Spiel 56: 119 Sekunden

Foto: Thomas Hahn/Zink

Thomas Hahn schläft im Fond. Das hat er sich verdient. Er hat schöne Fotos gemacht. Florian Jennemann fährt. Vielen Dank. Aus den Boxen plärrt Keith Flint. R.I.P. Es regnet. Zumindest schneit es nicht. An einem solchen Mittwoch (der längst ein Donnerstag ist) ist man mit wenig zufrieden. Noch 27 Kilometer. Eine ganz normale Playoff-Dienstreise. Und doch hat es sich zuvor beim 2:7 in Mannheim ganz anders angefühlt. Das ist nicht gut für die Aussichten der Thomas Sabo Ice Tigers.

Warm-up

  • Kelly Catlin hat an der berühmten Universität von Stanford studiert, 2015 hat sie bei den Panamerikanischen Spielen das Einzelzeitfahren gewonnen. In Rio de Janeiro hat sie Olympisches Silber mit dem US-Team in der Mannschaftsverfolgung geholt. Sie war zweimal Weltmeisterin. Im Herbst 2018 hatte sie einen Unfall, bei dem sie sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Vor ein paar Tagen hat sie sich umgebracht. Kelly Catlin war 23 Jahre alt.
  • Dieser Blog ist der falsche Ort, ich bin der falsche Autor, um den Zusammenhang zwischen Gehirnerschütterungen und letztlich fatalen Persönlichkeitsveränderungen herzustellen. Die Familie von Kelly Catlin hat das gemacht. Der Stanley Cup-Sieger Dan Carcillo hat das gemacht. Immer mehr Sportler machen das. In Deutschland wird die Gehirnerschütterung immer noch wie die kleine Schwester der Knochenhautentzündung behandelt. Marcus Weber und Brandon Segal haben eine Gehirnerschütterung. Oliver Mebus nach der Begegnung mit Andrew Desjardins vielleicht auch. Die Frage, ob sie noch in diesen Playoffs wieder zurückkommen, ist nicht wichtig. Es ist nur wichtig, dass sie wieder gesund werden.
  • Okay, Eishockey ohne Eishockey-Kulturpessimismus, zumindest kurz: In den Playoffs ist es übrigens egal, ob man 1:2 oder 2:7 oder 178:349 verliert. Es steht nur 0:1. Also, für den Fall, dass ihr das vergessen habt.
  • Wurde nicht nur hier schon ein- bis 23-mal thematisiert: das Interesse an Moritz Seider. In Mannheim saßen an diesem Mittwoch zeitweise mehr Scouts als Journalisten im Pressebereich. Sie haben einen soliden Seider gesehen, der allerdings ein Laufduell mit Daniel Weiß verloren und eine Großchance nicht genutzt hat. Unqualifizierter Beitrag zur Wahl zum Rookie des Jahres: Lean Bergmann wäre das nicht passiert.
  • Der Fox und der Wolf haben nur im Schlussdrittel miteinander getanzt. Und das auch nur kurz. Schiedsrichter haben einfach keinen Sinn für Kunst. Aus diesem Playoff-Spiel bleibt einem David Wolf nur als trotziges Foulopfer in Erinnerung, das einfach nicht einsehen will, dass diese Nürnberger ihn tatsächlich hatten berühren dürfen.
  • Bei einem 1:5 nach zwei Dritteln hätte Martin Jiranek Torhüter getauscht.
  • Schon vor der Partie hatte es mir an der Phantasie gemangelt, mir ein Szenario auszumalen, das es den Ice Tigers möglich machte, auch nur eine Partie gegen diese Adler zu gewinnen. Das hat sich nach den ersten 60 Minuten dieser Viertelfinalserie nicht geändert.
  • Auch im vierten Playoff-Spiel in acht Tagen gibt es keinen Grund, sich kritisch über die Leistungen der Schiedsrichter zu äußern. (Der Autor streicht versonnen, über sein neues Panda-Trikot.)
  • Moritz Müller hat sich in den letzten Wochen zu einer Art Klassensprecher für das deutsche Eishockey berufen gefühlt. Mo hat ARD und ZDF seinen stinkenden Handschuh in die Gesichter gedrückt. Mo hat viele kluge Sachen gesagt, in viele Aufnahmegeräte. Mo macht CrossFit. Ich mag Mo. Der Kölner Verteidiger hat am Dienstag aber auch ein Zeichen gesetzt und den Joachim Ramoser verprügelt, obwohl der sich gar nicht prügeln wollte. Warum auch, seine Mannschaft führte ja 6:2. Wir wissen, warum Müller das gemacht hat. Wir haben auch tatsächlich schon erlebt, dass ein solcher Gewaltausbruch das Momentum die Seiten hat wechseln lassen (also einmal oder zweimal). Wir finden das okay. Oder auch nicht. Wir schauen trotzdem weiterhin Eishockey. Aber wer von den Millionen potenziellen ARD- und ZDF-Aficionados zufällig über ein Gif, das die DEL nicht zulässt, auf Müllers Einlage aufmerksam geworden ist, dürfte ganz froh sein, dass sie/er mit dem Blödsinn nicht auch noch im Sportstudio belästigt wird. Eishockey war Nische, ist Nische, wird immer Nische bleiben. In diesen Tagen lässt sich ganz gut beobachten, warum das so ist.

Das Spiel

Foto: Thomas Hahn/Zink

Im Schlussdrittel hat Will Acton im Power-Play über das Tor geschossen. Warum das erwähnenswert ist? Weil es mich daran erinnert hat, dass Acton überhaupt mitgespielt hat. Nach einem unbedrängten Fehlpass über drei Meter im ersten Drittel ist er verschwunden. Nur die Eiszeitstatistik verrät, dass er teilgenommen hat. Das gilt auch für Brandon Buck. Philippe Dupuis ist hingegen sehr wohl aufgefallen – allerdings fast ausschließlich negativ. Dass seine potenziell besten Spieler erneut noch nicht einmal mittelmäßig waren, hat Martin Jiranek danach mit einem Nicken bestätigt. Über einzelne Spieler wollte er dann aber doch nichts sagen. Er hat stattdessen noch einmal erklärt, warum er am Freitag gegen Bremerhaven keine Auszeit genommen hat (vielleicht ist er ja doch NN-Leser). Und über den Aufbau als Wurzel allen Übels hat er gesprochen. Allerdings war auch dem Cheftrainer nicht klar, warum es seinen Spielern selbst ohne Mannheimer in Atemnähe zu oft nicht gelungen ist, die Scheibe dem Kollegen über drei Meter auf die Kelle zu passen. Wenn das mal geklappt hat, vielleicht sogar ein zweites Mal in Folge, dann wurde es gefährlich für Mannheim. Allerdings klappte das erst nach Jiraneks Auszeit nach dem 1:4. Davor war es ein Geschenk, dass Patrick Reimers Power-Play-Treffer für ein 1:1 nach 20 Minuten gesorgt hatte. Denn auch im ersten Drittel war Mannheim klar besser. 119 Sekunden haben die Adler nach dem ersten Seitenwechsel gebraucht, um das Spiel zu entscheiden. Markus Eisenschmid hat offenbar erst im Sommer das Schießen gelernt, anders kann ich mir seine sechs Treffer in seiner letzten AHL-Saison nicht erklären. Was. Für. Ein. Spieler. Also für DEL-Verhältnisse. Denn auch mit der Vita des zweiten Mannes des Abends lässt sich ganz gut erklären, wie weit das DEL-Eishockey von international anspruchsvollem Eishockey entfernt ist. Andrew Desjardins stellte bei diesem 7:2 nicht nur ob seiner drei Treffer (trotz zwölf Strafminuten) unter Beweis, warum man ihn als den komplettesten Angreifer bezeichnen darf. Seine letzte NHL-Saison ging vor zwei Jahren mit einer Vorlage zu Ende – in 46 Spielen. Für die NHL nicht mehr gut genug, in der DEL herausragend (siehe auch: Mitchell, John). Zurück zu den Ice Tigers, die zwischen dem 1:4 und dem 2:5 beinahe eine gute Phase hatten, in der es so aussah, als könnte man zumindest mit gerade einmal zurückhaltenden Adlern mithalten. Man stelle sich jetzt noch vor, Reimer, Bender, Treutle, Brown, Bassen, Bast, Alanov, Kislinger, Jurcina, Stajnoch, Pföderl, Weiß, Gilbert und Fox bekämen noch Unterstützung von den potenziell besten Spielern der Ice Tigers.

Der Moment

Die Presse-Akkreditierung trägt man in Mannheim mittlerweile ordentlich an einem Lanyard um den Hals, man muss sie sich nicht mehr auf die Jacke hinbappe (was 2015 für ordentlich Verdruss gesorgt hatte, also bei einem hier nicht näher zu spezifizierenden Nürnberger Sportjournalisten). Die Fans in der Reihe vor der Pressetribüne sahen auch keinen Grund, einen Berichterstatter des Feindes zu provozieren. Wahrscheinlich sehen sie in diesen Ice Tigers keinen Feind. Und selbst mit Rainer Rheindel von der Kurpfalz (oder so) gab es keinen Dissens. Es war harmonisch in Mannheim, also beinahe ein wenig langweilig. Vielleicht lag das aber auch an der eigenen Einstellung. Selbst der Auftritt von Grampa Simpson vor dem Spiel hat mich nicht emotionalisieren können. Mittlerweile beeindruckt mich die Inklusion von älteren Mitbürgern sogar. Es gelingt mir auch jetzt nicht, mich in Rage zu schreiben. Dass das Maskottchen Udo nicht in der Lage ist, auch nur einen nordamerikanischen Namen richtig auszusprechen, daran hatte man sich einst schon im Friedrichspark abarbeiten können. Aber dass auch sein Betreuer keinen Namen richtig aussprechen konnte/wollte, das darf man dann schon peinlich nennen. Vor allem weil ansonsten alles so perfekt war, der Trailer, der Playoff-Trailer, die Choreo. Wenn die Arena-Sprecher dann die Namen Bast, Buck oder Gilbert so aussprechen wie mein vier Jahre alter Sohn – bis ihn mein acht Jahre alter Sohn empört korrigiert -, dann kann man da schon Vorsatz unterstellen. Aber ich befürchte, mehr Mnnhm wird es 2019 nicht geben.

Three Stars

In etwa zehntausend Benders waren in der SAParena. Zumindest hatte das Tim Bender angekündigt. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass er da ein wenig geflunkert hat, waren doch mindestens zehntausend Zuschauer beeindruckt von Tim Bender. Einer der wenigen, vielleicht der einzige Verteidiger, der nicht damit überfordert war, den ersten Pass zum Mann zu bringen. Und erneut so stark im Power-Play, dass man sich fragt, warum er das eigentlich nicht immer hatte spielen dürfen.

Ja, auch er hat, nunja, interessante Pässe gespielt. Daniel Weiß war aber auch Sturmführer der aktivsten Nürnberger Sturmreihe. Weiß war unangenehm, präsent und hat den Puck nicht so achtlos behandelt wie manch einer seiner Kollegen.

Und Milan Jurcina ist zwar immer so groß, dass man aus ihm auch zwei Verteidiger hätte machen können. Milan Jurcina ist aber tatsächlich nicht mehr das größte Problem der Ice Tigers.

14 Kommentare in “Spiel 56: 119 Sekunden

  1. Der Auftritt und das Ergebnis waren ziemlich genau das, was man erwarten konnte. Dass es vielleicht um ein oder zwei Tore zu hoch ausgegangen ist, egal. Andererseits hätte Mannheim sicher auch noch zulegen können, wenn es erforderlich gewesen wäre. Den Bemerkungen über unsere „Leistungsträger“ ist nichts hinzuzufügen. Aber auch das war nicht anders zu erwarten.

  2. Vielen Dank für diesen Blogeintrag.

    Dem ist so dermassen nichts mehr hinzu zu fügen, dass ich mich veranlasst fühlte, genau das zu sagen.

    Auf den Punkt. Danke.

  3. Für mich war das jetzt kein 7:2 Spiel wie es das Ergebnis vielleicht auf den ersten Blick ausdrückt. Das Spiel – diese schwarzen zwei Minuten im Mitteldrittel – wurde mMn durch 2-3 Fehler vorentschieden. Einmal das schöne Luftloch von Pföderl und dann der Versuch von Fox von der blauen Linie abzuziehen. Beide Male entstannt daraus der Kontor mit Torerfolg. Ich behaupte auch, vor einem Jahr hätte Leo das 3:4 gemacht, dieses Mal entstand das 5:2. Kopfsache bei Ihm, aber er ist aktuell eher ein zweiter Acton. Da bin ich auch schon bei meinem „Liebling“: es macht mich wütend wenn ich wie gestern sehen muss, dass ein Acton vom 2 Meter liegenden Puck an der Bande im Angriffsdrittel abdreht statt in den Zweikampf zu gehen. Eine Scheidung im Sommer wäre wohl für beide Parteien das Beste – ob so eine Einstellung in einem neuen Tigersteam im Umbruch förderlich ist stelle ich mal in Frage.

    Wenn die Ice Tigers konzentrierter auftreten und ihr Körperspiel intensivieren könnte es für Mannheim eine lange Serie werden. Ich fand weder, dass Mannheim jetzt extrem ihr Spiel aufzwang noch dass Nürnberg jetzt klar unterlegen war. Dazu ist Wolf jetzt schon mal ein Kandidat, der ziemlich schnell austicken könnte nach der blutenden Lippe, der Klammerblues von Fox wird ebenfalls dazu beitragen, dass die Zündschnur kürzer wird.

    Vorbei ist es noch nicht und ja, ich gebe den Ice Tigers eine kleine Chance die „Übermannschaft“ aus Mannheim zu schlagen, aber dazu muss wirklich konzentrierter aufgetreten werden und manch Spieler über den eigenen Schatten noch springen.

  4. Im Gegensatz zu fast allen die hier mehr oder weniger regelmäßig kommentieren bin ich als Fan etwas weiter weg und erlaube mir deshalb nur eingeschränkt die Leistungen der Icetiger in den letzten Monaten zu beurteilen.
    Trotzdem hätte ich große Lust auf einem Splitt Screen die Niederlage gestern der zu Saisonbeginn in Oulu gegenüber zustellen. Ich befürchte es wird wenig Unterschied zwischen beiden Spielen (Stichwort Strafzeiten, Spielaufbau, Defensivverhalten) zu sehen sein. Wenn das so ist/wäre stellt sich mir die Frage nach dem Trainingsmethoden noch einmal nachdrücklich. Aus dem Umfeld der gut informierten Eishockey-Kenner war immer zu hören das die Trennung von Kevin Gaudet nach vier Ligaspielen unumgänglich war. Bleibt die Frage was soll sich seither gebessert haben? Und noch viel wichtiger, wurde durch die Konstellation Trainer-Sportdirektor in einem nicht das Scouting und die Neuausrichtung (naturgemäß) vernachlässigt?
    Wenn ich mich richtig erinnere wurde nach der Entlassung von Jeff Tomlinson die Spielausrichtung hin zu mehr physischen und wuchtigen Eishockey vollzogen. Wenn ich die Entwicklung richtig deute, wird es zwar immer die Komponente „kantiger Verteidiger/ wuchtiger Stürmer“ geben, aber es drängen doch immer mehr leichtfüßige, schlittschuhtechnisch bessere Spieler in die Teams. Wenn ich einen Zwischenbemerkung von Sebastian Böhm von vor einigen Monaten richtig deute, tut sich ja etwas im Hintergrund. Bleibt nur zu hoffen, das diese zwangsweise Neugestaltung des Teams mit mehr Weitsicht und Fortune stattfindet wie im zurückliegenden Sommer.
    Damit wäre ich gleich bei einem anderen Themenfeld: der Kommunikation der Organisation gegenüber den Fans! Natürlich gehören Vertragsverhandlungen nicht in die Öffentlichkeit und auch emotionale Schnellschüsse (Stichwort „Nachtreten gegen Yasin Ehliz“) sind oft ein gefährlicher Bumerang. Aber das man so Garnichts hört über Trainer, Spieler, Konzepte finde ich bei einer Veranstaltung die ja in und von der Öffentlichkeit lebt nicht sehr gelungen. Ich habe den Eindruck das vom ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann gehaltvollere Informationen zu erhalten sind, als von der Geschäftsstelle/ Presseabteilung der Icetiger – und das will angesichts des megainformativen Interviews diese „Experten“ in der Eishockey News ja schon einiges heißen!!!
    Damit wäre ich noch bei einem anderen vieldiskutierten Bereich der öffentlichen Wahrnehmung der DEL. Klar wäre eine häufigere Berichterstattung durch ARD und ZDF gut was die Reichweite angeht, aber mal ehrlich gesagt, ist es nicht a) völlig wirkungslos wenn ein einzelnes Spiel wie das Wintergame oder eines der letzten Hauptrundenspiele mal in einem drei Minuten Beitrag gezeigt wird? Im Gegensatz zum Fußball wo bis hin zur dritten Liga der aktuelle Tabellenstand bekannt ist, habe doch viele Sportfans wenig bis gar kein Wissen über die Situation innerhalb der DEL. Es sei nur mal jedem geraten in seinem privaten Umfeld (wenn es nicht gerade ausschließlich aus Eishockeyfans besteht) nachzufragen was es mit der 1. Playoff-Runde (ehemals Pre-Playoff) auf sich hat. Ich finde die schlimmen Zeiten als der Ligabetrieb in Sky versteckt war, sind gottseidank lange vorbei. Mit ServusTV und vor allem mit der reichhaltigen Übertragung von Telekom (oder wie die Magentatruppe aktuell gerade heißt) haben wir als Fans schon sehr viel gutes bekommen. Dazu noch die frei zugängliche Übertragung in Sport1 – also viele andere Sportarten wären glücklich wenn sie soviel Sendezeit bekämen. On top kommen noch die vielen tollen Podcasts (von den HockeyBuddies über etliche Beiträge bei den Spitzplatzultras bis hin zu den grandiosen Shorthanded News) haben wir aus der Blase doch genug Infomaterial. Kurzum (auch wenn es immer was zu verbessern gibt): Wer im Ein-Sterne-Restaurant sitzt und immer jammert das das Drei-Sterne-Restaurant (Fussball) doch viel geiler wäre, sollte bedenken, das dort oft das Fleischgericht sehr zäh und überwürzt ist 😉 und es viele Gaststätten gibt die schlechtere Bedingungen haben/ bieten!

    Eine Anmerkung möchte ich noch angesichts der erwähnten (möglichen) Gehirnerschütterung von Oliver Mebus machen. Klar sehen wir direkt gesagt die Profisportler in allen Sportarten in erster Linie als (direkt gesagt) Humankapital. Dieses soll Punkte, Tore, Titel bringen und möglichst kurze Verletztungsphasen oder sportliche Krisenzeiten haben. Ich vermute das es auch unter den Verantwortlichen, Trainern und Sportlern selbst diese Einstellung überwiegend gibt. Es wäre aber auf Dauer doch wünschenswert wenn die Spieler auf dem Eis, die Fans auf der Tribüne und der Berichterstatter (von wo aus auch immer) mindestens im Hinterkopf behält das es um Menschen handelt! Dann hätten wir möglicherweise weniger Hass und Schämungen, aber auch weniger böse Fouls und Verletztungen zu erleben. Zusätzlich stellt sich mir die Frage, ob es nicht auch im Bereich der Ausrüstung mögliche Verbesserungspotenziale gibt (Stichwort Helm) !?

  5. Insgesamt natürlich ein absolut verdienter Sieg für die Adler, dennoch bin ich der Meinung, dass er um ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen ist.
    Ich finde wir haben das gestern nicht schlecht gemacht und auch taktisch diesmal gut agiert. zugegeben es war jetzt nicht überraschend und weit hergeholt kompakt zu stehen, die Scheiben zu klären und auf vereinzelte Gegenstöße zu setzen. Aber wir haben es auch ordentlich umgesetzt.

    Ich sehe es wie Blackhawk, wenn wir es schaffen die Fehler noch zu minimieren und die leistungsträger zumindest mal ein Stück von ihrer Form finden, dann kann man auch gegen Mannheim ein Spiel vielleicht sogar zwei. Um die Serie zu holen fehlt mir ebenfalls die Vorstellungskraft, aber mit etwas Glück, Effizienz wenn denn die Adler auch mal Fehler machen und den angesprochenen Leistungssteigerungen bei gewissen Spielern ist ein drittes Heimspiel im Bereich des Möglichen.

  6. Das Ergebnis ist schon um 1 bis 2 Tore zu hoch ausgefallen, aber auch in den anderen Spielen bis auf München war es sehr deutlich. Schwamm drüber. Mehr Sorgen bereitet mir das von unseren AL so gut wie nichts kommt. Und einen Fox der während der Saison fast gar nichts hinbekommen nach dem Siegtor hat zum Pre-Playoff Helden zu stilisieren ist auch nicht ohne. Gestern war da nicht viel Heldenhaftes zu sehen. Verloren ist noch nicht viel. Es steht 0:1.Ich denke am Freitag sind wir schlauer. Was mir momentan ein bisschen Sorge bereitet sind die Aussagen meiner Augsburger Freunde das Nürnberg Mike Stewart angeblich mit einem 3 Jahres Vertrag nach Nürnberg lotsen will. Hat man aus dem Fluch der langen Verträge nichts gelernt. In Augsburg hat er auch Jahr für Jahr verlängert. Sollte es so sein dann schwimmt man anscheinend im Geld.
    @ blackhawk eine Scheidung im Sommer mit dem genannten Spieler halte ich für ausgeschlossen, wer soll das bezahlen.
    @ Norbert es ist die Mischung die ein Team auszeichnet, kleinere wendige Spieler und große und körperlich präsente Spieler, ja jetzt kommt mein Sch… wieder wie Anno 1998/99. Da klappte es vorzüglich. Warum nicht wieder.

  7. Herr Böhm, vielen Dank für die kritischen Anmerkungen zum Thema Gerhirnerschütterung. Vielleicht ein erster kleiner Beitrag der auch hierzulande irgendwann für ein Umdenken sorgen wird, wenn diese Stimmen endlich lauter werden.

    Jenseits des Teiches ist man bereits erheblich weiter. Seit sogar die Kommerzmaschinen NFL und NHL verstanden haben, dass die Gesundheit ihrer Spieler auch nach Karriereende noch wichtig ist, denken sogar die Talentschmiede an Schulen und Colleges nicht mehr nur an den eigenen Bonus.

    Wen das Thema interessiert, dem sei der Film „Concussion“ von Peter Landesman empfohlen. Pflicht sollte er für jeden sein, der Verantwortung für Sportler, Nachwuchs oder die eigenen Kinder trägt!

  8. Ich sehe überhaupt keine Chance gegen diese Mannheimer Mannschaft auch nur ein Spiel zu gewinnen. Dazu müssten die Adler am Freitag oder Sonntag schon aus irgendwelchen Gründen ein, zwei Gänge zurückschalten (das wird unter Gross nicht passieren) und Treutle einmal mehr über sich hinauswachsen. Für mich ist mit Ausnahme der Torhüterposition ein Klassenunterschied in allen Bereichen erkennbar. Wenn dann selbst im Playoff-Viertelfinale noch Spieler wiederholt durch Unlust/Unfähigkeit auffallen und dennoch ohne Konsequenzen befürchten zu müssen weiterhin üppige Eiszeit bekommen, steht der Ausgang der Serie erst recht schon fest. Überraschend ist das alles inzwischen nicht mehr. Wenn ich wüsste, dass aus dieser Saison wenigstens die richtigen Schlüsse gezogen werden, wäre ein richtig schlechtes Jahr zwischen mehreren guten kein Weltuntergang. Aber auch da bin ich mir nicht so sicher.

  9. Ich wünsche mir, daß der Herr Böhm, der sicherlich mehr Insidereinblick hat als ein „Nur-Fan“, mal seine Zurückhaltung aufgibt und mal über die Hintergründe für diese van A bis Z miserable Saison Tacheles schreibt

  10. Als „Nur-Fan“ kann man nicht hinter die Kulissen schauen, um wenigstens ansatzweise zu verstehen, warum die Ice Tiger so eine miserable Saison spielen. Aber Fachleute und Insider wie der Herr Böhm könnte mal Tacheles schreiben und die Fans aufklären.

  11. Es ist traurig zu sehen, mit welcher Einstellung manche Spieler Playoffs spielen. Buck, Acton und Pföderl waren eigentlich als Spieler gedacht, die den Unterschied ausmachen sollen. Und wenn man es genau betrachtet machen sie es auch, leider nur in die falsche Richtung. Das Einzige was mich daran so stört, ist da die Wahrnehmung unseres Sportdirektors. Das Wort „Trainer“ möchte ich hierzu gar nicht in den Mund nehmen.

    Die Verträge von Buck und Acton muss man eigentlich auflösen, denn es ist auch Geldverschwendung diese Spieler noch zwei Jahre durchzuschleppen. So wie sie Momentan auftreten ist jedes Spiel, welches die Beiden in der DEL bestreiten, eine vertane Chance für einen jungen hungrigen Spieler. Und die Beiden sitzen bestimmt keine zwei Jahre ihren Vertrag aus. Teuer wird es bestimmt, aber teuer sind auch 500 Zuschauer weniger pro Spiel so wie diese Saison.

    Und der Fokus sollte nicht nur auf einem neuen Trainer liegen. Der Mann der die Saison so grandios verbockt hat, sollte da auch nicht vergessen werden.

  12. Ich habe mich in den letzten Wochen/Monaten sachlich und sehr wahrscheinlich auch zum Teil unsachlich über die Saison geärgert. Mittlerweile bin ich aber in dem Modus froh zu sein auch am 22. März professionelles Eishockey am Kurt-Leucht-Weg zu sehen. Hätte ich nicht wirklich geglaubt.

    Bei einigen hier (zu recht) kritisierten Spielern frage ich mich persönlich, ob diese Spieler nicht verletzungsbedingt gehandicapt ins Spiel gehen. Aber es gehört ja zu diesem Sport, mit solchen Informationen sehr sparsam gegenüber dem Fan umzugehen.
    Ich hatte das Vergnügen letzten Sommer ein paar Spielern privat über den Weg zu laufen. Dabei kam schon raus, dass da ein paar Jungs in den Playoffs 2018 mit Verletzungen für das Team sich eingebracht haben, da würde ein paar Meter weiter im Max-Morlock-Stadium keiner auf die Idee kommen, seine zivile Kleidung auszuziehen.

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