Spiel 28: Nicht in Panik verfallen, nicht zu locker sein!

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Nach dem längsten Eintrag in diesem Blog, folgt nun der kürzeste. Vielleicht. Nach der großen Reinotire-Show und den Stargästen aus München musste das nächste Heimspiel so wirken, als hätte jemand in der Arena einen sehr großen Stecker gezogen. Donnerstagabend, Fischtown Pinguins, kein Trikot, das unters Hallendach gezogen wird – es war wenig überraschend, dass im Vergleich zur Vorwoche nur halb so viele Menschen gekommen waren. Ebenfalls wenig überraschend: der 7:3-Erfolg der Thomas Sabo Ice Tigers. Überraschend wäre lediglich, wenn sie nun auch am Sonntag in Schwenningen gewinnen.

Warm-Up

  • Wer am Donnerstag rechtzeitig seinen Platz eingenommen hat, konnte noch einmal Reinotire light erleben. Auf dem Videowürfel lief eher beiläufig ein Zusammenschnitt vom vergangenen Freitag, unterlegt mit „Beautiful Day“ von U2. Man sah die Reinprechts in Zeitlupe lächeln und andächtig nach oben schauen. Ob Steven Reinprecht in Denver wieder den Liveticker aufgerufen hat, um zu schauen, wie seine ehemaligen Kollegen gegen Bremerhaven spielen? Falls ja, dürfte er erneut gelächelt haben.
  • Gegen München wurde der Geist der Nummer 28 beschworen und der Meister mit einer ungeheuren Energieleistung mit 4:1 besiegt. Zwei Tage später war der Reinprecht-Effekt schon wieder verpufft. In Straubing haben die Ice Tigers ordentlich gespielt, dann aber eine 5:3-Führung und einen, eher zwei Punkte verschlampt.
  • Es ist den Ice Tigers in dieser Saison bislang nie gelungen, einen Aufwärtstrend zu bestätigen. Kein einziges Mal haben sie an einem Wochenende zwei Siege geholt. Was das 7:3 gegen Bremerhaven wert war, wird man also wieder einmal erst dann wissen, wenn die Mannschaft von Martin Jiranek am Sonntag beim Tabellenletzten in Schwenningen vorgespielt hat.
  • „Jedes Spiel ist jetzt – ich will nicht sagen ein Endspiel“, sagte Oliver Mebus am späten Donnerstagabend, um irgendwie dann doch genau das zu meinen.
  • Sechs Punkte Rückstand sind es auf Krefeld, auf Platz zehn, das Minimalziel für diese fürchterlich schief geratene Saison. Nürnberg hat allerdings bereits zwei Partien mehr absolviert.
  • Brandon Buck war – wenn auch sehr unauffällig – wieder mit dabei, aber in dieser Spielzeit scheint es ein Gesetz zu sein, dass sich wieder zwei Spieler krank melden, wenn ein anderer zurückkommt. „Darf ich Verletzungspech sagen?“ fragte Jiranek nach der Pressekonferenz vorsichtig. Er darf, auch wenn es viele Fans nicht mehr hören mögen. Chris Brown hatte am Mittwoch nicht trainiert, am Donnerstag ging er zweimal aufs Eis, ein drittes Mal untersagte ihm sein Trainer, am Freitag soll ein MRT klären, wie schwer seine Verletzung am Bein ist. Brett Festerling wird am Samstag testen, ob seine Bauchmuskelzerrung einen Einsatz erlaubt, es ist eher unwahrscheinlich. Mit Jurcina, Kislinger und Stephan sollte man vor Weihnachten nicht mehr rechnen, mit Alanov nicht vor Silvester. Vor allem scheint der rote Helm des Topscorers kein Glück zu bringen, wie Jiranek richtig feststellte. Nach Bast und Buck hat es nun Brown erwischt, Leo Pföderl und Phlilippe Dupuis (mit 19 Punkten seit Donnerstag intern in Führung) sollten am Sonntag also noch ein bisschen mehr auf sich aufpassen.

Das Spiel

Wenn es der kürzeste Blog-Eintrag ever (foreverever? Foreverever???) werden soll, muss in der Kategorie „Das Spiel“ gespart werden, es gilt außerdem weitere Popokultur-Anspielungen zu vermeiden. Dennoch: Was machen eigentlich Outkast so? Egal, weiter im Text. Am Anfang wirkten die Fischtown Pinguins ein bisschen so, als wären sie entweder erst zehn Minuten vorher nach acht Stunden Fahrt aus dem Bus gestiegen oder als wären sie zu früh in Nürnberg angekommen und hätten noch einen Abstecher auf den Hauptmarkt gemacht. Dass sich die Defensive vor dem 0:1 von Daniel Weiß komplett auf Leo Pföderl konzentrierte war bei dessen aktueller Trefferquote irgendwie noch nachvollziehbar, warum sie ihn vor dem 0:2 dann aber schon wieder vergessen hatten, war erstaunlich. Die frühen Tore in der 2. und 4. Minute spielten den Ice Tigers natürlich in die berühmten Karten, der Anschlusstreffer war da nur eine Randnotiz. Taylor Aronson mit Glück, Patrick Reimer mit Wucht: 4:1. Und wäre die Erinnerung an Straubing und Düssledorf (und einige andere Auftritte) nicht noch so frisch gewesen, hätte man an dieser Stelle sagen können: fertig, Spiel entschieden. So mochte man diesen Gedanken nicht einmal nach dem 5:1 von Dupuis und dem 6:1 von Mike Mieszkowski formulieren und wurde darin zumindest ein bisschen bestätigt, als die Pinguins nur drei Minuten benötigten, um zu Beginn des Schlussdrittels auf 3:6 zu verkürzen. „Ich war glaube ich nicht der einzige im Stadion, der nach den zwei schnellen Toren gedacht hat: Nimm eine Auszeit!“ So erzählte es Jiranek hinterher und durfte sich für diese naheliegende Idee loben. „Calm the f<>k down!“ habe er seinen Spielern gesagt und versucht wieder die richtige Mischung zu finden. Nicht in Panik verfallen, nicht zu locker sein! So lautete seine Anweisung, wenig später besorgte Pföderl in Überzahl den Endstand.

Der Moment

Achtung, es kommt ein „Ausgerechnet“. Beim ersten Aufeinandertreffen Ende September hatte Bremerhavens Chris Rumble Taylor Aronson in die Dunkelheit gecheckt. Nürnbergs Verteidiger musste nach dem fiesen Ellbogencheck gegen den Kopf wochenlang mit einer Gehirnerschütterung aussetzen, erst nachdem Rumble diesmal Dupuis gegen den Pfosten befördert hatte, schien sich auch das Publikum wieder an die Aktion zu erinnern. Rumble musste für sein diesmal vergleichsweise harmlose Foul auf die Strafbank, ausgerechnet Aronson nutzte die Abwesenheit um auf möglichst absurde Art und Weise das 3:1 zu erzielen. Sein Blick in der Nahaufnahme: unbezahlbar. Eigentlich hatte er den Puck ja nur in Richtung Jaroslav Hübl geschoben, Bremerhavens Torhüter machte auch diesmal die kurze Ecke auf und ließ die Scheibe gewähren. „Very lucky, very very lucky“, sagte Aronson hinterher zu seinem ersten Treffer in dieser Saison. Ob es sich nach der Vorgeschichte ein bisschen nach Rache angefühlt hat? „Ja und Nein“, sagte Aronson und verlor sich dann in Allgemeinplätzen. Es sei ihm vergönnt.

Three Stars

Die Mannschaft hat sich am Donnerstag dafür entschieden, dass Mike Mieszkowski mit dem hässlichsten Hut der Welt aufs Eis zurückkehren musste. Das ist nachvollziehbar, keiner hat sich an diesem Abend schöner über seinen Treffer gefreut. Es war sein erster in dieser Saison, nachdem er die Vorsaison in Krefeld fast komplett verletzt verpasst hat und in dieser ebenfalls erst auf neun Einsätze kommt.

Dennoch kommt man an diesem Abend nicht an der Reihe Patrick Reimer, Daniel Weiß und Leo Pföderl vorbei. Acht Scorerpunkte sind acht gute Argumente für die Nominierung.

Und sonst?

Habe ich, Sebastian Gloser, meine Login-Daten für den Blog vergessen und schreibe hier diesmal als Sebastian Böhm. Treue Leserinnen und Leser werden das schon längst bemerkt haben.

2 Kommentare in “Spiel 28: Nicht in Panik verfallen, nicht zu locker sein!

  1. Irgendwie seltsam dieses Spiel. Weitgehend eine Kopie des ersten Spiels beider Mannschaften in Nürnberg. Wir fragten uns während der Partie, wie BHV 17 Punkte mehr haben kann als Nürnberg. Oder vielleicht doch eher, wie Nürnberg so wenig haben kann nach den Leistungen der letzten 4 Spiele…

    Nach dem Spiel hat sich Rumble etwas länger mit Aronson unterhalten. Der Mimik und Gestik nach, sah das aus wie eine Entschuldigung für die Aktion in Spiel 5 dieser Saison…

    Ansonsten wie es schon im Blog steht: am Sonntag muss (!) ein Dreier her, denn das Punkten in den nächsten 3 Spielen gegen Berlin, Köln und Mnnhm wird deutlich schwerer….

  2. Hallo,
    da ich auf Grund Weihnachtsfeier abstinent war nur der Hinweis des Datenschutzes:
    Never share your Password 😉
    Gruß
    Stefan

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