Spiel fünf: Heart-Attack-Hockey

Foto: Thomas Hahn/Zink

Irgendwann hatte man so etwas doch schon einmal erlebt. Diese Spannung, diese Emotionen, diese großen Dummheiten, diesen großen Sport, diese Lautstärke, dieses Beben, das war doch nicht neu. Das gab es in Nürnberg doch schon einmal. Aber wann? Und wo? Ja, antwortete der Mann, der mein sechs Jahre altes Ich glücklicherweise nicht zum Fußball, zum Volleyball oder irgendeiner anderen sicherlich großartigen Sportart genommen hat, sondern zum Eishockey. „1999. Im Linde-Stadion.“ Und natürlich hatte er da Recht. Vor 20 Jahren hat Nürnberg schon einmal solche Eishockey-Spiele erlebt und je mehr Zeit seit dem goldenen Frühjahr ins Land gegangen ist, desto mehr konnte man daran zweifeln, dass man so etwas noch einmal erleben dürfe. Und plötzlich war da dieses fünfte Viertelfinalspiel zwischen den Ice Tigers und den Kölner Haien, plötzlich war da wieder diese Atmosphäre, dieses Gefühl, am Rande einer Schlacht zu stehen. Großartig. Ich freue mich auf diesen Blog-Eintrag. Es ist 0.33 Uhr. Lasst uns Spaß haben.

Warm-up

  • Irgendwann schien sich das Chaos wieder aufzulösen. Die Frau eines sehr bekannten Spielers der Ice Tigers hatte ihr sehr großes Auto aus dem Weg manövriert. Der Shuttle-Bus rollte langsam voran, im Innenraum jubelten die Holzmenschen. Die Eishockeymenschen versuchten danach, ihre Fahrzeuge wieder in eine Reihe zu bringen. Nur dieser weiße Mercedes drängte sich vor, ließ die Polos und Astras nicht wieder einscheren. Die Beschimpfungen (irgendwas mit Bonze) lagen bereit, das Fenster der Beifahrertür war heruntergefahren, da erkannte ich im letzten Moment doch noch, wer da am Steuer saß: der Mann, der das Nürnberger Profi-Eishockey gerettet, vor neun Jahren keine Lust mehr hatte, das Minus der Ice Tigers auszugleichen. Ich habe dann das Fenster wieder hochgefahren. Schwach, ich weiß. Noch dazu dachte ich, dass es sehr viel hitziger als auf diesem Parkplatz kaum werden könne. Glücklicherweise habe ich mich getäuscht.
  • Nur, wo soll man da anfangen? Sehr viel mehr umstrittene, großartige, lächerliche Momente dürften sich die Kollegen in Moskau am Abend zuvor auch nicht notiert haben. Und dieses Spiel hat noch einmal 82 Minuten länger gedauert. In Nürnberg hätte nur eine Verlängerung ernsthafte gesundheitliche Folgen haben können.

  • Vorher aber noch ein Wort zu den Grizzlys Wolfsburg: Sein Werk bleibt unvollendet, Pavel Gross wird der DEL als Trainer der Adler Mannheim weiterhin auf die Nerven gehen. Was seine Mannschaft aber in vier von fünf Spielen geleistet hat, war ganz großes Eishockey. Irgendwann wird man fragen müssen, warum immer wieder gar so viele Wolfsburger in den Playoffs angeschlagen oder verletzt waren, vorerst aber bleibt der Eindruck eines Teams, das so schwer zu besiegen war wie kein zweites in dieser Liga.
  • Womit wir bei den Haien wären: Dieses ständige Attackieren von Niklas Treutle, dieses Nachstochern nach Schlenzern aus zehn Metern, die der Nürnberger Torhüter schon zwei Sekunden zuvor locker mit der Fanghand weggefischt hatte, dieses plumpe Provozieren nervt. Darüberhinaus aber ist Kölns Kampfgeist beeindruckend. Nachdem Alexander Sulzer im zweiten Drittel geduscht zwischen den Bänken auftauchte, hatte Peter Draisaitl nur noch fünf Verteidiger zur Verfügung (Corey Potter schien nach einem Zweikampf im ersten Drittel ebenfalls angeschlagen zu sein). Von drei der besten fünf Offensivverteidigern der Liga bleibt nur noch Christian Ehrhoff übrig. Die Haie aber spreizten sich in dieses Spiel, das die Ice Tigers früher hätten entscheiden müssen. Nüchtern betrachtet wäre ein Aus im Viertelfinale für beide Klubs eine Enttäuschung. Die Häme, die hingerotzten Facebook-Kommentare, die zugespitzten Schlagzeilen aber haben sie beide spätestens nach diesem fünften Spiel nicht verdient.
  • 3:2 nach Toren, 3:2 nach Siegen – Nürnberg hat die Führung übernommen. Haben die Ice Tigers auch das Momentum übernommen? „Nein“, antwortete Rob Wilson, „denn wenn du glaubst, dass du das Momentum hast, bist du sofort in Schwierigkeiten. Wir haben noch nichts erreicht. Genau das habe ich gerade den Spielern gesagt. Great job, aber kommt ja nicht auf die Idee, euch auf die Schultern zu klopfen. Ihr spielt gegen eine großartige Mannschaft. Es ist ein Krieg. Am Sonntag geht er weiter.“
  • Die Ice Tigers scheinen zum ersten Mal seit langer Zeit im Frühjahr Glück zu haben (klopft auf den Holztisch). Milan Jurcina und Colten Teubert fehlen, noch können das Weber, Mebus, Köppchen und, wenn er denn darf, auch Nichlas Torp kompensieren. Im Angriff aber hat Wilson die volle Auswahl. Bis auf Reinprecht und Reimer (zumindest bis Spiel vier) wirkt niemand angeschlagen. Das ist ein ungewohnter Luxus in Nürnberg.
  • David Steckel hat mehr Bullys verloren als er gewonnen hat (eines!). Und doch machte der US-Amerikaner einen weitaus besseren Eindruck. Steckel wirkte spritziger, war nachweislich torgefährlicher – sein bester Playoff-Auftritt bislang.
  • Und auch Patrick Reimer spielte sehr ordentlich, nahm wieder Laufduelle an, gewann sie meistens, wirkte gelöster – noch aber beeindruckt die einstmals beste Reihe der Liga vor allem durch ihr Zwei-Wege-Spiel und in Unterzahl. Offensiv aber hat das schon wieder sehr viel besser ausgesehen als noch zu Beginn der Serie.
  • No comment. Rob Wilson hatte zum Flaschenwurf seines Trainerkollegen Mike Flanagan nichts zu sagen. Gab es ja eigentlich auch nicht. Egal, was zuvor passiert sein mag: Flanagan hätte das niemals passieren dürfen. Das war dumm, sinnlos und auch nicht durch die Intensität des Moments zu verharmlosen. Aber was Wilson danach aber noch über #bottlegate erzählte, als er sich sicher war, dass kein Smartphone mehr seine Sätze aufzeichnete, war durchaus erhellend. Schon klar, das ist albern und hat etwas von diesem unerträglichen Ich-weiß-was-und-ihr-nicht-Gehabe an sich. Pardon. Aber auszudrücken, wie sehr Wilson Eishockey ist, das ist mir dann doch noch ein Anliegen. Aber selbst auf der Co-Trainer-Position sind diese Ice Tigers gut besetzt. Martin Jiranek wird übernehmen, so lange es nötig ist.
  • Weil der Kollege Michael Fischer so freundlich war, diesen Spielbericht zu verfassen, hatte ich Zeit, mich ein wenig mehr auf Twitter herumzutrollen (pun intended). Das hat mir und meinen Tweets nicht ausschließlich gutgetan, aber eben auch großen Spaß gemacht. Vielen Dank auch an @grobi_grobsen, der, wie so oft, mit vielem Recht hatte – umso erstaunlicher, dass der Hashtag #jammerjournalismisbestjournalism nicht hart trendete.
  • Nach Spiel vier gab es hier keinen Eintrag, weil ich nicht in Köln war. Das hätte man etwas offensiver kommunizieren können, noch ein Pardon. Es wird in diesen Playoffs aber auch nicht mehr vorkommen. Am Sonntag werden der Kollege Jennemann und ich wieder direkt aus der Martin-Rütter-Arena berichten.
  • But now for something completely different: Eishockey.

