Spiel 19: Ein oberlippenbärtiges Duell

Foto: Thomas Hahn/Zink

Es ist Movember. Das bedeutet: Manche Eishockey-Profis und manche Eishockey-Berichterstatter tragen jetzt wieder wunderschöne Oberlippenbärte. Die Tabellenführung hat noch keinen großen Wert. Und: Eine 0:1-Heimniederlage lässt sich verkraften – sogar gegen Wolfsburg.

Warm-up

  • Offiziell war die Partie zwischen den Thomas Sabo Ice Tigers und den Grizzlys Wolfsburg nach 60 Minuten beendet, trotzdem gab es noch eine Verlängerung. Im Aufzug zum Pressekonferenzraum. Und noch eine im Pressekonferenzraum. Wer es nicht abwarten kann, springt direkt zu „Der Moment – Teil 2“
  • Wer diesen reißerischen Teaser ignoriert hat, war entweder bei der Pressekonferenz dabei, weiß nicht, was Clickbaiting ist oder hat noch nie etwas von „Stranger Things Two“ gehört. Oder alles drei zusammen. Macht aber nichts, an dieser Stelle gibt es ja auch noch ein paar mehr oder weniger lohnenswerte Erkenntnisse. Zum Beispiel die hier: John Mitchell braucht nach einem ordentlichen Einstand wohl doch noch etwas Zeit, bis er sich an die DEL gewöhnt hat. (Wie gesagt: mehr oder weniger lohnenswerte Erkenntnisse)
  • Zum ersten Mal in dieser Saison bleiben die Ice Tigers zu Hause ohne eigenen Treffer. Was falsch gelaufen ist? „Eigentlich nichts“, findet Rob Wilson. „Es war ein hart umkämpftes Spiel von zwei sehr guten Mannschaften.“
  • Es gibt Menschen in der Arena am Kurt-Leucht-Weg, die schon dann aufschreien, wenn Oliver Mebus nur daran denkt, einen etwas gewagteren Pass zu spielen. In den meisten Fällen ist das unbegründet, an diesem Freitagabend war es das nicht.
  • “Das war jetzt wahrscheinlich nicht unser bestes Spiel heut’“ hat Marco Pfleger hinterher festgestellt. Das stimmt. Es war aber sicher auch nicht ihr schlechtestes in dieser Saison. Dass die Ice Tigers zumindest bis Sonntag immer noch Tabellenführer sind, ist Pfleger aus nachvollziehbaren Gründen herzlich egal, eine „Nebensache“ nennt er das. „Lieber stehen wir am 52. Spieltag auf Platz eins.“
  • Rob Wilson und Pavel Gross haben sich gegenseitig Komplimente gemacht. Achtung, nochmal: Rob Wilson und Pavel Gross haben sich gegenseitig Komplimente gemacht.

Das Spiel

Kam passend zum ersten Spiel im Movember tatsächlich etwas oberlippenbärtig daher. Also nicht so hipster-oberlippenbärtig, sondern eher so altbacken-oberlippenbärtig. Hauptsache, erst einmal sicher stehen, Spielkontrolle, um die kreativen Momente wird sich dann schon noch jemand kümmern. Überraschend war das natürlich nicht. Das Topspiel des 19. Spieltags erlebte mit Andreas Jenike und Gerald Kuhn zwei sehr gut aufgelegte Torhüter, zwei weitgehend diszipliniert auftretende Defensivverbände, zwei Teams, die auch in Unterzahl nicht viel zuließen. Entschieden konnte dieses Spiel also nur im Penaltyschießen werden – oder durch einen Fehler. 145 Sekunden waren im zweiten Drittel gespielt, als Oliver Mebus wahlweise ganz schnell den Puck in den Angriff bringen wollte oder unbedrängt ein Icing produzierte. In der Folge erzielte Kamil Kreps den Treffer des Tages (23.), allerdings hatten seine Kollegen dazwischen auch noch genug Zeit, die Situation zu entschärfen. Weil sich Kreps aber in Ruhe anschleichen durfte und dann auch noch das Kunststück fertig brachte, erst Milan Jurcina und dann Jenike zu tunneln, war doch ein Treffer aus dem Spiel heraus gefallen. Dass der Ausgleich in den verbleibenden 37 Minuten nicht fallen wollte, lag an den oben genannten Gründen und daran, dass Dave Steckel erst viereinhalb Minuten vor Ende des zweiten Drittels eine Idee hatte, wie man Wolfsburg aus der Reserve locken könnte.

Der Moment

„Alle auf die Zehn.“ Am Freitagabend funktionierte der Hit aus dem Frühling bereits im Herbst, dabei hatte Tyler Haskins ausnahmsweise gar nicht so viel dafür getan, mit Schmähgesängen bedacht zu werden. Weil Wolfsburg relativ souverän die Führung verteidigte, wählte Steckel das Mittel der Provokation. Haskins ließ sich darauf ein, sekundenlang wollten sie nicht mehr voneinander lassen, nur die Schiedsrichter verhinderten, dass die beiden die klassische Abfahrt nahmen. Kurioserweise fühlte sich Nürnbergs Center nach der Situation so schuldig, dass er mehr oder weniger freiwillig auf der Strafbank Platz nahm – und diese direkt wieder verlassen durfte. Eine Strafe war für das unterhaltsame Punchline-Dreschen nicht vorgesehen, die Atmosphäre in der Arena ab diesem Moment aber eine andere, im Schlussabschnitt wurden die Checks deutlich häufiger zu Ende gefahren. Das chaotischere Spiel schien den Ice Tigers entgegen zu kommen, für den Ausgleich reichte es aber nicht mehr.

Der Moment – Teil 2

Unter der Woche hatte Rob Wilson noch betont, dass er es eher vermeidet, mit seinen Amtskollegen ausführlich das eben Erlebte zu analysieren, wenn man sich auf dem Weg zur Pressekonferenz befindet. Zu emotional sei er da, der Stimmung tue das erfahrungsgemäß nicht gut. Als Wilson diesmal Kaugummi kauend in den Aufzug gestiegen war, erkundigte er sich bei Pavel Gross trotzdem noch einmal nach dem Gesundheitszustand von Alexander Weiß. Knapp sechs Minuten vor Ende der Partie, mitten in der großen Nürnberger Schlussoffensive, war Weiß nach einem Laufduell mit Leo Pföderl inklusive gemeinsamen Rutscher in die Bande liegen geblieben und erst spät wieder aufgestanden. Gekrümmt fuhr er zur Bank – um wenig später wieder über das Eis zu jagen. „Mich ärgert diese Szene“, sagte Wilson, nachdem er aus dem Aufzug gestiegen war und im Pressekonferenzraum Platz genommen hatte. „Wenn jemand liegen bleibt, macht man sich ernsthaft Sorgen. Wenn aber gar nichts passiert ist, ist das nicht gerade anständig.“ Davor und danach hat er Wolfsburg als er ein „sehr gut gecoachtes Team“ bezeichnet, Gross wählte ähnliche Worte für Nürnberg. Und Weiß? „Ich werde es mit dem Spieler besprechen, was da passiert ist“, sagte Gross. Man darf also davon ausgehen, dass Weiß in einer vergleichbaren Situation wieder liegen bleibt.

Three Stars

Beim Gegentreffer sah Andreas Jenike nicht gut aus, aber wer sieht schon gut aus, wenn man getunnelt wird, weil einem die Sicht genommen wird bei einem harten Schuss aus kurzer Distanz? Ansonsten: fehlerlos.

Wenn es diesmal gefährlich wurde, dann meist über Philippe Dupuis oder David Steckel, der noch eine Idee hatte, wie das Spiel die Richtung ändern könnte. Belohnt wurde sie nicht.

Der erste Bandencheck gegen den besonderen Gegner gehörte Yasin Ehliz, auch danach glänzte er mit zuweilen etwas übermütigen Pressing-Aktionen. Glücklos an diesem Abend, der Einsatz stimmte trotzdem.

6 Kommentare in “Spiel 19: Ein oberlippenbärtiges Duell

6 Comments
  1. für mich wahr es ein von Defensivarbeit geprägtes Spiel bei dem die Ice Tigers den Fehler machten.
    Was sich aber immer mehr andeutet: die Spiele gegen WOB lösen langsam die Duelle gegen Mannheim oder Frankfurt in ihrer Hitzigkeit ab. Wieder viele kleine Nicklichkeiten wie der angedeutete Stockstick von Kuhn gegen Fox beim Gerangel von Stecks und Haskins, oder eben dieses Gerangel sowie der hochgezogene Ellbogen im Vorbeifahren von Haskins an Fox(?). Dazu natürlich der bekannte Flugberater Fauser. Likens war dieses Mal für seine Verhältnisse richtig brav.
    Ansonsten war das Spiel geprägt von einigen Unkonzentriertheiten und auch der Gast-Ref war wohl auf das Wolfsburger Spiel nicht vorbereitet und manch ungeahntes, nicht zu übersehendes Beinstellen. Aber daran lag es am Ende nicht.

    Für mich gehört in die Three-Stars neben Stecks, dessen Gerangel das Team körperlich wieder in die Spur brachte auch Weber. Starke Spiele derzeit und gestern starke körperliche Präsenz, dass ist ein anderer Weber als im Vorjahr, da hat es endlich „klick“ gemacht scheint mir.
    Jenike hatte einige gute Saves und gehört eigentlich mit rein aber ich will hier auch mal Gilbert erwähnen, wenngleich er im Forum schon wieder abgeschrieben wird. Unglaubliche Übersicht und mittlerweile sehr stark an der Bande.

    Was sonst noch bleibt? Entgegen der div. Untergangsgesänge stehen die Ice Tigers absolut im Soll und können beruhigt in die Länderspielpause. Morgen wirds zwar nochmal ein Kraftakt bei den Adlern aber auf jeden Fall machbar. Man sollte die Pause nutzen zur Erholung und beim ein oder anderen Spieler für nächste Saison bereits vorfühlen. Ein verbessertes Powerplay, gemessen an den Möglichkeiten, wäre auch noch erfreulich, aber das langt mir im Laufe der Saison ;).

  2. Ein verdienter Sieg der Grizzlys, die beängstigend gut in der Defensive standen. Imme schnell den Puck weitergeleitet und damit allen Checks mehr oder weniger aus dem Weg gegangen. Wenn Sie das kompensieren können, dann wird es für jedes offensiv Team sehr sehr schwer. Die Schiedsrichter sehr gut, alle Strafen waren berechtigt. Wir hatten Glück, dass die Rettungsaktion von Weber mit der Hand im Torraum übersehen wurde. Überflüssig und weder hilfreich noch spaßig finde ich den Hinweis auf die angeblich vorgespielte Verletzung vonnöten Weiß. Diese permanenten Schauspieler Unterstellungen sind in erster Linie unfair und klischeehaft. Sind wir doch im Sinne des Sportgeistes froh, wenn nichts schlimmeres passiert ist. Wäre es unser Spieler gewesen, oh mein Gott. Vielleicht auch mehr Sachlichkeit hierzu in diesem Blog.

  3. Naja, die Wolfsburger haben sich diesen Ruf jahrelang erarbeitet, unvergessen die Frage vom Sebastian Böhm an Pavel Gross auf der PK, wie viele seine Spieler ernsthaft verletzt sind, nachdem die Gäste in den Play-offs häufig am Boden liegen blieben.

    Es bleibt halt immer die Frage, ob Weiß in der offensiven Zone auch liegengeblieben wäre….

    Sicher hatte er einen Schock, oder was auch immer, aber im nächsten Wechsel war er wieder putzmunter.

    Respekt muss man sicher haben, wie viele Schüsse die Grizzlys mit dem Körper furchtlos abgewehrt haben, desto zweifelhafter bleibt die angesprochene Situation. Auch Rob hatte genug davon, es war das erste Mal in seiner Heimat Zeit in Nürnberg, dass er sowas öffentlich auf der PK angesprochen hat.

    Trotzdem Hut ab vor den Gästen, es war eine Vorstellung, die sehr nahe am perfekten Auswärtsspiel war.

  4. Hallo

    also ersteinmal finde ich ein Blog muss nicht immer sachlich sein, sondern darf auch gerne emotional geprägt sein. Und wenn ich sehe wie oft alleine Fauser fällt „gefoult wird“ und sofort Putzmunter im Powerplay aufläuft pfui!

    Auch verstehe ich nicht, wieso gestern wieder Buzas ran durfte und nicht Alanov, der seine Sache davor wirklich gut gemacht hat. Mit Buzas kann man nichts reißen, da er zwar willig ist und kämpft, aber einfach limitiert ist und ähnlich ist es leider mit Mebus.

    Weber hat sich richtig gut gemacht, und ich finde alles in allem spielen die Tigers bisher eine gute Saison

  5. Hallo zusammen,
    ich kann mich jens nur anschließen . Ein Blog sollte auch emotional Aussagen beinhalten.
    Es ist nunmal Tatsache das die Spieler aus WOB schauspielerisches Talent haben.
    Ich hätte mir gestern gewünscht das Stecks dem Haskin zeigt wo der Frosch die Locken hat. Wär genau die richtige Zeit gewesen. Strafzeit hin Strafzeit her.
    Vermisst habe ich gestern einen Prust .
    Zu Pfleger und Buzas: Bitte Herr Wilson nehmen Sie Alanov sowie Busch in die Mannschaft und lassen Sie die anderen beiden draußen.

  6. Bei Alanov ist wohl die Mischung wichtig, zum einen Einsätze in der DEL auf hohem Niveau, zum anderen aber auch viel Eiszeit, auch in den Special Teams, in Bayreuth.

    Pfleger ist für mich diese Saison auch enttäuschend, gerade nach den starken PO in der letzten Saison. Ein Tor und eine Vorlage ist definitiv viel zu wenig.

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