Spiel 14: Playoffs im Oktober

Foto: Thomas Hahn/Zink

Freitagabend, Spitzenspiel, aber eben auch nur eines von 52 Spielen vor den Playoffs. Dachte man. Phasenweise erinnerte dieses 2:1 nach Penaltyschießen gegen die Eisbären allerdings durchaus an das kommende Frühjahr. Woran man erkennt, dass es doch erst Oktober ist? Zum Beispiel daran, dass wir Sebastian Böhm einen Wochenausklang mit seinen Kindern gönnen – und mit Michael Fischer schon wieder ein neuer Mann auf Tiger starrt.

Warm-Up

  • Rob Wilson war stolz, dass seine Mannschaft auch das sechste Spiel nacheinander gewonnen hatte. Er war aber auch enttäuscht, dass sie das erst im Penaltyschießen tat. „Wir waren exzellent“, sagte er, „eigentlich haben wir ihnen im letzten Drittel keine großen Chancen erlaubt.“
  • In der Einschätzung des Spiels waren sich Wilson und sein Kollege Uwe Krupp schnell einig. Eine bisweilen raue Atmosphäre, harte Checks, ein stetig hin und her wiegendes Spiel, mehrmals fiel das Wort „Playoff-Charakter“, als die beiden Cheftrainer die vergangenen 60 Minuten in der Arena rekapitulierten.
  • Auf dem kleinen Fernseher im Pressekonferenzraum konnte man es kaum übersehen – und auch Rob Wilson erkannte es schnell, als er sich setzte. Die Krise des Angstgegners scheint vorbei zu sein, Wolfsburg gewann gleichzeitig mit 6:2 gegen Mannheim, „sie haben in zwei Spielen zwölf Tore erzielt, es dauert nicht mehr lange, bis sie zurückkommen.“
  • Yasin Ehliz wird auch am Sonntag in Wolfsburg nicht spielen können. „No, no“, sagte Rob Wilson auf die Frage nach Ehliz‘ Genesung. Dann kaute er weiter auf seinem Kaugummi, und schob dann nach: „No.“ Nächste Woche, gegen die Kölner Haie, aber hofft er, wieder auf seine einstige Paradereihe setzen zu können.

Das Spiel

Eine richtige Chance hatten die Ice Tigers bis zu diesem Moment eigentlich nicht. Doch dann behauptete Philippe Dupuis sich und den Puck hinter dem Tor gegen zwei Berliner, spielte klug zum wartenden Dane Fox – und plötzlich war der Puck im Tor (8:10). Wie das genau funktionieren konnte, wird sich Petri Vehanen wohl auch auf der Heimfahrt im Bus noch fragen, den Ice Tigers war es egal. Dass es danach nicht bald 1:1 oder 1:2 stand, war einerseits der guten Defensive der Tiger, vor allem aber Andy Jenike zu verdanken, der sich in jeden Schuss warf, stets im richtigen Moment mit seiner Schulter zuckte und die Eisbären so zur Verzweiflung brachte. Sinnbildlich dafür schüttelte Mark Olver kurz vor Ende des ersten Drittels mit dem Kopf. Dann zog ein Sturm auf, dem die Ice Tigers aber besser trotzten als am ersten Spieltag in Berlin, „da war ich schon froh, dass wir ohne Gegentor rausgekommen sind“, sagte Rob Wilson hinterher. Als Milan Jurcina 1:59 Minuten vor Schluss auf die Strafbank musste, sah es dennoch gut aus für Nürnberg – bis Sean Backman genauer zielte und Jenike doch noch geschlagen war (60.).

Overtime, keine Tore, Penaltyschießen. Steven Reinprecht: sicher, Jenike gegen Thomas Oppenheimer: sicher. Dupuis: sicher. Und Jenike? Na klar, sicher gegen Backman. Auch außerhalb von Nürnberg wird man registrieren, welch starkes Torhüter-Duo die Ice Tigers da derzeit haben – auch wenn Niklas Treutles Name vorerst ebenfalls auf der langen Verletztenliste steht. „Ich freue mich, dass die Arbeit am Ende noch mit einem Punkt belohnt wurde“, sagte Uwe Krupp, Rob Wilson war „glücklich über die zwei Punkte.“ Feierabend.

Der Moment

Freitagmittag, 12 Uhr: Plötzlich war da diese Meldung, unerwartet, aber erfreulich. „Comeback: Patrick Reimer spielte heute Abend gegen Berlin!“, teilten die Ice Tigers ihren Fans per Facebook und Twitter mit. Mehr als 1000 Likes für diesen Beitrag bei Facebook, Zeichen der Erleichterung.

Freitagabend, 19.25 Uhr: Auf der Videoleinwand erscheint die Nummer 17, dazu ein Name: Patrick Reimer. Als Christian Rupp die Rückkehr des Kapitäns ankündigt, brandet Euphorie auf, es wird laut, so laut, wie man es kaum erwartet hätte an einem Freitagabend im Oktober.

Freitagabend, 19:32: Patrick Reimer betritt erstmals das Eis. Skatet schmerzfrei, holt sich den Puck, geht langsam wieder voran. Wunder vollbringt er natürlich nicht, die hatte aber auch keiner erwartet. Rob Wilson war jedenfalls überglücklich, dass er seinen Kapitän wieder dabei hat, in der Kabine, auf der Bank, für einige Minuten sogar auf dem Eis. „It was a big boost for the team“, sagt er, aber es sei doch unfair, von Reimer direkt Großes zu erwarten, „es wird ein paar Wochen dauern, bis er wieder da ist, wo er normalerweise ist.“

Three Stars

Uwe Krupp sagte nicht viel nach dem Spiel. Aber einen Nürnberger musste er dann doch namentlich erwähnen in seinen paar Sätzen. „Nürnberg hat uns heute die zweite Chance lange nicht gegeben“, sagte Krupp. „Und die brauchst du, wenn ein Torhüter wie Andreas Jenike so gut drauf ist.“ Man könnte jetzt alle Rettungstaten Jenikes aufzählen, aber dafür reicht wohl nicht mal der unendliche Platz des Internets. Andreas Jenike war zu Beginn der Saison gut, Niklas Treutle zuletzt noch ein bisschen besser – und Jenike gegen die Eisbären gefühlt nochmal besser. Wenn der Konkurrenzkampf auch in Zukunft beide Torhüter immer wieder zu neuen Höchstleistungen antreibt, um den jeweils anderen zu übertrumpfen, werden Fans und Berichterstatter noch viel Freude haben.

Rumms. Rummmms. Rummmmmms! Als David Steckel während des zweiten Drittels immer wieder seine Gegner in die Plexiglasscheibe donnerte, brandete irgendwann Szenenapplaus auf. Die gesunde Härte war notwendig, weil auch die Eisbären durch ihre aggressive Spielweise das Spiel zu dem machten, was es letztlich war. Ein packendes Eishockeyspiel mit „Playoff-Charakter“ (Wilson und Krupp) im Oktober 2017. Netter Nebeneffekt: Mit seinen Zeichen weckte Steckel auch seine Mitspieler wieder auf, die kurzzeitig ohnmächtig schienen gegen den Berliner Druck.

Wer gegen ein Spitzenteam wie Berlin nur ein Tor (und das 41 Sekunden vor Schluss in Unterzahl) kassiert, muss eine gute Defensive haben. Deshalb geht der dritte Stern an Brett Festerling und Tom Gilbert. Oder um es in den Worten von Rob Wilson zu sagen: „Festi was exceptionell, Gilbert was exceptionell.“

Und sonst?

Am Sonntag spielen die Ice Tigers in Düsseldorf, „ich war überrascht von einigen ihrer Ergebnisse“, sagte Rob Wilson am späten Freitagabend. Wenn dieser Beitrag online geht, wird Wilson sicher schon einen Plan ausgeheckt haben, wie er der DEG ein weiteres Negativerlebnis bereiten kann. Und Sebastian Böhm? Der steht zwar über diesem Beitrag, aber nur, weil es trotz großen Aufwands (natürlich) nicht geklappt hat, für mich einen eigenen Account zu erstellen. Die Technik. Oder: die IT(-Abteilung). Nächste Woche wird hier wieder der echte Sebastian Böhm auf Tiger starren. Versprochen. Er kann ja eigentlich auch gar nicht so lange ohne Eishockey.

