Spiel 13: Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für die Ice Tigers

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Die Sonne schien noch einmal so schön über dem Dutzendteich und den angrenzenden Sportstätten. Eine kitschige und dennoch perfekte Szenerie, wie gemalt, um dieser bislang so missratenen Saison eine neue Richtung zu geben. Und rein spielerisch war dieser Auftritt gegen Augsburg tatsächlich einer der besten der Ice Tigers in der bisherigen DEL-Saison, am Ende stand trotzdem: wieder eine Niederlage. Und die Erkenntnis, dass die Aufholjagd noch etwas länger dauern könnte.

Warm-Up

  • Diesmal: Kein Pfeifkonzert!
  • Die Anhänger der Thomas Sabo Ice Tigers scheinen ihre Spieler wieder lieb zu haben, zumindest ein bisschen. Die 0:1-Niederlage gegen die Augsburger Panther war enttäuschend, ärgerlich, bitter, in einer Sache unterschied sich die Leistung aber maßgeblich von denen der jüngeren Vergangenheit: Die Ice Tigers hatten eine realistische Siegchance, sie wirkten verhältnismäßig frisch im Angriff und der Einsatz stimmte über 60 Minuten. Oder sagen wir 59. „Die Jungs waren in der Kabine richtig pissed off. Und das ist gut so“, sagte Martin Jiranek hinterher.
  • 36 Schüsse gaben die Ice Tigers auf Olivier Roy ab, zum dritten Mal in Folge mehr als der Gegner. Über die entscheidende Statistik sagt das nichts aus, aber natürlich nähert man sich über Schüsse einem Treffer an, steigt die Effizienz, erhöht sich auch wieder die Chance, ein Spiel zu gewinnen. „Wir hatten heute mehr verdient als null Punkte“, fand Jiranek bei der Pressekonferenz und lag damit nicht falsch. Er empfiehlt: weiter hart arbeiten.
  • Auch Augsburg ist schlecht gestartet in die Saison, dann haben sie weiter hart gearbeitet und nun sechs Spiele in Folge gewonnen. Aktuell stehen sie auf Platz vier, die Ice Tigers verharren auf Rang zwölf. Es kann immer noch sehr schnell nach oben gehen, je weiter die Saison voranschreitet, wird es aber natürlich umso schwerer, Mannschaften in der Tabelle zu schlucken. „Es ist langsam kritisch, wir müssen Punkte holen“, sagt Jiranek. Nach der Trennung von Kevin Gaudet wäre sein Nachfolger mit vier Siegen aus neun Spielen sehr zufrieden gewesen, nun waren es lediglich drei. Die Aufholjagd könnte noch etwas länger dauern, vor dem Deutschland Cup sollte man wohl keinen großen Lauf mehr erwarten, sie alle sehnen die Pause herbei. Allein die Rückkehr zum gewohnten Rhythmus fühlt sich für Jiranek fast schon wie Urlaub an. „Endlich haben wir eine normale Woche vor uns“, sagt er über die kommenden Tage.
  • Nur was ist in diesen unruhigen Zeiten schon normal? Ihr Powerplay-Spiel haben sie umgestellt, nun will Jiranek die nächsten Trainingseinheiten nutzen, um die Automatismen auszuprägen.
  • Gilbert, Fox und Segal sind zurück, natürlich aber noch nicht in der Form, dass sie die angeschlagenen Ice Tigers mitreißen können. Und wirklich kürzer ist die Verletztenliste nicht geworden.
  • Fünf Spiele sind es noch bis zur Länderspielpause, Brett Festerling und Eric Stephan werden wohl frühestens danach zurückkommen. Bei Stephan ist noch nicht abzusehen, ob seine Verletzung an der Hand operiert werden muss.
  • Apropos angeschlagen: Dass Tray Tuomie zur Pressekonferenz nach dem Spiel erschienen ist, hat nichts mit einer eiligen Beförderung des ehemaligen Nürnberger Cheftrainers zu tun. Tuomie vertrat lediglich seinen Chef Mike Stewart, dem es vor und nach dem Spiel nicht gut ging. „Das Spiel hat ihn viele Nerven gekostet“, sagte Tuomie noch. Wen nicht?

Das Interview

Auch diesmal war es nicht möglich, noch einen Spieler vor dem Gang in die Kabine abzupassen. Die Mixed-Zone ist aktuell nur eine, wenn es positive Nachrichten zu vermelden gibt, und das ist im Herbst 2018 ja eher selten der Fall. Immerhin Oliver Winkler hat noch den Kapitän abgefangen. „Eine ärgerliche Niederlage, aber jeder im Stadion hat heute gesehen, dass wir einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht haben“, sagte Patrick Reimer. Das ganze Gespräch lässt sich hier nachhören.

Das Spiel

Nach 65 Sekunden sah alles aus wie immer: Fehlpass im Aufbauspiel bei den Ice Tigers, Schusschance Augsburg. Eine Kopie der Kopie der Kopie. Dass im direkten Gegenzug Patrick Reimer aber einen ersten (wenn auch harmlosen) Schuss abgeben durfte, untermauerte, dass sich die Mannschaft von Martin Jiranek wieder besser zu helfen weiß. So schnell und geschmeidig war das Umschaltspiel in der Liga bislang jedenfalls noch nicht in dieser Saison. Alleine im ersten Drittel hätten Bassen, Lalonde, Acton, Bast und Weiß Nürnberg in Führung bringen können, ein abgefälschter Schuss von Weber traf den Pfosten (12.). Im zweiten und dritten Abschnitt wiederholte sich das, wobei die Ice Tigers nur selten richtig gefährlich vor Olivier Roy auftauchten, in der 52. Minute sah dann alles aus wie immer in den vergangenen Wochen: Der Augsburger Treffer durch Christoph Ullmann fiel, weil Nürnberg einen Moment zu passiv agierte.

Der Moment

Martin Jiraneks Urteil war hart. Aber zutreffend. „Die Pässe kommen auf Schlittschuhe, nicht auf den Schläger“, hat der Cheftrainersportdirektor am vergangenen Dienstag festgestellt, nachdem sich die Spieler auf unfuckingglaubliche Weise um das Achtelfinale der Champions Hockey League gebracht hatten. Man darf von Eishockeyprofis aber erwarten, dass die Pässe nicht auf Schlittschuhe, sondern auf Schläger gespielt werden. Gegen Augsburg sah das schon deutlich besser aus, in der zehnten Minute verfielen sie aber wieder in ein altes Muster. Shawn Lalonde war gefoult worden, die Schiedsrichter zeigten bereits eine Strafe an, im Fallen leitete Lalonde den Puck noch weiter, Chris Brown wurde auf die Reise geschickt, sein Gegenspieler legte sich sogar freiwillig aufs Eis, Brown hatte alle Zeit der Welt für einen präzisen Querpass auf den mitgelaufenen Jason Bast. Brown zielte, Brown spielte – und traf Basts Schlittschuh. Zumindest war der Querpass so unbrauchbar, dass Bast das Kunststück fertig brachte, sich ins Tor zu befördern und den Puck daneben. Es hätte der Treffer des Tages werden können, so durften ihn später die Gäste erzielen.

Three Stars

Am Freitag hatte sich Niklas Treutle auf einen ruhigen Abend am Seilersee eingestellt, weil Andreas Jenike – vor allem aber seine Vorderleute – aber mal wieder nicht ihren besten Tag erwischt hatten, musste beziehungsweise durfte die Nummer 1b vorzeitig vom Eis, auf der Auswechselbank ihren Schläger zertrümmern und zuschauen, wie die 1a im Tor der Ice Tigers zumindest dafür sorgte, dass der Abend in Iserlohn nicht noch viel schlimmer wurde. Am Sonntag hatte sich Treutle auf einen unruhigen Nachmittag eingestellt, der auch dank seiner Souveränität lange Zeit ein überraschend ruhiger wurde. Im entscheidenden Moment war er machtlos.

Dane Fox merkte man seine lange Verletzungspause bei seinem ersten DEL-Einsatz in dieser Saison natürlich an. Fox ist ein Energielieferant, noch fehlt ihm aber die Spritzigkeit, die Aggressivität, die Unerschrockenheit, die ihn auszeichnet. Ein belebendes Element im Angriff war er trotzdem.

Wer einen Schlagschuss mit dem Hals blockt und noch im selben Drittel aufs Eis zurückkehrt, muss an dieser Stelle nominiert werden. Auch wenn das gegen die Panther der auffälligste Beitrag von Will Acton war. Ob der Puck einen blauen Fleck davon getragen hat, ist nicht überliefert. (Sollte jetzt so eine Art Chuck-Norris-Witz sein, der natürlich in einem Blog-Eintrag mit Tray Tuomie nicht fehlen darf. Wenn man Witze erklären muss, sind sie aber meistens keine ganz so guten Witze oder?)

Und sonst?

Am kommenden Freitag ist der Tabellenführer zu Gast. Das klingt in der aktuellen Situation einigermaßen erschreckend, andererseits haben die Ice Tigers dann nichts zu verlieren. Außer sie präsentieren sich gegen die hassgeliebten Mnnhmr wieder so schwach wie gegen Rouen.

 

9 Kommentare in “Spiel 13: Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für die Ice Tigers

9 Comments
  1. Es gibt in dem wunderbaren Abendlied von Christian Morgenstern „Der Mond ist aufgegangen“ die tiefgründige Zeile: „…so sind wohl manche Sachen die wir getrost belachen, weil uns`re Augen sie nicht seh`n“. Diese Zeilen im Kopf wage ich mich doch soweit vor, das ich nicht nur diesmal der erste unter den Kommentatoren bin, sondern auch am weitesten entfernt bin (nämlich fast ausschließlich als TelekomSport-Seher)!
    Als die Saison noch nicht mal die CHL Spiele zu bieten hatte, tätige ich in meinem Umfeld die Prognose das der Jahrgang 2018/19 wohl eine Übergangssaison werden würde. Und als „wir“ dann so furios in das nächste Eishockey-Kapitel gestartet sind (CHL-Überraschungssiege und auch den Heimsieg über die Berliner) war ich drauf und dran meine Weitsichfähigkeiten komplett in Frage zu stellen – heute bin ich wieder zu meiner Sommerprognose zurückgekehrt, Trotz oder gerade wegen der Niederlagen vom Wochenende!
    Man kann nun die spielerischen Verbesserungen als Hoffnungszeichen für die Aufholjagd in der Tabelle ansehen, ich glaube die gegenwärtige Situation sollte uns aber weiterblicken lassen, als auf die Plätze 7-10 (mehr wird es wohl kaum mehr werden!?!).
    Vorweg noch die eine Binsenweisheit: Sport lebt von Siegen aber natürlicherweise auch von Niederlagen! Wenn in den letzten Jahren ein stetiger Aufschwung zu vermerken war (auch wenn der Traum von Finale bzw. Meisterschaft sich nicht erfüllt hat) so war das auf tolle Leistung von Management, Trainerstab, Spielern und auch der Anhängerschaft zurückzuführen! Wenn wir nun sportliche (und emotional) enttäuschende Wochen erleben, schmälert das keine einzige Leistung der Vergangenheit (!!!!) aber es sollte uns den Blick auf die weitere Zukunft frei geben und manche Neuorientierung anstoßen. Ich denke nicht nur fehlendes Scheibenglück (und verletzte Spieler und die vielen „englischen“ Wochen und und und) haben zur gegenwärtigen Tabellenplatzierung geführt, sondern auch die fehlende mannschaftliche Geschlossenheit und das deutliche überschreiten einiger Spieler hinsichtlich ihres Leistungszenits (meine persönlichen und diskutierbaren Top drei: Dupuis, Jurcina und Reimer) haben die Icetiger dorthin geführt wo sie heute – auch leistungsgemäß zu Recht – stehen.
    Für die nahe Zukunft würde ich (spielerische Verbesserungen hin oder her) doch dafür plädieren einen neuen Coach einzustellen! Es muss ja nicht mal ein neuer Headcoach sein, vielleicht wäre ein Mike Flanagan genauso gut geeignet und bräuchte an seiner Seite „nur“ einen psychologisch feinfühligen Mann der dem Team ein neues „Flow-Gefühl“ verleiht. Das der Kader mehr Fähigkeiten besitzt als Platz 12 sollte unstrittig sein, aber wenn jeder Pass, jedes Stellungsspiel, jeder Spielaufbau und jedes Powerplay mehr vom Kopf als vom Instinkt gesteuert wird, werden uns alle Mannschaften überlegen bleiben, die diesen Lauf, dieses tiefe Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und eine gewisse Leichtigkeit aufs Eis bringen! Nachdem in der Diskussion nach der Niederlage gegen Rouen kein interessanter Name zwischen Nordkanada und der slowakischen Grenze genannt werden konnte, würde ich für die vereinsinterne Lösung mit Pucki als Mentalcoach vertreten (Vorsicht Ironie 😉 !!!)
    Abschließend noch ein wenig Provokation: Ausschließlich alle die etwas Ahnung von den Icetiger und den ersten Spielen haben, waren für die schnelle Entlassung von Kevin Gaudet. Ich muss aber mit dem Blick auf den „halben Mond“ (siehe oben) mich schon fragen, warum seither nur die Siege gegen Bremerhaven und phasenweise gegen Straubing nach guten Eishockey ausgesehen haben?
    Man kann zwischen den Zeilen deutlich herauslesen das Gaudet mit seinem Umfeld nach der A…..och-Methode vorgegangen ist, aber hat es für die kurze Zeit immerhin geschafft aus dem Team den Siegeswillen und das Vertrauen das man auch Rückschläge wegstecken kann herauszukitzeln. Diese Fähigkeit habe ich die letzten Wochen doch etwas vermisst/ nicht gesehen!
    Man muss also Gaudet nicht mögen und seine Wirken negativ betrachten, aber er hat das Team ergebnismäßig immerhin auf Spur gehalten (OK allein die Niederlage gegen Ingolstadt widerspricht meiner These) und so ganz schlecht war seine sportliche Vita in den letzten 28 Jahren wohl auch nicht (übrigens wann wandelt sich aus der ständigen Wiederholung seiner Angewohnheit seine Trainerjahre zu erwähnen eigentlich Ironie in Häme – aber das diskutiere ich wohl besser mit Uli H. unter vier Augen !?)
    So bleibt mir jetzt nur die Hoffnung auf eine noch irgendwie ordentliche Saison (mit ansehnlichen Eishockey) und die Vorfreude für das nächste Jahr wieder durch ein paar neue Spieler und einem anderen Leitungsteam eine Mannschaft zu formen die mehr in der Balance ist wie der gegenwärtige Jahrgang!?!

  2. Die Niederlage gegen Augsburg war vermeidbar und mehr als unglücklich. Aber die 3 Punkte sind weg und das ist Fact. Ich möchte zu dem bisherigen Saisonverlauf ein bisschen meinen Senf dazugeben. Man wollte im Sommer das Team mit namhaften Spielern deutlich verjüngen, spielerisch stärker und körperlich präsenter aufbauen. Das Ganze ist nun wirklich nur zum geringen Teil gelungen. Reimer ohne zwei kongeniale Mitspieler ohne Bindung zu den neuen Nebenleuten. Dupuis seit Saisonbeginn ohne Segal und Fox (trotz aller Bemühungen) ein Schatten seiner selbst. Pföderl ist ohne Steckel und Möchel nur noch ein Drittel wert und kein Spieler (bei allem Einsatz und sehr gutem Handgelenkschuss) der mit seinen Toren ein Spiel in Alleingang entscheiden kann. Somit hat man drei Angriffsreihen statt verstärken deutlich geschwächt. Die einzige die einigermaßen funktioniert ist die Bast-Buck-Brown Reihe, komischerweise alle drei Neuzugänge die so nicht eingeplant waren. Und die körperliche Präsenz ist wahrlich gänzlich abhanden gekommen. Auch die Abwehr ist das Paradestück das man sich zu Saisonbeginn vorgestellt hat, allerdings bei der großen Anzahl der verletzten kein Wunder. Ich will da keine einzelnen Spieler benennen, aber vieles was man sich von den neuen erhofft hatte, wird wahrscheinlich nicht eintreffen. Nichtdestotrotz glaube ich das in der Mannschaft genügend Qualität vorhanden ist um die Playoffs zu erreichen, man muss nicht unbedingt als erster oder zweiter in die Playoffs gehen. Jetzt hoffe ich dass das gesamte Umfeld Ruhe bewahrt und die verantwortlichen weiter arbeiten lässt. Freue mich schon auf den Freitag gegen Mannheim auch wenn es wieder kein dreier wird. Davon geht die Welt nicht unter.

  3. Die Niederlage gegen Augsburg war vermeidbar und mehr als unglücklich. Aber die 3 Punkte sind weg und das ist Fact. Ich möchte zu dem bisherigen Saisonverlauf ein bisschen meinen Senf dazugeben. Man wollte im Sommer das Team mit namhaften Spielern deutlich verjüngen, spielerisch stärker und körperlich präsenter aufbauen. Das Ganze ist nun wirklich nur zum geringen Teil gelungen. Reimer ohne zwei kongeniale Mitspieler ohne Bindung zu den neuen Nebenleuten. Dupuis seit Saisonbeginn ohne Segal und Fox (trotz aller Bemühungen) ein Schatten seiner selbst. Pföderl ist ohne Steckel und Möchel nur noch ein Drittel wert und kein Spieler (bei allem Einsatz und sehr gutem Handgelenkschuss) der mit seinen Toren ein Spiel in Alleingang entscheiden kann. Somit hat man drei Angriffsreihen statt verstärken deutlich geschwächt. Die einzige die einigermaßen funktioniert ist die Bast-Buck-Brown Reihe, komischerweise alle drei Neuzugänge die so nicht eingeplant waren. Und die körperliche Präsenz ist wahrlich gänzlich abhanden gekommen. Auch die Abwehr ist das Paradestück das man sich zu Saisonbeginn vorgestellt hat, allerdings bei der großen Anzahl der verletzten kein Wunder. Ich will da keine einzelnen Spieler benennen, aber vieles was man sich von den neuen erhofft hatte, wird wahrscheinlich nicht eintreffen. Nichtdestotrotz glaube ich das in der Mannschaft genügend Qualität vorhanden ist um die Playoffs zu erreichen, man muss nicht unbedingt als erster oder zweiter in die Playoffs gehen. Jetzt hoffe ich dass das gesamte Umfeld Ruhe bewahrt und die verantwortlichen weiter arbeiten lässt. Freue mich schon auf den Freitag gegen Mannheim auch wenn es wieder kein dreier wird. Davon geht die Welt nicht unter.

  4. Es war in diesem Spiel ein Aufwärtstrend zu erkennen. Das kann man festhalten. Aber irgendwie war das von beiden Mannschaften kein wirklich gutes Spiel. Mein Nebenmann sagte zwischendurch, dass beide Teams ernsthafte Schwierigkeiten hätten, mit so einer Leistung die Löwen Frankfurt zu besiegen. Natürlich wollten beide Teams Gegentore vermeiden und haben ihre Priorität darauf gelegt. Das haben beide mit Glück, Einsatz und Geschick ja auch geschafft. Dadurch hat das Offensivspiel aber erheblich gelitten. Tuomie hat völlig recht. Dieses Spiel hat Nerven gekostet. Der Tipp im ersten Drittel war, dass es 0:0 endet. Die Hoffnung war einfach, dass Ice Tigers irgendwie ein dreckiges Tor erzielen. Leider nicht…

    Wie es Acton in die three stars schafft, ist mir ein Rätsel. Weil aufgefallen ist, dass er mitspielt? Weil er auf die Gesten („hopp, auf, nun mach mal“) zwei seiner Mitspieler reagiert hat? Zu Beginn des Spiel ist er sofort durch ein Icing aufgefallen. Apropos Icings. Da stand es zwischendurch 5:3 für Ice Tigers. Zu Beginn des dritten Drittels stand es glaube ich 10:10…

    Nachdem wir jetzt gegen alle Mannschaften einmal gespielt haben kam in unserer Diskussion ernsthaft die Frage auf, ob die DEL in dieser Saison das gleiche Niveau wie die letzten zwei, drei Jahre hat. Wir glauben es nicht…

    Zur Schussstatistik in diesem Spiel. Die Ice Tigers führten nach dem ersten Drittel 13:8. Im zweiten Drittel hatte der AEV knapp die Nase mit 12:11 vorne. Im letzten Drittel hatte Augsburg mehr Torschüsse und zum Zeitpunkt des Tores insgesamt mehr Schüsse (das 0:1 war zu dem Zeitpunkt auf Basis dieser Statsitik somit auch OK). Nach dem 0:1 versuchten Ice Tigers alles und schossen deutlich mehr (vor allem Lalonde in den letzten Sekunden/Minuten). So kam dann ein leichter Vorteil (36:33) für NIT heraus. Aber es ist ja nicht nur die reine Anzahl der Schüsse alleine. Auch die Shot quality ist wesentlich. Und wenn man sich die Shot Map ansieht, sieht das für den AEV leicht besser aus.
    Die reine Anzahl der Schüsse ist interessant und sicherlich für Analysen wichtig, erklärt aber eben nicht alles…

    Zur Bilanz der Ice Tigers nach den 13 Spieltagen und damit erstem Saisonviertel:
    Platz 12 mit 13 Punkten. Das sind 1,0 Punkte pro Spiel.
    Zuhause ist die Bilanz 2-0-0-5. Das sind (0,86 Punkte pro Spiel).
    Das Powerplay ist mit 13,6% bescheiden (zuhause 15,4%). Unser Unterzahl ist mit 78,0% auch nicht wirklich stark. Hier fällt auf, das Ice Tigers zuhause ein ziemlich schwaches PK haben (71,4%).
    Auswärts ist die Bilanz 1-1-2-2. Das sind 7 Punkte aus 6 Spielen (1,17 Punkte pro Spiel). Übrigens ist das Powerplay auswärts, wie auch letzte Saison, deutlich schwächer. Hier sind es nur 11,1%. Die Unterzahlquote beträgt auswärts allerdings 82,8%. Das PP ist nach dem Trainerwechsel (unter Gaudet 14,29%) nicht besser geworden, das Spiel in Unterzahl (Gaudet 66,7%) ist deutlich besser geworden.

    Die Schussstatistik hat folgende Werte. 373:425 Schüsse (SF% 46,74%). Bei allen Schüssen sieht wie folgt aus 663:716 (CF% 47,85%). Da deutlich mehr Schüsse der Ice Tigers geblockt werden, als sie vom Gegner blocken, liegt der Fenwick niedriger und bei 46,46%. Für eine Mannschaft, die wenig Spiele gewinnt ist dies nicht besonders gut. Besonders im ersten Drittel schießt die Mannschaft weniger als der Gegner (114:152, SF 42,9%). Beim Spiel gegen den AEV gestern ist es gelungen ein besseres erstes Drittel zu haben.
    Zu Beginn der Saison wurde irgendwo geschrieben, dass die Mannschaft unter Gaudet so wenig schießt. Mit einem SF von 40,0% und CF von 42,4% in den vier Spielen stimmt dies sicherlich, allerdings lag das Team gegen SWW, EBB und ING in Führung und hat somit weniger geschossen („Ice Tigers typisch“). Die ersten vier Spiele würde ich Schussstatistisch nicht überbewerten.
    Viel entscheidender ist aus welcher Schussposition Ice Tigers Schüsse auf das Tor zulassen. Und da lassen sie aus zentralen Positionen mehr zu als die letzten zwei Jahre.
    Die Schusseffizienz liegt bei 10,46% (Platz sieben in der Liga) Die Fangquote der beiden Goalies zusammen bei 89,88% (ebenfalls Platz 7). Somit liegt der als „Glücksfaktor“ bezeichnete PDO bei 100,34% (Mannschaften mit einem Wert deutlich >100 haben mehr „Glück“). Am Pech liegt es also nicht, dass es nur Tabellenplatz 12 ist aktuell…

    Die Torbilanz ist insgesamt 39:43. Zuhause 19:21 und auswärts 20:22.
    Auffällig ist jedoch das 2. Drittel. Es ist das beste Drittel der Mannschaft. Dies ist mit 20:12 Toren absolut positiv. Das erste Drittel (10:16) und dritte Drittel (8:13) sind negativ. Was ja auch bei den Schüssen gilt. Besser in das Spiel rein zu kommen, scheint mit ein Schlüssel zu sein…
    10 mal gab es ein 0:1 in diesen ersten 13 Spielen. Und meistens konnten es Ice Tigers nicht mehr drehen. 8 Spiele endeten mit einem Tor Unterschied. 6 wurden davon verloren. Letzte Saison wurden die knappen Spiele (und das waren auch sehr viele) meistens gewonnen.

    Zum Vergleich die Saison 17/18:
    Nach 13 Spieltagen standen die Ice Tigers in der Tabelle auf Platz 1.
    Sie hatten in 11 Spielen gepunktet und so 30 Punkte erzielt (2,31 Punkte pro Spiel).
    Zuhause eine Bilanz 5-1-1-0 (keine Niederlage nach 60 min). Auswärts 4-0-0-2
    41-29 Tore erzielt. Eine Powerplay-Quote von 20%. Im PK 82,35%.
    Bei den Schüssen eine Bilanz von 371:459 (SF% 44,70), was für Mannschaften die ständig in Führung liegen und deshalb weniger schießen völlig in Ordnung ist. Die beiden Goalies hatten zusammen eine Fangquote von 93,68%.

    Das waren jetzt viele Zahlen und eine Menge Text. Ich hoffe, dass hat nicht zu sehr genervt. Wer noch ein paar mehr Statistiken will, soll einfach schreiben, welche interessieren würden. Es wären noch ein paar verfügbar…

    Das wird eine schwierige Saison (wegen CHL und Spenglercup auch erwartet). Was aber auch nicht so schlimm ist, nach drei wirklich guten Jahren. Das kann einfach mal passieren. Ob es nach der Länderspielpause, da sind dann 18 Spieltage rum, wirklich so deutlich besser wird? Wirklich schwierig, da andere Vereine auch an System, Taktik etc. arbeiten werden… Wichtig ist jedoch, dass man für die Zukunft auch die Weichen (gute deutsche Spieler, U23 Regelung, etc..) stellen kann. Und da ist die Doppelbelastung für Jiranek einfach nicht gut. Ich bin weiterhin für einen neuen Coach #helpJiranek…

