Spiel 36: David Steckel, (stiller) Superstar

Foto: Thomas Hahn/Zink

Tucher hat die Karten nicht stapelweise gekauft, für den Preis eines Tickets bekam der kurzfristig entschlossene Käufer tatsächlich auch nur: ein Ticket. Trotzdem fanden sich anlässlich des zweiten Gastspiels des Krefelder Eislaufvereins 6740 Zuschauer in der Arena Nürnberger Versicherung ein. Sicher, es ist Weihnachten, die Menschen haben eine Sehnsucht nach Checks und Chirping, der Fußball pausiert. Trotzdem hätte manch anderer Profiverein aus der Metropolregion eine solche Zuschauerzahl gegen den Vorletzten mindestens als kleines Wunder verkauft. Im Eishockey scheint derweil Thomas Sabos Vision von einem Zuschauerschnitt über 6000 (aktuell: 5439) doch noch Wirklichkeit werden zu können. Dazu braucht es allerdings ein paar Finalspiele. Ob es die 2018 geben wird, diese Frage konnte natürlich auch das 5:3 gegen Krefeld nicht beantworten.

Warm-up

  • Eine der großen Überraschungen dieser DEL-Saison? Krefelds 13. Platz. Eine gute Reihe, durchschnittliche Torhüter, die Ahnung eines Offensivverteidigers, das reicht in dieser Liga, um Straubing hinter sich zu lassen. Im Januar werden die Pinguine ihren Fans trotz des Ausfalls von Jordan Caron die Hoffnung auf eine kleine Playoff-Serie verkaufen können. Respekt.
  • Das ist ernst gemeint. An diesem Donnerstagabend hat nur eine Reihe der Ice Tigers ihre Arbeit konzentriert über 60 Minuten verrichtet. Das hat gereicht, um Dragan Umicevic/Daniel Pietta/Malla Müller zu kontrollieren. Ohne diese außergewöhnlich gute Reihe kann Krefeld allenfalls eine ambitionierte DEL2-Mannschaft bieten. Dafür sind sie den Ice Tigers gehörig auf die Nerven gegangen.
  • „Vielleicht sehen wir uns ja in den Playoffs wieder.“ Rob Wilson mag Krefeld, er mag Rick Adduono und offenbar versteht er ihn auch.
  • Extrem unbefriedigend ist es, nach statistischen Auffälligkeiten zu suchen – und nichts zu finden. Nach John Mitchells Oberkellner-Abend habe ich mir jede einzelne seiner 13 Vorlagen noch einmal angesehen, weil man der offiziellen DEL-Statistik leider noch immer keine Sekunde trauen kann. Aber, nein, Mitchell profitiert ebenfalls von der etwas wunderlichen Einrichtung, auch die Vorbereitung der Vorbereitung zu würdigen. Siebenmal führte sein Pass direkt zu einem Torerfolg, sechsmal nutzte ein weiterer Vorbereiter seinen Pass zur Torvorbereitung.
  • Höchste Fangquote nach 36 bis 37 Spieltagen: Niklas Treutle, 94,3 Prozent, Nürnberg.
  • Zweithöchste Fangquote nach 36 bis 37 Spieltagen: Andreas Jenike, 93,2 Prozent, Nürnberg.
  • Und noch eine statistische Nebensächlichkeit, die Empty-net-Scorer der Ice Tigers:
    1. Brandon Segal 3
    2. David Steckel 2
    3. Yasin Ehliz/Steven Reinprecht je 1
  • Achja, Nürnberg ist wieder einmal Spitzenreiter. Die 18 Punkte Vorsprung auf Wolfsburg (Vierter), die 23 Punkte auf Iserlohn (Siebter) und die einunddreißig Punkte auf Mannheim (ELFTER!) sind bedeutender. Vor allem wenn für die meisten Teams nur noch 48 Punkte zu holen sind. Nicht dass daran jemand ernsthaft gezweifelt hätte, aber auch für das Frühjahr 2018 braucht man zunächst keinen Urlaub planen.
  • München gegen Nürnberg, Zweiter gegen Erster, Dietrich Mateschitz gegen Thomas Sabo – Samstag, 17 Uhr, live in der Olympiahalle oder auf Sport1/Telekomsport. Anschauen! Nuff said.

Das Spiel

Danach haben beide Trainer von Malla Müllers schönem gelben Schläger gesprochen und davon, was wohl passiert wäre, wenn dieser schöne gelbe Schläger nicht gebrochen wäre. Ist er aber, weshalb Müller nicht das 4:4, sondern David Steckel das 5:3 erzielen konnte. Dieses Spiel war also spannend, aufregend von der ersten bis zur 60. Minute? Nein. Das knappe Ergebnis war eher der Nürnberger Freude geschuldet, sich nahezu jedes klare Ergebnis noch zu verderben (siehe, Bremerhaven, 7:4). Die Ice Tigers begannen ordentlich, verdarben sich den ersten Gesamteindruck aber durch zwei Strafen, die Wilson danach ebenfalls noch einmal erwähnte. Das zweite Drittel hat Rick Adduono bereits treffend zusammengefasst: „Wir geben Nürnberg zwei Überzahltor. Das ist nicht gut. Wir kuck Video. Immer.“ Mit langen Querpässen im Nürnberger Power-Play hätte man rechnen können, das ist richtig. Patrick Klein aber rechnete wohl damit, das Patrick Reimer aus dieser Position über das Tor schießen würde. Das soll ja schon einmal vorgekommen sein. Reimer aber traf den Puck nicht richtig – 2:0. Später rechnete Krefeld damit, dass John Mitchell einen sehr schönen Angriff sehr schön abschließen würde. Mitchell aber führte noch einmal sein, zumindest auf diesem Niveau, herausragendes Stickhandling vor, passte noch einmal quer und Reimer traf richtig – 3:0. Den Rest meint man von den Ice Tigers jedesmal zu sehen, wenn es nicht gerade gegen München, Mannheim, Köln, Wolfsburg oder Berlin geht. Ein zufälliges Gegentor, ein wirklich wunderschönes 4:1 durch Leo Pföderl, dieses kleine bisschen weniger Körperspannung, zwei weitere Gegentreffer. Diese Ice Tigers scheinen sich nicht wohlzufühlen, wenn es der Gegner in den Schlussminuten nicht mit sechs Feldspielern versucht. Achja, ein Schläger ist dann auch noch gebrochen. Was dann wohl…

Der Moment

Die erste Szene gehörte der vielleicht besten Reihe der DEL. Daniel Pietta und Marcel Müller fielen über die Nürnberger Abwehr her, hatten viel zu viel Platz, aber eben auch noch nicht die nötige Konzentration, um diesen ersten Angriff abzuschließen. Danach hatte auch David Steckel zu seinem Spiel gefunden. Kein Spieler hat in den letzten drei Spielzeiten mehr Anspiele für sich entschieden als der Mann aus Milwaukee, kaum ein DEL-Spieler ist als Gegenspieler unbeliebter, keiner stochert den Puck so gekonnt in und aus gefährlichen Zonen. Das alles weiß man über David Steckel. Und doch ist es ein Vergnügen, Steckel bei der Defensivarbeit zu beobachten. Dieser subtile Stockeinsatz, das scheinbar zufällige Rempeln, der unbedarfte Gesichtsausdruck. Steckel hat Pietta vollkommen aus dem Spiel genommen und in Zusammenarbeit mit Reimer/Ehliz damit auch Müller. Ein Tor hat er dann auch noch geschossen.

Three Stars

Foto: Thomas Hahn/Zink

David Steckel – in der Kategorie zuvor ist alles erklärt. Die Ice Tigers 2017/2018 haben des öfteren bewiesen, dass sie nicht mehr von einzelnen Spielern abhängig sind. Steckel aber gibt dieser Mannschaft eine Qualität, die in der DEL einzigartig ist.

John Mitchell mag den Puck, so sehr, dass es zunächst so aussah, als würde er ihn nicht hergeben wollen. Tatsächlich aber will Mitchell nur sichergehen, dass seine Kollegen den Puck ebenso behandeln. Drei seiner vier Assists waren das sehenswerte Ergebnis einer in der DEL ebenfalls nicht weit verbreiteten Mischung aus Geduld und Können. Interessant ist, dass Wilson sich den Lobeshymnen auf seine Nummer 79 nicht anschließen wollte. Nach dem Spiel gegen Mannheim hatte er bereits angekündigt, dass man den besten Mitchell erst im Januar sehen wird. Den Mitchell vom 28. Dezember hatte er damit nicht gemeint. Wilson respektiert Krefeld, sollte Mitchell einen solch dominanten Auftritt aber gegen München wiederholen, wird er die Leistung von Nürnbergs neuestem Lieblingsstürmer sicherlich nicht mehr ganz so distanziert beurteilen.

Patrick Reimer: Zwei Treffer, vorbildliche Defensivarbeit. „Der letzte Mensch in dieser Arena, der sich um Patrick Sorgen macht, das bin ich“, sagte Wilson. Inzwischen muss sich überhaupt niemand mehr sorgen.

4 Kommentare in “Spiel 36: David Steckel, (stiller) Superstar

  1. Hallo,

    treffend beschrieben, warum es das Team zum Ende hin immer wieder spannend macht… tja.

    Weber spielt imo die beste Saison bislang. Steckel, Mitchel und Reimer bekommen aktuell zurecht Lob von allen Seiten. Segal und Dupuis ebenfalls stark, Fox wird morgen in München zuschlagen (Tipp ich mal so..).

    Bin seid langem morgen mal wieder Auswärts dabei, Vorfreude ist schon groß!

    Ansonsten bin ich gespannt, ob und wenn ja wann und wo Maddin noch mal zuschlägt… Und ich würde mich freuen (und hoffe), wenn Reino im Februar wieder spielt. Von Teubert glaube ich das nicht mehr um ehrlich zu sein…

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  2. Das war gestern eine Parallele zum BHV Spiel. Auf den Rängen feiern die Fans gemeinsam ein Fest. Die Welle geht durch das Stadion. Und irgendwie hat man das Gefühl, dass genau diese Stimmung dafür sorgt, das die Konzentration verloren geht und erst wiederkommt, wenn es eng wird. Weil auch die Fans dann wieder klar Position beziehen und die Mannschaft unterstützen. Passierte den Freezers auch öfter mal in so einer Stimmung erzählte uns der Hamburger in der Fankneipe nach dem Spiel…

    Etwas zum Powerplay. Das ist wirklich verblüffend und etwas, an dem die Coaches sicher arbeiten können. In Summe haben wir eine Quote von 16,5% (das zweite Tor von gestern zähle ich als PP-Tor dazu, da der 5. Krefelder erst die rote Linie erreicht als P. Reimer schießt. Eingreifen kann er nicht. Und somit klare 5to4 Situation). Das spannende ist jedoch, dass wir zuhause eine PP-Quote von 21,4% haben. Und das ist eine gute Quote. Damit wären wir bei den Top Specialteams.
    Doch auswärts haben wir nur 5 Tore in 47 Versuchen. Die 10,6% sind natürlich nicht gut. Da kann man sicherlich ansetzen…
    Letzte 10 Spiele (home+away) haben wir 18,2%. Insgesamt Aufwärtstrend…

    Freue mich auf das morgige Spiel. Egal wie es ausgeht, können wir zwei Top-Teams genießen.
    Wünsche allen viel Spaß morgen und einen guten Rutsch
    Frank

  3. eigentlich ist alles gesagt sowohl von den Twitter-Stammtischfreunden als auch dem stillen Leser dort: Sebastian.

    Eines möchte ich aber anmerken: ein Pfleger sollte sich nach den letzten beiden Heimspielen dringend hinterfragen! Die derzeitige vierte Reihe um Buzi, Weber und Möchel bringt derzeit mehr Entlastung und Energie aufs Eis als in einer Besetzung mit Pfleger. Auch denke ich, dass Wilson das bemerkt hat, denn er lässt derzeit konsequent mit vier Reihen spielen.

    Ansonsten gilt es Mitchell zu halten und ich wünsche allen Freunden des Blogs, der Twitter Community und Sebastian einen guten Rutsch ins neue Jahr und beste Gesundheit.

    Gruß

    Patrick aka Blackhawk 😀

  4. Eigentlich ist alles bereits vom Verfasser des Blogs und den trfflichen Kommentatoren gesagt.

    Trotzdem muss ich noch auf Yasin Ehliz hinweisen, der immer besser in Tritt kommt und seiner Form aus der Vorsaison näher bzw. nah kommt. Er schiesst nicht die meisten Tore, aber er ackert wieder wie ein „Gaul“, und das meine ich absolut bewundernd. Gestern auch wieder mit drei Assists, sollten wir nicht unerwähnt lassen. Scheinbar war die Hüfte mehr lädiert oder länger im Kopf als gedacht.

    Zu John Mitchell muss ich zugeben, dass er mich am Anfang etwas aufgeregt hat mit seiner Scheiben-Rumtragerei.
    Aber wenn es ein Paradebeispiel für einen Spieler braucht, der mit Anlaufschwierigkeiten zu tun hatte (und in der vierten Reihe starten musste; das jedoch ohne ein einziges Wort des Murrens oder sonst was in der Richtung!!!), dann ist es er. Aber die Anlaufzeit war kurz und er läuft zu Hochform auf. Eine Freude, ihm zuzusehen, mit welcher Coolness und Geduld und Abgezocktheit er agiert. Hut ab und Asche auf mein Haupt, dass ich ihn anfangs kritisiert habe.

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