Spiel 34: Alles wird gut, vielleicht

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Zwei Drittel der Autoren dieses Blogs geht es am 4. Januar 2019 ähnlich wie Andy Jenike und Brett Festerling. Sie kränkeln und einigen sich darauf, dass der nicht ganz so Kranke in die Arena geht, während der Dritte im Bunde seinen wohlverdienten Urlaub genießt. Deshalb an dieser Stelle eine womöglich etwas kürzere, vielleicht aber auch einfach mal kompaktere Rückschau auf dieses schöne 5:3 der Ice Tigers gegen schwache Augsburger.

Warm-up

  • Oliver Mebus im letzten dritten Drittel vom Eis zu nehmen, war laut Martin Jiranek eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Oberflächlich ist es nicht so schlimm“, sagte der Trainer, eine Untersuchung soll Klarheit bringen, ob der Verteidiger schon am Sonntag in Ingolstadt wieder mitspielen kann.
  • Es war wunderbar zu sehen, wie Mebus den Augsburger Simon Sezemsky umarmte und beide dann einig lächelten, statt sich unnötig anzugiften. Sezemsky wird sich auch gefreut haben, dass ihn Mebus nicht über den Haufen fuhr – er wird sicher noch die Bilder vom Mittwoch im Kopf haben. Da zeigte Bremerhavens Chris Rumble mal wieder sein hässliches Gesicht und crosscheckte Augsburgs Arvids Rekis  in die Bande, der dann mit zehn Stichen genäht werden und die Nacht im Krankenhaus verbringen musste.
  • Bei Max Kislinger und Eugen Alanov dauert es wohl noch zwei Wochen, bis sie wieder mitspielen können. Auch Eric Stephan ist schon weit, aber nach der Handverletzung wollen die Ice Tigers nichts riskieren.
  • Der Kollege Joachim Meyer von den Eishockey News fragte Daniel Weiß nach seinem Vertrag, der am Ende dieser Saison ausläuft. Gespräche gab es diesbezüglich noch keine, antwortete Weiß, „klar würde ich gerne in Nürnberg bleiben, sehr gerne sogar“. Darauf angesprochen, hielt sich Martin Jiranek sehr bedeckt, „es ist nicht sicher, was wir nächstes Jahr machen. Es ist noch zu früh. Fakt ist, dass wir keine Verträge vor Weihnachten machen, wenn die ganze Mannschaft hinter den Erwartungen bleibt.“ Ob die Ice Tigers, also Jiranek, Interesse hätten? „Das bleibt zuhause.“
  • Auch ansonsten war Daniel Weiß nach diesem 5:3 (siehe: Das Spiel) erfreulich offen und direkt. „Wenn wir so kompakt spielen wie heute, dann sind wir eine sehr gute Mannschaft“, sagte er. „Nur müssen wir das jetzt eben in allen 17,18 Spielen durchziehen.“ Angesprochen auf den nicht enden wollenden Höhenflug der Krefelder erwähnte Weiß zwar kurz das Spiel am Sonntag in Oberbayern, dann aber dachte er schon an die anstehenden Partien gegen den Konkurrenten um Platz zehn. „Wir haben noch zwei Spiele gegen sie, da gibt es sechs Punkte, also müssen zwei Siege her. Für uns sind das vorgezogene Playoffs, wenn wir da nicht gewinnen, dann haben wir auch nichts in den Pre-Playoffs verloren.“

Das Spiel

Tom Gilberts frühes Tor nach drei Minuten gab den Ice Tigers Sicherheit, der glückliche (aus Niklas Treutles Sicht unglückliche) Ausgleich warf sie deshalb auch nicht zurück. Die ganze Mannschaft schien sich an die drei Worte auf Treutles Helm zu erinnern, wonach alles gut wird. Chris Brown skatete energisch nach vorne, den Abpraller schob der stark verbesserte Will Acton über die Linie. Alles wird gut. Zwei Powerplay-Tor von Brown und Buck brachten weiteres Selbstvertrauen, sodass Shawn Lalonde sogar die Shorthander-Statistik weiter aufhübschen durfte. 5:1 nach 40 Minuten, eine klare Sache? T.J. Trevelyan verkürzte nochmal, Mike Stewart lobte hinterher „das schnelle Tor“, aber eigentlich wirkte Augsburg nicht mehr so, als würden sie nochmal herankommen können. Niklas Treutles zweiter Torwartfehler an diesem Abend verschaffte den 7033 Menschen spannende letzte zwei Minuten, aber dann durfte Treutle seinen Helm abnehmen und lesen: Alles wird gut. Ob das für die nahe Zukunft der Ice Tigers gilt? Vielleicht.

Der Moment

Erst sah es nur nach einem Rechtschreibfehler aus. JEKEL stand auf dem weißen Aufstellungsbogen, daneben aber nicht etwa Andreas nebst einem verhunzten JENIKE, sondern Sebastian. Huch, ich musste zweimal hinschauen, kurz darauf kündigte Arenasprecher Christian Rupp das 16 Jahre junge Eigengewächs an, das an diesem Freitagabend als Ersatztorhüter hinter der Bande stehen würde. Ein bisschen Bauchschmerzen habe er schon gehabt, verriet Martin Jiranek später, „wenn er ein ganzes Spiel spielen müsste, wäre es schwer, in der DEL ein Spiel zu gewinnen“. Doch weil Andy Jenike Fieber hatte, Florian Proske wegen einer Gehirnerschütterung ebenso als Ersatz ausfiel und der vierte Torhüter Ilya Sharipov in Bietigheim gebraucht wurde, musste eben dieser noch etwas schüchtern wirkende Jugendliche um kurz vor 19 Uhr aufs Eis. Dass er dann 60 Minuten an der Bande stehen durfte, wird ihn sicher auch gefreut haben.

Three Stars

Brandon Buck hatte Shawn Lalonde etwas zu sagen. Er nahm den Mundschutz größtenteils heraus, als würde er darauf kauen, so, wie er das oft macht. Dann drehte er sich weg und gab Lalonde seinen Plan mit auf den Weg. Wenig später bekam Buck den Puck von Lalonde, passte zu Will Acton, der den freien Chris Brown fand: Tor. Auch Bucks Treffer zum 4:1 sah in der Arena nicht gerade einfach aus, Buck schafft es aber, selbst solch scharfe Pässe wie magisch anzuziehen und dann ins Tor weiterzuleiten. Wie er die Scheibe behandelt, wie schnell er kurz vor dem 3:1 alleine nach vorne skatete, wie … ihr wisst schon, ich höre auf zu schwärmen.

Zwei Vorlagen, ein Tor. Bei einem 5:2 würde das allein womöglich noch nicht für eine Nominierung reichen, aber Chris Brown arbeitet noch dazu hart und belohnt sich immer öfter auch für seinen hohen Aufwand. Manchen Fehlpass kann man da verschmerzen.

Erwartet hatte kaum einer etwas von ihm, dann verletzte er sich auch noch, so richtig schien Mike Mieszkowski nie in Nürnberg anzukommen. Zuletzt wurde er als Arbeiter aber immer wichtiger, dass er gegen Augsburg nur acht Minuten und 54 Sekunden gespielt haben soll, kann eigentlich gar nicht sein. Deshalb nehme ich mir heraus, ihn hier einmal lobend zu erwähnen.

Und sonst?

Bislang habe ich mich noch nie zu Fangesängen in der Arena geäußert, aber jetzt muss es doch mal sein. Die Augsburger als „schwul“ zu bezeichnen, ist weder cool noch hart noch irgendwas. Es ist und bleibt einfach homophobe Scheiße, die in keinem Eisstadion der Welt etwas verloren hat. Schön, dass der Sängerkreis sehr klein blieb und deshalb bald einsehen musste, dass er sich damit keine Freunde macht.

7 Kommentare in “Spiel 34: Alles wird gut, vielleicht

  1. Hallo,

    gutes Spiel, hochverdient gewonnen.
    Augsburg läuft grad ein wenig in eine Kriese, gestern sahen sie nicht aus wie Team aus den Top 6. Die letzten Ergebnisse waren ja auch, vom Heimsieg gegen SWW abgesehen, entsprechend.

    Dennoch gute Leistung der Tigers.

    Bei den ThreeStars würde ich noch auf dem im ersten Drittel nicht nur wegen seiner Punkte auffallenden Acton und den immer stärker werdenden Gilbert hinweisen. Speziell letzterer stark im Aufbau und abgeklärt in der Verteidigung. Buck wieder mit einem sehr guten Auftritt, speziell im Backcheck mit ungeahnten Qualitäten. Nix zu sehen vom oft als eigensinnig beschriebenen Diven-Stürmer!

    Ansonsten
    a) werden die Spiele gegen den KEV und Iserlohn über die PPO – Teilnahme im Januar entscheiden
    b) kann ich Jiranek nicht verstehen bezüglich Weiß. Wenn es einen Spieler gab, der fast immer überzeugt hat, dann Daniel Weiß

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  2. Gesundes Neues zusammen!

    Das war dann wohl mal wieder ein Heimauftritt aus der Kategorie „gelegentliche Ausreißer nach oben“ (München, Düsseldorf, Hradec Kralove, Oulu), wobei man es selbst da noch schafft, eine erschreckend schwache Augsburger Mannschaft in der Schlussphase fast noch ins Spiel zurückzuholen. Am Sonntag in Ingolstadt gibt’s dann wieder das übliche Auswärtsgesicht.
    Mir fehlt nach allen bisherigen Eindrücken einfach die Fantasie daran zu glauben, dass diese Mannschaft in der Lage wäre, zumindest mal über einige Wochen Konstanz zu zeigen. Von dem notwendigen Lauf, der in den verbleibenden 18 Spielen einen Punkteschnitt von mind. 2,0 PPG (= zwölf glatte Siege) einbringt, träume ich schon lange nicht mehr.

    Wenn Jiranek dann noch glaubt, man könne es sich in unserer Lage leisten, den wenigen Spielern, die in dieser Saison überzeugen, nicht jetzt „schon“ ein Angebot zu machen, fehlen mir die Worte.

  3. Ich hab nicht viel zu schreiben. Ich hoffe nur wenn Jiranek mit den Spielern zu kritisch ist, dass dann im Verein jemand ist, der auch ihn so kritisch hinterfragt und beurteilt. Denn auch seine Leistung ist definitiv nicht über jeden Zweifel erhaben. Und damit sind beide Jobs gemeint.

  4. Es gab in der Saison auch schon Spiele, bei welchen klare Überlegenheit über weite Strecken nicht mit einem Sieg endeten. Von daher kann man sehr zufrieden sein, auch über die Art und Weise, wie man in den ersten beiden Dritteln aufgetreten ist.
    Da die Konstanz bisher fehlte, erscheinen Zweifel darüber, dass der zehnte Platz noch erreicht werden kann, angebracht.
    Ich kann Flo nur zustimmen wenn er kritisiert, dass selbst mit vielversprechenden Leuten wie Weiß bis jetzt noch nicht verhandelt wurde. Ich habe Verständnis dafür, wenn man „bis Weinachten“ nicht verhandeln möchte. Allerdings ist Weihnachten nun auch schon zwei Wochen vorbei und mit Weber wurde ja bekanntlich auch schon vorzeitig verlängert. Dieser Widerspruch reiht sich in die Merkwürdigkeiten dieser Saison nahtlos ein.

    Gilbert meiner Meinung nach mit ausgezeichneter Leistung gestern und deshalb ein weiterer Kandidat für die Three Stars.

    Im Übrigen wünsche ich auch allen ein Gute Neues Jahr!

  5. Daniel Weiß war einer der wenigen Spieler, der eine solide und ordentliche Saison gespielt hat. Wenn Jiranek bei Weiß noch kein Angebot abgegeben hat, kann ich das nicht verstehen. Als Center für Reihe drei oder vier ist er immer zu gebrauchen.

    Sonst war es ein recht guter Auftritt gestern, zum Glück ist der dritte Treffer des AEV zu spät gefallen, sonst wäre es noch eng geworden.

  6. Ich verstehe so ziemlich gar nichts von dem, was Jiranek in dieser Saison als Manager so macht. Da wundert mich die Causa Weiß ehrlich gesagt gar nicht mal.

    Zum Spiel an sich kann ich nichts beitragen, da ich nicht vor Ort war.

  7. Glückwunsch zum Sieg, Ihr wart besser.
    Ein bisschen bedanken könnt Ihr Euch bei Rumble, der Arvids Rekis ins Krankenhaus gecheckt hat – am Tag nach dessen 40. Geburtstag genau das Geschenk, das man sich am wenigsten wünscht.

    Da auch Valentine ausfällt taugt die AEV-Abwehr nur noch bedingt. Gerade in Unterzahl fehlen die zwei besten Defensivverteidiger besonders, aber auch sonst sah das aus wie ein Hühnerhaufen.

    Treutle sah zweimal aus wie ein 16jähriger Rookie im ersten DEL-Spiel, ansonsten hat er uns den Zahn gezogen – auch weil Roy nicht seinen besten Tag hatte.

    Hinzu kommt Euer Höhentrainingslager, während wir auf Meeresspiegelniveau Blaue Flecken, Nähte im Gesicht und Gegentore verpasst bekamen.

    Jetzt macht bitte was draus, das Viertelfinale gegen Mannheim oder München wartet. Und dann hoffentlich ein Halbfinale gegen den AEV.

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