Spiel 59: Ein Abend, an dem niemand sterben wollte

Foto: Thomas Hahn/Zink

Was viele nicht wissen, ist, welch großen Spaß diese Playoffs vor allem Zeitungsjournalisten bereiten. Durch die Unberechenbarkeit, vor allem die Endgültigkeit der Ereignisse darf man da jeweils nicht nur einen, sondern gerne auch zwei Artikel anlegen, von denen einer dann einfach wieder gelöscht wird, was nicht zwangsläufig ein Verlust sein muss. Der Kollege Gloser hat heute noch einen Kommentar zum Ausscheiden der Ice Tigers im sechsten Viertelfinalspiel in Augsburg an der Wand hängen, der nur deshalb da hängt, weil die Ice Tigers das sechste Viertelfinalspiel in Augsburg gewonnen haben („Zehn Gründe für das frühe Aus der Ice Tigers“). Oftmals entscheiden Zentimeter darüber, ob eine Hymne oder ein Verriss gedruckt wird. In Bremerhaven ist kürzlich auf der Pressetribüne nicht nur ein weiterer dieser So-kann-es-nicht-weitergehen-Kommentare gelöscht worden, sondern auch gleich noch der So-geht-es-weiter-bei-den-Ice-Tigers-Artikel. Und heute haben der Kollege Fischer (Nürnberger Nachrichten) und ich (nordbayern.de) Einstiege mehrfach umformuliert, Absätze hektisch hinzugefügt oder im digitalen Papierkor verschwinden lassen. Normalerweise spricht das für die Dramaturgie des Spiels. Erst recht an diesem Freitagabend. Es war ein Fest. Ein unerwartetes Eishockey-Fest, dieses 4:3 gegen Mannheim.

