Spiel 45: Kopf über Wasser

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Am 13. Februar ziehen die Ice Tigers nach Spielen mit dem Rest der Liga gleich. Neun Punkte haben sie jetzt Vorsprung auf Rang elf. Alles gut also? Dieses 5:2 gegen die Iserlohn Roosters gab mehrere Antworten auf diese Frage.

Warm-up

  • Der Kapitän warnte, natürlich. Am Montagvormittag sprach Patrick Reimer lange über diese Spielzeit, zum Abschluss des Gesprächs blickte er noch kurz auf den nächsten Gegner. Iserlohn? Gefährlich, natürlich. Dann nannte er zwei Namen: Matsumoto und Camara. Dass beide ihren Punktekonten nichts hinzufügen konnten, spricht für die Ice Tigers im Frühjahr 2019.
  • Zurück zum Mittwochabend. 4012 Zuschauer wollten den ersten Auftritt der Ice Tigers nach der Pause sehen. Nur 4012. Wohin man auch blickte, sah man das Blau der Sitzschalen, auch in den Stehblöcken taten sich große Lücken auf. Entsprechend ruhig war es auch lange Zeit. Schade.
  • Nicht nur die Zuschauer schienen noch in der Pause, auch die Ice Tigers wirkten noch ein paar Minuten nach dem ersten Bully wie in den Ferien. Ganz normal, fand Marcus Weber hinterher, „man hat bei beiden Mannschaften gesehen, dass man einfach ein bisschen braucht, um aus der Pause rauszukommen“.
  • Iserlohn war schwach. Sehr schwach. Dafür, dass Jamie Bartman hinterher davon sprach, dass sie noch in Richtung Pre-Playoffs geschielt hatten, war das schon ein wenig ansprechender Auftritt. 
  • Was wurde nicht alles schon über die special teams diskutiert. Inzwischen aber scheinen sich die Ice Tigers gefangen (und gefunden) zu haben. „Viel Videoanalyse, viel Training“, sagte Marcus Weber, als er nach einer Erklärung dafür gefragt wurde.
  • Jason Bast hat das erste Mal seit dem 23. Dezember wieder ein Tor geschossen. „Das tut ihm gut“, glaubt sein Trainer. 
  • In Unterzahl war da auf einmal die #21. Max Kislinger auf dem Eis? Bei vier gegen fünf? Ja, ich hatte mich nicht getäuscht. Und siehe da: Es funktionierte. „Wir wollen den jungen Spielern mehr und mehr Verantwortung geben“, sagte Martin Jiranek später, „auch Alanov wird Unterzahl spielen, denn beide sind läuferisch sehr gut und wir wollen mehr Druck machen in Unterzahl.“ Schon vor der Pause wollte der Trainer Kislinger das Vertrauen geben, da war es ihm angesichts der engen Spiele aber noch zu heikel, jetzt sah er die Zeit gekommen. „Er macht viel Unterzahl im Training, er hat also schon etwas Erfahrung“, erzählte Jiranek. Kislinger soll aber auch in den nächsten Spielen „nicht so lange drauf“ sein, „eher am Ende, wenn noch 20,30 Sekunden zu gehen sind“. Das abschließende Fazit: „Er hat seinen Kopf über Wasser gehalten.“
  • Zufrieden war Martin Jiranek dafür mit einigen anderen Dingen nicht. „Teilweise sehr gut, teilweise nicht“ fand er den Auftritt seiner Mannschaft, „über die drei Punkte will ich nicht meckern, aber wir haben noch einiges zu arbeiten für die nächsten Spiele“. Darauf angesprochen, vertiefte er das in kleiner Runde noch etwas. Ihm missfiel der Aufbau, „wir lassen den Gegner die Scheibe zu leicht gewinnen“, die Pässe kämen oft „nicht konzentriert genug“, auch die Checks hatten ihm nicht immer gefallen, „zu viele Kreise“ würden seine Spieler fahren. 
  • Für das wichtigste Fazit dieses 45. Spiels der Saison 2018/2019 brauchte er nicht viele Worte: „Es sind noch sieben Spiele und wir haben unsere Zukunft in unseren Händen.“
  • In der Pause haben die Ice Tigers ein paar Gespräche geführt, doch jetzt, findet der Trainer in seiner Rolle als Sportdirektor, ist dafür keine Zeit mehr. „Wir spielen fast jeden zweiten Tag und müssen uns darauf konzentrieren. Ich habe jetzt keine Zeit, mit Agenten zu diskutieren und manchmal auch zu streiten.“ Engültige Entscheidungen über den Kader der Zukunft, so sollte man das verstehen, wird es erst nach dem Saisonende geben. 

