Spiel 21: Auf Platz vier noch Luft nach oben

Foto: Thomas Hahn/Zink

Eigentlich sollte diese Betrachtung des 3:0 der Ice Tigers gegen die Düsseldorfer EG mit einem Rant gegen das Franken-Derby und dem Wahnsinn drumherum beginnen. Aber es ist 20:57 Uhr. Ich will nach Hause und mich nicht mehr aufregen. Deshalb: nur Eishockey. Ist besser so.

Warm-up

  • 8:33 Minuten, 8:00, 9:40 und 7:58 – man kann nicht behaupten, dass die Versetzung in den Angriff der Eiszeit von Marcus Weber gut getan hätte. Seine Statistik hat davon profitiert. In den jüngsten vier Spielen hat Weber zwei Tore geschossen und zwei vorbereitet. Hochgerechnet auf die normale Eiszeit eines ähnlich produktiven Stürmers beendete Weber eine 52-Spiele-Saison mit 104 Punkten. Robert Reichel hält den DEL-Rekord mit 101 Punkten.
  • Manuel Kofler hat nach dem 3:0 erzählt, dass für Verteidiger das Stürmen einfacher sei als für Stürmer das Verteidigen. Ist ja nicht jeder ein Sergei Fedorov oder ein Brent Burns, wobei man darüber streiten kann, ob der einstige Stürmer Burns mittlerweile tatsächlich ein Verteidiger ist.
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  • Trotzdem sind Webers jüngste Leistungen beeindruckend. Seine Tore in München und Krefeld waren jeweils das Resultat seiner Hartnäckigkeit, bei seinen beiden Vorlagen auf Tom Gilbert (bzw. Kevin Schulze) und Daniel Fischbuch beim Sieg gegen die DEG kam noch Übersicht hinzu. „Marcus macht das fantastisch“, stellte Kofler fest – „auf beiden Positionen.“
  • Über Philippe Dupuis wollte Kofler dagegen nicht sprechen. Wobei, nein, über Dupuis sprach er schon („Ein sehr wichtiger Spieler für uns, auch in der Kabine, der sich nahtlos eingefügt hat, das wird jetzt in den nächsten Spielen sicher noch besser“), aber nicht über den Grund, warum Dupuis gleich in der Reihe mit der meisten Eiszeit zum Einsatz kam, das aber als Linksaußen und nicht als Mittelstürmer.
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  • Dupuis war von Kurt Kleinendorst wohl ursprünglich schon als Ergänzung für Buck und Brown vorgesehen gewesen. Nach der Schulterverletzung des Franko-Kanadiers musste der Coach umdenken. Mit der Zeit wird Dupuis wohl wieder in die Mitte rücken, Kofler deutete das an. Immerhin ein Bully hat Dupuis schon gegen die DEG wieder genommen. Koflers Zurückhaltung bezog sich wohl eher auf die vermeintliche Degradierung des bisherigen Überraschungsspielers Daniel Fischbuch. Das solle Kleinendorst erklären. Meine Interpretation: Fischbuch soll Andreas Eder besser machen. Im Training sieht man die beiden oft zusammen auf dem Eis. Im ersten Spiel ist das nur bedingt gelungen. Die Reihe hatte starke Wechsel, auch dank der Energie von Joachim Ramoser. Eder kommt aber weiterhin nicht in die Positionen, um seinen eigentlich gefährlichen Schuss anbringen zu können.
  • Zu Eder habe ich keine neue Informationen, auch weil es mir zu blöd ist, immer wieder dieselben Fragen zu stellen (ich weiß, dass das mein Job ist). Ich bleibe aber dabei: Sollte sich im gerade laufenden Spiel in Ingolstadt kein Münchner Ü23-Spieler verletzen, gehe ich davon aus, dass die Ice Tigers Eder behalten dürfen. Aber noch einmal: Das ist nur meine Spekulation.
  • Die Eder-Reihe funktioniert also noch immer nicht so richtig. Dupuis braucht noch Zeit. Die vierte Formation ist eine Baustelle. Und aus dem Trio Alanov/Acton/Reimer ruft nur der Kapitän regelmäßig seine beste Leistung ab. Trotzdem ist Nürnberg Vierter.
  • Russland, Kanada, USA und Tschechien in der Gruppenphase, aber eben auch Seider, Stützle, Bokk, Peterka und Reichel. Lange Zeit war ich geneigt, das Pro im Pro-und-Contra Viertelfinaleinzug bei der U20-WM in Tschechien (26. Dezember 2019 bis 5. Januar 2020) durch Hendrik Hane zu ergänzen, dann hat er beim 2:0 durch Fischbuch nicht mehr ganz so ausgesehen, als sollte er auch Tobias Ancicka verdrängen können, um sich Vasili Podkolzin, Alex Lafreniere, Alex Turcotte und Jan Jenik entgegenzustellen. Aber natürlich ist das Quatsch. Mehr als 50 Minuten bewegte sich Hane auf einem Niveau mit Niklas Treutle.

Das Spiel

Trotz Derby waren mehr als 5000 Zuschauer gekommen. Natürlich lag das am Family Day und dem Teddy Bear Toss, der stets für eine angenehme Atmosphäre in der Arena sorgt. Weil aber sowohl die Ice Tigers als auch die DEG ihre jüngsten Spiele zwar gewonnen hatten, das aber jeweils trotz und nicht wegen ihrer Verteidigungsleistung, wollte sich das störrische Spiel lange nicht der Stimmung und der Erwartungshaltung der vielen Kinder anpassen. Das lag auch daran, dass die Ice Tigers eine starke Anfangsphase durch viele Schüsse neben und nicht auf das Tor von Hane konterkarierten. Das erste ordentliche, aber wenig effiziente Power-Play nahm der Mannschaft den Schwung. Beide Teams hatten danach immer wieder Drangphasen, solide Abwehrleistungen aber sorgten dafür, dass sich auf beiden Seiten nur wenige Chancen boten, die es gebraucht hätte, um Treutle oder Hane zu überwinden. Eine solche ermöglichten dann Marcus Weber und Kevin Schulze ihrem Verteidigerkollegen Tom Gilbert – 1:0. Fischbuch profitierte danach von Hanes Fehler – 2:0. Für Browns Vorarbeit vor dem 3:0 will sich Dupuis noch mit einem Bier bedanken.

Der Moment

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Hatte sich bereits am Samstag zuvor zugetragen. Und nicht nur einer. Unterstützt vom Deutschen Eishockey-Bund und den Ice Tigers hatte der EHC 80 Nürnberg denkbar sympathisch für den Sport Eishockey geworben. Den Kids‘ Hockey Day habe ich zum ersten Mal aus der Perspektive eines Vaters erlebt und war begeistert von der Professionalität und der Hilfsbereitschaft aller Beteiligten. Ich will da nicht zu viel vorwegnehmen. Unter der Woche wird in den Nürnberger Nachrichten noch ein Artikel dazu erscheinen. Aber wenn man es sich als Journalist immer wieder herausnimmt, sowohl den DEB als auch die DEL für vermeintlich mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit zu kritisieren, sollte man auch loben, wenn es angebracht ist. Selbst wenn sich nach dem Kids‘ Hockey Day kein Kind beim EHC 80 anmelden sollte, haben die Organisatoren alles richtig gemacht. Nicht nur in den strahlenden Gesichtern meiner Jungs war das zu sehen.  

Das Interview

Haben die Macher Eliteprospects schon angefragt, ob sie den Verteidiger Marcus Weber zum Stürmer Marcus Weber machen sollen?
Marcus Weber: Nein. Ich hoffe auch, dass das nicht passieren wird. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen kann. Ich stehe trotzdem lieber noch hinten auf dem Eis.

Tatsächlich? Sieht nämlich nicht so aus.
Weber: Ja, klar macht das Spaß. Eishockey spielen macht immer Spaß. Ich bin trotzdem eher ein Verteidiger und versuche der Mannschaft so zu helfen, weil wir zu wenige Stürmer haben. Heute hat das ganz gut geklappt, die letzten Spiele auch. Unsere Reihe muss hart arbeiten, weil wir spielerisch nicht ganz so versiert sind. Wir bringen einfach die Scheibe tief, rennen hinterher und halten sie dort. In den letzten Spielen haben wir das ganz gut gemacht.

Was ist denn anstrengender, Stürmer oder Verteidiger?
Weber: Wenn man als Stürmer einen langen Wechsel hat, ist das schon sehr anstrengend. Als Verteidiger kann man sich das Spiel besser einteilen und das Spiel lesen. Als Stürmer muss man immer Vollgas geben – das kann ab und zu doch ganz schön anstrengend sein.

Und was ist intellektuell fordernder, Stürmer oder Verteidiger?
Weber: Als Verteidiger musst du alles im Blick behalten und für alle mitdenken. Als Stürmer musst du auch mitdenken, klar, aber ab und zu kannst du schon auch den Kopf ausschalten und einfach nur in die Ecke reinrennen und das einfache Spiel machen.

Was ist bei den Ice Tigers in den letzten vier Spielen noch besser gelaufen, als vor dem Deutschland Cup?
Weber: Ich denke, dass es uns gut getan hat, dass Spieler zurückgekommen sind. Das bringt uns auf 60 Minuten doch ein bisschen mehr Kraft. Deswegen sind wir in den letzten Spielen im Schlussdrittel doch sehr konstant und somit dominant.

War das Spiel heute eine Antwort auf das etwas wilde 5:4 in Krefeld?
Weber: Defensiv schon, es war schon unser Plan sicherer zu stehen, gerade gegen Düsseldorf. Krefeld ist daheim eine starke Mannschaft, das war auch kein einfaches Spiel. Das sind wir schon auch froh, dass wir als Sieger vom Eis gegangen sind.

Three Stars

Nicht nur wegen des Shutouts: Niklas Treutle gibt den Ice Tigers in jedem Spiel die Möglichkeit zu gewinnen. Der Nationaltorhüter wirkt seit Saisonbeginn beeindruckend souverän. Oftmals sieht man erst in der Zeitlupe, wie hart er hat arbeiten müssen, um einen Gegentreffer zu vermeiden.

Er ist bereits erwähnt worden, darf aber natürlich hier nicht vergessen werden: Zwei wichtige Vorlagen in 7:58 Minuten Eiszeit – Marcus Weber war gegen Düsseldorf der Matchwinner. Rylan Schwartz sollte am Freitag gegen Augsburg wieder dabei sein. Dann wird Weber wieder verteidigen dürfen.

Und weil William Actons starke Bullyquote nicht ausreicht, Kevin Schulze hier nicht jedes Mal vorkommen soll (das wäre verdächtig) und Patrick Reimer nicht für eine herausragende Leistung in Krefeld erwähnt werden darf: Lukas Kohlmüller. Mit Aleksi Rantala entwickeln die Ice Tigers eine spezielle Beziehung. Der junge zweite Schiedsrichter aber überzeugte vollends.

3 Kommentare in “Spiel 21: Auf Platz vier noch Luft nach oben

3 Comments
  1. Durchaus bemerkenswert, dass trotz mehr oder weniger großer Baustellen dieser Tabellenstand belegt wird, und das durchaus verdient. Spricht meiner Meinung nach für eine hervorragende Arbeit der Trainer.
    Die vierte Reihe spielt dabei durchaus im Rahmen des Erwartbaren, teilweise sogar besser.
    Durchaus kritischer könnte man die Reihe um Acton sehen. Was in erster Linie am Genannten liegen könnte. Trotz guter Ansätze (gestern z.B. ein toller Move im ersten Drittel) und einer unbestreitbaren deutlichen Verbesserung verglichen mit der letzten Saison (was aber nicht schwer ist), ist er noch meilenweit von der Form entfernt, welche man sich ursprünglich versprochen hatte. Gute Bullyquote hin oder her. Es sind aber auch immer wieder schwächere Spiele mit dabei (Krefeld, oder auch gestern wieder).
    Nicht auszudenken, was in dieser Saison noch gehen könnte, wenn wirklich jeder seine beste Leistung einigermaßen konstant abrufen würde.
    Angesichts des bisher Erreichten sollte man aber auch nicht zu kritisch sein. Insgesamt macht es viel Spaß, diesem Team zuzusehen.

  2. Was zu denken gibt, ist der überschaubare Zuschauerschnitt. Da hallt die letzte Saison doch stärker nach, als man glauben möchte. Die fehlende Torhüterrotation fällt mir auf. Treutle macht mit Abstand die meisten Spiele aller Goalies. Das halte ich für unklug. Langmann wird ohne Spielpraxis ja quasi zum Unsicherheitsfaktor und Treutle wird zum Ende der Saison ausgelaugt sein.

  3. Eder bleibt. Somit Spekulation vom Autor korrekt. 😀
    Sogar einen Tag vor Fristablauf. Gut, dass bei Red Bull sich wohl keiner mehr verletzt hat, was auch ein interessanter Aspekt war. Die weitere Entwicklung des Spielers ist auf jeden Fall sehr spannend. Hat ja beispielsweise beim Deutschlandcup gut eingesetzt.

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