Spiel 48: Playoffs, Baby! (Update)

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter

Nicht immer muss es von Nachteil sein, wenn man es nicht rechtzeitig zum Auftritt des Bullykinds schafft. Tatsächlich erhöht sich die Chance auf einen guten Parkplatz – selbst wenn nebenan Fußclub und Kleeblatt aufeinander losgelassen werden. Und nicht immer verpasst man etwas, wenn man die ersten Minuten eines Eishockeyspiels nicht sieht. Beim 3:1 gegen Köln hätte man getrost auch die ersten 37 Minuten versäumen können und danach trotzdem noch einen netten Abend in der Arena verbracht. Durch das 3:1 gegen Köln setzen die Thomas Sabo Ice Tigers ihre Saison nach Spieltag 52 erst im Viertelfinale fort (zumindest behauptet das Martin Jiranek und dem Sportdirektor muss man bekanntlich alles glauben), weshalb man sich schon ein wenig Vorfreude leisten darf auf die Jahr für Jahr erstaunliche Metamorphose des Eishockeys im Frühjahr. Noch wurde allerdings kein Playoff-Eishockey geboten – selbst wenn das ein ehemaliger NHL-Trainer anders gesehen hat.

Die Fakten:

48 Spiele, 80 Punkte, 152 Tore, 141 Gegentore – Platz fünf.

Und:

  • Die Ice Tigers können doch gegen die Haie gewinnen – nach drei Niederlagen und lediglich einem von möglichen neun Punkten, haben sie die letzte Gelegenheit zu einem 3:1 (0:0, 1:1, 2:0) genutzt.
  • Patrick Reimer und Steven Reinprecht machen selbst schnöde empty-netter zu einem Genuss.
  • Allerdings: Je näher die Playoffs rücken, desto mehr fällt Yasin Ehliz wieder als bester Spieler der Paradereihe auf.
  • Seit der Länderspielpause (die in allen Eishockey-Ländern Europas zu Länderspielen genutzt worden ist, nur in diesem einen nicht – vielleicht weil es sonst nicht aufgegangen wäre) haben die Ice Tigers von 13 Power-Play-Gelegenheiten genau keine genutzt.
  • In der ersten Playoff-Runde kommt es mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Neuauflage der Finals von 2015 oder 2014.
  • Und in München fürchtet man bereits jetzt den Viertefinalgegner.

Die Superlative:

Tore: 25 Patrick Reimer (Liga-Spitze, insgesamt 269auch das ist Spitze in der ewigen Torjägerliste der DEL)
Vorlagen: 36, Patrick Reimer (DEL-Zweiter hinter Schwenningens Acton, 38)
Punkte: 61, Patrick Reimer (Liga-Spitze)
Plus: 14, Patrick Reimer
Minus: -11, Marc El-Sayed
Strafminuten: 74, Kurtis Foster
Power-Play-Tore: 11, Dany Heatley
Unterzahltore: 5, David Steckel (Liga-Spitze, den DEL-Rekord von Hicks, Kavanagh, Ciernik und Meloche hat der US-Amerikaner eingestellt)
Siegtreffer: 5, Steven Reinprecht
Schüsse: 228, Patrick Reimer (Liga-Spitze, 11 Schüsse vor Schwenningens Fleury)
Schussquote: 24 Prozent, Steven Reinprecht

Das Spiel:

Das war wie ein Playoff-Spiel.“ (Nein, war es nicht, Cory Clouston)

Sie kommen aus dem Nichts, die Oktober-Spiele, die November-Anschleicher oder die Weihnachtsklassiker, die dieses Prädikat tatsächlich verdient hätten. Wenn es in der DEL aber tatsächlich um etwas geht, in diesem Fall, ob sich die Kölner Haie vielleicht doch noch den Umweg über die Pre-Playoffs sparen könnten, dann wird oftmals verkrampfter, abwartender, vorsichtiger gespielt. Nun lässt sich das für die Ice Tigers nur eingeschränkt behaupten, weil sie den Puck in der ersten Spielhälfte immer wieder mit gar so großer Freude verloren (Möchel, Joslin, Nowak). Köln hingegen versuchte sich an klassischer Auswärtstaktik und stand am Ende ohne Punkte da, weil Nürnberg rechtzeitig zu alter Effizienz zurückfand. So viele Chancen hatten sie diesmal schließlich nicht vergeben. Diesmal löffelte Yasin Ehliz einen Rebound ins Netz. Diesmal profitierte David Steckel von einem Kölner Fehler und legte die Scheibe perfekt für Leo Pföderl ab. Dass er kurz zuvor die selbe Scheibe hinter dem eigenen Tor noch beinahe abgegeben hätte, war da wieder vergessen.

Direkt vom Eis, eins:

Tyler hat uns heute mehrmals den Arsch gerettet.“ (Patrick Reimer hätte eigentlich über den Leistungsstand zweieinhalb Wochen vor Beginn der Playoffs reden sollen, dann kamen ihm aber die Defensivprobleme dazwischen.)

Der NN-Moment des Spiels:

Besko, Andy oder Joker – diese Frage lässt sie nicht los, die beiden Coaches der Ice Tigers. Am Sonntag noch war Andreas Jenike durchaus überraschend, weil so überraschend früh zur alten und neuen Nummer eins erklärt worden. Zwei Tage später stand Jenike auch in Iserlohn im Tor, er kassierte vier Gegentreffer und wurde durch Jochen Reimer ersetzt. Und gegen Köln durfte plötzlich Tyler Beskorowany ran. Offiziell lautet der Plan, dass jeder Torhüter zwei Chancen bekommen soll, um sich anbieten zu können. Jiranek sagte das allerdings vier Spiele vor dem Ende – weil Jochen Reimer und Andreas Jenike seines Erachtens nach bereits eine Chance eingelöst haben. Der spannendste Moment geht derzeit einher mit einem Blick auf die Aufstellung und danach mit einem Gespräch mit Jiranek darüber, weshalb welcher Torhüter diesmal wie lange hat spielen dürfen. Kein also gewagter Tipp vom Blogwart: Am Sonntag gegen Schwenningen wird Jochen Reimer von Beginn an um Tor stehen (mittlerweile durch das starting line-up bestätigt).

Die NN-Three-Stars:

Unter der Woche war er hier bereits erwähnt worden. Jetzt hat er es mal wieder in diese Kategorie geschafft, weil er trotz konstanter Fehlerreduktion, aktiver als alle andern spielt. Casey Borer arbeitet sich in der depth chart der Nürnberger Verteidiger allmählich empor. Sitzen müssen stets der Kurtis Foster oder Kyle Klubertanz, dem gegen Köln jedoch auch mal wieder ein ordentliches Spiel gelang.

Als könnte er die Playoffs bereits riechen. So spielt Yasin Ehliz derzeit wieder, trickreich, ehrgeizig – furchtlos. Zudem darf er mit der zweiten Power-Play-Formation aufs Eis. Das Vertrauen ist gerechtfertigt. Nur sollte diesmal der Unterschied zwischen ihm und seinen Reihenkollegen in den Playoffs nicht allzu offensichtlich sein

Ansonsten war der zweite Tölzer der auffälligste Angreifer im Aufgebot. Unter der Woche hatte Leo Pföderl dem Kollegen Lindner noch ein grandioses Interview gegeben, es war, als hätte er sich dafür bei Stevie Wonder, Helge Schneider und Karl Valentin bedient.

Und sonst so? (mit kleinem Update)

Martin Jiranek kündigte an, in den kommenden vier Spielen ausprobieren zu wollen. Selbst Marc El-Sayed soll wieder Eiszeit bekommen. Da soll keiner behaupten, er sei nicht vorgewarnt worden. (Klitzkleines Update, ich bitte um Entschuldigung, ich war hundemüde am Freitagabend:) Zudem hat der Sportdirektor ein, zwei Vertragsverlängerungen vor dem Beginn der Playoffs in Aussicht gestellt. Im besten Falle Steckel. Und?

7 Kommentare in “Spiel 48: Playoffs, Baby! (Update)

  1. das Spiel war von beiden Teams ziemlich schwere Kost. Hatte das ganze Spiel über den Eindruck, dass man nicht so richtig will oder kann. Da war selten mal wirklich das Gefühl da, dass sich ein tolles Eishockeyspiel entwickeln könnte.

    Borer erneut mit soliden Spiel und hat gut an der Bande gearbeitet. Beskorowany mit gutem Spiel aber auch bei einigen Malen mit viel Glück ausgestattet – scheint den Druck der anderen beiden Goalies zu spüren – wenn es hilft waurm nicht. Dank AL aber für mich keine PO-Alternative als Starter.

    Das Powerplay war heute mal wieder unter aller Sau, da war auch nicht wirklich zwingendes dabei passte aber zum Spiel. Das PP sollte aber in den PO bitte wieder funktionieren.

    Ansonsten wäre für mich -wenn ich mir die Tabelle anseh – die DEG mit oder ohne Heimrecht der bevorzugte Gegner, denn ich möchte kein Spiel 7 in Iserlohn erleben und Wolfsburg ist dank Gross in den Playoffs ein sehr unangenehmer Gegner.

  2. Hallo,

    wenn ich heute aus dem Fenster schau und an das Spiel von gestern denke, muss es noch immer September sein…

    Prima:
    – Besko hat ein gutes Spiel gemacht, wir haben drei solide Golies vor den Playoffs
    – mit den Resultaten von gestern ist der 4. Platz auf jeden Fall noch möglich
    – Yasin findet zu alter Stärke zurück, nicht nur wegen seines Tores gestern

    Naja:
    – Wir haben keinen wirklich fehlerfreien, heißen Golie und die Playoffs stehen vor der Tür
    – Die Top6 werden sich imo nicht mehr ändern, damit wäre eine Heimspielserie gegen die DEG vermutlich die beste noch erreichbare Ausgangsposition
    – Das Team wurde für die Playoffs gebaut, die aktuelle Form sehe ich noch nicht

    Öffnet man ein Fenster, fühlt man den Februar. In 14 Tagen ist es soweit…. Playoffs Baby!!!

    Freu mich!

    Gruß
    Stefan

    PS: der Timeout ist immer noch mörderisch kurz…

  3. Wie schon gegen die Straubing Tigers, sind es die gewonnen 3 Punkte die am Ende zählen. Es war kein berauschendes Spiel von beiden Seiten, sehr von der Taktik geprägt nicht verlieren zu wollen. Gott sei Dank traf es die Kölner. Noch ein Wort zum Beskorowany der sehr schlecht bei der Nürnberger Journaille (keine abwertende Bezeichnung) davonkommt. Egal was er im Tor leistet, es wird ihm jede noch so kleine Unachtsamkeit im Spiel als Untergangsszenario angekreidet. Unserer Meinung ist er mir Sicherheit keinen Deut schlechter als unsere beiden Stammtorhüter. Das nur zu seiner Ehrenrettung. So viel Fairness muss sein.

  4. Im besten Falle Steckel. Und …. im allerbesten Falle Patrick Reimer mit einer vorzeitigen Verlängerung!!

  5. Angeblich ist man mit Matt Pelech einig, würde bedeuten dass man eventuell mit Printz nicht verlängert. Aber auch das sind alles Spekulationen. Geduld ist gefragt.

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