Spiel 7: 900!

Foto: Thomas Hahn/Zink

Krefeld, Iserlohn, Schwenningen – das sind nicht die nächsten Termine der Baumarkteröffnungstournee von Geier Sturzflug. Das ist das aktuelle Wochenprogramm der Ice Tigers. Sexy ist anders. Gut, dass es beim 4:2 gegen die Pinguine noch mehr zu feiern gab als drei verdiente Punkte.

Warm-up

  • Unterluggauer, Brännström, Tory, Pöttinger, Mikesch, Jung, Molin, Kühnhauser, Jörg, Young, Trefilov, Brittig, Vikingstad, Thuresson, Ulrich, Hart, Sulzer und Pellegrims – inmitten dieser Spieler lief Patrick Reimer zu seinem ersten DEL-Spiel auf.
  • Beim Gegner an diesem 23. Dezember 2003: Pat Lebeau, Jesse Belanger, Marc Hackter, Peter Ratchuk, Paul Stanton, Dwayne Norris
  • Die Spieler, mit denen Patrick Reimer zu seinem 900. Spiel in der DEL auflief, sind hier vielleicht mit der Ausnahme von Markus Lillig bestens bekannt. Beim Gegner spielten Grant Besse und Chad Costello, zwei Scorer aus der ECHL.
  • Natürlich sind das nur zwei Momentaufnahmen. Natürlich wären Rückschlüsse auf Entwicklung und Bedeutung der DEL in den letzten 16 Jahren unseriös. Wer will, kann sich natürlich trotzdem daran versuchen.
  • Wichtiger sind Patrick Reimers 898 Spiele zwischen diesen beiden Partien. 422 davon hat er für die Ice Tigers bestritten. Wenn alles so läuft, wie es sich Reimer erhofft und wie es sich die Ice Tigers erwünschen, wird er seine Karriere als Nürnberger Rekordspieler beenden – nach Toren, Punkten und Spielen.
  • Eine weitere Momentaufnahme in diesem Zusammenhang: Nach Punkten pro Spiel liegt Daniel Fischbuch in der Ice Tigers-internen Rangliste derzeit auf Platz drei – hinter Sergio Momesso (1,229), gleichauf mit Adam, Pardon, Ahren Spylo (1,143). Nun bekommt Toni Söderholm zwar weiterhin gute Kritiken, weil der Bundestrainer bei der jüngsten WM aber dem NHL-Spieler Lean Bergmann viel zu wenig und dem DEL-Spieler Benedikt Schopper zu viel Eiszeit gegeben hat, ein Tipp: Diese #71 der Ice Tigers könnte man sich vor dem Deutschland Cup noch einmal genauer ansehen. Bei den vielen Abgängen in die NHL kann es nicht schaden, sich die Gewogenheit laufstarker Spieler und offensichtlich auch in offensiven Rollen einzusetzender Spielern zu sichern.
  • Was genau da Jamie Redknapp, Freddie Flintoff und Patrick Ehelechner in der zweiten Drittelpause auf dem Eis veranstaltet haben? Keine Ahnung. Wird man sicher noch erfahren. Oder auch nicht. Sah nicht so aus, als würde man da etwas verpassen.
  • Kurt Kleinendorst schwärmte von Tom Gilbert: „Da steckt mehr dahinter als das, was auf dem Eis sieht. Gilly hat eine ganz eigene Präsenz – auf dem Eis und in der Kabine. Er hat so eine positive Austrahlung. Wenn er spricht, hört ihm jeder zu – mich eingeschlossen.
  • Die Ice Tigers haben die Torschmaschine noch nicht angeschmissen. Trotzdem haben nur zwei Stürmer bislang noch nicht getroffen: der sehr überzeugende Andreas Eder und, naja, Will Acton.

