Spiel 45: Playoffs am 24. Januar

Foto: Roland Fengler

Wenn ältere Männer in der Arena wutentbrannt ihre Klatschpappen (und ihr Kleingeld) aufs Eis werfen, ist entweder Wolfsburg zu Gast oder Daniel Piechaczek leitet ein Spiel. Oder die Ice Tigers spielen an einem Mittwochabend gegen Köln – und verlieren dann gegen einen Gegner, der schon jetzt in Playoff-Laune ist.

Warm-Up

  • Brett Festerling erlebte seine ganz persönliche Ladies Night. Er verbrachte den Mittwochabend nicht in der Arena, sondern im Krankenhaus. Die Festerlings erwarten einen Brett junior, der sich im Laufe der vergangenen Tage schon so sehr bemerkbar gemacht hatte, dass der Papa keinesfalls Eishockey spielen konnte. „Er hat eineinhalb Tage nicht geschlafen“, sagte Rob Wilson nach dem Spiel, „genau für solche Fälle hat man einen großen Kader.“
  • In den ersten Minuten dieses Spiels (Ladies Night!) fühlte man sich ein bisschen wie in einer Live-Show von QVC: „Sensationsknüller“ gab es da, einen auf 100 Exemplare limitierten „Shopper“, ein eigenes Frauen-Shirt (immerhin nicht in Pink!). Ach, Eishockey wurde auch gespielt?
  • Rob Wilson hat sich das Kölner Spiel ausgiebig angesehen.  Danach war ihm klar, dass es ein unangenehmer Mittwochabend werden würde. Und so kam es auch. „Sie wollten den Erfolg mehr als wir“, sagte er. Im weiteren Verlauf hätten seine Spieler zwar „hart gekämpft“, aber zufrieden war Wilson nicht.
  • „Wir wollen den Puck im Power-Play ins Tor tragen“, kritisierte er. Dabei sei es doch ganz einfach – eigentlich: „Wir müssen mehr schießen.“ Wie erfolgsversprechend das ist, haben zuletzt die beiden Überzahltore in Schwenningen gezeigt, die ja auch nicht dem Lehrbuch für die Schönheit des Sports entstammten, sondern eher ins Tor gearbeitet wurden. Für alle Statistiker: 85 Schüsse haben die Ice Tigers abgegeben.
  • Für die Mannschaften zwischen Platz vier und zwölf geht es in den kommenden Tagen und Wochen um alles, „für sie ist es wie in den Playoffs“, sagte Wilson. „Und so hat Köln heute auch gespielt.“ Eine Serie gegen die Haie hätte, um mal vorauszublicken, tatsächlich Charme. Nur damit dieser Wunsch auch mal geäußert ist.
  • Hätte sein Name nicht auf dem Line-Up gefehlt, man hätte tippen können, Daniel Piechaczek würde an diesem Abend das Spiel leiten. So lautstark und wütend wird das Nürnberger Publikum sonst eher selten – wie sehr die Menschen überall in der Arena ausrasteten, zeigte aber, dass da so einiges schlecht lief. Exemplarisch sei nur die (eine von vielen) Strafe gegen David Steckel wegen Stockschlags genannt. In der Wiederholung sieht man deutlich, dass sich die Kölner gegenseitig malträtiert haben.
  • Rob Wilson wollte die Leistung von Christoffer Hurtik und Mark Lemelin nicht kommentieren, bis er sich die strittigen Szenen noch einmal angeschaut hat. „Ich würde aber gerne mehr Spielfluss sehen“, sagte er. „Es wäre schöner, wenn es mehr end-to-end-Hockey gäbe.“
  • Zu John Mitchells Strafen-Orgie: „Ich werde mit Mitch reden. Das kann man nicht machen. Ich weiß nicht, was er gesagt hat, ob die Schiedsrichter überreagiert haben oder ob er indiszipliniert war. Aber wir sprechen immer von Fehlern . und das war ein Fehler. Er ist ein erfahrener Junge, da sollte sowas nicht passieren, denn wir brauchen ihn auf dem Eis, nicht in der Kabine.“
  • Insgesamt wirkt Mitchell in den vergangenen Spielen sehr behäbig, viel mag ihm nicht gelingen. Ob Martin Jiranek angesichts solcher Leistungen darin bestärkt wird, den Vertrag zu verlängern, darf man durchaus bezweifeln.