Das Spiel

Mitte des dritten Drittels war ich mit meinem Spielbericht für die gedruckte Zeitung fertig. Ein paar Zeilen verblieben noch, also schreibt man etwas davon, dass das Spiel lange vor sich hin plätscherte nach diesem 3:1. Dann lehnt man sich zurück – und auf einmal geht alles ganz schnell. Brandon Segal, der gerade noch den Rekord im Hochschuss aufgestellt hatte, trifft zum 4:1, Weidner verkürzt. Also: Spielbericht ändern, doch kein langsames Ausplätschern. Dann: ein Stöhnen. Und diskutierende Schiedsrichter. Chad Bassen muss runter, gesperrt wird er für seinen vermeintlichen Check gegen den Kopf wohl eher nicht. Und dann: 5:2, noch ein Tor. 

Rückblende: Zu Beginn des Spiels schien die Nürnberger Defensive noch in Urlaubserinnerungen zu schwelgen, Weidner nutzte das aus, nachdem Niklas Treutle noch gegen Florek gerettet hatte. Das erste Powerplay der Ice Tigers ging ebenso schwer von der Hand. Martin Jiranek erzählte später, dass er schon geplant hatte, bald lauter zu werden und seine Mannschaft endlich aufzuwecken. „Dann haben die Jungs gut reagiert.“ Philippe Dupuis glich aus, Marcus Weber drehte das Spiel von der Strafbank aus in Unterzahl, spätestens nach Jason Basts 3:1 schien das Spiel entschieden, der Wille Iserlohns gebrochen. Tja – und dann kamen die letzten Minuten…

Der Moment

Es wurde gefährlich. Iserlohn war der erneuten Führung nahe, sie hatten ja zwei Mann mehr auf dem Eis, wenn auch nur für wenige Sekunden. Dann öffnete sich die Tür der Strafbank, im selben Moment prallte der Puck irgendwie aus dem Nürnberger Drittel in die neutrale Zone – und Marcus Weber durfte das erleben, wovon er schon so oft gesprochen hatte mit seinen Kollegen. „Es kommt nicht so oft vor, dass man als Verteidiger einen Alleingang bekommt“, sagte Weber hinterher, der vor Sebastian Dahm ganz entspannt blieb. „Jetzt habe ich mal mal das Glück gehabt und das Netz im Tor gefunden.“

Three Stars

Man hätte hinterher wahrscheinlich auch den Eismeister, die nette Ordnerin am Blockeingang oder den Eisverkäufer fragen können. Jeder, der über dieses 5:2 sprach, sprach auch von Niklas Treutle. Jamie Bartman lobte den „sehr guten Torwart“ der Ice Tigers, „unser Torwart hat das Spiel gewonnen“, sagte sein Nürnberger Trainerkollege. „Niklas hat super gehalten.“ Und Marcus Weber wollte seinen Kumpel auch noch adeln, „Turtle hat einen super Job gemacht“, fand Weber.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Wie sehr Oliver Mebus den Ice Tigers gefehlt hat, haben der Kollege Böhm und der 2,06-Mann vor kurzem ausführlich bei den #sitzplatzultras, dem Sport-Podcast von nordbayern.de besprochen. Wie war dieser Spruch nochmal? Mit Mebus spielen heißt siegen lernen. Oder so.

Den dritten Stern teilt sich die Jugend. Eugen Alanov und Max Kislinger haben den Ice Tigers ebenfalls lange gefehl. Jetzt werden sie, zu dieser Prognose lasse ich mich hinreißen, noch sehr viel Spaß an den beiden haben. Und die beiden mit ihrem Verein, der ihnen endlich immer mehr Vertrauen schenkt (siehe Warm-up).

Und sonst?

„Wir wussten nach Silvester, dass wir die Spiele gegen Krefeld und Wolfsburg gewinnen müssen. Dann ging ein Ruck durch die Mannschaft, jeder hatte mehr Selbstvertrauen. Jetzt haben wir noch sieben Spiele, in denen wir gut weiterspielen müssen, um vielleicht sogar noch auf Rang acht zu springen. Heimrecht in den Pre-Playoffs wäre sehr toll.“

(Marcus Weber im Februar 2019)

9 Kommentare in “Spiel 45: Kopf über Wasser

  1. Dem Tabellenrang der beiden Teams entsprechend ein Spiel auf bescheidenem Niveau. Das Wichtigste sind die drei Punkte.

  2. Das war gestern schon sehr harte kost. Die drei Punkte waren das Wichtigste. Viel positives war nicht erkennbar, der Sieg war aber doch ganz klar dem Iserlohner Unvermögen vor dem Tor zu verdanken. Denn Chancen hatten sie wirklich richtig viele, Treutle hat einen guten Job gemacht. Wenn man aber langsam in Richtung der Playoffs schielt, wäre es schon wünschenswert eine Abstimmung zwischen Sturm und Abwehr hinzubekommen. Es war erschreckend mit wieviel Geschwindigkeit der Gegner auf unsere nicht gerade bewegliche Verteidigung zu laufen konnte.

    Aber viel Glück und Treutle haben das Spiel gerettet. Das Powerplay ist für mich persönlich absolut grauenhaft zum anschauen, darum hat es sich bei uns im Block eingebürgert, die Zeit zu nutzen, um die Getränke zu entsorgen.

    Kritisch sehe ich die Aussage von Jiranek jetzt keine Gespräche zu führen und Spieler zu verpflichten. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Markt am Ende der Saison besser bestückt ist. Letztendlich muss er es wissen, aber er hat ja sowieso einen unerschöpflichen Vertrauensbonus.

  3. Wie schon geschrieben: Das wichtigste gestern waren die 3 Punkte.

    Dennoch sehe ich das Spiel nicht so schlecht, wie der ein oder andere Vorredner:

    Es waren genug Chancen vorhanden um das Ergebnis auch deutlicher zu gestalten. In mir kam der Gedanke auf, wie gut dieser Mannschaft ein Spielertyp „Spylo“ in dieser Saison tun würde, der auch aus einer Halbchance ein Tor erzielt. Die Chancenverwertung ist einfach grauenhaft.
    Hinten kann man sich wieder bei Niklas bedanken, hat doch ein paar mal gebrannt vor der Kiste. Vielleicht meinte man das mit „burning wednesday“. Denn von den Rängen war das wenig bis gar nichts.

    Im Hinblick auf die Zukunft sehe ich die größte Baustelle in der Abwehr. Die Leuchttürme müssen einfach ausgetauscht werden, das ist einfach zu wenig für einen Platz unter den Top 6.

    Die Aussage von Jiranek ist genau das, was ich bereits auf dem Stammtisch mit Wolfgang Gastner angemahnt hatte: Es wird die Zeit für Scouting und Verhandlungen fehlen, wenn Martin hinter der Bande steht. Genau das bestätigt uns der Sportdirektor/Trainer nun. Kann für nächste Saison nichts gutes bedeuten. Scoutingfahrten nach Bayreuth sollen und dürfen nicht der Maßstab sein. Es wird problematisch nächstes Jahr, das sehe ich jetzt schon kommen.

    Für den Rest der Hauptrunde sollte man den Blick nun nach oben richten. 8 Punkte auf Straubing sind zwar nur mit Glück aufzuholen, doch wie schnell hatten wir die 11 auf Krefeld egalisiert…

  4. Hallo zusammen,

    nachdem ich nun schon länger still mitlese, möchte ich mich nun auch hin und wieder aktiv beteiligen.

    Das Spiel gestern hatte Licht und Schatten, wie schon geschrieben Treutle stark, zudem zwischen dem 0:1 und dem 3:1 immer wieder gute Sequnzen. Auf der anderen Seite auch oftmals unkonzentriertheiten und unnötige Strafen.

    Zu der Zuschauerzahl noch eine Anmerkung: Ja 4012 sind nicht viel, aber für ein Mittwochspiel gegen einen Gegner der nicht zu den großen Kalibern zählt, der an so einem Tag wenig Fans aufgrund der Entfernung mitbringen kann ist das in meinen Augen noch okay und zeigt eine Entwicklung. Ich kann mich noch an Spieltage unter der Woche vor einigen Jahren erinnern, da waren es dann grade mal 2.800.

    Die Aussage von Jirank muss man in meinen Augen etwas differenzieren.
    Reden wir über Gespräche mit gestandenen oder hochtalentierten deutschen Spielern, dann ist es jetzt an sich schon zu spät. Da man aber schon angedeutet hat, zukünftig vermehrt auf junge talentierte Spieler setzen zu wollen (DEL2, etc.) könnte sich das auch nach der Saison noch ausgehen.
    Was Gespräche mit den ALs betrifft kann man auch im Frühjahr oder später noch gute Optionen finden.
    Da ich davon ausgehen würde, dass ein Großteil der Spieler die jetzt noch keinen Vertrag für die kommende Saison auch keinen bekommen werden (Jurcina, Fox, etc.) erübrigen sich in diesem Fall Gespräche.

    Das Zeit für Scouting fehlt ist dennoch ein Problem. Es sei denn man hat bereits den neuen Trainer gefunden und dieser übernimmt Scoutingaufgaben. Wäre zwar untypisch, aber nicht auszuschließen.

  5. Im Frühwinter hätte man so ein Spiel krachend verloren und bei einem Alleingang direkt von der Strafbank auf’s gegnerische Tor wäre der Puck sicher überall eingeschlagen, außer im Netz. Zuerst hat die Konkurrenz davon profitiert, dass wir brav die Punkte abgegeben haben, jetzt schwächeln halt die anderen – das muss man dann aber auch erstmal nutzen, deswegen fand ich das gestern gar nicht so schlecht und werde mich weiterhin über jedes Tor und jeden Sieg freuen, egal wie glücklich. Martin Jiranek traue ich zu, dass er die Personalplanung trotz allem im Blick hat; vielleicht will er sich mit der Aussage nur die sicherlich reichlichen Nachfragen diesbezüglich vom Hals schaffen, weil er ohnehin genug zu tun hat. Könnte ich jedenfalls verstehen.

  6. Kein gutes Eishockeyspiel, aber drei wichtige Punkte. Vor Weihnachten hätten wir so ein Spiel noch verloren, zumindest hier ist eine Entwicklung zu verzeichnen.

    Nach dem Viertelfinale ist die Saison spätestens zu Ende, bin auf die angekündigte Neuausrichtung gespannt.

  7. Ich denke zum Spiel ist alles gesagt. Aber ich hätte mal eine Frage: Hat Nürnberg einen neuen Stadionsprecher? Oder war Christian Rupp nur krank? Oder wird gerade ein neuer aufgebaut? Den ich glaube das gestern war jemand anderes. Ich war nicht drinnen, habs nur auf Magenta Sport verfolgt, dewegen weiss vielleicht jemand anderes mehr.
    Lg

  8. @Tobias Munkert
    Christian Rupp ist aktuell in der USA. Daher war gestern eine Vertretung da. Mir wäre nicht bekannt, dass Ruppi sich zurückziehen will.

  9. @ Tobias munzert. Der gestrige Stadionsprecher ist nur zu Vertretung. Er durfte bereits im letzten Heimspiel zusammen mit ruppi ran. Aber der alte bleibt erhalten ist nur grade nicht da.

    Zum Spiel gestern wichtige drei Punkte mehr auch nicht. War wie in vielen Spielen zu beobachten immer noch sehr mit Problemen im spielaufbau behaftet. Viele Fehlpässe prägen das Spiel. Der heutige Neuzugang soll anscheinend die Baustelle Abwehr stabilisieren. Wenn man gestern gesehen hat wie viele Chancen man iserlohn gegönnt hat eine durchaus sinnvolle Maßnahme. In den nächsten drei Auswärtsspielen sollten auf alle Fälle min. 4-5 Punkte geholt werden. Zu den playoffs denke ich auch das spätestens im Viertelfinale Schluß ist wobei Ingolstadt es ja schon mal vorgemacht hat wie es ist wenn man in den playoffs einen Lauf bekommt also ich hätte nix dagegen :-).

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