Das Spiel

Philip Riefers hatte noch aufs Eis geklopft und dann hat er ja auch endlich den Puck bekommen, mit dem er ins Nürnberger Drittel gefahren ist und ihn dann lässig, no-look und so, an der Bande abgelegt hat. Brandon Buck war schneller, Chris Brown gelang der perfekte Flip-Pass zurück, Buck die perfekte Direktabnahme. Ein sehr schönes Unterzahltor. Und danach gestattete Rylan Schwartz dem armen Dimitri Pätzold keinen Blick auf den Daniel Fischbuch, der aus einer eher wenig erfolgversprechenden Position einfach mal abgezogen hatte. Aber 100 Prozent der Schüsse, die man nicht nimmt… sie kennen das. Auch Schwartz nahm seinen Job ernst. Ein nur auf den ersten Blick kurioser Treffer, auf den zweiten bestes Eishockey-Handwerk. Dann war Kleinendorst zufrieden damit, dass sich auch Schartz und Chad Bassen in die Torschützenliste eintragen konnten. Dazwischen rannten die Krefeld Pinguine viel herum, wie ihr Coach später feststellte. Mittwoch. Krefeld. Ein Sieg der Geduld und der Konzentration. Nicht weniger. Aber eben auch nicht mehr.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Der Moment

Es war so ein Kisscam-Spiel. Ein Spiel, in dem man sich über die Bewegtbilder von Menschen freut, die sich zieren, sich ein genieren, die eskalieren. Max Kislinger war einfach nur froh, dass die Stadionregie dann doch irgendwann entschied, ein anderes Pärchen aufzunehmen. Die Frau neben Kislinger hatte da bereits auf das Eis gezeigt und war, als das Aufs-Eis-Zeigen ohne Folgen blieb, einen Platz weiter gerutscht. Der Mann auf dem Eis hatte davon wahrscheinlich gar nicht mitbekommen. Völlig unbeeindruckt von der Kisscam sicherte er seiner Mannschaft mit starken Paraden den zweiten Heimsieg der Saison.

Das Interview

Foto: Thomas Hahn/Zink

23. Dezember 2003 – was fällt Ihnen zu diesem Datum ein?
Auswärtsspiel in Frankfurt.

Sehr gut. Wie viel Eiszeit haben Sie damals bekommen?
Keine Ahnung.

Aber Sie durften spielen?
Ich durfte mitspielen, hätte sogar beinahe eine Vorlage gegeben.

Mit wem haben Sie damals in einer Reihe gespielt?
Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass der Fabian Brannström das Ding leider nicht reingemacht hat. Deswegen steht in einem Jahr die Null.

Ansonsten hätten Sie in dieser Saison vielleicht öfter als einmal für die Düsseldorfer EG auflaufen dürfen.
Ich war ja gar nicht wirklich eingeplant in Düsseldorf. In dem Jahr hatte ich eigentlich in Bremerhaven unterschrieben – mit Förderlizenz für Hamburg. Bremerhaven ging damals gezwungenermaßen in die Oberliga zurück und ich zurück nach Kaufbeuren. Ich wollte trotzdem irgendwo einer Förderlizenz und durch den Gerhard und den Didi Hegen kam der Kontakt nach Düsseldorf zustande. Dann kam eines zum anderen. Ich durfte die Vorbereitung mitmachen, Daniel Kreutzer war krank und dann habe ich den Anruf zum ersten Spiel bekommen.

Wenn der 36 Jahre alte Patrick Reimer dem damals 21 Jahre alten Patrick Reimer einen Rat für seine Karriere geben könnten, welcher wäre das?
Genieß jedes Spiel? Wahrscheinlich.

Haben Sie das gemacht?
Mal mehr, mal weniger. Manchmal war schon schwere Kost dabei, dafür haben andere Spiele umso mehr Spaß gemacht.

900 ist eine ziemlich beeindruckende Zahl, nur 15 Spieler haben vor ihnen diese Marke durchbrochen. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?
Nicht wirklich viel. Es ist schön, dass sich so lange dabei sein darf. Aber am Ende sind eher einzelne Momente in diesen 900 Spielen wichtig als die einfache Zahl 900. Die zeigt aber, dass man gesund gewesen ist, dass man über viele Jahre die Leistung gebracht hat.

Wo reiht sich das heutige Spiele in die Rangliste der ersten 900 Spiele ein?
Ganz ehrlich? Gar nicht so weit oben. Aber wir haben drei Punkte geholt.

