HF4: Keine adipöse Dame in Sicht

Foto: Zink/cp24

„We’re not ready“, hat Rob Wilson gesagt, bevor er den schwarzen Bus der Thomas Sabo Ice Tigers bestiegen hat. Und wer den Glauben an die Gerechtigkeit, die DEL und eine ordentliche Schiedsrichterei noch nicht verloren hat, der darf tatsächlich glauben, dass die Geschichte dieser stolzen Eishockey-Mannschaft am Sonntag noch nicht auserzählt sein wird. (Und wer an dieser Stelle schon lange einmal wieder angemessen empörte Kritik an Schiedsrichter lesen wollte, der sollte ebenfalls schnell auf „weiter lesen“ klicken).

Warm-up

  • Viel zu oft schon habe ich beim einem Serienstand von 1-3 Chroniken und Statistiken aus der NHL, der Schweiz, Schweden und der DEL ausgewertet, um zu beweisen, dass es möglich ist, solche Serien noch zu drehen. Diesmal muss ich nur auf den letzten Blogtext verweisen, in dem steht, dass das Spiel am Sonntag darüber entscheiden wird, wer ins Finale einzieht. (Erst beim Korrekturlesen wird mir bewusst, was für ein dämlicher Satz das ist) Diese Mannschaft wirkt jedenfalls nicht so, als würde sie sich damit abfinden können, auf diese Art und Weise, gegen diesen Gegner auszuscheiden. Ganz im Gegenteil.
  • Eine kleine Erinnerung: Der EHC Wolfsburg war auch schon im Viertelfinale 3:1 vorne gelegen – und musste sich in Spiel sieben in Köln trotzdem auf das Glück verlassen.
  • Sebastian Furchner leistet sich ein Foul und geht ohne ein Wort auf die Strafbank, Brent Aubin bleibt zurück, um noch ein bisschen auf Marcus Brill einzureden. Brett Festerling schiebt Tyler Haskins regelwidrig am Wolfsburger Tor vorbei, Haskins bleibt zurück, um mit Daniel Piechaczek zu diskutieren, Piechaczek ignoriert Haskins, Haskins aber ist das egal, er redet so lange auf Piechaczek ein, bis der doch noch antwortet. Nur zwei von unzähligen Beispielen. Auf Twitter habe ich gelesen, dass die Ice Tigers auch mal ein wenig diskutieren sollten. Das sehe ich überhaupt nicht so, es reicht schon, dass die Nürnberger sich mittlerweile dazu gezwungen sehen, bei Checks ebenfalls den Kopf nach hinten zu reißen, in sich zusammenzufallen und bei kleinen Berührungen zu Boden zu gehen. Mein Tweet zum Thema war nicht sehr souverän:

  • Der Erfolg des EHC Wolfsburg und die Methoden, mit denen sie erfolgreich sind, verändern jedoch das Spiel. Das ist bedauerlich. Mit Playoff-Eishockey hatte das an diesem Freitag nichts zu tun.

Das Spiel

Rob Wilson war stolz auf seine Mannschaft, er sprach Statistiken an, die Nürnberg wieder einmal dominiert hatte – Schüsse, Bullies (sic!), Chancen. Wirklich beeindruckt aber hat mich nur die Schlussoffensive und die Reihe um Philippe Dupuis. Ansonsten haben die Ice Tigers auch ob der Entscheidungen der gestreiften Herren lange nicht ins Spiel gefunden. Nürnberg verteidigte bravourös in Unterzahl, musste sich nach diesen ersten zehn Minuten aber erst einmal sammeln – das sind die Momente, in denen der EHC Wolfsburg besonders stark ist. Brent Aubins 1:0 war eine schöne Einzelleistung. Vor dem 2:0 haben die Wolfsburger spät aber immer noch früher als Danny Syvret realisiert, dass Abseits und Icing nicht abgepfiffen werden. Noch typischer aber waren Alexander Karachuns erstes DEL-Tor und Robbie Binas Knaller zum 4:2. Zwei Treffer zum genau richtigen Zeitpunkt, der zweite nachdem es Nürnberg zweimal nicht gelungen war, die Situation einfach zu bereinigen (nicht das erste Mal in dieser Serie). Immer wieder wird Pavel Grosss vermeintlich phänomenales System herausgehoben, die wahre Qualität dieser Mannschaft aber ist die mentale Stärke – zumindest gegen Nürnberg. Mal sehen, ob das auch nach einem zweiten Nürnberger Sieg am Sonntag so bleibt.

