Spiel 3: Wie Hannover 96

Foto: Thomas Hahn/Zink

Damit hatte natürlich niemand rechnen können. Noch nicht einmal zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison. Aber nun ist es doch passiert – ausgerechnet nach einem Sieg, dessen Ergebnis klarer aussieht, als es das Spiel war: Hannover 96 ist Spitzenreiter der Fußballbundesliga. Was letztlich wenig über Hannover 96 aussagt, den Fans der Ice Tigers aber bei der Einordnung der aktuellen Tabelle der Deutschen Eishockey Liga hilft. Dem Tabellenbild sollte man sich in dieser Sportart eben grundsätzlich erst nach der Jahreswende widmen. Freuen darf man sich trotzdem über ein abwechslungsreiches 5:3 gegen die Düsseldorfer EG.

Warm-up

  • Noch einmal: Die Ice Tigers sind Spitzenreiter. Nach drei Spielen. Niemand nimmt das ernst, schon gar nicht in Nürnberg. Trotzdem kann man das feiern. Mehr muss man dazu nicht schreiben.
  • Der letzte Spieler, der in Nürnberg durch einen solch außergewöhnlichen Schuss aufgefallen ist, hieß Ahren Spylo. Und der spielte nach einer 41-Tore-Saison in der KHL. Auf meine sicher nicht restlos ernst gemeinte Frage, ob ihm sein Spielerberater bereits von ersten Anrufen aus Sotschi, Astana, Ufa oder Peking berichtet hat, antworte Dane Fox: „No way. I like it here in Germany. I love it here. This is where my hearts at right now.“ Danach hat er noch den Tigerkopf auf seiner Brust geküsst. Nein, hat er nicht.
  • Nur mal so: Verteidiger Taylor Aronson hat in seinen ersten drei DEL-Spielen fünf Punkte gesammelt. Den Fehler, sich erneut für ein Engagement in der KHL zu entscheiden, wird zumindest er sicherlich nicht mehr so schnell machen.
  • David Steckel hat die ersten beiden Bullys verloren. What? Danach hat er für Unruhe gesorgt, Leo Pföderl Platz verschafft und sich zum ungünstigsten Zeitpunkt ein dummes Foul geleistet. „Das war keine gute Zeit, um sich eine Strafzeit zu leisten. Aber alles in allem hat er gut gespielt. Dass er ins Team zurückgekehrt ist, hat einen anderen Leo hervorgebracht. Das ist diese eine Sache, die David dem Team gibt, mal abgesehen von all seinen anderen Vorzügen: Er bringt das Beste in Leo hervor.“
  • Patrick Reimer hat bislang genauso viele Tore wie Leo Pföderl und Oliver Mebus und Nichlas Torp. Seine Mannschaft aber hat bereits neun Punkte. Man kann davon ausgehen, dass das dem Kapitän sehr viel wichtiger ist.
  • In Köln, in Augsburg, gegen Mannheim – bei allem Respekt vor Berlin, Iserlohn und der DEG, erst nach den kommenden drei Spielen wird man sehen, wie gut die Ice Tigers im September 2017 wirklich schon sind.

Das Spiel

Die Düsseldorfer EG ist gut strukturiert aufgetreten. Alexander Barta hatte seine Momente, Spencer Machacek und Jeremy Welsh ebenfalls. Mathias Niederberger hatte das Pech, souveräner aufzutreten als gegen Augsburg und in Straubing und trotzdem drei Mal aus spitzem Winkel überwunden zu werden. Schlecht ausgesehen hat er bei den anderen beiden Nürnberger Treffern. Und wie in nahezu jedem anderen DEL-Spiel hätte das Ergebnis auch in die andere Richtung kippen können. Aber so stark wie Rob Wilson habe ich die DEG nicht gesehen. Der Coach würdigte die bewegliche Abwehr, das System und und sagte: „Sie werden noch eine Menge Spiele gewinnen.“ Mag sein. An diesem dritten Spieltag aber hat die Qualität der DEG nicht ausgereicht, um eine keineswegs gefestigte Nürnberger Mannschaft ernsthaft zu gefährden. Wilson war sehr zufrieden mit den ersten 50 Minuten und lediglich enttäuscht von „den zweifelhaften Strafen, die alleine wir zu verantworten haben“. Für mich war das Spiel eine Blaupause des Spiels gegen Iserlohn – mit einem defensiv ungeordneten, offensiv aber immerhin etwas präziseren ersten Drittel. Die Energie, die Wilson aber plötzlich ausgemacht hatte, muss mir entgangen sein. Die Ice Tigers mussten sich die DEG erst im Power-Play zurechtlegen, die dritte Strafzeit war gerade am Ablaufen, als Dane Fox Nürnberg ins Spiel zurückholte. Ein schnelles reingemöcheltes Tor und eine Kiss-Cam-Einlage später herrschte erstaunlich gute Stimmung in der Arena für einen Freitagabend im September. Die DEG konnte Fox und die Nürnberger Offensive danach nicht mehr entscheidend aufhalten, erzielte zwar noch zwei schöne Power-Play-Treffer. Aber als es zählte, verteidigten die Ice Tigers in Unterzahl wieder sehr aufmerksam. Das Empty-Net-Goal zält wiederum nicht zu ihren Stärken.

Der Moment

Milan Jurcina hat nicht nur den größten Hintern, den Rob Wilson jemals an einem Eishockeyspieler gesehen hat. Milan Jurcina ist zuweilen auch ein mean motherfucker (Stimmt’s, Jean-Francois Boucher?). Genau das macht ihn so wertvoll. Und natürlich wird er wieder einen Gegner auf dessen Weg in die Bande ein wenig anschieben. Diesmal krachte Manuel Strodel deshalb in Oliver Mebus, das war gefährlich für Strodel und Mebus. Jurcina deshalb per Spieldauerdisziplinarstrafe auf die falsche Seite der Bande zu schicken, war „harsh“, wie es Wilson ausdrückte. Falsch aber war es auch nicht – wenngleich sich die Pressetribüne darüber uneins war (eigentlich waren nur der Kollege Meyer von der Eishockey News eins, alle anderen waren zwei); wenngleich Jurcina allenfalls zwei Minuten hätte aussetzen müssen, wenn Mebus Strodel nicht in die Quere gekommen wäre. Egal, wie man diese Szene beurteilt, ist es aus Sicht von Markus Krawinkel und Andre Schrader bedauerlich, dass die Diskussion über diese Strafe ein ansonsten bemerkenswert gute Schiedsrichterleistung überstrahlt. Vor allem in Sachen Körpersprache, Entscheidungsschnelligkeit und Auftreten gegenüber den Spielern waren die beiden Männer in Schwarzweiß-Gestreift sehr überzeugend. Vielleicht war es genau der richtige Zeitpunkt für Lars Brüggemann, um seine Qualitäten an seine Kollegen weiterzugeben.

Three Stars (präsentiert von den Shorthanded News)

„Fox, you know what, er hat einen Torriecher. Deshalb haben wir ihn geholt. Er ist ein junger Bursche mit viel Energie und er weiß, wo der Puck hingehört. Aber er muss noch eine Menge lernen.“ Den letzten Satz antwortet Rob Wilson auf jede Frage nach Dane Fox. Tatsächlich scheint er aber schon ziemlich viel gelernt zu haben. Zum Beispiel, wie man aus spitzem Winkel Tore erzielt – gegen einen Goalie, der vernünftig positioniert ist. Yasin Ehliz hat ihm das beigebracht. Zumindest hat das Dane Fox erzählt. Rechts vor dem Torhüter, „im Power-Play spielen wir da beide. Wir haben Schüsse aus diesem Winkel geübt. Torhüter rechnen da nicht unbedingt mit Schüssen. Yasin hat mir Tipps gegeben. Das hat mir sehr geholfen.“ Wie man sich bei Trainern und Mitspielern beliebt macht, hat er auch schon gelernt. Während des Spiels lehren ihn Wilson und Mike Flanagan – indem sie auf Fox einreden. Auch das hat er erzählt. „Ich neige dazu, zu emotional zu werden. Sie erinnern mich hin und wieder daran zu relaxen. Auch das hilft mir sehr.“ Und vor dem Spiel hat er sich „Started from the Bottom“ von Drake gewünscht. Auch keine schlechte Wahl. Sechs Punkte in drei Spielen, vier Tore. Dane Fox muss trotzdem noch viel lernen. Das klingt wie eine Warnung an seine Gegner in der DEL.

Letzte Woche hatte er es nicht diese kurze Liste geschafft. Das war ein Fehler. Allein ob seines famosen Solos im ersten Drittel, dessen Vollendung Mathias Niederberger verhindert hat, muss er diesmal aufgenommen werden: Philippe Dupuis.

DEL-Eishockey-Spiele machen sehr viel mehr Spaß, wenn Milan Jurcina beteiligt ist. Herrlich, wie er Darryl Boyce hat abblitzen lassen, als der mit ihm tanzen wollte, großartig sein langer Pass auf Brandon Segal, unnötig sein Schubser gegen Strodel – aber das gehört wohl auch zum Gesamtpaket Jurcina.

Und sonst?

Sollte man sich das noch ansehen:

2 Kommentare in “Spiel 3: Wie Hannover 96

  1. scheinbar braucht das Team bisher einen Rückstand um aufzutauen 😀

    Das erste Drittel war noch durchwachsen aber danach folgte ja eine gute Steigerung. Sehr gut gefällt mir derzeit unsere zweite PP-Formation, da ist Gefahr drin und Abwechslung. Die erste Formation mit Reimer auf halblinks(Blick aus der Süd) ist sowas von berechenbar – war gestern wieder gut erkennbar.
    Ansonsten Mebus erneut mit gutem, einfachen Spiel. Das ist seine große Stärke, wenn er es durchzieht. Jenike mit starken Saves, da braucht man derzeit keine Angst haben. Defensiv wieder verbessert und Gilbert kommt langsam in Tritt.
    Dane Fox natürlich Mann des Abends, er zeigt mir bisher komplett das Gegenteil von meiner Skepsis. Der kann einer werden, muss aber weiterhin lernen wollen. Spannend wir jetzt schon sein, wenn wir auf der AL Position offensiv nochmal nachlegen, wer da raus rotiert(Stand heute).

    Refs mit gutem Spiel was jedoch durch die 5+SD am Ende zu nichte gemacht wurde.

    Bezüglich Empty-Netter: kommt es nur mir so vor, oder tun wir uns damit schon seit 1-2 Jahren schwer?

    • Sehe ich nicht nur derzeit genauso. Der ständige Versuch, Patrick Reimer (drei PP-Treffer 2016/2017) in Position zu bringen, ist so berechenbar wie unverständlich. Pföderl, Ehliz und Aronson, der zwar keinen harten, aber sehr überlegten Schuss hat, sind vollkommen ungefährlich. Gerade weil im Training daran so ausgiebig gearbeitet wird, muss man feststellen, dass da vor allem in Relation zum Talent wenig bei rumkommt.

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