Spiel 6: Gut, aber harmlos

Foto: Thomas Hahn/Zink

Kurt Kleinendorst liebt seine Mannschaft. Er sagt das vor allem Journalisten. An diesem Sonntagabend aber hat er es auch Don Jackson gesagt, kurz nach der Pressekonferenz. Nun mag man dem US-Amerikaner unterstellen, dass ihm bewusst war, wie viele Menschen noch in dem kleinen Raum mit dem großen Kühlschrank herumstanden. Vielleicht wollte er seinem Kollegen aber auch nur erzählen, wie viel Spaß er mit dieser „group of guys“ hat. Auf dem Eis hat sie beim 1:4 gegen den den Nürnberger Startrekord jagenden EHC München hingegen nur angedeutet, was da noch möglich sein könnte.

Warm-up

  • Den Unterschied zwischen einer gut organisierten, engagierten Mannschaft und einer Spitzenmannschaft könnten Brandon Buck und Will Acton machen. Buck funktioniert bislang als spielstarker Mittelstürmer zwischen Chris Brown und Daniel Fischbuch. Acton zählt hingegen bislang zu den schwächsten Nürnbergern – und das noch nicht einmal in Relation zu den Erwartungen an ihn.
  • Acton schloss einen 2-1-Konter harmlos selbst ab, ohne einen Querpass zumindest anzudeuten. Acton schloss einen Alleingang harmlos ab. Acton vertändelte im Power-Play die Scheibe. Es hat vieles zum Guten geändert in Nürnberg. Acton hat sich noch nicht geändert.
  • Interessant, wie die Schiedsrichter auf das vermeintliche Foul von Brandon Buck an Philip Gogulla reagiert haben. Markus Schütz pfeift, unterbricht das Spiel, trifft aber keine Entscheidung, sondern fährt erst zu Gordon Schukies, um über die Szene zu sprechen. Entweder war er sich nicht sicher, ob er Penalty oder zwei Minuten geben sollte, oder er war sich nicht sicher, überhaupt ein Foul gesehen zu haben. Nach kurzer Diskussion entschied er auf Penalty, was bedauerlich ist, weil er die Chance verpasst hat, Gogulla mit zwei Minuten wegen Schwalbe auf die Strafbank zu schicken und trotzdem Penalty zu geben. Kleinendorst will eine solche Kombination schon des öfteren gesehen haben – allerdings in Nordamerika.
  • Bester Münchner: Yasin Ehliz, der im Zweikampf von den Ice Tigers nicht zu bezwingen war. Nachdem er seinem alten Kumpel in Unterzahl die Scheibe vom Schläger geflext hatte, fuhr Patrick Reimer frustriert zur Bank, um erst einmal seinen Schläger zu halbieren.
  • Ebenfalls auffällig: wie selbstverständlich sich John Jason Peterka, Justin Schütz und Maximilian Daubner zur Wehr setzen. Hier ein Stockschlag, dort ein Schubser nach dem Pfiff. Mit Härte lassen diese Jungs sich offenbar nicht beeindrucken.
  • Joachim Ramoser hat sich übrigens an einem freien Tag Bauchmuskelfasern gerissen. Er ist trotzdem aufs Eis gegangen, um ein paar Schlagschüsse aufs Tor zu setzen. Tom Gilbert sollte hingegen am Mittwochabend das erste Mal wieder auflaufen können.
Foto: Thomas Hahn/Zink
  • Zwei Siege, vier Niederlagen. Die Ice Tigers könnten aber auch bei fünf-eins stehen oder sogar bei sechs-null. Kleinendorst formulierte mit dieser Hypothese ein Gefühl, das man haben kann. Nach einem Null-Punkte-Wochenende wirkte sein Optimismus allerdings ein wenig aufgesetzt. Die beiden kommenden Heimspiele gegen Krefeld und Iserlohn werden darüber entscheiden, ob diesen Ice Tigers der Neustart halbwegs ge- oder gründlich misslungen ist. „We‘re gonna be okay“, sagt der Cheftrainer.

Das Spiel

Der Trainer sagt, dass er der Chancenverwertung nicht zu viel Bedeutung geben will in den nächsten Tagen. Mit den Siegen werden die Tore kommen, kündigte Kurt Kleinendorst an – entgegen der landläufigen Meinung, dass es genau andersherum sein müsste. Natürlich sprach er davon, dass er sich erst sorgen müsse, wenn die Chancen ausblieben. Und, nein, das kann man nicht behaupten. Trotzdem können null Punkte und ein Treffer nach zwei Spielen, in denen man sich mindestens gleichwertig fühlen durfte, als enttäuschend betrachtet werden. In München zeigte sich erst nach Daryl Boyles 2:1, wer da der ungeschlagene Tabellenführer war und wer mittlerweile allenfalls noch der ambitionierte Herausforderer. Kleinendorst sprach danach nicht über Jonas Langmann, der vielleicht hätte weiter im Eck stehen oder die Fanghand bereits parat haben können, sondern über das Bully, das Brandon Buck zuvor im eigenen Drittel gegen Frank Mauer verloren hatte. Es waren tatsächlich nur Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen diesen beiden sich neuerdings sehr ähnlichen Mannschaften ausgemacht haben. An diesem Sonntag konnte man diese Kleinigkeiten auf die Qualität reduzieren. München war in den entscheidenden Momenten hungriger und konzentrierter.

Der Moment

Markus Lillich war nervös. Aber eben nur vor seinem ersten Interview als DEL-Spieler, befragt von Basti Schwele, den er nur hören, aber nicht sehen konnte. Ansonsten war dem jungen Memminger nicht anzumerken, dass er zum ersten Mal mit den größten Jungs spielen durfte, die das deutsche Eishockey zu bieten hat. Lillich hat die Vorbereitung mit den Ice Tigers absolviert, er kennt das System, kennt seine Mitspieler. Trotzdem war selbst Kleinendorst überrascht, wie gut er sich auf dieser Bühne machte. Lillich begann mit Chad Bassen und einem rotierenden Rechtsaußen in der vierten Reihe, fand sich aber irgendwann neben Andreas Eder und Patrick Reimer wieder. Das lag daran, dass Rylan Schwartz in dieser Formation nicht funktionierte, es lag aber vor allem auch an Lillich selbst, der immer wieder beteiligt war, wenn die Ice Tigers gefährlich vor Danny aus den Birken auftauchten. Kleinendorst wollte ihn belohnen. Lillich setzte sich an der Bande gegen den im Zweikampf gewiss nicht ungeübten Mads Christensen durch, er leitete einen vielversprechenden Angriff durch einen langen Flip-Pass ein, er war immer verlässlich. Dass es in der DEL so talentierte 17- bis 20-Jährige wie Seider, Stützle, Peterka, Schütz und Daubner zu sehen gibt, das mag neu sein. Solide Spieler wie Markus Lillich, deren Potenzial sich erst im Ernstfall zeigt, hat es hingegen schon immer gegeben. Dass auch sie allmählich ihre Chancen bekommen, zeigt erst, wie lächerlich die Argumentation schon immer war, dass es nicht genügend deutsche Spieler gäbe, um die Zahl der Importspieler signifikant zu senken. Nach dem Spiel hat Lillich lange mit André Dietzsch vor dem Bus geredet. Auch das war bei den Ice Tigers nicht immer selbstverständlich.

Three Stars

Rylan Schwartz hatte erstaunlich viele gute Schusschancen, die Schüsse waren dann denkbar harmlos. Will Actons Leistung wurde hier schon thematisiert. Jonas Langmann war okay, aber eben auch nur okay. Oliver Mebus hat man auch schon souveräner spielen sehen. Aber wer war denn dann gut, wenn doch die Mannschaft an sich so gut gespielt haben soll? Eugen Alanov war in beide Richtungen auffällig, Austin Cangelosi war präsent – beide zogen Strafen, die in schwachen Power-Plays dann nur nicht in Tore umgesetzt werden konnten. Marcus Weber fügt sich nach seiner Verletzung immer besser in einen System ein, das ihm liegen sollte. Und dann war da noch Kevin Schulze, der bei diesem Autor an dieser Stelle wohl öfter vorkommen wird.

5 Kommentare in “Spiel 6: Gut, aber harmlos

5 Comments
  1. Eine sehr ausbaufähige Chancenverwertung, das kann man in der Tat schon seit dem ersten Spieltag beobachten. Nur in Ingolstadt hat das Toreschießen gut geklappt, insbesondere gleich früh in der Partie. In Führung gehen ist für dieses Team anscheinend besonders wichtig, denn nach einem Rückstand gab es bisher noch nichts zu gewinnen.
    Zu Action-Acton (O-Ton Basti Schwele😳):
    Er wirkt nicht mehr wie DER Fremdkörper im Team. Momentan fällt er in erster Linie durch das Auslassen von erstklassigen Chancen auf, was die Sache aber nicht wesentlich besser macht. Auch wenn man die Erwartungen an ihn mittlerweile deutlich reduziert hat: Das ist immer noch zu wenig.

  2. Man könnte es auch als harmlos aber gut zum Ausdruck bringen. Wie in Düsseldorf konnten wir das Spiel vor allem im ersten Drittel relativ offen gestalten, wäre da nicht der chancentod von unserem Spitzenverdiener. Problem ist, der wird uns noch länger erhalten bleiben. Ansonsten kann ich dem Team das Bemühen nicht absprechen die Spiele gewinnen zu wollen, aber wie immer zählt nach 60 Minuten nur das Ergebnis. Nach dem wie interessiert keine Sau. Eine kleine Vorentscheidung wo wir uns platzieren könnten wird uns das kommende Wochenende bringen, denn da gilt nur eines 6 Punkte Wochenende sonst nichts.

  3. Ich wundere mich etwas, dass Andi Eder nicht bei den Three Stars (oder irgendwo anders im Artikel) auftaucht?
    Ich habe mich im Vorfeld gefragt, wie er seinen eigentlichen Team Kollegen gegenüber treten würde. Ich persönlich fand, dass er sich nicht einschüchtern hat lassen und gut gespielt hat. Bullys gewonnen, weite Wege geskatet und durch seinen gewonnenen Zweikampf in der Ecke das einzige Nürnberger Tor des Wochenendes eingeleitet.

    Danny aus den Birken ist wirklich ein außerordentlicher Goalie. Aber die Ice Tigers haben auch oft genug daneben geschossen, sodass er allenfalls mit seiner Aura eingeschritten ist.

    Ich wünsche mir für die nächsten Spiele, dass Reimer wieder trifft (am besten im Powerplay). Ich habe das Gefühl, dass es die ganze Mannschaft beeinflusst. Und ich wünsche mir, dass wir mal ein Spiel drehen und nach Rückstand noch gewinnen. Ich erinnere mich zwei Saisons zurück, wo wir die Mannschaft mit den meisten Siegen nach Rückständen waren.

  4. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir der Lillich sehr sehr gut gefällt. Der ist wesentlich bemühter als unsere 41. Und der hätte noch Potential im Gegensatz zu Acton. Ich muss wirklich sagen, da seh ich lieber dem Lillich zu als dem Acton. Man darf ja auch nicht vergessen, dass Acton noch einen Vertrag hat, aus der Zeit, wo Geld vorhanden war. Und hier ist der tatsächliche Unterschied zu den Anderen Teams. Die Spieler die bei uns am Meisten verdienen erfüllen ihre Erwartungen in keinster Weise. Da zähle ich auch Buck dazu. Mit zwei Knipsern auf diesen Positionen würden wir ganz anders stehen.

    Falls noch ein paar Euro rumliegen, dürfte man die gerne in einen Stütmer stecken, gerne auch Ausländer, denn wenn mal alle fit sein sollten, bietet sich ja einer ganz bespnders für ein Tribünenabo an.

    Sonst ist das Spielsystem ganz okay zum anschauen, wobei mir die Zweikampfhärte fehlt. Wir sind da einfach zu schmächtig.

  5. @Michl schauen sie sich die Zuschauerzahlen an, die werden am Wochenende auch nicht in die Höhe gehen, dann wissen wir alle das da kein Pfennig mehr für eine Verpflichtung vorhanden ist. Zu viele Sündhaft teure Altverträge sind das Hindernis.

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