  5. Vielen Dank an Frank für die interessanten Zahlen.
    Eine kleine Ergänzung noch meinerseits: Die Ice Tigers haben die Hauptrunde der vergangenen Saison 2017/18 (trotz einer deutlichen Schwächephase ab Beginn des Jahres 2018) mit 100 Punkten auf Rang 3 abgeschlossen, was einem Schnitt von 1,92 Punkten pro Spiel entspricht. 2016/17 erreichte man mit 102 Punkten ebenfalls Rang 3 (1,96 PPG). 2015/16 wurde man Sechster, erreichte also noch direkt die Playoffs mit 83 Punkten (Schnitt 1,59). 2014/15 reichten 80 Zähler zu Rang 8 (1,54 PPG) und zur Pre-Playoff-Runde. Die Zehntplatzierten als letzte Qualifikationsrundenteilnehmer hatten in diesen vier zurückliegenden Spiellzeiten 74, 64, 73 bzw. 76 Punkte auf dem Konto. Rechnerisch waren im Schnitt somit 71,75 Punkte (1,37 PPG) für Platz 10 notwendig. Die mickrigen 64 Punkte von Bremerhaven vorletzte Saison fallen allerdings statistisch deutlich aus dem Rahmen; auch wenn man weiter zurückblickt, benötigte der Zehnte immer mindestens 70-75 Zähler. In der Saison 2011/12 hat Nürnberg letztmals krachend die Meisterrunde verpasst; damals wurde man mit 55 Punkten Vorletzter, Iserlohn hatte als Zehnter 77 Punkte.
    Es kann sich nun jeder selbst ausmalen, ob und wie realistisch es ist, dass die Ice Tigers in den noch ausstehenden drei Vierteln der Hauptrunde (39 Spiele) etwa 57 bis 65 Punkte zur Vermeidung der totalen Blamage einfahren, was einem Schnitt zwischen 1,46 und 1,66 Punkten pro Spiel entspräche. Anders ausgedrückt: Die Tiger müssen rechnerisch 20 von 39 Spielen nach 60 Minuten gewinnen wenn der Rest glatt verloren wird (oder 15 Dreier, fünf Overtime-/Penaltysiege, fünf Overtime-Niederlagen etc.).
    Für die Berufsoptimisten: Platz 6 wäre voraussichtlich mit „nur“ noch ca. 70-75 zusätzlichen Punkten ab jetzt (~ 1,79 – 1,92 P. pro Spiel) möglich.

    Schlussfolgerung: Wenn man die Saison nicht jetzt schon abhaken will, müsste ab sofort wieder durchgehend gepunktet werden. Irgendwann gehen die Spiele aus und es müsste schon eine unwahrscheinliche Rekordserie her. Ich zweifle aber stark daran, dass mit der aktuellen sportlichen Leitung die Wende herbeigeführt werden kann. Ergo: Jetzt einen Trainer verpflichten oder auf ein Wunder hoffen!

  6. Eine Ergänzung noch zur Statistik: die Zuschauerstatistik.
    Letztes Jahr hatten wir am 31.10. bereits 3 Spiele mit mehr als 6000 Zuschauern
    dieses Jahr vermutlich kein einziges ( es sei denn das Siel gegen Mnhhm und die Red Party brechen alle Erwartungen. Wenn wir das Spiel am Freitag gegen Mnhhm gewinnen könnte die Red-Party Zuschauer-mäßig ganz ordentlich werden. Aber wehe wenn wir wieder ein 0Pkt-Wochenende hinlegen).
    In der gesamten letzten Saison hatten wir 18 von 32 Heimspielen mehr als 6000 Zuschauer weil wir in der gesamten Saison nur 8 Heimniederlagen zu verzeichnen hatten.

    Will sagen: Zuschauermäßig wird diese Saison sehr bitter.

  7. Schwenningen sucht aktuell noch nach einer Verstärkung. Ich wüsste da jemanden…
    Gilt hier mittlerweile als legitimer Nachfolger von Marco Pfleger, hatte in Schwenningen aber hervorragende Jahre.

  8. @Ralf: Quelle Eishockey News:
    Letzte Saison 5717 Zuschauer im Schnitt. Aktuell nach 7 Heimspielen 4487. Das macht aktuell ein Minus von 1230 pro Spiel. Das wird sehr schwer aufzuholen sein.

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