HF3: Die Rückkehr des Biests

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Was haben uns diese 76 Minuten 42 Sekunden ein weiteres Mal gelehrt? Welch großartiger Sport dieses Eishockey ist. Und sonst? Tiefen Respekt vor jedem einzelnen Spieler. Also auch vor Brandon Prust. Und auch vor Tyler Haskins. Das Schauspiel, das uns diese Männer alle zwei, drei Tage bieten, ist in seiner emotionalen Wucht durch nichts zu übertreffen. Für solche Spiele braucht es Hilfsbegriffe wie „Krimi“ und „Thriller“ – und doch ist keines dieser Worte stark genug, um auszudrücken, welche Kraft 76 Minuten und 42 Sekunden Eishockey haben können. „Liebe“ ist noch so ein oftmals vorschnell verwendeter und im Sport noch dazu unpassender Begriff. Doch wie soll man nennen, was am Ende immer bleibt für dieses Spiel? (Keine Sorge, nach dem Klick wird es weniger schwülstig)

Warm-up

  • Für Playoff-Häschen, die aus der Viertelfinalserie nichts gelernt haben: Je länger die Spiele andauern, desto frischer wirkt der EHC Wolfsburg – physisch und psychisch. Von Niederlage zu Niederlage wird es für die Ice Tigers schwerer, sich an die Feststellung zu klammern, doch eigentlich die bessere Mannschaft gewesen zu sein. Und: Es hat schon einen Grund, dass Pavel Gross diese im Kern über Jahre gewachsene Mannschaft zum fünften Mal in Folge ins Halbfinale geführt hat.
  • Für Playoff-Hasen, die den diesem Modus innewohnenden Wahnsinn spätestens während der Viertelfinalserie durchschaut haben: Nürnberg war in Spiel eins besser, in Spiel zwei zumindest 51 Minuten lang und in Spiel drei erst im Schlussdrittel und in der Verlängerung nur noch ebenbürtig – irgendwann wird sich das durchsetzen. Wichtig wird vor allem das Spiel am Sonntag, gewinnen die Ice Tigers Spiel fünf, gewinnen sie auch die Serie (das haben Sie hier zuerst gelesen). Diese erfahrene Mannschaft hat trotz der namhaften Ausfälle gegen Augsburg einen Weg gefunden, die Serie zu gewinnen, das wird ihnen auch gegen Wolfsburg gelingen.
  • Und trotzdem: Gute Güte, war dieses Spiel bitter.
  • Fragen, die zu beantworten keinen Sinn mehr macht: Warum hat Nürnbergs Cheftrainer Marius Möchel und Patrick Buzas so früh sitzen lassen? War das 3:3 haltbar? (Gerade nochmal nachgesehen: nein.) Warum hat Brandon Prust am Ende eines Spiels, in dem er beinahe alles richtig gemacht hatte, den Puck nicht über die Bande geklärt?
  • Tyler Haskins ist wirklich einer der erstaunlichsten Spieler, die diese Deutsche Eishockey-Liga jemals hervorgebracht hat. Mir ist schon bewusst, dass das die überwiegend den Ice Tigers zugeneigte Leserschaft dieses Blogs nicht gerne lesen wird, aber wie sehr dieser US-Amerikaner darum kämpft, nicht als derjenige Kapitän in die Geschichte einzugehen, der seine Mannschaft immer und immer wieder ins Halbfinale geführt hat, aber eben nie zu einer eines Briefkopfs würdigen Zeile, das ist beeindruckend.
  • Und ebenfalls erstaunlich ist es, wie es diesem Klub gelungen ist, sich als ewiger Außenseiter zu inszenieren, der seinen Profis nicht mehr als einen guten Trainer und ein wenig Gemeinschaftsgefühl bieten kann. Es ist wohl ein Zufall, dass der Klub Spieler wie Haskins und Dehner langfristig an sich binden kann. (Tatsächlich wäre die Aufschlüsselung der beiden Etats in Personalkosten und sonstige Kosten aufschlussreich – und würde wohl auch so manche Legende entmystifizieren.)
  • Das 4:3 aber, das war kein Zufall, das war in der Entstehung (der schnelle Wiederaufbau, der Wechsel) und im Abschluss so sehr Wolfsburg, dass es in Nürnberg ganz besonders wehtut).
  • „Playoffs sind ein Biest, das es zu zähmen gilt.“
    (Martin Jiranek, aprroximativ 2007)
  • Man darf dieser Mannschaft aber auch weiterhin zutrauen, dass sie in der Lage ist, das Biest zu zähmen.

