43/52: Wounded Cheek

Foto: Zink/Matthias Winter

Auf dem Index der Sportredaktion der Nürnberger Nachrichten stehen zum Beispiel folgende Wörter: Sahnehäubchen, Doppelpack, i-Tüpfelchen, mitgereiste (Fans), Truppe. Oder mit Pleite und Krise zwei Wörter, die einem in der jüngsten Betrachtung der Thomas Sabo Ice Tigers schon in den Sinn hätten kommen können. Das 2:4 in Köln war keine Pleite, das 4:8 in Straubing schon. Und wie soll man jene 80 Minuten, nunja, Eishockey beschreiben, die sie zwischen Dienstag und Freitag auf Köln und Straubing verteilt hatten? Die Vier-Drittel-Krise traf es ganz gut, vor allem, weil man sich nach dem 6:1 gegen Berlin und vor dem Rückspiel um den Leberkäsegipfel ziemlich sicher sein kann, dass sie vorbei ist. Lehrreich war diese Eskalation trotzdem – hoffentlich nicht nur für die Mannschaft.

Warm-up

Fans argumentieren herrlich irrational, beschimpfen Gegner und Schiedsrichter, sind unbelehrbar und stur. Fans sind wunderbar. Fans, die nach dem ersten völlig misslungenen Drittel der Saison voller Empörung die Feststelltaste drücken, um WAS IST DENN DA LOS? zu schreiben, die nach dem ersten restlos misslungenen Spiel der Saison die ganze Bandbreite der Emojis ausnutzen, um ihre Wut auszudrücken, die pöbeln, schimpfen und beleidigen, weil ihre Mannschaft nur noch Zweiter ist, sind keine Fans. Am Freitagabend habe ich mich aus der Facebook-Fangruppe (deren Mitglied ich war, um dieses Blog zu promoten) verabschiedet, weil mich diese vielen übertriebenen Reaktionen ratlos und traurig gemacht haben. Und da ich war nicht der einzige.

Wie viele Spiele haben diese Ice Tigers in der aktuellen Saison vergeigt? Das 4:8 in Straubing; das 2:4 in Köln muss man trotz zwei sehr starker Drittel ebenfalls hinzuzählen; das 2:5 gegen Ingolstadt; das 1:2 in Bremerhaven; und, wenn man streng sein will (und dem Hype um den Neuling noch immer nicht traut), das 2:3 gegen Bremerhaven. Auf wie viele Spielen waren Mannheim, Köln und Wolfsburg nicht vorbereitet? Oder die Ice Tigers von 2015, 2014, 2007 oder 1999? Die Vier-Drittel-Krise war kaum mitanzusehen, insbesondere für all jene, die in die Hoffnung auf einen Derbysieg Geld und Zeit investiert hatten. Sie war aber vor allem völlig normal.

Sieben Spieler fehlten den Eisbären, darunter ein Weltmeister, zwei DEL-Topscorer und der künftige Koordinator des Power-Plays der Nationalmannschaft. Diese vielen haarsträubenden Szenen im eigenen Drittel, die lustlosen Vorführungen von Florian Busch und André Rankel, die demonstrative Wurstigkeit, mit der Uwe Krupp dieses 1:6 erklärte, das alles lässt sich allein durch Verletzungspech nicht erklären. Berlin präsentierte sich an diesem Sonntag nicht als potenzieller Viertelfinalgegner. In dieser Form haben die Eisbären in der ersten Playoff-Runde keine Chance gegen Ingolstadt, Bremerhaven oder Straubing.

Zwei Ausländer wollen sie auch deshalb noch in die Hauptstadt locken. Doch die Vollzugsmeldungen lassen auf sich warten. Der Markt ist voll – allerdings nur mit Käufern. Selbst die KHL-Kellerkinder geben ihre Spieler erst nach und nach frei. Das Interesse der Kölner Haie an Alexandre Bolduc kann man wohl als Reaktion auf die vermeintlichen harten Aufeinandertreffen von Christiane E. und den Kindern vom Bahnhof Deutz mit den Ice Tigers werten. Die Ice Tigers wiederum waren sich in der vergangenen Woche wohl schon mit einem Spieler einig (Martin Jiranek kündigte eine „kurzfristige Lösung“ an), zu einer Verpflichtung kam es dann allerdings doch nicht. Schon aus Tradition kann man sich natürlich Zagrebs Ausverkaufskader ansehen. Jiranek und Wilson aber werden wohl nur aktiv, wenn sie davon überzeugt sind, dass ein Spieler charakterlich in die Kabine des Ice Tigers passt. Dazu wiederum passt:

Scoring Streaks:

7 Spiele: Reimer, Patrick – 3 Tore/7 Vorlagen, 10 Punkte
4 Spiele: Syvret, Danny – 2/3, 5
3 Spiele: Blacker, Jesse – 0/5, 5

In der DEL wird es langsam interessant. Auch für Journalisten wird es Zeit, das Verschleierungsspiel um ernsthafte und leichte Verletzungen mitzuspielen, ohne Ersatzwörter wie Oberkörper und Unterkörper zu bemühen. Ganz so einfach wäre es auch nicht, die Malaises der Ice Tigers zu beschreiben. Andreas Jenike wurde wohl tatsächlich nur geschont, der Torhüter soll gegen München oder in Augsburg wieder einsatzbereit sein. Milan Jurcina fällt, wie von Dr. Thomas Sabo angekündigt, mindestens noch zwei Wochen aus. In den Fällen Teubert und Buzas sind die Prognosen wohl komplizierter, beide Spieler könnten aber durchaus auch früher als gedacht wieder auf dem Eis stehen. Für Rob Wilson ist nur wichtig, dass sie zum Beginn der Playoffs „100 Prozent fit sind“.

Das Spiel

16 Minuten hatte es gedauert, dann machten die Ice Tigers einfach da weiter, wo sie in Köln und Straubing aufgehört hatten. Das ist die einfache Interpretation. Differenzierter betrachtet, war die Strafe gegen Patrick Reimer korrekt, der Pfiff gegen Brett Festerling drei Sekunden später eher übertrieben. Die Frage ist nun, ob die Schiedsrichter darauf reagieren, dass die Ice Tigers ihre wuchtigen Körper und ihre Aggressivität plötzlich nicht mehr zu kanalisieren wissen, oder, ob es einfach Zufall war, dass kurz darauf auch Oliver Mebus wegen eines kaum zu erkennenden Vergehens auf die Strafbank musste. Eine Antwort folgt vielleicht schon nach dem kommenden Wochenende. Bis dahin darf man feststellen, dass Brandon2 die Wut der Ice Tigers ziemlich vernünftig zu einem Unterzahltor nutzen konnten. Der Rest war eines jener leichten Spiele, die es in der DEL angeblich nicht gibt. Der nächste vielleicht doch nicht so glückliche Treffer von Danny Syvret und ein ordentlich herausgespieltes Power-Play-Tor durch Steve Reinprecht (der Patrick Reimers Schlagschuss wohl noch leicht berührt hat), vor allem aber Marius Möchels befreiender Treffer (nach einer Pause von 22 Partien) nahmen dem Spiel die Spannung.

Interview, die erste

Wie viele Stiche?
Marius Möchel: Drei.

War aber nicht Ihr erstes Mal?
Möchel: Nein, ich habe schon einen Schlittschuh durchs Gesicht bekommen. Da waren es über 30 Stiche.

Aber danach haben Sie nicht weitergespielt?
Möchel: Nein, genäht wurde ich damals im Krankenhaus.

Ganz ehrlich, tut das weh?
Möchel: Na, Kopfschmerzen hab‘ ich jetzt schon noch. Die Stiche, die merkt man überhaupt nicht. Mit Adrenalin geht das schon.

Für Ihr Spiel war diese Schmerztherapie aber offenbar genau das Richtige.
Möchel: Der Treffer freut mich natürlich. Für mich persönlich war das zuletzt nicht die einfachste Zeit. Am Anfang habe ich viel gespielt, jetzt ein bisschen weniger. Dass der jetzt mal drin war, das tut mir natürlich gut.

Es heißt, die Ice Tigers hatten einen langen Samstag, weil sie alle das 4:8 in Straubing noch einmal ansehen mussten.
Möchel: Eine dreiviertel Stunde hat das Meeting gedauert, das Spiel wurde in alle seine Einzelteile zerlegt. Aber das musste sein. Das war einfach mal gar nichts von uns. Ich denke aber, dass wir eine gute Reaktion gezeigt haben.

