20/52: Noch eine Auftragsarbeit

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Steffen Adam hatte Tränen in den Augen. Gut, das mag übertrieben sein. Dieser große Mann aber wirkte angefasst, naja, mindestens wehmütig. Stunden, ja, Tage hatte er in diesem Raum selbst bei Pressekonferenzen gesprochen. Und als er versonnen über die an diesem Abend nicht gebrauchte Sponsorenwand strich, da hätte man meinen können, er bedauere, den HC Erlangen verlassen zu haben. Dieses kurzweilige 5:6 bei den Ice Tigers wird der Geschäftsführer der Düsseldorfer EG hingegen schnell vergessen haben. Das galt auch für Rob Wilson und seine Mannschaft.

Warm-up

„A win is a win is a win.“ (Brandon Segal)

Nach sieben Niederlagen verlieren die Ice Tigers so ein Spiel, nach sieben Siegen gewinnen sie es.

Und noch eine Phrase: Auch ein Spiel, in dem die Ice Tigers ein 4:0 verspielen und am Ende die Schlusssirene herbeisehnen, ist drei Punkte wert.

Ist es beeindruckend, kalkuliert oder doof, dass Christof Kreutzer der Meinung war, dass eine Punkteteilung auf jeden Fall hätte stattfinden müssen?

„Normal muss ich leider sagen, dass hier meine Mannschaft ungerechterweise nicht belohnt wurde.“ (Christof Kreutzer)

Jesse Blacker mag seinen Vertrag verlängert haben, aber an Stelle von George McPhee, dem GM der Las Vegas Golden Knights, würde ich mir diesen Spieler mit dem „Viva Las Vegas“-Tattoo und diesen Fähigkeiten genauer ansehen.

Angeblich hat Sasa Martinovic heute wieder mitgespielt, er ist mir nur kein einziges Mal aufgefallen – vielleicht hat da jemand etwas in den Kommentaren beizutragen.

Er macht nie mehr als einen Punkt, das macht er allerdings nun schon seit acht Spielen. Die Ice Tigers hielten heute ihre Siegesserie am Leben, Philippe Dupuis hielt seinen scoring streak am Leben (4 Tore, 4 Vorlagen).

Ebenfalls bemerkenswert:

Leo Pföderl: 11 Punkte in den jüngsten 8 Spielen
Brandon Segal: 5 Punkte in den jüngsten 3 Spielen
Jesse Blacker: 7 Punkte in den jüngsten 6 Spielen

Es ist sehr beruhigend, dass Tim Conboy offensichtlich keine Verletzung aus dieser schockierenden Szene davongetragen hat. Aber kann es sein, dass er sich im Schlussdrittel nach dem Foul an Andrew Kozek tatsächlich bei dem Nürnberger entschuldigt hat?

Wird oft vergessen (vor allem im Gegensatz zum umgekehrten Fall): die Leistung der Schiedsrichter war tadellos.

Brandon Segal:

„Wir spielen unser System so gut. Gut, heute nicht ganz so gut. Aber derzeit trägt jeder etwas zum Erfolg bei. So sind Meistermannschaften gebaut. Es ist noch viel Eishockey zu spielen, aber wir machen große Fortschritte.“