Das Spiel

Natürlich hätten die Ice Tigers dieses Spiel früher entscheiden müssen. Zum Beispiel in den erstaunlich ordentlich vier Minuten Power-Play (25. bis 29. Minute); zum Beispiel durch Dane Fox (Pfosten, 42. Minute), Steven Reinprecht (Rückgabe, 46. Minute) oder Patrick Reimer (daneben, 55. Minute). Dieses 3:2 aber bestätigte letztlich ein weiteres Mal, was Wilson und alle Spieler immer wieder wiederholen. Wie stark Köln vor der Saison eingeschätzt worden war, wie stark die Haie immer noch sind, wie hart und lang diese Serie werden würde. Denn natürlich hätte auch dieses fünfte Spiel genauso gut andersherum ausgehen können, zum Beispiel, wenn der auffällige TJ Mulock auch seine drei weiteren Großchancen so eiskalt genutzt hätte, wie jenen Konter in der 29. Minute; zum Beispiel, wenn Christian Ehrhoff gegen Ende des zweiten Drittels nicht an Pfosten gezielt hätte; zum Beispiel, wenn Moritz Müller nicht Ben Hanowskis Schlittschuh, sondern ins Tor getroffen hätte (55. Minute); zum Beispiel, wenn sich Niklas Treutle nicht ein weiters Mal gesteigert hätte. Treutles einziges Problem waren bislang die Leistungen seines Gegenübers. Nach den jüngsten beiden Partien scheint nun Gustaf Wesslau dieses Problem zu haben. War einer der drei Nürnberger Treffer haltbar? Natürlich, potenziell ist jeder Schuss ist haltbar. Hat Wesslau Fehler gemacht? Keinesfalls. Dane Fox‘ 1:0 war das Resultat eines denkbar schnellen, harten und präzisen Schusses, bei seinem 2:0 nutzte David Steckel den Winkel perfekt und Yasin Ehliz‘ 3:1 war das Ergebnis eines wunderbaren Spielzugs. Drumherum zeigten die Ice Tigers ihr bestes Playoff-Spiel bislang, erlaubten sich nur wenige Fehler (Patrick Köppchen Vorstoß vor Mulocks 2:1, Marcus Webers Verhalten beim 2-1-Konter – beim von Ehrhoff famos vorbereiteten 3:2 getraue ich mich nicht, irgendjemandem die Schuld zu geben) und verteidigten erneut sehr souverän in der Schlussphase und in der langen Unterzahl. Abschließend: Haie und Ice Tigers haben es an diesem Abend verpasst, Geschichte zu schreiben. Noch nie in der Geschichte der DEL gab es in einer Playoff-Serie fünf Auswärtssiege in Folge. Vorerst bleibt das auch so.

Der Moment

Weil das vielen Menschen offenbar noch immer nicht bewusst ist: die Schiedsrichterei ist ein harter und undankbarer Job – in nahezu jeder Sportart. Und dass es mir selbst nach drei Wiederholungen nicht gelungen ist, festzustellen, ob Brett Festerling in der 14. Minute von Alexander Sulzers Schlägerspitze, von Ben Hanowskis Stockende oder gar von Patrick Buzas Kelle getroffen wurde, konterkariert die nachfolgende Kritik. Dessen bin ich mir bewusst. Marc Iwert, Sirko Hunnius und die DEL aber können sich bei Treutle, den Ice Tigers und Ryan Jones bedanken, dass Nürnberg und nicht Köln dieses Spiel gewonnen hat. Denn wie hätten die Schiedsrichter rechtfertigen wollen, dass sie nicht auf Penalty entschieden haben, als Sebastian Uvira den von John Mitchell unter Wesslaus Schienen hervorgestocherten Puck an sich zog und unter seinen Handschuhen verbarg? Weniger spielentscheidend, wenngleich sehr seltsam: die letzten zehn Sekunden des ersten Drittels, als nahezu alle Feldspieler samt Torhüter Treutle im Nünberger Torraum lagen, der daneben stehende Schiedsrichter aber offenbar trotzdem zu jeder Sekunde den Puck im Blick hatte und deshalb nicht abpfiff. Nicht mehr als ein Fehler, womöglich aber ein bezeichnender: Als ein Linienrichter aufgeregt too many men anzeigte, weil es ein Kölner Feldspieler gewagt hatte, für Wesslau aufs Eis zu springen. Dass die Schiedsrichterleistungen bislang in dieser Serie glücklicherweise keine große Rolle spielten, das lag nicht allein an den Schiedsrichtern selbst. Das lag auch am Glück.

