Spiel 33: Fraser fehlt (und noch viel mehr)

Sportfoto Zink/Matthias Winter

Sportfoto Zink/Matthias Winter

Über Nacht kam der erste Schnee. Das Jahr so neu, voll guter Vorsätze. Über 6000 Zuschauer wieder in dieser Arena beim Eishockey. Ja, es war alles angerichtet für einen großartigen Abend bei den Thomas Sabo Ice Tigers, für eine Kehrtwende, dafür, dieses riesengroße Versprechen, das diese großen Namen mit sich herumtragen, nun endlich einzulösen. Doch es wurde dann doch wieder ein Auftritt, so schlampig, als hätte man als Sportredaktion vor der Saison zwei Durchfahrtscheine erhalten und beide schon an Spieltag 33 verschlampt. Ein Auftritt, so beschämend, als würde man Jahresrückblicke fürs Wochenmagazin schreiben. Ein Abend, so verbraucht, wie der Kaffeesatz drüben, ein Raum weiter, im Abfluss der Spüle, wie er traurig auf der Seite liegt und braune Tropfen langsam ins Abflussrohr rinnen. Doch es wäre alles nur halb so schlimm, könnte man einfach akzeptieren, dass es in dieser Saison doch wieder nur für die Pre-Playoffs reichen wird und dann für ein Ausscheiden im Viertelfinale, einfach weil diese Mannschaft es nicht drauf hat. Weil sie zu schwach ist, zu brav, zu weich, zu langsam, zu unerfahren, zu klein, zu dick, zu dünn. Aber dann kommen diese fünf, sechs Minuten im Schlussdrittel und man liest das Etikett dieser Cola noch einmal, man guckt in die Packungsbeilage der Grippetabletten, und Chrsitoph Benesch und Sebastian Böhm fragen sich: Crystal Meth? Koks? Da drin?

Die Fakten:

33 Spiele, 17 Siege, zwei davon in Verlängerung, einer nach Penalty-Schießen, 102 Tore, 98 Gegentore – Platz sieben. Zuschauerschnitt bei den acht Heimsiegen der Ice Tigers: 4651. Zuschauerschnitt bei den neun Heimniederlagen der Ice Tigers: 5516. Die Bilanz der Ice Tigers bei mehr als 6000 Zuschauern: Fünf Spiele, fünf Niederlagen.

Die Superlative:

Tore: 15, Patrick Reimer
Vorlagen: 23, Patrick Reimer
Punkte: 38, Patrick Reimer (damit wieder auf Platz 2 in der DEL, zwei Punkte hinter Will Acton)
Plus: 9, Marcus Weber
Minus: -13, Derek Joslin
Strafminuten: 69, Colin Fraser
Power-Play-Tore: 8, Dany Heatley
Unterzahltore: 1, Patrick Reimer, David Steckel
Siegtreffer: je 3, Derek Joslin, Steven Reinprecht, David Steckel
Schüsse: 163, Patrick Reimer (mehr als doppelt so viel wie Nürnbergs Nummer zwei, Derek Joslin/73)
Schussquote: 25 Prozent, Steven Reinprecht (vor Dany Heatley 20%)

Das Spiel (präsentiert von kognitiver Dissonanz):

Wahrscheinlich haben Wilson und Jiranek ihren Spielern nicht mit auf den Weg gegeben, sich auf Laufduelle mit den schnellen Münchnern einzulassen. Wahrscheinlich war es auch nicht der Plan der Nürnberger Coaches, jeden Zweikampf zu verlieren. Und wahrscheinlich haben sie ihnen auch nicht empfohlen, auf jegliche Härte zu verzichten. Trotzdem haben die Ice Tigers genau das gemacht. Martin Jiranek beklagte danach, wie einfach München zu seinen Toren kam. Er vermied dabei, das Wort Glück zu missbrauchen – das war auch besser so. Denn natürlich wäre das 0:1 nicht gefallen, wenn sich Marco Nowak nicht hätte von Steve Pinizzotto einschüchtern lassen, das 0:2 nicht, wenn wenigstens einer von vier Nürnbergern Jerome Samson am Schuss hätte hindern wollen, das 0:3 nicht, wenn die Ice Tigers zuvor konsequent auf den Körper gespielt hätten. Beim 1:4 war das Spiel schon durch. Jiranek beklagte dagegen fünf Zwei-auf-Eins-Konter der Ice Tigers – ohne Schuss für die Ice Tigers. Und irgendwie verfestigte sich während Jiraneks Ausführungen der Eindruck, dass der Sportdirektor glaubte, was Kollege Don Jackson kurz zuvor noch festgestellt hatte. „Es war ein sehr enges Spiel, knapper, als es das Ergebnis sagt.“ Die ungenutzten Konter, Pföderls Nachschuss, Möchels Schuss alleine vor dem Münchner Torhüter, Lessios Fehlgriff nach Patrick Reimers Verzweiflungsschuss (21.), jajaja. Jiranek erwähnte aber nicht, dass sich Matt Murley von Michael Wolf hatte auf dem Bierfilzla schwanzen lassen, dass sich Marc El-Sayed von Joachim Ramoser herumschubsen lassen, dass die talentierteste Power-Play-Formation dieser Liga mitunter eine Minute brauchte, um in Aufstellung zu kommen. Die Ice Tigers haben dieses Derby verloren, weil es München unbedingt gewinnen wollte und Nürnberg sich erneut auf sein Talent verlassen hat. Jene fünf Minuten, in denen sich dieses Talent in seiner ganzen Wucht gezeigt hatte, waren ein weiteres Mal viel zu wenig.

Nach der Pressekonferenz, eins:

„Das ist nur Zufall. Aber es könnte sein, dass es jetzt ein Thema wird.“ (Martin Jiranek auf die Frage, ob sich erklären könne, warum die Ice Tigers jedes Heimspiel vor mehr als 6000 Zuschauern verloren haben.)

Der NN-Moment des Spiels (präsentiert von Red Bull verleiht Flüüüühügel):

Jeder von uns kennt das. Man schaut einen Bruce-Lee-Film und möchte danach am liebsten mit der Handkante einen Ziegelstein zerschlagen. Oder man sieht einen Spiderman-Film und dann, wenn die Frau wegsieht, kippt man das Handgelenk und wünscht sich, es schießt nun dieser Spinnenfaden heraus und heftet sich an die Decke. Bei den Thomas Sabo Ice Tigers waren es die Unparteiischen, die sich gefühlt für „Der Pate“ eins bis drei, mit Erdnussflips, Popcorn und Bier ins Heimkino verzogen hatten, währenddessen die Ice Tigers schon feierten. Steven Reinprecht war sich ziemlich sicher gewesen, dass Patrick Reimers Schuss unter die Latte von David Leggio hinter der Linie gewesen war. Und das brachte dann auch der Videobeweis: Treffer, 1:3.
Was nun folgte war der Moment nach dem Film bei Patrick Reimer. Es war, als hätten nicht Brüggemann und Schütz eine Torwiederholung studiert, sondern Patrick Reimer Superman geschaut. Urplötzlich, da schien das Eis zu brennen und der Kapitän barfuß, so wirbelte er über das Spielfeld. In höchstem Tempo, in maximaler Raffinesse, nur leider auch weiterhin mit Schusspech. Reimer wollte den Bock allein umstoßen, wie die geschätzten Kollegen der Nürnberger Zeitung floskeln würden, nein, es schien, als wolle Reimer die Erdumdrehung aufhalten, um sie dann in die gegengesetzte Richtung anzustoßen. Urplötzlich wachte das Publikum wieder auf, es war wie eine Initialzündung, Reimer schien der Funken im Wind, der das trockene Holz entfacht. Er riss seine Nebenleute mit, er trieb sie an, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Sein Einsatz reichte, sein Wille, nicht wieder derjenige sein zu müssen, der danach dort unten vor irgendeiner Werbewand steht, Halogenstrahler und Kameras auf sich gerichtet und erzählen muss vom seltsam sorglosen Defensivverhalten, vom arroganten Auftreten des Teams in der Offensive. Reimer wollte, liebe NZ-Leser ihr kennt das, die Antwort auf dem Platz geben, Tore sprechen lassen, wider den Stachel löcken. Sicher war es bisweilen übermotiviert, unproduktiv, egoistisch. Aber es war ein Zeichen an alle in dieser Arena. Und es offenbarte die schlimmste Erkenntnis des Abends: Wenn diese Mannschaft will, dann kann sie Berge versetzen.

Übertriebene Härte:

Viele Feststellungen in dieser Gemeinschaftsproduktion von einem Eintrag hätten auch in diese Rubrik gepasst, weshalb nun nur ein bisschen Schiedsrichterschelte bleibt. Oder eher: die Schilderung dieser bizarren 20 Sekunden, in denen Matt Smaby Matt Murley hatte viermal mehr oder weniger offensichtlich foulen dürfen. Sicherlich hatte Murley diese vier Fouls provoziert, wie er das gemacht, haben wir leider nicht gesehen. Lars Brüggemann und Markus Schütz offensichtlich auch nicht, weshalb sie Smaby fasziniert beim Foulen zusahen – ohne einzugreifen. Die beiden Schiedsrichter waren nicht schlecht, zumindest nicht bemerkenswert schlechter als die Schiedsrichter in jedem anderen beliebigen DEL-Spiel. Wer in dieser Szene aber seinen Arm nicht hebt, sollte sich über die Einstellung zu seinem Beruf noch einmal ernsthaft Gedanken machen.

Coaches‘ Corner:

Frank Strube gibt der latenten Unzufriedenheit in der Arena ein Gesicht. Wer sich, wie wir, nicht mit Foren und Facebookkommentaren beschäftigt, sondern nur die wunderbaren Beiträge unter unseren Blogtexten liest und versucht, die indifferente Stimmung bei den Heimspielen wahrzunehmen, braucht Frank Strube, um zu erkennen, dass sich der Frust auf den Cheftrainer konzentriert. Nicht auf den zwischen Lustlosigkeit und Frustabbau hin- und herflippernden Matt Murley, der allenfalls von Matt Smaby zurechtgewiesen wird, nicht auf Dany Heatley, der bei Fünf-gegen-Fünf inzwischen vollkommen überflüssig ist, nicht auf Kurtis Foster, der als Führungsfigur zumindest auf dem Eis eine Fehlbesetzung ist, nicht auf Derek Joslin, der aus Begeisterung über seine wiedererweckten Offensivfähigkeiten, das Verteidigen eingestellt hat, nicht auf Marco Nowak, der nach seiner jüngsten Verletzung Angst vor jedem harten Zweikampf zu haben scheint, nicht auf Patrick Reimer, nicht auf Steven Reinprecht, Tyler Beskorowany, Colin Fraser und all die anderen, die Schuld sind an diesen schwer erträglichen Auftritten der Ice Tigers. Jochen Reimer hat kürzlich erzählt, dass selbst er als Torhüter nicht erkennt, nach welchen Vorgaben die Angreifer spielen, er weiß, wie sich die Verteidiger in der eigenen Zone verhalten, das schon, aber das System, nach dem vorgecheckt, aufgebaut und des Gegners Drittel bestürmt wird, kennt er nicht, versteht er auch nicht. Mir geht es genauso. Unter Jeff Tomlinson habe ich ansatzweise erkennen können, welche Idee der Trainer verfolgt. Aktuell aber maße ich mir nicht an, ein System zu erkennen – und ich weiß, dass ich damit auf der Pressetribüne nicht alleine bin. Die Pauschalvorwürfe, wonach Wilson kein System hat, sein System zu einfach oder zu kompliziert ist, sind absoluter Quatsch. Wilsons System hat die Ice Tigers auf Platz eins geführt, hat Iserlohn 9:3 besiegt und zweimal in Mannheim gewonnen. Das System, sagt Jiranek gerne, ist dein Freund, wenn es nicht läuft. Vielleicht sollte er das auch mal seinen Spielern erzählen.

Auch dass Wilson und Jiranek zu wenig auf der Bank kommunizieren, kann ich nicht nachvollziehen.

Aber natürlich gibt es Entscheidungen, die auch ich nicht verstehe. Ich verstehe nicht, warum Murley nicht einfach dabei zusehen darf, wie Christoph Kabitzky DEL-Erfahrungen sammelt. Ich verstehe nicht, warum Marius Möchel und Patrick Buzas nach tadellosen 40 Minuten im letzten Drittel nahezu keine Eiszeit mehr bekommen haben, Murley aber immer wieder über die Bande geschickt wird. Ich verstehe nicht, warum Marco Nowak gefühlt mehr Eiszeit bekommt als Marcus Weber.

Warum Martin Jiranek auf der Bank gar so ausgiebig mit André Dietzsch gesprochen hat, weiß ich mittlerweile. Der Sportdirektor-Co-Trainer weilt kommende Woche auf Scouting-Tour im uns unbekannten europäischen Ausland, Dietzsch wird ihn ersetzen. Deshalb hatte es zwischendurch so ausgesehen, als würde sich Jiranek mehr mit dem Torhütertrainer beschäftigen als mit den Verteidigern.

Abschließend: Rob Wilson wird in dieser Woche nicht gefeuert werden – selbst wenn sich das mittlerweile nicht nur Frank Strube wünscht.

Nach der Pressekonferenz, zwei:

„Was ist der Unterschied zwischen dem ersten und dem zweiten Saisondrittel? Colin Fraser fehlt.“ (Was Martin Jiranek noch über den abwesenden Mittelstürmer gesagt, kann man am Dienstag in den Nürnberger Nachrichten nachlesen – irgendetwas müssen wir uns schließlich aufheben.)

Aus der Südkurve:

„Wir wollen euch kämpfen sehen.“ (Enttäuschte Nürnberger Fans leiten die schönsten fünf Minuten des Abends ein)

NN-Three-Stars:

Bronze: Marius Möchel hatte drei sehr gute Chancen in diesem Spiel. Wie viele Chancen hatte Dany Heatley? Eine halbe. Wie viele gute Chancen hatte Kurtis Foster? Keine, ist auch nicht ganz so einfach, wenn man kein einziges Mal schießt. Wie viele gute Chancen hatten Matt Murley, Kyle Klubertanz, Marco Pfleger? Zusammen eine. Trotzdem war es Möchel, der im Schlussdrittel nur einmal kurz in Unterzahl aufs Eis durfte. Verstehen muss man das nicht..

Silber: Leo Pföderl war sehr lange ein großes Talent und eine kleine Sensation, wie er so im Maurerbetrieb des Vaters in Tölz schuftete und immer wieder nach Nürnberg kam, weil Jeff Tomlinson ihn immer wieder einlud. Pföderl entschied sich dann (vorerst) gegen die Baustelle und für die Arenen dieses Landes. Mittlerweile ist, das kann man nun sicher sagen, das ein Glücksfall für die Ice Tigers. Pföderl spielt seit Wochen, in denen die Mannschaft ihrer Form hinterherläuft, einen soliden Part, Pföderl ackert, Pföderl kämpft, und Pföderl hat spielerische Glanzmomente. In Ingolstadt traf er die Latte, nun hatte er selbst Chancen und sah in Momenten größter Unübersichtlichkeit trotzdem noch den besser postierten Mitspieler. Leo Pföderl hat sich in dieser Saison noch einmal großartig weiterentwickelt, enorm konstant für sein verhältnismäßig junges Alter.

Gold: Patrick Reimer. Der Kapitän wurde wieder verdrängt von der Position des Topscorers der DEL. Der Kapitän hat einmal getroffen, aber es hätten noch viel mehr Treffer werden können. Der Kapitän fiel lange Zeit gegen München nur damit auf, die entscheidenden Zentimeter zu spät zu kommen, wenn Reinprecht den Querpass suchte, der Kapitän verlor in den entscheidenden Momenten die Puckkontrolle, wie beim 2 auf 1 Konter in Unterzahl, als Frederic St-Denis den Querpass zu Reinprecht abfing. Und dem Kapitän fehlten die entscheidenden Zentimeter Genauigkeit beim Schuss, um die Scheibe an Leggio vorbei zu bekommen. Trotzdem war es eine Offenbarung, wie Reimer plötzlich dieses Spiel im Schlussdrittel an sich riss, wieviel Energie er dieser Mannschaft gab, wieviel er den über 6000 zurückgab durch seinen Einsatz, durch seinen Willen. Auch wir sagen dafür: danke, Patrick Reimer.

Von der Pressekonferenz:

„You miss 100 percent of the shots you don’t take.“ (Okay, Wayne Gretzky hat das gesagt. Don Jackson aber meinte dasselbe, konnte es nur nicht ganz so gut auf den Punkt bringen. Der Münchner Cheftrainer hat festgestellt, dass „jeder Schuss aufs Tor gefährlich sein kann“. Sieh an.)

Aus der Redaktionsstube:

Durchfahrtsschein Nummer eins ist wieder aufgetaucht!

13 Kommentare in “Spiel 33: Fraser fehlt (und noch viel mehr)

  1. Das Spiel war im Prinzip ein Offenbarungseid in zwei Dingen: die Mannschaft wirkt blutleer und zwischen den Trainern scheint es doch atmosphärische Störungen zu geben.
    Nach dem 0-2 hat Wilson noch versucht auf der Bank zu agieren während Jiranek regungslos blieb. Die Doppelfunktion von MJ scheint sich langsam zu rächen. Manager und vermeintlicher Co kann auf Dauer nicht gut gehen. Jiranek äußerte ja glaub vor der Saison den Wunsch wieder mehr in Richtung Trainer zu gehen.

    Und ja, Fraser fehlt enorm. Seine Shifts haben das gesamte Team mitgerissen und ermutigt. Evtl wäre hier die letzte AL besser aufgehoben – schlechter hätte es Lehr nicht gemacht. Beskorowany hatte heute wieder ein „Ei“.

    Warum allerdings immer die Arbeiter jetzt immer büßen müssen wenn lustiges Reihenwechseln ist versteht wohl keiner.

    Zu Murley noch ein kurzer Gedanke: hätte man die erste Zeit mit Kabitzky überbrückt wäre ein Fraser evtl noch da und eine AL. Fraser war vor Murley mit Steckel und Segal in der Vorbereitung recht produktiv und wurde dann mit Murley auseinander gerissen. Dadurch war auch Fraser nicht mehr so produktiv was ihn ggf. zweifeln lies.

  2. Oh man. Ist das jetzt hart. Aber nun gut. Die Tweets existieren und haben genau das wieder gegeben, was ich in dem Moment dachte…
    Wir waren in Ingolstadt. Wir haben als Fans 40 min richtig Gas gegeben. Wir haben Kredit gegeben und uns voll reingehängt. Und was haben wir bekommen? Und wir haben heute auf eine Trotzreaktion gehofft…
    Aber was ein Auftritt nach dem Match in Ingolstadt. Wieder ohne richtigen Willen und letzten Einsatz (man lese nur den Kommentar von Köppchen im Donaukurier – „Einsatz und Willen“, das sagt vieles). Und wir dachten, das Spiel im Dorf wäre nicht mehr zu toppen. Leider wirkt diese Truppe inzwischen ohne echten Geist und/oder ohne ein sinnvolles Coaching (einige Spieler ausgenommen).

    Und ich muss gestehen. Sorry. Ich habe heute nach einer Pause wieder Kommentare auf facebook abgegeben. Auch zu anderen Trainern (die ich inzwischen lieber hätte). Mein Frust sitzt tief. Hätten wir einen Etat wie Staubing oder Augsburg wäre alles gut. Aber so sind Erwartungen da. Bei mir jedenfalls…

    Und noch: Fraser ist nicht mehr bei uns. Ich will diesen Namen nicht mehr hören. Er hat uns im Stich gelassen. Wir spielen mit diesen Spielern und diesem Trainerstab!! Und nur über diese sollten wir reden…

    Ansonsten: Kabitsky hat in Frankfurt nicht so viel Eiszeit. Aus meiner Sicht keine Alternative. Schwarz in der Defensive schon eher. Könnte kich mich mit anfreunden. Zustimmung bei den three Stars. Der Leo war schon im Dorf der beste Spieler (vielleicht der einzig Gute).
    An den Schiedsrichtern lag es sicher nicht. Da haben wir schon viel Schlechertes gesehen.

    Hoffen wir auf die Trotzreaktion am Dienstag…

  3. Heute einfach nur ein DANKE von mir Christoph – du sprichst mir aus der Seele was Trainer und Spieler angeht. Vor allem mit dem Teil „es gibt auch Sachen die ich nicht verstehe“. Ich habe schon langsam angefangen heute an mir zu zweifeln, weil ich immer versuche, andere Erklärungen zu finden als der Rest. Für die Anwesenheit von Dietsch oder für die „Schuldfrage“, egal was…ich finde das alles hier wieder und es beruhigt mich sehr zu lesen, dass ich nicht ganz allein so „quer“ denke. Du schreibst wirklich gut und heute fand ich es besonders lesenswert. Das möchte ich mal los werden. Ich finde es oft unheimlich schwer die richtigen Worte zu finden, um meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen und bei dir sieht es so spielerisch-leicht aus wie bei Reinprecht, wenn er seine genialen Rückhandschüsse auspackt. Und das immer so schnell…neben dem Spiel anfangen zu schreiben, aber dabei nichts verpassen ist auch eine Kunst. Ihr macht das alle super hier im Blog und darum freu ich mich schon wieder auf Dienstag. Hoffentlich lösen die Jungs ihre mentale Blockade dann, trinken Red Bull (hat bei München ja auch gewirkt) und spielen endlich mal wieder gut am Dienstag. Und wenn nicht – dann bleibt uns immer noch euer Blog am Ende des Abends und das ist auch was Schönes.

  4. Die Mannschaft wirkt blutleer. Für eine saisonale Schwächephase (die jedes Team durchläuft) dauert mir die Durststrecke schon viel zu lange … und sollte sie es trotzdem sein, muss sich das Trainerteam fragen lassen, ob die Trainingsperiodisierung die richtige war/ist, wenn im Dez/Jan die meisten Spiele anstehen.