Das Spiel

Andreas Jenike war stocksauer. Und womit? Mit Recht. Wahrscheinlich war er auch auf sich selbst sauer, wegen des „Kommunikationsproblems“ vor dem 4:3, vielleicht auch wegen des 6:5, vor allem aber sauer durfte er auf seine Kollegen sein, deren nonchalantes Spiel diesen Abend noch so unnötig spannend gemacht hatte. „Andy war heute solide, wir haben ihm einfach nicht die Unterstützung gegeben, die er gebraucht hätte“, stellte Rob Wilson fest. Vielleicht fielen diese ersten vier Tore zu leicht, vielleicht fiel das 4:2 wiederum fünf Sekunden zu früh. Düsseldorf spielte seltsam, so gar nicht wie eine Mannschaft, die noch am Sonntag eines der wichtigsten Spiele des Jahres gewonnen hatte. Nachdem Marius Möchel den Puck zum 1:0 reingemöchelt (sticktap to Florian Jennemann) hatte, verlor die DEG jeden Zweikampf, Leo Pföderls 3:0 sah aus wie ein Geschenk, auch vor Andrew Kozeks schöner Einzelleistung hätte man konsequenter klären können. Dann kippte das Spiel, einen Vorwurf kann man Nürnberg aber erst beim 4:4 machen. Ein schöner Power-Play-Treffer zum 4:1, ein komplett verdeckter Glücksschuss zum 4:2, ein Verständigungsproblem zwischen Jenike und Syvret/Jurcina zum 4:3 – das alles kann passieren. Bei Maxi Kammerers zweitem Treffer aber versagten alle sechs Nürnberger. Umso wichtiger war Jesse Blackers direkter Konter (schöne Vorlage von Kozek, entscheidend aber war Brandon Segals schneller erster Pass. Yasin Ehliz hätte das Spiel beruhigen sollen, stattdessen wurde es in den letzten zwei Minuten noch einmal wild. Egal. Wilson: „In zwei Wochen wird sich niemand mehr daran erinnern, wie wir diese drei Punkte geholt haben.“

Rob Wilson, zum Ersten

„Wenn Müdigkeit einsetzt, ist die Kommunikation das Erste, was eingestellt wird. Man hofft darauf, dass irgendetwas passiert, statt dass man miteinander redet. Aber das ist normal.“

Der NN-Moment des Spiels (präsentiert von Shorthanded News)

Es gab schöne Momente zwischen Marco Nowak, Tim Schüle und ihren ehemaligen Mannschaftskollegen. Aber keine dieser Szenen war so nett wie die zunächst vergeblichen Versuche Milan Jurcinas, Jesse Blacker zu einer Rochade an der blauen Linie zu bewegen. Jurcina versuchte es zunächst subtil, dann sagte er etwas, ehe er Blacker verzweifelt gestikulierend klarmachte, dass er jetzt endlich seinen Hintern rüberbewegen solle. Die Düsseldorfer EG hätte ahnen können, was da kommt, vor allem, weil sich Milan Jurcina mit der Ruhe des späten Shane Peacock bewegte. Aber als Jesse Blacker ausholte, ging alles ganz schnell. Ein Pass, ein Tor, ein Jubel.

Rob Wilson, zum Zweiten

„Für mich ist das Spiel gegen München drei Jahre entfernt. Wir müssen uns nur darauf konzentrieren, was wir am Freitag machen. Es läuft nicht gut für Schwenningen, aber das ist sicher kein einfaches Spiel für uns.“

Drei Stars (präsentiert von der Sponsorenwand des HC Erlangen)

Schon wieder zwei Punkte für Marius Möchel. Es waren aber eher die Kleinigkeiten, die an diesem Abend wichtig waren. Möchel hatte im ersten Drittel Konter verhindert und Angriffe erst möglich gemacht, weil er Pucks nicht hatte aufgeben wollen. Ein starkes Spiel, nicht das erste in dieser Saison.

Brandon Segal wurde bereits erwähnt. Zwei weitere Vorlagen für den Kanadier, die beide aus einem schnellen Umschaltspiel resultierten. Ich zitiere mich selbst: Irgendjemand muss Segal glaubhaft versichert haben, dass die Playoffs bereits angefangen haben.

Und zu Jesse Blacker ist wohl schon alles gesagt.

#JournalismusZumSchämen

Journalisten sind eitel, nicht selten arrogant, können seine Gefühle nicht zeigen, sind aber sehr sensibel, wenn ihre Arbeit ebenso gnadenlos beurteilt wird, wie sie glauben, die Arbeit anderer Menschen beurteilen zu dürfen. Wenn jemand meinen Journalismus zum Schämen nennt, dann trifft mich das zunächst einmal. Und ich will auch eingestehen, dass ich mich nur schwer daran gewöhnen kann, dass es in diesen Zeiten en vogue ist, Journalisten zu beleidigen. In diesem Fall ist das allerdings nicht grundlos passiert. Allerdings gehe ich davon aus, dass die Jungs von Shorthanded News von mir allein mein Interview mit Thomas Sabo samt Kommentar kennen. Und ich verstehe durchaus, warum man mir deshalb Gefälligkeitsjournalismus vorwerfen kann.