Das Interview (präsentiert von Oliver Winkler und Michael Fischer)

3:2 in Spiel fünf gegen Köln, 3:2 auch in der Serie. Ihr Fazit, Herr Treutle?
Niklas Treutle: Das Spiel war ähnlich wie alle anderen in dieser Serie. Aber wir haben ein paar Sachen schlauer gemacht als zuvor. Nach dem 2:0 hat man aber gesehen, dass es gefährlich werden kann, wenn wir unser Powerplay nicht nutzen, dann haben die Kölner so viel individuelle Klasse, dass sie jederzeit schnell zwei Tore machen können. Aber insgesamt haben wir alles besser gemacht, keine kleinen Fehler mehr – deswegen fahren wir mit einem 3:2 nach Köln.

Was haben Sie sich gedacht, als Dane Fox vier Minuten vor Schluss eine 2+2-Strafe bekommen hat?
Treutle: Das war natürlich ganz ärgerlich, aber ich habe es in dem Moment nicht richtig mitbekommen. Ich habe auch nicht gewusst, dass er (Bill Thomas) geblutet hat.

Wolfgang Gastner hat Sie zuletzt gefragt, was passieren muss, damit Sie heute gewinnen. Was muss denn passieren, dass die Ice Tigers am Sonntag gewinnen?
Treutle: (lacht) Das ist nicht so schwer. Wir haben dieses Jahr noch kein Spiel in Köln verloren. Die stehen jetzt mit dem Rücken zur Wand und haben den Druck. Wir spielen gerne dort, sind die bessere Mannschaft, haben mehr Energie, sind kämpferisch und im Fünf gegen Fünf besser. Und wir haben aus den ersten Spielen gelernt.

Die Ice Tigers haben schnell mit 2:0 geführt, dann später aber kurzzeitig die Kontrolle verloren.
Treutle: Das ist ja die ganze Serie schon so. Wir haben zweimal Powerplay und treffen nicht, die Kölner hatten dann einige 2:1- und 3:2-Chancen. Das geht schnell, wenn man einen Spieler wie Ehrhoff an der Blauen Linie hat. Das sind immer nur ein paar Minuten, die ein Spiel aber entscheiden können.

Die Arena war zum zweiten Mal in den Playoffs ausverkauft. Was macht das mit einem Spieler?
Treutle: Das war überragend, ein tolles Gefühl. So eine Lautstärke wie heute kannte ich eigentlich bislang nur aus Iserlohn, es war ein richtiger Hexenkessel.

Hat die Mannschaft vor dem Spiel irgendetwas anders gemacht, um nicht wieder ein Heimspiel zu verlieren?
Treutle: Nein, gar nicht. Es war ja bisher auch immer so, dass es nur kleine Aussetzer waren, die Spiele entschieden haben. Köln hatte zudem oft brutales Scheibenglück. Aber wenn wir so weitermachen wie heute, dann gewinnen wir die Serie.

Hat der Trainer genau das auch der Mannschaft gesagt?
Treutle: Ja, wir waren ja eigentlich in jedem Drittel optisch überlegen. Der Trainer sagt dann, dass wir genauso weitermachen sollen, wir sind ja das ganze Jahr über schon ein unangenehmer Gegner, weil wir hinten wenig zulassen und vorne sehr viel Talent haben.

Nach der Niederlage in Spiel eins gab es viel Unruhe in der Stadt, viele Fans glaubten nicht mehr an die Mannschaft. Haben Sie das gemerkt?
Treutle: Nein. Als junger Spieler liest man bei solchen Diskussionen schon mit, aber das lernt man dann im Laufe einer Karriere und lässt es bleiben. Man wird ja viel beschimpft und merkt, dass es besser ist, das Handy wegzulegen. Wenn man gewinnt, wird man immer gelobt, wenn man verliert, wird man zerrissen, das ist ganz normal. Unsere Heimauftritte in den Playoffs waren natürlich etwas unglücklich, aber die Mannschaft weiß, wie stark sie ist und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Three Stars

Nach dem ersten Drittel konnte man sich nicht vorstellen, dass Dane Fox hier keine Erwähnung findet. Connor McDavids Mentor war auf so unverschämte Art torgefährlich, dass man sich in der Sportredaktion des Kölner Express gegenseitig mit den Mittelfingern auf die Schultern klopfte. Seine sechs Strafminuten aber ließen die Ice Tigers noch einmal gehörig und unnötig unter Druck geraten. Deshalb: kein Fox unter den Three Stars.

Die Enttäuschung ist ihm am Ende eines jeden Wechsels anzusehen, den er nicht mit einem Tor abschließt. Leo Pföderl hat Bock auf diese Playoffs – und er hat Bock auf die Tore anderer. Seine Vorlage zu Yasin Ehliz‘ 3:1 war überraschend, weil ja inzwischen jeder (Wesslau eingeschlossen) damit rechnet, dass er buchstäblich aus jeder Lage schießt, genauso, wie ihm Wilson das lange genug eingebläut hatte. Pföderl hatte aber auch darüberhinaus viele sehr, sehr gute Szenen.

Pföderl hatte Ehliz das Power-Play-Tor (fühlt sich seltsam an, dieses Wort im Zusammenhang mit den Ice Tigers) nur auflegen können, weil er von Tom Gilbert so grandios freigespielt worden war. Ein letztes Mal: Gilberts Punkterunde war gerade so nicht enttäuschend. In den Playoffs aber wird er von Spiel zu Spiel wertvoller. Sein Aufbau ist nahezu fehlerfrei, seine Ruhe am Puck ungemein wichtig für die Mannschaft, seine Akrobatik an der blauen Linie unerwartet beeindruckend.

Und nur weil der Torhüter an diesem Abend nicht fehlen darf, hat es Oliver Mebus nicht erneut in diese Kategorie geschafft (es ist beinahe erschreckend, dass der ehemalige Junghai sein Potenzial noch immer nicht ausgeschöpft hat – vor allem für alle Sportdirektoren und Manager, die im Sommer 2016 nicht erkannt hatten, welch Verteidiger da auf dem Markt war). Es war Niklas Treutle (noch ein ehemaliger Jung-Hai) selbst bei den Interviews nach dem Spiel anzusehen, wie viel Spaß er mittlerweile in diesen Playoffs hat. Der Nürnberger fühlt sich wohl, das ist seinem Stellungsspiel anzusehen und wirkt sich in der Selbstverständlichkeit aus, mit der er sich freien Schüssen (Mulock, Hanowski, Ehrhoff) entgegenstellt.

Und sonst?

Kam mir danach im Treppenhaus Ron McCool mit einem Kumpel entgegen, der Mann also, den die meisten trotz seines überragenden Namens als Twistman kennen. Kurzer Smalltalk, dann fällt das Wort, das solche Spiele immer noch am besten beschreibt: „heart-attack-hockey“. Herzattacken sind niemandem zu wünschen, jedem aber, solche Playoff-Partien live zu erleben. Gute Nacht.