Die Momente (präsentiert von www.Viel_Arbeit_fuer_Brueggemann.de)

Rob Wilson sagte noch etwas, als die Aufnahmegeräte demonstrativ ausgeschaltet worden waren. Was er zuvor über die Leistung von Daniel Piechaczek und Marcus Brill gesagt hatte, war aber auch schon deutlich genug.

„Ich werde mir das gleich noch einmal ansehen. Aber was ich auf den ersten Blick sah, hat mich sehr enttäuscht. Vor dem zweiten Tor war es Abseits und Icing. Und ich tue mir schwer damit zu akzeptieren, dass es drei Tore in dieser Serie gab – Yasin Ehliz‘ Treffer im ersten Spiel hier, als wir stattdessen eine Strafe wegen Stockschlag bekommen haben, die Behinderung von Jochen (Reimer) am Mittwoch und heute Icing und Abseits vor einem Tor, die nicht erkannt wurden – die immer gegen uns entschieden worden sind. Ich will niemanden anklagen. Aber es fällt mir immer schwerer, das alles zu verstehen. Schiedsrichter haben keinen einfachen Job, das verstehe ich. Und ich habe mich die ganze Saison nicht über Schiedsrichter beschwert, ich werde jetzt nicht damit anfangen. Aber wahrscheinlich werde ich einige Fragen stellen, nachdem ich mir das noch einmal angesehen habe. Diese Jungs können nicht härter spielen. Sie können nicht besser spielen. Wir kommen nach Wolfsburg, um Eishockeyspiele zu dominieren, alles funktioniert, das Penalty Killing, das Power-Play, wir sind besser am Bullykreis, wir sind länger in deren Zone, wir haben mehr Chancen – aber solche Pfiffe – noch einmal, ich will da niemanden anklagen, wir sind große Jungs – frustrieren mich und die Mannschaft.“

Wer diesen/dieses Blog aufmerksam verfolgt, der weiß, dass mich pauschale Schiedsrichterbeschimpfungen langweilen, der weiß auch, dass wir alle, Journalisten wie Fans, von der Tribüne aus weitaus schlimmere Entscheidungen treffen würden, und der weiß, dass ich Schiedsrichter dafür bewundere, dass sie den Spielbetrieb trotz des Wissens ermöglichen, dass selbst nach überragenden Leistungen niemand für sie jubeln wird. Genauso aber muss man klar benennen, wenn Schiedsrichterleistungen nicht DEL-würdig waren. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen, ein mieseres Playoff-Spiel gesehen zu haben. Und, nein, das lag nicht an den Spieler. Das hatten Marcus Brill und Daniel Piechaczek zu verantworten. Nur sieben Szenen, die dieses Spiel zu Ungunsten der Ice Tigers beeinflusst hatten:

(1) Keine Strafe, kein Penalty nach dem Haken an Marco Pfleger, als das Spiel gerade einmal sieben Sekunden alt war. Im Gegenzug muss David Steckel sofort auf die Strafbank, weil er den Schläger eines Wolfsburgers von hinten angehoben hat.

(2) Patrick Reimer provoziert Armin Wurm zu wiederholten Crosschecks, Philippe Dupuis mischt sich ein – auf die Strafbank müssen alle drei, Power-Play aber hat Wolfsburg, obwohl es der Wurm war, der die Szene ausgelöst hatte.

(3) Marco Pfleger fährt seinen Check zu Ende, obwohl bereits abgepfiffen worden war. Riefers trifft Pfleger danach mit dem Ellbogen am Kopf, Pfleger verliert den Helm – und muss auf die Strafbank, Riefers nicht.

(4) Nach dem ersten Wiederanpfiff dürfen sich die Ice Tigers plötzlich selbst brutale Fouls leisten, das härteste Foul des Abends war der keineswegs zufällige Crosscheck Jesse Blackers in die Hüfte von Tyler Haskins. Der Schiedsrichter stand so nah, dass er es gesehen haben musste – gepfiffen hat er nicht, obwohl der Nürnberger Verteidiger gemessen an den Maßstäben aus dem ersten Drittel für den Rest der Playoffs hätte gesperrt werden müssen.

(5) Abseits habe ich nicht erkannt, das Icing vor dem 2:0 schon. Bezeichnend war, dass es so schien, als hätten auch die Wolfsburger nicht mehr damit gerechnet, weiterspielen zu dürfen.

(6) Jesse Blacker wird an den Schuhen getroffen, kann sich aber (wie wahrscheinlich 99 Prozent aller DEL-Profis) auf den Beinen halten, strauchelt, aber fährt weiter. Ein Foul war es trotzdem. Den Unterschied aber zwischen Foul und fairem Körpereinsatz, den hat in dieser Serie der Embellishment HC Wolfsburg festlegen dürfen.

(7) Brandon Segal wird von einem Wolfsburger Schläger im Gesicht getroffen, fasst sich kurz an die Lippe, spielt aber weiter. Daniel Piechaczek steht drei Meter hinter der Szene, beobachtet sie genau, hebt aber nicht den Arm. Segal spielt weiter, dass ihm dabei die Lippe aufgeschlitzt wurde, zeigt er erst auf der Bank.

Ergibt es noch Sinn, all das aufzuschreiben? Sollten die Ice Tigers all das sammeln und am Samstag mit Serienmanager Benoit Doucet besprechen? Was bringt es, die DEL mit dieser Fülle an fragwürdigen Entscheidungen zu konfrontieren? Wahrscheinlich nichts. Und ist es fair, wenn die Schiedsrichter am Sonntag die Ice Tigers unbewusst bevorzugen? Nein.

Trotzdem muss irgendwo aufgelistet werden, wer für diesen misslungenen Abend verantwortlich war.

Die drei Stars

Marco Pfleger (siehe die letzten Blogs zur Erklärung, sein Redebeitrag für Telekomeishockey soll auch ziemlich treffend gewesen sein).

Philipe Dupuis ist ein unterschätzter Krieger. Einer, der sich mit Niederlagen nicht abfinden will, der versucht, Ungerechtigkeiten auszugleichen (siehe: sein Faustkampf gegen Ben Hanowski) und einer, der dabei immer noch sehr gut Eishockey spielen kann. Dupuis war heute (gestern) die Führungspersönlichkeit der besten Nürnberger Angriffsreihe – auch wenn man anmerken sollte, dass ihre beiden Treffer im zweiten Drittel glücklich waren.

Noch einmal muss ich mich bei Rob Schremp entschuldigen: Der Mann wird von Spiel zu Spiel stärker, steht in jedem Power-Play zwei Minuten auf dem Eis, trifft viele gute Entscheidungen und wird immer spektakulärer, je länger die Spiele dauern. Dabei wird es immer schwerer für ihn, sich selbst zu übertreffen. An diesem Freitag absolvierte er trotzdem sein bestes Spiel im Trikot der Ice Tigers.

Und sonst?

Freue ich mich auf den Ausflug am Dienstag in die Stadt, die der große Jan Böhmermann für die langweiligste Stadt Deutschlands hält. Und natürlich auf das Spiel am Abend.

„Egal ob im Leben oder Sport, irgendwann wird die Wende kommen. Irgendwann werden wir uns belohnen.“

(Noch einmal Rob Wilson)

20 Kommentare in “HF4: Keine adipöse Dame in Sicht

20 Comments
  1. (8) 0:12 auf der Uhr. Wolfsburg klar mit 6 Spielern auf dem Eis. Jeder sieht es, keiner pfeift es.

    Das könnten wir hier Wahrscheinlich locker in den zweistelligen Bereich treiben, aber nunja.

    Was Schremp in der Lage ist aufs Eis zu bringen ist bemerkenswerte. Diese Ruhe, diese Gelassenheit und diese Übersicht, vor allem im PP lassen mich jedesmal wieder staunen!

    Der Abend ist gelaufen, Sonntag den Heimsieg holen und nach vorne sehen!

    Danke für den großartigen Blog zu später Stunde.

  2. Ich hoffe ihr leidenschaftlichen Eishockey-Fans seit nicht (auch) mit einem Frustkopfschmerz aufgewacht!?!
    Ich gebe zu, bei weiten nicht die Erfahrung und das geschulte Wissen derjenigen zu haben, die sich sonst hier so fachlich- kritisch austauschen, aber dieser gestrige Abend und der wiederholt tolle Blog von Sebastian Böhm hat mich dazu bewogen auch meinen „Senf“ beizusteuern!
    Ja ich habe auch -diplomatisch- ausgedrückt mich über die Leistung des Hauptschiedsrichtergespann gewundert, aber ich möcht mit meiner Ansicht mich einer anderen Sportart bedienen, die als harte Kampfsportart gesehen wird, in Wirklichkeit aber noch viel mehr beinhaltet: dem Boxen.
    Wenn ich den gestrigen Auftritt unserer Icetigers betrachte, so kann man der Mannschaft in keinster Weise fehlendes Engagement vorwerfen, mit Wucht und physischer Stärke wollte das „geilste Team Mittelfrankens“ den Heimvorteil wieder zurückholen – und dann treffen „Wir“ auf Wolfsburger die uns mit tänzerischer Leichtigkeit immer wieder ins Leere (oder auf die Strafbank) laufen lassen!
    Man kann wohl ohne Übermut behaupten, das unser Team von zwei hochklassigen DEL-Teams unter normalen Umständen, das etwas bessere ist! Aber in den Play-offs ist leider nicht normal!
    Damit morgen nicht der Schlussgong für die Icetigers erklingt, hoffe ich dass das Team um Patrick Reimer wieder etwas von ihrer Glauben an sich selbst, aber vor allem von ihrer Leichtigkeit der Hauptrunde zeigen und sich nicht wieder so schnell in einen heißblütigen Fight ziehen lassen, die sie dann zuerst in die Kühlbox und dann in den Sommerurlaub führt!
    Zeigen wir den Niedersachsen, das wir uns nicht so leicht provozieren lassen und das unsere größte Stärke die Vielfalt und die Gefährfährlichkeit aller vier Offensivreihen ist!
    Also unser Motto für morgen: Den Lucky-Punch setzen unsere Icetigers auf dem Eis und wir Fans auf der Tribüne!!!!

  3. wer uns jetzt abschreibt hat aus der Serie gegen den AEV nichts gelernt und sollte lieber nochmal eine Ehrenrunde drehen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir WOB noch raus hauen und damit DEL Geschichte zeitgleich schreiben. Ein 3:1 Rückstand in 4:3 umwandeln gab es meines Wissens nach noch nicht.

    Zum Spiel und den Refs hat Sebastian eigentlich schon alles gesagt. Zum Spiel sei noch gesagt, dass mir gestern enorm oft aufgefallen ist, dass sobald das Spiel unterbrochen war und es gab eine Strafe oder einfach nur Bully vor Brückmann jedes Mal ein bis zwei WOBler bei den Ice Tigers Spielern aufgetaucht sind zum freundlichen Rezepteaustausch. Das fehlt uns ein wenig um endgültig in die Köpfe der Wolfsburger zu kommen. Im Prinzip haben die doch Bammel, weil sie wissen, dass selbst eine 3:0 Führung nicht immer reichen muss.

    Zu Brüggemanns Erben: wenn die Liga und damit die Vereine nicht endlich bereit sind dieses stiefmütterliche Kind entsprechend zu behandeln und investieren. Die EBEL ist uns hier um Längen voraus. Aber das bleibt wohl mein Wunschdenken.

    Ansonsten: die Ice Tigers müssen weiterhin drei Siege holen und das werden sie auch. Auch möchte ich Sebastian hier danken für den klasse Twitterstammtisch, der durch diesen Blog erweckt wurde.

  4. Egal wie die Statistiken aussehen und uns in viele Bereichen vorne sehen. Fact ist die Serie steht im Augenblick bei 3-1 für Wolfsburg. Seltsamerweise können wir nicht einen Vorsprung über die Zeit bringen geschweige denn nach dem Rückstand ein Spiel zu drehen und zwar egal on in Nürnberg oder Wolfsburg. Zu gestrigen Leistung nur so viel, wieder schnell 0-3 zurück und bei allem Bemühen des Teams hatte man nicht sehr viel Hoffnung das Spiel drehen zu können. Natürlich war nach dem 2-3 und dem3-4 das Momentum auf unserer Seite, aber so richtig Kapital schlagen aus dieser Situation konnten wir nicht. Am Sonntag hoffen wir alle dass die Mannschaft sich nicht aufgibt und sich noch die minimale Chance auf das 7 Spiel durch einen Sieg erhält. Zu einzelnen Spielern werden wir auch diesmal nichts schreiben, aber es fällt auf das die Mannschaft die spielerische Leichtigkeit und körperliche Präsenz der Doppelrunde gänzlich verloren hat. Jetzt in den Playoffs sieht alles recht verkrampft aus ob es an der hohen Erwartungshaltung im Umfeld liegt können wir nicht beantworten.

  5. @Otto: ich sehe keine Mannschaft, die sich körperlich versteckt. Fakt ist einfach, dass wir mit Jurcina und Teubert wohl die schlimmsten Ausfälle haben. Dies kann die Abwehr auf Dauer nicht konpensieren. Weber und Mebus sind noch nicht der Lage dazu bzw. ob Weber das jemals wird(stagniert) und Syvret und Blacker gehen meiner Meinung nach langsam am Zahnfleisch. Martinovic spielt nicht das was er zu leisten wäre. Aber offensiv ist man teilweise verkrampft, das stimmt.

  6. Ein paar Fragen zum Spiel:

    Welche Konsequenzen hat ein derart erbärmlicher Auftritt für die verantwortlichen Schiedsrichter?

    Warum werden Pavel Gross und sein vermeintlich geniales Sytem permanent gelobt (vor allem vom großen Fanclub bestehend aus Sportjournalisten und Experten bei Telekomeishockey), wenn doch der EHC Wolfsburg geradezu eine Karikatur des Eishockeysports aufführt?

    Warum erkennt niemand, dass Armin Wurm nach dem kleinen Schubser von Pfleger in die Band springt, als hätte ihn Rainer Calmund mit der Zamboni gerammt?

    Woher nehmen Spieler und Trainer die Geduld angesichts der Ereignisse nicht vollkommen die Beherrschung zu verlieren?

    Warum gibt es immernoch Menschen, die behaupten, Pech und Fehlentscheidungen glichen sich über den Saisonverlauf hinweg ohnehin aus?

    Begeben wir uns zu tief in den Bereich der Verschwörungstheorien wenn wir uns die Frage stellen, ob Liga und Funktionäre nicht viel lieber Wolfsburg statt Nürnberg im Finale sehen möchten?

    Trotzdem: Mit jedem dieser Spiele wächst mein Respekt vor dieser Mannschaft. Ja, sie macht Fehler, manchmal sogar dumme Fehler. Die Leidenschaft, der Kampfgeist und die mentale Stärke aber sind über jeden Zweifel erhaben. Spiel fünf wird diese Mannschaft gewinnen. Ganz sicher.

    „Der Erfolg des EHC Wolfsburg und die Methoden, mit denen sie erfolgreich sind, verändern jedoch das Spiel. Das ist bedauerlich. Mit Playoff-Eishockey hatte das an diesem Freitag nichts zu tun.“

    Wegen Sätzen wie diesen lese ich diesen Blog. Exakt derselbe Gedanke geisterte mir schon während des Spiel die ganze Zeit durch den Kopf. Diving Wolfsburg verändert den Charakter unseres Sports. Es verleitet andere Teams dazu, sich ähnlich zu verhalten, bringt das Körperspiel in den Playoffs zum Erliegen und sorgt für eine absurde Anzahl an Strafzeiten für Bagatellvergehen. Eine Tendenz, die übrigens auch in anderen Serien deutlich wird.
    Diving Wolfsburg verändert den Charakter unseres Sports. Welche Erkenntnis könnte bitterer sein?

  7. @Dominik: ich vermute, beide werden so schnell diese Serie nicht mehr leiten. Ist nicht immer ein Beobachter vor Ort? Anders kann ich mir auch diese zwei deutlich unterscheidenden Linien gestern nicht erklären.

    Zu Funktionären und DEL: nachdem die Ice Tigers da selbst mit drin sitzen haben sie es in der Hand mit dazu beizutragen, dass die SR-Ausbildung endlich mal professioneller wird. Sollen alle Teams eine AL weniger holen und das Geld darein stecken.

    zu Gross zitiere ich mich kurz selbst als Antwort auf eine Gross-Lobeshymne:

    „sei mir nicht böse aber was an Pavel Gross ist bitte in dieser Serie besonders? Ich sehe ein anderes WOB als die Jahre zu vor und wenn Schauspielerei und dreckige Fouls toll sind, dann ist das nicht mehr mein Spiel. Gross wirkt mir zudem etwas amtsmüde in WOB und er merkt wohl selbst, dass er ein anderes Nbg vor sich hat. Zudem was hat er bisher erreicht? Mit einem fast gleichen Team, dass nur in Puzzleteilen ausgetauscht wird konstant im HF landen? Zum großen Wurf hat es bisher nie gereicht und wird es auch diesmal nicht.
    Wilson hat jetzt auch ein selbiges Team und steht erneut im HF. Gross ist nicht so groß wie er von vielen gemacht wird.“

  8. Nicht von der Hand zuweisen ist, dass das gestrige Hauptschiedsrichtergespann selbst Deniz Aytekin wie einen tadellosen Schiedsrichter aussehen hat lassen. Aber die Problematik „Schiedsrichter“ ist der DEL Führung längst bestens bekannt, sonst würde nicht Brüggemann eine neue Funktion ab der Sommerpause begleiten. Ich weiß nicht, um auf das gestrige Spiel zurück zu kommen, was tragischer war, die anscheinend heillos überforderten Schiedsrichter, die definitive und (auch für den Kommentator des Spiels) offensichtliche Benachteiligung der Ice Tigers oder der beschähmende und dem Eishockey unwürdige Spielstil von Wolfsburg. Abschließend kann man nur sagen, dass war keine Werbung für die DEL, die Playoffs und definitiv auch nicht für das gesamte Deutsche Eishockey.

  9. Eigentlich alles schon alles gesagt. Daher nur in Kürze:
    Ein klareres Icing wie vor dem 0:2 gibt es nicht, nur als Beispiel.
    Man kann nicht für alles die Schiris verantrwortlich machen. Aber gestern waren das spielentscheidende Fehlentscheidungen.
    Aber ändern wird sich daran nix, fürchte ich.
    Morgen gewinnen wir und dann sehen wir weiter.

  10. Wolfsburg, immer wieder Wolfsburg.
    Was mich ärgert ist diese kühle Arroganz der Autostädter, bei denen diese in den entscheidenden Momenten einfach alles zu gelingen scheint.
    Warum?
    Weil sie der Nürnberger Angstgegner sind.

    In den ersten drei Spielen war Nürnberg die bessere Mannschaft, gewonnen wurde jedoch nur eine Partie. Das letzte Quentchen Glück scheinen immer Haskins und Co. auf ihrer Seite zu haben.
    Haskins, ausgerechnet Haskins. Ein großartiger Spieler, aber auch so etwas von unfair. Ich habe Jame Pollock #8 nicht vergessen und würde mir manchmal wünschen, dass Prusty#8 sich ihn vornehmen sollte……aber dann fehlt dieser großartige Spieler den Ice Tigers und das soll nicht sein.

    Marco Pfleger hat es nach dem Spiel richtig gut getroffen mit seiner Aussage. Besser hätte man die Schiedsrichterleistung nicht beurteilen können, ohne dass man mit einer Strafe der DEL rechnen müsste.

    Das Spiel ist wie immer gelaufen. Nürnberg braucht zu lange, um sich nach den üblen Schiri-Entscheidungen ins Spiel zu kämpfen. Aber die Jungs geben zum Glück niemals auf.

    Schade nur, dass den Tigers das Glück nicht so hold war wie den Wolfsburgern, als sie den Goalie kurz vor Ende von Spiel 3 zugunsten eines weiteren Feldspielers herausnahmen.

    Die Mannschaft ist top, meine 3-Stars waren:

    1. Das Unterzahl-Kommando der Ice Tigers, weil diese in beeindruckender Manier auch 3:5 und 3:4 Unterzahl schadlos überstanden haben.

    2. #47 Marco Pfleger, spielerisch und journalistisch ein Vorbild

    3. #44 Rob Schrempp, der immer besser wird und mittlerweile zu einem Faktor im Spiel der Ice Tigers geworden ist. Für ihn würde ich ähnlich wie bei Brady Lamb von den Augsburger Panthern einen eigenen Song kreieren: Schrempp, Schrempp, Schrempp, Robby Schrempp,Schrempp,……

    Wenn die fette Lady singen möchte, dann bitte nicht Morgen in Nürnberg. Das hat die Mannschaft nicht verdient.

    Wir glauben bis zuletzt an dieses Team und hoffen auf ein kleines Eishockey Wunder.

  11. Hallo,

    wenn ich das so lese muss ich in eine Position, die ich eingentlich nicht vertreten will…

    WOB spielt halt WOB Eishockey wie immer unter Palaver Pavel. Sie brechen keine Regeln und sich als arme Kirchenmaus darzustellen, obwohl Sie Spitzenspielern langlaufende Verträge anbieten können und regelmäßig weniger Zuschauer als die DEL2 Teams haben ist eine Marketing Masche, die von ahnungslosen Medien dankbaren aufgenommen wird…

    ABER: Sie brechen eben keine Regel. Man kann den Trashtalk mögen oder nicht (ich find das ok…), aber wenn die Zebras nicht die Eier haben, die Spieler weg zu schicken oder gleich mit 10 Min. Diszi auf die stille Treppe… Da ist nicht Haskins & Co. dran schuld. Und auch nicht Groß (argh…)…

    Gestern wurden wir verpfiffen, auch Mittwoch schon eine schlechte Schiri Leistung. Dass es in WOB noch schlimmer wird… hätte ich nicht gedacht #blauäugig.
    Zeigt aber auch, dass fehlende öffentliche Diskussion in den Medien (Telekom – Moderatoren zeigen NIE falsche Pfiffe oder kritisieren falsche Entscheidungen und die „Experten“ finden dann immer, dass es maximal „hart“, „grenzwertig“ oder „unglücklich“ entschieden wurde…), welche offenbar von der DEL ja verlangt wird, die Sache nicht besser macht.

    Daher:
    Warum soll ich auch nächstes Jahr wieder viel Zeit und Geld in Dauerkarten investieren, wenn am Ende nicht die Teams, sondern Schiedsrichter den Ausgang der wichtigen Spiele entscheidend beeinflussen?

    Einfach:
    Weil ich abhängig bin von diesem schwierigen, aggressiven, komplizierten und schlicht genialen Sport. Und weil die Tigers bis heute eine sagenhafte Saison hingelegt haben.

    Brill & Picha werden Sonntag nicht bei uns pfeifen, mit Playoff Schiedsrichtern werden wir gewinnen. Dienstag geht’s wieder in den Baumarkt und ich hab immer gesagt, dass wir ein Spiel holen. Solange uns die beiden Damenhockey – Schiris (nix gegen Damenhockey, Toi toi toi für unsere Mädels heute) am Freitag dann nicht wieder in Nürnberg auflauern, bin ich weiter zuversichtlich.

    Gruß
    Stefan

    PS:
    @ Dominik: Netter vergleich, aber wie soll denn bitte Calmund auf eine Zamboni rauf kommen??

    PPS:
    @ Sebastian: die DEL wollte doch noch ein Statement zur Situation mit Johnson / J. Reimer vor dem 3:2 geben. Ist da irgend was gekommen?

  12. Wir werden morgen das Spiel gewinnen. Das steht für mich fest, und dann geht es darum im Spiel 6, klaren Kopf zu bewahren. Schafft die Mannschaft das, geht nächsten Freitag die Post ab.

    Was mich hier allerdings doch etwas stört, ist dieses Selbstmitleid und das Suchen der Schuld bei den anderen. WIR haben Spiel drei selbst vergeigt. Es würde jetzt 2:2 stehen und alles wäre im Plan. Hier wird auf Wolfsburg drauf gehauen wegen ihrer falschen Art und gleichzeitig richtig geschrieben, dass diese bisher noch keinen Titel gewonnen haben. Was heißt das? Dass es Mannschaften gibt, die es hinkriegen, den Wolfsburgern die Grenzen aufzuzeigen und sich von dieser Art Spiele zu gewinnen nicht beeinflussen lassen. Daran soll die Mannschaft heute und morgen denken in Vorbereitung auf das Spiel. Dann wird das kommen, was ich im ersten Absatz geschrieben habe. Und sollte es doch anders kommen, it was a fucking awesome time the last seven month!

  13. PPS:
    Schaut mal die Zusammenfassung von gestern an, das 2:0 von Haskins war ein KLARES Schlittschuhtor… von der Hintertorkamera deutlich zu sehen… ist ja der Hammer! Mit der Kufe gespielt und vorher noch schön gestellt… Hab ich mir gestern schon gedacht, aber nachdem keiner Reklamiert hat…

  14. Richtig Alex: das Jammern und die Schuldzuweisungen helfen nicht weiter.
    Unsere Jungs haben halt leider mitunter selbst entscheidende Fehler gemacht.
    So ist es nun mal im Sport, auch wenn Dritte zu den Niederlagen beitragen.
    Da gilt es morgen ein Feuerwerk abzubrennen sodass WOB und Groß aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.
    Noch ist Nürnberg nicht verloren !!!

  15. KATZENJAMMER(N)

    Richtig ist: Es gewinnt, wer 1 Tor mehr schießt. Sich in jener Überzeugung auf die Brust zu schlagen, man sei oder habe das bessere Team, ist vor allem eines: Zu leicht. Und zu wenig. Das war noch nie genug.

    Die Tiger haben eine Play-Off-Neurose im 3. Drittel. In Spiel 5 läuft gegen die Grizzlys steckt die Angst bereits im 1. Drittel in den Schlittschuhen.

    Wer oder was wird nach Niederlage Nr. 4 Schuld sein? Pavel Gross? Das „Biest?“ Die Schieris? Oder das Eis?

    Miau

  16. Klasse Zusammenfassung
    Auch wenn ich leider nur aus weiter Ferne mitfiebere
    Unsere Mannschaft wird zeigen das es auch auf sportliche
    Art und Weise geht – wie beim 5 : !
    Es ist an der Zeit ; )
    danke für den 1 a Artikel

  17. Zum Thema Schiedsrichter höre ich hier immer nur eins : Mimimi
    Das ist ja gruselig die Fehler immer bei anderen zu suchen. Wer ein Tor weniger schießt verliert halt.
    Chancen waren in allen Spielen auf beiden Seiten mehr als genug da.

  18. Trotz der vielen fragwürdigen Schirientscheidungen gegen uns, hatten wir immer genügend Chancen für den Sieg. Die vorhandenen Chancen dürfen nicht so leichtfertig vergeben werden, am Mittwoch u.a. Reimer alleine auf Brückmann und vergeben, das wäre das 4:2 gewesen.

    Dass gewisse Schiri negativ gegen die Icetigers eingestellt sind ist ja bekannt. Wenn der Piechaczek pfeift, dann weiß ich dass wir verlieren, der mag uns einfach nicht. Was ich aber nicht verstehe, gibt es in der DEL keinen Schiribeobachter, der die Schiri beurteilt und ggf. aus dem Verkehr zieht. Die Schiri haben auch meines Erachtens keine einheitliche Linie, mal wird die Regel so ausgelegt und 5 Minuten später so.
    Das auch in der DEL mit Schwalben gearbeitet wird, haben wir am Mittwoch gesehen, als sich Brückmann auf den Steckel geschmissen hat und Steckel 2 Minuten auf die Strafbank musste. Weiteres Beispiel für die ungleiche Regelauslegung, Haskins macht am Mittwoch einen Ellbogencheck gegen Blacker, Rohatsch steht 5 m daneben und läßt weiterspielen, obwohl Blacker es ihm noch angedeutet hat. Wäre das mal auf der anderen seite passiert, was wäre die Entscheidung gewesen?

    Ich bin mal gespannt welches Gespann heute am Sonntag pfeift und vor allem wie. Ich hoffe ja nicht dass die 2 Schiri vom Freitag pfeifen, weil dann sehe ich schwarz. Wenn die Gerechtigkeit siegt, dann gewinnen wir, daran glaube ich.

  19. Also, ich ziehe wirklich den Hut vor unserer Mannschaft: Wille, Einsatz, Leidenschaft auch gegen widrigste Umstände (verletzungsbedingte Ausfälle von Schlüsselspielern, schwache Schiedsrichter, „Scheibenpech“ etc.). Das macht einen schon stolz als Anhänger der Ice-Tigers.
    Und natürlich bin ich heute auch wieder im Stadion um unser Team zu unterstützen.

    Aber ganz ehrlich, wir sollten uns darauf einstellen, dass der Sonntagsschuss von Fauser am letzten Mittwoch dieses Halbfinale entschieden hat. Wer das lähmende Entsetzen in den Gesichtern von Spielern und Zuschauern nach dem Tor gesehen hat, der wusste, dass es schwer werden würde, sich von diesem Nackenschlag zu erholen. Da hätten wir auch mal einen glücklichen Umstand als „Steigbügelhalter“ gebraucht und Glück für Nürnberg und Play-offs sind leider zwei sich gegenseitig ausschließende Sachverhalte. Das hat auch diese Saison wieder bewiesen.

    Ich hoffe natürlich, dass wir zumindest heute gewinnen. Aber sorry, wir werden ganz sicher nicht dreimal hintereinander gegen diese Wolfsburger gewinnen. Dafür bräuchten wir dreimal hintereinander vernünftige Schiris (wie wenig wahrscheinlich ist allein das??) und wir selber müssten weniger Fehler machen und unsere Chancen besser nutzen und das traue ich unserer doch auch zunehmend müder wirkenden Mannschaft nicht mehr zu.

    Sebastian, vielen Dank für den tollen Blog. Ist für mich das Highlight am Morgen nach den Spielen!

  20. Wahnsinn, der Blog hat inzwischen soviel Reichweite, dass er sogar BEIDE Wolfsburger Trolle erreicht hat… Respekt Sebastian!

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