Das Spiel

Pavel Gross wirkte danach wie der zufriedene Gewinner des Halbfinales um den Wurmbergpokal. Ein bisschen zu viel „up-and-down“ sei ihm das in der Verlängerung gewesen, nun aber sei er froh, dass sie das entscheidende Tor geschossen hätten. Achja, und die Nürnberger Würstchen, wirklich ein Genuss. Rob Wilson hingegen erzählte nach der Pressekonferenz, dass er nichts erzählte. Es hätte direkt nach dem Spiel in der Kabine sowieso keinen Sinn gemacht. Und wer wollte ihm da widersprechen, der eine solche Situation nie persönlich erlebt hat. Denn natürlich war seinen Spieler bewusst, welch große Chance sie da zum zweiten Mal in Folge vergeben hatten. Diesmal fehlten nur 55 Sekunden, nur ein konsequent geklärter Puck – oder nur ein Tor mehr zur rechten Zeit. Denn natürlich war Nürnberg im ersten Drittel optisch wieder klar überlegen, natürlich spielten sie mutiger – zumindest bis tief ins Schlussdrittel. Die Tore von Prust, Oliver Mebus und Rob Schremp aber waren zu wenig. Wobei nicht ganz klar ist, welchen Rückstand diese Wolfsburger Mannschaft nicht mehr in der Lage ist aufzuholen. In der Verlängerung hatte Nürnberg dann ebenfalls gute Chancen, Jochen Reimer aber schien ein bisschen mehr zu tun zu haben. Das hat er auch glänzend gelöst, bis ihm Haskins keine Chance ließ. Gewinnen hätten die Ice Tigers das Spiel früher müssen, nach dem 3:1 nachlegen, nach dem 3:2 wieder forscher spielen, den Gegner zu Fehlern zwingen. Nur schreibt sich das im Keller eines Reihenhauses so leicht.

Der Moment

Natürlich wäre es nett gewesen, an dieser Stelle bestätigen zu können, dass sich immer alles ausgleicht. Dass Tyler Haskins‘ Hackentrick 2014 bitter war, dass das Kharma aber Armin Wurm bzw. den Schlittschuh Armin Wurms ausgesucht hat, um diese Ungerechtigkeit auszugleichen. Nur verkam Oliver Mebus‘ erstes Tor als Ice Tiger zur kuriosen Randnotiz. Über die Entstehung des 3:2 aber lohnt es sich, noch ein wenig zu diskutieren. Gerade eben habe ich mir noch einmal angesehen, wie Rick Goldmann diese Szene bewertet hat: knifflig sei das, aber eher ein Tor, meinte er, weil Nick Johnson von Torp und Festerling in den Torraum geschoben wurde. Bei allem Respekt vor diesem Experten, der der Darstellung dieser schönen Sportart so gut tut, aber das sehe ich anders: Für mich hat Johnson Jochen Reimer mit dem Schläger bewusst behindert, ein klares Foul, das die Schiedsrichter – meines Wissens nach – per Videobeweis aber nicht ahnden durften. Offenbar haben sie die Entstehung des Tores als neue Szene und unabhängig von Johnsons vermeintlichem Foul bewertet. Christopher Gudacker von der DEL hat uns in Aussicht gestellt, dass die Liga am Donnerstag dazu eine offizielle Stellungnahme abgibt. Das klang beinahe so, als bemühte sich diese Liga um ein wenig mehr Transparenz. Mal sehen, was dabei rauskommt.

Die drei Stars

Wer im ersten Drittel zufällig in die Arena gekommen ist, Nummern nicht hat zuordnen können, aber wusste, dass einer dieser Nürnberger auch in der Nationalmannschaft ein ganz Großer ist, der hätte wohl auf die 47 getippt. Der Pass auf Brandon Prust war natürlich großartig, aber grundsätzlich galt: Wenn es spektakulär wurde, war Marco Pfleger nicht weit. Im zweiten und dritten Drittel tauchte er dann ein wenig unter. In der Verlängerung aber war es wieder da. Defensiv wie offensiv eine ganz starke Leistung.

Im Warm-up habe ich seine Leistung noch in Frage gestellt, welch Frevel. Jochen Reimer hatte bereits im zweiten Drittel in einer Unterzahlsituation mehrmals verhindert, dass Wolfsburg in die Partie zurückfindet. In der Verlängerung schickte er dann noch Highlight-Saves gegen Patrick Seifert und Haskins hinterher. Jochen Reimer hat seiner Mannschaft jede Möglichkeit gegeben, das Spiel zu gewinnen. Mehr kann man von einem Torhüter nicht verlangen.

Ja, Patrick Reimer hatte den Sieg zweimal auf der Kelle. Patrick Reimer hat aber auch Schüsse geblockt und auf der anderen Seite selbst zehn Mal geschossen. Wer dem Kapitän zum Vorwurf machen will, dass er sich alle zwei, drei Tage für seine Mannschaft zerreißt, der soll das machen. Mir fällt es auch weiterhin schwer, diesen Spieler nach solchen Vorstellung zu kritisieren.

Und sonst?

Ist es nicht der Anspruch dieses Blogs, sich über Kollegen zu erheben. Und weil das auch so bleiben soll, muss dieser Beitrag aus den Wolfsburger Nachrichten als gelungener satirischer Beitrag gewertet werden. Vor allem über die Begründung, warum Gross Pfohl und Dixon nicht mehr mitmachen lässt, musste ich sehr lachen. Chapeau Kollege.

13 Kommentare in “HF3: Die Rückkehr des Biests

  1. Müdigkeit und Überdruss

    Es sind große Leistungen​, die die Spieler alle paar Tage auf das Eis bringen. Da kommt es einfach vor, das zu bestimmten Zeiten der ein oder andere etwas müde wirkt. Nach den vielen Unterzahl Spielen im 2. Drittel haben wir uns sehr gewundert, das vor allem #21 so wenig auf dem Eis war. Fast ein halbes Drittel Unterzahl führt bei den Jungs mit viel Eiszeit eben zu gewisser Müdigkeit und damit Fehlern (oder mangelnder Konsequenz im 3. Drittel).
    Ich bin der vielen Schwalben der Wolfsburger überdrüssig.
    Ich bin der Ansetzung der Schiedsrichter Paarungen (vor allem Piechazeck) überdrüssig.
    Ich bin der groben Unsportlichkeiten von Haskins überdrüssig (absichtlicher Ellebogen-check gegen Blacker in der OT abseits des Spielgeschehens).
    Müde davon zu lesen, das wir über das gesamte Spiel gesehen dass bessere Team waren, aber trotzdem verloren haben.
    Müde darüber zu diskutieren, das wir „eigentlich“ in der Serie 3:0 vorne liegen müssten, aber tatsächlich eben 2:1 zurück liegen.

    Vor der Serie hatte ich getippt, das die Entscheidung erst im 7. Spiel fällt. Nach Spiel 2 dachte ich, wir gewinnen die Serie früher. Jetzt hoffe ich, das wir irgendwie ein Spiel in Wolfsburg gewinnen.
    Bin auch etwas zu müde um darüber nachzudenken, das in 73% der Fälle (oder mehr), die Mannschaft weiter kommt, die Spiel 3 gewinnt.
    Zu müde um nach diesem Spiel noch eine Prognose zu wagen…

  2. Krankheitsbedingt vorm TV gesessen daher will ich mich diesmal kürzer fassen. Der Blog trifft es ganz gut.
    Fauser ist für mich einer der besten deutschen PO Spieler in der Liga. Ist er nicht so bissig bei Prust kommt er nicht in Bedrängnis und macht den Fehler. Leider noch bis 2020 gebunden.

    Zu Patrick Reimer: ja, Sebastian hat hier recht aber in den entscheidenden Momenten kommt entweder Pech dazu oder der Kopf(Alleingang beim AEV). Hoffentlich hemmt ihn der Druck und die Vertragssituation seines Bruders nicht zu sehr.

    Ansonsten: hauen wir WOB am Dienstag raus, der Abgesang auf Facebook ist peinlich und unnötig

  3. Nach einem mehr oder weniger gebrauchten Abend und einer teilweise schlaflosen Nacht war ich dankbar, zum Frühstück wieder einmal diesen großartigen Blog zu lesen…

    Es scheint so, dass unsere Mannschaft den Nervenkitzel braucht, um in die Spur zu kommen. Nur leider spielen wir nicht gegen irgendwen, sondern gegen ein Team und insbesondere einen Trainer, der praktisch immer einen Weg zu finden scheint, wie man Spiele gewinnt.
    Zwar fiel der Treffer von Schremp gerade noch so mit dem Ende des Powerplays, aber man hat deutlich gesehen, dass WOB ein besseres, weil sehr aggressives Unterzahl, gespielt hat, um so zu versuchen, die Passwege insbesondere zwischen Schremp und Reinprecht zuzumachen.
    Ferner hat die Umstellung im 3. Drittel (ein Stürmer von WOB stand immer in der Nähe unserer blauen Linie) genügt, um uns aus dem Rhythmus zu bringen.
    Andererseits stelle ich mir dann die Frage, wieso wir darauf 20 Minuten mehr oder weniger passiv reagieren und darauf gewartet haben, bis WOB „endlich“ ausgeglichen hat.
    Ich denke auch, dass uns die Umstellung auf 3 Reihen nicht gut getan hat.

    Es ist somit leider das eingetreten, das gegen WOB immer eintritt: wir sind unter Zugzwang und müssen in WOB volles Risiko gehen.
    Nun hat das zwar in Augsburg insbesondere in Spiel 6 hervorragend geklappt, aber HaskinsGroßVoakesFurchnerFauser sind gerade in solchen Spielen mit allen Wassern gewaschen.
    Schwierige Ausgangssituation, vor allem mental: 2mal extrem unglücklich verloren, obwohl man gut gespielt hat.
    Rein von den Spielanteilen wirkt die Serie trotzdem anders, als noch die Jahre zuvor. Wir haben auch schon verhältnismäßig oft getroffen. Das nährt die Hoffnung auf bessere Ergebnisse.
    Ich bin der Meinung: verlieren wir am Freitag, wird es fast unmöglich, 3 mal Stück WOB zu schlagen.

  4. Auch einen Tag danach ist der Frust noch riesig.
    So nah an der verdienten und vor allem wichtigen 2:1 Serienführung und jetzt haben wir vermutlich den entscheidenden Nackenschlag kassiert. Sehr bitter!

    Da lassen wir auch im letzten Drittel, das wir sicherlich nicht mehr so dominant bestritten haben, dennoch gerade einmal sechs Torschüsse der Wolfsburger zu und trotzdem machen diese daraus 2 Tore. Was für eine Effizienz! Aber auch was für ein Dusel für diese (aus meiner subjektiven Sicht) nach wie vor äußerst unsympathischen Mannschaft (Flugeinlagen etc.), vor allem mit dem „Sonntagsschuss“ in der letzten Minute.

    Ich hoffe, unser Team widerlegt mich. Aber ich kann mir leider nicht vorstellen, dass wir die beiden aufeinanderfolgenden unglücklichen Niederlagen wieder aufholen können. Mental wird vor allem die gestrige Niederlage Spuren hinterlassen und physisch haben auf mich die Wolfsburger im letzten Drittel und in der Overtime auch den etwas frischeren Eindruck gemacht. Und sie brauchen grundsätzlich einfach weniger Chancen für ihre Tore als wir.

    Aber dennoch, auch wenn für uns Wolfsburg wieder die Endstation in den Play-offs sein sollte, unser Team hat eine tolle Saison und auch großartige Playoffs gezeigt, vor allem wenn man die Ausfälle von Schlüsselspielern wie Jurcina, Pföderl und Teubert bedenkt.

  5. Die Mannschaft brauchen wir noch nicht abschreiben! Ein Sieg in WOB ist drin, wenn man sich den Verlauf der Serie anschaut. Allerdings war in den beiden letzten Spielen schon zu beobachten, dass die Grizzlies im letzten Drittel bzw. in Overtime noch zulegen konnten, wohingegen unsere Jungs irgendwie müde wirkten. Ich hoffe darauf, dass die gestrige Aufholjagd auch bei WOB Spuren hinterlassen hat.
    Mitunter stehen wir hinten nicht gut (erstes Gegentor), oder wir machen gravierende Fehler. Das darf man sich gegen diese abgezockte Truppe einfach nicht leisten. Der Joker hat uns gestern in manch kniffligen Situationen den Allerwertesten gerettet.
    Muss mich auch wieder mal zu den Schiris äußern: Ganz schwache Vorstellung, insbesondere von Piechazek. Zu einem gewissen Teil geht die Niederlage auch auf deren Kappe. Respekt aber auch für den Gegner – trotz der bereits völlig richtig beschriebenen „Auffälligkeiten“.

  6. Faszination und Brutalität liegen hier eng beieinander. 2 wirklich gute und engagierte Leistungen gegen einen Gegner, der scheinbar immer noch einen Joker in der Tasche hat. Zweimal kurz vor Schluss alles verspielt. Das wird der Leistung und dem Kampfgeist der Mannschaft nicht gerecht, aber so ist es nun mal im Leistungssport. Ich hoffe mal, dass die Mannschaft keinen psychologischen Knick erlitten hat, dann bleibt alles noch möglich. Egal wie man zu ihm steht, wobei die meisten von uns ihn als Mensch kaum kennen dürften, aber was Pavel Gross da an taktischen Finessen zeigt, wow. Da fällt mir vielleicht noch Don Jackson als Pendant ein, der Rest der Trainer steht hier hintenan.
    die Optimisten hier sollten auch etwas Verständnis für die Pessimisten aufbringen. Vieles wird hier in der ersten Phase der großen Enttäuschung gepostet. Das zeigt andererseits auch, mit welchem herzblut auch diese Fans hinter der Mannschaft stehen. Also etwas mehr Gelassenheit, solange die vernünftige Ausdrucksform gewahrt bleibt.

  7. Einige Daten zur Zwischenbilanz aus Nürnberger Sicht nach drei Spielen:

    – 11 zu 10 Tore
    – 188 zu 161 Torschüsse, davon aufs Tor: 113 zu 89.
    – Powerplayquote in der Serie: 7(bzw. 8)/12 zu 3/13
    – Bullys gewonnen: 149 zu 88
    – Serienstand: 1 : 2

    Wo ist Wolfsburg besser?
    – Beim Nr.1-Torhüter, der im Gegensatz zu uns auch tatsächlich zum Einsatz kommt, aber das war bei der bisherigen Trefferausbeute nicht entscheidend
    – Beim konsequenten Umsetzen seit Jahren praktizierter taktischer Vorgaben
    – In puncto geistige und körperliche Frische in den Endphasen der letzten beiden Spiele

    Klar, so ein Spiel wie gestern darfst du nie verlieren, das muss eine Mannschaft unserer Qualität notfalls dreckig über die Zeit retten.
    Ich sehe dennoch keinen Grund, die Flinte jetzt schon ins Korn zu werfen. Näher kommen wir leistungstechnisch nie mehr ran an einen Seriensieg gegen Wolfsburg.

  8. Ein paar Worte zu…

    Pavel Gross: Trainer, dem regelmäßig der geballte Respekt und die untergebenste Ehrerbietung sämtlicher Journalisten und sonstiger Kommentatoren des Geschehens in der DEL zuteil wird. Bleibt festzuhalten, dass es sicherlich kein Zufall ist, dass die Wolfsburger Spieler im Zweifelsfalls ein bisschen weniger fest auf ihren Schlittschuhen stehen als die Akteure der anderen 13 DEL-Teams. Man darf davon ausgehen, dass dieses Verhalten von Pavel Gross mindestens toleriert, wohl aber eher aktiv eingefordert wird. Das ist nicht verboten, hat mit Eishockey im Sinne einer ehrlichen, kampfbetonten Sportart aber wenig zu tun. Und in der Tat: Was den Spieleretat angeht steht Wolfsburg nahezu in einer Reihe mit Mannheim, München und Köln. Und obwohl ihm das gesamte Umfeld regelrecht hörig ist, hat es Pavel Gross bislang nicht geschafft, mit seinem Team einen Meistertitel zu erringen. Daran wird sich auch in dieser Saison nichts ändern. Fazit: Für Ehrfurcht gibt es keinen Grund.

    Brandon Prust: Wer dachte, bei Prust handele sich um eine Art geschrumpften Bud Spencer auf Schlittschuhen, wird in diesen Playoffs eines besseren belehrt. Prust kämpft um jeden Puck, schindet sich und setzt auch spielerich immer mehr Akzente. Umso bitterer, dass gerade ihm der entscheidende Fehler unterlaufen ist. Jeder, der einmal abseits der Bundesjungendspiele Sport getrieben hat, weiß aber, wie schnell ein solcher Lapsus passiert. Gerade in der kraftraubensten Phase des Jahres.

    Jochen Reimer: War gestern, der Torhüter, der er sein muss um seine Mannschaft zum Titel zu führen. Machte einige hochkarätigen Chancen der Wolfsburger durch teils spektakuläre Paraden zunichte. Es bleibt ebenso bemerkenswert wie nachvollziehbar, dass er sich offenbar im Tor der Ice Tigers festgespielt hat.

    Tyler Haskins: Spielt dreckig, hart und effizient. Wären alle Wolfsburger wie er, hätte der Briefkopf der Niedersachsen mittlerweile ein gewaltiges Volumen. Ich mag ihn nicht, gut ist er trotzdem. Sehr gut sogar.

    der Serie: Die Ice Tigers waren über alle drei Spiele hinweg über ca. 75% der Spielzeit hinweg die bessere und aktivere Mannschaft. Solange diese Überlegenheit nicht in Siege umgemünzt werden kann, bleibt diese Tatsache jedoch eine Randnotiz. Ich halte die Mannschaft jedoch für gut genug aus diesem Zustand rechtzeitig Kapital schlagen zu können. Gestern hat sich das Team nach dem 3:1 für meinen Geschmack jedoch deutlich zu passiv verhalten. Auch Oliver Mebus hat im Interview mit Andy Lindner von CEF TV bemängelt, dass man sich zu sehr „hinten reindrücken“ habe lassen. Es ist sehr verständlich, dass die Mannschaft alles versucht, um Ressourcen zu sparen. Gegen Wolfsburg ist das aber schlichtweg nicht möglich.

    Die Grizzlys haben jetzt einen Vorteil – faktisch und mental. Dennoch bleibe ich dabei: So gefährlich wie sie die letzten Jahre waren sind sie nicht mehr. Und unsere Mannschaft hat weiterhin das Potential, Wolfsburg in 4 Spielen 3 mal zu schlagen. Die dicke Dame ist noch nicht einmal in der Garderobe.

  9. Es ist nicht immer alles erklärbar. Ja, die Icetigers hätten mehr Tore schießen in den ersten zwei Dritteln und die 2-Tore-Führung bissiger verteidigen sollen. Ja, die taktische Umstellung der Wolfsburger im dritten Drittel hat den Nürnbergern zu schaffen gemacht und sie haben keine wirkungsvolle Antwort gefunden. Ja, Prusts Fehler am Ende war ärgerlich und unnötig. Ja, Patrick Reimers großer Wille steht ihm in den Playoffs manchmal etwas im Weg. Ja, wir haben die Ausfälle dreier Top-Leistungsträger zu verkraften. Ja, Haskins ist ein Biest. Ja, Brückmann hat NHL-Niveau. Ja, Gross ist ein Meister darin, eine Mannschaft über eine Serie von vielen Spielen auf ein und denselben Gegner einzustellen, und hat mehr reaktive Ideen im Ärmel als jeder andere DEL-Trainer. Ja, ja, ja, zu allem ja. Und doch waren die Icetigers in jedem der drei Spiele besser. Punkt. Warum es trotzdem 1:2 steht und nicht 2:1 oder 3:0? Weil so was nun mal passiert. Es ist nicht immer alles erklärbar.

    Ich bin, wie wohl alle hier, wahnsinnig enttäuscht über das Ergebnis. Aber ich bin nicht unzufrieden mit den Spielen. Da haben wir schon ganz andere Playoff-Serien gesehen hier. Wie oft in den letzten 20 Jahren hatte man nach dem frühen Ausscheiden nicht schon das Gefühl, dass der siegreiche Gegner nicht nur das Weiterkommen feiert, sondern dass die sich in der Kabine bepissen vor Lachen über die biederen, braven Nürnberger Tölpel, die einfach nicht kapieren, dass Playoff-Eishockey anders funktioniert als das in der Hauptrunde, und sich Jahr für Jahr den Schneid abkaufen lassen und dann wie aufgescheuchte Hühner übers Eis rennen, um noch irgendwas zu retten. Das ist in diesem Jahr anders. Das ist eine Mannschaft, die will und die kann und die es versucht. Das muss man respektieren. Ich habe die lange noch nicht abgeschrieben.

  10. Enttäuscht über die beiden letzten Drittel in Wolfsburg und gestern in Nürnberg!!ja. Enttäuscht über die bisherige Serie!!nein. Spielerisch sind wir besser als der Gegner, das allerdings reicht nicht aus um die Spiele auch zu gewinnen. Und irgendwelche taktischen Finessen von Gross können wir auch nicht erkennen, Umstellung hin oder her. Jeder Trainer stellt sein Team auf den Gegner ein. Wie die Mannschaft es dann umsetzt ist eine andere Sache. Wir stellen auch fest stärker als im letzten Jahr ist das Wolfsburger Team keinesfalls. Was uns sehr nachdenklich stimmt (zum wiederholten Male) ist der Einbruch des Teams im letzten Drittel der Spiele. Die Mannschaft ist nicht in der Lage den Puck kontrolliert aus dem eigenen drittel zu spielen, geschweige denn durchdachte Angriffe zu fahren. Und auch körperlich hinken wir Meilenweit hinter der Doppelrunde. Das alles spiegelt sich letztendlich in den bisherigen Ergebnissen.

  11. Nach intensiver Aufarbeitung der bisherigen Playoffs kann ich für mich k e i n e Benachteiligung durch die Schiedsrichter erkennen.
    Die grosse Unbekannte in der Rechnung,WARUM es so steht,wie es steht,sind für mich die Goalies der Gegner.
    Nichts gegen unser Torhüter-Gespann – aber die Leistungen von Felix Brückmann u Ben Meisner sind,bzw waren halt für mich aussergewöhnlich u bärenstark.
    Das ist auch Spiel für Spiel an der Schuss-Statistik abzulesen.
    Aber kein Grund zu lamentieren u aufgeben tut man einen Brief!

  12. Warum nicht mit den gleichen Mitteln zum Erfolg kommen wie die Wolfsburger: 1. Schwalben fabrizieren und so Strafzeiten erzwingen / 2. absichtliche Fouls abseits des Pucks um den Gegner zu beeindrucken./ 3. Flexibilität von Rob Wilson in Bezug auf taktische Umstellungen – Pavel Gross macht es vor / 4. Der 4. Reihe mehr Spielzeit geben um so Entlastung für die ersten 3 Reihen zu schaffen.
    Und ja von einem Spieler der Saison wie Patrick Reimer erwarte ich, dass er sich endlich psychologisch weiterentwickelt und die nötige Lockerheit bei den Torchancen aufbringt. Diese seit mehreren Saisons zu beobachtende Verbissenheit ist kontraproduktiv. Ja, er versucht zu oft mit bloßer Gewalt das Tor zu erzwingen. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen WOB und Nürnberg: WOB lernt aus Fehlern bzw. findet Lösungen um Schwächen wirksam zu eliminieren. Diese Weiterentwicklung (Lernen aus Fehlern, Schwächen) fehlt mir in Nürnberg.

  13. GRIZZLYS ZIEHEN TIGERN DEN ZAHN

    Richtig ist: Es gewinnt, wer 1 Tor mehr schießt. Sich in jener Überzeugung auf die Brust zu schlagen, man sei oder habe das bessere Team, ist vor allem eines: Zu leicht. Und zu wenig. Das war noch nie genug. Die Tiger haben schon jetzt das nächste Schlissdrittel im Kopf und der gemeine Fan die Erklärung in der Hosentasche: – „Die Schieris waren Schuld.“ Oder das Eis.

    Klaus

Kommentare geschlossen.