Spiel 37: Nummer 263

freeze

Ja, darf man denn das? Wir müssen das erst einmal mal im offiziellen Regelwerk der IIHF nachlesen. Ja, zugegeben, sie wertet uns, diese unrasierten, ungepflegten, schlecht angezogenen selbsternannten Eishockey-Journalisten, optisch natürlich ungemein auf. Und so ein klein wenig Charme tut uns auch gut. Dieser Reporterin von (SSNHD und) jenem Radiosender, der aus der mir unbekannten geilsten Stadt der Welt berichtet, mangelt es auch wirklich nicht an Selbstbewusstsein. Sonst hätte sie das kaum gewagt: Anna Noé hat bei der Pressekonferenz nach dem 5:3 gegen den EV Landshut die Hamburg Freezers doch tatsächlich eine Frage gestellt. Aber, nein, davon darf man sich nicht inspirieren lassen. Sonst klickt doch jetzt überhaupt niemand mehr auf Weiter lesen.

Die Fakten: 37 Spiele, 61 Punkte, 117:107 Tore – Platz fünf.

Die Superlative:

Tore: 19 Patrick Reimer (Liga-Spitze gleichauf mit Krefelds Schymainski und Schwenningens Fleury)
Vorlagen: je 25, Patrick Reimer und Steven Reinprecht
Punkte: 44, Patrick Reimer (auf Platz eins in der DEL, vier Punkte vor Schwenningens Acton, der dafür allerdings sechs Spiele weniger gebraucht hat)
Plus: 10, Patrick Reimer
Minus: -11, Derek Joslin, Marc El-Sayed und Alexander Oblinger
Strafminuten: 69, Colin Fraser
Power-Play-Tore: 9, Dany Heatley
Unterzahltore: 2, David Steckel
Siegtreffer: 4, David Steckel
Schüsse: 182, Patrick Reimer (Nummer eins in der DEL vor Schwenningens Damien Fleury, 171)
Schussquote: 22 Prozent, Dany Heatley (vor Steven Reinprecht, 21%)

Das Spiel:

Immer interessant, wenn die Kopie auf das Original trifft. Groß, stark, vor allem aber groß und stark sollten die künftigen Mannschaften der Ice Tigers sein, als Martin Jiranek als Sportdirektor übernahm, so wie die Haie oder eben die Freezers. Es hat dann ein wenig gedauert, bis James und Kaufmann und die anderen Überbleibsel aus der Funkzeit aussortiert waren. Jetzt aber sieht es tatsächlich so aus, als ob da Männer gegen Männer und nicht mehr Jugendliche gegen Männer spielen, wenn sich Nürnberg und Hamburg gegenüber stehen. In der Nachbetrachtung wollte jeder der beiden Klubvertreter (Serge Aubin und Martin Jiranek) die Leistung seines Teams im ersten Drittel schlechter gesehen haben. Tatsächlich waren beide nicht so dolle. Das sollte sich auch nach dem ersten Auftritt der Zambonis nicht ändern. Das ist natürlich erneut nur eine Momentaufnahme, aber es war schon mal unterhaltsamer, wenn die Freezers hier angetreten sind. Aus Nürnberger Perspektive war das natürlich leicht zu verkraften. Erst Tyler Beskorowany brachte die Gäste ins Spiel (weshalb er von Jiranek danach auch explizit als Grund für den Sieg erwähnt wurde), ein solches Unglück wollte Sébastien Caron sofort ausgleichen. Marco Pfleger verweigerte nach seinem zweiten Treffer denn auch jegliche Regung von Jubel – wie ein Hobbyspieler, der auf das umgelegte leere Tor getroffen hat. Das 2:2 hatte man sowohl in der Entstehung als auch im Abschluss vor zehn Tagen gegen Mannheim schon einmal gesehen. Dann arbeitete Leo Pföderl ein bisschen härter als seine Gegner, das reicht schon, um auf 4:2 davonziehen. Die Freezers haben nominell das beste Torhüterduo der Liga, tatsächlich das aktuell schwächste Torhütertrio, eine erstaunlich unpräzise Offensive, an diesem Abend aber größte Probleme das eigene Wohnzimmer sauber zu halten. Das war sowohl bei Pföderls 3:2 als auch bei Steckels 4:2 sehr gut zu sehen. Der große, diesmal nicht halb so böse Wolf ärgerte die Ice Tigers noch einmal. Das Selbstbewusstsein nach drei Siegen in Folge, vor allem aber der jüngste Reifeprozess haben die Mannschaft wachsen lassen. Jiranek sieht solche Situation stets als Training für die Playoffs. Wenn es für solche Trainingsspielchen dann noch drei Punkte gibt, umso besser.

Der NN-Moment des Spiels (präsentiert vom Frundsberg Festring Mindelheim e. V.):

Was man machen muss, um von den Fans der Ice Tigers explizit gefeiert zu werden:

  • Überdurchschnittliche Leibesfülle und beeindruckenden Körperhaarwuchs vorführen, in dem man sich das Trikot über den Kopf zieht, unerlässlich ist dabei bekannte Musik, zu der man sich möglichst unrhythmisch bewegt, obgleich man das sehr besser könnte.
  • Einen Purzelbaum oder mindestens eine Rolle in Torhüterausrüstung auf dem Eis wagen.
  • Roland Aumüller sein.
  • Wie Roland Aumüller pfeifen.
  • Oder mehr Tore schießen als anderen DEL-Kollegen.

Patrick Reimer hat in 686 DEL-Spielen 263 Treffer (0,38 Treffer pro Spiel) erzielt. Michael Wolf in 567 Spielen 262 Treffer (0,46) und Daniel Kreutzer in 1022 DEL-Spielen 261 Treffer (0,26). Und allein an diesem Freitagabend hätte der Kapitän der Ice Tigers in der ewigen Torjägerliste davonziehen können. Martin Jiranek (der in seinem 611. und letzten DEL-Spiel sein 200. Tor erzielt hat) rechnet mit 300 DEL-Treffern für Reimer, wenn auch nicht mehr in dieser Saison („dann wäre ich der glücklichste Mann“). Behält er seine aktuelle Quote (fünf Tore in fünf Spielen 2016) bei, beendet er die Punkterunde mit 278 Treffern, aber selbst mit weiteren 21 Playoff-Treffern käme er nur auf 299 Treffer – wobei man dieses „nur“ nicht zu ernst nehmen sollte. Jiranek sagte auch, dass es ganz schwer werden dürfte, Reimer diese Bestmarke wieder abzunehmen. Und als ihm Steven Reinprecht Nummer 263 so wunderbar aufgelegt hatte, schien er sich ausnahmsweise mal auch für sich selbst zu freuen.

Übertriebene Härte:

Über jede einzelne Icing-Enscheidung und die Details dieser Foul-Pfiffe sollen andere diskutierten. Aber drei kleine Strafen in der entscheidenden Phase, sind drei kleine Strafen zu viel – zumal sie von zwei Spieler abgesessen wurden, die sie auch verursacht haben (muss man in dieser Liga dazuschreiben) und die sich ob ihrer Erfahrung in dieser Phase keine Strafen mehr leisten sollten. Steven Reinprecht ist diesbezüglich noch nicht aufgefallen, David Steckel schon (wenngleich Dany Heatley und Matt Murley die Ice Tigers-Hitliste der Strafzeiten zu den ungünstigsten Zeiten anführen).

Die NN-Three Stars:

Bronze: Marc El-Sayed verließ die Kabine nach dem 5:3 zufrieden in sich reingrinsend. Genau diesen Eindruck hat er wahrscheinlich hinterlassen wollen. Seht her, es macht mir gar nichts aus, dass mich ein junger Verteidiger aus der vierten Reihe verdrängt hat. Die Schnelligkeit von Marcus Weber und Patrick Buzas tut der vierten Reihe (also Alexander Oblinger – dem aber vor allem ein Torerfolg guttun würde) gut, sagt Jiranek. Als gelungen empfinde ich diese Lösung. Die erwartete Rückkehr von Yasin Ehliz wird die Balance der Mannschaft ab dem kommenden Wochenende erneut stören. Ehliz rückt wieder an die Seite von Reinprecht und Reimer, Marco Pfleger muss wieder an die Seite von Matt Murley (sehr undankbar) und Marcus Weber darf wieder verteidigen – oder auch nicht. An offensichtliche Fehler des Garmisch-Partenkircheners kann ich mich nicht erinnern, im Falle von Marco Nowak, Derek Joslin, Kurtis Foster und Derek Joslin allerdings an sehr viele – trotzdem ist es im Zweifel Weber, der den siebten Verteidiger oder den 13. Stürmer spielen soll. Schade, immer wieder schade ist das.“

Silber: Patrick Reimer, nuff said.

Gold: Entschuldigen Sie bitte den abschließenden Exkurs. Wobei das Lied, das noch nicht einmal von ihm selbst ist, beweist, wie schnell er fremde Lieder zu den seinen gemacht hat und wie ehrfürchtig ihm alle anderen begegnen. David Bowie, wake up: