Spiel 12: Nicht genügend Pferde

Foto: Thomas Hahn/Zink

Freitag, der 13. (der Dreizehnte!). Krefeld war zu Gast (Krefeld!). Sebastian Böhm starrt nicht auf Tiger, sondern auf den SKA St. Petersburg (St.Petersburg!). Kann es noch schlimmer kommen? Ja, kann es. Es folgt der erste Blog-Eintrag von Sebastian Gloser, der an dieser Stelle noch einmal den 3:2-Erfolg der Ice Tigers verhandelt.

Warm-up

  • Nach dem 3:2 (1:0, 1:1, 1:1) seiner Ice Tigers war Rob Wilson vor allem: stolz. Stolz darauf, dass seine Mannschaft das vierte Spiel in Serie gewonnen hat, vor allem, dass sie die Mutter aller undankbaren Hauptrundenspiele gewonnen hat.
  • Was Wilson nicht gefallen hat: die erste Hälfte des zweiten Drittels, weil es ihm zu sehr hoch und runter ging. „Dafür“, sagte der Coach der Ice Tigers, „fehlen uns aber gerade die Pferde“. Schön, dass die Stadionregie bereits während der Partie so spontan reagierte und das unkaputtbare „Cotton Eye Joe“ von Rednex aufgelegt hat.
  • Ja, auch an diesem Abend hätte man mit den Verletzten der Ice Tigers eine sehr prominente Reihe zusammenstellen können. Teubert/Köppchen – Ehliz/Reimer/Buzas. Und nein, einen Neuzugang haben die Ice Tigers deswegen trotzdem noch nicht vorgestellt.
  • Die Meinung, dass Krefeld an diesem Freitagabend durchaus einen, zwei oder sogar drei Punkte aus Nürnberg hätte mitnehmen können, hatte Gästetrainer Rick Adduono hinterher keinesfalls exklusiv. Selbst Wilson schloss sich dieser Meinung an. Adduono war vor allem: stolz – aber natürlich auch ein bisschen enttäuscht über den Ausgang der Partie. „Ich habe kein Wort für ‚keine Punkte’“, sagte er, dabei hatte er doch sogar zwei Wörter dafür gefunden.
  • Mannheim verliert zu Hause gegen Iserlohn mit 2:5. Wer in diesem Fall auf einen Sieg des (nun ehemaligen) Tabellenletzten 100 Euro gesetzt hätte, wäre jetzt je nach Wettanbieter um 350 Euro reicher. Nur mal so nebenbei.

Das Spiel

Das Wort „Pflichtsieg“ ist irgendwie so ein bisschen 90er, zumal es ja laut Rudi Völler keine Kleinen mehr gibt (Mist, ein Fußball-Querverweis gleich im ersten Eishockey-Blog-Eintrag). Laut Rob Wilson gibt es die Kleinen sogar nicht einmal mehr in der DEL, der Videotext auf dem Fernsehbildschirm im Pressekonferenzraum der Arena hatte am Freitagabend dafür sogar das passende Argument parat (Stichwort: Iserlohn). Kein Spiel ist einfach, auch nicht für den Tabellenführer, erst recht nicht, wenn einige Stammkräfte fehlen. Dieses war es auch nicht, schnell erzählt ist es trotzdem: Philippe Dupuis bringt die Ice Tigers mit einer schönen Einzelaktion in Führung (6.), die Ice Tigers verschlafen den Start ins zweite Drittel, Jordan Caron (erst zu Beginn dieser Woche verpflichtet) erzielt den Ausgleich (1:1), Nürnberg wacht nach einer umstrittenen Strafzeit gegen Dupuis gegen Ende des zweiten Drittels wieder auf, Leo Pföderl wackelt kurz mit der Hüfte und erzielt locker-leicht das 2:1 (38.), Brandon Segal denkt, dass er mit dem 3:1 (52.) endgültig die Spannung aus der Partie nimmt, doch die kehrt postwendend zurück, weil Markus Nordlund mit einem verdeckten Schuss noch einmal verkürzt (53.). Dann folgt der Moment des Abends.

Der Moment

Zehn, neun, acht…
Die Zuschauer zählen die letzten Sekunden des Spiels herunter.
Sieben, sechs, fünf…
Krefeld kommt noch einmal gefährlich vor das Nürnberger Tor.
Vier, drei, zwei…
Haben sich die 4027 Anhänger der Ice Tigers (abzüglich der etwa 27 mitgereisten Krefeld-Fans) zu früh gefreut?
Eins. MÖÖÖÖÖP!
Nein, haben sie nicht. Die Schlusssirene ist eine Erlösung. Im Gegensatz zur Vorwoche, als der Meister zu Gast war, wollte diesmal niemand mehr eine Verlängerung sehen. Außer wahrscheinlich den 27 mitgereisten Krefeld-Fans.

Three Stars

Schon wieder Niklas Treutle. Im Oktober 2017 könnte man auf die Idee kommen, dass er einen sehr cleveren Plan entwickelt hat, den Trainer davon zu überzeugen, bei den Heimspielen immer ihn ins Tor zu stellen. „Trainer, gegen meinen Ex-Klub München bin ich immer sehr motiviert.“ „Ok, du spielst.“ „Trainer, gegen meinen Ex-Klub Krefeld bin ich immer sehr motiviert.“ „Ok, du spielst.“ Schade, dass es die Hamburg Freezers nicht mehr gibt. Treutle hat sich für das Vertrauen bedankt, indem er im zweiten Drittel die Schüsse seiner ehemaligen Kollegen Müller und Pietta entschärft hat, am Sonntag könnte trotzdem wieder Andreas Jenike im Tor stehen, der hat schließlich noch mindestens eine Rechnung mit Wolfsburg offen.

Philippe Dupuis war stark, aber Leo Pföderl hat den noch besseren Lauf. Beide haben nun sechs Treffer erzielt in dieser Saison. Sie müssen sich diesmal diese Auszeichnung teilen.

Und zuletzt: die medizinische Abteilung. Warum das, wo doch so viele verletzt sind? Weil sehr intensiv daran gearbeitet wird, dass am nächsten Wochenende zumindest wieder Yasin Ehliz und Patrick Reimer auf dem Eis stehen. Wenigstens hat Wilson diese Hoffnung geäußert.

Und sonst?

Arbeitet der Kollege Böhm gerade an dem Buch „111 Gründe, den SKA St. Petersburg zu lieben“. 3,5 Gründe hat er angeblich schon gesammelt in den letzten Tagen. Kleiner Spaß. Am Sonntag spielen die Ice Tigers in Wolfsburg auf, kommende Woche ist Berlin zu Gast. Kann es noch besser werden? Ja, den nächsten Blog-Eintrag übernimmt wieder der Kollege.

13 Kommentare in “Spiel 12: Nicht genügend Pferde

  1. Na Schaubs Herr Gloser, ist doch gar net so schwer. Der Herr Böhm hätte zu dem Spiel auch nicht mehr Text gefunden (Superlativ freies Spiel). Das mit dem Fußball könnens ja nochmal üben, ist nicht so gern gesehen aber es sei verziehen. Zum Spiel fällt nix ein außer (wo ist das Phrasenschwein?), in ein paar Tagen fragt keiner wo die Punkte her kommen.
    Solche Spiele muss ein Team auch erstmal gewinnen, das schweißt zusammen.
    Segal ein hervorragender Kapitäns Ersatz.

  2. Bravo Herr Gloser! Ein sehr sachlicher Bericht zum Spiel. Ihre Three Stars kann ich unterstreichen. Die Begegnung wog hin und her und hätte eigentlich die Krefelder vorne sehen müssen. Schwamm drüber, die 3 Punkte hat sich das Team erkämpft und wie Basti schon schrieb am Montag schreit keine Sau mehr danach wie es zustande gekommen ist. Spielerische Glanzpunkte kann das Team momentan eh nicht setzen (viele Verletzte). Ich persönlich sehe das Team hinter einer Nebelwand nicht so recht wissend wozu es fähig ist. Einzelne Spieler in der jetzigen Phase der Meisterschaft zu kritisieren halte ich für viel zu verfrüht und nicht angebracht, wobei man schon die eine oder andere Bemerkung anbringen könnte.

  3. Danke für den Blogeintrag. Meiner Meinung nach könnte er etwas üppiger ausfallen – aber das Spiel gab ja leider nicht mehr her. Daher ein undankbarer erster Eintrag für Sie. Dennoch sehr gelungen!
    Wenn man schon die zweifelhafte Strafe gg Dupuis anmerkt, sollte man sich auch nochmal den Handpass von Möchel (?) anschauen, der kurz vor dem Bully zum Pföderl-Tor entstand. Da waren die Schiedsrichter glücklicherweise kurz blind.

    Wieviele Spieler können wir eigentlich noch unter Vertrag nehmen?

  4. So ein Spiel für den ersten Blog ist sicherlich alles andere als Ideal, trotzdem ist er gelungen.
    Bravo Herr Gloser!

  5. Guter erster Eintrag, nur die Frau mit Brille fehlt😉 Dups war für mich bester Ice Tiger gestern, ansonsten war es zähe Kost, war aber irgendwie so zu erwarten.

    Extrem kurz Bank aktuell, daher drei sehr wichtige Punkte.

  6. Danke für den Beitrag. Dürfen gerne weitere folgen 🙂

    Zum gestrigen Spiel gibt es noch anzumerken: Die sehr hohe Bully-Quote mit 63% hat uns sicher geholfen. Dadurch konnten wir nach vielen Anspielen Kraft sparen. Und trotzdem wirkte die Mannschaft etwas müde in den letzten Minuten. Die Center hatten ja mehr als 20 min Eiszeit in den Beinen. Zum Glück ging das Spiel nicht noch länger…

    Nach dem Spiel haben wir noch darüber debattiert, warum Alanov im letzten Drittel keine Eiszeit mehr hatte. So schlecht war das vorher gar nicht. Pfleger strahlt zwar mehr Torgefahr aus, aber die #95 hätte sicher noch ein paar Wechsel fahren können…

    Das man bei dem Gegner – für die Pinguine geht es ja nicht um schön spielen sondern um jeden einzelnen Punkt – und dem dünnen Kader der Ice Tigers kein Glanzstück erwarten konnte, war klar. Ich fand, dass das Team doch recht abgezockt spielt. Wie schon gegen BHV hatte ich das Gefühl, dass das Team noch etwas zulegen kann, wenn es notwendig ist.

    Habe die PK live in der Fankneipe verfolgt. Hörte sich von Wilson eher wie Hoffnung an. Ich glaube nicht, dass #42 und #17 nächste Woche wieder auf dem Eis stehen. Und damit sind wir bei den Verpflichtungen. Können wir keinen Spieler verpflichten, der zeitnah einen deutschen Pass bekommt, kommt eine Verpflichtung mit einer AL vielleicht im November aber nicht kurzfristig. Denn das bringt uns nicht weiter, es sei denn, es spielen derzeit AL mit leichten Verletzungen (was wir aber nicht sehen oder wissen).

    Nach 12 Spielen kann man schon mal auf ein paar Statistiken schauen:
    – In 10 der 12 Spielen haben die Ice Tigers gepunktet.
    – 2,25 Punkt im Schnitt wären am Ende 117 Punkte. Sicher geht es so nicht weiter. Doch die Ausbeute bisher ist beeindruckend.
    – Mit 18 von möglichen 21 Punkten werden wir zuhause richtig verwöhnt. Kein Team ist bisher besser
    – Mit 20% ist unser Powerplay besser als im letzten Jahr. Es wirkt in den letzten Spielen teilweise auch richtig stark. Zuhause ist die Quote sogar bei 22,7%
    – Unser Unterzahl ist derzeit nicht so stark. Das Team liegt fast 6% unter dem Wert vom letzten Jahr. Trotzdem ist das Platz 6 in der Liga
    – Beim Spiel 5to5 sind wir prima. Die 5to4 F-A Ratio ergibt einen Wert von 1,67 (wir schießen 1,67 Tore bei einem Gegentor). Bleiben wir von der Strafbank weg, hat es der Gegner richtig schwer…
    Unseren 35 Überzahlsituationen stehen 49 Unterzahl gegenüber. Da ist noch Potenzial…
    – Letzte Saison hatten wir viel mehr Schüsse als unsere Gegner. Das ist diese Saison anders. 350 Schüssen der IceTigers stehen 419 der Gegner gegenüber. Nimmt man ‚Schüsse vorbei‘ und ‚geblockte Schüsse‘ hinzu ist das Verhältnis noch mehr zu Gunsten der Gegner. Aktuell gleichen wir das durch eine sehr gute Schuss-Effizienz wieder aus.
    – 33 unser 37 Tore wurden von Stürmern geschossen. Diese teilen sich 11 Stürmer und 2 Verteidiger (3x Aronson und 1x Torp). Alle 4 Verteidiger Tore fielen zuhause. Auswärts vielleicht öfter mal von der Blauen schießen…
    – Wir sind wieder das beste Team am Bully. 54% gewonnene Anspiele im Schnitt. Nur in Berlin (45%) und in Straubing (49%) war uns der Gegner überlegen.
    – Inzwischen schießen wir auch im ersten Drittel Tore. Das war in den ersten Spielen gar nicht der Fall. Aktuell sind es 8. Da aber 14 Gegentore gegenüberstehen ist es unser schlechtestes Drittel.
    – Gefühlt lagen wir in dieser Saison immer zurück. Ja, war die ersten 5 Spiele so (trotzdem 4 Siege). Inzwischen hat sich das geändert. In den letzten 7 Spielen gingen die Ice Tigers fünf mal in Führung.
    – Von den sieben PP-Toren wurden die ersten vier Tore von der zweiten Formation geschossen. Die letzten drei fielen durch die erste Formation
    – Bisher wurde noch kein Shorthander geschossen
    – 30 Tore wurden bei 5to5 geschossen. Diese verteilen sich wie folgt auf die Angriffsreihen:
    — 1. Reihe (Reinprecht-Reihe) 10 Tore
    — 2. Reihe (Steckel-Reihe) 8 Tore
    — 3. Reihe (Dupuis-Reihe) 11 Tore
    — 4. Reihe 1 Tor

    Und sonst. Spitzenreiter. Was wollen wir mehr…
    Vorfreude auf morgen. Sehr gespannt wie sich der kleine Kader schlägt…

    Grüße Frank

  7. Hallo,

    schöner Blog! Da die Saison lang ist, wäre auch hier ein Wechselspiel kein Fehler. Nicht, dass der Titel am stumpfen Bleistift scheitert… 😉

    Leider konnte ich das Spiel nicht sehen, daher kein Kommentar dazu.

    Dass wir, nicht ganz unerwartet, heute als Tabellenführer nach WOB fahren, liegt sicher auch daran, dass Dupuis und Segal (FAN!) mehr als konstant spielen. Solange die beiden (+ Steckel und Pföderl) gesund bleiben, hat das Team immer die Chance auf den Sieg.

    Defense ist mit Aronson und Treutle ebenfalls gut verstärkt. Hier würde uns die Rückkehr von Teubert noch stärker machen, so langsam glaub ich aber nicht mehr dran. Sehr schade!

    Bin gespannt, wie es heute in WOB läuft…! Hoffe, alle kommen gesund wieder aus Dieselgate-Town…

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  8. Angesichts der Ausfälle (nicht jedes DEL-Team kann anscheinend dies kompensieren siehe Mannheim gegen Iserlohn) sollten wir mit der vollen Punktzahl in Straubing und gegen Krefeld voll auf zufrieden sein. Diese Punkte sind immens wichtig, da jetzt die sogenannten dicken Brocken kommen: Heute in Wolfsburg und dann zu Hause gegen Berlin und Köln.

    Auch wenn das Spiel gegen Krefeld vor allem im Mitteldrittel etwas zäh war, findet die Mannschaft einen Weg, diese undankbaren Spiele zu gewinnen. Mir gefällt dabei die derzeitige Spielfreude eines Phil Dupuis. Und das Tor von Pföderl muss man aus diesem spitzen Winkel erst einmal machen. Somit alles gut!

  9. Was natürlich stimmt. Es sind 30 Tore bei gleicher Spieleranzahl auf dem Eis (EQ). 5to5 ist da ungenau…

  10. Und heute noch einen Dreier gegen WOB nachgelegt!
    Das sieht über weite Strecken nicht besonders attraktiv aus, was die Jungs da spielen, aber für einen Sieg reicht es ja meistens doch. Bei der aktuellen Verletzungsmisere (hoffentlich kommt jetzt nicht noch Treutle dazu…) muss man das Gebotene allerdings ganz hoch einschätzen. Einen Schönheitspreis braucht niemand.
    Heute größtenteils sehr gute Defensivarbeit mit einem erneut überragenden Niklas Treutle. Etwas Glück war dann natürlich auch dabei.
    Eigentlich gibt’s nichts zu meckern. Vielleicht nur, dass Spieler wie Pfleger oder Pohl bei dieser dünnen Personaldecke (Alanov, Busch nur sporadisch auf dem Eis) etwas mehr reißen müssten. Von den beiden kommt mir zur Zeit etwas zu wenig.

    Übrigens: Gelungenes Debut von Herrn Gloser – weiter so!

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