Wir erklärt ihr euch denn, dass eine große, schwere Mannschaft, die 40 Spiele lang hart, aber fair gespielt hat, in zwei Spielen so große Probleme damit hat, Strafen zu vermeiden?
Möchel: Das zu erklären, ist nicht ganz einfach. Vor allem braucht man da gar nichts auf die Schiedsrichter schieben. Von zehn Fouls waren da sicher acht, neun berechtigt, gerade die in Unterzahl. Bis dahin hatten wir vielleicht zwei 5-3-Situationen gegen uns. Und jetzt in zwei Spielen vier oder fünf. Da müssen wir schlauer spielen. Wir haben gute Unterzahlformationen, aber die werden auch irgendwann müde.. Das müssen wir unbedingt abstellen.

Der Moment

Marius Möchel war der Matchwinner, allerdings eher weniger ob seines schönen 4:1. Möchel prägte das Spiel, weil er sein Gesicht im richtigen Moment in den Schläger von Kai Wissmann stürzte. Da musste Thomas Schinko noch nicht einmal dran rumkratzen, damit das Blut floss. Fünf plus Spieldauer für den Berliner und als der da so auf der Strafbank saß und mitbekam, dass er gleich wohl gleich in die Kabine geleitet werden würde, da sah man in seinem jungen, aufgeregten Gesicht, dass genau diese Regelinterpretation dringend überarbeitet werden sollte. Ja, jeder Spieler ist für seinen Schläger verantwortlich. Aber reichen da nicht auch zwei plus zwei Minuten? Muss einem solch vergleichsweise harmlosen (und in den meisten Fällen folgenlosen) Vergehen stets ein solch krasser Einschnitt folgen?

Die drei Stars

Was ist nur mit Danny Syvret los? Oder, besser: Was war nur mit Danny Syvret los? Oder, noch besser: Wer ist dieser bewegliche, aufmerksame, nahezu fehlerfrei agierende Verteidiger mit der Nummer fünf? Allmählich beginnt man zu verstehen, warum Martin Jiranek gar so entzückt war, den Kanadier verpflichten zu können.

Merke: Unbedingt mal nachfragen, wie weit die Vertragsverhandlungen mit dem Agenten von Brandon Segal gediehen sind, beziehungsweise, ob es denn überhaupt schon Gespräche gibt. Wenn nicht, wäre das überraschend. Vier Punkte hat der Kanadier am Wochenende beigetragen, darunter das wichtige 1:1 gegen Berlin. Als Unruhestifter und Dauerläufer und Alles-Checker und Hälfte von Brandon2 geht seine Bedeutung aber weit über seine ordentliche Punktausbeute hinaus.

Jochen Reimer wirkte nicht ganz so aggressiv und präsent wie noch vor wenigen Wochen – nach der letzten Woche aber kann man das verstehen. Noch dazu war dieses Spiel gegen Berlin allein für ihn undankbar. Die Eisbären tauchten selten vor seinem Tor auf, wenn dann aber gerne in Überzahl oder ganz alleine. Alle diese Aufgaben hat er gut gelöst. Vielleicht der unsung hero dieses 6:1.

Interview, die zweite

Seitdem Sie wieder gesund sind, haben Sie sehr entspannt gewirkt, offensichtlich glücklich darüber, wieder Teil der Eishockeymaschine zu sein. In der letzten Woche aber haben Sie zuweilen so ausgesehen, als ob Ihnen klar geworden wäre, dass es doch nicht immer großartig ist, Torhüter einer Profi-Eishockey-Mannschaft zu sein.
Jochen Reimer (lacht): Ich fand‘s immer noch geil. Aber ich bin natürlich auch ein extrem ehrgeiziger Mensch und will gewinnen. Und die letzten zwei Spiele waren so ganz und gar nicht nach meiner Vorstellung. Das ist allen anderen auch so gegangen. Und da waren dann bestimmt auch deshalb ein paar Undiszipliniertheiten dabei. Aber ich denke, dass man heute gesehen hat, dass wir das besser machen wollten und das ist uns auch sehr gut gelungen.

Wie war das als direkt Betroffener, als einer nach dem anderen auf die Strafbank abgewandert ist und Sie im Wortsinn alleine gelassen hat?
Reimer: Das war sehr schwierig. In Köln haben wir ja auch wirklich sehr gut gespielt. Und sind dann völlig aus dem Spiel gekommen. In Straubing, das war dann ein Abend, an dem gar nichts mehr geklappt hat. So etwas sollte nicht vorkommen, kommt aber dann doch jedes Jahr vor. So ein Spiel hat jede Mannschaft. Die einen mehr, die anderen weniger. Es ist sehr frustrierend. Heute im ersten Drittel haben wir ja auch schon wieder 3-5-Unterzahl gespielt, da denkst du dir schon: Bitte, nicht schon wieder. Aber heute hatten wir Glück, dass wir mit einem 1:1 in die Pause gegangen sind.

Haben Sie sich am Freitag in Straubing gewünscht, Ihre Kelle erneut einem Materialtest zu unterziehen?
Reimer: Das ist am Dienstag vorgekommen, das war doof. Da war die Frustration einfach so hoch, da war man sauer auf alles. Am Freitag wusste ich, das so etwas nicht mehr vorkommen darf. Aber natürlich war ich dann trotzdem frustriert, da galt nur noch: Augen zu und durch.

Mussten Sie als Torhüter am Samstag auch dieser Vorführung im Heimkino der Ice Tigers beiwohnen?
Reimer: Leider. Leider. Leider. Das ist nicht sehr schön. Aber es ist auch gut, wenn so etwas anspricht, damit man es auch wieder abstellt. Da waren ja nicht nur die Strafen, sondern auch einige andere Fehler dabei. Das ist ganz wichtig, dass man da nicht darüber hinwegschaut. Aber das war definitiv die unangenehmste Dreiviertelstunde dieser Saison – wenn man mal von dem Spiel selber absieht.

Reicht denn so ein 6:1 gegen Berlin schon, um die Ice Tigers wieder auf Kurs zu bringen?
Reimer: Ja, das ist ein guter Start. Aber kein Grund, sich auszuruhen und zu sagen, läuft ja. Aber nächstes Wochenende wird natürlich happig. Da müssen wir schon schauen, dass wir auf Kurs bleiben.

17 Kommentare in “43/52: Wounded Cheek

  1. Beide Teams waren geschwächt aber es ist trotzdem bedenklich zu sehen was aus den Eisbären geworden ist. Mal sehen ab wann Richer Cheftrainer ist…

    zu unserem Spiel: das Team hat die gewünschte Reaktion gezeigt und ist auch abgesehen von der unnötigen Strafe gegen Reimer wieder sehr diszipliniert aufgetreten. Ob die beiden anderen Strafzeiten was waren kann ich net beurteilen, da war mir die Sicht versperrt. Zwei Powerplay Tore sind zwar schön, allerdings wurde mir gerade bei der fünfminütigen Überzahl zu wenig daraus gemacht.

    Syvret gestern mit gutem Spiel während Weber und auch Mebus mit dem ein oder anderen Schnitzer auffielen. Offensiv ist es erfreulich, dass wir sechs verschiedene Torschützen haben. Segal gestern gewohnt stark an der Bande – da dürfte aus Ice Tigers Sicht die Verlängerung hoffentlich nur Formsache sein so wie bei manch anderen.

    Jetzt ist alles vorbereitet für ein großes Spiel am Freitag.

    Zur FB-Gruppe: ich hab mich auch verabschiedet davon am Freitag nachdem Diskussion um ein Fehlen Jurcinas und der Eisqualität ins Lächerliche gingen. Bleibt mir nur noch der Blog hier und ab und zu Twitter sowie das Forum ;).

    Zur Kölner Verpflichtung: da will man wohl ein Pendant zu Prust und Pinizzotto installieren wobei wenn ich den Check von Hager von gestern sehe dies wohl nicht nötig gewesen wäre.

    Dürfte ich mir aktuell eine kurzfristige Lösung wünschen wäre ich auch bei Zagreb fündig geworden: Goran Bezina um einen Backup in der Abwehr zu haben.

  2. Ich war gestern nicht zufrieden mit der Leistung, die Eisbären hatten gestern nicht mal ansatzweise DEL Format (gut, ohne Vehanen, Gervais, Petersen, Talbot, Olver, Müller, Noebels und Ziegler bleibt eben auch nichts mehr übrig).
    Die Mannschaft bewegt sich derzeit (zumindest meiner Ansicht nach) in einem kleinen Tief, dazu haben wir das erstemal in dieser Saison wirklich mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, was das ganze noch erschwert. Und mit Teubert und Jurcina fehlt das „defensive Gewissen“ der Mannschaft.
    Gegen einen stärkeren Gegner (oder komplette Eisbären) hätte das gestern durchaus schief gehen können.
    Allerdings sollte man bei aller Kritik nicht vergessen, dass das Team jetzt über 36 Spiele eine Konstanz gezeigt hat, die ich noch nie von einer Nürnberger Mannschaft gesehen habe.

    Insgesamt wirkt die Mannschaft einfach einen halben Schritt langsamer als normal, die Pässe 10cm unpräziser als normal und in den Zweikämpfen 3% undisziplinierter, was dann in Summe eben zu der einen oder anderen Niederlage führen kann.

  3. Gut zu wissen das mehr Leute, Diese „Expertengruppe“ auf Facebook schrecklich finden.

  4. Nachdem ich zu Footballzeiten zwar die meisten Heimspiele der Tiger sehen kann, aber darüber hinaus kaum Zeit für die DEL bleibt, war ich gestern sauber überrascht, dass Iu-i Krupp noch hinter der Bande der Eisbären stand.

    Ich war Anfang Oktober bei Eisbären vs Krefeld und da hieß es schon, dass er schwer angezählt ist (und anschließend verlor man prompt im ersten Spiel von Niklas Turtle Treutle gegen den Tabellenletzten). Irgendwie war ich davon ausgegangen, dass Uwe irgendwo zwischenzeitlich auf der Strecke geblieben ist.

    Die Eisbären spielten auch so, als ob sie keinen Coach mehr hätten oder ihn loswerden wollen.

    Absolutes Lowlight der Assist von Hördler in Überzahl auf die Brandons. Mir wars recht und irgendwie kann man sich nicht vorstellen, dass die Eisbärchis den Schalter nochmal umlegen können.

    Facebook Gruppen sollte man sich allgemein sparen. Hab noch nicht viele gesehen, die einen nicht innerhalb kürzester Zeit verstören…

  5. Sehe auch eher bedenklich schwache Eisbären (deren Verletzungspech alleine erklärt das nicht), als überragende Ice Tigers. Einsatz hat jedenfalls gestimmt, und auch sonst eine Steigerung zum Straubing-Spiel – was allerdings nicht besonders schwer zu realisieren war. Disziplin auch in Ordnung. Die Strafe gegen PReimer war ok, bei den anderen Szenen habe ich nix gesehen. In meinem Block und beim Pausentalk gleiche Meinung.
    Möglicherweise haben die Trainer im Hinblick auf die Playoffs die Trainigsintensität nochmal gesteigert, was eine Erklärung für etwas fehlende Spritzigkeit, Schnelligkeit und Konzentration wäre.
    Gegen München wird man sehen, was Sache ist. Ich fürchte, dass gerade in diesem Spiel das Fehlen von Jurcina und Teubert besonders zum Tragen kommen könnte. Aber lassen wir uns überraschen.

  6. Die selbstkritischen Aussagen von Marius Möchel und Jochen Reimer finde ich super und geben mir ein sehr gutes Gefühl, dass die Mannschaft intakt ist und die nötige kritische Einstellung besitzt, um vergurkte spiele wegzustecken und nach vorne zu sehen. Diese Denkzettel gegen Köln und Straubing waren vielleicht ganz gut, auch wenn jetzt der 2. Tabellenplatz im Feuer steht.

  7. Nach dem mittleren Debakel (wir haben uns schon sehr geärgert) in Straubing, wollte sich die Mannschaft rehabilitieren, um vielleicht auch dem Geburtstagskind Thomas Sabo eine Freude bereiten zu wollen. Beides gelang, aber gegen eine Berliner Mannschaft die keine mehr ist und in dieser Zusammensetzung nie wieder zu sehen sein wird. Man kann Krupp mögen oder auch nicht aber an diesem Team würde jeder andere Trainer genauso scheitern, ca. 20 Verträge laufen aus und alle Beteiligten wissen dass die meisten nicht verlängert werden. Das gleiche ist in Krefeld zu sehen wo die Mannschaft nach Saisonende zerbröseln wird. Zum Spiel selber ist festzustellen dass die Mannschaft ob der Ausfälle von wichtigen Spielern ein wenig verunsichert und Müde wirkt. Absolut Lobenswert ist der nimmermüde Einsatz des gesamten Teams. Nicht auszudenken wenn sich noch einer oder zwei der leistungsträger verletzen. Da ist es schon geboten noch einen Abwehrrecken und einen Center zu verpflichten. Leider ist Alexandre Bolduc in Köln gelandet, würde auch uns sehr gut zu Gesichte stehen. Wir denken Martin Jiranek und Rob Wilson arbeiten mit Hochdruck an den wirklich notwendigen Verpflichtungen. Wir haben in diesem Jahr keine Länderspielpause, so dass die notwendige Regeneration nur zwischen den Spieltagen möglich ist. Und die gesamte Saison ist heuer mit nur einer Pause Oktober –November schon brutal anstrengend. Betrifft allerdings alle Teams.

  8. @Otto: ich denke, dass jetzt auch einige aufwachen an den Last-Minute-Transfers und merken, dass wir in Nürnberg vom Etat her an die großen 4(EBB, KEC, RBM und MERC) nur Platz 5 oder 6 einnehmen und da aber wahrscheinlich schon 1-2 Mio € Differenz liegt.

    Verstehe hier aber nicht wirklich, warum die Eisbären nur auf ihre Verletzung reduziert werden. Der ganze Verein krankt mMn die letzten Jahre und auch gestern traten wir nicht in Bestbesetzung an. Die Eisbären sind derzeit auch ein Schatten ihrerselbst. Auch mit Vehanen und Gervais wäre es wohl auf einen Nürnberger Sieg rausgelaufen.

  9. Blackhawk wir sind bei Ihnen was finanzielle Machbarkeit von Transfers angeht. Spieler die begehrt sind kosten auch gegen Ende der Saison eine Menge Geld. Allerdings gilt es die sportlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Ein frühes Ausscheiden in den Playoffs wegen Verletzungen von Leistungsträgern wäre der Super – Gau. Wir waren niemals so vermessen und haben uns jemals an finanziellen Möglichkeiten der genannten EBB-KEC-RBM-MERC orientiert. Wir müssen dem Herrgott danken das wir Sponsoren haben die mit sehr Herzblut- Enthusiasmus-Leidenschaft und sehr viel Geld all die Jahre den Ice Tigers die Treue halten.
    Noch ein paar Zeilen zu den Berlinern, da haben sie recht, seit Ihrem letzten Meistertitel ein Schatten ihrer selbst sind. Die Spieler waren mit langfristigen Verträgen zu Top Konditionen ausgestattet, denen bringt kein Trainer der Welt im letzten Jahr Zugehörigkeit zum Verein das Laufen bei. Vielleicht reißen sie sich nochmal zusammen, aber nach der Saison ist ein absoluter CUT angesagt. Das wissen alle verantwortlichen im Verein. Und die letzte Entscheidung zum fällt (Anschütz) in den USA.

  10. Mmmmmh. Ein Gegner spielt immer nur so stark wie man es zulässt. 5 Euro in das Phrasenschwein, aber ist so… In Straubing haben wir in der neutralen Zone nicht wirklich gut agiert. Da lief Angriff auf Angriff aus uns zu. Und wir haben es in der Zone nicht wirklich gut gespielt. Ich schätze die Eisbären ungefähr gleich ein. Und gestern war das anders. Nach wenigen Minuten war zu sehen das dies ein anderer Tag und ein anderes Spiel war. Wir standen viel besser. Ohne das geschenkte 5to3 hätte es Berlin sicher schwer gehabt ein Tor zu schießen.
    Meine Schlussfolgerung: Eine gute Leistung, die ab dem 3:1 den Eisbären jede Hoffnung gekommen hat. Der Eindruck des letzten Drittels überlagert das sicher etwas.

    Zu den Verpflichtungen: lieber Keine mehr als die Falsche. Vielleicht gibt es von einem der letzten drei Teams eine Leihgabe mit deutschem Pass. Aber auch da ist keine Eile.

    Thomas Sabo großartig. Wir wollen unter die Top 4. Letztes Wochenende den CHL Platz auszurufen hat wohl auch zu zu hohen Erwartungen geführt. Das führt auch zu sinnlosen Diskussionen. Das steckt auch an…

    Genießen wir die Woche als Spitzenzweiter. Und freuen wir uns auf das Spiel gegen den Spitzenreiter. 🙂

  11. Frank Strube wie Blackhawk schon geschrieben hat, sind DEL-Transfers nicht mehr möglich.. Ihre Aussage lieber keinen als die falschen können wir nicht nachvollziehen, es geht nicht darum den Kader aufzublähen sondern bei Verletzungen von AL Spielern reagieren zu können. Stellen sie sich vor zum Jurcina kommt noch Steckel oder Segal oder Dupuis was dann. Schlicht eine Absicherung. Das dann zwei auf der Tribüne Platz nehmen müssen, das wissen sie alle schon bei der Vertragsunterzeichnung. Ein Verzicht auf die noch freien Lizenzen wäre fahrlässig.

  12. Mein Senf zum Thema Neuzugänge: Nur der Quantität wegen braucht man keinen mehr zu holen. Sebastian hat es ja im Blog beschrieben: Der Markt gibt momentan kaum etwas her. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir unbedingt noch nachbessern müssten, weil sportlicher Bedarf auf der Position x bestünde. Das Argument „Was ist wenn sich noch ein AL-Spieler…?“ zieht m.E. nicht. Was ist denn wenn sich ein Deutscher (vielleicht sogar Leistungsträger wie P.Reimer, Pföderl, einer der Keeper) verletzt? In diesem Fall bringt uns ein weiterer Kontingentspieler auch nichts. Wie groß solll der Kader sein?
    Im Moment fehlen uns sage und schreibe zwei wichtige Spieler (nichts gegen Buzas und Filin). Völlig im Bereich des Normalen. Im bisherigen Saisonverlauf hatten wir auch extrem viel Glück (oder eine gute Prophylaxe, gute medizinische Abteilung?) und nur sehr wenige Ausfälle (kann mich spontan nur mal an Blacker erinnern). Deswegen sehe ich keinen Anlass, jetzt nach den ersten kleinen Häufungen von Verletzungen, die halt dummerweise mit zwei ungewohnten Niederlagen nacheinander zusammenfielen, in Aktionismus zu verfallen. Hätte man gegen Köln und Straubing gepunktet, gäbe es die Forderung nach Neuzugängen doch gar nicht.
    Also: Jiraneks Strategie ist genau richtig. Ruhe bewahren, Markt sondieren, aber nur verpflichten wenn es sowohl sportlich, charakterlich als auch finanziell passt.

  13. Es wäre fahrlässig 2 offene AL Lizenzen nicht zu vergeben. Play-Offs bedeutet alle 2-3 Tage ein Spiel, Verletzungen sind vorprogrammiert. Reinprecht hat letztes Jahr im Halbfinale deutlich abgebaut, viele Fehlpässe produziert (Müdigkeit), ab und zu eine Pause würde ihm gut tun.
    Felix Schütz spielt bei Rögle in Schweden, mit Abstand Tabellenletzter.
    Es gibt somit auch deutsche Alternativen, die im Ausland spielen.

  14. Ich finde es wichtig die beiden Lizenzen noch zu vergeben. Die Trainer haben nicht nur die Möglichkeit auf Sperren, Formschwankungen oder Verletzungen zu reagieren, sondern sind im Idealfall auch noch in der Lage die Ausrichtung von Teilen der Mannschaft zu verändern (WOB hat das letztes Jahr in der Serie gegen uns getan, als der offensive Daniel Widing auf einmal gegen den Arbeiter und Grinder Brent Wallace ersetzt wurde) und damit auch auf einen Gegner entsprechend anzupassen.

    Zudem bin ich im Fall Kozek immer noch mehr als skeptisch, ob der sich in engen und harten Partien wirklich behaupten kann. Da könnte dann – sollte Jiranek noch einen Center holen – Dupuis auch auf Aussen wechseln …

  15. Hallo,

    Das Team hat die ganze Saison exzellent geliefert. Daher sind die letzten 4 Drittel vor dem Duell mit den Eisbären verziehen.

    Nettes Spiel gegen einen erschreckend schwachen Gegner. München wird die, viel zu vielen, Fehlpässe im Aufbau & im eigenen Drittel nutzen und Reimer nicht jeden Break halten können. Wird spannend am Freitag in ausverkaufter Hütte.

    Kern der Frage ist, warum trotz der Ausfälle Köln 2 Drittel lang dominiert wurde und dann der Faden riss. Imo ist das Team stark genug, Verstärkungen würde ich nur ziehen, wenn der Charakter passt. Ist vorab nicht immer klar, logisch, aber man kennt sich ja…. Ansonsten wird die Kabine oft unterschätzt. Wenn es dort stimmt, stimmt es auch meist auf dem Eis. Wenn nicht… fragt mal Berlin…

    Auch ohne Teubert und Jurcina haben wir alle Chancen gegen MUC wenn wir spielen wie die ersten beiden Drittel vs. Köln… ich freu mich schon drauf 🙂

    Herzlicher Gruß
    Stefan

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