CHL6: Kein Mitleid (unfuckingglaublich)

Foto: Thomas Hahn/Zink

Was für eine grandiose Sportgeschichte: Eine Mannschaft startet ihre Europareise als denkbar größter Außenseiter, wird von ihren Kontrahenten als Punktelieferantin gesehen, weil sie außer gescheiterten Draftpicks (Deschamps, Brodeur), französischen Zweitliga-Topscorern (Caron), französischen Nationalspielern, aber nicht den prominenten (Lamperier), vermeintlich ausgebrannten Routiniers (Roy, Thinel, Miklik, Koivisto) und einem slowenischen Ersatznationaltorhüter nur wenig bieten kann. Dann gelingt es dieser Mannschaft, die Niederlagen knapp zu halten, bis sie gegen eine tschechische Spitzenmannschaft überrascht und sich danach nicht mehr umschaut. Gegen den weit unter seinen Möglichkeiten spielenden deutschen Vertreter, der NHL-Routiniers, olympische Silbermedaillengewinner, Kanadier, für die Frankreich immer allein ein Urlaubsland bleiben wird, und erfahrene US-Amerikaner bieten kann, stellen sie zweimal in sieben Tagen die reifere, bessere Mannschaft. In ihrer kleine Scheune mit dem Charme einer Schulturnhalle wird im November ein Champions League-Achtelfinalspiel stattfinden. Dafür haben sie sich erstaunlich zurückhaltend gefreut. Vielleicht war es den Dragons des Rouen unangenehm, vielleicht hatten sie gar Mitleid mit der Mannschaft, die da in Nürnberg erstmals seit langer Zeit wieder leidenschaftlich ausgepfiffen wurde. Dabei wollen sie das genau nicht, die Thomas Sabo Ice Tigers.

Warm-up

  • Keine Entschuldigung, keine Ausrede, nur mal so: Kärpät Oulu führt derzeit die finnische Liiga an. Mountfield Hradec Kralove führt die tschechische Extraliga an. Die Rouen Dragons sind Zweiter in der Ligue Magnus. Die Thomas Sabo Ice Tigers sind Zwölfter in der Deutschen Eishockey Liga.
  • Am Freitag spielen die Ice Tigers in Iserlohn, am Sonntag zu Hause gegen Augsburg. In ihrer derzeitigen Verfassung ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie auch diese beiden Spiele verlieren. Und trotzdem kann es kaum schlimmer werden als an diesem Dienstagabend.
  • Dieses 2:5 gegen Rouen war die vielleicht bitterste Niederlage seit der Saison 2011/2012 – schon allein, weil man diesmal Daniel Piechaczek eben nicht die Schuld in die Schlittschuhe schieben konnte. Weil diesmal eben nur die Mannschaft und ihre Trainer schuld daran waren, dass diese zunächst so schöne Europareise auf die denkbar unschönste Weise zu Ende ging.
  • Ja, die Spieler waren bemüht, beinahe alle. Ein Spieler hat sich jedoch auch an diesem Dienstag vorgenommen, so zu wirken, als sei er nur ein Gastspieler in dieser ambitionierten Hobbytruppe. Patrick Reimers Vorstoß vor dem letztlich fatalen 1:2 war sinnlos und gefährlich, weil ob des gerade abgelaufenen Power-Plays vier Stürmer auf dem Eis waren. Reimer verlor den Puck vor dem französischen Tor. Trotzdem überholte der Kapitän auf dem Weg zum eigenen Tor Will Acton nicht nur, er nahm ihm Meter ab, tauchte noch vergeblich einmal ab, um das 1:2 zu verhindern. Dass Loic Lamperier zwei Versuche bekam, lag allerdings daran, dass Will Acton da gerade die eigene blaue Linie überquerte. Acton fiel mir kein einziges Mal positiv auf, dabei hatte er die Chance zu einem Wirkungstreffer (Der Moment). Das ist so derart viel zu wenig von einem Spieler, der seinem neuen Arbeitgeber eine Ablösesumme wert war.
  • Allen anderen war das Bemühen tatsächlich nicht abzusprechen, von dem unbedingten Willen, diesen einen Punkt doch noch irgendwie zu holen, war allerdings ebenfalls wenig zu sehen.
  • Was ist nur los mit Philippe Dupuis? Der Franko-Kanadier hat eigentlich immer die falsche Entscheidung getroffen und war so tatsächlich ein destabilisierender Einfluss auf das ohnehin fragile Nürnberger Spiel. Kannte man so von Dupuis auch noch nicht, schon gar nicht mehrere Spiele in Folge.
  • Shawn Lalonde hält exakt, was man sich von ihm hat versprechen dürfen/müssen. Waghalsige, aber gelungene zone entries, stets gefährliche Schüsse, Tore, aber eben auch ein schauriges Stellungsspiel und die Tendenz zum dummen Foul. Grandioser Power-Play-Treffer (der auch fiel, weil der Puck davor zumindest einmal an diesem Abend schnell gepasst wurde), vor dem 1:3 aber hat es so ausgesehen, als hätte er in der Rundung eine Kontaktlinse verloren. Am Ende wirkten Reimers Verteidigungsversuche unbeholfen, der Fehler aber unterlief Lalonde.
  • Muss noch ein Spieler namentlich erwähnt werden um den Anspruch des enttäuschten Fans auf harte, kritische Worte zu erfüllen? Nein, dieses 2:5 war ein Kollektivversagen, für das es keine Ausrede mehr gibt. Der wunderbaren Kollegin Corinna Kleinekoenen gelang es immerhin noch, dem diesmal unbeteiligten Andreas Jenike wahre Worte zu entlocken:

Das Spiel

War absolut grauenvoll. Martin Jiranek zitierte danach die Schussstatistik, so wie das viele Trainer machen, um auszudrücken, dass letztlich nur ein wenig Glück gefühlt hatte. Jiranek aber war so klug, nicht nach Ausreden zu suchen. Er wusste, dass es da nichts schönzureden gab. Gerade für ihn muss es schwer gewesen sein, diese halbherzigen Offensivbemühungen, diese hilflosen Aufbau- und Umschalt-Bemühungen, dieses pomadige Defensivverhalten zu beobachten. Nürnberg mag doppelt so oft aufs Tor geschossen haben, die besseren Chancen aber hatte (Leo Pföderl und direkt danach) Rouen. Anthony Guttig, zum Beispiel, hätte die Partie bereits vor dem 2:3 entscheiden können. So waren es Dane Fox und Eugen Alanov, die noch einmal für Hoffnung und Unterstützung von den Rängen sorgen durften. Das nette 2:4 aber machte all das zunichte.

Der Moment

In der 20. Minute wurde kein Tor erzielt, niemand wurde auf die Strafbank geschickt, niemand hat sich verletzt. Die 20. Minute war unbedeutend für den Ausgang des Spiels. Und doch war die 20. Minute symptomatisch für die Misere der Ice Tigers. Auf dem Eis war die Weiß/Acton/Pföderl-Reihe, dazu die Verteidiger Gilbert und Aronson. Trotzdem gelang es diesem Block nicht, den Puck aus dem Drittel zu bringen. Chad Langlais, ein 32 Jahre alter US-Amerikaner, der bereits in Dayton, Evansville, Trenton, Belfast, Sheffield und Gap gespielt, einer jener typischen Glücksritter, die dieser Sport jährlich zu Dutzenden hervorbringt, schwanzte die Ice Tigers. Seine Mannschaft schien sich einen Spaß daraus zu machen, trotz totaler Überlegenheit kein Tor zu erzielen. Aronson und Gilbert kamen mehrmals zu spät, sie waren müde, normal nach einer längeren Verletzungspause, aber nicht hilfreich. Vor allem, wenn die zwei der drei Angreifer nicht konsequent mitarbeiten. Irgendwann befreiten sich die Ice Tigers, Acton kam an den Puck und mit Tempo ins Drittel der Dragons, er nutzte einen Verteidiger als Sichtschutz – und schoss am Tor vorbei. Milan Jurcina, mittlerweile für Aronson im Spiel, kam an den Puck. Sein Schuss blieb am ersten Franzosen hängen, der sich alleine auf den Weg machte, das Rennen gegen die Uhr aber nicht mehr gewinnen könnte. 4003 Zuschauer erlebten eine Minute, in der alles zu sehen war. Überforderte Verteidiger, müde, weil lange verletzte Spieler, ungenügendes Kollektivverhalten, ein Torjäger, der keine wichtigen Tore schießt. Es war nur die 20. Minute, aber sie bereits das gesamte Spiel erklärt.

Das Interview

Kann es sein, dass die Ice Tigers vielleicht gar nicht heute verspielt haben, sondern am vergangenen Mittwoch in Rouen, weil sie ihrem Gegner da gezeigt hatten, wie schwach sie derzeit sind? (Ich weiß, keine brillante Frage, aber oftmals geht es nur darum, den Interviewten zum Reden zu bringen, das hat funktioniert)
Martin Jiranek: Das könnte ein Grund sein. Weißt du, wir wollen immer einen Grund haben, aber ich glaube, es gibt mehrere. Wir hatten mehr Schüsse aufs Tor, fast doppelt so viele. Aber irgendwie hat uns etwas gefehlt. Die Zweikämpfe waren nicht da, die Pässe waren nicht da. In der Vergangenheit war der Aufbau immer eine unserer Stärken. Dieses Jahr funktioniert er überhaupt nicht, die Pässe kommen auf Schlittschuhe, nicht auf den Schläger. Da fängt es schon an. Sind wir müde? Wir haben viele Dienstags-, viele Mittwochsspiele. Ist es das fehlende Training? Wir sagen immer dieselben Dinge, dazu stehe ich auch. Es ist ja die Wahrheit, dass uns wichtige Spieler gefehlt haben, dass wir keine normale Trainingswoche hatten, seitdem ich diesen Job übernommen habe. Aber trotzdem geht es irgendwann nur um die Frage, wie können wir Spiele gewinnen. Einfache Pässe machen, Zweikämpfe gewinnen – das fehlt uns derzeit. Hat uns Rouen heute dominiert? Nein. Aber bei 4-gegen-4 brauchen wir ein Tor zum Ausgleich, stattdessen kassieren wir eines. Zackzackzack, Schuss aufs leere Tor. Hast du von dieser Mannschaft schon einmal so viele Zickzackpässe und Schüsse aufs leere Tor gesehen, wie in den letzten Spielen? Das ist unfuckingglaublich. Heute bin ich zum ersten Mal in der Drittelpause auf die Jungs losgegangen. Der Wille ist da, aber die Beine sind nicht da, der Kopf ist nicht da. Wir kommen raus. Der Wille ist da, die Jungs sind enttäuscht, die sind sauer. Wir finden einen Plan. Und dann bauen wir das alles wieder auf. Wir können uns nicht bemitleiden.

Aber Du weißt, wie Social Media funktioniert. Du weißt, wie Fans denken. Die suchen nach diesem einen Grund. Und nicht wenige sehen den Grund beim Trainer. Suchst du denn derzeit aktiv nach einem Trainer oder bleibst du sicher bis zum Saisonende Trainer der Ice Tigers?
Jiranek: Wir haben jeden zweiten Tag gespielt, mit langen Busfahrten bis zu zwölf Stunden über Nacht. I mean, momentan konzentriere ich mich auf unser System, unsere Taktik. Bisher hatte ich fast ausschließlich Trainingseinheiten am Tag nach oder am Tag vor dem Spiel. Wir haben kein hartes Training bisher gehabt. Als ich diesen Job angenommen habe, habe ich den Spielplan gesehen. Und natürlich habe ich gesehen, wer uns fehlt. Und ich habe von Anfang an gesagt: Ich bin überglücklich mit fünf Siegen aus neun Spielen und ich bin zufrieden mit vier Siegen aus neun Spielen. Alle haben mich angeschaut: Was, vier aus neun? Ich habe geantwortet: Schau unseren Spielplan an. Genau das ist passiert. Wir können uns nicht verstecken. Und das nächste Wochenende ist verdammt wichtig.

Normalerweise haben die Spieler in der Deutschland Cup-Pause mehrere Tage frei. Was macht Ihr dieses Jahr?
Jiranek: Wir brauchen eine Pause. Wie lange, das ist etwas anderes. Aber der Mannschaft diese Pause zu nehmen, hier zu bleiben, sie laufen zu lassen, das wäre die falsche Antwort. Wir würden die Mannschaft verlieren. Die Jungs brauchen eine bestimmte Zeit, um den Kopf frei zu kriegen. Bis zur Pause bleibt der Plan hart. Und wir müssen punkten.

Gefühlt waren die Ice Tigers bereits im Achtelfinale. Was bedeutet dieses Aus nun für den Standort?
Jiranek: Bitter. Bitter. Das ist schade. Wir hatten die Chance, etwas Besonderes zu erreichen. Das gefällt niemanden, die Jungs wollten in die Playoffs, sie wollten auch in der [Deutschland Cup-]Pause spielen. Sie wollten gewinnen. Das Spiel hätte anders ausgesehen, wenn sie nicht hätten gewinnen wollen.

Der Trainer

Auch wenn sich das viele wünschen: So lange Thomas Sabo nicht auf einem neuen Trainer besteht, wird Martin Jiranek weiter den Sportdirektortrainer geben. Was dabei bislang noch nicht thematisiert wurde, ist der Mut, der mit Jiraneks Entscheidung einhergeht. Jiranek wohnt hier, seine Familie wohnt hier, seine Jungs spielen hier Eishockey, hier ist er beliebt, hier war und ist er Publikumsliebling. Das alles setzt er derzeit aufs Spiel. Wenn er die Mannschaft nicht in die Playoffs führen, selbst wenn er in den Pre-Playoffs scheitern sollte, wird man sich zunächst daran erinnern, nicht an seine 200 DEL-Tore, seine Tricks, seine vielen guten Transfers. Es gibt gute Gründe für den Trainer Jiranek (Gaudet wird weiterhin bezahlt, ein neuer Trainer kostete Geld, Jiranek steht eh schon auf der Gehaltsliste/er kennt die Mannschaft, weiß, warum sie unter der Anleitung von Wilson/Flanagan erfolgreich war) und bessere dagegen (Doppelbelastung, wer sucht nach Neuzugängen, führt Vertragsverhandlungen?). Taktisch maße ich mir nicht an, die Arbeit Jiraneks beurteilen zu können. Natürlich sind die Probleme im Aufbau und im Umschalten und im Power-Play und im Defensivverhalten offensichtlich, das kann man aber ebenso wie die vielen Verletzten noch immer unter G wie Gaudet einordnen. Unter J wie Jiranek aber mehren sich allmählich Fragen, die mit Taktik wenig und mit Coaching viel zu tun haben. Warum bilden die offensiv ausgerichteten Rechtsschützen Taylor Aronson und Shawn Lalonde ein Verteidigerpärchen. Warum sind Aronson/Gilbert, offensichtlich mental und körperlich müde nach ihren langen Zwangspausen, auf dem Eis, wenn das Spiel mit Vier-gegen-Vier fortgesetzt wird? Warum setzte Jiranek nicht wenigstens im Schlussdrittel auf Fox/Dupuis/Segal? Stattdessen hat er die Rechtsschützen Reimer und Pföderl zum Mittelstürmer Daniel Weiß gestellt. Das hat keine Tore gebracht, aber immerhin viele Chancen. Alle anderen Umstellungen zeigten kaum Wirkung. Ja, Jiranek braucht Zeit, aber nicht nur für die Mannschaft, sondern vielleicht auch für sich. Nach der Pressekonferenz war zu sehen, wie enttäuscht er war.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Three Stars

Das war kein gutes Spiel von Taylor Aronson. Der US-Amerikaner war bei drei Gegentoren auf dem Eis, zudem zwang er seine Stürmerkollegen dazu, stets auf ihn aufzupassen. Trotzdem: Aronson hat sich zerrissen, Aronson wollte nicht ausscheiden, er wollte ins Achtelfinale. Dafür hat er alles getan, alles, was er hatte geben können. Nur spätestens seit den unvergessenen Kinderzimmer Productions wissen wir: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Hier gibt es immerhin ein Fleißpünktchen.

Daniel Weiß war sehr gut. Er hatte die besten Nürnberger Chancen im ersten Drittel, sein Unterzahlspiel lässt weiterhin kaum Schwächen erkennen. Auch weil der Rechtsaußen Pföderl meist über links kommt und abschließt, wäre es schade, wenn er nicht weiter mit Pföderl und dem Kapitän aufs Eis dürfte. Weiß scheint der neue David Steckel sein zu können. Die Qualitäten Steckels als Leo-Flüsterer werden allerdings unerreicht bleiben. Wer hätte das gedacht.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Und sonst

Fehlt da noch ein dritter Star. Leo Pföderl kann es nicht sein, weil er zwei Drittel lang nur als Name auf dem Spielberichtsbogen auftauchte und weil er im Schlussdrittel Chancen für drei Spiele vergab. Aber: Leo Pföderl schießt wieder, zehnmal an diesem Abend. Das ist gut. Aber eben auch: Pföderl trifft noch nicht wieder. Das ist schlecht. Dass das alles mit seiner zumindest offiziell ungeklärten Situation zu tun hat, wird er kaum leugnen können.

Foto: Thomas Hahn/Zink

11 Kommentare in “CHL6: Kein Mitleid (unfuckingglaublich)

11 Comments
  1. es ist hart derzeit irgendwas optimistisches rauszuziehen aber wenn man so will: Buck. Die von vielen erwartete Diva erweist sich noch am ehrgeizigsten und gewillten sich gegen die Niederlagen zu stemmen sowie das bessere Forechecking durch Segal und Fox. Es gibt sie also, diese kleinen Lichtblicke in der aktuellen Phase des Jahrgangs 2018/19.
    Was übrigens mit schnellen Powerplay geht sah man beim Führungstreffer für die Dragons ;).

    Zum Thema das alle bewegt: MJ hat sich selbst dazu entschieden es erstmal zu übernehmen aber es wurde mit Ausnahme BHV eher schlechter. Die Pässe werden selbst auf 2 Meter mit einer Schärfe und Ungenauigkeit gespielt, dass da selbst McDavid dran scheitern würde. Aber er wird sich hinterfragen müssen ob er der richtige Mann ist eine so talentierte aber auch geistig angeschlagene Mannschaft führen zu können. Bisher schaut es danach nicht aus. Auch das Argument er kenne die Mannschaft verblasst bei mir langsam. Ja, er kennt die „alte Garde“ aus den Vorjahren im Kader aber kennt er die Neuen gut genug? Da stellt sich mir gerade die Frage ob da nicht ein neutraler Blick eines Headcoaches besser wäre.

    Prinzipiell wirkt es bisher nicht wie das Jahr des Jiraneks mittlerweilen: an seinem Status als Legende wird gekratzt durch die Doppelfunktion, bei der erstmaligen Personalunion war bereits Wilson da, mangels Erfolg und blamablen Aus gegen Rouen.
    Dann zeigt ein Spieler Will Acton, für den man bereit war eine Ablöse zu zahlen, derzeit genauso viel wie ein Pfleger in seiner schlechtesten Zeit wenn man es überspitzt sagen möchte. Da stellen sich dem außenstehenden Fan schon Fragen wie: war Acton noch von Wilson gewollt oder war es ein Schnellschuss wie Gaudet, da er eben verfügbar war.
    Sebastian meine ich, hatte mal von einem gescouteten Trainer in NA geschrieben, der Wilson ähnlich war. Die Frage ist, was wurde aus ihm, warum griff man nicht zu wenn er verfügbar gewesen wäre. Klar, der Abschied von Wilson kam für alle aus dem Nichts und stellte die Ice Tigers vor ein enormes Problem jedoch waren die Entscheidungen daraus bisher nicht zum Vorteil. Pföderl überlegt offiziell ob er verlängert oder geht, auf der Trainerposition wurde ein Schnellgriff getätigt, den man zwar bald korrigierte aber ggf. zu spät, das Auftreten des Teams nach außen hin auf den Eis hat absolut wenig noch mit den Jahrgänge der Ice Tigers zu tun, die die Stadt wieder für Eishockey begeistern konnte. Aktuell sehe ich große Gefahr das geschaffene Werk von Sabo, Jiranek, Wilson und Co innerhalb eines Jahres einzureißen.

    Wie sehr auch im Verein selbst die Nerven gereizt sind kann man an der Geste von Sabo erkennen, sollte sie sich so zugetragen haben. Es wird also Zeit, dass man reagiert und die Ice Tigers wieder in ruhigere, sportliche Gewässer steuert.

    • Ich kenne den Namen des Trainers, für die DEL kommt der frühestens in zehn Jahren in Frage. Ich vermute allerdings, dass er da bereits auf neun Jahre Erfahrung in der NHL zurückblicken kann. Das zeigt das Dilemma. Die DEL ist vollkommen uninteressant für international ambitionierte Trainer, um ehrgeizige tschechische, finnische oder schwedische Trainer nach Nürnberg zu locken, müsste man schon sehr gründlich scouten – meines Wissens kann das so aber kein DEL-Klub leisten. Oder aber man hat Glück. Es gibt doch einen Grund, warum es immer wieder auf Pasanen hinausläuft oder einen Coach, der in Österreich erfolgreich war. Nur für diese Trainer ist die DEL interessant. Wie viele Trainer gibt es denn, für die DEL ein Sprungbrett war? Mir fällt einer ein und Geoff Ward wäre jetzt sicher auch ohne einen Meistertitel mit Mannheim Assistenztrainer in der NHL.
      Und natürlich war Acton noch ein Spieler, den auch Wilson wollte. Ich bin da bei Norbert, wenn ein Spieler dieser Güteklasse verfügbar ist, du ihn dir leisten willst und kannst, musst du ihn verpflichten. Und das schreibe ich, obwohl er das Spiel am Dienstagabend spätestens ab Mitte des zweiten Drittels von der Bank aus hätte verfolgen müssen. Naheliegend ist zwar ein Verteidiger, aber vielleicht muss ja auch Acton mal den überzähligen Ausländer geben.

  2. Der Verein, Club steht nicht mehr am Scheideweg, wie ich am Montag noch geschrieben habe, sondern er ist deutlich in eine Sackgasse abgebogen. Man hat fast alle kritischen Entscheidungen mehr oder weniger vergeigt: positiv gesprochen ein ungünstiger scouting eines neuen Trainers mit Gaudet, vielleicht richtig danach diesen schnell entlassen. Dann aber die falsche Entscheidung mit Jiranek als Trainer, „wahrscheinlich bis Saisonende“: falsche Ansage, die null gebracht, sondern noch mehr Unruhe produziert hat. Dann der Umgang mit Pföderl: erinnert leider stark nach Debatte Özil, auch wenn der Kontext ein anderer ist. Totschweigen als probates Mittel in einer Mediengeprägten und digitalen Welt? Unglaubliche Fehleinschätzung. Wen interessiert es bitte denn noch, dass es gängige Praxis ist, dass während der Saison keine Personalentscheidungen bekannt gegeben werden? Das ist dieser arrogante DEL Style, „wir haben die Medienhoheit“. Ergebnis: Unruhe im Umfeld…und auch im Team? Dann die Verletzten. Mein Gott, wir armen Nürnberger sind natürlich wieder mehr gebeutelt als alle anderen Teams. Selbstreflektion? Fehlanzeige, wird schon wieder. Das nächste jammern: keine Zeit zum trainieren. Jetzt wurde es lächerlich. Das kann ich als „Kunde“ nicht mehr ernst nehmen. Der GF Gastner in einem Podcast sinngemäß „keine Ausreden, aber die vielen Verletzten…“ da werde ich als Kunde ärgerlich. Im Ergebnis wenden sich immer mehr Zuschauer, Kunden, Event-Fans (egal wie ernsthaft oder despektierlich) man Menschen, die die ice Tigers verfolgen, bezeichnen will, ab. Sieht man in den Zuschauerzahlen. Als nächstes lässt auch das Interesse, sich über die ice Tigers zu diskutieren und streiten, nach: Desinteresse. Diese Leute holt nicht wieder mit 2, 3 Siegen zurück. Aus meiner Sicht hat man nun noch 1 Schuss.

  3. Zum Spiel selbst muss man nichts mehr schreiben. Der Tiefpunkt ist wahrscheinlich/hoffentlich nun erreicht. Es stellt sich nur die Frage, ob, wann und wie es wieder nach oben gehen könnte. Meine Vorschläge dazu: Ein realistischer Blick bei allen Beteiligten für die kritische Lage, keine Ausreden mehr, sich selbst hinterfragen. Und vor allem harte Arbeit auf dem Eis! Es ist nicht (mehr) eine Frage der fehlenden Trainigsmöglichkeiten während der letzten Wochen. Vielleicht war es das auch noch nie.

    In den Three-Stars sehe ich auf jeden Fall noch Alanov. Er hat neben seinem Tor wenigstens noch ein Zeichen gesetzt, als er wenige Sekunden vor dem Spielende und bei aussichtslosem Spielstand nochmal entschlossen im Angriffsdrittel nachsetzte. Ein gutes Vorbild für so manch anderen und sicherlich ein Fingerzeig, wie man aus dieser Krise wieder rauskommt.

    @Blackhawk,
    keine Ahnung, ob Acton noch auf Betreiben Wilsons geholt wurde, oder nicht. Die IT-Fans in meinem Umfeld haben die Verpflichtung äußerst positiv gesehen, und das sicher auch zu recht. Er erschien allen als der geeignetste Ersatz für Reinprecht, den man sich vorstellen konnte. Diesbezüglich von mir keine Kritik an MJ. Was daraus wurde ist eigentlich unerklärlich. Der Vergleich mit Pfleger ist sowas von passend!
    Für mich war von der Gegengerade aus deutlich zu sehen, wie Thomas Sabo den doppelten F-Finger zeigte. Allerdings nicht zu erkennen, gegen wen sich die Geste richtete. Gegen die pfeifenden Fans, oder gegen einige Zuschauer, die Gegenstände auf das Eis werfen? Auf jeden Fall deplatziert und ganz sicher ein Zeichen dafür, dass die Nerven blank liegen.

    Was mich auch total umtreibt: Der Podcast mit Wolfgang Gastner bei den Sitzplatz-Ultras.
    „Die Spieler wollen ja nicht verlieren“. Das ist so ziemlich die einzige Aussage, der ich vorbehaltslos zustimmen kann. Der Rest haut mir unzählige Fragezeichen auf die Stirn! Da wird schon vom CHL-Viertelfinale und dem DEL-Halbfinale schwadroniert. Die Aussage zu Pföderl („überlegt noch, noch nix entschieden…“) ist mMn fragwürdig (mindestens!). Am gleichen Tag steht in den Eishockey News, dass der Transfer längst in trockenen Tüchern ist Wobei ich nicht behaupten möchte, dass die immer alles ganz genau wissen.
    Sind das schon Durchhalteparolen, eine besonders rosarote Vereinsbrille, oder schlicht Verkennung der Realität? Herr Gastner tut mit solchen Äußerungen niemendem einen Gefallen, am wenigsten sich selbst. Ich stelle mich übrigens der Diskussion mit ihm. Es soll ja nicht so sein, dass nur anonym im Netz irgendwelche dummen Parolen verbreitet werden (diesbezüglich hatte er übrigens auch recht!).

  4. @Norbert: der Vergleich war rein auf den sportlichen Beitrag derzeit des Herrn Acton bezogen auch mit der Bemerkung überspitzt. Jeder weiß hier, was Acton leisten kann, warum er es aber nicht abruft und ob wessen Transfer es war ist freilich unbekannt aber gehört zu den Fragen, die ich mir stelle.
    Als Ergänzung zu meinen Ausführungen von heute morgen: vielleicht war auch der Umbruch in der Kabine zu groß. Reino, Stecks und auch Buzas waren Spieler, die bekanntlich wichtig waren auch außerhalb der Eisfläche. Wir haben bis auf Dups keinen Center behalten. Vielleicht hätte man Steckel noch das letzte Jahr geben können/müssen.

  5. @Sebastian: zumindest hast du jetzt die Frage zu Acton beantwortet ;), danke :). Aber genau diese Fragen bekomm ich in meinem Umfeld immer wieder mit bzw. wird MJ angekreidet. Bei der Sache mit der Trainerfindung bin ich bei dir, aber war für einen ambitionierten Verein wie die Ice Tigers auch im Verhältnis zu den geschätzten Preis des Kaders Gaudet nicht auch ein Schnellschuss und ist dann auch eine Personalunion dem dann vielleicht nicht gerecht? Es bleibt auf jeden Fall spannend!

    • Gaudet zu verpflichten war ein Fehler, ein in ruhigeren Zeiten vielleicht ein lässlicher Fehler. Vor dieser Saison war er fatal. Da gibt es keine zweite Meinung.

  6. Ich möchte mich noch einmal zur trainerdiskussion melden: diese durch die Zeilen zu lesende Alternativlosigkeit kann ich schlichtweg nicht akzeptieren. Wir haben einen solchen Absturz erlebt, da könnte – böse gesagt – fast jeder ausgebildete Trainer helfen. Andere Vereine haben auf diesem angeblich leergefegten Markt auch Trainer gefunden. Die Beispiele Straubing und Ingolstadt und Düsseldorf sind da durchaus positive Beispiele. Also auch diese Ausrede bitte endlich mal beiseite legen.

  7. Mal einfach ein paar lose Punkte, die mir gerade so einfallen:

    Will Acton als MJ Fehler zu bezeichnen, würde ich mich nicht trauen. Jeder DEL Manager (und vermutlich auch einige aus dem Ausland) hätten, soweit mit den finanziellen Möglichkeiten ausgestattet, umgehend zugegriffen, wenn sie gewusst hätten, das Acton auf dem Markt war. Dass der völlig unterirdisch spielt und nebenbei seine Linemates auch noch mit runter zieht, war so sicherlich in feinster Weise zu erwarten. Ich denke trotzdem, dass man da sehr vorsichtig sein sollte, wenn man nicht das komplette Bild hat, warum er nicht die erwartete Leistung bringt. Das er grundsätzlich ein richtig guter Eishockeyspieler ist, das hat er schon lange bewiesen. Jetzt muss der Coach eben herausfinden, was Acton daran hindert, seine volle Leistung abzurufen. Aber nochmal: Jeder hätte bei Acton zugegriffen.

    Die Leistung gestern: Ich würde der Mannschaft niemals das „Wollen“ absprechen, denn jeder hat sich gestern nach Möglichkeit gewehrt und versucht das Ding irgendwie zu gewinnen. Aber gestern ist eine funktionierende Mannschaft, die zusätzlich noch ein ziemlich ordentliches Powerplay spielt, auf eine Mannschaft getroffen, bei der im Moment – außer einigen wenigen Einzelaktionen – gar nichts funktioniert. Gefühlt hat das sehr viel mit Selbstvertrauen zu tun, aber woher soll das kommen ?! Ein zusätzlicher „schmutziger“ Sieg letzten Sonntag gegen Krefeld hätte da sicherlich nach dem „Drecks-Sieg“ in WOB geholfen. Aber so war das ein weiterer Nackenschlag.

    Trainer: Ich würde in der jetzigen Situation nur einen Trainer holen, wenn der eine mittelfristige Perspektive in NUE hätte. Eine weitere Interimslösung bringt gar nichts und verunsichert die Mannschaft nur noch weiter. Ich bleibe dabei: Die grundsätzliche Qualität ist vorhanden, irgendwann wird sich der Korken lösen … auch wenn es mit jeder Niederlage schwieriger wird, daran zu glauben.

    Sabo: Jetzt bitte keine Staatsaffaire aus einer emotionalen Geste machen. Der Mann lebt und leidet mit seinem Team und investiert zusätzlich unfassbar viel Geld. Wenn dann in so einer Situation mal eine „Dummheit“ passiert, dann ist das nicht toll, aber unterm Strich lässlich.

    Pföderl: Ich habe den Podcast von Sebastian gehört und mich doch sehr über die Worte von Wolfgang Gastier gewundert. In Zeiten sozialer Medien und rund um die Uhr Aktualisierungen ist die einzige Möglichkeit, offen zu kommunizieren. Jetzt heraus zögern und die Leute vertrösten, um dann irgendwann zu sagen „der Leo hat sich jetzt doch gegen uns entschieden“, das halte ich für schwierig (peinlich will ich jetzt nicht schreiben). Moderne Kommunikation geht anders …

    Und außerdem bin ich gestern so frustriert, wie seit vielen vielen Jahren nicht mehr aus der Arena marschiert. Hat sich wie eine Game-7 Niederlage angefühlt …

  8. Tja, es ist alles gesagt, erwähnt, kritisiert, festgestellt, bemängelt, erkannt usw. worden…
    ich würde nur einen einzigen Satz dazu sagen wollen…hoffentlich stimmt der im Englischen 🙂

    Now are the time for excuses are over!

    Für die Fans ist es schade, die haben „Ihre“ Jungs unterstützt wo es nur ging…, leider ohne Erfolg!
    Nun kann und muss man sich auf die DEL konzentrieren und kann keine Ausrede mehr von einer
    Doppelbelastung vorschieben!
    Mehr negatives möchte ich hier gar nicht schreiben, es bringt irgendwo nichts.., wenn man alles
    Gebetsmühlenhaft immer wieder und wieder wiederholt.
    Ich schreibe es jetzt mal ganz salopp…, jetzt heißt es für die Jungs Arschbacken (sorry) zusammenkneifen und in die Spur finden.
    Mich haben die letzten Heimspiele immer mehr angeko…t, aber trotzdem geh ich weiter in die Arena und hoffe das der Knoten sich schnellstens löst, mit wem oder wie auch immer ist mir echt hupe!
    Ich rede mir fest ein, das es noch eine gute Saison wird…(was nicht leicht ist…) und lassen wir die Köpfe nicht hängen!!!
    Auf geht´s…!

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