Warm-up

  • Mannheim hat an diesem Freitagabend sehr lange den Ton angegeben. Natürlich lag das am Spielstand, an einem sehr ordentlich gefüllten Oberrang in der Nordkurve, aber eben auch an den 52 Vorspielen. Der Mannheimer Fan ist mit dem Selbstbewusstsein aus einer Rekord-Punkterunde, aus acht gewonnenen Playoff-Serien und drei meist souveränen Viertelfinalsiegen angereist. Da lässt es sich fröhlich durchsingen und -beleidigen. Am Ende aber sangen die Nürnberger Fans und das auch noch lange, nachdem die Mannschaft in der Kabine verschwunden war.
  • Es hatte bereits schöne Momente gegeben in dieser an sich so unschönen Saison 2018/2019, es war ja nicht alles schlecht: der Auswärtssieg in Hradec Kralove, der Fan-Support in Oulu, das Champions-League-Heimspiel-Wochenende, die Heimkehr von Steven Reinprecht und Yasin Ehliz, die Reise zum Spengler Cup – in der Nachbetrachtung aber wird wohl dieses 4:3 zu einem eventuell doch noch versöhnlichen Saisonausklang beitragen. Dieser Sieg war eine Belohnung für die Fans, deren Fragen mit Saisonverlauf immer mehr wurden und immer dringlicher, die aber kaum Antworten bekamen; die tausende Autobahnkilometer sammelten, um dann ein 2:8 in Iserlohn zu erleben; die immer gehofft hatten und die immer wieder enttäuscht wurden. Der Jubel über Patrick Reimers 3:2, die souveräne Reaktion auf Jason Basts zu präzisen Penalty, das Entsetzen über das Abwehrverhalten vor dem 3:3 und die Eskalation nach Reimers herrlichem Overtime-Treffer – all das hat die schlechten Erinnerungen aus 2018/2019 erst einmal verdrängt.
  • Die Ice Tigers haben ihre Saison um mindestens ein Spiel verlängert. Um ein Spiel in Mannheim, das am Sonntag um 16.30 Uhr angepfiffen wird. Soll noch mal einer sagen, dass wir unserem Service-Auftrag nicht nachkämen.
  • Patrick Reimer hat heute übrigens seine Führung in der ewigen Playoff-Torjäger-Liste der DEL ausgebaut, wenn auch nur um ein Tor, weil André Rankel in Berlin auch getroffen hat. In den aktuellen Playoffs hat er bereits viermal getroffen. Gar nicht schlecht für einen, von dem in Nürnberg immer noch viele behaupten, dass er Playoffs eigentlich gar nicht könne.
  • Derzeit drittbester Scorer (ja, auch weil er in den Pre-Playoffs hatte gegen Bremerhaven spielen dürfen) der DEL: Tim Bender (1/6 in 7 Partien).
  • Martin Jiranek liest diesen Blog nicht. Sonst wäre er wahrscheinlich schon früher auf die Idee gekommen, Patrick Reimer und Leo Pföderl von Philippe Dupuis zu befreien. Genau das stand hier nämlich schon mehrmals. Das Ergebnis: zwei Tore für Reimer, ein Tor, zwei Vorlagen für Weiß und letztlich das 4:3 (0:0, 1:2, 2:1, 1:0) im vierten Viertelfinalspiel gegen Mannheim.
  • Die meiste Eiszeit hatte dennoch: Philippe Dupuis.
  • Und noch ein Spieler, den ich nicht verstehe, wahrscheinlich auch nicht mehr verstehen werde. Shawn Lalonde hat in den Playoffs die meiste Eiszeit von allen Ice Tigers (23:59 Minuten), trotz seines Strafen-Hattricks in der zweiten Verlängerung des zweiten Bremerhaven-Spiels, trotz seiner Unberechenbarkeit im gegnerischen und im eigenen Drittel. Es lohnt sich, den Kanadier genauer zu beobachten. Lalonde hat Wechsel, da sitzen seine Checks, da scheint er genau zu wissen, wann er seinen Schläger wie einsetzt, da ist sein erster Pass präzise und sein Vorstoß effektiv. Und dann checkt derselbe Spieler 38 Sekunden vor Spiel fünf so sinnlos an der Bande nach, bis der Puck endlich in seinem Rücken frei ist, damit er zu Andrew Desjardins gepasst werden kann, der alleine vor Niklas Treutle steht (was ausnahmsweise nicht Lalondes Fehler war).
  • Wie immer könnte man jetzt mit Brandon Buck und Will Acton weitermachen (wobei Buck auffällig viele gute Szenen hatte). Oder man stellt noch einmal positiv heraus, dass sich die Ice Tigers ein weiteres Spiel erkämpft haben, obwohl dreieinhalb ihrer sieben wichtigsten Spieler in diesen Playoffs noch immer nicht funktionieren.
  • Markus Eisenschmid hat kein Tor geschossen. Obwohl er es fünfmal probiert hat. Das nur nebenbei.
  • Statistisch ist es das drittbeste Unterzahlspiel der Liga, nur das drittbeste. Live und Farbe bleibt das Penalty Killing die Stärke der Ice Tigers, das Gegentor durch Matthias Plachta ist dafür eher Bestätigung als Gegenbeweis. Denn auch vor dem 0:1 hatten die Ice Tigers gut verteidigt. Dass die Quote auch nach vier Spielen gegen diese so gefährlichen Adler aus Mannheim bei 88,64 Prozent liegt, ist bemerkenswert.
  • Die Shorthanded News sind so etwas wie der Brad Marchand unter den fünfeinhalb deutschen Eishockey-Podcasts. Sie teilen so oft aus, dass immer wieder auch ein Treffer dabei ist. Dass sie nach dem Spiel die Gelegenheit genutzt haben, darauf hinzuweisen, wer denn eigentlich auf welchen Serienendstand getippt hatte, ist wirklich ein schöner Service. Danke:

Das Spiel

Von Spiel zu Spiel, von Drittel zu Drittel, von Wechsel zu Wechsel – sehr viel weiter denken Eishockey-Profis in den Playoffs nicht. Zumindest behaupten sie das alle, manch einem möchte man es auch sofort glauben. Aber eben nicht allen. Zum Beispiel Jason Bast nicht, der bereits Brandon Segals wichtiges 1:1 aufgelegt hatte, der auf dem Weg war zum entscheidenden 4:2, der nur durch ein Foul daran gehindert werden konnte, der beinahe den perfekten Penalty schießt, dann aber mitansehen muss, wie der Puck vom Kreuzeck zurück aufs Eis schießt und der im Gegensatz zu Lasse Kopitz natürlich sofort gesehen hatte, dass der Puck nicht im Tor war. Was denkt der während dieser letzten 28 Sekunden, während der zwölf Minuten in der Kabine, während der fünf Minuten Verlängerung? Ich habe versucht, es herauszufinden, er hat es mir aber nicht gesagt. Vielleicht denken Eishockeyspieler tatsächlich immer nur von Spiel zu Spiel, von Drittel zu Drittel und von Wechsel zu Wechsel, weil sie es sich immer wieder einreden. Und Jason Bast hat dann ja auch noch einen ziemlich überzeugenden Weg gefunden, mit der vergebenen Penalty-Chance umzugehen. Seinen Pass verwandelte Patrick Reimer in das 4:3. Zuvor hatten die Ice Tigers versucht, ihre, nunja, wechselhafte Saison in 65 Minuten zusammenzufassen: Beschäftigung mit den eigenen Unzulänglichkeiten im ersten Drittel, mangelhafte Chancenverwertung im zweiten, seltsam schwache Leistungsträger, Probleme in Aufbau und Umschaltspiel, Leidenschaft und Kampfgeist im dritten Drittel. Aber gelungen ist es ihnen nicht, sonst wäre der erste Abschnitt kaum 0:0 ausgegangen, sonst wären sie eben nicht zweimal zurückgekommen, sonst hätten sie nicht plötzlich die Verlängerung dominiert. Natürlich passt das kollektive Defensivversagen vor dem 3:3 perfekt zu dieser Ice Tigers-Saison, ebenso wie der Lattentreffer von Bast. Dass sie dennoch gewonnen haben und das nicht unverdient, spricht schon für eine Entwicklung, die man (also: ich) diesem Team nicht mehr zugetraut hat.

Der Moment

Es krachte mächtig an der Bande. André Schrader aber hob erst seinen Arm, als sich Dane Fox für den Check mit einem Stockschlag in die Wade von Dennis Reul revanchiert hat. Ein klares Foul. War aber Verlängerung. Also hat er seinen Arm wieder eingezogen und die Arme zur Seite gespreizt. Ja, Schiedsrichter sind Menschen, machen Fehler. Die Szene aber passte ebenso perfekt zu der Leistung von Schrader/Kopitz an diesem Abend wie das 3:3 zur Gesamtsaison der Ice Tigers. Die Adler waren über weite Teile der Serie nicht nur läuferisch und spielerisch überlegen, sie foulen auch cleverer: Behinderungen von Reul und Wolf (no pun intended), ein Stockschlag von Krämmer gegen Dupuis, ein Crosscheck von Larkin gegen Bast abseits des Pucks – alle übersehen. Dazu kam der allzu offensichtliche Versuch, die Mannschaften zu anständigem Fallen zu disziplinieren. Einmal embellishment gegen beide Teams, so bleibt es fair, obwohl man genau das schon vorher und eindeutiger hätte ahnden können. Alles in allem: keine gute Schiedsrichterleistung. Letztlich aber eine, von der die Ice Tigers profitiert haben, denn mit Fox auf der Strafbank hätte Bast seinem Kapitän das 4:3 kaum so schön auflegen können.

Das Interview

Für Eishockey-Spieler ist die Playoff-Zeit die Antwort auf die Fragen, warum sie im Juni alleine skaten, warum sie im Juli Gewichte stemmen, warum sie ab August, mit dem Bus durch Deutschland fahren, warum sie ihre Ausrüstung immer wieder an- und ausziehen. War dieses Spiel das perfekte Beispiel für den Wahrheitsgehalt dieser vermeintlichen Phrase?
Jason Bast: Ja, das ist die Fun-Zeit des Jahres. Die Hallen sind voll, die Fans sind noch lauter, noch verrückter, die Intensität ist noch höher und wir schlüpfen in diese Zone, in der man nicht mehr denkt, sondern nur noch reagiert. Darauf warten und leben wir das ganze Jahr.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Ganz ehrlich, wie oft haben Sie heute daran gedacht, dass es das letzte Spiel sein könnte?
Bast: Es ist eigentlich egal, ob es das erste oder vielleicht das letzte Spiel ist, man versucht immer, jedes Spiel nur für sich zu betrachten, jeden Wechsel einzeln. Man versucht, das Geschehen zu verlangsamen. Das war ein friss-oder-stirb-Spiel. Und wir haben gezeigt, dass heute niemand sterben wollte.

Wie lange haben Sie noch an Ihren beinahe perfekten Penalty gedacht, der vielleicht einen Zentimeter zu hoch war?
Bast: Ich hätte nichts anders machen können. Es war frustrierend, da war es auch egal, ob ein Zentimeter gefehlt hat oder ein Meter. Vorbei ist vorbei. Es hat schon wehgetan, dass ich die Chance, das Spiel endgültig zu entscheiden, nicht genutzt habe.

Sie haben dann einen anderen Weg gefunden, das Spiel zu entscheiden.
Bast: Ja, ich wollte das definitiv wieder gutmachen.

Three Stars

Jason Bast war eigentlich mit Maxi Kislinger und Chad Bassen aufs Eis geschickt worden. Er hat dann aber Brandon Segal das 1:1 aufgelegt und neben Patrick Reimer und Daniel Weiß das Spiel entschieden, weil Martin Jiranek zuvor genug nichts gesehen hatte von Leo Pföderl (dass Pföderl nach seiner Strafe vor dem 1:2 durch Mark Katic noch auf dem Eis Oliver Mebus zur Rede gestellt hatte, kam wahrscheinlich auch nicht ganz so gut an). Am Sonntag wird Bast konsequenterweise in jeder Reihe eingesetzt werden, also gar nicht mehr vom Eis gehen. Tatsächlich ist Bast in diesen Playoffs der Spieler, der seine Kollegen besser macht.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

In der Vorberichterstattung auf dieses Spiel hatte ich mich noch einmal intensiv mit der Halbfinalserie gegen Wolfsburg 2016 befasst, mit dem Beinahe-Comeback nach einem 0:3-Rückstand, mit Patrick Reimers Overtime-Treffer in Spiel fünf. Oh captain, my captain, so hatte ich danach auf der Heimfahrt mitten in der Nacht den dazugehörigen Blog-Beitrag überschrieben. Mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr zu Reimers Leistung ein. Reimer ist ein großer Spieler und ein großer Kapitän. Und wer ihn nur ein bisschen kennt, weiß, dass das noch nicht einmal seine größten Vorzüge sind.

Und, noch ein Stammgast in dieser Rubrik, zumindest in diesen Tagen: Tim Bender hat wieder mutig gespielt, beseelt und auffällig. Hoffentlich vergisst man in Nürnberg über den Sommer nicht, wie großartig Bender in den Playoffs aufgespielt hat.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Ehrenvolle Erwähnung: Brandon Segal hat sich nach 49 Sekunden gleich mal einen Check an der Stelle abgeholt, wo er sich vor zwei Wochen schwer verletzt hatte. Er zog dabei aber auch eine Strafe, erzielte später ein Tor und zählte lange Zeit zu den wenigen Spielern, die ihre Nerven im Griff hatten. Und, ja, Taylor Aronson sah beim 3:3 ebenfalls nicht gut aus, leistete sich zudem eine Strafe (die man nicht geben muss). Wie wichtig aber vor allem seine läuferischen Fähigkeiten für die Ice Tigers sind, hat man aber auch wieder gesehen. Starke Comebacks.

14 Kommentare in “Spiel 59: Ein Abend, an dem niemand sterben wollte

  1. In der best Player Aufstellung fehlt ganz klar Weiss. 2 Assists , 1 Tor. Er und Bast haben den Tigers massgeblich Spiel 4 gewonnen. Beides keine Spieler die man geholt hat um in einer ersten Reihe zu spielen und einem Pföderl, Dupuis, Buck oder Action zu zeigen wie Playoff Eishockey geht.. Der Abgang von Pföderl ist mittlerweile eine Erleichterung. Bast und Weiss nicht zu verlängern wäre maximal fahrlässig.

