Spiel 12: Ein bisschen Platz im Herzen

Foto: Thomas Hahn/Zink

Ein packendes Eishockeyspiel, ein 6:2 gegen Bremerhaven, die Rückkehr von Martin Jiranek und ein überzeugender Will Acton. Stoff für zwei Blogeinträge, eigentlich. Aber wozu warten? Raus damit! An die Zukunft kann man ja auch nächsten Freitag noch denken. Oder übernächsten.

Warm-up

  • Was Kurt Kleinendorst am meisten gefallen hat an diesem 6:2 gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven? „Die drei Punkte“, antwortete Nürnbergs Cheftrainer, klang dabei aber nicht so nüchtern, wie es verschriftlicht klingen könnte. Kleinendorst wollte nur dem Abend angemessen klingen, denn: „Das Ergebnis entspricht nicht ganz dem Spiel“, fand er, es war zu deutlich ausgefallen. Die Gäste hatten große Spielanteile, machten viel Druck, aber zu wenig aus ihren Möglichkeiten. „This was no 6:2-game“ – in die Statistik wird es aber genau als dieses eingehen.
  • Dazu passte, dass auch Thomas Popiesch nicht völlig unglücklich war mit der Leistung seiner Mannschaft, nur: „Insgesamt sind wir immer hinterhergerannt“, stellte der Cheftrainer von Bremerhaven fest. Dabei hätte man ja erwarten können, dass der Tabellensiebte eher dem Dritten hinterher rennt.
  • Joachim Ramoser kehrte nach Verletzung zurück, erzielte direkt den Führungstreffer – auch wenn zunächst Andreas Eder als Torschütze angegeben wurde und wie es auch in der Samstags-Totholzausgabe der Nürnberger Nachrichten steht (Grüße an den Kollegen Böhm, wie war die Hochzeit?). So oder so hätten diesmal beide eine Erwähnung bei den Three Stars verdient gehabt, aber da haben diesmal andere knapp das Plexiglas ihres Helms vorne.
  • Austin Cangelosi wird frühestens nach der Länderspielpause zurückkehren, Brett Festerling hat theoretoisch seine Verletzung überwunden, praktisch fühlt er sich aber noch nicht bereit, dem Team eine Hilfe zu sein. Auch nicht am Sonntag in Berlin.
  • Auch wenn es nur der Schlusspunkt mitten hinein in leichte Auflösungserscheinungen der Fischtown Pinguins war: Patrick Reimer hat seine Durststrecke überwunden.
  • Tim Bender war viel zu lange nicht mehr Gast in unserem Podcast „Sitzplatz-Ultras“. Es wird Zeit, dass er uns erzählt, ob er inzwischen in Nürnberg eine Gitarre aufgetrieben hat. Fällt mir nur gerade so ein, nachdem er seinen Namen gegen Bremerhaven mal wieder aufs Scoreboard gepackt hat.
  • Martin Jiranek hat gelächelt bei seiner Rückkehr in die Arena. Das ist nicht selbstverständlich. Aber dazu später mehr.

Das Spiel

Im Gegensatz zu diesem Blog-Eintrag hat diese Begegnung kein Warm-up benötigt. Nach knapp 30 Sekunden hätte Brandon Buck bereits das 1:0 erzielen können, nach fünf Minuten rettete die Latte für die Ice Tigers. Der Führungstreffer durch Ramoser war dann purer Wille und etwas Glück, das 2:0 von Will Acton in der Vorbereitung technisch anspruchsvoll und geduldig zu Ende gespielt. Was die Partie so unterhaltsam machte? Dass es rauf und runter ging, dass beide Mannschaften daran interessiert waren, mit Tempo und dem Puck am Schläger ins Drittel des Gegners einzudringen, dass es tolle Abschlüsse zu sehen gab und noch tollere Paraden. Die Gastgeber waren eiskalt im Powerplay – Rylan Schwartz (3:0) und Tim Bender (5:2), die Gäste dann, als die Ice Tigers ihnen zu viel Platz ließen – Jan Urbas (3:1) und Carson McMillan (4:2). Den Endstand besorgte Reimer, die Partie hätte allerdings auch 6:5 oder 8:5 oder 4:6 ausgehen können.

Der Moment

„Man kann das nicht einfach wegwischen, wenn man so lange für einen Verein gearbeitet hat.“ Sagte nicht die eine Zamboni zur anderen, sondern: Popiesch über seinen Co-Trainer Martin Jiranek. In Nürnberg ist Jiranek zur Legende geworden, seine Nummer wird nicht mehr vergeben, er war Spieler, Sportdirektor, Co-Trainer, Cheftrainer und meistens vieles gleichzeitig. Seit dieser Saison arbeitet er in Bremerhaven, bei den Ice Tigers wollte man die erste Rückkehr nutzen, um noch einmal das tun, was am Ende der vergangenen, so schwierigen Saison unterging: Danke sagen. Als im ersten Drittel noch knapp zwölf Minuten zu spielen waren und die Mannschaften für ein Power-Break zur Bande gerufen wurden, leuchtete auf dem Videowürfel eine Grußbotschaft, Arenasprecher Christian Rupp griff zum Mikrofon. Und Jiranek? Der winkte einmal nach links, grüßte einmal nach rechts, obwohl es 0:1 für sein Team stand, konnte er sich freuen, erst Recht, nachdem aus beiden Fanlagern „Martin, Martin Jiranek“-Sprechchöre hallten. Wie er die Rückkehr erlebt hat:

Das Interview

Herr Jiranek, wie war es für Sie in die Arena zurückzukehren, die so lange Ihr Zuhause war und ihr Trikot unter dem Hallendach trägt?
Das Spiel war… ich weiß nicht, ob es Nervosität trifft, es war auf jeden Fall anders. Als wir gestern hier angekommen sind… Ich habe viele gute Jahre hier gehabt, wir, meine Frau und Kinder wohnen noch hier, es war komisch. Als das Spiel dann angefangen hat, dann konzentrierst du dich auf die Reihenwechsel und die Taktik, aber als im ersten Drittel dieses Dankeschön eingespielt wurde, das hat mich natürlich gefreut. Es freut mich, dass die Fans in ihren Herzen noch ein bisschen Platz für mich haben, ich habe viel Platz in meinem für die Zuschauer in Nürnberg. Ich wünsche der Mannschaft und Kurt viel Glück und ich glaube, sie werden eine gute Saison haben.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Haben Sie sich irgendwann mal verlaufen heute?
Ich habe viele Leute gesprochen und viele Hände geschüttelt…

Aber Sie haben nicht aus Gewohnheit die falsche Trainerbank angesteuert?
Nein, das nicht. Es war viel intensiver als in der Vergangenheit, wenn ich als Spieler aus Ingolstadt oder Krefeld zurückgekommen bin.

Ist es schön zu sehen, dass Spieler, die Sie noch verpflichtet haben, ihr Potenzial einlösen?
Es war sehr nett von Kurt, was er zu Alanov gesagt hat (siehe unten). Ich habe ihn viel gescoutet und viel gesprochen und ich habe immer gewusst, dass er ein guter Spieler wird. Das freut mich für ihn, dass er anfängt, ein richtig guter Spieler in unserer Liga zu werden. Wir hatten eine harte Reise letzte Saison mit der Champions Hockey League, dem Spengler-Cup, den vielen Verletzten, wir sind in die Playoffs gekrabbelt. Wenn du mit den Spielern durch so einen harten Kampf gehst, hast du eine besondere Verbindung, egal ob Browni oder Acton oder Buck. Das sind alles gute Menschen hier in Nürnberg.

Three Stars

Logisch. Der Spieler, der bei der Ehrenrunde den weißen Fahrradhelm getragen hat, muss hier erwähnt werden. Gleich drei Assists haben die Statistikbeauftragten für Eugen Alanov am Freitagabend notiert, drei Vorlagen, die ihm Mut machen sollten, weiter die Entwicklung von der Puppe („großes Talent“) zum Schmetterling („ein richtig guter Spieler in der Liga“) zurückzulegen. Für seine starke Leistung, die sich natürlich nicht nur aus den drei Assists zusammensetzte, gab es warme Worte von seinem ehemaligen Trainer (siehe oben) und viel Lob von seinem neuen Chef. Kurt Kleinendorst: „Er ist eine der Überraschungen im Moment und ich bin glücklich, dass ihn mir Martin hinterlassen hat. Er ist meiner liebsten Spieler, weil er jeden Abend da ist und kämpft. Heute hat er ein paar Assists gespielt, aber es geht um seinen Einsatz insgesamt, auch im Powerplay. Deshalb ist es leicht, ihn zu wählen, er ist so ein guter Typ und er spielt bisher eine gute Saison für uns.“

Foto: Thomas Hahn/Zink

Vergangene Saison gab es viele Gesichter der Krise bei den Ice Tigers, auf Will Acton hatten sich aber wohl die meisten eingeschossen. Das lag zum einen daran, dass er zumindest in der ersten Hälfte dieser – freundlich formuliert – durchwachsenen Spielzeit noch ein bisschen pomadiger (Grüße an Marcel Reif) wirkte als viele seiner Kollegen, zum anderen daran, dass er deutlich weiter unter seinen Möglichkeiten blieb als andere. Gegen Bremerhaven spielte er im ersten Drittel einen beinahe folgenschweren Fehlpass, einen Raunen ging über die Ränge, die perfekte Ausgangslage für einen wieder mal, Pardon, beschissenen Abend. Dann vollendete er den wunderschön vorgetragenen Konter von Reimer und Alanov. Fünf Minuten vor Schluss spielte er den perfekten Pass auf Tim Bender – die Entscheidung. Es war ein endlich mal rundum gelungener Abend für Acton. Wie er mit der Kritik an seiner Person umgeht, gibt es mööööglicherweise am Montag in der Printausgabe der Nürnberger Nachrichten zu lesen. (Cliffhanger)

Brock Hooton musste den Puck in dieser 13. Minute eigentlich nur noch über die Linie schieben. Die Ice Tigers-Abwehr war im Chaos versunken, Niklas Treutle hatte gerade unter größter Anstrengung sein rechtes Eck zugemacht und den Ausgleich verhindert, doch dann ging die Scheibe in die Mitte, direkt vors Tor, direkt auf die Kelle von Hooton. Der Rest der Geschichte ist Reflex und die Fähigkeit trotz schwerer Ausrüstung einen Spagat hinzulegen. „Treutle hatte einen sehr starken Tag“, stellte auch Popiesch bei der Pressekonferenz fest.

Und sonst so?

Muss ich jetzt Schluss machen, weil die Kneipe zu macht. Der Autor hat diesmal beschlossen, nicht daheim zu schreiben, weil die Ablenkungen da bekanntlich sehr groß sind. Die Belegschaft des wunderbaren Café Fatal möchte Feierabend machen und ich, wenn ich ehrlich bin, auch. Wobei, jetzt noch so eine Halbe. Oder wenigstens einen Schnitt…

2 Kommentare in “Spiel 12: Ein bisschen Platz im Herzen

  1. Interessante Worte von Jiranek über Alanov, der unter ihm wenig Eiszeit bekommen hat. Für mich ist er DIE Entdeckung der laufenden Saison. Er arbeitet immer, punktet inzwischen auch und hat eine tolle Übersicht und viel Ruhe an der Scheibe, siehe der Pass auf Acton vor dem 2-0.

    Defensiv war gestern viel Luft nach oben, Treutle war sehr wichtig gestern und war haben im richtigen Moment die Tore geschossen. Gelingt Bremerhaven das 4-3 im Schlussdrittel, kann das Spiel auch anders ausgehen.

  2. Im ersten Drittel war schon sehr viel Glück und Treutle dabei. Die Abwehr im ersten Drittel unsortiert, selten am Gegenspieler und der Slot war fast immer frei. Wenn man vier Gegentore bekommen hätte, dann wäre es auch in Ordnung gewesen. Puh und zu Acton. Bis zu seinem Tor ein paar schreckliche Fehlpässe und Puckverluste. Nach seinem Tor wurde es besser und trotzdem waren da noch einige Dinger dabei. Für mich persönlich haben gestern die beiden schwächsten Spieler gepunktet und zwar Bender und Acton.

    Die Abwehr ist einfach nicht sattelfest und im Zweikapfverhalten körperlich nicht robust genug. Tim Bender, der wie ein Wattebausch am Gegner abprallt, so erging es auch Tom Gilbert usw…

    Ich denke ein glücklicher Sieg, es war schön die Paraden von Turtle zu sehen und ein Überzahlspiel, welches funktioniert. Man darf den Sieg nicht überbewerten, aber die Punkte waren wichtig und mal sechs Tore, auch schön.

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