Spiel 31: Geschenke nach Weihnachten

Nur zwei Tore. Was anfangs aus Jux und Tollerei „wohl nicht reichen wird fürs Mitteldrittel“, wie der geschätzte Kollege Joachim Meyer von den Eishockey News spaßte, reichte fürs Mitteldrittel. Nur eben nicht mehr fürs Schlussdrittel. Eine souveräne 3:0-Führung gegen phasenweise stark überforderte Düsseldorfer, die sich von einer Strafzeit in die nächste schleppten, schafften die Thomas Sabo Ice Tigers an diesem Dienstagabend tatsächlich noch komplett herzuschenken – binnen 21 Minuten vier Gegentreffer in Folge zu kassieren und damit anstelle von drei oder zumindest zwei Punkten nur einen aus dem Spiel gegen den Tabellenzweiten vor Rekordpublikum mitzunehmen. Es waren eben wirklich nur zwei Tore. 

Die Fakten:

31 Spiele, 17 Siege, zwei davon in Verlängerung, einer nach Penalty-Schießen, 99 Tore, 90 Gegentore – Platz sechs.

Die Superlative:

Tore: 14, Patrick Reimer
Vorlagen: 23, Patrick Reimer
Punkte: 37, Patrick Reimer (damit Platz 1 in der DEL)
Plus: 9, Patrick Reimer, Marcus Weber
Minus: -10, Alexander Oblinger, Derek Joslin
Strafminuten: 69, Colin Fraser
Power-Play-Tore: 8, Dany Heatley
Unterzahltore: 1, Patrick Reimer, David Steckel
Siegtreffer: je 3, Derek Joslin, Steven Reinprecht, David Steckel
Schüsse: 152, Patrick Reimer (mehr als doppelt so viel wie Nürnbergs Nummer zwei, Brandon Segal/71)
Schussquote: 26 Prozent, Steven Reinprecht (vor Dany Heatley 22%)

Vom Eis, eins:

„Wir wollen die Mannschaft sehen“ (Düsseldorfer Fans schaffen es tatsächlich, eine Handvoll Spieler in Unterhosen aus der Gästekabine zu locken)

Das Spiel (präsentiert von Domina Miss Paula – ich diszipliniere Dich!):

Was war das für ein Auftakt. Kölner, die sich nur mit unfairen Mitteln zu wehren wussten, Ice Tigers, die ihre Gegner einschnürten, als gehe es darum, Altbier aus der DEG herauszupressen. Zehn Strafminuten, damit die Hälfte des ersten Drittels, verbrachte Düsseldorf in Unterzahl – das einzige, was es zu bemängeln gab am begeisternden Kombinationsspiel der Ice Tigers war, dass es nicht für mehr reichte als nur zwei Powerplay-Tore. Auch gelang es zweimal nicht, eine doppelte Überzahl zu nutzen. Aber wer wollte schon meckern nach einem Startdrittel mit einer Schussstatistik von 24:4, einer bezaubernden Kombination von Derek Joslin über den besten Nürnberger an diesem Tag, Leo Pföderl, der die Scheibe vom linken direkt weiter auf den rechten Pfosten leitete, wo es Steven Reinprecht sogar reichte, die Vorhand und nicht die Rückhand hinzuhalten. Und einem Tor von Patrick Reimer, so trocken abgezogen, dass alle 6773 Zuschauer einen Räusperdrang im Hals verspürten: Bamm – 2:0 – was sollte heute noch schief gehen?
Erst recht, nachdem das mit einiger Angst erwartete Mitteldrittel so gar nicht aussah wie eines dieser Mitteldrittel aus dieser Saison. Nein, Klubertanz, herrlich freigespielt, kann mit verbundenen Augen rückwärts auf dem Helm rutschend das 3:0 machen, donnert die Scheibe aber lieber aus dem Slot auf Max Niederbergers Fanghand. Immerhin, so dachte man, die Ice Tigers sind hellwach, Rob Wilson hat diesmal keine Schlaftabletten verteilen lassen in der Kabine. Und wieder zog Düsseldorf eine Strafe, die leider, wie so viele an diesem Tag, einiges an Kopfschütteln selbst bei den Nürnberger Fans hinterließ. Beskorowany machte gerade für den sechsten Angreifer Platz, da schickte Joslin David Steckel mit einem langen Pass an die blaue Linie direkt ins Angriffsdrittel – Bamm – 3:0. Und ich begann einen Text zu schreiben, wie schön das ist, dass die Ice Tigers all ihre Heimspiel-Lethargie endlich abgelegt haben. Der Twistman bereitete sich (leider) auf seinen großen Einsatz vor, Andi Lindner freute sich auf seine Ehrenrunde. Düsseldorf, soviel war spätestens nach der schadlos überstandenen 3-5-Unterzahl allen klar, an diesem Tag nichts würde mitnehmen können aus der Arena am Kurt-Leucht-Weg.
Bis, ja bis Tyler Beskorowany die Scheibe durch die Hosenträger rutschte. Ich musste den Shutout-Absatz aus meinem Printtext löschen, Beskorowany bearbeitete wütend mit seinem Schläger die Eiskristalle. Was aber folgte, war nun vor allem: Entsetzen. Entsetzen darüber, wie schnell all das Selbstvertrauen, all die Sicherheit aus dieser hocherfahrenen Mannschaft wich wie Luft aus einem Ballon. Das Mitteldrittel hatte sich verkleidet und war als Schlussdrittel wieder aufgetaucht, die Verteidiger irrlichterten regelrecht übers Eis, Fehlpässe über Fehlpässe unterliefen, Düsseldorf roch seine Chance und kämpfte sich ohne viel Mühe zurück ins Spiel. Die Folge waren die Tore 2:3 und 3:3, viel bezeichnender aber noch als diese späten Gegentreffer waren die Strafen, die sich nun die Ice Tigers einfingen – völlig unnötig und ein Zeichen der Verunsicherung und der verloren gegangenen Sicherheit. Das gipfelte im Stockschlag des schwächsten Nürnbergers an diesem Tage, Matt Murleys größte Undiszipliniertheit kostete seiner Mannschaft den Extrapunkt, den Norm Milley seinen Düsseldorfern mit dem vierten Tor in Folge sicherte.

Nach der Pressekonferenz, eins:

„Tim Schüle hat eine Muskelverletzung, wahrscheinlich ein Faserriss im Oberschenkel. Aber nichts am Knie.“ (Christof Kreutzer, DEG-Coach)

Der NN-Moment des Spiels (präsentiert von Crystal Meth und vor allem den Entzugsfolgen):

War lange Zeit das sehenswerte 1:0 gewesen, war dann jedes gottverdammte Powerplay, war die Leichtigkeit, mit der die Ice Tigers bereits träumen ließen von großen Playoff-Abenden, von einer langen Saison der Begeisterung, der Faszination, der allumfassenden Macht über jeden Gegner, der da kommen will. Und wurde dann doch ein hässlicher Nachschuss von Dmitriev, der sich irgendwie den Weg durch die Schoner von Beskorowany suchte und das Unmögliche einleitete.

Übertriebene Härte:

Matt Murley war von Minute eins an heiß. Überheiß. Keine Pöbelei, kein Gegner, kein Zweikampf, keine Hässlichkeit, die der US-Amerikaner an diesem Dienstagabend nutzte, um sich abzureagieren. Matt Murley war der personifizierte Stockschlag, das Hooking in Person, ein Faustkampf mit Kopf und zwei Beinen. Alles schön und gut, es richtete ja keinen Schaden an. Erst in der Verlängerung, als die Ice Tigers gerade eine späte Strafe aus der regulären Spielzeit überstanden hatten, kostete Murley in seinem schwächsten Spiel für die Ice Tigers den Extrapunkt mit einer Undiszipliniertheit – nein, mit einer Dummheit.

