir. Im Vergleich zur Vorsaison wie Tag und Nacht. Das Buck auf einmal so aufspielt ist bestimmt ein großer Verdienst des Trainers. Generell scheint da eine große Einheit auf dem Eis zu stehen.

    Ansonsten das Spiel schnell abhaken und in Bremerhaven 3 Punkte nachlegen.

    Das Eder bleibt ist ein gutes Zeichen, dass Dietzsch davon spricht um ihn herum eine Mannschaft aufzubauen ein noch viel besseres für die Zukunft.

    • So oft, wie du mittlerweile auf diesem Eis stehst (und angeblich auch fährst), solltest du ja am besten wissen, dass es trotz eines kompetenten Eismeisterteams nicht immer im besten Zustand ist.

  3. Bärenstarker Auftritt von Buck-Brown-Dupuis. Bei Letzterem trübt nur die dumme Strafzeit kurz vor Schluss etwas den guten Gesamteindruck.
    Was Buck zur Zeit macht hat beinahe durchgehend Hand und Fuß.
    Ramoser hätte eine Berufung in die Three-Stars auch verdient. Stets voller Einsatz, wenn auch hin und wieder hart an der Grenze des Erlaubten.

  4. Erstmal danke für den Beitrag. Schön dass der Blog weiter existiert und den Austausch ermöglicht.

    Die Augsburger waren gut auf die Ice Tigers eingestellt. Dass muss man Tuomie schon lassen. Wir
    haben zwar gute Phasen gehabt wie zu Beginn des 2. Drittels, in denen man dachte jetzt haben die Nürnberger das im Griff, dies war jedoch mit dem 2:2 wieder vorbei. Im letzten Drittel war ich mit einem Punkt zufrieden. Wir hätten uns auch nicht beschweren dürfen, wenn das Spiel verloren gegangen wäre. Das es zwei Punkte wurden ist schön, aber nicht unbedingt verdient (freue mich natürlich trotzdem drüber, denn die Plätze 3-9 sind dicht beieinander und da ist jeder Punkt wichtig im Kampf um Platz 6).
    Sehr selbstkritisch war das Team mit sich selber, denn die Mannschaft tagte lange in der Kabine und hat den Helm dann nicht vergeben. Das erste Mal in dieser Saison wenn ich es richtig in Erinnerung habe.
    Wir haben uns gewundert, wie viele Pässe in die Schlittschuhe gingen. Das Eis mag eine Rolle gespielt haben. Aber das war sicher auch den gut eingestellten Augsburgern zu zuschreiben. Und bei denen lief der Puck aber auch besser.
    Vor allem im Powerplay haben die Augsburger den Puck sehr schnell und gut laufen lassen (da hatte ich nicht das Gefühl, dass die Eisqualität einen Einfluss hat). Sie haben die Scheiben zum Tor gebracht und im Gegensatz zu Nürnberg stehen dann immer 1-2 Spieler vor dem Torhüter und im Slot. Das starke PP wurde auch mit den Toren 2 und 3 belohnt (im Spiel in Augsburg gab es für NIT ja auch schon einen Gegentreffer). So spielt man Powerplay…
    Warum das Powerplay der Nürnberger nicht mehr läuft ist wirklich schwierig. Zu Beginn der Saison lief der Puck schnell, es wurde geschossen (vor allem Fischbuch) und durch Rotation auch vor dem Tor war ständig Gefahr. Inzwischen ist das kein PP mehr. Der Puck kreiselt ständig vor allem auch hinter dem Tor herum weil die ideale Position für den Schuss gesucht wird. Schlechte Anspiele sorgen dann dafür, dass fast gar nicht geschossen wird. Und sind die Anspiele schnell und scharf kann der Angespielte den Puck nicht kontrollieren. Das hat jetzt auch schon was mit Unsicherheit und mangelndem Selbstvertrauen zu tun. Irgendwie muss das komplizierte Spiel aufhören und einfach mehr geschossen werden (die Aussage vom Coach in der PK galt sicher nicht nur dem PP aber wohl auch). Mal schauen wie die Trainer das angehen…

    Zu den Reihen. Die letzen drei Spiele hat sich Acton nicht um einen Platz in den Top3 beworben. Das war nicht so toll. Die Reihe ist insgesamt schwer zu beurteilen. Reimer spielt sehr engagiert und vor allem defensiv einfach bockstark. Ein Beispiel war kurz vor Schluss bei 4vs6. Das richtig klasse. Aber er hadert oft auch mit seinem Abschluss. Alanov gefällt mir recht gut in der Reihe. Sehr starker Forecheck. Sehr viel Energie und immer wieder erkämpfte Pucks in der Rundung. Er hat auch den Kopf inzwischen viel öfter oben, so dass er Assists sammelt. Das ist ein weiterer Schritt zum Vorjahr. Insgesamt hat die Reihe sicher noch Luft nach oben…
    Die Reihe vier ist natürlich der Lückenfüller um den anderen Luft zu verschaffen. Das gelingt der Reihe recht gut. Vor allem durch die Geschwindigkeit und Energie von Bassen und Weber. Kislinger fällt da ab. Er wirkt langsamer als in der letzten Saison. Vor allem im Kopf. Selbst in guten Schusspositionen kommt er nicht zum Abschluss weil er zu lange benötigt. Er hat leider gegenüber dem Vorjahr einen Rückschritt gemacht. Vielleicht braucht er noch etwas nach der Verletzung. Es wäre zu wünschen, denn wegen der U23 Regel wird er dauernd spielen müssen. Alles in Allem erfüllt die vierte Reihe dennoch die Aufgabe ordentlich. Ich glaube diese Reihe verträgt noch den ein oder andren Shift mehr im Verhältnis zu den anderen Reihen.
    Vermutlich wegen der vielen Shifts in den Dritteln eins und zwei hatte Dupuis im 3. Drittel kaum noch Eiszeit. Schon etwas müde (mein Eindruck) oder leicht angeschlagen? Ich bin gespannt ob er morgen durch Schwartz ersetzt wird. Oder doch Fischbuch, der vielleicht auch mal ein Spiel Pause gebrauchen könnte? Bin auch gespannt, ob Langmann morgen wieder einen Einsatz erhält.

    Auf jeden Fall macht es wirklich Spaß in dieser Saison und ich freue mich auf jedes Spiel in der Arena oder vor dem TV. So auch wieder Vorfreude auf morgen.

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