23/52: Prustekuchen

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Man muss das verstehen. Wer ständig abliefert; wer zuletzt alle zwei, drei Tage gefordert war. Wer immer mal wieder ein wenig Licht in die Dunkelheit dieser Welt gezaubert hat, der darf sich auch einmal einen solchen Abend gönnen. Da schleichen sich eben Schlampigkeiten ein, Fehler und Unkonzentriertheiten. Da fehlt es eben auch mal an Biss, an der letzten Konsequenz, vielleicht auch an der Motivation. Gute Güte, ich bin doch auch nur ein Mensch. Aber es hilft ja nichts, irgendeiner muss es ja machen. Wer jetzt hier klickt, der sollte wissen, dass es langweilig werden kann. So langweilig wie dieses 2:5.

Warm-up

Im ersten Spiel in Nürnberg und aus der Ferne betrachtet hat der ERC Ingolstadt den Eindruck einer Mannschaft hinterlassen, die nach einer Identität sucht, die nominell offensiv ausgerichtet ist, deren skandinavischer Coach jedoch eher defensiv spielen lassen will. So kann man sich täuschen. Diese Mannschaft, die heute drei Punkte mit nach hause genommen hat, wusste ziemlich genau, was dafür zu tun war. Wie bislang kein zweites Team war der ERC auf die Stärken und Schwächen der Ice Tigers vorbereitet.

Trotzdem war es nicht nötig, dieses Spiel zu verlieren.

Zehn Spiele (in Großbuchstaben: ZEHN) Spiele dauerte die schöne Serie der Ice Tigers. 24 Punkte haben sie in dieser Zeit gesammelt. Heute ist diese Zeit zu Ende gegangen.

Zehn Spiele (in Großbuchstaben: ZEHN) Spiele dauerte die schöne Serie von Philippe Dupuis, elf Punkte hat er in dieser Zeit gesammelt. Heute ist sie zu Ende gegangen, was allerdings weniger an Dupuis als an seinen Mitspielern lag.

Leo Pföderl hat in drei der letzten vier und in sieben der letzten neun Partien getroffen – dabei hat er heute noch nicht einmal besonders gut gespielt.

Prusti? Echt jetzt? Der Branche mangelt es generell an Kreativität, wenn es darum geht, Spitznamen zu erfinden. Aber Prusti?

Yeah, you know what? Naja, ehrlich gesagt, eher nicht.

Und: Auf dem Männerklo des Pensions Solutions Business Lounge Whatever-VIP-Raums riecht es wirklich außergewöhnlich gut.

Das Spiel

Rob Wilson war mit dem Einsatz zufrieden, aber nicht mit der Scheibenbehandlung. „Wenn wir etwas sauberer gespielt hätten, hätten wir den Job heute erledigt bekommen.“ Das gilt für zwei der drei echten Gegentore. Das 0:1 lässt sich kaum verhindern: Patrick Köppchen hatte sich 899 DEL-Spiele auf diese Situation vorbereiten können. Köppchen stellt sich auf, weiß aber natürlich, dass er den Puck nicht bekommen wird, schließlich steht da David Steckel auf der anderen Seite. Steckel verliert und Köppchen reagiert eiskalt. Beim 1:2 waren es dann Pfleger und Buzas, die sich den Puck leichtfertig im Vorwärtsgang abjagen ließen und es Danny Syvret, der zu weit aufgerückt war. Das 1:3 kann man im besten Fall unglücklich nennen. Aber gerade ein Routinier muss den Puck besser schützen oder schneller aus der Gefahrenzone bringen, Steven Reinprecht ist das nicht gelungen. Leo Pföderl und Patrick Reimer besserten ihre Bilanzen auf. An die vielen Paraden Pielmeiers, die beide Trainer im Schlussdrittel gesehen haben wollen, kann ich mich nicht erinnern.

Der NN-Moment des Spiels

Für Eishockey-Verhältnisse war es ein Hype, ungleich größer als bei der Verpflichtung von Dany Heatley, der bei allem Respekt vor Brandon Prust, dann doch noch einmal in einer anderen Liga spielt. Woran mag das liegen? Am Ruf, der ihm vorauseilt? An der Faszination, die die ganz schweren Jungs umgibt? Wer davon ausging, dass Prust jene Ice Tigers, die vor sechs Tagen noch die beste Mannschaft der Liga niedergerungen hatten, sofort noch stärker macht, der durfte heute natürlich enttäuscht sein. Aber natürlich darf sein erstes Spiel kein Maßstab sein. Prust hat zuletzt nur trainiert – immerhin mit ein paar der derzeit talentiertesten Jungprofis der Welt (Matthews, Marner, Nylander). Spielen durfte er nun mit Marco Pfleger und Patrick Buzas. Tatsächlich war das kein schlechter Start, Prust darf sich allmählich an die Dimensionen gewöhnen (ein möglicher Grund, warum man heute keinen Check von ihm gesehen hat), an die Schiedsrichter (Wilson: „Als er Segal zweimal auf der Strafbank gesehen hat, hat er sich womöglich gedacht, dass er nichts falsch gemacht hatte. Er wird lernen, dass es hier Strafzeiten gibt, die zu Hause nie gegeben worden wären.“) und das System der Ice Tigers. Wilson wird ihn öfter in Unterzahl bringen und irgendwann vielleicht gegen Marius Möchel oder Andrew Kozek tauschen. Oder auch nicht. Und die Frage, wann er zum ersten Mal seine Handschuhe wird fallenlassen, wird vor allem von demjenigen beantwortet, der sich traut, gegen Prust anzutreten. Viele werden das nicht sein, vor allem wohl diejenigen, die meinen, einen Ruf zu verlieren, sollten sie zurückweichen. Bei Ingolstadt hat sich da, wie zu erwarten war, niemand gefunden. Wobei Prust mittlerweile reif genug ist, nur der Show wegen nicht auf diese Art in seine zweite Karriere einzusteigen. Und so blieb es bei einem Block, einem gewonnenen Bully und einem negativen Plus/Minus-Wert, den er seinem alten Kumpel zu verdanken hat. Im Schlussdrittel trug er zu einem starken Wechsel der vierten Reihe bei. Und als alles vorbei war, hat er Thomas Pielmeier noch ein bisschen gereizt. Prust macht sich warm.

Three Stars (der NN)

Schwierig heute, weil Dauergäste in dieser Rubrik, wie Pföderl, Jurcina, Reinprecht oder Weber keinen so ganz guten Abend hatten. Und dass Danny Syvret nur ein Tor verschuldet hat und ebenso viele gute wie schlechte Aktionen hatte, reicht auch noch nicht, um hier erwähnt zu werden. Ups. Deshalb ausnahmsweise in aller Kürze:

Colten Teubert.

David Steckel.

Yasin Ehliz.

Sehenswert

Immer noch unglaublich, diese Geschichte, weshalb dieses Video einmal gepostet werden muss:

Karma loves hockey.

8 Kommentare in “23/52: Prustekuchen

  1. Das Team war einfach müde gestern. Anders kann ich mir die vielen Fehlpässe und Fehler nicht erklären. Aber lieber jetzt als im März.

    Für mich war es ein von beiden Teams geführtes Derby, an dem man hier und da doch mal Emotionen vermisste.
    Unser Powerplay ist eine einzige Katastrophe. Wenig Ideen und Bewegung und weiterhin gefühlt immer Reimer am Eis, der dann angespielt werden soll. Aber das checkt mittlerweile die ganze Liga.

    Prust merkte man die fehlende Spielpraxis und Umstellung auf die größere Fläche an. Aber wird noch.

    Herausnehmen kann man heute eigentlich keinen. Jurcina mit ungewohnten Fehlern. Pfleger wieder mit schlechterem Spiel – lässt das Körperspiel mittlerweile komplett vermissen.

  2. Hallo,

    Es war langweilig und schlecht. Darf sowas einem gut bezahlten Profiteam passieren? In einem Derby? Eigentlich nicht, aber es passiert ständig in vielen Spielen. Warum wird wohl nie geklärt werden ist aber nicht wichtig und macht schließlich auch den Reiz der Spiele aus… meist kann jeder jeden schlagen.

    Das Spiel unserer Tigers war erschreckend unpräzise, deutlich zu körperlos und unser Überzahlspiel ist wirklich, wirklich so schlecht wie nie in den letzten 20 Jahren. Da inzwischen alle mal ran dürfen, scheint das unser Coach ähnlich zu sehen… Alleine ein Lösung ist noch nicht in Sicht.

    Ingolstadt war nicht wirklich besser, hat sich aber mit etwas Glück und deutlich mehr Engagement den Sieg verdient. Außerdem waren Sie, Sebastian hat es schon geschrieben, bemerkenswert gut eingestellt auf unsere Spielweise.

    Brandon Prust wirkte, natürlich, noch als Fremdkörper im Team, deutlich war die mangende Spielpraxis. Er wird dem Team noch mehr helfen als gestern. Sicher.

    Reinprecht war gestern schwach, Jurcina sehr schwach und Weber mit mehr Fehlern als in der gesamten letzten Saison sehr, sehr schwach. Alle werden wieder besser spielen, sich mehr bewegen und fehlerfreie Spiele liefern.

    Neben den schon erwähnten fand ich Segal und Dupuis in Normalform.

    Fazit: Vergesst Ingolstadt, in beiden Spiele gegen Köln möchte ich aber gerne wieder die alten Tigers sehen.

    Herzlicher Gruß
    Stefan

    PS: Äußerst gelungener Titel Herr Böhm 🙂

  3. So ein Spiel muss wohl auch mal sein. Aber unter der Annahme, dass Martinovic gestern überzählig war und nicht verletzt, wundert mich es doch ein wenig warum unsere #5 auf dem Eis gestanden war. Und dann auch noch gefühlt jeden 2ten Shift bekommen hat.

    Liegt es eventuell an der konstant guten Defensivleistung, die Syvret Spiel für Spiel aufs Eis bringt? An der überragenden +- Statistik von ihm? An der absurd guten Leistung in den Special Teams, die dieser pfeilschnelle Verteidiger abliefert? Oder doch einfach nur daran, wie hart er immer hinter dem eigenen Tor arbeitet und als Sieger aus nahezu jedem Zweikampf kommt?

  4. Von Anfang an hatten wir das Gefühl, dass unser Team das sehr aggressive Forechecking der Panther nicht erwartet hatte (da unsere Coaches kein Deutsch können, haben sie dies sicher auch nicht im Donaukurier gelesen, Köppchen hatte es genau so angekündigt). Und irgendwie sahen wir sehr hilflos dagegen aus. Auch nach den Drittelpausen wirkte unser Spiel nicht so, als wenn wir ein Rezept dagegen hätten. Da haben unsere Coaches absolut kein Mittel gefunden. Nach dem Spiel sagt der A., dass wir das erste Mal in dieser Saison ausgecoacht wurden. Ich glaube, da ist was dran…
    Denn ich glaube auch, dass die vielen unpräzisen Anspiele und Pässe genau durch dieses Forechecking der Panther verursacht wurden.
    Uns somit war es ein gebrauchter Abend. Denn wache und heiße Ice Tigers hätten dies trotzdem drehen können. Waren sie aber nicht.

    Die #PrustMania war schon zu spüren (auf Twitter vor allem). Doch fand ich die #HeatleyMania noch etwas größer. Ich freue mich auf den Prust, den wir ab Januar sehen werden (mit Spielpraxis, im Wettkampfmodus). Vor allem aber auf den ab März 🙂
    Hashtag #inittowinit hat mir absolut super gefallen! Da ist was dran

    Stefan hat recht. Dupuis und Segal haben mir auch ganz gut gefallen.
    Die #17 hat aus meiner Sicht auch einen leichten Durchhänger. Ähnlich wie die #28. Die Reihe kassiert auch viele Gegentore. Am Sonntag würde ich #47 durch #74 tauschen. Der Pfleger braucht einmal die Tribüne…

    Zur angesprochenen Choreo. Tolle Arbeit mit unnötigem Spruch. Was Positives wäre richtig cool gewesen. Für Beleidigungen dieser Art fehlt mir der Humor…

  5. #Frank
    Bist kein Franke, oder? Von Beleidigung kann aber wirklich nicht die Rede sein. Dürften nicht mal die Ingolstädter Fans als solche empfunden haben. Die blödsinnigen „Scheiß Thomas Sabo“-Rufe sind da sicher eine andere Kategorie.

  6. Die Choreo war vor dem Hintergrund, dass Ehli, Pföderl, die Reimers und Pfleger aus dem „Bayernland“ kommen wohl doch eher etwas „deppert“ … wenn das der Output von „Wir Fans“ ist, dann sollte man sich vielleicht überlegen, das Ganze wieder einzustampfen …

    Ansonsten ist die Mannschaft derzeit einfach einen Schritt langsamer als im Normal-Modus, was sicherlich auch noch zwei, drei Wochen so weitergehen wird … Dezember-Tief eben.

    Spieler: Wer mir in den Bewertungen insgesamt deutlich zu kurz kommt ist Brett Festerling, der eine bisher überragende Saison spielt und mit dem Festerling der ersten beiden kaum noch etwas zu tun hat.

  7. Hallo nochmal,

    @Klaus: völlig richtig, Festerling spielt äußerst cool & solide, will ich hiermit unterstreichen. Fällt oft nicht auf, aber er hat dieses Jahr viele nahezu fehlerfreie Spiele geliefert. Großes Kino.

    Gruß
    Stefan

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