3 Kommentare in “Spiel 14: Playoffs im Oktober

3 Comments
  1. Hallo,

    wow, dreier Rotation in der Blogredaktion… die Verletztenmisere hat die Pressetribüne erreicht 😉

    Zum Spiel:
    Verdienter Punkt für die Bären, auf jeden Fall. Allerdings auch glücklich, ohne Überzahl pünktlich in den letzten beiden Spielminuten wäre das nix geworden. Jenike hatte wirklich einen unglaublichen Tag. Vahanen beim 1:0 unglücklich, passiert.

    Top 3:
    Jenike – klasse Leistung
    Steckel – starkes Spiel, das ich nicht auf die beiden Checks gegen Hördler (?) reduzieren würde
    Gilbert – ist gestern mit einigen klugen Pässen positiv aufgefallen und, viel wichtiger, hat imo keinen Fehler gehabt… bin gespannt, wie seine Entwicklung weiter geht.

    Schiri:
    Solide, warum die Aktion von Vahanen 5 Minuten vor Jurcina’s X-Check nicht gegeben wurde, jener eben dann aber schon verstehe ich mal wieder nicht. Imo aber die einzig wirklich Auffälligkeit.

    Und Sonst:
    Freu mich schon auf Januar, wenn die Bären wieder nach Nürnberg kommen. Dieses mal dann bitte mit netten Fans, gell @WalkerBaerenNews 🙂

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  2. war ein schön anzusehendes Spiel. Beide Teams schenkten sich trotz der Ausfälle nichts.
    Ausbaufähig ist weiterhin das Powerplay, zwar etwas kreativer aber es fehlen jetzt die Schüsse teilweise.
    Heute für mich ganz stark neben Steckel wieder mal Segal. Der ist schon mal wieder in Frühform, hoffe er kann im März nochmal zulegen.

    Interessant zu sehen war es teilweise, wie ein Weber mit Richmonds Provokation umgeht, da wird einfach gegrinst und weggefahren.Generell wirkt das Team in solchen Situationen etwas abgebrühter und „greift“ nur wirklich dann ein, wenn es sein muss.

    Jurcina wird wohl Jenike für den verpassten Shutout einen Kasten Spezi zahlen müssen, wenngleich aus meiner Sicht Olver auch etwas clever fällt.
    Es ist aber wirklich erstaunlich wie Jenike sich zurückmeldet. Das kann heuer ein großes Plus sein.
    Ansonsten muss man erneut und weiterhin vor Reino den Hut ziehen. Defensivarbeit macht er bisher sehr stark.

    Ansonsten: ich kann mit dem Schiri Kopitz bisher wenig anfangen. Da fehlt mir als Ex-Profi bei ihm manchmal das Fingerspitzengefühl.

    @bidole: ja, war Hördler. Der Gute hatte danach teilweise respektablen Abstand zu Stecks 😀

  3. Es war ein sehr spannendes auf Augenhöhe geführtes Spiel beider Teams, in dem sich die Berliner den Punkt redlich erkämpft und verdient haben. Beide Teams waren stark dezimiert und boten trotzdem großartiges Eishockey. Beide Torhüter boten Topleistungen und hielten ihre Teams im Spiel. Was mich überraschte war der meines Erachtens der zu schneller Verzicht auf die 4 Reihe im Spiel, es ist erst der 14 Spieltag und es folgen noch 38 da sollte man nicht bei jeder Begegnung auf 3 Reihen umstellen. Kostet brutal viel Kraft die dann vielleicht in den Playoffs fehlen wird. Die jungen Spieler müssen lernen sich in solchen Spielen zu beweisen und taten es bisher zu vollsten Zufriedenheit. Und ich kann nicht verhehlen einen Spieler wie Brandon Prust gewaltig zu vermissen. Spieler seines Kalibers beruhigen das Spiel der eigenen Mannschaft ungemein und geben dem Gegner nicht Möglichkeit sich an den Nürnberger Spielern wie die Berliner vor den eigenen Tor auszutoben. Da hat man gewaltig fast ohne Gegenwehr einstecken müssen. Die Körpersprache des Teams gefiel mir in dem Spiel überhaupt nicht. Auf Provokationen sich grinsend abdrehen und wegfahren geht (Punkterunde) überhaupt nicht (Playoffs) manchmal angebracht. Dieses verhalte als abgebrüht und gereift zu sehen? ich weiß nicht. Ich hoffe das nach und nach alle genesenen Spieler zu Verfügung stehen und wir wieder mit 4 Reihen spielen werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *