29/52: Lasst uns lauter sein!

Foto: Zink

So, das muss jetzt schnell gehen. Da warten noch zwölf Weihnachtsgeschenke (postfaktisch für: fünf) für meine Frau darauf, eingepackt zu werden. Verzichten wir also auf das Geschwafel. Let’s talk hockey. Oder lasst es uns zumindest versuchen. Und wenn es nicht klappt, lasst uns wenigstens Kristian Peters-Lach zuhören.

Warm-up

Viel ist an diesem Freitagabend in der Deutschen Eishockey-Liga passiert. Über den Sport hinaus aber wird wohl nur ein Ereignis in Erinnerung behalten werden. Dabei hatte das Spiel in Krefeld noch gar nicht begonnen. Klickt hier, hört zu und lebt danach – und die Welt könnte wieder ein bisschen besser werden:

Zum ersten Mal seit des Herbsthochs von Evan James und Connor Kaufmann im Jahr 2013 heißt der Topscorer der Thomas Sabo Ice Tigers nicht Patrick Reimer oder Steven Reinprecht.

Pat Cortina spricht Deutsch – zumindest bis ihm Christian Rupp bei der Suche nach der korrekten Konjugationsform von „bleiben“ behilflich sein musste. Vielleicht wäre er vielen als Bundestrainer positiver in Erinnerung geblieben, hätte er ein diesbezügliches Engagement zeitiger erkennen lassen.

Ich will nichts weniger als eine Diskussion um die Qualitäten des Arena-Djs, mir schon klar, dass mein Musikgeschmack eher als speziell wahrgenommen wird. Aber was muss da zwischen ihm und der von mir soeben erst ergoogleten Band SDP laufen, dass es rechtfertigt, das hoffentlich ganz bewusst niveauarme „Die Nacht von Freitag auf Montag“ dreimal pro Drittelpause zu spielen?

Die Eishockey-Welt ist manchmal doch überschaubar. Am Donnerstag stand ich mit dem Vater und dem Onkel von James Bettauer auf dem Eis. Der Vater fand es eher so halbwitzig, dass ich ihm gleich zu Beginn zu verstehen gab, dass ich auf keinen Fall vorhatte, meine Handschuhe fallen zu lassen. Der Stolz auf seinen Sohn war ihm allerdings anzusehen, auch wenn der doch angeblich nur hatte mit Brandon Prust über dessen vermeintlichen Bandencheck gegen Sean Sullivan sprechen wollen.

Rob Wilson beziffert die Chance auf einen Einsatz Brett Festerlings am Montag in Iserlohn auf 90 Prozent.

Bei den Lesern der Nürnberger Nachrichten möchte mich für diesen einen etwas sehr blutleeren Text, ach, sind wir ehrlich, für den bislang hoffentlich schwächsten Text der Saison entschuldigen. Ich könnte jetzt behaupten, mich dem Niveau des Spiels angepasst zu haben – aber damit würde ich beide Mannschaften beleidigen.

Und auch dieser unter dem Einfluss von zwei Aspirin effect entstehende Blogeintrag könnt, wenn überhaupt, nur noch ihr mit Euren Kommentaren retten – oder wir vergessen das einfach, feiern Weihnachten und sammeln unsere Kreativkräfte für das vielsprechende Heimspiel gegen Mannheim am Mittwoch.

Das Spiel

Selten war sich die nun auch nicht mehr ganz so jugendliche zweite Reihe der Pressereihe so uneins. Die kompetenten Kooperationspartner zeigten sich beeindruckt von der taktischen Reife der Ice Tigers und fühlten sich gut unterhalten von Nürnbergs viertem vollwertigen Sieg in Folge. Die Vertreter der vermeintlich seriösen Tagespresse hingegen waren von diesem Spiel zwischendurch derart gelangweilt, dass es ihnen an Worten fehlte, um das angemessen auszudrücken. Nürnberg wollte sich lange in Schwenningens Drittel aufhalten, um die Wild Wings (zuletzt drei Siege in sechs Tagen) müde zu spielen. Dieser Plan ging durchaus auf, es sah zuweilen nett aus, was die Ice Tigers da veranstalteten und tatsächlich wirkten die Gäste etwas schlapp. Nur schießt nett keine Tore. Und hätte sich Jochen Reimer nach einem ungewohnt unsicheren ersten Drittel nicht spielentscheidend gesteigert, hätte das selbst gegen eine solch biedere Mannschaft unbefriedigend enden können. Und das an einem Abend, an dem München und Wolfsburg Punkte einbüßten. Letztlich war es die erste Power-Play-Formation mit ihren fünf Stürmern (drei Oberbayern, ein Schwabe und ein Steckel oder vier Deutsche und ein Reinprecht), die das Spiel entschied. Hat es in dieser Saison bislang auch noch nicht so oft gegeben.

Der NN-Moment des Spiels

Das Puckkind fand ich stark. Die Reaktion Rob Wilsons auf meine Erklärung, eventuell erkältet zu sein, wird mir in Erinnerung bleiben. Natürlich die besten Lebkuchen der Welt (vielen lieben Dank); der infantile Humor vor Beginn der Pressekonferenz; Brandon Segals Reaktion auf die Pfiffe der Schiedsrichter (8 seiner 20 Strafminuten hat er nun dem Duo Steinecke/Iwert zu verdanken) – der Abend hatte schon seine Momente, nur mit Eishockey hatten sie wenig zu tun. Das klingt wahrscheinlich sehr viel negativer als es gemeint ist, Spiele gegen Schwenningen, Bremerhaven und Krefeld sind 2016/2017 nach der Anzahl der Punkten für die Ice Tigers zu bewerten. Jedes gute Spiel gegen diese Gegner ist eine Zugabe für die Zuschauer, die ansonsten gegen München, Köln, Wolfsburg, Mannheim und in den Derbys ja bislang voll auf ihre Kosten kommen.

Die NN-Three Stars

Danny Syvret bereitet sein Breakout-Spiel als Ice Tiger sehr gewissenhaft vor. Jedes Spiel einen Fehler weniger, dafür eine gute Aktion mehr. Gegen Schwenningen ist er mir das erste Mal überhaupt nicht mehr negativ aufgefallen. Steigt seine Formkurve weiter so stetig an, füllt er die angedachte Rolle als Nummer-eins-Verteidiger spätestens in den Playoffs aus.

Marco Pfleger sehe ich sehr gerne zu. Gut, der frühe Vergleich mit Thomas Greilinger hält mit seiner tatsächlichen Leistungsentwicklung längst nicht mehr stand. Aber es ist doch bemerkenswert, wie unverzichtbar sich Pfleger allmählich macht. 2015/2016 war Leo Pföderl Rob Wilsons Projekt, in dieser Saison ist es der Peißenberger Spätstarter. Pfleger fehlt es am Schuss und am Durchsetzungsvermögen, um ähnlich erfolgreich zu punkten wie Pföderl. Aber spannend ist es schon, was Wilson aus diesem hochveranlagtem, aber zuweilen etwas phlegmatischen Spieler noch wird herausholen können.

Ich hatte gehofft, die Statistik wäre eindrucksvoller (so viel zum Postfaktizismus). Aber Leo Pföderl hat nur viermal das 1:0 erzielt, weitere sieben Mal aber das zweite Tor der Ice Tigers. Er trifft eher in der ersten Hälfte des Spiels, das ist schon auffällig und zeigt zugleich, dass Pföderl noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung ist.

Und sonst?

„Frohe Weihnachten to alle Eishockey-Fans.“ (Pasqualino „Pat“ Cortina)

13 Kommentare in “29/52: Lasst uns lauter sein!

  1. Die Qualität des Blogs reicht noch immer aus, um den gestrigen Abend angemessen zu beschreiben. Zum Spiel muss man nicht wirklich mehr schreiben und die Ansprache des Krefelder Stadionsprechers verdient Lob und Respekt. Ich danke ihm für diese Worte, die aber genau das widerspiegeln, was uns Eishockeyfans und gesamte Eishockeyfamilie ausmacht. Toleranz.

    Der stetig wachsenden Bloggemeinde wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest und ein paar ruhige Tage.

    In diesem Sinne.

  2. Hallo,

    ich fand Prust noch auffallend stark gestern Abend, aber es gibt wichtigeres.
    Euch allen besinnliche Tage mit Familie und Freunden.

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  3. Das Spiel entsprach meinen Erwartungen von daher: passd scho 🙂
    Schön war jedoch zu sehen, dass das PP endlich mal klappt.
    Prust und Syvret weiterhin mit Aufwärtstrend – zur richtigen Zeit.

    Wichtig ist auch, dass uns Festerling mindestens bis 2020 erhalten bleibt – der Stabilisator in der Abwehr und überragend an der Bande.

    Frohe Weihnachten an alle und viel Spaß beim Einpacken @Sebastian Böhm

  4. Waren die falschen bzw. Vertauschten Vornamen bei James / Kaufmann gewollt, um zu überprüfen, ob wir den Text auch gewissenhaft lesen?

    Ansonsten war das Spiel gestern wirklich komisch. Teilweise Dominanz im gegnerischen Drittel, ohne Tore zu schießen und dennoch ständig Bedenken zu haben den Ausgleich zu kassieren.

    Dennoch muss man sagen, solche Spiele haben wir in den vergangenen Jahren auch mal verloren und mit 59 Punkten an zweiter Stelle zu stehen kann man schon als erfolgreich beschreiben.

    Frohe Weihnachten an alle Ice Tigers Fans und an die Blogger

    • Das war nicht mehr als ein Stilmittel, um auf die siamesische Verbundenheit von James Kaufmann und Evan Connor hinzuweisen. Das nächste mal lass ich das Aspirin wieder weg.

  5. Eine bemerkenswerte Eigenschaft diesesTeams:
    So zu spielen, wie es der Gegner grade erfordert. Das ist nicht immer spektakulär, aber äußerst effizient. Und meistens erfolgreich.

    Euch allen ein Frohes Fest!

    • Schöner Satz. Den übernehme ich irgendwann mal für einen Artikel und tu so, als hätte ich ihn mir einfallen lassen.

  6. #Blackhawk
    Haben wir (oder nur ich) hinsichtlich Festerling etwas verpasst, oder ist das nur ein Wunsch – weil Weihnachten ist?
    Wäre natürlich positiv zu sehen.

    • Da hab wohl eher ich was verpasst. Auch wenn die Kollegen aus Tradition mindestens eine kleine Ungenauigkeit einbauen, gibt es keinen Grund, an der Richtigkeit dieser Woche Information zu zweifeln.

  7. Erstmal Frohe Weihnachten an alle hier, vielen Dank für den tollen Blog.

    Gestern war ein eher langweiliges Spiel, wir haben den Gegner trotzdem 60 Minuten im Griff gehabt.

    Vierte Reihe hat mir gestern außerordentlich gut gefallen, gerade Butschi hat sich schon lange ein Tor verdient. Syvret auch deutlich im Aufwind, zumindest hat er seine Fehler stark reduziert. Produktion von ihm wird hoffentlich kommen, wäre gerade im PP wichtig. Obwohl es gestern phasenweise mit 5 Stürmern sehr gut funktioniert hat.

    Schade, dass der Eismann gestern nicht da war, immerhin hat der Twistman vor Heiligabend auf seine Einlage verzichtet.

    Frohe mich schon auf den 26.Dezember, endlich zu Hausw wieder ein Gegner auf Augenhöhe in einer hoffentlich vollen Arena.

  8. Letzte Saison hätte die Mannschaft so ein Spiel gegen Schwenningen verloren … und genau das ist es, was diesen IceTigers Jahrgang besonders auszeichnet: Bis auf die drei mehr als unnötigen Heimniederlagen zum Saisonstart hat das Team kaum „billige“ Punkte abgegeben. Das spricht einerseits für eine Hohe Konstanz und zudem auch für eine spielerische Reife, die wir noch nicht allzu oft erlebt haben. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass die Mannschaft ihre größte Stärke – das physische Spiel – bisher nur sehr fein dosiert verwendet, dann kann man doch eher optimistisch auf den weiteren Saisonverlauf blicken … ansonsten: Frohe Weihnachten und sechs Punkte bis Mittwoch Abend 🙂

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