Viertelfinale, Spiel zwei: Ausgleich

Wir sind wieder zu Hause, Mama. Ja, der Florian ist vorsichtig gefahren. Und, ja, schön war es in Augsburg, das Wetter war spitze, das Curt-Frenzel-Stadion auch, die Leute waren sehr freundlich zu uns. Was zu essen hat es auch gegeben, die Nürnberger Fans haben sich sehr gefreut. Ach, und, diese Playoffs könnten nun doch wieder ein wenig länger dauern.

Warm-up

Nürnberg 1, Augsburg 1. Am Freitag findet in der Arena Nürnberger Versicherung um 19.30 Uhr ein Playoff-Spiel statt. Mehr ist nicht passiert.

Am Mittwoch musste Rob Wilson nach dem Spiel mindestens eine fünfminütige Verlängerung samt Penalty-Schießen auf Mike Stewart warten. Am Freitag wartete Stewart noch einmal zwei Schützen länger auf Wilson. Der Grund, Coach? „Zufall.“ Natürlich.

Dass Leo Pföderl frühestens im August wieder beim Eishockey spielen zu beobachten sein wird, das hatte Rob Wilson uns schon am Donnerstag verraten. Wir sollten es nur Mike Stewart noch nicht verraten.

Das ist natürlich bedauerlich für die Ice Tigers, für die Playoffs, die ohne einen der spektakulärsten Spieler der DEL fortgeführt werden müssen, vor allem aber natürlich für Pföderl selbst. Aber nüchtern betrachtet, haben die Ice Tigers Rob Schremp genau für solche Fälle nach Nürnberg geholt. Man muss das nicht überbewerten und ganz so schwer war das nach den bisherigen Auftritten auch nicht, aber Schremp zeigte an diesem Freitag sein bestes Spiel für seinen neuen Arbeitgeber. Seine Vorlage auf Steven Reinprecht war fein, erstaunlich aber war insbesondere, wie viele Pucks Schremp den Augsburger von den Schlägern klaute.

Ich liebe Playoffs, diese 52 Vorspiele dienen aber offensichtlich nur noch dazu, die Vorfreude auf diese Art von Eishockey ins Unermessliche zu steigern. Den Heimvorteil kann man im modernen, laufintensiven und taktisch geprägten Eishockey völlig vernachlässigen.

Schönste Szene: Oliver Mebus verliert seinen Schläger, borgt sich den von Andrew Kozek. Das sieht aus, als hätte er einen Feldhockeyschläger in den Handschuhen, tatsächlich verliert er deshalb den Puck, spitzelt ihm seinen Gegenspieler aber wieder von der Schaufel. Kommentar von Leo Pföderl auf der Pressetribüne: „Sieht gut aus, sollte er öfter machen.“

Das Spiel

Trevor Parkes fällt Andreas Jenike. Aleksander Polaczek bleibt noch ein wenig länger liegen, erntet aber nicht mehr als einen mitleidigen Blick von Sirko Hunnius. Augsburg drückt und drückt und drückt und wirkt dabei doch ratlos. Irgendwie kennt man das in Nürnberg aus dem ersten Spiel. Disziplinierter und intelligenter sollten die Ice Tigers beim zweiten Versuch spielen, Letztes wurde beeindruckend umgesetzt, Erstes nur bedingt. Denn natürlich hat allein Yasin Ehliz den Augsburgern zu viele Möglichkeiten geboten, sich in ihrer Lieblingsteildisziplin auszutoben. Nürnberg spielte aber trotzdem smart, weil es eben nicht hart spielte. Die Ice Tigers nahmen mehr Checks als sie austeilten. Auch das gehörte offensichtlich zum game plan, den Marius Möchel danach ausdrücklich lobte. Natürlich begünstigte Steven Reinprechts frühes Power-Play-Tor diesen Plan, aber auch das ist eine Qualität einer guten Auswärtsmannschaft, die die Ice Tigers erstmals wieder bewiesen, sein zu können: Tore genau dann zu schießen, wenn es dem Gastgeber am meisten schadet. In diese Kategorie fielen auch Torps 2:0 und Segals 3:0. Im Schlussdrittel tobte dann eine Abwehrschlacht, ohne dass sich die Ice Tigers noch einmal Luft durch Konter verschaffen konnten. Nürnberg aber kontrollierte die Rebounds und „antizipierte die Schüsse besser als noch am Mittwoch“ (Möchel). So einfach kann Eishockey selbst in die Playoffs manchmal sein. Was das für Sonntag bedeutet? Gar nichts.

Der Moment

Für den 27 Jahre alten Nichlas Torp war es bereits das 61. Playoff-Spiel seiner Karriere. Rob Wilson weiß, wie es soweit hat kommen können. „Torpy ist, was Torpy ist. Er hält sein Spiel einfach, er macht die kleinen Dinge richtig. Sehr starkes Spiel heute.“ Und er hat ein Tor erzielt, das zweite Playoff-Tor seiner Karriere. „Erwartet kein weiteres. Er hat sein Limit erreicht.“ Die zwei Minuten Unterzahl vor seinem 2:0 und natürlich sein 2:0 selbst, fügten sich exakt zu jener Sequenz zusammen, die man braucht, um in den Playoffs ein Auswärtsspiel bei einer euphorisierten Mannschaft zu gewinnen. In den Playoffs werden nicht selten die unbesungenen Helden zu echten Helden.

Das Interview

Marius, erklären Sie uns Unwissenden doch einmal, wie sich die letzten Sekunden einer zweiminütigen Unterzahl anfühlen, die Sie und Ihr Team gut spielen, ohne sich allerdings befreien zu können?
Marius Möchel: Das ist ziemlich hart gewesen. Augsburg hat den Puck gut bewegt, aber ich denke, wir haben es echt gut gespielt, waren immer in den Schussbahnen, so dass sie nie einen freien Schuss hatten. Es war nur bitter, dass wir die Rebounds nicht bekommen haben, um zu klären.

Was passiert da genau, schießt da nach einer Minute die Milchsäure in die Oberschenkel, oder wie muss man sich das vorstellen?
Marius Möchel: Die Beine werden immer schwerer, aber du musst mit dem Kopf immer noch da sein, weil irgendein Pass durch die Zone immer noch kommen kann. Du kriegst aber kaum noch Luft, probierst nur noch, es irgendwie zu überstehen. Einen schnellen Schritt kannst du da nicht mehr machen.

Trotzdem haben Sie und David Steckel erkannt, welch gute Chance sich da noch bietet.
Marius Möchel: Wir hatten den Rebound und gemerkt, dass Torp zurückkommt. Ich wollte eigentlich mit der Rückhand klären, aber hab gesehen, dass der angreifende Spieler wegfährt, dass ich Zeit habe, mich noch einmal umzudrehen, dann hab ich Stecks in der Mitte gesehen, der hat den Puck super mitgenommen und Torp super eingesetzt.

Und Torp ist einfach ein Torjäger.
Marius Möchel: Ja, das muss ich auch sagen. Klasse gemacht.

Lag es nur an dem frühen Tor, dass die Ice Tigers die Ruhe gefunden haben, die sie am Mittwoch nie gefunden haben?
Marius Möchel: Das hat uns in jedem Fall geholfen, aber am Mittwoch hatten wir auch das erste Tor. Wir hatten heute den besseren game plan und Augsburg hat sich damit schwerer getan.

Was passiert am Sonntag?
Marius Möchel: Wir werden genauso spielen wie heute. Wir haben jetzt einen Sieg, mehr nicht. Aber wir wissen jetzt auch, wie man spielen muss, um zu gewinnen. Mit unseren Zuschauern im Rücken werden wir das auch am Sonntag zeigen.

Die drei Stars

Und plötzlich war er wieder da, der Steckel, die Nervensäge, auf dessen Konterfei sie wenigstens in den Kabinen von Iserlohn und Wolfsburg ihre Dartpfeile werfen. Zwei kleine Aussetzer leistete er sich, offenbar braucht er diesen Nervenkitzel. David Steckel hat in diesem zweiten Spiel seinen Ruf als bester Unterzahlstürmer der DEL bewiesen, vor allem, weil er hart und smart spielte.

Spiel eins gehörte Jonathan Boutin, dem Günter Klein im Münchner Merkus diesen hübsch detailreichen Artikel widmete. Wie so oft wurde dabei übersehen, dass auch Andreas Jenike überzeugend in die Playoffs gestartet war. In Spiel zwei verhinderte er gegen Ende des ersten Drittels den Ausgleich durch Mark Cundari, der die Tektonik dieses Spiels sehr wahrscheinlich gehörig durcheinander gebracht hätte. Im turbulenten Schussdrittel brachte er den Sieg, mit einer Ausnahme, sehr souverän nach Hause.

„He is very smart player. And he is undervalued sometimes. Very, very smart player.“ Wen meint Rob Wilson? Oliver Mebus oder Marco Pfleger? An diesem Abend in Augsburg machte das eigentlich keinen Unterschied. Lob hatten beide verdient, beide spielen überlegt und beide werden nicht von allen Fans geschätzt. Wilson aber sprach von Pfleger, dessen Eiszeit im Power-Play ich nicht immer nachvollziehen kann, der aber vor allem defensiv ein sehr starkes Spiel gezeigt hat. In der 54. Minute spitzelte er schlitternd einem Augsburger das sichere 2:3 vom Schläger und klärte oftmals clever.

5 Kommentare in “Viertelfinale, Spiel zwei: Ausgleich

5 Comments
  1. Es war das erwartet Spiel auf Augenhöhe. Das frühe Tor hat uns ein bisschen ruhiger agieren lassen. Die restlichen Tore fielen immer zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem frühen Anschlusstreffer der Augsburger befürchteten wir das Spiel könnte noch kippen. Die Augsburger haben wirklich einen brutalen Druck auf unser Tor aufgebaut. Aber mit Glück und Geschick haben wir das Spiel über die Zeit gebracht. Jetzt geht’s wieder von vorne los. Spannend bleibt es. Ihr Satz: Den Heimvorteil kann man im modernen, laufintensiven und taktisch geprägten Eishockey völlig vernachlässigen, können wir nur unterstreichen. Unter den Top 4 zu sein ist eine schöne Momentaufnahme nach 52 Spielen, aber eine Garantie fürs weiterkommen ist sie heutzutage keinesfalls mehr.

  2. Ja. Nur ein Sieg auf dem weiten Weg einer langen Reise. Vor der Serie waren wir der Meinung, das es eng wird. Und auch nach diesem Spiel bleibt es weiter eng.
    Was war der Unterschied zum Mittwoch? Der Gameplan war da sicher auch nicht schlecht. Der Unterschied war, dass alle Spieler in den Playoffs angekommen sind (danke für die gute Aufteilung zu Spiel eins). Wie sagte der Junior gestern im ersten Powerbreak: „Das ist heute anders. Die Mannschaft ist komplett in PO angekommen“.

    Es ist schon was dran, das ein Heimrecht vielleicht nicht mehr ganz so wichtig ist wie früher. Ich halte es dennoch für relevant aus zwei Gründen. 1) Grund eins ist der Support der Fans. Im zweiten Drittel war der Support für den AEV nicht so groß. Die Ice Tigers wirkten sehr stabil. Das hat sich schon auf das Augsburger Spiel ausgewirkt. Nach dem ersten Tor war es laut. Richtig laut. Obwohl wir geklatscht und gesungen haben, hat man mitten im Nürnberger Block trotzdem die gegnerischen Fans deutlich gehört. Die haben einen Höllenlärm gemacht (Respekt). So etwas puscht ein Team und das war zu spüren… 2) bei langen Serien auf dem Weg zum Titel kosten Auswärtsfahrten mehr Energie.

    Schremp hat sicher sein bestes Spiel im Ice Tigers Trikot gemacht. Vor allem hat er das erste mal konsequent in der Defensive gearbeitet. Wird spannend zu sehen sein, ob Prust oder Schremp morgen auflaufen…
    Wenn sich Y. Ehliz und auch Segal etwas mehr zusammenreisen und weniger Strafen ziehen, sollten wir in der Serie Oberwasser bekommen. Denn die Augsburger PP Quote liegt nach zwei Spielen bei 33%. Wir müssen von der Strafbank wegbleiben…

    Zu den Goalies: Auch von Experten wurde Jenike vor den Playoffs unterstellt, unter Umständen kein PO Goalie zu sein (Zitat: „Konnte er bisher nie beweisen“). Er hat zwei richtig gute Leistungen gezeigt und ist stark gereift. Er ist ein PO Goalie. Er hat einen Lauf und ich würde ihn am Sonntag auch bringen. Würde den Joker dann am Dienstag bringen. Auch hier bin ich auf die Entscheidung der Trainer gespannt.

    Gute Besserung an Leo Pföderl. Tut mir sehr leid für ihn, dass auch die WM kein Thema sein wird. Er wird nicht nur uns, sondern auch der Nationalmannschaft fehlen!

    #11togo @Ice_Tigers

  3. @Frank Strube
    Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund morgen wieder Prust statt Schremp zu bringen. Ich denke die Augsburger sind auch keine Truppe gegen die du einen Spielertyp Prust brauchst. An sich bin ich ein großer Fan dieser Spieler, aber gegen Augsburg hilft uns ein spielender und v.a. auch arbeitender Schremp mehr.
    Wenn es mal richtig hässlich wird kann man Prust wieder bringen.
    Ansonsten sehr gute Antwort des Teams auf Spiel 1. Weiter so.

  4. Hallo,

    Blog und guter Kommentar @FrankStrube haben alles wesentliche dargestellt.

    Denke, Prust wird wie Schremp und Jenike morgen spielen, Kozek bleibt imo nur die Bank. Mal abwarten. Torp fand ich wieder sehr intelligent, nicht nur wegen der guten Szene beim 2. Tor. Er stabilisiert uns nach dem Ausfall von Teubert und Jurcina in der Abwehr deutlich. Gute Nachverpflichtung.

    Drama um Leo Pföderl, nach so einer Super Saison im ersten PO Spiel verletzt zu werden ist echt übel. Aber er ist noch jung und wird seine Titel holen. Auf diesem Weg noch mal die besten Wünsch, eine erfolgreiche OP und gute Genesung!

    #11togo

    Gruß
    Stefan

  5. Gute und auch dringend erforderliche Antwort des Teams.
    Würde die Aufstellung morgen erstmal so lassen. Bin auch der Meinung, dass wir Prust eher gegen München oder Mannheim brauchen würden. Kozek zudem torgefährlicher (ja, müsste er nun auch in den Playoffs zeigen!).
    Manchmal wächst man mit der Größe der Aufgabe. Das wünsche ich auch Marco Pfleger, als „Ersatz“ für Leo Pföderl, dem alles Gute und vollständige Genesung zu wünschen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *