2/7: 2:7

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So als kleiner DEL-Berichterstatter kann ich schon nachvollziehen, wie es sich anfühlen muss, Hedman, Nylander und Landeskog konzentriert und hochmotiviert hinterherzuhetzen und am Ende doch chancenlos unterzugehen. Da freut man sich tagsüber des Lebens, der Menschen und des Frühlings im hellen Köln, schreibt immer mal wieder ein bisschen was, macht Sport, unterhält sich sehr angenehm mit Basti Schwele, fühlt sich weltmeisterlich und muss dann spätnachts beim digitalen Stalken von Günter Klein feststellen, wie man es auch, wie man es sehr viel besser hätte machen können. Wer sich vorerst noch mit sehr viel weniger zufrieden gibt, der darf gerne auf „Weiter lesen“ klicken. Teil zwei des Seitensprung-Projekts „Männer, die Adler starren“ diesmal mit fiesen und ganz fiesen Fouls, vielen Toren und keinem weiteren Hitler-Vergleich.

Warm-up

  • Dennis Seidenberg ist für diese deutsche Mannschaft sowohl offensichtlich als auch in der Kabine unschätzbar wichtig. Aber würde er es ins schwedische Aufgebot schaffen? Genau.
  • Im Gegensatz zum 2:1 gegen die USA war Deutschland gegen die Tre Kronor-Träger nur auf der Torhüterposition gleichwertig aufgestellt. Dazu kamen dieser klinische, in allen Basics des Spiels nahezu perfekte Stil, mit dem noch kein deutscher Jahrgang jemals zurechtgekommen war – vor allem aber wollten die Schweden dieses Spiel unbedingt gewinnen und sie wollten es hoch gewinnen (siehe Das Spiel).
  • Das Risiko ist überschaubar, vor allem nach dem 2:1 gegen die USA. Aber bemerkenswert ist es schon, dass Marco Sturm weiterhin auf Korbinian Holzer wartet, der am Wochenende bereits in Deutschland war – allerdings aus familiären Gründen. Ohne den verletzten Christian Ehrhoff schickt der Bundestrainer derzeit nur sechs Verteidiger über die Bande, von denen allenfalls Seidenberg das deutsche Offensivspiel gegen überlegenen Mannschaft verlässlich einleiten kann. Und auch wenn die Mannheimer Kollegen auf meine Nachfrage kommentarlos abwinkten, mit Sinan Akdag hat Sturm noch einen Abwehrspieler auf der Tribüne sitzen, der läuferisch und technisch sicher nicht schlechter ist als Denis Reul, der auf diesem Niveau seinen wuchtigen Körper bislang zu selten hat einsetzen können.
  • Freitag: Johnny Hockey. Samstag: William Nylander. Montag: Nikita Kucherov. Es macht Spaß, die ersten Spiele der deutschen Mannschaft zu verfolgen. Darüber gibt es weltweit nur noch die McDavid-Kategorie (mit Matthews, Laine, Ovechkin, Kane, Karlsson, Crosby und Malkin).
  • Am Freitag hatten sie sich auch noch ein wenig einsingen müssen. Am Samstag war die Stimmung grandios – trotz des 2:7. Deutsche und schwedische Fans sind die perfekte Kombination für faire, aber laute und enthusiastische Sound-Untermalung.
  • Trotz der herben Niederlage: Selten zuvor hat eine deutsche Mannschaft so selbstbewusst in die wirklich wichtigen Spiele gegen die Slowakei, Dänemark, Italien und Lettland gehen können. Das liegt nicht nur am eigenen Auftreten. Allein Lettland präsentiert sich bislang als ernsthafter Anwärter auf den letzten Viertelfinalplatz, den Schweden, Russland und die USA in dieser Gruppe übrig lassen werden.

„Wir wollen nicht nur mitspielen. Wir wollen Spiele gewinnen.“
(Patrick Reimer nach der ersten Niederlage bei diesem Turnier)

Das Spiel

Elias Lindholm konnte sein Knie nicht mehr belasten. Wahrscheinlich wird man den feinen Stürmer von den Carolina Hurricanes bei dieser WM nicht mehr wiedersehen. Die Schiedsrichter hatten den Grund dafür nicht gesehen, Victor Rask, Lindholms Teamkollege aus der NHL, schickte sich schließlich gerade an, den Querpass von Victor Hedman zum 2:1 für Team Sverige zu veredeln. Und so kamen die Deutschen auch nach dem zweiten hässlichen Foul dieses Turniers (Matthias Plachta hatte am Abend zuvor beinahe ein weiteres Drittel mit dem großartigen Johnny Gaudreau verhindert) ein weiteres Mal mit Glimpf davon. Gabriel Landeskog aber hatte sich die Nummer dieses Marcus Kink gemerkt, von dem er zuvor wahrscheinlich eher wenig gehört hatte. „Ich denke nicht, dass sein Stockschlag in Lindholms Kniekehle in Ordnung war, mit dem er ihn aus dem Spiel genommen hat. Darüber habe ich mit ihm geredet.“ Für Schwedens stellvertretenden Kapitän, der an der Bande allein in Yasin Ehliz würdigen Gegner fand, war Kinks hässliche Einlage aber spielentscheidend. „Ich weiß nicht, was er damit bezwecken wollte. Aber letztendlich haben wir danach besser gespielt.“ Die Schweden waren schon zum ersten Drittel wütend aufs Eis gestürmt, was weniger an den unangenehmen Deutschen als an der unnötigen Niederlage gegen Russland lag. Und weil Thomas Greiss 21 von 22 parierte und sich diese Deutschen so gar nicht ergeben wollten, wurde es mitunter erstaunlich hitzig, immer wurden Stockschläge ausgetauscht. Seidenberg, Seidenberg, Ehliz, Fauser und Reul gingen den Schweden unter die Haut. Kinks Versuch war dagegen ungeignet. Philip Gogulla konnte noch einmal kontern.

Die Tore (präsentiert vom Kegelclub „Alle Neune Tirschenreuth“)

Der Moment

Ich war da bereits auf dem Weg in Mixed Zone. Andere haben das glücklichweise festgehalten. Diese WM wirkt auf mich großartig organisiert – nur mit den Hymnen haben sie es nicht so:

Die drei Stars

21 Saves im ersten Drittel, darunter die wichtige Parade direkt vor dem Augleich durch Patrick Hager, erneut eine starke Leistung – trotz sieben Gegentreffer: Thomas Greiss.

Und zwei Homer-Picks: Yasin Ehliz klaute Pucks, war ständig unterwegs, leitete Angriffe ein und dürfte mit einem spielstärkeren Mittelstürmer sicher auch mal einen Angriff abschließen; und Gerrit Fauser kompensierte offensichtliche Defizite durch abermals beeindruckend harte Arbeit.

Und sonst?

Kann ich nur noch auf die Montagsausgabe der Nürnberger Nachrichten (Zeitung, Druckerzeugnis, lässt sich in Supermärkten, Bäckereien und Zeitschriftenläden käuflich erwerben oder fragt einfach mal Eure Großeltern, ob die sowas noch rumliegen haben) verweisen. Da steht ausnahmsweise noch sehr viel mehr über diese Weltmeisterschaft. Ich gehe jetzt zur Abwechslung mal Eishockey schauen.

Oder, nein, das noch: Ziemlich skandalös – sowohl das Foul als auch die Sperre:

 

3 Kommentare in “2/7: 2:7

  1. Danke für die interessanten Artikel. Es hat sehr viel Spaß gemacht Nylander zuzusehen. Da hat man gesehen, warum eine so junge Mannschaft in die PO gekommen ist und den Caps auch einiges abverlangt hat. Bin sehr gespannt ob sich Prust gegen solch junge Konkurrenz wird durchsetzen können, selbst wenn der Markt durch Las Vegas ja größer geworden ist.
    VG Frank

  2. Kommt da noch was oder nicht???

    Habs leider erst jetzt mitbekommen, dass du auch über die Deutsche Mannschaft hier schreibst.

    Schande über mich 🙁

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