Im Interview fehlen kritische Nachfragen, vor allem zur Zustimmung der Ice Tigers an einer möglichen Erweiterung des Ausländerkontingents. Der Eindruck, Thomas Sabo schonen zu wollen, wird durch den Kommentar sogar verstärkt, das ist richtig. Sowohl im Interview als auch im Kommentar sollte es allerdings vorwiegend um die Außendarstellung und die interne Kommunikation sowie um die Versäumnisse und Fehler der DEL gehen. Das grundlegende Problem des Meinungsbeitrags ist deshalb, dass er zu kurz und das Thema zu komplex ist.

Aus diesem Grund ergänzend: Auf den ersten Blick ist es fatal, die Ausländerquote von neun auf elf zu erhöhen. Aus Sicht der Eigner ist es hingegen schon aus existenziellen Gründen verständlich. Und dabei geht es nicht darum, was ich für richtig halte. Ich glaube, dass es eine wirtschaftlich gesunde Eishockey-Profiliga nicht geben kann, wenn überhaupt nur eine Profiliga mit zehn Unternehmen und Auf- und Abstieg. Ich glaube auch, dass die verhältnismäßig hohen Gehälter für deutsche Spieler nicht der Hauptgrund für die Probleme in Krefeld, Straubing, Berlin oder [setzen Sie hier einen beliebigen DEL-Standort ein] verantwortlich sind. Für die Preissteigerung waren einst die Hamburg Freezers, Mannheim und die Berliner Eisbären mit ihren großzügigen Angeboten verantwortlich. Heute tragen die Kölner Haie und der EHC München eine Mitschuld. Davon abgesehen wäre es ein fatales Zeichen nach Jahren zurückhaltender Reduktion die Ausländerquote wieder zu erhöhen.

Auf den zweiten Blick ist das Ausländerkontingent aber ohnehin eine Farce, wenn es in Bremerhaven und Iserlohn beliebig möglich ist, Spieler mit einem deutschen Pass auszustatten. Die Geschichten von Spielberatern und sportlichen Leitern hierzu sind haarsträubend. Ich bleibe auch bei meiner vor allem in Bremerhaven sehr euphorisch aufgenommen Meinung, dass diese Standorte (außer bester Stimmung in den Eishallen) nichts zur Entwicklung der DEL und des deutschen Eishockey beitragen. Gar nichts. Die Ice Tigers würde ich trotz Festerling und Teubert nicht als „Ausländerregel-Umgeher“ bezeichnen, Festerling hatte schon vor seiner (ersten) Verpflichtung einen deutschen Pass und mit zwei Deutsch-Kanadiern ist Nürnberg in einer entsprechenden Tabelle ganz unten zu finden. Die Heuchelei solventer Klubs, die Praxis an anderen Standorten anzuprangern, diese Spieler dann aber bei entsprechender Weiterentwicklung zu verpflichten, habe ich schon des öfteren angeprangert. Die folgende Anspielung auf die CSU hätte ich gerne verstanden, das ist mir aber trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen. Der abschließende Verweis auf die DNL-Mannschaft, die es in Nürnberg nicht gibt, ist wiederum angemessen. Allerdings hat man in Nürnberg erst seit zwei, drei Jahren erkannt, wie wichtig und nachhaltig es ist, die Nachwuchsarbeit vor Ort finanziell und personell zu stärken.

Wahrscheinlich werden diese Absätze von den Unterzahlnachrichtenjungs eher als Bestätigung ihrer Kritik angesehen. Auch das ist okay, denn tatsächlich sehe ich derzeit in Nürnberg keinen Grund, die Ice Tigers hart zu kritisieren (das war auch schon anders, ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass mich Thomas Sabo nicht als Gefälligkeitsjournalist bezeichnen würde): Ambitionierte Bemühungen im Nachwuchs sind zu erkennen, 9 der 15 deutschen Spieler im (erweiterten) Aufgebot sind 24 Jahre alt oder jünger, die Ausländerlizenzen sind vorwiegend an Spieler vergeben, die in ihren Rollen in der Liga zu den Topleuten zählen und die Personalpolitik ist nachhaltig. Auch dass sich Thomas Sabo als erster Entscheider so umfassend zum besorgniserregenden Zustand der Liga äußert, ist lobenswert.

Sollte es die Intention von Shorthanded News gewesen sein, dass ich meine Arbeit ein weiteres Mal in Frage stelle, haben sie ihr Ziel trotzdem erreicht. Und nebenbei haben sie ihre Followerschaft erweitert. Gratulation.

10 Kommentare in “20/52: Noch eine Auftragsarbeit

  1. Ja, Tim Conboy hat sich bei unserer #19 entschuldigt, die er dan auch angenommen hat. Einer der Linienrichter kam dann ganz schnell angefahren weil er dachte die Situation könnte eskalieren und trennte die beiden.

  2. Zum Spiel: aus meiner Sicht wurde das mehr als unnötig spannend gemacht. Nach dem 4:0 mit anschließendem Goaliewechsel und Auszeit bei der DEG war irgendwie der Schlendrian drin. Warum? Ich weiß es nicht. Waren es die einfachen Tore, der Tabellenstand der DEG, das Eis zu glatt oder einfach Müdigkeit.
    Jenike war gestern in meinen Augen wirklich solide aber nicht gewohnt gut wie seit 1 1/2 Jahren. Wieder etwas mehr Abpraller und lies sich vom Schlendrian seiner Vorderleute mitanstecken. Das 4:3 war für mich bezeichnend. Aber gewonnen ist gewonnen.

    Trotzdem möchte ich hier nochmal Conboy erwähnen: allergrößten Respekt nach so einem „Treffer“ nochmal aufs Eis zurückzukehren und dann noch eine passable Leistung abzuliefern.

    Bei den Three-Stars stimme ich zu. Wenn man aber eine Siegesserie über 8 Spiele hat sollte man meinen, dass das alle Spieler im Team beflügelt. Bei Syvret und auch Pfleger sehe ich das leider nicht. Pfleger erneut mit vielen unnötigen Puckverlusten sowie keinem Körperspiel und Syvret macht immer noch zu wenig aus seinem „Potenzial“.

    Schiedsrichter waren ohne Fehler – hat auch Seltenheitswert in der DEL.

    Zum AL-Thema: da bin ich wirklich zwiegespalten. Ja, eine Erhöhung würde der Nati und dem Nachwuchs erstmal schaden aber das steht bei den Eignern nicht im Vordergrund. Da geht es um die Wirtschaftlichkeit des Clubs und da muss man auch als Fan Verständnis zeigen. Je weniger AL du hast umso teurer werden dir selbst durchschnittliche Spieler wie ein Pfleger, Buzas oder El-Sayed aber im Verhältnis dazu wenig scoren und den Spieler bzw. Agenten will ich sehen, der da nicht die Hand aufhält. Dazu muss man auch an die Qualität der Liga denken. Am Ende hast du lauter durchschnittliche Spieler dabei und die Spiele könnten zu einem „Rumgestochere“ ohne spielerische Highlights – man darf auch die Attraktivität der Liga nicht vergessen und deren Wirkung auf potenzielle Sponsoren.
    Erst wenn alle DEL-Teams über ein DNL-Team verfügen und dort nachhaltige und gute Jugendarbeit betreiben sollte man wieder über eine Reduzierung der Ausländerlizenzen nachdenken.

  3. Mach doch für die Kollegen vom shorthanded News mal einen Artikel über die Veränderungen im Nachwuchs des EHC80 in den letzten 2-3 Jahren (Schülerbuli usw.). Es ist tatsächlich Jahrelang geschludert worden. Aber was in 10-15 Jahren kaputt gemacht wurde kann nicht in 1-2 Jahren wieder gekittet werden ( auch nicht von einem noch so ambitionierten Herrn Dietsch oder Güttner). Es läuft in die richtige Richtung, braucht aber noch Zeit wofür die jetzigen Entscheider nix können.

  4. Wieder eine prima Zusammenfassung. Danke

    Zu #nit23: wir haben uns während das Spiels unterhalten über ihn. Und die Meinung war, das er nach der Spielpause eine unauffällige und solide Leistung bringt. Die +-0 zeigt dies, glaube ich, auch.

    @blackhawk: viele gute Argumente, die ich auch mittragen kann.

    @Sebastian: nicht wegen irgendwelcher Meinung alles in Frage stellen. Leider ist es heute so, das die meisten Menschen sich nicht in die Position anderer versetzen wollen, um eine andere Seite zu betrachten. Vielmehr werden oft Fundamentalpositionen aufgebaut, die dann gnadenlos mit Killerphrasen verteidigt werden. Andersdenkende werden beschimpft, statt sich mit den Argumenten zu beschäftigen…
    Auch wenn es sich leicht anhört: nicht die Probleme anderer zu den eigenen machen…

    Da das Thema wirklich schwer ist, schwanke ich auch immer zwischen 8+0, 9+0 oder etwas ähnlichen Formaten. Aber der Artikel zeigt, dass uns Fans teilweise auch Informationen fehlen (tatsächliche Gehälter). Deshalb kann man eine Meinung haben. Sollte andere aber nicht für andere Meinungen beleidigen.
    Und noch: ich habe den Artikel nur so verstanden, dass es darum geht wie die DEL agiert. Die AL Regelung stand doch gar nicht im Vordergrund. Die war vielleicht der Aufhänger. Andere mögen dies anders gelesen haben.

    Und zum Schluss: freuen wir uns auf die nächsten Spiele. Ich jedenfalls tue es, trotz aller Diskussionen 🙂

  5. Zum Spiel: Zuerst 10 Minuten Eishockey auf Mercure-Mercedes-Benz-oder-sonst-ein-Sponsor-Cup-Niveau. Fehlpässe, Kringel und wenig Konsequenz – sicher der Spieleflut der letzten Wochen auf Nürnberger Seite geschuldet und kein bisschen vergleichbar mit der Anfangsphase gegen Wolfsburg.

    Dann zeigten die Düsseldorfer, warum sie so weit unten in der Tabelle stehen. Nach dem Umlegen des Schalters auf „Standby Modus“ noch den Ausgleich kassiert, aber schnell reagiert. 3 Punkte, abhaken. Ich wurde gut unterhalten und Platz 2 gefestigt. Top.

    Zum Kommentar: Auch ich war weder mit Interview noch mit dem dazugehörigen Kommentar richtig glücklich (um es milde auszudrücken). Allerdings hätte ich dem niveaulosen Facebookpost keinerlei Beachtung geschenkt. Don’t feed the trolls und wirklich viel mehr kann ich da nicht erkennen. Über den Inhalt mag man grundsätzlich geteilter Meinung sein, über die Art und Weise sowie den Ausdruck nicht. Ich habs gelesen und finde, dass er mit gerade einmal 3 „Likes“ auch richtig beurteilt wurde. Dass er Follower generiert, kann ich mir nicht vorstellen. Und selbst wenn – da kann man getrost drüberstehen.

  6. Ich finde die Kritik von shorthanded News ok. In fast jeder Kritik wird Manches überzeichnet (siehe CSU-Land), aber es gibt auch berechtigte Aspekte (siehe Dany Heatley und dass wir auch eingebürgerte Ausländer nehmen, obwohl wir das bei anderen Vereinen kritisiert haben).
    Zur Ausländerbeschränkung: In einer Marktwirktschaft kann man sich nicht auf Höchstpreise für Spielergehälter einigen, egal ob deutsche oder ausländische Spieler. Da steht dann auch ein Kartellamt zu Recht auf der Matte. Es wird auch immer mindestens 1 Verein geben, der mehr zahlen kann und will als andere. Vielleicht könnte ein Modell a la salary Cup (wie in der NHL oder NFL) ein Weg sein. Deckelung der gesamten Spielergehälter, innerhalb dessen kann dann jeder Verein entscheiden, was er machen will. Ob das rechtlich in Deutschland umsetzbar ist, weiß ich leider nicht.

  7. Ich sag’s ungern, aber Sebastians Kommentar zum Interview hat mir auch nicht gefallen. Und zwar nicht, weil ich anderer Meinung wäre, sondern weil ein Kommentar zu einem Interview aus rein journalistischer Sicht einen anderen Standpunkt erfordert als den des Interviewten. Wenn man mit allem einverstanden ist, was der Interviewte von sich gegeben hat, dann braucht man keinen Kommentar zu schreiben und dem Interview an die Seite zu stellen – das grenzt dann nämlich wirklich an Hofberichterstattung. Letztlich referiert Sebastian nur Sabos Darstellung einfach noch mal; das einzig neue (also von Sabo nicht vorgebrachte) Agument ist das mit den eingedeutschten Ausländern in Iserlohn etc. – das empfinde ich als zu wenig für einen Kommentar, der den Namen verdient, und deshalb ist er mir auch unangenehm aufgestoßen. – Auf der anderen Seite: Wer beruflich einen Text nach dem anderen produziert und die meisten davon in das sportjournalistische Einerlei deutlich überragender Qualität, dem darf und muss ein vielleicht mal etwas missratener Text nachgesehen werden. Und allzu großen Wind muss man darum auch nicht machen.

  8. Dass mehr über das Sabo-Interview und den Kommentar von Sebastian Böhm diskutiert wird als über das gestrige Spiel, ist einerseits bezeichnend, aber andererseits völlig berechtigt 😉

    Das Spiel war auf typischem DEL-November-Unter-der-Woche-Niveau, aber dennoch dank einiger Highlights überraschend unterhaltsam. Gewonnen, Serie fortgesetzt, abhaken, weiter geht’s!

    Die Kritik von diesen Shorthanded News kann man inhaltlich sicher nachvollziehen, wenn man auch nicht alle Argumente teilen muss. Die Form dieses Rundumschlags ist aber nicht akzeptabel und daher würde ich diesem Post auch keine allzu große Bedeutung beimessen.

    Meinen persönlichen Senf dazu hab ich ja schon nach dem letzten Spiel abgegeben.
    Zur AL-Regel: Ich bin gegen eine Erhöhung der spielberechtigten AL um zwei Plätze (mehr ist es gar nicht, die Gesamtzahl 11 steht ja offenbar nicht zur Debatte), alleine schon weil es eine fatale Signalwirkung für das deutsche Eishockey hätte, aber m.E. auch keinen tatsächlichen Nutzen bringt. Andersrum: Wenn man glaubt, dass man dadurch Kosten reduzieren könnte, dass man quasi zwei (angeblich teurere und wenig talentierte) deutsche Spieler einspart und dafür zwei günstigere (= i.d.R. auch qualitativ schlechtere) Ausländer unter Vertrag nimmt, ist das eine Milchmädchenrechnung.
    Ich würde eher die gesamte Kadergröße aller Klubs auf eine relativ niedrig angesetzte Zahl X limitieren. Die „Wirtschaftlichkeit“ (kein DEL-Klub wäre ohne Mäzen überhaupt überlebensfähig oder gar profitabel) kann doch nicht allen Ernstes von ZWEI Lizenzen abhängen, die dann möglicherweise mit Spielern besetzt werden, die eben einen anderen Pass besitzen und nur ein paar Tausend Euro weniger pro Jahr verdienen.
    Zudem: Das sportliche Niveau des „Produkts DEL“ ist doch mit Reduzierung der AL sukzessive besser geworden und eben nicht schlechter. Wer sich an die späten 90er Jahre nach Bosman/Kienass erinnert, als quasi keine deutschen Spieler mehr auf dem Eis standen – mich graust es heute noch!

    An einen Salary Cap glaube ich persönlich nicht. Der würde aufgrund der zu unterschiedlichen Etats der Organisationen in Deutschland auch ins Leere laufen, weil er entweder zu niedrig für richtig hochwertige Kader wäre (München, Mannheim, Berlin, Köln, Nürnberg), oder aber viel zu hoch (Bremerhaven, Straubing, Iserlohn, Augsburg…), um ihn überhaupt annähernd auszuschöpfen.

  9. Zum Spiel will ich hier gar nicht mehr sagen. Was durch Sebastian Böhm nicht (in der Tiefe) gesagt wurde, haben blackhawk und Frank Strube perfekt ergänzt.

    Ich will aber nochmal kurz auf die Aussagen der selbsternannten „Berichterstatter“ mit den kurzen Händen eingehen. (Etwas salopper, als es sich für einen Journalisten ziemen würde – als Leser darf ich das ja.) Ich muss gestehen, dass ich die Blogger bis zum Lesen dieses Artikels gar nicht kannte. Umso neugieriger habe ich mich also mal in die Shorthanded News und deren Videoblog vertieft.

    Schon nach wenigen Minuten beschlich mich ein Bedürfniss, das sich später nur mehr und mehr verfestigte – das Bedürfnis mal ganz deutlich und in aller Form zu Fragen:“Sollte man sich als professioneller Journalist von ein paar Hobbyvideobloggern verunsichern lassen, deren Format an nicht wenigen Stellen an Sheldon Coopers ‚Spaß mit Flaggen‘ erinnert…?!?“ oder nochmal anders:“Was stört es eine bayerische Eiche, wenn sich ein Düsseldorfer Schweinchen an ihr reibt?“

  10. Servus zusammen,

    zu dem Spiel wurde wohl das Wesentliche geschrieben. Daher gehe ich auf die meines Erachtens sehr interessante Diskussion über die AL lizenzen ein.

    Ich persönlich bin gegen eine Aufstockung der AL Linzenzen. Dies hat mehrere Gründe:
    1) Ein sehr emotionaler Grund. Ich hoffe einfach, dass mehr junge deutsche Spieler beachtet werden und so in Zukunft das DEB Team davon profitiert –> Mehr Erfolg –> Mehr TV Präsenz –> Mehr Jugendliche, die Eishockey spielen….

    2) Eine Erhöhung der AL Lizenzen damit zu rechtfertigen, dass andere DEL Klubs die aktuelle AL Regelung mit deutschen Pässen für Kanadier sowieso umgeht, finde ich irgendwie komisch… Man würde quasi einen „Schummler“ damit belohnen, dass die Regel, die er umgeht einfach aufgelöst wird…

    3) Dass die Wirtschaftlichkeit von DEL Klubs von zwei AL Lizenzen mehr oder weniger abhängt, kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Gehen wir mal davon aus, dass ein durchschnittlicher deutscher DEL Spieler etwa 150 – 200 T / Jahr verdient. Wieviel könnte man denn mit zwei AL Spielern auf gleichem Niveau einsparen? Pro Spieler 50 T? Vielleicht insgesamt 150 T / Jahr. Klar, das ist nicht wenig, aber auf Zuschauer umgerechnet wären, das bei einem 20 Euro Ticket, pro Spiel „nur“ etwa 500 Zuschauer mehr… Das würde ja bedeuten, dass jeder Klub, der den normalen Schwankungen im Bereich Zuschauer (je nach Erfolg) ausgesetzt ist gleich um die Zahlungsfähigkeit bangen muss. Und wenn es so ist, dann ist das Problem bestimmt nicht im Bereich der AL Lizenzen zu finden… Das ist für mich eine relativ kurzfristig gedachte Lösung.

    Natürlich kann ich nach Allem, was ich hier geschrieben habe trotzdem die Stellung der Eigentümer nachvollziehen. Wenn ich jedes Jahr so viel Geld in ein sehr teures Hobby stecke, dann wäre ich auch um jeden Cent bemüht, den ich mir einsparen kann. Schwieriges Thema, aber vielleicht sollte man lieber als DEL-Klub-Gemeinschaft an anderen Themen arbeiten, um zB (noch) mehr Fans in die Hallen zu locken oder noch höhere Sponsoreneinnahmen zu generieren.

    Viele Grüße,
    Patrick

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