Nach der Pressekonferenz, zwei:

„Eishockey dauert 60 Minuten, also musst Du 60 Minuten spielen.“ (Martin Jiranek)

Aus dem Oberrang, eins:

„Aumüller raus, Aumüller raus.“ (diesmal intoniert von den Düsseldorfer Fans)

NN-Three-Stars:

Bronze: David Steckel. Nicht mehr so gut wie in den vergangenen Partien, aber trotzdem noch auf einem hohen Level. Kämpfte, arbeitete – und erzielte das 3:0. Tauchte dann ab, als die Mannschaft ihn gebraucht hätte.

Silber: Patrick Reimer arbeitete unermüdlich und versuchte voranzugehen und seine Jungs mitzureissen, als das Spiel begann, in den Abfluss zu fließen und Murley später die Spülung drückte. Reimer erzielte das 2:0, setzte sich damit an die Spitze der DEL-Scorerstatistik und war ein Kapitän, der sich nichts vorzuwerfen hat an diesem Tag- außer vielleicht den Breakaway in der Schlusssekunde, der ihn heute Nacht nicht schlafen lässt.

Gold: Leo Pföderl. Beeindruckend locker und selbstbewusst, scheibensicher und beweglich. Grandios seine Ruhe und Übersicht vor dem 1:0, holte sich auch einen Scorerpunkt vor Reimers 2:0. Verpasste es nur, selbst zu treffen – die Chancen dazu hatte der junge Tölzer.

Von der Pressekonferenz:

„Es war nicht einfach für mich und meine Mannschaft, wir waren ja gefühlt die ganze Zeit in Unterzahl. Aber ein Spiel muss eben immer erst bis zum Ende gespielt werden.“ (Christof Kreutzer)

Aus der Redaktionsstube: 

Einen guten Rutsch und bleibt uns auch im Jahr 2016 treu!

16 Kommentare in “Spiel 31: Geschenke nach Weihnachten

  1. Ab gesehen von der Tatsache, dass heute Montag ist/war, ist dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

    Dennoch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Seien wir froh, dass wir uns nur über so ein grausiges letztes Drittel aufregen müssen. Es könnte schlimmer sein. In diesem Sinne bis Sonntag und dann ist ja glücklicherweise schon 2016.

    Ein Statistiker

  2. Nun ja. Da ist sicher viel Richtiges dabei. Doch für mich war dieses letzte Drittel und damit auch der Verlust der Punkte nicht nur ein Problem der Spieler sondern vor allem des oder auch der Coaches.

    1. Nach dem 3:1 durch die DEG hat die 4. Reihe nur noch einen Wechsel gehabt (bitte korrigieren, wenn ich falsch liegen sollte). Teilweise waren die Spieler so müde vor den Gegentoren, das wir ja darum gebettelt haben. Es war jeweils kommen zu sehen. Die #39 hat ein gutes Spiel mit extrem viel Eiszeit gemacht, bis die Müdigkeit eintrat. Als Coach muss ich das sehen!!
    2. Der schlechteste Spieler auf Nürnberger Seite war sicher nicht unsere #19, auch wenn der Tag vielleicht nicht gut war. Ab Mitte des 2. Drittel hätte ich Borer keine Minute Eiszeit mehr gegeben. Doch statt Weber mehr Eiszeit zu geben, kurvt die #5 wild durch die Gegend und spielt wieder Rückhandpässe blind durch das eigene Drittel zum Gegner. Dafür bekommen die Coaches die Note 6. Und bezüglich der Qualität von Weber bzw. Nicht-Qualität von Borer lernt es Wilson wohl nicht mehr.
    3. Auch wenn es im letzten Drittel um die Rettung von 3 Punkten ging, muss ich als Coach weiter denken. Es stehen harte Wochen an. Bei dieser Verteilung von Eiszeit (sorry, immer noch dieses Thema) laufen wir ab nächster Woche auf dem Zahnfleisch herum, und damit auch ohne Punkte.

    Meine Unzufriedenheit mit diesem Coach wächst von Woche zu Woche.