    Der Auftritt gestern war in meinen Augen bezeichnend: Sie haben die ersten Minuten halbwegs ordentlich angefangen, sind dann aber nach dem schnellen 0-2 komplett verunsichert in sich zusammen gebrochen. Und ganz ehrlich, die letzten 10 Minuten dann als gemeinschaftliches Aufbäumen zu verkaufen finde ich dann doch daneben. Das war mehr oder weniger Patrick Reimer im Alleingang, der München mit famosen Einzelleistungen ins Wanken (kurzfristig) gebracht hat.

    München wäre gestern ein dankbarer Gegner gewesen: David Leggio war in meinen Augen einer der schwächeren Torhüter, die ich dieses Jahr gesehen habe, unglaublich viele kurze Reboungds direkt in den Slot, allerdings war wohl keiner unserer Stürmer bereit dorthin zu gehen (tut ja auch weh).

    In der Mannschaft stimmt irgendetwas einfach nicht mehr. Wenn Fraser tatsächlich der einzige Grund ist, warum es nicht läuft, dann muss Jiranek sich selbst massiv hinterfragen, denn dann hat er eine Mannschaft gebaut, die in der DEL nicht überlebensfähig ist.

    Sollte sich nicht schnell etwas ändern, bzw die Mannschaft ihren Faden nicht umgehend wieder finden, dann sehe ich schwarz … ich bleibe dabei: Mit Wilson wird es diese Richtungs Korrektur nicht mehr geben, daher ist es besser das Ganze eher schnell zu ändern. Die nächsten beiden Spiele gegen Mannheim und Berlin sind nicht unbedingt geeignete Aufbau Gegner.

  5. Ich glaube genauso wie bettina, dass es mit wilson nicht klappt. er hat meiner meinung ja auch bei anderen clubs nicht wirklich etwas bewirkt, wenn man von der meisterschaft in großbritannien ( diese grandiose eishockeynation) absieht. er schafft es nicht, dass talent dieser mannschaft zu wecken.
    das zweite große problem ist, dass wir im deutschen bereich zu schwach / el sayed, buzas, oblinger ) besetzt sind für ein team mit meisterschaftsambitionen

    wir haben spiele im dann gewonnen, wenn wir körperlich präsent waren, gestern sah das leider aus wie die abteilung eisballet

  6. Nach dem desolaten Auftritt in Ingolstadt war meine Erwartung an den gestrigen Auftritt ehrlich gesagt nicht besonders hoch. Insofern: Erwartung voll erfüllt.
    Aber natürlich ist das viel zu wenig, insbesondere gegen eine Münchner Mannschaft, die ja auch nicht gerade überragend gespielt hat. In der gegenwärtigen Verfassung dürfte es aber auch egal sein, gegen wen man spielt. In dieser Verfassung sind die Ice Tigers für jedes DEL-Team ein dankbarer Gegner.
    Den Beiträgen der bisherigen Kommentatoren ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Ein wiedermal schwacher Torwart, schlafmützige Verteidiger (beides z.B. vor dem 0:1 zu bestaunen), zu viele nur so genannte Leistungsträger (Foster, Murley, Seagal…Achtung: unvollständige Auflistung!), weitere Leistungsträger außer Form (Klubertanz, Reinprecht). Dazu gesellen sich noch unsere deutschen Spieler. Von Reimer (Hut ab vor ihm, wie er sich dagegen stemmt!), Weber und mit Abstrichen Pföderl abgesehen, sind diese zur Zeit (und manche nicht nur „zur Zeit“) schlichtweg selbst für eher bescheidene DEL-Ansprüche einfach nicht konkurenzfähig.

    Ja, irgendwoher kenne ich das, musste nur kurz recherchieren. Saison 2010/2011. Guter Start in die Saison und einige Zeit sogar Tabellenführer. Dann ging es kontinuierlich nach unten (siehe http://www.eishockeypedia.de/ehm/Thomas_Sabo_Ice_Tigers_2010/11). Am Ende reichte es gerade noch für den letzten Pre-Playoff-Platz, mit anschließendem Aus gegen Mannheim (wen sonst!?).

    Da kann man nur hoffen, dass die baldige Rückkehr unserer beiden Torhüter (wichtig!!!) und Ehliz irgendetwas Positives bewirkt.

    Zur Trainerfrage:
    Ich habe eigentlich viel von Wilson gehalten. War m.E. in erster Linie sein Verdienst, dass es in der letzten Saison noch zum Pre-Playoff-Platz reichte. Aber mittlerweile habe auch ich da meine Zweifel.
    Die im Bericht und in den Kommentaren gemachten Punkte haben durchaus ihre Berechtigung. Zum Beispiel die Umstellung in der ersten Reihe gestern. Den zwar glücklosen, aber wenigstens engagierten Buzas durch den seit Wochen mit der Dynamik einer Riesenschildkröte zu Werke gehenden Pfleger ersetzen? Unverständlich!

  7. Fraser kann ich echt nicht mehr hören. Der hat sich gedrückt und ist seit einiger Zeit schon weg. Keinem Spieler sollte sein Fehlen als Ausrede für seine eigene Leistung auf dem Silbertablett geliefert werden. Die beiden Spiele gegen Mannheim und Berlin werden zeigen, wo die Reise hingeht. Wenn wir da nicht gewinnen, hilft nur ein harter Cut und das kann nur ein Trainerwechsel sein. Iserlohn, Düsseldorf und Wolfsburg zeigen, wie es geht. Überschaubarer Etat, gute aber auch nicht nur überragende Spieler, exzellente(r) Torhüter und das Wichtigste: jeweils ein hervorragender Trainer, der offensichtlich den richtigen Zugang zu den Spielern hat und die richtige Taktik für sein Spielermaterial wählen kann. Kann Wilson da mithalten? Ist aber nun mal sein Job.

  8. Hieß es nicht, dass die Stimmung in der Mannschaft so toll sein soll?! Dann wundert es mich aber, dass man das auf dem Eis nur selten sehen kann.
    Klar, wenn man häufig verliert, hat kaum einer gute Laune. Aber ich tue mich schwer, ein Aufbäumen gegen das Formtief (eigentlich nicht der richtige Ausdruck für die seit November andauernde Schwächephase – mit Ausnahmen) zu erkennen. Gestern war so ein Paradebeispiel: über Zweikämpfe mit ausgefahrenen Checks könnte man so einem körperlich unterlegenen Gegner wie München den Schneid abkaufen und so ins Spiel finden. Aber dazu müsste man sich halt auch mal zerreißen.
    Entweder fehlt den meisten dazu das Timing (wieso?) oder schlimmer: die Lust. Und da sind wir bei der „Kameradschaft“ und beim „Charakter“.
    Manche Spieler (Foster, Murley, Segal,…) wirken wie Fremdkörper und das mitten in der Saison!!! Wie kann sowas sein???

    Ich will nicht wieder auf den Trainern herumhacken. Aber gestern war auch wunderbar zu beobachten, dass Coaching nur in der Kabine stattgefunden haben kann (wie bei Tuomie). Ansonsten stoische Ruhe oder Resignation?! Ungläubiges Schauen auf den Videowürfel nach den Treffern der Münchner. Kein Gespräch mit den Spielern, die bei den Gegentoren am Eis standen. Während der Powerbrakes keine Ansprache an die Spieler. Nichts. Warum???

    Entschuldigung: aber da stimmt doch etwas ganz und gar nicht.
    Wir sind in einer heißen Saisonphase und wirken wie in der Vorbereitung gegen Gegner wie den EC Wasweißich. Mit jeder Woche hat man das Gefühl, es wird schlechter anstatt besser.
    Ich bin mir dabei durchaus bewusst, dass eine Meisterschaft (werden wir so im Leben NIEMALS gewinnen) nicht im Januar entschieden wird. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass die Truppe mit einem Mal den Schalter umlegt und am Stück Spiele gewinnt und sich für jeden Zentimeter Eis zerreißt?

  9. Wir hatten genau einen Spieler, der die Mannschaft mitreisen konnte und das war Fraser! Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen aber seine Shifts haben das gesamte Team mitgerissen und dadurch war jede Reihe automatisch bissiger und lies sich nichts mehr gefallen. Seit seinem Abgang ist das alles verflogen. Das können auch ein Heatley, Reimer und Reinprecht nicht ersetzen, dafür sind sie nicht geholt worden und auch nicht die Typen dazu. Daher ist das Thema „Fraser“ eigentlich doch wieder in Mode, da sich auch das Trainergespann hier mal hinterfragen muss. Ob es für einen Spieler, der vor der Saison schon mit dem Karriereende liebäugelte, dann aber in der Preseason in einer guten Reihe vernünftig scort, förderlich war, permanent Reihenwechsel zu machen. Das ganze Thema Reihenwechsel darf man auch auf Segal ausweiten. Ihm geht es ja im Prinzip nicht anders.

    Die Aussagen von MJ hier interpretier ich mal so für mich, dass man sich durchaus schon kurz nach dem Abgang von Fraser bewusst war, welche Lücke er hinterlässt – dann muss ich mich schon fragen, warum man Beskorowany holt, der zudem bisher klar hinter den Erwartungen zurückbleibt? Schlechter hätte es der Lehr mit Sicherheit nicht gemacht.

    Des Weiteren muss man sich fragen, ob für den Zusammenhalt in einer Krise es wirklich sinnvoll war, bei jeder Verletzung sofort einen neuen Spieler zu holen. Aktuell betrachtet machte nur Martinovic Sinn.

    Sollte man diese Saison verkorksen wird auch der Ton für MJ rauer.

  10. Genau das Gegenteil habe ich geschrieben lieber Jens. Ich schließe mich dem Blog an und gebe den Trainern nicht die „Schuld“, denn für mich stellt sich keine Schuldfrage. Nur die Frage nach dem „was zum Henker ist mit unseren Spielern los?“. Wenn sie dem Game Plan folgen gewinnen sie…warum folgen sie ihm so selten?

  11. Hallo,

    als kleine Ergänzung noch zu den vielen richtigen Anmerkungen:
    1.) Wilson muss weg, ich sehe keinen Plan. Meiner Meinung nach er auch keinen Zugang zum Team, zumindest aber zu den Schlüsselspielern nicht mehr. Ansonsten wäre eine solche lustlose Leistung wie gestern nicht zu erklären.
    2.) Warum die 4. Reihe nach den besten 2 Saisondritteln der drei Jungs gestern im letzten Drittel nicht mehr spielen dürfte, zeugt für mich für die Konzeptlosigkeit. Ich muss das nicht erkennen können, aber die Spieler sollte zumindest einen erkennen…
    3.) Beskorowany ist leider bei weitem nicht die erhoffte Verstärkung, Jenike fehlt weit mehr als gedacht. Ich würde Lehr eine Chance geben.

    Reimer als „C“ ist gefordert, das Team wieder hinter sich zu scharen. Wenn das klappt, Deutsche und Importspieler an einem Strang ziehen, dann wird das auch was. Dass die Mannschaft was kann, steht imo außer Fragen.

    Herzliche Grüße
    Stefan

  12. Es wäre ja ein Jammer, wenn eine Mannschaft nach einem Spielerabgang komplett in sich zusammenfällt.

    Besko hatte sicher schon genügend Fehler, aber mit Lehr wäre es noch schlimmer. Es wird schon einen Grund haben, dass Frankfurt noch eine AL im Tor vergeben hat, trotz Lehr.

    Ansonsten herrscht bei mir Ratlosigkeit. Was ist nur aus der Mannschaft geworden, die zu Beginn der Saison so stark war.

    Ob schuld oder nicht schuld, bleiben die Siege aus, wird es Wilson den Job kosten. Da bin ich mir ziemlich sicher.

    Fliegauf und Groß wäre mein Wunsch gewesen, ist aber leider vom Tisch. Schade, auch für die Solariumindustrie in Nürnberg und Umgebung.

  13. @Stefan: Danke, du hast trotz dieser sportlichen Krise für Aufheiterung gesorgt. Der Satz mit Sonnenbank-Charly war überragend 🙂

    Ansonsten stimme ich auch insoweit zu, als dass meiner Meinung nach im Fall eines Trainerwechsels zwingend auch Jiranek entlassen werden müsste. So nett er auch sein mag, so groß seine Verdienste als Spieler auch sein mögen, so nachdrücklich hat er mittlerweile auch nachgewiesen, dass er sowohl als Trainer als auch als Sportdirektor eine Fehlbesetzung ist. Ich befürchte aber, dass man wenn dann nur Wilson entlässt und als Nachfolger mal wieder die naheliegende interne Lösung wählt. Wetten?
    Dauerhafter Erfolg ist aber nur mit zwei starken Personen auf beiden Positionen möglich, die gemeinsam ein klares Ziel verfolgen (Kuhl/Nethery, Lee/Page und Lee/Jackson, Fliegauf/Gross um einige Beispiele zu nennen). Nur so kann es die von vielen ersehnte Kontinuität und Etablierung einer Vereinsphilosophie geben (hatten wir sowas schon einmal?). Ich bin gespannt welche Gründe Jiranek in der NN für die Krise anführt. Sollte er tatsächlich den Abgang von Fraser als ausschlaggebend einstufen, wäre das in einer Mannschaftssportart geradezu lächerlich. Wir reden hier nicht über P.Reimer oder Reinprecht, sondern über einen sog. Rollenspieler, der seine Rolle in den 17 Auftritten in Nürnberg gar nicht gefunden bzw. zugewiesen bekommen hatte.

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