Spiel 52: Wie einst beim Wurmberg-Pokal

Foto: Thomas Hahn/Zink

Mit diesem Einstieg soll maßloser Alkoholgenuss keinesfalls verherrlicht werden. Im Gegenteil. Und vielleicht ist es auch nur Einbildung, dass Daniel Stolpes Handy geklingelt hat auf dem Weg zum Bahnhhof Deutz am viel zu frühen Morgen dieses 22. März 2006. Vielleicht war es der Wodka im Hotel Lux, dem ich diese schöne Geschichte zu verdanken habe. Vom ehemaligen Bundestrainer, der dem Journalisten von den Eishockey News dessen pointierte Berichterstattung verziehen hatte, und der ihm nur wenige Stunden nach dem 6:2 gegen die Ice Tigers und gefühlte Minuten nach der letzten Gurke am Tresen nicht vorenthalten wollte, wie das damals war – beim Wurmberg-Pokal. Spieler, Trainer, Fans, Berichterstatter – für jeden einzelnen fühlen sich Playoffs anders an. Von den vier traurigen Spielen im Viertelfinale 2006 ist mir nur noch dieses Kater erinnerlich und der Wurmberg-Pokal. Es wird Zeit, dass neue Erinnerungen hinzukommen.

Warm-up

  • Die Ice Tigers haben sich in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga, die zugleich ihre Geschichte in der Erstklassigkeit ist, sechs Mal 100 oder mehr Punkte erarbeitet:
Saison Spiele Punkte Schnitt Coach
1. 2007/2008 56 115 2,05 Laporte
2. 1998/1999 52 106 2,04 Ihnacak
3. 2001/2002 56 111 1,98 Murdoch
4. 2016/2017 52 102 1,96 Wilson
5. 2017/2018 52 100 1,92 Wilson
6. 2000/2001 56 103 1,84 Murdoch
  • Wir haben also soeben die fünfterfolgreichste Saison in der Geschichte der Ice Tigers erlebt. Und? Ab dem 13. oder dem 14. März spielt das keine Rolle mehr. Genauso wie es im März 2008 nach fünf Viertelfinalspielen keine Rolle mehr gespielt hat, dass es zuvor noch völlig illusorisch erschien, diese Ice Tigers in einer Playoff-Serie zu besiegen. Oder dass der ERC Ingolstadt im März 2014 noch als denkbar heterogene Mannschaft galt, die weit unter ihren Möglichkeiten geblieben war.
  • Die Frage, wie unterhaltsam 2017/2018 bislang war, ist natürlich zulässig. Auch wenn jeder darauf seine ganz eigene Antwort haben wird. Wer Freude an guten Torhüterleistungen hat, wird ebenso Spaß gehabt haben, wie die vielen Leo Pföderl-Fans und die immer mehr werdenden Oliver Mebus-Fans, oder jene überschaubare Gruppe Eishockey-Freunde, die ein Faible für die Hochphase der New Jersey Devils hat.
  • Mir persönlich hat es zu wenig gerumpelt, zu wenig gekracht, zu viele Spiele wurden verwaltet, zu wenige mit aller Euphorie beendet. Lange wirkten diese Ice Tigers, als blieben sie ganz bewusst unter ihren Möglichkeiten – und galten auch deshalb bei vielen Fachleuten als aussichtsreichster Herausforderer von Rasenball München. Dann begann das neue Jahr.
  • An diesem Sonntag kamen (zu den 19 Zählern, Frank hat zugegeben, sich um einen verzählt zu haben) noch einmal drei Punkte hinzu. Doch hat dieses 7:4 die Nerven von Thomas Sabo und vielen Nürnberger Playoff-Skeptikern beruhigt? Wohl kaum. Dabei fügt sich dieser Sieg gegen Straubing ganz wunderbar ein in die lange Liste seltsamer Partien am 52. Spieltag.
  • Rob Wilson hofft dass alle angeschlagenen Spieler zum Viertelfinalstart wieder gesund sind. Patrick Reimer wird sicher dabei sein, der Kapitän brauchte und bekam einfach nur eine Pause. Tom Gilbert wollte an diesem Sonntag schon wieder spielen, durfte aber nicht. Marius Möchel und Milan Jurcina erwähnte der Coach nicht, weshalb man davon ausgehen muss, dass es sich bei den beiden nicht nur um einen „little knock“ handeln könnte. Der slowakische Verteidiger soll aber wohl erst noch endgültig untersucht werden.
  • Brett Festerling war ebenfalls nicht ganz fit, man sah es dem Verteidiger auch immer mal wieder an, wenn er sich mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Angriff mit einschaltete.
  • Die Ice Tigers und die Haie sind sich in der Playoffs erst einmal begegnet (Wodka, Wurmbergpokal, you know). Moritz Müller, Philip Gogulla und Kai Hospelt aber waren damals schon dabei – vor zwölf Jahren. Aus dem traurigen Nürnberger Aufgebot von 2006 sind nur noch Aleksander Polaczek (Augsburg) und Uli Maurer (Schwenningen) aktiv. Auffällig ist noch der Name Gert Acker, allerdings nur, weil sein Bruder Eckhart Acker 2018 für die Ice Tigers als Athletiktrainer arbeitet.
  • Ja, die KölnArena, die wahrscheinlich schon lange nicht mehr KölnArena heißt, muss Geld verdienen. Trotzdem ist doch ganz bemerkenswert, wie es sein kann, dass in ihr im März an Eishockey-Abenden immer wieder Veranstaltungen stattfinden, die mit Eishockey wenig bis gar nichts zu tun haben. Am 16. März 2018, einem Freitag, zum Beispiel Martin Rütter, einem Mann, dessen Talent offenbar darin besteht, Gassi zu gehen. Die Haie gehen deshalb davon aus, dass ihr erstes Viertelfinalheimspiel am Donnerstag, den 15. März stattfindet – 24 Stunden nachdem die DEL den Beginn dieser Serie in Nürnberg angesetzt hat. Auf den 13. März können die Ice Tigers wiederum nicht ausweichen, weil in der Arena eine Musikkapelle namens Sunrise Avenue auftritt – die auch deshalb für diesen Termin vorgesehen wurde, weil die DEL für diesen Dienstag eben kein Playoff-Spiel vorgesehen hatte. Tja. Am Sonntagabend wurde noch verhandelt.

Das Spiel

Ganz ehrlich, allzu ernst nehmen sollte man dieses Spiel nicht. Zu viele Tore, zu viele Fehler, zu wenig Bedeutung. Die Tigers haben zwischendurch immer wieder vorgeführt, wie befreiend es sein kann, wenn es plötzlich um nichts mehr geht. Die Ice Tigers setzten derweil alles daran, doch nicht als statistisch defensivstärkste Mannschaft in die Playoffs zu gehen. Inkonsequentes Zweikampfverhalten vor Mike Zalewskis 6:4 (Taylor Aronson), ein präziser Fehlpass von Mike Zalewskis 6:3 (Patrick Köppchen), Nachlässigkeiten, Strafen. Eine talentiertere Mannschaft hätte an diesem Sonntagnachmittag nicht in Nürnberg verloren. Aber natürlich war nicht alles schlecht: Die zwei Treffer von Philippe Dupuis waren sehenswert und wichtig für das Selbstbewusstsein des Mittelstürmers. Leo Pföderl war stark. Und sieben Treffer haben allen gutgetan – den Spielern, den Fans und Thomas Sabo.

Foto: Thomas Hahn/Zink

Der Moment

David Steckel ist einer jener Spieler, die man meint genau zu kennen, denen es aber trotzdem immer wieder gelingt, einen zu überraschen. Zum Beispiel mit einem Spin-O-Rama in Unterzahl, das nur durch regelwidrigen Stockeinsatz gestoppt werden konnte. Coach Wilson deutete danach hilfsbereit auf den Videowürfel, auf dem André Schrader und Sirko Hunnius hätten erkennen können, was ihnen entgangen war. Natürlich ist es albern, sich nach einem 7:4 mit der Schiedsrichterleistung zu beschäftigen. Aber wirklich nach Playoff-Form hat das auch noch nicht ausgesehen, was die Herren in schwarz-weiß-gestreift da aufgeführt hatten. Entweder zu kleinlich oder zu großzügig, die Teams konnten sich kaum auf eine Linie einstellen. So durfte Max Renner Yasin Ehliz aus dem Spiel crosschecken, Dane Fox durfte sich ungestraft an Rudelbildung um Ehliz und Oblinger beteiligen, obwohl er zum Zeitpunkt der Eskalation nicht auf dem Eis stand. Und und und. Noch einmal, das alles spielte keine Rolle. Man will sich nur nicht vorstellen, wozu eine solche Leistung in einem wichtigen Spiel führen könnten.

Foto: Roland Fengler

Three Stars

18 Spiele in Folge hatte Philippe Dupuis nicht getroffen. Bei anderen Spielern wäre das kaum aufgefallen, Dupuis hingegen wurde zur Symbolfigur dieser müden Ice Tigers. Dupuis hatte so stark angefangen, dass man sich noch Anfang Januar über das miese Scouting von Team Canada wundern durfte, weil ein Dupuis in dieser Form doch einfach in Pyeongchang dabei sein musste. Dupuis aber war die Überbelastung anzusehen, Steckel hatte gefehlt, dann Reinprecht, in manchen Spielen schien Dupuis jedes bedeutende Bully zu nehmen. Natürlich war ihm das irgendwann anzusehen. An diesem Sonntagabend schien der alte Dupuis wieder zurück zu sein. Gegner waren zwar nur die Tigers aus Straubing, Dupuis‘ Spielfreude aber war ansteckend.

Foto: Roland Fengler

Für Leo Pföderl war es bedauerlich, dass ihm Marco Sturm nicht mehr Vertrauen geschenkt hat. Für die Ice Tigers war es ideal. Ihr Torjäger kam motiviert aus Südkorea zurück – und verhältnismäßig ausgeruht. Ja, Gegner waren nur die Straubing Tigers, Pföderl aber flog übers Eis, sein 3:1 war überragend. 2017 waren die Playoffs für Pföderl nach einem Drittel vorbei, 2018 scheint er noch etwas vor zu haben.

Patrick Bjorkstrand macht auch weiterhin einen guten Eindruck. Seine Power-Play-Formation wirkt erstaunlich gefährlich – vor allem, wenn bedenkt, dass sie für die Ice Tigers aktiv ist. Der Däne ist schnell, einsatz- und schussfreudig. Jesse Schultz und Rob Schremp haben uns auf unterschiedliche Weise gelehrt, neue Spieler nicht zu früh zu bewerten (, deshalb nur in Klammern: Bjorkstrand sieht so aus, als könnte er den Ice Tigers in den Playoffs helfen).

Yasin Ehliz (präsentiert von Michael Fischer)

Haben Sie die Kritik von Thomas Sabo aus der zweiten Drittelpause in Ingolstadt mitbekommen?
Yasin Ehliz: „Ja, bissl. War ein scheiß Tag für uns, ein beschissener Abend. Wir hätten noch mehr probieren können, es wäre nicht für uns gelaufen. Ingolstadt hat aber auch unglaublich starke Mannschaft.“

Im Viertelfinale geht es gegen Köln. Ihre Einschätzung?
Ehliz: „Naja, jedes Spiel ist schwer. Dann müssen wir halt die Kölner wegschießen.“

10 Kommentare in “Spiel 52: Wie einst beim Wurmberg-Pokal

  1. Das Thema des Abends war (nach der Suche nach dem Kontrahenten im Viertelfinale) wohl tatsächlich der Spieltermin des zweiten Spiels in Köln. Wie es sein kann, dass man aus dem vergangenen Jahr nichts gelernt hat, ist mir schleierhaft. Die Kölner Haie müssen gewusst haben, dass sie da möglicherweise ein Heimspiel haben. Umso interessanter ist aber, wie sich beide Mannschaften einigen. Wenn Nürnberg den Kölnern entgegenkommt, spielen wir kommenden Montagabend ( – kostet das Tickets?). Die Frage wird wohl sein, ob die Zuschauerzahl oder der sportliche Erfolg im Vordergrund steht. Zwei Spiele binnen 24 Stunden sind schon hart, im Vergleich zur National Hockey League aber irgendwie normal. Ich bin dafür, dass alles beim Alten bleibt: 14.März Heimspiel, 15. März Auswärtsspiel und 18. März Heimspiel.

  2. Bedeutungsloses Spiel gegen einen dezimierten Gegner. Ach ja die so bedeutungsvollen 3 Punkte nicht vergessen. Für mich war der Knockout in dieser Saison die fürchterliche Niederlage in Ingolstadt, die der gesamten Organisation einen großen Schaden zufügte. Das einzige Ziel was die Doppelrunde einigermaßen spannend machte (2 Platz und CHL Berechtigung) wurde in diesem entscheidenden Spiel aufgegeben, selbst leichtfertig ist nicht das passende Wort für dieses versagen. Aber der Niedergang in der Doppelrunde begann schon im November 2017 seitdem wurden nur noch mäßige Leistungen geboten (von Herzblut und Leidenschaft war nicht viel zu Sehen). Körperspiel scheint ein Fremdwort in dem Team zu sein. Natürlich kann man mich kritisieren und sich an dem (Bedeutungslosen) 3Platz erfreuen, aber was der Platz Wert ist wird sich jetzt in den beginnenden Playoffs zeigen. Ich gehe schon seit ein paar Tagen zum Eishockey, aber so ein Team wie mit Martin Jiranek 1998/99 werde ich zu Lebzeiten wohl nicht mehr erleben.

  3. Sebastian hat völlig recht, obwohl wir eine große robuste Mannschaft sind hat es viel zu wenig gerumst und gescheppert, ich glaube auch in dieser Saison hatten wir keinen einzigen richtigen Faustkampf ( Brandon we miss you )
    Auch haben wir glaube ich kein einziges Shorthanded Goal erzielt, oder?
    Ich weiß nicht, ob diese Mannschaft den Schalter in den Playoffs umlegen kann, ich habe meine Zweifel.
    Unser Powerplay Platz 12 der Liga reicht sicher nicht für großes, vielleicht wird das durch unseren Neuzugang ja doh etwas besser
    Platz 3 ist unter Berücksichtigung der Verletzten über die Saison eigentlich ok, aber bedeutungslos

  4. Das Spiel gestern war natürlich kein wirklicher Fingerzeig, wie die Mannschaft in den Play Offs auftreten wird. Positiv, dass man mal wieder ein paar mehr Tore schießen konnte. Das war es dann aber auch schon.
    Köln als Play Off Gegner ist mal wieder eine schöne Abwechslung. Traditionell gibt es gegen die Haie ja immer knappe Spiele. Ich habe das Gefühl, unter Draisaitl spielen die Haie noch defensiver. Daher sollten auch die Ice Tigers wieder zu defensiver Stabilität finden. Ein Problem könnten wirklich die Special Teams werden. In engen Spielen ist das doppelt wichtig.
    Gespannt bin ich, wer die AL-Streichungen werden. Ehrlich seh ich da momentan den von vielen erwarteten Fox nicht an erster Stelle. Er harmoniert einfach besser mit Dupuis und Segal, als alle anderen Versuche. Von der Effektivität und dem Grit seh ich momentan den Nutzen der Formation Fox – Dupuis – Segal als höher an, als die Formation Bjorkstrand – Mitchell – Pohl. Bjorkstrand und Mitchell harmonieren auch schon ziemlich gut. Aber ob das in engen Play Off Spielen dann so erfolgsversprechend ist?
    Persönlich würde ich daher mometan Bjorkstrand und Torp als überzählig ansehen.
    Der Eiertanz mit dem ersten Spiel in Köln ist natürlich ein unwürdiges Schauspiel. Hoffentlich gibt es da ne vernünftige Lösung.

  5. Wieder einmal ein netter Blogeintrag!
    Ich bin zwar erst seit ungefähr sechs Jahren beim Eishockey aber hab doch schon das ein oder andere gesehen. Was mich aber erst in dieser Saison richtig wundert ist, wie man mit einer derart abwartenden und defensiven Taktik auftreten kann, die der Gegner (IN) innerhalb von fünf Minuten durchschaut und die Pucks nur noch tief spielt. Warum wird die Taktik erst geändert, wenn das Schiff sowieso schon am Grund liegt? Dieser unbedeutende Platz drei kommt nicht von ungefähr. Irgendwann am Anfang hat unsere Taktik bestens funktioniert aber auch wie schon letzte Saison, ist Wilson´s Repertoire gegen Ende der Saison erschöpft und der Gegner hat seine Hausaufgaben bestens gemacht. Straubing war natürlich wieder der gelackmeierte. Denn wie konnte Pokel ahnen, dass sich die Nürnberger Jungs nicht an den Gameplan halten…

    Berichtigt mich bitte, wenn ich da falsch liege. Ich bin kein Taktikgenie.

  6. Für viele Zuschauer war das sicherlich ein schönes Spektakel. Ein Arbeitskollege erzählte heute Morgen, dass seine Kinder (erstmals live beim Eishockey) restlos begeistert waren. 11 Tore. Ein wenig Emotion mit Obi und Fox. Schöne Saves. War doch einiges geboten.

    Im ersten Drittel hatte man das Gefühl, dass es wie gegen Ingolstadt weitergehen könnte, wenn es unglücklich läuft. Gut, dass es anders lief. Einige Tore geschossen wurden, was für die Psyche sicherlich nicht so schlecht war. Vor allem für Dups und Segal, die vom Kopf besonders müde wirkten, war das sicher gut vor den PO.
    Doch die Abwehrleistung ist sicher eines der Fragezeichen in 2018. Da waren sehr viele Fehler. Auch wenn Köln jetzt nicht die Scoring-Truppe ist, sollte die Mannschaft da ab dem 14.03. anders zu Werke gehen.
    Das Feuer (da gebe ich @otto völlig recht) im Team ist ein Anderes. Beim ein oder anderen Spieler hat man das Gefühl, dass woanders schon unterschrieben wurde und jetzt noch der Vertrag erfüllt wird. Vielleicht sind die Spieler aber so müde, dass es nicht anders geht. Dann ist zu hoffen, dass noch etwas Erholung einsetzt die nächsten Tage.
    Vom Topfavoriten am 30.12.2017 bei Hockey-Halleluja, ja da war ich zu 100% überzeugt, dass dieses Team ins Finale einziehen wird, ist dieses Team inzwischen nicht mehr richtig einzuschätzen. Vom Viertelfinalaus in 5 Spielen bis zu sehr guten Leistungen und zum Erreichen des Finals ist alles drin. Eine echte Wundertüte. Wird die Mannschaft den spielerischen und emotionalen Weg für die PO finden? Sehr gespannt…

    Vorfreude auf die PO ist trotzdem groß #geilsteZeit

    #12togo @Ice_Tigers

  7. Was bleibt nach dieser Hauptrunde? Nach dem ersten Drittel der Saison hatten die Ice Tigers 38 Punkte (2,23 PPG), zur Hälfte 54 (2,07), nach zwei Dritteln 74 (2,13), nach drei Vierteln 83 (2,13), insgesamt nun 100 (1,92). The trend is not your friend.

    Wirklich überzeugende Spiele? Fünf. Vielleicht sieben. Erstaunlich, dass man mit solch einem hochwertigen Kader so unattraktiv und verhalten spielen und damit trotzdem noch 100 Punkte holen kann. Anfangs dachte ich noch, dass man in der Hauptrunde bewusst dosiert agiert (von wegen gutes Turnierpferd etc.), aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

    Vor Saisonbeginn war ich optimistisch, dass diese Mannschaft der „Generation Reimer-Reinprecht-Steckel“, zumal im Vergleich zum Vorjahr nochmals leicht verstärkt, v.a. mit nun zwei hervorragenden Torhütern und nochmals mehr individueller Klasse, ihre wahrscheinlich letzte Chance auf den Titel mit aller Macht nutzen will. Geblieben sind bei mir bislang viele Fragezeichen.

    Ich habe ja beim gestrigen Gegner-Bingo insgeheim nochmal auf Wolfsburg gehofft. Dann wäre die Ausgangslage noch klarer und zugespitzter gewesen: (Endlich) Siegen oder fliegen! Aber auch so dürfte es für Wilson / Flanagan gegen Köln um den Job gehen. Ein Viertelfinalaus wäre mit diesem Kader ein Unding und niemandem zu verkaufen. Umso unverständlicher, dass man die Champions League (zumindest vorläufig) noch leichtfertig verspielt und sich damit zusätzlich unter Druck gesetzt hat. Wann wäre diese Saison am Ende als erfolgreich zu bezeichnen? Vielleicht werden wir ja ausnahmsweise mal positiv überrascht…

  8. Bis Ende des letzten Jahres war ich ziemlich zuversichtlich, dass es mindestens zu Platz 2 nach der Hauptrunde reicht und dass es in den Playoffs weit gehen könnte.
    Es waren zwar nicht sehr viele restlos überzeugende Auftrtte dabei, wie bereits treffend kommentiert wurde und häufig konnte bzw. musste man sich auf eine stabile Defensive inkl. überragender Goalies verlassen. Aber immerhin war das ziemlich erfolgreich und der dritte Platz ist ja auch nicht so übel.

    In der Offensive wurde dagegen über weite Strecken oft nur Stückwerk geboten, was sich in erster Linie im mangelhaften Powerplay deutlich zeigte. Die zwischenzeitlichen Verletzungen diverser Leistungsträger, verbunden mit häufigen Reihenumstellunge, erklären das mMn nur unzureichend. Und welches Team war davon nicht betroffen?
    Leider – und angesichts der Qualität im Kader für mich unverständlich – ist es über die gesamte Saison nicht gelungen, hier eine signifikante Verbesserung zu erreichen (dass es in den letzten beiden Heimspielen zu PP-Toren reichte möchte ich angesichts der Gegner nicht überbewerten, in Ingolstadt zudem wieder total harmlos). Die Bekundungen des Trainers „dass das in den Playoffs alles kein Problem mehr sein wird“ möchte man gerne glauben, aber wie realistisch ist das?
    Das ist alles nicht dramatisch, denn man hatte damit ja trotzdem Erfolg.

    Bedenklich stimmt mich eher die Leistungskurve seit Anfang des Jahres. Sogar die Defensive war plötzlich nicht mehr der Stabilitätsfaktor. Man erklärte sich das u.a. mit der Überlastung von Leistungsträgern, hörte sich erstmal plausibel an. Und man war froh, dass die Olympiapause endlich kam.
    Ich hatte dann allerdings damit gerechnet, dass nach der Pause so etwas wie Playoff-Form zu sehen sein würde. Das war ganz klar nicht der Fall, im Gegensatz zu einigen anderen Teams in der Spitzengruppe. In den beiden Heimspielen war vielleicht jeweils ein Drittel ok, ansonsten ziemliches Rumgegurke, mit dem unrühmlichen Höhepunkt in Ingolstadt (wo man ja durchaus verlieren kann, aber nicht so! Die Unmutsäußerungen von Thomas Sabo kann ich total nachvollziehen!).

    Nun geht’s im Viertelfinale gegen Köln. Ist aus meiner Sicht besser, als gegen die Adler. Wird angesichts der oben beschriebenen Umstände allerdings sehr schwer (wobei es gegen jeden anderen Gegner auch alles anderen als leicht gewesen wäre). Die Favoritenrolle würde ich nicht bei den Ice Tigers sehen.

    Fazit: Gelingt es, an die Leistungen vom November/Dezmber anzuknüpfen bestehen gute Aussichten auf das Halbfinale. Wenn nicht, war’s das wiedermal im Viertelfinale. Wäre ziemlich fatal, auch im Hinblick auf das zuletzt doch erfreulich steigende Zuschauerinteresse…

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