Spiel 7: Kämpfen und Segal

Foto: Roland Fengler

„Zum ersten Mal in dieser Saison haben die Ice Tigers das erste Tor erzielt. Was ist da schiefgelaufen“, fragte Christian Rupp, der ungerührte Arena-Sprecher, Rob Wilson. Und Pat Cortina, der ehemalige Bundestrainer und aktuelle Chefcoach der Schwenninger Wild Wings grinste, obwohl gar nichts schiefgelaufen war. Dieses 3:0 erfüllte seinen Zweck. Auch deshalb: Willst du Nürnberg unten sehen, musst‘ Du die Tabelle drehen. Weitere Weisheiten zum 3:0 gegen Schwenningen nach dem Sprung.

Warm-up

  • Man muss diese Liga nicht verstehen. An einem Freitag sieht der Augsburger EV wie der kommende Deutsche Meister aus, an einem anderen Freitag verliert er gegen den Tabellenletzten. Die DEG blamiert sich in Krefeld und besiegt fünf Tage später den Meister. Mannheim kassiert zu Hause ein halbes Dutzend Tore. Und nach dem 3:0 (1:0, 0:0, 2:0) pragmatischer Ice Tigers muss man sich fragen, wie diese Schwenninger Wild Wings zu drei Siegen gekommen sind?
  • Nicht schlecht ist nicht gut genug gegen eine solche Top-Mannschaft wie Nürnberg.“
    (Pasqualino Cortina)
  • Für 15 Minuten und 29 Sekunden hatte Nichlas Torp mehr Tore erzielt als Patrick Reimer und Leo Pföderl zusammen (Euer Schmunzeln gebührt dem Mann an meiner Seite… auf der Pressetribüne).
  • Brandon Segal ist der most valuable player dieser jungen Saison. Hab ich das schon geschrieben? Wahrscheinlich. Egal. Das kann man bislang nicht oft genug wiederholen. Mittlerweile trägt er sogar das C. Schöne Vorlage zum 1:0.
  • Apropos C: Patrick Reimer wollte wohl spielen, angesichts der vielen Spiele in den kommenden Tagen aber hat man sich gegen einen Einsatz entschieden. Es kann gut sein, dass er auch in Ingolstadt und gegen Bremerhaven noch nicht wieder dabei ist. Bis zum Saisonende aber wird der eigentliche Kapitän nicht ausfallen. Das nur für diejenigen, die panisch reagieren, wenn Wilson von „just a little knock“ redet.
  • 20 Minuten hatte ich die Ehre, mit Lenz Funk ein Training der Ice Tigers zu beobachten. Das hat gereicht, um nachvollziehen zu können, warum bis zuletzt Journalisten aus Berlin nach Greiling gefahren sind, um Funk zu besuchen. Funk hat jeden Raum dominiert, sowohl leere Eishallen im Sommer als auch volle Eisflächen in den 70er Jahren. Das deutsche Eishockey hat eine seiner ganz großen Persönlichkeiten verloren. Ich empfehle hierzu die leicht zu ergoogelnden Artikel von Günter Klein, Claus Vetter und Florian Kinast.
  • Am Nachmittag hat Christoph Fetzer angerufen. Allzu viel konnte ich ihm dann allerdings auch nicht über die Ice Tigers erzählen, was er nicht schon wusste. Führt er derlei Gespräche vor jedem seiner Einsätze, telefoniert er ziemlich viel. Und noch etwas: Von einem anderen Telekommunisten habe ich noch keinen Anruf erhalten. Diesen Unterschied in der Vorbereitung, den hört man dann auch ziemlich deutlich.

Das Spiel

Marco Wölfls Saison war gerade einmal sieben Minuten und 50 Sekunden alt, da hatte er bereits zum dritten Mal beste Sicht auf einen Nürnberger Schützen. Rob Wilson hatte zuvor Schwenningens Defensive gelobt und nach dem 3:0 noch einmal festgestellt, wie schwer es sei, gegen diese von Pat Cortina bestens gecoachte Mannschaft überhaupt mal ein Tor zu erzielen. Dabei war es nur Dustin Strahlmeiers Ersatz, der es den Ice Tigers im ersten Drittel schwer gemacht hatte. Nach Philippe Dupuis 1:0 war Marco Pfleger so überrascht von Zeit und Platz, dass er den Puck alleine vor Wölfl am kurzen Pfosten vorbeizielte. Nürnberg dominierte das erste Drittel, verwaltete das 1:0 im ereignislosen zweiten Drittel. Danach sagte Wilson seiner Mannschaft, dass sie das Spiel beim nächsten Fehler verlieren würde. Wahrscheinlich hat Nichlas Torp deshalb auf den Ausgleich gedrängt, vielleicht hatten die Schwenninger aber auch nicht damit gerechnet, dass der eher rustikale Schwede so präzise würde schießen können. Danach wurde wieder verwaltet. Die Ice Tigers spielen Sonntag, Dienstag, Freitag, Sonntag – auf ein intensives Schlussdrittel legte niemand Wert. Schwenningen auch nicht. An dieses Spiel wird man sich nicht lange erinnern, das war bei diesem Gegner schon einmal anders.

Der Moment

Leo Pföderl hat sich nicht gefreut. Wahrscheinlich war er erleichtert. Gezeigt hat er nicht. An diesem Abend konnte man sich nicht freuen, wenn man wie Pföderl aus Gaißach kommt oder aus Reichersbeuren, Tölz und Greiling. Am Abend nachdem Lenz Funk senior den Kampf gegen den Krebs verloren hat, war man nicht erleichtert. Danach wollte er mit den Kollegen auch nicht mehr sehr viel ausführlicher über sein erstes Saisontor im siebten Spiel reden. Vielsagender waren die Reaktionen seiner Kollegen. „Auf der Bank haben sich alle sehr für ihn gefreut“, sagte Rob Wilson. „Es ist gut, dass er den Affen vom Rücken hat.“ Vor allem weil man in den 56 Minuten zuvor gesehen hat, wie sehr Pföderl gelitten hatte. In einem Wechsel rauschte er ungebremst in David Steckel hinein, in einem anderen Wechsel schien er nach einem leichten Puckverlust und zwei Schubsern an der blauen Linie zu verzweifeln. Die Direktabnahme eines schönen Reinprecht-Querpasses aber hat schon wieder besser ausgesehen. Wölfl verhinderte da noch das Premierentor des Torjägers. Im entscheidenden Moment aber erinnerte sich Pföderl an die Schwächen des Schwenninger Torhüters. Wölfl und er hatten im Tölzer Nachwuchs zusammengespielt, Pföderls 3:0 war sicher kein Zufall. Allerdings war es vielleicht auch für den Mann aus Schongau kein einfacher Tag.

Three Stars

Niklas Treutle hat seine erste Rolle als Ice Tiger gemacht. Und zwar so, wie man eine solche Rolle in Erinnerung hat. Nicht seitlich, hasenfüßig, sondern frontal, dynamisch – so wie einst Gerhard Hegen. Es ist nur leicht übertrieben, wenn man vermutet, dass der Purzelbaum mehr Konzentration gefordert hat als der Shutout zuvor. Treutles Stellungsspiel war makellos, er machte sich nicht klein wie an weniger gelungenen Abenden, sondern groß. In 125 Minuten hat er nur einen Gegentreffer kassiert. Starker Start. Wilson wird trotzdem wieder wechseln, spätestens am Dienstag gegen Bremerhaven.

Keine Three Stars ohne Yasin Ehliz, der auch weiterhin Topform ist. Ehliz ist gedanklich schnell, defensiv umsichtig und selbst an Abenden ohne Punkt maximal wertvoll für die Ice Tigers.

Christoph Fetzer hatte sich auf Taylor Aronson gefreut. Nach 20 Minuten hat er geschrieben: „Aronson hat eine wahnsinnige Ruhe an der Scheibe.“ Wer bin ich, dieser Erkenntnis zu widersprechen.

Und sonst?

Sollte man sich unbedingt noch einmal das hier anschauen: