Spiel 18: Endlich Pause! (Nur für einen nicht)

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Mit einem 7:1-Erfolg durfte man bei den Ice Tigers zuletzt nicht mehr rechnen, auch nicht gegen Iserlohn. Das letzte Spiel vor der Länderspielpause macht Mut für das zweite Saisondrittel, nun wollen sie aber erst einmal „mental die Füße hochlegen“, wie es der Kapitän formuliert. Nur einer wird auch in den nächsten Tagen nicht zur Ruhe kommen. Erst recht nicht, nachdem das Nordamerika-Kapitel für Yasin Ehliz offenbar vorbei ist.

Warm-Up

  • Achtung, wir bekommen gerade noch eine aktuelle Meldung rein. Der Bundestrainer hat gekündigt. Marco Sturm wechselt nach dem Deutschland Cup als Assistenztrainer zu den L.A. Kings in die NHL. Das ist bemerkenswert, aber dafür haben wir jetzt keine Zeit.
  • Für Yasin Ehliz scheint das NHL- ja sogar das Nordamerika-Abenteuer dagegen bereits wieder beendet zu sein. Bei den Calgary Flames hatte er nie eine echte Chance, beim Farmteam in Stockton lief es auch nicht, sein Vertrag wurde aufgelöst, in Europa ist er damit wieder auf dem Markt. Ob der „Krieger“ (Rob Wilson), „Deutschlands härtester Profi“ (Bildzeitung), also Yasin Ehliz (Männer, die auf Tiger starren) wieder nach Nürnberg zurückkehrt? „Ich habe davon (von der Vertragsauflösung) gehört, we‘ll see“, hat Martin Jiranek dazu am Sonntagabend gesagt und gelächelt. Ausführlicher will er das Thema momentan nicht kommentieren. Noch am späten Sonntagabend wollte er „mit seinem Chef reden“, am Montag hat er „viele Anrufe zu machen“. Letzteres war allerdings abzusehen, nachdem er wochenlang seinen Job als Sportdirektor vernachlässigen musste. Ganz sicher wird Jiranek auch mit Ehliz‘ Agenten sprechen beziehungsweise hat er das schon getan. Es dürfte aber noch ein paar andere Vereine geben, die einen mit olympischem Silber dekorierten Vorzeigeprofi dieser Qualität gerne unter Vertrag nehmen würden.
  • Seinen Spielern hat Jiranek bis Freitag freigegeben, er selbst wird höchstens für Dienstag Urlaub beantragen. Am Montag ist er Sportdirektor, am Donnerstag fährt er nach Krefeld, wo nicht nur Länderspiele stattfinden, sondern auch ein Treffen der Sportlichen Leiter der DEL-Klubs, ab Freitag ist er wieder Trainer. Und das bis Saisonende, wie er am Sonntagabend noch einmal bekräftigt hat. Erst ab Weihnachten will Jiranek nach einem Nachfolger für sich selbst suchen, der dann ab der kommenden Spielzeit übernimmt.
  • Was die Spieler so machen? Die Ehrenrunde am Sonntag, als die Spielerfrauen ihre Kinder mit aufs Eis schickten, vermittelte bereits einen Eindruck. „Viele Jungs fahren mit der Familie weg“, weiß der Kapitän, er selbst will in die Berge fahren, sagt Patrick Reimer und „mental die Füße hochlegen“. Jeder soll mal bewusst nicht an Eishockey denken – abgesehen von Niklas Treutle und Leo Pföderl, die zur Nationalmannschaft reisen.
  • Apropos (immer noch die schlimmste Überleitung, aber mei) Pföderl. In Berlin war er 13. Stürmer, am Freitag erst in der vierten Reihe, später in der dritten, gegen Iserlohn stand er mit Dupuis und Fox in der Startformation. Wo der Stürmer, dessen Zukunft immer noch offen scheint, nach der Länderspielpause steht? „Ich weiß nicht“, sagt Jiranek, „ich werde in der Pause viel darüber nachdenken“.
  • Achso, Eishockey gespielt wurde ja auch noch. Sehr schönes Eishockey sogar.
  • Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Das Spiel

Die Ice Tigers haben ihr Powerplay wieder entdeckt. Das 1:0 durch Reimer war geduldig herausgespielt, das 2:0 durch Weiß und das 6:1 durch Brown waren Musterbeispiele, wie man eine Überzahl auf dem Eis auf die Anzeigetafel bringt: Schüsse vors Tor und die im besten Fall abfälschen. Das 4:0 durch Gilbert und das 5:0 durch Lalonde standen jeweils am Ende wunderschöner Kombinationen, da konnten die Treffer von Bassen zum 3:0 und Brandon Buck zum 7:1 aus ästhetischer Sicht nicht mithalten. Bei konsequenterer Chancenverwertung in den zweiten 20 Minuten, hätte das Ergebnis auch zweistellig werden können. Bemerkenswert, mit welcher Spielfreude die Ice Tigers schon vor dem Führungstreffer agierten. So ansehnlich choreografiert waren die Angriffe in dieser Saison selten, was natürlich auch daran lag, dass ein schwacher und sehr wahrscheinlich ebenfalls müder Gegner genau das zugelassen hatte. Das Spiel, sagte Gästecoach Rob Daum hinterher, war genau einmal ausgeglichen: beim ersten Face-off.

Der Moment

Vermutlich hätten die Roosters ihrem dünnen Auswärtskonto auch ohne den Blackout von Marko Friedrich keine weiteren Punkte hinzugefügt, natürlich setzte sein fieses Foul aber eine entscheidende Eigendynamik mit in Gang. Gut zwölf Minuten waren gespielt, als Friedrich von der Strafbank kam und Tom Gilbert über den Haufen fuhr, der den Mann aus Roth nicht kommen sah. Der Check gegen den Kopf war nicht vergleichbar mit dem von Chris Rumble gegen Taylor Aronson, erst recht nicht die Folgen, dennoch zeigten die Ice Tigers auch in diesem Moment Geschlossenheit. Als die Szenerie wieder sortiert war, erzielte Nürnberg das zweite Tor in Überzahl und schaute nicht mehr zurück.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Three Stars

Tom Gilbert stand ungewollt im Mittelpunkt der Schlüsselszene dieses Spiels, er drängte sich aber auch so ständig für die Highlights auf. Hinten sorgte er mit dafür, dass beinahe die Null gestanden hätte, vorne sorgte er ständig für Gefahr, spätestens mit seinem Treffer zum 4:0 unterstrich er, wie sehr er lange Zeit gefehlt hat.

An den schwachen Abenden war Daniel Weiß einer der wenigen, die konstant hart arbeiteten, auch wenn er dabei nicht immer glücklich aussah. Jetzt, da es etwas besser läuft, hat er nicht aufgehört hart zu arbeiten. Gegen Iserlohn wurde das mit einem Treffer belohnt.

In Minute 17 konnte man eine Szene beobachten, die verdeutlicht, wie schnell sich die Stimmung verändern kann. Patrick Reimer verlor die Scheibe, vor zwei Wochen wäre das wohl noch mit einem lauten Raunen der Fans quittiert und mit einem Treffer des Gegners bestraft worden. Diesmal kein Raunen, kein Gegentreffer, Reimer eilte zurück, warf sich aufs Eis, um einen möglichen Schuss zu blocken und holte sich als der Schuss ausgeblieben war, den Puck zurück. Dass er das erste Tor erzielt und das zweite vorbereitet hat, soll dabei nicht zur Randnotiz verkommen.

Und sonst?

Wird die Pause gut tun. Auch den Berichterstattern.

12 Kommentare in “Spiel 18: Endlich Pause! (Nur für einen nicht)

12 Comments
  1. Guter Blog, nach einem guten Spiel. Es ist ein Aufwärtstrend festzustellen, auch Ingolstadt war trotz der Niederlage ein weiterer Schritt nach vorne ( und Ingolstadt hat einfach einen Lauf)

    Ich fand die Körpersprache gestern auch das erste mal in der Arena wieder ansprechend und auch die Freude auf Reimers Gesicht nach dem Tor und dem Assist sprachen Bände. Mal schauen ob man das über die Pause transferieren kann, wäre man alle Spiele dieser Saison so angegangen, hätte man sicher das ein oder andere Pünktchen mehr auf de Konto

    Causa Ehliz: Hat nicht Sebastian Böhm mal geschrieben, dass der Vertrag bei einer Rückkehr noch Gülitgkeit hat oder stimmt das nicht? Für Aufklärung wäre ich dankbar

  2. Hallo,

    Zum Spiel:
    schöner Hockeyabend, gute Leistung.
    Wie schon geschrieben steht, war Iserlohn aber auch ein sehr dankbarer Gegner.
    Die nächste Gegner nach der D-Cup-Pause sind mit Bremerhaven (A), Schwenningen (H), Augsburg (A) und WOB (H) gute Gradmesser für die Tendenz in der verbleibenden Saison. Wenn Auswärts was geht kann es nach oben gehen. Die beiden Heimspiele müssen gewonnen werden.
    Reimer war gestern imo sehr stark, die letzten Tore waren enorm wichtig für Ihn. Aronson fand ich ebenfalls erneut Top.

    Zu Ehlitz:
    Vertrag in Nürnberg, wenn er in die DEL kommt. Was Verträge in der Liga wert sind… siehe Acton

    Sonst:
    Die Iserlohner „Fans“ haben ihre Ausnahmestellung im schönen „Wir sind alle Eishockey-Fans“ – Song wieder mal bekräftigt. Traurig, dass hier nicht mehr unternommen wird, e.g. die Glasscheiben hochgezogen…

    Gruß
    Stefan

  3. Gut geschrieben der Kommentar. Für mich persönlich haben gestern Kislinger, Aronson und Bassen eine richtig gute Leistung gezeigt. Das wären meine Three Stars. Iserlohn aber auch mit einem sehr schwachen Auftritt.

    Und um eine Personalie komme ich einfach nicht umher. Was Acton hier abliefert trotz Assist ist wirklich erschreckend schwach. Läuferisch geht bei ihm nichts und das Zweikampfverhalten ist ein absoluter Witz. Für mich persönlich spielt der Mann „Alibi-Eishockey“ und hätte den Tribünenplatz mehr als verdient gehabt. Momentan macht er keine Reihe besser, egal wer neben ihm spielt. Für mich der einzige Fehler des Trainers für das gestrige Spiel.

    Und ich hoffe, dass die Mannschaft jetzt endlich wieder mehr Freude am Spiel zeigt.

    Gruß

    Michl

  4. Ihr Beitrag zum Spiel sehr Lesenswert. Chapeau. Eine Steigerung nach dem Spiel gegen Straubing wurde in Ingolstadt nicht bestätigt. Ein paar Worte von mir zum gestrigen Spiel. 3 Punkte und etwas fürs Torverhältnis getan gegen einen erschreckend schwachen Gegner der uns noch Zuhause mit einer 6:3 deutlichen Niederlage heimschickte. Ob dieses Spiel eine Wende zum Besseren werden wird vermag ich nicht zu sagen. Enttäuscht wurden wir schon des Öfteren. Jetzt sollte die Mannschaft neue Kraft tanken durch die Länderspielpause und dann mit diesem vielfach beschworenem RESTART in die hoffentlich noch lange Saison gehen. Auch mich würde es interessieren wie es mit Ehliz weitergeht, da gibt es widersprüchliche Meldungen, muss er zu uns kommen oder ist er ein Free Agent, vielleicht kann jemand den Sachverhalt aufklären.

  5. Es ist gestern das erste Mal nach langer Zeit wieder gelungen, konstant über die ganze Spielzeit gut und konzentriert zu spielen. Iserlohn hatte nicht den Hauch einer Chance, wobei die auch wirklich ganz schwach waren.
    Bassen, Weiß und Reimer (letzterer endlich mal wieder!) wären meine Three Stars. Von Bassen bin ich überhaupt sehr positiv überrascht. Kämpft immer bis zum Umfallen und punktet auch noch. Er ist wesentlich mehr als ein Lückenfüller.
    Acton ist und bleibt mir dagegen ein Rätsel. Absolut schwach im Zweikampf und in Sachen Schnelligkeit bewegt er sich irgendwo zwischen Dany Heatley und dem Videowürfel. Rätselhaft, warum er nocht nicht von der Tribüne aus zuschauen durfte.

  6. Also bei dem Acton Bashing gehe ich jetzt nicht mehr mit. Der hat sicherlich deutlich schwächer gespielt, als man erwarten konnte/musste.
    Aber gerade gestern hat er in meinen Augen ein richtig ordentliches Spiel gemacht.
    Und wer jetzt von Acton Zweikampf Sieg in Serie erwartet, der hat sich vermutlich nicht mit der Spielweise von Acton beschäftigt. Der wird eher den intelligenten Pass spielen, als sich auf irgendwelche „Gefechte“ an der Bande einzulassen.
    Insgesamt zeigt auch bei ihm die Kurve deutlich nach oben …

  7. Ausgezeichneter Blog, Gratulation.
    Zum gestrigen Spiel ist alles gesagt.
    Ob wir Ehlitz wieder im Trikot der Icetiger sehen werden wird sich zeigen.
    Verträge und Lippenbekenntnisse sind nicht selten Schnee von gestern, besonders dann, wenn andernorts, und nicht nur in der DEL, die Geldbeutel geöffnet werden.

  8. @Klaus, der Vergleich mit dem Videowürfel ist vielleicht unangebracht und zumindest stark überspitzt formuliert. Aber im Kern ist die Kritik (Bashing steht mir fern!) angebracht. Dass Acton an der Bande wahrscheinlich nicht viel reißt ist klar. Aber es ist schon bezeichnend, wenn man z.B. einem Schuss-Block absichtlich ausweicht und dazu sogar zur Seite wegfährt. Mehrfach beobachtet, auch gestern wieder! Auch das verstehe ich unter Zweikampfverhalten. Und wenn er wenigstens den intelligenten Pass spielen würde, dann wär’s einigermaßen ok.

  9. @Norbert, ich habe mir auch mehr erwartet, aber bei Acton habe ich ein paar Zahlen gesehen, die mich zum nachdenken gebracht haben. Und daher habe ich gestern speziell mal auf ihn geschaut.
    Nur ein Beispiel: Von den Spielern, die mehr oder weniger ohne Verletzung durchgekommen sind, hat Acton die bester Powerplay Erfolgsquote (Punkte gegen Eiszeit gerechnet) der gesamten Mannschaft. Dazu hat Acton von allen Nürnberger Offensiv-Spielern die meiste Unterzahl Eiszeit.
    Wie gesagt, ich bin auch nicht begeistert, aber ich bin eben nicht mehr dabei, wenn Acton immer wieder als „Musterbeispiel“ herangezogen wird, wenn irgendwas schief läuft.

  10. Meine Vermutung in Sachen Ehlitz hat sich leider bestätigt.
    Sportlich vielleicht verständlich. Aber wie gesagt: Lippenbekenntnisse per Video sind heute nichs mehr wert. Und der Agent wird sich über eine ansehliche Provision auch freuen, Diese Herren verdienen bekanntlich bei jeden Tranfer kräftig mit. So ist nun mal leider der Profisport. Ob er uns gefällt oder nicht. Schade.

  11. @. Rudi. Ich bin ehrlich gesagt nicht überrascht über den Weggang nach München, es hätte auch ein anderer Verein sein können. Sein Agent und er haben die Auflösung genutzt um einen deutlich besser dotierten vertag in München zu unterschreiben. Ich bin ehrlich gesagt froh dass die Herren Sabo und Jiranek aus dem Gebotspoker ausgestiegen sind. Es wird auch Eishockey ohne Ehliz und Pföderl in Nürnberg geben. Mit wirklich guten AL werden sich andere junge Spieler in den Vordergrund spielen und die zwei vergessen lassen. Das sind nun mal die Gesetze des Marktes: Spieler kommen und gehen dorthin wo ihre Agenten das meiste Geld für sie herausschlagen.

  12. Auch ich bin von Ehliz‘ Entscheidung enttäuscht, aber die Stellungnahme der Icetigers zu der Sache ist beschämend. Dass man noch kein Geld aus Calgary erhalten hat, tut erstens überhaupt nichts zur Sache, sollen sie halt eine Mahnung schreiben oder einen Anwalt einschalten; das jetzt hier Ehliz implizit vorzuwerfen ist unangebracht. Zweitens ist der letzte Satz „Trotz aller menschlichen Enttäuschung … wünschen wir …“ unprofessionell, von menschlicher Enttäuschung dürfen wir hier vielleicht schreiben, aber bestimmt nicht ein Arbeitgeber über seinen Ex-Arbeitnehmer. Den Vogel schießt aber, drittens, die allerletzte Bemerkung ab, dass Ehliz seine Bonuszahlung aus dem Jahr 2017 ganz oder zum Teil an die EHC-Jugend spenden solle, das ist eine Unverschämtheit. Die Bonuszahlung hat, so schreibt es der Text selbst, sein Gehalt in der Saison 17/18 erhöht, und die Saison hat er ja voll für die Icetigers gespielt, also gibt es sowieso schon mal keinen Grund, hier eine Art Rückzahlung zu fordern. Aber selbst wenn er die Bonuszahlung nicht ein knappes Jahr, sondern drei Wochen oder drei Tage vor seiner Vertragsauflösung erhalten hätte, hätten die Icetigers kein Recht der Welt, sich darüber aufzuregen; vielleicht sollten sie sich lieber an die eigene Nase fassen und darüber nachdenken, warum sie einem jungen Spieler, bei dem der Ruf aus Nordamerika nicht unwahrscheinlich war, einen Vertrag mit einer hohen einmaligen Bonuszahlung vorgelegt haben und nicht einen mit entsprechend höherem Monatsgehalt, das hätten sie dann ja nur zahlen müssen, solange er auch für den Club spielt. Dass sie ihm öffentlich nahelegen, einen Batzen seines ehrlich verdienten Geldes nach Nürnberg zu schicken, ist armselig und abgeschmackt, so etwas gehört sich einfach nicht. Damit macht sich der Verein in meinen Augen ganz schön lächerlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *