Spiel 2: Alalalalonde, alalalalonde

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Man kann dem Kölner Express nicht genug für den Neologismus „Schmuckrüpel“ danken. Eine mit Weitsicht gewählte Auszeichnung für eine Eishockey-Mannschaft, die damals noch ohne Brandon Prust gegen arg sensible Haie angetreten war und auch danach eher selten rüpelhaft auftrat. An diesem Sonntag im September aber hat es sich irgendwann so angefühlt, als seien sie wieder da, die Schmuckrüpel. Es war laut in der Arena, Jonas Müller, beinahe ein Goldheld von Pyeongchang, wurde leidenschaftlich ausgepfiffen, die Segal-Zwillinge verteilten Stockschläge, immer wenn es hitzig wurde, war der neueste Schmuckrüpel mittendrin und an der Bande stand ein Trainer, den Stockschläge wahnsinnig machen, der alles andere aber kaum unterbinden wird. Könnte schon sein, dass es in der 25. DEL-Saison nicht viel Spaß machen wird, in Nürnberg antreten zu müssen. Diese Liga braucht keine brutalen Fouls, keine Schauspieler und keine Psychopathen. Spektakel braucht sie schon. Davon hat dieses 4:3 gegen den Vizemeister schon erstaunlich viel geboten. Das ist natürlich noch reichlich unreflektiert. Mal sehen, ob das nach dem Klick besser wird.

Warm-up

  • Für beide Mannschaften ging es darum, ein bisschen Fehlstart zu vermeiden. Nürnberg kann nach dem 4:3 nun etwas entspannter nach Mannheim fahren und Ingolstadt empfangen.
  • Später wird Alanovs Spieldauerdisziplinarstrafe noch verhandelt, vorweg etwas zu Jonas Müller: Ich habe Moritz Seider noch immer nicht live gesehen, bis dahin bleibt Jonas Müller für mich Deutschlands begabtester Verteidiger. Und, ja, mir ist bewusst, dass Müller im November auch schon 23 wird. Die Geschichte, warum der Berliner im Sommer nicht von den Los Angeles Kings in die NHL geholt wurde, habe ich noch immer nicht gelesen oder gehört, noch nicht einmal bei #Hauptstadteishockey. Was mir aber überhaupt nicht gefällt, ist seine Neigung, übertrieben lange auf dem Eis liegen zu bleiben.  Das gefällt mir bei keinem Eishockeyspieler, es nervt, immer wieder mitzuleiden, um wenig später feststellen zu müssen, dass man verarscht wurde. Niemand braucht diesen Macho-Bullshit, selbst nach zweiten Gehirnerschütterung im selben selbstständig vom Eis fahren zu müssen. Natürlich darf man sich helfen lassen, Müller nehme ich das aber, auch nach seiner Einlage im sechsten Playoff-Halbfinale, erstmal nicht mehr ab. Und Respekt von seinen Kollegen bekommt er dafür auch nicht, weder in der DEL noch in der NHL. Das heißt nicht, dass die große Strafe gegen Alanov nicht angemessen war. Dazu später mehr.
  • Apropos: 13 Minuten Eiszeit gegen Düsseldorf, 12 Minuten in Augsburg. Sieht so aus, als würde Mannheim mit Seider alles richtig zu machen. Alles andere wäre auch beschämend gewesen.
  • Ich maße mir überhaupt nicht an, die Arbeit von Clement Jodoin zu beurteilen. Was man aber bereits nach diesen kurzweiligen 60 Minuten schreiben kann: Es würde mich doch sehr wundern, wenn er die Eisbären mit diesem Potenzial nicht ganz lange im Geschäft halten könnte. Ohne Busch, Hördler, Noebels, Oppenheimer und hoffentlich auch Braun hat das roh ausgesehen, zuweilen aber auch sehr ansehnlich. Nur zwei Beispiele: Brendan Ranford muss sich erst noch an diese seltsame Liga gewöhnen, wenn überhaupt fiel er mir nur durch schlechtes Positionsspiel, eine grandios vergebene Großchance (22. Minute) oder bedenkliche Körpersprache auf. Sein 4:3 aber war edel. Und der feine Pass kam von Colin Smith, der den Eisbären einen vierten spielstarken und ekligen Mittelstürmer gibt. Die Abwehr war schon beweglich und kann jetzt auch noch Mark Cundari bieten. Um Berlin muss man sich auch nach sechs Pflichtspielniederlagen in Folge keine Sorgen machen.
  • Durch Alanovs Spieldauer vertagt: die Diskussion um die Eiszeiten. Zunächst einmal also nur mein Unverständnis, warum Alanov nicht fest zur Rotation gehört. Negativ ist er mir bislang nicht aufgefallen. Im Gegenteil.
  • Milan Jurcina wird wohl kein Rasmus Dahlin mehr. Jurcina war übrigens auch noch nie leichtfüßig. Die Kritik an seinem Körperspiel halte ich hingegen für verfrüht. Wenn er seine Gegenspieler im Dezember immer noch so plump angeht, kann man darüber reden. Bislang ist es jedenfalls ein Vergnügen zu beobachten, wie gestandene DEL-Profis auf die Präsenz des Slowaken reagieren. An diesem Sonntag: Jamie MacQueen, der von Jurcina in die Bande gefahren wurde und der danach sicher jeden anderen Kontrahenten mindestens zur Rede gestellt hätte. An Jurcina ist er einfach vorbeigefahren.
  • An diesem geschützten Ort wird offen geschrieben, wir sind ja unter uns: Im September bin ich nicht immer in Playoff-Form, die Aussicht auf 52 DEL-Spiele bis zu den Playoffs finde ich nicht immer so aufregend. 2018 aber fühlt sich das alles anders an. Das liegt natürlich an der Europareise der Ice Tigers. Es liegt aber auch an dieser kleinen, aber sehr feinen Eishockeyberichterstattercommunity, an famosen Podcasts, an den Shorthanded News und an Thomas Hahn, der nicht nur dieses Blog durch grandiose Fotos, wie dem folgenden von Chris Browns 2:0, bereichert:

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Das Spiel

Einem zweiten möglichen Kritikpunkt an seiner Arbeit ist Kevin Gaudet bereits in seinem Beitrag zur Pressekonferenz zuvorgekommen. Dem Cheftrainer hat es nicht gefallen, wie sich die Ice Tigers in Schwenningen und gegen Berlin im Schlussdrittel präsentiert haben. „Wir haben nicht gegen die Pfaffenhoffen Indians gespielt“, stellte er danach noch in kleiner Runde fest. „Die Spieler denken daran, sicher zu spielen, schnell die Scheibe raus. Aber das ist nicht der Plan. Der Plan ist, das nächste Tor zu schießen.“ Die Ice Tigers, vielleicht zu sehr geprägt von Rob Wilson, vielleicht tatsächlich am Ende des sechsten Spiels mit überwiegend nur drei Sturmreihen ein wenig müde, hielten sich nicht an diesen Plan. Bemerkenswert waren in den letzten 20 Minuten nur Milan Jurcinas Pass auf Jason Bast. Kein Tor, keine Vorentscheidung. Vielleicht ist das aber auch gut so. In Schwenningen dürfte eine so routinierte Mannschaft erkannt haben, dass man so in der DEL nicht oft gewinnen wird. Und gegen Berlin hat der Auftritt im Schlussdrittel die Euphorie nach dem zuweilen mitreißenden zweiten Abschnitt wieder auf ein normales September-Maß gedämpft. Da hatten sich die Ice Tigers wie so oft in Unterzahl die Intensität auf Playoff-Niveau gearbeitet. Da hatte man gesehen, wie dynamisch diese Mannschaft Eishockey spielen kann. Da hatte man den Eindruck, dass da wieder eine echte Mannschaft zusammenwächst. Dass dabei das Power-Play, auch mangels Gelegenheiten, noch immer nicht funktioniert, dass es da im Abwehrverhalten zu Stellungsfehler und Unkonzentriertheiten kommt, ist normal und ebenfalls nicht nur schlecht. Irgendwas muss ja in den kommenden 50 Spielen noch passieren. Wobei allein die Arbeit an der Disziplin in der täglichen Arbeit viel Platz einnehmen wird. Denn nach dem glücklichen 1:0 durch Patrick Reimer und dem ob des Drucks angemessenen 2:0 durch Chris Brown waren es nur Strafen und Pech, die dieses Spiel überhaupt noch einmal spannend gestalteten. Den Rest übernahm der Neuzugang.

Das Interview

Erstes Spiel in Nürnberg, erstes Tor – ein ganz normaler Tag im Büro für Sie?
Shawn Lalonde: Sieht so aus. Es war ein schöner Spielzug, ich habe geschossen und drin war er. Wichtiger Sieg, bin glücklich hier zu sein.

Sie wurden letzte Woche Vater…
Lalonde: Ja, am letzten Freitag, ein kleines Mädchen.

Offensichtlich die ideale Vorbereitung für das erste Saisonspiel.
Lalonde: Offensichtlich. Sie sehen von zu Hause aus zu. Das ist etwas ganz Besonderes.

Sie spielen jetzt für die Mannschaft, gegen die Sie in den Playoffs nicht antreten dürften. Und Ihr erstes Spiel geht gegen ein weiteres Ex-Team. Das Eishockey-Geschäft ist sonderbar, oder?
Lalonde: Ja, es ist seltsam. Man kann offenbar nicht für immer am selben Ort arbeiten. Oder zumindest braucht man dazu viel Glück. Es ist schön, jetzt hier zu sein. Und es ist immer schön, gegen ein Ex-Team zu spielen.

Was war Ihr ursprünglicher Plan für den Sommer?
Lalonde: Ich war im März schon früh zu Hause. Ich habe viel Eishockey angeschaut, habe versucht, mein Spiel zu verbessern und habe hart gearbeitet.

Hatten Sie Angebote?
Lalonde: Ja, ich habe den ganzen Sommer über mit Teams gesprochen. Aber meine Frau durfte nicht mehr fliegen und die Geburt meines ersten Kinds wollte ich auch nicht verpassen. Nach der Geburt habe ich entschieden, das Angebot aus Nürnberg anzunehmen.

Von der Tribüne hat das nach einem Playoff-Spiel ausgesehen – im September. Wie war es auf dem Eis?
Lalonde: Das war schon so. Für ein erstes Spiel war es ziemlich hart – vor allem für meine Lungen. Es war gut, intensiv. Für uns ging es um den ersten Sieg, für Berlin auch.

Freuen Sie sich sehr auf das erste Spiel gegen Köln?
Lalonde: Tja, was da passiert ist, war nicht schön. Aber das wird nichts Besonders.

Der Moment

Müller hätte kaum so lange liegenbleiben müssen, okay. Aber natürlich kann man diese Szene als „Check gegen den Kopf“ werten. Interessanter ist doch ohnehin, was sich drumherum entwickelt. Die Ice Tigers (die Fans, Thomas Sabo, also: die Fans) fühlen sich benachteiligt – und zwar immer und andauernd. Natürlich gibt es dafür Gründe, allen voran DAS Schlittschuhtor und jüngst Spiel sechs gegen Berlin (und auch das Ungleichgewicht aus Strafen gegen und für die Ice Tigers unter der Anleitung von Rob Wilson), ich kann das auch verstehen, ich war ja dabei. Aber die Ice Tigers sollten nicht den Fehler machen, sich immer als Opfer zu inszenieren. Denn das sind sie nicht. Schon gar nicht an diesem Sonntag. Wer nach der Ankündigung der Liga und der prompten Umsetzung in der Pre-Season, Stockschläge konsequent zu bestrafen, es noch nicht immer nicht lassen kann, mit dem Stock nach Händen und Oberkörper zu schlagen, darf darüber immer wieder auf der Strafbank nachdenken (Weiß, Brown und Segal). Gegen Stockschläge vorzugehen, war übrigens nicht die Idee der DEL, aber natürlich darf man sich etwas, das in der NHL gut funktioniert, abschauen, aber das nur nebenbei. Von den Strafen gegen die Ice Tigers war allein Marcus Webers Beinstellen diskutabel, weil es so ausgesehen hat, als wäre Smith zuvor schon ausgerutscht. Und natürlich ist so manches Foul der Eisbären nicht geahndet worden, das gilt aber auch für weitere Stockschläge der Ice Tigers, gerade in der Schlussphase. Hoppe und Kopitz haben eine ordentliche Schiedsrichterleistung angeboten. Thomas Sabo hat übrigens dazugelernt. Nach dem 3:9 in Oulu hat er nicht über die Schiedsrichterleistung gesprochen, sondern von einem Lerneffekt für seine Mannschaft. Und auch Kevin Gaudet hat eine Woche, nachdem er das Klischee des stets benachteiligten Ice Tigers unterstützt hat, davon gesprochen, dass es ein Fehler sei, die Schuld bei den Schiedsrichtern zu suchen. Wer hingegen immer schreit, kann irgendwann nicht mehr ernst genommen werden.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Three Stars

Es wird wilde Spiele von Shawn Lalonde geben. Er wird sich dumme Fouls leisten und waghalsige Vorstöße. Sonst wäre er kaum Shawn Lalonde. In seinem ersten Spiel aber hat er den guten Shawn Lalonde aufs Eis geschickt, den Lalonde, dessen Schüsse fast durchweg gefährlich waren, den Lalonde, der für seine Mitspieler einsteht, den Lalonde, der immer das ist, wo es brennt und wenn er das Feuer dafür selbst legen muss. Dieser Lalonde ist ein geiler Spieler, selbst wenn er mit den Schlägern eines Kollegen spielen muss, weil es den Kölner Haien noch nicht möglich war, seine Schläger nach Nürnberg zu schicken (wobei ich zu fragen verpasst habe, warum das überhaupt nötig war).

Tim Bender war aktiv, hat die Ice Tigers immer wieder schnell befreit, es wäre bedauerlich, wenn er seinen Platz in der Power-Play-Formation verlöre, weil Lalonde die erste Formation bereichert. Vor allem aber wurden ihm drei Assists gutgeschrieben. Beinahe hätte Bender am kommenden Freitag in seiner Heimatstadt Mnnhm mit dem Topscorer-Helm auflaufen dürfen.

Foto: Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Der Mann, der verhindert hat, heißt Chris Brown und wird trotzdem hier nicht aufgeführt. Natürlich macht die Nummer elf Spaß, natürlich rumpelt er ganz wunderbar die Banden entlang und natürlich hat er gegen Berlin zwei Tore geschossen. Erwähnt werden muss aber vor allem noch Niklas Treutle, weil man nicht dazu übergehen darf, solche Leistungen als normal hinzunehmen. Dass er nun schon zum zweiten Mal drei Tore hat hinnehmen müssen, wird ihn selbst am meisten ärgern, aber auch in diesen Spiel hat er gezeigt, zu welch außergewöhnlichem Torhüter er sich entwickelt hat. Bemerkenswert ist vor allem, dass Treutle auch in der schnellen Seitwärtsbewegung stets die Kontrolle behält. Treutle schmeißt sich nicht in der Hoffnung, dass der Puck gegen seine Schoner prallt. Treutle weiß meistens ziemlich genau, wo der Puck ist, kann oftmals noch mit der Fanghand oder mit seiner Kelle reagieren. Auf seiner eigenen bis 10 reichenden Skala waren das allenfalls sechs Treutle. Aber selbst mit sechs Treutle haben die Ice Tigers jede Chance auf den Sieg.

Und sonst?

Ist es beschämend für den DFB und die Mnnschft, wie einfach es in diesen Tagen ist, das Richtige zu tun. Jüngstes Beispiel: der großartige Basti Doreth und die Basketballnationalmannschaft. #wirsindmehr

Und noch ein Interview mit Nürnbergs finest (dass wir „Leute, die das anders sehen“ auch nicht in diesem bescheidenen Blog haben wollen, habe ich schon mehrfach geschrieben, es gilt aber mehr denn je).

7 Kommentare in “Spiel 2: Alalalalonde, alalalalonde

  1. Hallo,

    hach, endlich wieder DEL – Hockey und DER DEL – Blog ist auch wieder am Start.
    Danke Sebastian & Co.

    Geiles Spiel im September!
    Technisches Highlight war für mich die Aktion von Smith und Ranford vs. Aronson und Treutle… fein gespielt!
    Emotionales Highlight war das Tor von Reimer, der endlich wieder ein Tor gemacht hat. Hoffe, das hilft unserem Capitano zu einem guten Saisonstart.

    Ansonsten ist vieles gut, starker Kader. Die Frage wird bleiben, ob die Coaches und das Team es schaffen, die Stimmung oben zu halten wenn es mal nicht läuft. Ein paar als schwierig geltende Kandidaten haben wir ja an Bord. Wenn das gelingt ist das Halbfinale zumindest auf dem Papier und nach den ersten eindrücken erreichbar.

    Warum wir bei dem schmalen Kader zumindest in Schwenningen den Jüngeren nicht mehr Eiszeit gegeben haben, ist mir unklar. Hoffe zwar auf Besserung, wenn Fox, Gilbert & Co. wieder an Bord sind wird das aber noch schwieriger für die jungen Wilden… Schade.

    Fazit: Das Spiel macht Lust auf mehr, freue mich schon auf die nächsten Spiele

    Gruß
    Stefan

    PS: Schiris haben für mich mit Vereinsbrille mit zweierlei Maß gepfiffen, Sheppard e.g. hat Treutle den Stock aus der Hand gedroschen (2. Drittel) und Brown irgendwann kurz vor dem Ende mit einem Crosscheck niedergestreckt. Allerdings ist er seit der Aktion vs. Fox eh unten durch bei mir.
    Aktion Alanov/Müller war im toten Winkel…

  2. Ich habe es in der letzten Saison mehrmals im Freundeskreis gesagt, dass die Eisbären in der Saison 17-18 weit über ihrem wahren Leistungsvermögen gespielt haben, die haben letztes Jahr eine Welle geritten, die sich so einfach nicht wiederholen lassen wird. Bei denen sind letztes Jahr, vor allem in den PlayOff, viele Scheiben zu ihren Gunsten gesprungen. Und ich bin eher skeptisch, ob sich dieses „Wintermärchen“ in der Form reproduzieren lässt.
    Vielleicht bemerkt man auch, dass die Arbeit, die Uwe Krupp da geleistet hat, doch nicht so schlecht war, wie sie im Nachgang von Richer & Co gemacht wurde. Die Eisbären sind ein Top-6 Team, aber kein Top-3 Team. Und ob dann die Eisbären in Vollbesetzung gegen eine IceTigers Mannschaft mit Mebus, Gilbert und Fox mithalten könnte, muss erst bewiesen werden.
    Vielleicht liege ich da mit meiner Einschätzung daneben, aber alleine gestern (auch wenn es erst der 2. Spieltag war), hatten die Eisbären über 40 Minuten keinen Zugriff auf das Spiel und waren in nahezu allen Belangen unterlegen.

    Zu den Schiedsrichtern: Nein, ich rege mich nicht über die Strafen auf, die gegen Nürnberg gepfiffen wurden (bei Aldanov hätten 2+2 sicherlich auch ausgereicht). Ich rege mich darüber auf, das vergleichbare Situationen permanent unterschiedlich bewertet werden. So kleinlich wie gestern phasenweise gepfiffen wurde, reicht es alleine eine Game-Cam auf James Sheppard zu richten. Alleine der wäre gestern bei gleicher Auslegung dreimal draussen gewesen. Aber in Zeiten, in denen es offenbar wichtiger ist, sich zwischen Bloggern rosarote Komplimentchen hin und her zu posten, als auch mal kritische Positionen zu beziehen, muss man das als Leser vermutlich aushalten.

    Zu den IceTigers: Die Mannschaft scheint zu leben. Bedingt durch den Fokus auf die CHL sind die IceTigers bereits sehr früh in einer sehr ordentlichen Form. Lediglich die sehr kurze Bank, die Gaudet zu bevorzugen scheint, macht mir auf Sicht eher Sorgen. Wir haben gestern 30 Minuten mit zweieinhalb Reihen gespielt. Für mich war Chris Brown gestern der überragende Spieler auf dem Eis. Jedesmal wenn der spielt ist beim Gegner Alarm angesagt: Entweder es wird sehr gefährlich oder es geht dem Gegner unter die Haut. Dazu technisch brauchbar, ordentliches Skating, überragende Physis und keine Angst. So einer hat uns letztes Jahr in den PlayOff gefehlt. Generell hat mir gestern Reimer in Verbindung mit Brown und Buck sehr gut gefallen, wesentlich besser als Leo Pföderl.
    Pföderl hat scheinbar noch Probleme seine Rolle in dem Gefüge zu finden. Das wird dann hoffentlich besser, wenn Acton seine Form gefunden hat.

    Alles in allem ein gelungener Sonntag Nachmittag.

    • Lieber Klaus, Du weißt, dass ich schätze, dass hier wenigstens einer bereit ist, kontroverse Postionen zu beziehen. Allerdings kann ich Dir erst jetzt, nachdem ich mir erklären habe lassen, was du mit den rosaroten Komplimentchen gemeint haben könntest, antworten. Du glaubst also, dass ich hier die Schiedsrichter nur nicht kritisiere, um es mir mit Bloggern aus Berlin nicht zu verscherzen? Stattdessen verscherze ich es mir also lieber mit der traditionell schiedsrichterkritischen Nürnberger Fanschaft, aus der sich noch immer der Großteil meiner Leser generiert? Eine interessante Interpretation, zumal anhand eines Beispiels, in dem ich auf das zunehmende embellishment Jonas Müllers eingehe.
      Aber, wie so oft, gebe ich Dir trotzdem Recht. Es nervt, wie wir uns gegenseitig feiern. Ich werde versuchen, das künftig zu vermeiden. Im Falle der Shorthanded News wird mir das schwerfallen.

  3. Das war eine ansprechende Leistung der Ice Tigers in den Dritteln 1 und 2. Im Schlussdrittel war man verstärkt in der passiven Rolle gegen an diesem Tag eigentlich harmlose Berliner. Der Verlust von Vehanen, Noebels und Petersen setzt ihnen scheinbar mehr zu als erwartet, dürfte eine schwere Saison werden. Das 4:3 von Ranford war trotzdem schon etwas höhere Kunst.

    Gaudet, will er langfristig in der DEL angestellt sein, sollte ziemlich bald die junge, vierte Reihe mehr in das Spiel mit einbinden, ansonsten geht das Team ab Januar spätestens am Stock und eine Verletztenmisere oder leeres Team könnte in den PO folgen auch wenn ihm der „Erfolg“ derzeit natürlich recht gibt. Mal schauen wie es aussieht, wenn alle wieder fit sind.
    Was für mich aber jetzt schon feststeht ist, dass dieses Team nochmal an Charakter hinzugewonnen hat. Mit Brown und Bast hat man nochmals Arbeitstiere geholt und Lalonde zeigte gleich im ersten Spiel, dass er für seine Kameraden da ist wenn es mal dreckiger wird. Das könnte eines dieser vielen kleinen Puzzleteile sein, die darüber entscheiden wer am Ende mindestens einen der beiden Henkelpötte in die Höhe stemmt.
    Pföderl wird wie Acton hoffentlich bald starten und auch verlängern – das dürfte für Martin die wichtigeste Personalie bereits jetzt sein.

    Die Refs betreffend fand ich es im Vergleich zur CHL einfach wieder erschreckend wie oft bei einem Bully eingegriffen wird. Dazu hatte ich zeitweise in Drittel 1 und 2 das Gefühl, dass den Herren Kopitz und Hoppe das Spiel entgleitet. Bei Alanov bin ich immer noch der Meinung, dass es ein unglücklicher Unfall war und hier 2+2 genügt hätten. Dazu waren einige Sachen dabei, die man nach dem neuen Regelbuch dieser Liga eigentlich pfeifen hätte müssen, z.B. der Late-Hit an Reimer.

    Kann mir hier jemand kurz sagen, warum Sabo beim Pregame Interview gegen die DEL loderte? Hab da nicht alles verstanden.

    • Das wäre auch schwer zu verstehen gewesen, selbst wenn man Sabo besser hätte verstehen können. Die Grundlage seiner Kritik ist öffentlich nicht bekannt – und wird es wohl auch nicht werden.

  4. Hallo Sebastian, das ist dann doch deutlich zu vereinfacht dargestellt. Meine „Kritik“ bezieht sich in diesem Fall nicht spezifisch auf die – in meinen Augen – falsche Wertung der Schiedsrichter Leistung am Sonntag. Das wäre zu billig, zu einfach und zu kurz gesprungen.
    Vielmehr fällt es mir als interessiertem Beobachter (und mehr bin ich nicht) zunehmend auf, wie eine „Mini-Szene“ (entschuldige den Begriff, aber mir fällt auch keine griffigere Formulierung ein) sich permanent selbst feiert und nur noch in Superlativen schreibt („denkt“ schreibe ich jetzt bewusst nicht): Excellent, großartig, unvergleichbar, Weltklasse, überragend sind nur einige, wenige Begriffe, die ich da vermehrt wahrnehme. Ehrlicherweise: Das nervt, wenn es zur Regel wird und genau auf dem Weg ist das Ganze. Etwas mehr „Normalität“ und Bodenhaftung anstatt verstärkter Überhöhung würde dem gut zu Gesicht stehen. Und genau in diese Haltung, interpretiere ich gerade so einiges, was geschrieben und gesprochen wird.
    Grundsätzlich weißt Du, dass ich gerne kontrovers diskutiere und mich nicht immer der Mehrheitsmeinung anschließe, nur weil es die Mehrheitsmeinung ist.
    Wenn Du das nächste mal unklar bist, was ich meine, bzw wie meine Posts zu verstehen sind, kannst Du mich gerne direkt fragen, du kennst die Kanäle.

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