9 Kommentare in “Spiel fünf: Heart-Attack-Hockey

  1. Wieder einmal ein treffender Blogtitel ;).
    Das war ein starker Auftritt der Ice Tigers mit dem man, so meine ich beobachtet zu haben, Köln geknackt hat. Die erwarteten Spieler hatten gestern alle eine ziemlich kurze Zündschnur und auch Müller – Kölns mentaler Anführer – wirkte das erste Mal angeknockt. Könnte morgen von großer Bedeutung werden, dass man es in den Kopf der Haie geschafft hat.
    Nach dem 2:1 hatte ich kurz bedenken, dass das Spiel kippt. Nürnberg am 3:0 sowas von dran und dann das Gegentor aus dem „Nichts“ , danach merkte man eine kurze Verunsicherung bis zum Powerplaytor(!). Das letzte Drittel war dann nichts für das Herz. Die fliegenden Klatschpappen und Jones Strafe haben dann aber zur Serienführung beigetragen.

    @Sebastian: gibt es Penalty nicht erst in den letzten 2 Minuten des Schlussdrittels? Da war aber glaub noch 2:37 auf der Uhr zu spielen. Wo ist Regelrick, wenn man ihn braucht? Über die Situation in den Schlusssekunden von Drittel 1 kann man nur den Kopf schütteln, aber evtl haben die beiden Refs auch schon ihren Urlaub gebucht und wollen kein Halbfinale pfeifen…;)

    Bei den 3 Stars geh ich mit. Gilbert enorm stark und wohl neben Wilson der wichtigste Baustein für „diesen“ Mebus.

    Morgen erwarte ich von Kölner Seite her ein dreckiges Spiel. Die werden alles probieren um Strafzeiten zu schinden um dann übers Powerplay zu kommen. Die vielen Icings gestern im ersten Drittel gegen Köln zeugten davon, dass ihr Plan A scheiterte.

    P.S.: Berlin wird angenehmer zu spielen 😉

  2. Morgen 19:30 beginnt die Vorbereitung aufs Halbfinale. Viel mehr gibt es da nicht mehr zu sagen.

  3. Hallo,

    gutes Spiel, guter Blog.

    Ich denke aber, die Euphorie ist ebenso wenig angebracht wie die Depression nach der Niederlage in Spiel 3. Sonntag wird Köln noch mehr mit dem Stock arbeiten (geht das?) und noch mehr Schauspielern. Selbstverständlich ist das Spiel noch nicht im Sack. Die Haie werden alles reinwerfen. Natürlich.

    Daher wird einiges von den Schiris abhängen, leider dem bislang schwächsten Quartett. Die 2+2 Strafe gegen Fox war von unserer Position nicht zu bewerten, die Aktion von Uvira (Puck mit der Hand im Torraum blockiert) allerdings dafür umso klarer. Und auch die Refs standen in guter Position…
    Die Aktion von Festerling wäre vermutlich im 3. Drittel gepfiffen worden. War aber auch von unserer Position nicht klar zu sehen. Alles in Allem wirkten die Schiris überfordert, auch die Verletzung (?) von Potter kam nicht von alleine zu Stande. Offensichtlich war es bei dem Chaos vor Treutle zum Ende des ersten Drittels.
    Wir sind gespannt.

    Gut gefallen hat mir gestern das Überzahlspiel. Schön, dass auch was auf die Anzeige kam. Sollte den Jungs diesbezüglich Auftrieb geben.

    Ehrhoff gestern mit gefühlten 50 Minuten Eiszeit und einem sensationellen Assist war imo der stärkste Spieler auf dem Eis. Bei den Tigers wären viele zu nennen, Mebus stark, Festerling, aber auch Pföderl oder Ehliz. In Summe ein verdienter Sieg der das Quäntchen besseren Mannschaft.

    Ich persönlich denke, dass wir uns am Dienstag noch mal in der Arena sehen. Dem Blogtitel folgend würde ich mir das aber gerne ersparen 🙂

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  4. Ich habe eine gute Leistung der Schiedsrichter gesehen. Ich kann hier nicht einordnen, was die Erwartungshaltung sein soll? Null Fehler in 60 umkämpften Minuten zweier starker Mannschaften? Das ist realitätsfern. Die Strafen gegen Fox waren eher seinem Übermut, der immer wieder durchbricht, geschuldet. Gut, dass uns Jones mit seine Strafe geholfen hat. Dagegen fand ich die Strafe gegen Boucher, die unser 3:1 ermöglicht hat, übertrieben. Alles immer eine Sache der Vereinsbrille. Beide Mannschaften provozieren, gehen mitunter auf den Torwart und zeigen auch immer wieder mal eine Theatralik, gehört aber dazu und empfinde ich weder als übertrieben noch als unsportlich. Insofern kann ich euer latentes Bashing der Kölner hier ebenfalls nicht nachvollziehen. Apropos unsportlich: das Werfen von Gegenständen hat uns wahrscheinlich beim überstehen der Strafzeit sehr geholfen und die Kölner eher gebremst. Aber Mund abwischen, ist ja nichts passiert. Wehe ein Gegner von uns hätte das gemacht…

  5. Zur Strafe von Fox: Ich habe mir die Szene jetzt nochmal in der Wiederholung angeschaut und ich bleibe dabei. In der Phase des Spiels für diese Aktion 2+2 zu geben, ist ein Witz. Der Kölner fährt mit gesenktem Kopf in den Zweikampf, wodurch sein Kopf etwa auf Schulterhöhe von Fox ist. Der Schläger von Fox war bis zum Zeitpunkt des Kontaktes dagegen zu keinem Zeitpunkt über Schulterhöhe. Dementsprechend, anhand der Definition im Regelbuch, kein hoher Stock. Dass es zum Kontakt kommt, also eher Schuld des Kölners, der mit gesenktem Kopf in den Zweikampf geht.

    Anschließend fliegt der Kölner dann mit dem Gesicht voraus ins Plexiglas. Sollte es also zu einer Verletzung gekommen sein (Ich habe nichts gesehen), kann der Schiri niemals entscheiden, ob die Verletzung durch den vermeintlichen „hohen Stock“ oder durch das Plexiglas kommt. Mit anderen Worten einfach mal auf Verdacht 2+2 gegeben.

  6. Hallo,
    treffende Blog-Überschrift. Genauso hab ich mich gefühlt, nachdem ich gestern gesundheitlich angeschlagen, als Zuschauer und nicht als „Blockwart“ vor Ort war.
    Ich finde es übrigens gut, dass unserer Trainer seit Spiel vier auf vier ausgeglichene Reihen mit vier
    starken Centern setzt. Nichts gegen Alanov, hat seine Sache bisher gut gemacht, doch mit Mitchell, Björkstrand und Buzas (als Kämpfer) und Möchel an der Seite von Steckel/Pföderl haben wir vier Reihen, welche immer gefährlich sind bzw. scoren können.
    Und das ist für jeden Gegner unangenehm… Ich fand diese Option schon bei Mitchells Verpflichtung interessant, noch mit Pohl und Pfleger, und hoffe es findet Fortsetzung.
    Daraus ergibt sich für mich ein fourth Star: Niklas Torp… ist da wenn er gebraucht wird, macht keinen Ärger, bringt sofort seine Leistung…ein Teamplayer für sein Team 👍👍👍 (würd ihn gerne nächstes Jahr wiedersehen).
    Die Vorzeichen stehen gut, aber wir sind noch lange nicht durch…
    …hoffentlich bis zum Halbfinale, ohne Herzattacken…😉

  7. Die Schiedsrichter haben dieser Serie tatsächlich noch nicht beeinflussen können. Das wäre beim gestrigen Spiel aber beinahe passiert. Die noch offene Frage ist, ob die Betroffenen diese Fehler absichtlich machen oder einfach zu schlecht sind, um auf so einem Niveau zu pfeifen. Wenn Nürnberg auch morgen souverän auftritt und Köln nicht mehr als zwei Tore machen lässt, werden die Schiedsrichter diese Serie tatsächlich auch nicht mehr beeinflussen können (ein Spiel sieben würden wir sowieso alle nervlich und gesundheitlich nicht mehr aushalten).

    Zu den Kölner Haien: Es ist zwar schön anzusehen, dass Köln sich nicht aufgibt und mit voller Elan dabei ist. Das man sich aber über alle Kleinigkeiten beschweren muss, um irgendwie zu rechtfertigen, dass auch diese Saison im Viertelfinale endet, ist lächerlich. Die Kölner Presse macht den Flaschen Wurf schon fast zum Attentat und wirft dem Nürnberger Publikum vor, das Spiel absichtlich zerstückelt zu haben. Nur wurden die Gegenstände aufs Eis geworfen, weil die Schiedsrichter nicht passend gepfiffen haben. Das als Grund zu nennen, warum Köln nicht mehr zum Ausgleich gekommen ist, hätte ich selbst der Kölner Presse nicht zugetraut. Es fehlt eigentlich nur noch, dass man sich über die Lautstärke und die Temperatur in der Nürnberger Arena beschwert. Aber das ist ja zum Glück für Köln nicht mehr interessant, da morgen Abend Schluss sein wird (hoffentlich).

  8. Gefühlt war diese Partie nach 30 min entschieden. Trotzdem wurde es total eng. Und so wird es auch in Spiel 6 werden. Die Haie geben alles und spielen wirklich über meinen Erwartungen.
    Auch wenn spielerisch bei den Haien bis zum 1:2 gefühlt nicht wirklich viel lief, haben sie den Anschluss gehalten und ihre Chance gehabt. Wie schon erwähnt durch intensive Zweikämpfe und Provokation mit der Aussicht, im wirklich starken PP zum Erfolg zu kommen.
    Nicht nur dort ist Ehrhoff Denker und Lenker. Wie Stefan geschrieben hat, der beste Spieler der Serie. Schon beeindruckend wie er Olympia zur Formsteigerung genutzt hat. Er war in der Hauptrunde schon besser als letzte Saison, aber in den Playoffs ist er wirklich klasse.

    Die Schusststatistik ist nicht so aussagekräftig. Die Ice Tigers haben bis ca. min 30 einen sehr guten Corsi Wert mit ca. 60% (auch begünstigt durch die beiden PP). Durch die vielen dump and chase auf Treutle haben die Haie nach dem 3:2 mehr Schüsse (30:12). Aber dabei sehr viele recht ungefährliche. Aber wie geschildert auch ein paar gute Chancen.

    Ich hoffe, dass am Sonntag die Ice Tigers als erstes Team 3 Tore erzielen. Die scheinen in der Serie ja für einen Sieg zu reichen. Sehr gespannt auf das Spiel…

  9. Ja Herr Böhm ich durfte es erleben diese einzigartige Atmosphäre diese Emotionen dieses Beben in der Äußeren Bayreuther Straße dieses leiden mit Tränen in den Augen mit diesem einzigartigen Team, das Herzblut -Leidenschaft –körperliche Präsenz und unbändigen Siegeswillen an den Tag legte, wie ich wahrscheinlich zu Lebzeiten nicht mehr erleben werde. Martin Jiranek sollte ein Buch über dieses Team und die Saison 98/99 schreiben. Ich gebe zu die Stimmung am Freitag erinnerte im Ansatz an diese großartige Stimmung im alten Linde Stadion. Man wurde auch durch den offenen Ausgang des Spiels und die merkwürdigen aber Gott sei Dank nicht spielentscheidenden Strafen der Schiedsrichter in die feurige Stimmung versetzt. Flaschenwurf tat sein übriges. Auch dieses Spiel wie alle davor wurde auf Augenhöhe geführt, es entscheiden in diesen Duellen Kleinigkeiten über den Spielausgang. Ich habe mich riesig über eine tolle geschlossene Teamleistung gefreut und vermag keine einzelnen Spieler beurteilen. Jeder im Team leistet Großartiges. Nun wir sollten das Momentum auf unserer Seite ist nutzen und in Köln vielleicht doch diese wirklich spannende Serie zu unseren Gunsten beenden. Ich hoffe auf morgen und drücke alle Daumen.

Kommentare geschlossen.