Das Spiel

Der Kölner Boulevard hatte zuletzt eine Torflaute heraufbeschworen, gegen die sich die Haie aber vehement stemmten. Köln war aggressiv, spielte forsch nach vorne und brachte die Nürnberger Defensive ímmer wieder in arge Not. Und so war es fast logisch, dass der Puck irgendwann im Tor landen würde, was er dann auch tat, als Niklas Treutle einen scharfen Schuss von Moritz Müller abklatschen ließ und Ben Hanowski sich bedankte. Die Haie waren in der ersten halben Stunde einfach besser die Ice Tigers, das erkannte auch Rob Wilson hinterher an. Dass es nicht schon 0:2 oder 0:3 stand, hielt Nürnberg im Spiel, das dann auch besser wurde, „aber wir haben zu viele Strafe genommen, haben Bullys verloren und Köln war physisch stärker“, sagte Wilson, den vor allem nicht gefiel, dass seine Mannschaft den Puck gar so gern hin und her spielte. „Köln schießt, schon fällt ein Tor.“In Überzahl legte Köln dann doch noch das zweite Tor nach, Dane Fox traf kurz darauf mal wieder, mehr war aber nicht mehr drin. Als Niklas Treutle gerade vom Eis gefahren war, stand es schon 1:3.

Der Moment

Stille. Die Arena war leer. Die Eisfläche auch. Und die Kabinentür der Ice Tigers blieb zu, reden wollte niemand. Patrick Köppchen tat es zwangsweise für die Kollegen vom Fernsehen, sonderlich erhellend waren seine Aussagen aber nicht. Dann ging die Tür doch auf – und Rob Wilson nahm seinen Kaugummi aus dem Mund und warf ihn in den Gang. Seinen Kaugummi! Seinen liebsten Kaugummi! Er musste wirklich sauer sein.

Three Stars

Die erste Reihe ist momentan formal zwar formal die dritte, aber Patrick Reimer und Yasin Ehliz gehen momentan beeindruckend voran, sie bringen Energie aufs Eis, vor allem der Kapitän zeigte nach dem guten Auftritt gegen Wolfsburg und seiner Gala in Schwenningen auch an diesem schwierigen Abend eine gute Leistung.

Ja, mal wieder ein Torhüter. Aber ohne so manche Parade von Niklas Treutle wäre dieses Spiel wohl schon früher entschieden gewesen. Den Stern muss er sich aber mit Gustaf Wesslau teilen. Also nur ein halber. Das gibt nicht viel Reis mit Bohnen im Dschungelcamp.

Rob Wilson war natürlich enttäuscht, aber er wirkte schnell wieder aufgeräumt, analysierte die Probleme, sprach sie klar an und zollte auch seinem Kollegen Peter Draisaitl viel Lob für eine wirklich gute Leistung der Haue. Das können nicht alle Trainer in dieser Liga. Deshalb geht der dritte Stern an den Mann, der noch einen Kaugummi in seiner Jackett-Tasche gefunden hat.

Und sonst?

Das Schlusswort hat Rob Wilson: „Wenn du ein Topteam sein willst, musst du 60 Minuten lang gut spielen“, sagte er. „Aber man kann nicht jeden Abend sein bestes Spiel machen, denn in dieser Liga kann man nicht sagen, dass manche Spiele sichere Siege sind – es kann jeder jeden schlagen.“ Und mehr als eine etwas unglückliche Niederlage gegen einen starken Gegner ist dieses 1:3 auch nicht.

6 Kommentare in “Spiel 45: Playoffs am 24. Januar

  1. gestern hätte man ewig auf Wesslau „schießen“ können es wäre nur bei Fox seinem Tor geblieben. Es wird derzeit einfach bei 5gg5 zu viel liegen gelassen. Für mich absolute Kopfsache, auch ein Reimer überlegte gestern öfters mal ob er wirklich schießen soll oder doch die „Verantwortung“ weiter passt.
    Das muss in Hinblick auf die Playoffs wieder besser werden – die Pause kommt zur richtigen Zeit.
    Was ich gestern absolut nicht verstanden habe, dass man beim 5gg3 PP teilweise in Hektik verfällt statt es clever auszuspielen und beim 5gg4 den Puck schon fast reintragen möchte statt schnell den Abschluss zu suchen. Bezeichnend für das Powerplay derzeit ist einfach, dass Mebus die meisten Schüsse gestern gefühlt abgab.

    Ansonsten war es eigentlich ein ausgeglichenes Spiel mMn mit etwas seltsamen Entscheidungen der Refs. Der erste Auftritt von Mark Lemelin mit den Ice Tigers gefiel mir eigentlich ganz gut und war auch vor dem Spiel ganz guter Dinge aber gestern gaben die beiden Herren teilweise das Spiel aus der Hand. Auch wenn man auf der einen Seite Glück hatte bei Treutles angedeuteten(?) Stockstich als der die Strafe für Stockschlag erhalten hatte war es doch einer DEL Hauptrunden Phase nicht würdig.

  2. Entscheidend: Köln hat bei 5-3 getroffen, die Ice Tigers nicht. Das Powerplay war erneut ziemlich schwach.
    Auch wenn Weslau wiedermal einen sehr guten Abend hatte, müsste man die ein oder andere Großchance halt reinmachen (Reimer!).

    John Mitchell darf die Spieldauer natürlich nicht bekommen, da muss er sich einfach beherrschen. Allerdings wäre ich sehr froh, wenn man ihn über die Saison hinaus halten könnte.
    Wenn man seine Leistung der letzten Spiele bewertet (die mMn gar nicht so schlecht war) muss man auch sehen, mit welchen Sturmpartnern er unterwegs war. Überhaupt nichts gegen Alanov, der allerdings bei Buzas und Pohl viel besser aufgehoben wäre. Pföderl ist zwar immer für ein Tor gut, spielt aber seit einger Zeit nicht wirklich in guter Form (auch gestern wieder einige ganz schwache Momente). Möchel, der zeitweise ebenfalls mit Mitchell in der Reihe stand, ist ebenfalls im Formtief. Da kann dann auch der gute Mitchell nicht viel ausrichten.

  3. Lieber Herr Fischer,
    Ihr Wertung bezüglich Mitchell ist sehr fragwürdig. Wenn jeder Spieler, der eine SPD kassiert in der nächsten Saison keinen Vertrag mehr erhalten soll, dann bräuchte man jedes Jahr eine komplett neue Mannschaft. Seine Strafe war vermutlich vertretbar.Seine Leistungen in der Vergangenheit sind , trotz seiner Sturmpartner,absolut in Ordnung. Norbert hat völlig richtig beschrieben.

    Grundsätzlich ist zu sagen, daß man Reino und seine Spielkultur und Ideen schmerzlich vermißt Jetzt merkt man erst richtig welchen Wert er für die Mannschaft hat.

    • Lieber Herr Häberlein, im Text ist auch nicht die Rede davon, dass John Mitchell wegen seiner Strafen gestern keinen Vertrag mehr bekommen sollte. Eine solche Einschätzung wäre Unsinn und die stünde mir auch gar nicht zu. In den vergangenen Spielen hat er aber, finde ich, nicht mehr an die starken Leistungen in den Partien zuvor anknüpfen können, was natürlich auch an seinen Kollegen in der Reihe liegen kann. Aber natürlich kann man auch da geteilter Meinung sein. Seinen Ausraster kann man ja durchaus auch als (positives) Zeichen deuten, dass er mit sich selbst und dem Spiel nicht wirklich zufrieden war.

  4. Ich kann die Meinung von Michael bzgl. der Leistung von Mitchell nur teilen. In meinen Augen ist er genau der Grund, warum die Sturmpartner etwas außer Form sind und nicht umgekehrt. Es wird grundsätzlich zu spät angespielt, was dazu führt, dass sich die Abwehrreihe organisiert hat. Das viel zu lange Halten des Pucks ist tödlich für die Spielweise eines Pflderls. Für mich macht Mitchell auch einen Alanov nicht besser mit seinem „Spazierenfahren“ des Pucks. Ich bin überzeugt, dass Leo Pföderl in der Reihe mit Steckel oder Reinprecht seine Stärken ganz anders ausspielen würde. Die Stärke von Ice Tigers insbesondere in den Playoffs muss sein, schnell zu spielen. Und das ist aus meiner Sicht nicht die Stärke eines Mitchell.

  5. Lieber Herr Fischer,
    sorry, da habe ich mich etwas falsch ausgedrückt. Natürlich kann eine Strafe kein Grund für eine Nichtweiterverpflichtung sein.
    Ich glaube dass er selbstkritisch genug ist um seine Leistung einschätzen zu können und der Coach wird ihm schon das Richtige sagen.
    Ich bin schon der Meinung dass er für die Mannschaft ein wertvoller Spieler ist. LASSEN WIR UNS EINFACH ÜBERRASCHEN. Sollte ich mich täuschen, gebe ich Ihnen eine Halbe aus. Versprochen.

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