Three Stars

Im Spiel ohne Puck immer ein bisschen schmutzig, mit dem Puck weitaus kunstvoller als man ihm das zugetraut hatte: Chris Brown ist derzeit der wichtigste Angreifer der Ice Tigers.

„Die Jungs wollten heute auch für Patrick Reimer gewinnen.“ Kurt Kleinendorst stellte das bei der Pressekonferenz fest. Allein deshalb gebührt Reimer dieser Platz.

Als es brenzlig wurde, war er immer da. Und als Kevin Schulze den Puck mit der Innenseite Kevin an Pätzold vorbei ins Tor abfälschte, war machtlos. Ansonsten erlaubte sich Niklas Treutle keinerlei Schwächen.

7 Kommentare in “Spiel 7: 900!

7 Comments
  1. Ich vermute wenn dereinst das Duo Fischer-Böhm auf ihren Neunhundertsten Text zurückblicken werden, hat der Beitrag von heute keine so große Bedeutung (außer das es ohne ihn eben erst später
    zu dem „Jubiläum“ gereicht hätte). Aber drei Tage nach dem München Spiel, zwei Tage vor Iserlohn und am Vorabend eines Wochentags muss es auch nicht ein preiswürdiger Beitrag sein. Also drei Punkte für die Tiger und alle wichtigen Infos für die Fans- man/ frau könnte nun beruhigt auf eine andere Seite klicken oder das mobile Endgerät mal „off“ gehen lassen.
    Wenn, ja wenn da noch zwei kleine temporäre Eindrücke wären:
    1. Sieht man mal von München ab (auch wenn die letzten beiden Siege nun nicht gerade überwältigend-beeindruckend waren), ist diese Liga in den ersten Wochen wie ein Fahrgeschäft auf einem der herbstlichen Volksfeste. Es geht wild auf und ab, Teams, die das erste Spiel auf heißer Hype gesehen wurden (Ingolstadt) finden sich Tage später am anderen Ende wieder. Und Mannschaften die man schon frühzeitig als künftige DEL2 Standorte ausgemacht hat, spielen auf einmal überraschende Ergebnisse ein! Dazu im wöchentlichen Wechsel ein anderer potentieller Finalgegner der Dosen! Es macht richtig Spaß derzeit das wilde Auf-und-Ab der 13 Organisationen anzusehen. Klar wird das nicht so bleiben, und klar wird es spätestens um die Weihnachtstage herum eine klarere Rangordnung geben, aber für den Moment ist es einfach toll sich jeden Spieltag aufs neue überraschen zu lassen.
    2. Vielleicht täusche ich mich ja, aber derzeit fallen mir etliche Spieler mit der Vollmaske auf. Dazu noch die U23 Regelung, die einigen jungen Spielern mehr Einsatzzeiten verschafft. Wenn man nun noch die kühne Hoffnung hegen darf, das sich die Euphorie und Neugier nach Olympiasilber in ein paar Jahren als weitere Auffrischung des Profieishockey erweisen könnte, freut mich das einfach für diese tolle, aber von der gesamten Infrastruktur so schwierige Sportart!!!
    Bleibt nur zu hoffen, dass die Trainer dies mit genug Eiszeit zu würdigen wissen und sich die Sportdirektoren nicht (wieder) in einen ruinösen Gehaltsüberbietungswettbewerb einlassen.

  2. Immer wieder erfrischend wie sie aus einer mittelmäßigen Begegnung ein Highlight zu schreiben. Ein Höhepunkt an diesem Abend war sicherlich die Auszeichnung für die 900 Spiele von Patrick Reimer. Zum Spiel selber gibt es von meiner Seite nicht viel zu schreiben, es war ein Arbeitssieg gegen einen an diesen Abend limitierten Gegner der nicht sehr viel (bis auf paar Minuten) Gefahr ausstrahlte. Das wichtigste waren in meinen Augen die 3 Punkte die uns ein bisschen nach oben in der Tabelle brachten. Sehr wichtig wird morgen das Spiel gegen Iserlohn sein, wo beide Teams angesichts der Tabellenkonstellation jeden Punkt brauchen. Man sehe sich nur an was alles hinter uns in der Tabelle steht auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist.

  3. Patrick Reimer hofft, die Ice Tigers wünschen es sich. Kann man das so deuten, dass der Capitano gedenkt seine Karriere in Nürnberg zu beenden, wenn es denn Klarheit über den Fortbestand des Standortes gibt? Wie ist hier der Stand (besser gesagt Zwischenstand, mehr kann es wohl noch nicht sein)?
    Zum Spiel ist im Print, Blog, Kommentaren alles gesagt. Keinen Schönheitspreis gewonnen, aber die drei Punkte. Und die diesmal nicht sehr zahlreichen Torchancen konsequent genutzt. Schön rausgespielt übrigens.
    Andererseits aber auch einige Wackler in der Defensive (Bender, Weber).

    Schönen Feiertag noch,
    Norbert M. (fka Norbert)

    • Der Zwischenstand: Die Ice Tigers wollen Reimer binden – im besten Fall weit über das Ende seiner Karriere als Spieler hinaus: Reimer kann sich vorstellen, seinen Vertrag in Nürnberg zu verlängern, will sich bei dieser Entscheidung aber Zeit lassen – sicher auch, um zu sehen, wohin die Reise für die Ice Tigers geht.

  4. Carpe diem ❗️ Hurra wir spielen wieder und der Blog kommt auch in Fahrt -Vielen Dank!. Es war doch ein schöner Abend gestern, mit hohem Entwicklungspotenzial in diesem TEAM. Die Lust auf Mehr ist geweckt und das Potential ist da. Auf geht‘s Tigers. Thumbs up.

  5. 1.) Acton macht das Eis kaputt!!! Vielleicht kann man einen Teil des Vertrages auszahlen und hätte dann Geld um Eder zu binden! Sonst weiss ich nicht wie das bei den momentanen Zuschauerzahlen klappen könnte!

    2.) zum Spiel wichtig sind die 3 Punkte und sonst nichts

    3.) Wer war unser letzter Gitterspieler? Ehliz? vielleicht kann Sebastian helfen, hoffe wir haben auch mal wieder einen

    4.) was ist mir Wirt?

  6. Servus zusammen.

    Mit einem Tag Verspätung gebe ich auch mal mein Kommentar-Debüt in dieser Saison. Ein typisches Unter-der-Woche-Spiel, das natürlich dann auch noch gegen möglichst unattraktive Gegner stattfinden muss, nehme ich mal zum Anlass, kurz auf den von Sebastian Böhm im Warm-up vorgenommenen Rückblick auf Patrick Reimers DEL-Debüt 2003 einzugehen.

    Wie hat sich die DEL seitdem entwickelt?
    Ich möchte dazu einen meiner Allzeit-Lieblingsspieler zitieren (Interview aus der Eishockey News vom 14.07.19):

    „Zum Thema Niveau in der DEL hat der ehemalige Topspieler seine eigene Sichtweise. Greilinger sagt: „Auch wenn es viele vielleicht nicht hören wollen, aber in meinen Anfangsjahren war die Qualität der Spieler deutlich höher. Nach der NHL kam damals in Europa eigentlich sofort die DEL. Mittlerweile sind etliche andere europäische Ligen an uns vorbeigezogen. Bis auf wenige Ausnahmen kommen nur noch die ausländischen Akteure in die DEL, die in den anderen Ligen nicht unterkommen.“
    Dem würde ich mich weitgehend anschließen.

    Trotzdem hoffe ich, dass wir im nächsten Jahr weiterhin Dienstags- oder Mittwochsspiele in der DEL „genießen“ dürfen. Eine Vertragsverlängerung von Patrick Reimer (in welcher Funktion auch immer) wäre dafür sicher ein tolles Signal.
    Der Ansatz von Kurt Kleinendorst gefällt mir bislang ziemlich gut. Gerne noch etwas mehr Wirths und Lilligs und deutlich weniger Acton.

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