Spiel 3: Raketenwissenschaft mit Professor Kurt

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Dritter Spieltag. September. Wolfsburg. Und dann auch noch am Donnerstagabend. Es deutete nicht viel auf einen großen Eishockey-Abend hin. Das dachten sich auch die Menschen in Nürnberg, weniger als 3161 Zuschauer dürften es in dieser Spielzeit selten werden. Warum Kurt Kleinendorst trotz dieser Kulisse und trotz eines 2:4 am Ende wieder lachen konnte? Die Antwort ist nur einen Klick entfernt. 

Warm-up

  • Vorab: Ich habe bis zu diesem Abend kein Spiel der Ice Tigers wirklich aufmerksam verfolgt. Am vergangenen Freitag hatte ich noch Urlaub, am Sonntagabend habe ich das gemacht, was ein Zeitungsredakteur zwischen 19 und 21 Uhr meistens macht: sehr viele Dinge gleichzeitig, schließlich ist der Sportteil montags für gewöhnlich um einiges dicker. Umso gespannter war ich, ob wirklich alles so schön neu und aufregend sein würde – eben so, wie es Kurt Kleinendorst vor meinem Urlaub erzählt und wie es scheinbar an den ersten beiden Spieltagen auch auf dem Eis gewesen war.
  • Donnerstagsspiele haben einen entscheidenden Vorteil. Man kann bis 18.45 Uhr im Büro sitzen, gemütlich ohne Stau zur Arena fahren und muss sich nirgends anstellen – weder am Eingang noch am WC. Schön ist es allerdings trotzdem nicht, wenn man Sekunden lang die Kufen auf dem Eis schaben und Spieler jubeln hört. Es war wirklich sehr leer in der Arena, fast überall. 
  • Die Verletztenliste ist tatsächlich kürzer geworden. Marcus Weber und Max Kislinger sind zurück, dafür meldete sich Rylan Schwartz mit Adduktorenbeschwerden ab. „Es ist nichts Schlimmes“, sagte Kurt Kleinendorst später, „wenn er heute gespielt hätte, hätten wir ihn vielleicht eine Woche verloren, so war er eben für ein Spiel raus.“ Ob Schwartz schon am Sonntag wieder spielen kann, ist noch offen, „aber er spielt auf jeden Fall nächste Woche wieder.“
  • Es kann nicht jedes Mal so aufregend werden wie an den ersten beiden Spieltagen. Das hat aber auch niemand erwartet. Donnerstag. Wolfsburg. September. Ich hatte es ja schon geschrieben. Und hätten die Ice Tigers nur einen Bruchteil ihrer Treffsicherheit aus dem Ingolstadt-Spiel in die Arena retten können, würden wir hier vermutlich über den zweiten Erfolg im dritten Spiel sprechen. 
  • „Chancen hatten wir genug“, sagte Daniel Fischbuch hinterher. „Leider haben wir sie nicht verwertet.“
  • „Wir sind heute nicht so gut reingekommen wie bei den ersten zwei Spielen“, sagte Daniel Fischbuch hinterher. „Ich denke, wir sind auf gutem Weg.“
  • „Es war kein schlechtes Spiel, es haben nur Kleinigkeiten gefehlt“, sagte Daniel Fischbuch hinterher. „Das Problem war, dass wir teilweise zu offensiv gedacht haben und Wolfsburg einfach zu viel Platz gelassen haben.“
  • Viel sagt Daniel Fischbuch nicht, aber er sagt das Richtige. Dem pflichtete hinterher auch sein Trainer bei. „Wir waren schlecht organisiert in der neutralen Zone. Wenn das eine Gruppe insgesamt nicht gut macht, ist meistens der Lehrer schuld. Wenn die Klasse die Antwort nicht findet, liegt es meistens an der Präsentation der Lehrer. Denn es ist ja so: Wenn dein Team etwas gut macht und einzelne Spieler sind konfus, dann ist es eine individuelle Sache, aber so ist etwas insgesamt nicht richtig.“
  • Dann war es aber gut mit der Selbstkritik. Und Kurt Kleinendorst lachte wieder, als er sagte: „Es ist nur Hockey, es ist keine Raketenwissenschaft.“

Das Spiel

Die Analyse überlassen wir heute Pat Cortina. Denn zu einer Niederlage gehört immer auch ein Sieger. Und die Grizzlys Wolfsburg haben es tatsächlich auch einfach gut gemacht. Allen voran natürlich Brent Aubin.

„Wir haben im ersten Drittel nicht so sauber gespielt, waren nicht so fokussiert. Chet Pickard war stark.“

Einschub: Im ersten Drittel hätten die Ice Tigers problemlos führen können.

„Das Überzahltor im zweiten Drittel (Anthony Rech) hat uns Energie gegeben, wir waren besser, waren sehr gut in Unterzahl und haben gegen eine Top-Powerplay-Mannschaft nicht viel zugelassen.“

Einschub: Ja, die Ice Tigers taten sich schwer in Überzahl, mitunter dauerte es eine halbe Ewigkeit, bis sie überhaupt mal ihre Formation fanden.

„Im letzten Drittel war Nürnberg vielleicht ein bisschen müde.“

Einschub: Müde? Eine Mannschaft von Kurt Kleinendorst? Wirklich?

„Wir hatten vier Chancen in fünf Minuten. Dann passiert das, was oft im Sport passiert und es kommt der Gegner. 2:2 (Daniel Fischbuch). Wir haben aber gut reagiert, haben geantwortet (Brent Aubin, Gerrit Fauser) und drei Punkte gegen eine sehr gute Mannschaft geholt.“ 

Einschub: Die drei Punkte hätten die Ice Tigers auch locker holen können. Bei aller Wolfsburger Stärke. Wenn, ja, wenn sie ihre Tore gemacht hätten. Haben sie an diesem Abend aber nicht. 

Der Moment

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Die Arena war still. Überall gingen die Menschen unglücklich nach Hause. Nur drei Menschen standen im Unterrang gegenüber der Pressetribüne und jubelten. In den Händen hielten sie drei Schilder in knalligem Orange: 500. #23. Fauser 500. Der gebürtige Nürnberger Gerrit Fauser schießt in seinem 500. DEL-Spiel ein wunderschönes Tor zum 4:2, mit dem er seiner Mannschaft eine anstrengende Schlussphase erspart. Die Geschichte wäre so schön. Nur hat der gebürtige Nürnberger das Tor nicht für Nürnberg geschossen – sondern für Wolfsburg. 

Three stars

Beim ersten Training hatte es Daniel Fischbuch ja schon angekündigt. Er wolle mehr Verantwortung übernehmen, sagte er da. Und dass er nach einem ernüchternden Jahr in Berlin wieder Spaß am Eishockey haben wollte. Spaß hatte er an einer Niederlage natürlich nicht, dennoch ist der so stille und wortkarge Angreifer eine große Bereicherung für die Ice Tigers. Das kann man schon am dritten Spieltag sagen. Oder, Herr Fischbuch? „Ich kann mich nicht beschweren momentan, es läuft für mich persönlich gut, aber ich hätte heute lieber mit der Mannschaft gewonnen.“

In dieser Woche wurden die Schüsse von Oliver Mebus gelobt, es wurden Geschichten erzählt von seinen ersten Versuchen in Nürnberg, die noch im Oberrang landeten. Heute bekommt er ein Sonderlob für seine Pässe. Exemplarisch genannt sei im ersten Drittel der auf die Kelle von Andi Eder, den der direkt aus der Luft nahm. Und im zweiten Durchgang der quer über das Eis, perfekt serviert in den Lauf von Patrick Reimer. Leider hat er für beide Zuspiele keinen Assist bekommen.

Als Journalist gibt man sich ja große Mühe, stets neutral zu bleiben. Natürlich aber ist jeder von uns auch ein Mensch, der andere mehr oder weniger sympathisch findet, der mit dem einen Trainer oder Spieler eher warm wird als mit dem anderen. Mit dem Menschen Kurt Kleinendorst zusammenzuarbeiten, ist bislang eine Wohltat. Das war schon beim ersten Training zu spüren und setzt sich bis jetzt nahtlos fort. Dass er nicht nur sehr nett, charmant, klug und witzig ist, sondern vor allem ein sehr guter Trainer, sieht man auf dem Eis.

Und sonst?

Geht es am Sonntag schon mit dem nächsten Heimspiel weiter. Kurt Kleinendorst freut sich. Ich freue mich. Sebastian freut sich. Und es freuen sich bestimmt auch mehr als 3000 Leute auf die Ice Tigers. Und natürlich auf die so hochgehandelten Kölner Haie. Wir starren dann auch wieder auf Tiger, die sich vielleicht über 60 Minuten an die Vorgaben ihres Trainers halten. Bis Sonntagabend!

5 Kommentare in “Spiel 3: Raketenwissenschaft mit Professor Kurt

  1. Das Einzige, dass ich gestern wirklich nicht nachvollziehen konnte, ist die 00:00 bei Time on Ice von Moritz Wirth. Er hat in meinen Augen dieses Jahr bisher deutlich souveräner gewirkt als bspw. Festerling. Auch Summers war gestern Abend seine Vergangenheit nicht unbedingt positiv anzumerken. Dass Schulze auf dem Eis stand, habe ich erst beim betrachten der Statistik bemerkt. Dennoch bin ich mit den bisherigen Leistungen, im Vergleich zum Vorjahr, sehr zufrieden. Möglicherweise kann man Acton mit MacQueen tauschen..

  2. Zum gestrigen spiel nur so viel Herr Fischer. Minuskulisse, schwaches und zerfahrenes Spiel , Überzahl nicht vorhanden, Treutles Vorstellung bei den Gegentoren?? Nichts mehr vorhanden vom erstklassigen ersten Wochenende, trotz der Floskeln von Daniel Fischbuch. Die Niederlage ist mit Sicherheit kein Beinbrech es werden noch mit Sicherheit weitere folgen, allerdings kam diese zu Unzeit. Immer wieder angenehm zu Lesen wie sie es schaffen aus einer mittelmäßigen Begegnung ein Highlight mit vielen Höhepunkten?? zu schreiben. Dafür ein Dankeschön. Jetzt warten wir mal ab wie sich das Team am Sonntag gegen Köln spielerisch und kämpferisch präsentiert.

  3. Auf einen guten Beginn folgte eine klare Leistungssteigerung, leider der Grizzlys. Je länger das Spiel dauerte, waren sie umso klarer überlegen. Leider wieder Vogelwildes Defensivverhalten, was an letzte Saison erinnerte. Wer leider überhaupt noch nicht in der Saison angekommen ist, ist unser Kapitän. Vorne ein Chancentod, mit vielen schlampigen Pässen vor allem in Überzahl. Mal sehen wie es weitergeht.

  4. Dass Wirth nicht spielen durfte/konnte verstehe ich auch nicht. Evtl. leicht angeschlagen gewesen?
    Ansonsten fand ich das Spiel nicht so schlecht, zumindest bis ins 2. Drittel hinein, und erst recht im Vergleich zu den Auftritten im letzten Jahr.
    Den Unterschied haben gestern mMn die Goalies gemacht. Treutle hatte nicht seinen besten Tag. Muss man ihm auch mal zugestehen.

  5. Hallo,

    verlieren kann man, dass das Team schon in jedem Spiel liefert kann man noch nicht erwarten.
    Für Weber kam der Einsatz gestern noch zu früh, Wirth wäre an seiner statt vermutlich die bessere Wahl gewesen (wenn er nicht fit ist, gehört er nicht auf die Bank).

    Passiert, Sonntag sollte aber wieder eine deutlich Steigerung sichtbar sein.
    Gerade, weil in dieser Saison die Zuschauer zurückgewonnen werden müssen. Übrigens auch (und vielleicht gerade auch) an einem Donnerstag im September gegen WOB.

    Herzlicher Gruß
    Stefan

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