  2. Danke Sebastian, für den wie immer informativen, unterhaltsamen und fleißigen Blogeintrag! Trotz der Freude über das Ergebnis bleiben für mich ein paar Fragezeichen. Ich verstehe schlichtweg die Strafe gegen Treutle nicht, auch das Haken gegen Aronson sehe ich nicht einmal im Ansatz… Was ich sehr schade fand, war das blutleere Auftreten von Pföderl im potentiell letzten Heimspiel als Nürnberger (der Wechsel findet ja augenscheinlich definitiv statt). So sehr ich den Burschen in den letzten Jahren schätzen und lieben gelernt habe, so sehr bleibt dann doch ein Beigeschmack nach diesen Playoffs… Viele Grüße und nochmals Danke!!!

  3. Das fünfte Spiel haben sich die Ice Tigers redlich verdient. Spätestens ab dem letzten Drittel haben die Ice Tigers einfach mehr investiert. Und unschlagbar sind diese Mannheimer eben nicht. Und deutscher Meister sind sie auch lange noch nicht, auch wenn die Ice Tigers vermutlich nicht das Team sein wird, welches das zu verhindern weiß.

    Noch einige Bemerkungen:
    Noch wichtiger, als Dupuis (das leere Tor kann man ruhig mal treffen!) in eine andere Reihe zu stellen, war die Maßnahme, Pföderl im letzten Drittel nicht mehr zu bringen. Was er nun schon wiederholt an Einsatz zeigt ist nur noch kläglich!
    Für Brandon Segal freut es mich, dass er nochmal vor seinem Publikum auflaufen und treffen konnte.
    Oliver Mebus war augenscheinlich noch angeschlagen, dennoch eine Bereicherung für die Defensive, auch wenn ihm einige Fehler unterlaufen sind.

  4. Ein hervorragendes Playoffspiel, auch wenn es vmtl für eine Zeit lang das letzte gewesen sein dürfte. So hab ich mich schon ewig nicht mehr auf den Blog hier gefreut. Leider gabs in diesem Jahr einfach zu wenig Highlights (bisher 😬).

    „Reimer kann also doch Playoffs“ konnte ich gestern endlich mal augenzwinkernd anbringen. Bei ihm merkt man jederzeit den Siegeswillen.

    Ich hoffe, dass der Jubel über den Sieg und die Vermeidung des Sweep eben nicht alles Unschöne in dieser Saison verdrängt, wenn die Spielzeit demnächst aufgearbeitet wird. Ein paar Konsequenzen wären trotz des dazu nötigen Kleingelds unabdingbar…

    lastbutnotleast:
    Sind die Bolognesenudeln Ritual oder ist das Essen im Presseraum ausbaufähig 🤔?

  5. Sehr gut geschriebener Blog,

    Zum Spiel ist eigentlich alles gesagt. Warum Pföderl und Acton spielen dürfen, Alanov und Mieszkowski draussen sitzen bzw. stehen, verstehe ich nicht. Gestern in einem eigenem Powerplay hat Acton eindrucksvoll bewiesen wie wichtig er für den Gegner ist. Ein verlorenes Bully und drei Fehlpässe innerhalb von 50 Sekunden, meinen höchsten Respekt dafür, dass man ihn beim nächsten Powerplay wieder bringt. Im ganzen Spiel eigentlich nur Fehlpässe. Und Pföderl, wirklich traurig anzusehen, wie man so bei seinem vielleicht letzten Spiel in Nürnberg auftreten kann, bei dem Verein der einem die Chance gab, eine Profikarriere zu starten. Ich bin froh wenn er weg ist!

    Und sonst muss man wirklich sagen Jason Bast richtig stark.

    Und eins noch Chris Brown, hat sich in der Reihe sichtlich unwohl gefühlt.

    Am Sonntag wird es vermutlich vorbei sein, es war gestern ein zumindest anständiger Abschied vor eigenem Publikum. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

  6. Ein schöner Abschluss (oder hoffentlich auch nicht), über den ich mich isoliert betrachtet einfach mal freue, egal was bisher war oder da noch kommen mag.
    Ganz besonders gilt Spielern wie Patrick Reimer, Jason Bast oder Daniel Weiß ein großes Lob. Dass es an einem solchen Abend immer noch einige wenige schaffen, in einer guten Mannschaft mit Unlust oder Desinteresse negativ aufzufallen, ist schon bemerkenswert. Was Pföderl seit einiger Zeit abliefert, ist eine bodenlose Frechheit. Ähnlich wie bei Herrn E. aus M. lässt auch das charakterlich tief blicken.
    Es wird m.E. bei der Aufarbeitung der Saison insbesondere darauf ankommen, dass man unabhängig von Vertragskonstellationen genau darauf schaut, wer für den Klub in jeder Phase der Saison wirklich alles gibt und sich mit dem Standort Nürnberg identifiziert.

  7. Jedes zusätzliche Playoff-Spiel ist diese Saison ein Geschenk. Insofern freue ich mich, dass es morgen weiter geht.
    Das Thema Leo Pföderl sehe ich etwas differenzierter. Ich glaub absolut nicht, dass es bei ihm eine Charaktersache ist. Viel mehr muss man leider feststellen, dass man diese Saison alles dafür getan, dass das nun das Ergebnis der Leistung in den Playoffs ist. Sämtliche Stärken (und ein Kämpfer war er noch nie) hat man ihm durch fehlende Spieltaktik, Zusammenstellung seiner Reihe, seine Rolle in der Powerplayformation genommen. Man hat es im Prinzip geschafft ihn komplett aus dem Rhythmus zu bringen.
    So verstehe ich nicht, warum jemand mit seiner Schussqualität im Powerplay irgendwo zwischen den Verteidigern rum stehen und auf einen zufälligen Abpraller hoffen muss. Pässe, die früher ein Steckel, Mitchell, Möchl, Heatley gespielt haben, hat Pföderl diese Saison nicht mehr bekommen. Alle Pässe werden ihm direkt in den Schlittschuh gespielt. Für Pföderls Spiel ist das komplett unbrauchbar.
    Die von Sebastian beschriebene Szene mit Mebus hab ich auch beobachtet. Da ging es meiner Meinung darum, dass Mebus Sekunden vorher einen Pass für einen Konter hätte spielen können, stattdessen ist Mebus abgedreht mit dem Puck. Ein Pass, der in den Playoffs 2018 gespielt worden ist. Solche Szenen habe ich auch in der Bremerhaven-Serie beobachtet, dass Leo Pföderl förmlich darum gebettelt hat in den Lauf angespielt zu werden.
    Und im Ergebnis teile ich die Meinung hier, dass er nur noch ein Schatten seiner Selbst ist.

  8. Mannheim ist weiterhin nicht die Übermannschaft, die Eishockey Deutschland gerne sieht. Die sind weiterhin machbar. Setzt man die Adler in der eigenen Zone richtig unter Druck ist da nicht mehr viel Stabilität. Dazu ein Endras, der viel in den Slot prallen lässt, da muss ab morgen ein Öltanker stehen. Es wird spannend morgen, bei einem Sieg der Ice Tigers könnte das der Wendepunkt der Serie sein. Mannheim wirkt nicht souverän und je länger die kein Tor machen umso nervöser wird man morgen sein. Die OT sprach nicht für die Adler, ungewohnte Fehler und etwas müde.

    Die Maßnahme mit Leo war absolut richtig. Hoffentlich passiert ähnliches im PP mit Acton. Das war eine Katastrophe von ihm.

    Die Rückkehr von Segal und Aronson war und wird noch wichtig.

  9. @Blackhawk:
    Das gleiche Gefühl habe ich auch… Wenn, ja wenn, es irgendwie funktioniert, dass man morgen in Mannheim gewinnt, dann wird das noch ein ganz kniffliges Ding. Was wird wohl dann am kommenden Freitag in Nbg los sein??!!

    Genau dieses Gefühl müssen die Tigers irgendwie in die Köpfe der Adler bekommen. Ich bin noch nicht soweit in dem Spiel gestern den Wendepunkt zu sehen. Aber der Sonntag kann ein Wendepunkt werden, oder eben auch das ganz klassische 4:1.

    Noch kurz 1-2 Gedanken zu Leo:
    Ich bin ganz weit davon entfernt einem Leo Pföderl Charakterschwäche zu unterstellen. Ich glaube, dass Leo ein Spieler ist, der noch nie durch Kampf und Körperspiel aufgefallen ist. Er ist einfach ein Sniper! Da kommt wohl diese Saison viel zusammen. Reihenkonstellation, allgemeine Schwäche der Mannschaft, Schwächephase Leo, etc…
    Das wird ihm dann so ausgelegt, dass er mit dem Kopf schon in Berlin ist… Glaube ich nicht. Zudem war er trotzdem der beste Torschütze der Hauptrunde in unserem Team! Das darf man nicht vergessen.

    @Heidale:
    Die „Kleinigkeiten“ zu Leo und seinem Spiel hast du glaube ich sehr schön beschrieben. Das fällt einem „normalen Zuschauer“ nicht auf!

  10. Ich habe grundsätzlich nicht wirklich Lust darauf, jemanden schlecht zu reden nach dem gestrigen Spiel. Der Kampf u Einsatz haben gestimmt, so ganz weg war er ja auch in der Spielen zuvor nicht. Ich muss meinem „Vorschreiber“ zustimmen, das ich die Personalien Buck, Acton und Big Mike, Alanov nicht nachvollziehen kann. Wie schon gesagt, nach dem gestrigen Abend (der trotzdem meine Enttäuschung über die ganze Saison nicht zunichte machen konnte…) möchte ich mich einfach nur mal freuen, das die Serie wenigstens nicht zu Null ausgegangen ist. Meiner Meinung nach würde es einer, sagen wir mal Verdopplung des gestrigen Spieles bedürfen um morgen in Mennem zu gewinnen…ich wäre der letzte der sich nicht freut wenn es morgen doch noch mit dem 2:3 klappt!!!
    Manche Spieler haben gestern wirklich ihr aller allerletztes Hemd gegeben um den Sweep zu verhindern….allen voran Bast u Seagal….viele andere auch noch…, manche aber auch nicht!
    „Interessant“ finde ich allerdings das man den Fans zu verstehen gibt, das die Mannschaft deren Unterstützung braucht. Ganz ehrlich: Die Fans waren immer da und auch bereit die Mannschaft zu unterstützen, nur hat die Mannschaft nicht immer so gespielt das sie auch unterstützt werden wollte.
    Ich bin mal auf die Tage nach den PO´s gespannt, was man da so zu hören und lesen bekommt…alles andere als, die Saison war in allen Belangen missraten und wir müssen Grundsätzliches ändern, wäre total fehl am Platz.

    @Sebastian: Vielen Dank für die Analyse nach jedem Spiel, es ist schön, das man sich mit den Leuten die man vor Ort kennt und unterhält, alles ähnlich nachbearbeitet, …und dann etwas später im Blog bestätigt wird, was man selbst so denkt! Ganz besonders übereinstimmend fand ich den Kommentar heute über die Schiedsrichter…(nein.., die können nichts dafür, das wir gefühlt 47 GROSSchancen nicht verwertet haben…), ….wir fanden das Gespann gestern wirklich nicht prickelnd, hüben wie drüben waren doch sehr…sagen wir mal…, „interessante“ Entscheidungen dabei!

  11. Blogbeitrag 👍👍👍
    @Heidale/Blackhawk:
    Sehr gute und sachlich fundierte Ausführungen zu Leo Pföderl. Da bin ich 100% bei euch.
    Solche fachlich guten Beiträge (ohne nur zu interpretieren und persönlich enttäuscht zu sein!) zeichnen den Blog hier aus und das will ich lesen.

  12. Nun auch von mir ein paar ergänze Gedanken zu den vielen zutreffenden Dingen, die hier schon geschrieben wurden:

    – Die Ice Tigers haben sich dieses Spiel fünf verdient. Mit Ausnahme von Spiel eins war die Mannschaft immer einigermaßen nahe dran, der bestbesetzten Mannschaft der Liga ein Spiel zu klauen. Jetzt ist es passiert – endlich.

    – Berücksichtigt man die Tatsache, dass die Ice Tigers weiter ohne Acton, Buck, Pföderl und Dupuis spielen, ist es noch bemerkenswerter, dass es zu einem Sieg gereicht hat.

    – Ich könnte mich nun an Bucks vergebener Großchance abarbeiten oder daran, dass Acton wiederholt den Puck nicht getroffen hat. Aber es ist Samstag und die Sonne scheint.

    – Der Weggang Leo Pföderls nach Berlin ist für die Ice Tigers kein Verlust. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Satz mal schreiben würde. Pföderl war auch in der Vergangenheit ein eher eindimensionaler Spieler, der vor allem durch seinen präzisen Handgelenksschuss glänzte. Nun gibt es im aktuellen Kader aber keinen Spieler, der ihm die Pässe spielt, die er braucht. Dem einstigen Playoff-Monster ist damit der Zahn gezogen. Von seinem Zweikampfverhalten lebt Pföderl jedenfalls nicht. Auch das konnte man gestern gut beobachten. Dass er keine Lust hat, glaube ich ehrlich gesagt aber auch nicht.

    – Sticktap an Patrick Reimer. Er hat gestern (mal wieder) gezeigt, dass er ein echter Crunch-Time-Player sein kann. Wenn mal wieder darüber geredet werden sollte, dass es dem deutschen Eishockey an Stars und Vorbildern fehlt: Mehr Vorbild als Patrick Reimer kann man nicht sein.

    – Für Brandon Segal war es das vielleicht letzte Heimspiel seiner Karriere. Dass er noch einmal alle seine Qualitäten zeigen und sogar ein Tor erzielen konnte, gönne ich ihm von Herzen.

    – Die Adler Mannheim sind stark. Das ist alles andere als überraschend. Überraschend ist vielmehr, dass die Mannschaft von Pavel Gross nicht so übermächtig wirkt, wie sie angesichts ihrer fast schon furchteinflößenden Kombination aus Trainerfuchs und Top-Kader sein könnte.

    – Vieles, sehr vieles, spricht dafür, dass die Saison der Ice Tigers morgen endet. Doch vielleicht wird es für die Adler ja auch schwerer als gedacht. Wo kriegt man sonntags eine dicke Frau her, die bereit ist zu singen? Man wird sehen.

    – Egal, wie das Spiel morgen ausgeht. Die Verantwortlichen werden diese Saison sehr intensiv aufarbeiten müssen. Ich bin gespannt, welche Schlüsse man daraus für die kommende Spielzeit zieht.

  13. Ich schließe mich an, dass dieser erste Sieg in der Serie absolut verdient ist. Gestern hat man sich für die guten und couragierten Auftritte auch belohnt.

    Zwar kann ich mir nicht vorstellen, dass Mannheim das Spiel morgen abgeben wird, aber vielleicht passiert ja mal was unvorhergesehenes und das Glück, was uns neben all den anderen Problemen nicht so oft angelächelt hat diese Saison, gönnt uns einen nicht für möglich gehaltenen Erfolg. Wie gesagt, ich kann es mir nicht vorstellen.

    Zu Pföderl: Ich würde ihm keine Charakterschwäche vorwerfen wollen. In dieser Saison laufen auch viele Dinge nicht ideal für ihn. Er war stets ein Spieler der mit den Mannschaften stand und fiel. War das Kollektiv gut war er oft der Vollstrecker. Läuft es nicht rund, ist er aber nicht der Spieler der ein Team aus dem Loch führt. Entsprechend hatte er seine beste Phase im Januar als auch die Mannschaft am stabilsten wirkte.

    Zu Acton ist alles gesagt, eine Saison zum vergessen.
    Mal sehen vielleicht kann ein Trainer und andere Nebenleute das Blatt in eine bessere Richtung wenden. Selbiges gilt für Buck. An Vertragsauflösungen glaube ich aus finanziellen Gründen nicht.

    Ansonsten Weiß, Bast und Segal für mich mit starken Auftritten. Reimer und Treutle wie immer absolute Anker.

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