    Wünsche allen einen guten Rutsch
    Auch wenn wir am Mittwoch im Dorf sicher noch viele treffen werden 😉

  3. Alles schon schön gesagt und wunderbar ergänzt von Frank Strube. Weber hatte heute viel Eiszeit, aber es wird echt Zeit, ihm komplett den Platz von Borer zu geben und ihn auch in Unterzahl endlich ran zu lassen. Eine Frage hätte ich noch: Wann war bitte Köln mit am Eis? Spielen zwar auch gern unfair, aber dieses Mal war es nur die DEG.

  4. was soll man noch sagen? Ehrlich gesagt bin ich einen Tag danach sprachloser als direkt nach dem Spiel. Ein 3-0 auf diese Art und Weise zu Hause zu verspielen hab ich auch noch nicht erlebt.

    Murley als schlechtesten Spieler und ihn jetzt so quasi den Verlust des Extrapunktes anzukreiden halte ich für falsch. Da führst du relativ sicher mit 3-0 und es hätte im 1. Drittel sogar höher sein können wenn man das PP effektiver gestaltet hätte aber man verliert nach dem ersten PP der DEG schleichend den Faden, dass man sowas hat ahnen können. @Frank: auch das müssen die Coaches sehen und eingreifen, da bin ich absolut bei dir.
    Dann folgt im letzten Drittel für mich ohne Grund das Rausnehmen der 4. Reihe und auch der erneut starke Buzas sah im Schlussdrittel nicht mehr viel Eiszeit. Da fragt man sich schon warum, da gerade bei der 4. Reihe und Buzas doch die Tendenz klar nach oben geht.
    Was mit Borer in der zweiten Drittelpause passiert ist wäre auch mal interessant – bis dahin war er ja ganz solide aber dann? Das war richtig schlecht.

    Beskorowany sieht auch bei den Gegentoren nicht gut aus – das erste geht klar auf ihn und bei den anderen war er teilweise zu schnell unten und beraubt dann durch die fehlende Mobilität seiner größten Stärke: seinem Körper. Wäre da Jenike im Tor gewesen wäre die Hölle los gewesen in Facebook und wahrscheinlich auch mal wieder im Forum.

    Die DEG hat mit relativ einfachen Eishockey ihre Tore gemacht und Nürnberg mal wieder vorgeführt wie schnell und einfach es gehen kann. Bin mir sogar sicher, dass wenn die DEG in der letzten Minuten der reg. Zeit den Goalie zieht im PP auch da noch das 4:3 machen kann aufgrund des Oberwassers und unserer Verunsicherung.

    Jiranek will jetzt wohl mal wieder reden und analysieren, dass passiert in letzter Zeit ja wohl auch öfter aber der „Erfolg“ scheint auszubleiben. Bisher gemessen an Materialeinsatz und Erfolg kann man mit dem jetztigen Auftritten in dieser wichtigen Phase der Regular Season alles andere als zufrieden sein.

  5. Reden und Analysieren, das kann ich beides auch langsam nicht mehr hören. Irgendwas stimmt für mein Empfinden nicht mit der Mannschaft. Entweder kapiert sie es nicht, oder sie wollen es nicht kapieren. Bis zum 3-0 ist alles ok, nach dem 3. Tor geben wir auf einmal eine 2-1 oder 3-2 Situation nach der anderen her, völlig unnötig. Genau hier muss schon die Auszeit von Wilson kommen. Wer dann defensiv nicht arbeitet muss sitzen.

    Aber Wilson und Jiranek reden und analysieren ja lieber. Aktuell würde eine harte Hand oder ein klares Zeichen an die Mannschaft mehr helfen. Manchmal habe ich aber auch den Eindruck, die Mannschft spielt gegen das Trainerteam.

    Evtl haben die Herren NHL-Spieler auch keine Lust sich von Wilson belehren zu lassen, der ja selber nur in Buschligen gespielt oder trainiert hat.

    Langsam habe ich auch Zweifel am Charakter dieser Mannschaft. Und ein Fraser wird immer schmerzlicher vermisst.

    So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Natürlich wird wieder knallhart geredet und analysiert, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir Rob Wilson nicht mehr lange hinter der Bande sehen werden, zumindest bei den Ice Tigers.

    Laut Jiranek soll sich die Mannschaft ja Monat für Monat weiterentwickeln und besser werden. Dumm nur, dass September und Oktober unsere besten Monate waren. Aber auch da hilft vermutlich nur Reden und Analysieren.

  6. Ich versuche es zunächst mal mit einigen Zahlen:
    Wir haben jetzt nach 31 Spielen 51 Punkte geholt, was einem Schnitt von 1,645 PPG entspricht. Hochgerechnet auf 52 Hauptrundenspiele ergäbe das 85,548 Punkte. In der letzten Saison hätte das für Platz 7 gereicht. Iserlohn wurde mit 86 Punkten Sechster (1,653), Wolfsburg mit 84 Siebter (1,615) . Damals hatte nach dem 31. Spieltag der Sechste, Wolfsburg, 52 Punkte auf dem Konto (bei allerdings schiefer Tabelle). Man könnte also mit viel Wohlwolllen sagen, dass wir uns haarscharf noch im grünen Bereich befinden was die Punkte anbelangt – wenn das Ziel Platz 6 heißen sollte.

    Jetzt kommt aber der eigentlich besorgniserregende Teil – und das sind spätestens seit dem Deutschland-Cup viele schwächere Leistungen mit teilweise unfassbaren Schwankungen innerhalb der Spiele. Und kein Zuschauer hat das Gefühl, dass da von der Bande jemand Einfluss auf das Geschehen auf dem Eis hätte. Entweder es läuft dank der individuellen Qualität etlicher Spieler – oder eben nicht. Im zweiten Fall entgleitet der Mannschaft das Geschehen dann völlig. Und diese Sequenzen gibt es nahezu in jedem Spiel. Taktische Maßnahmen oder personelle Veränderungen wenn einzelne Spieler völlig daneben liegen? Fehlanzeige! (und falls doch, sind sie zumindest für den Außenstehenden gut versteckt).
    Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass wir es in diesem Jahr mit dem vorhandenen Kader definitiv in die Top 4 schaffen könnten. Selbst wenn die momentane Schwächephase der Mannheimer (deren größter Schwachpunkt wird nach dem Spengler-Cup vermutlich bald entfernt…) demnächst beendet ist, bin ich doch der Meinung, dass wir klar besser als die DEG und Iserlohn besetzt sind und zumindest diese zwei Teams verdrängen müssten. Hinter den Eisbären, München und Mannheim sollte mit diesem Kader dann schon ohne großen Abstand Nürnberg kommen. Düsseldorf hat dank des gestrigen glorreichen Auftritts allerdings schon sechs Punkte Vorsprung herausgeholt…

    Ich verstehe nicht, warum Thomas Sabo sein hart verdientes Geld Jahr für Jahr mit stetig erhöhtem Budget komplett in die Mannschaft investiert, sich aber auf der Trainerposition seit seiner Übernahme der GmbH immer mit kleinen Lösungen zufrieden gibt. Gustafsson war die einzige Ausnahme, konnte aber als Feuerwehrmann die Saison 12/13 auch nicht mehr wirklich retten.
    Was gerade in so einer wechselhaften (Söldner-)Liga wie der DEL ein starker Coach ausmacht, der eine klare Struktur einbringt, sieht man aktuell am Beispiel Mannheim im direkten Vergleich Ward – Ireland.
    Trotzdem: Es bleiben noch 21 Spiele in der Hauptrunde und nach wie vor ist alles möglich.

    Euch allen einen guten Rutsch und auf ein nicht nur sportlich erfolgreiches Jahr 2016.

  7. @Flo: der Gustl hätte hier was aufbauen können, wenn man ihn für die Folgesaison Vertrauen geschenkt hätte. So ein Trainer wäre auch jetzt sicherlich keine schlechte Besetzung, da jetzt auch das Team eher zu seinem Stil passt.

    @Stefan: ja, Frasers Abgang wiegt sehr schwer. Hatte eigentlich gehofft, seinen Abgang erst in den POs zu spüren.
    Ja, diese Vermutung mit Wilson hatte ich gestern auch schon mal, dass er zu wenig Erfolge als Coach in namhaften Ligen.
    An Charakter mangelt es sicherlich nicht, allerdings fehlt jemand, der öfters auch mal wieder an diesen erinnert – entweder mal ein richtiger Leader auf dem Eis, der nicht nur spielerisch Akzente setzt oder jemand hinter der Bande.

  8. WILSON RAUS !

    Zugegeben, das ist polemisch, aber in meinen Augen trotzdem die einzig mögliche und richtige Entscheidung. Zum wiederholten mal ist er nicht in der Lage (bzw in seinen taktischen Möglichkeiten zu eingeschränkt) auf Wendungen im Spiel zu reagieren, bzw auch mal einen vermeintlichen „Leistungsträger“ zu „benchen“.
    Ob Murley nun gestern der Schwächste war oder nicht ist eigentlich müßig, ich möchte da nicht zwischen Borer, Murley, El-Sayed und Obliger entscheiden müssen … und auch unser Star-Goalie hat bisher auch noch keine einziges Spiel gewonnen, dafür aber schon einige verloren.

    Erschreckend, dass seit dem Abgang von Fraser diese Anhäufung von NHL Stars und Sternchen in sich zusammen fällt und ihr Eigenleben aufgegeben hat.

    Ich glaube einfach nicht mehr daran, dass Wilson es im Endspurt hin bekommt, nochmal Feuer in der Mannschaft zu entfachen. Lieber jetzt feuern und einen renomierten Coach a’la Huras holen (bevor die Mannheimer zuschlagen).

    Wilson ist ein großer Teil des Problems, aber kein Teil der Lösung mehr …

  9. Es wurde schon vieles gesagt, das meiste davon völlig zurecht. Das Spiel hatte alles, was ein echtes Playoff-Spiel braucht: Härte, schöne Tore, dreckige Fouls, fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen und…..eine Niederlage der Ice Tigers.

    Wirklich bezeichnend, dass eine so erfahrene Mannschaft 2 Drittel lang einen Gegner regelrecht an die Wand spielt, um dann im letzten Drittel durch Inkonsequenz, Dummheit und Nervosität dem Totgeglaubten nochmal ein solches Comeback zu ermöglichen. Man kann von Colin Fraser und seinem Abgang denken was man will. Gestern hat man ihn schmerzlichst vermisst. Casey Borer und Matt Murley dürften, meinetwegen gerne gemeinschaftlich mit Marc El-Sayed, das Geschehen in der Saturn-Arena von den Zuschauerrängen verfolgen, wenn ich etwas zu sagen hätte (manchmal habe ich generell den Eindruck, wenn ich etwas zu sagen hätte, liefe es besser…das Gefühl kennen hier aber wohl einige).

    Die Verteilung der Eisziet ist ein echter Evergreen. Steckel, Printz und Reinprecht waren praktisch durchgängig auf dem Eis, letzterer durfte erneut seine Qualitäten als Unterzahlspezialist zeigen. Jedes mal, wenn ich das sehe, überkommt mich der innere Drang Rob Wilson am Hals zu halten. Ich habe mich aber im Griff.

    Beskorowany schwankt derzeit noch stark zwischen Genie und Wahnsinn. Wie schon in Köln immer für einen Weltklasse-Save gut, mindestens genauso oft allerdings für ein Softgoal. Anders formuliert: Da ist noch sehr viel ECHL dabei. In dieser Verfassung werden wir in den Playoffs einen deutschen Torhüter zwischen den Pfosten sehen.

    Ich hätte mir nicht Träumen lassen, das bei dieser Mannschaft einmal schreiben zu müssen, aber: Gestern hätte es gerne ein bischen mehr Härte sein dürfen. In Reihen der DEG hatte sich zwischenzeitlich eine zweistellige Zahl an Spielern für einen ordentlichen Faustkampf beworben. Wir haben Spieler, die das können, aber man muss den Hund auch mal von der Leine lassen. Speziell, wenn ein Spiel zu kippen droht.

    Zum Abschluss ein paar deutliche, weltuntergangsprophetische Worte (hat schließlich Tradition hier): Diese Mannschaft muss in die TOP 6, alles andere ist eine Enttäuschung. Diese Mannschaft muss in Halbfinale, wenn nicht mit diesem Personal, wie dann? An diesen Zielvorgaben wird sich im Nachgang jeder Einzlene messen lassen müssen. Werden die Ziele nicht erreicht, wird es ein unruhiger Sommer.

    Der Bloggemeinde und den Autoren ein gutes neues Jahr und eine gesundheitliche Verfassung, die den enormen emotionalen Verwerfungen, die dieses Team gelegentlich produziert, standhält!

  10. Zunächst mal muß ich sagen, daß ich nicht begeistert davon war, daß Wilson Headcoach wird. Ich hätte mir auch einen Trainer mit mehr Erfahrung/Standing etc. gewünscht. Und ich bin ebenfalls der Meinung, daß man für die Trainerposition einen nicht unerheblichen Teil des Budgets investieren sollte.

    Mit Gustafsson hatten wir ja für ein paar Monate mal einen echten „Kracher“ als Trainer. Ich weiß nicht warum man ihn nicht länger gehalten hat, aber aus meiner Sicht fällt nun mal auf, daß es offensichtlich nicht gewollt ist, daß ein „mächtiger“ Trainer hier arbeitet. Ein Trainer, der auch, evtl. unbequeme, Forderungen stellt. Wir hatten seit der Saison 10/11 sieben (!!) verschiedene Trainer und alle waren entweder DEL-Neulinge oder eben in weniger starken Ligen tätig (Ausnahme Gustafsson). Und die waren daher wahrscheinlich eher „dankbar“, daß sie eine Chance in Nürnberg bekommen haben. Insofern kann ich mir ungefähr die Lösung vorstellen, wenn man Wilson „beurlauben“ sollte. Dann wird nämlich Jiranek wieder bis zum Ende der Saison übernehmen und nächste Saison kommt halt wieder ein anderer „Dankbarer“ für ein paar Monate dran.

    Daher halte ich überhaupt nichts von der jetzt wieder reflexartig aufkommenden Polemik. Wir werden in Nürnberg nur dann erfolgreich werden, wenn wir auf der Trainerposition endlich mal Konstanz haben.

  11. Es drängt sich tatsächlich der Verdacht auf, dass man mit Wilson als Head nicht das große Los gezogen hat.
    Der Eindruck, den die Mannschaft – sagen wir mal seit Anfang/Mitte November – zuweilen hinterlässt, lässt nicht gerade auf irgendeine Handschrift vom Coach schließen.
    Die Tendenz (spielerisch wie tabellarisch) geht seit dieser Zeit doch eher Richtung Pre-Play-Off-Plätze. Ein paar Lichtblicke zwischendrin mal ausgenommen. Aber abgesehen vom Papier her, sind wir von einem Spitzenteam doch ein ganzes Stück weg. Und das ist für den zahlenden Fan schon einigermaßen irritierend. Denn ich wage mal zu behaupten, so eine namhafte Truppe gab es in der Geschichte der DEL noch nie.
    Klar hat man mit personellen Rückschlägen zu kämpfen. Fraser fehlt der Mannschaft als Typ sicher ungemein. Verletzungen von Reimer, Jenike, Ehliz. Totalausfälle wie Oblinger und El-Sayed. Klubertanz trifft nicht mehr so wie letztes Jahr (wird aber meines Erachtens als Blueliner nicht mehr optimal eingesetzt).
    Aber alles in allem ist das immer noch eine Wahnsinns-Truppe, die da am Eis steht. Ohne erkennbare Linie von außen (Stichwort Spielsystem?). Mit unerklärlichen Leistungsschwankungen (zu wenig Einfluss der Coaches?). Ungleich verteilte Eiszeit…mangelndes Selbstvertrauen einzelner Spieler (-> Thema Eiszeit). Ich denke, da gibt es schon einige Punkte, an denen sich die Arbeit eines Trainers messen lassen kann und muss. Und vielleicht wird das intern auch schon diskutiert.
    Aber dann muss man sich auch den Vorwurf gefallen lassen, wieso man sich regelmäßig auf Experimente auf der Trainerposition einlässt, sich aber seit vier Jahren RICHTIG starke Spieler leistet?
    Das passt für mich einfach nicht zusammen in dem Gesamtkonstrukt Ice Tigers.

  12. Hallo,

    dass ich kein Fan von Mr. Wilson bin, sollte ja bekannt sein.
    Dennoch, 40 Minuten waren gestern gutes, zeitweise, primär im ersten Drittel, hervorragendes Hockey. Schnell, direkt, konsequent nach vorne und nach hinten.

    Der Einbruch im letzten Drittel ist nicht nur mit dem Spiel mit drei Reihen und dem Fehlen von C. Fraser (ich sag dazu ja nix mehr :-)) zu beantworten. Wir haben Erfahrung von weit mehr als 1600 NHL Spielen und DEL – Spiele ohne Ende auf dem Eis. Diese Truppe MUSS ein solches Spiel nach Hause bringen. Mit drei Reihen, ohne Fraser, mit Bohrer und ohne Trainer.

    1998/99 war nicht Peter Ihnacak unser Leader, sondern S. Momesso, 2007 war es Shawn Carter. So jemand fehlt uns aktuell. Reino ist es ja nicht, Reimer wohl auch nicht… Ich hoffe, Stackel wird diese Rolle annehmen und das Team führen. Potential und Erfahrung hat er, allerdings noch keinen Draht zu den deutschen Spielern. Wenn das noch kommt, wird’s was. Wenn nicht… genau.

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  13. @Bidole: Da hast du aus meiner Sicht aber zwei sehr unglückliche Beispiele gewählt. Peter Ihnacak war ja gerade einer der wenigen wirklich starken Trainer in der Nürnberger DEL-Zeit. Der hatte selbst über 400 NHL-Spiele auf dem Buckel und war sehr durchsetzungsstark und unbequem gegenüber der Führung, was letztendlich auch zum Zerwürfnis mit Sykora geführt hat. Momesso war natürlich sein verlängerter Arm, aber taktisch war Ihnacaks Einfluss mit dem in Nürnberg zuvor nicht gesehenen attraktiven Offensivhockey schon immens. Und 2007 hat Benoit Laporte ebenfalls einen sensationellen Job gemacht und eine sehr homogene Mannschaft geformt. Carter habe ich dabei allenfalls als Durchschnittsspieler im Erinnerung. Wenn man aus dieser Mannschaft jemanden herausheben will, dann vielleicht eher Pollock mit knappen 30 Toren als Verteidiger und Andre Savage als begnadeten Spielmacher.
    Aber nochmal die Kernaussage: Somit hatten wir in den beiden erfolgreichsten Jahren der Vereinsgeschichte zwei kantige, manchmal auch etwas mürrische, aber unbestritten fachlich kompetente und in der Mannschaft anerkannte Trainer mit Autorität und Ausstrahlung. Daraus sollte man die geeigneten Schlüsse ziehen. Spieler mit Führungsqualität und Erfahrung haben wir aus meiner Sicht definitiv genügend wie du selbst völlig zutreffend geschrieben hast.

  14. @Flo:

    Ja, Laporte habe ich gerne hier in Nürnberg gehabt. Mag kantig gewesen sein, aber hatte eine Spielidee und konnte diese Umsetzten. Aber er hat ebenfalls nie NHL oder höherklassig gespielt (zumindest wüsste ich das nicht…) oder als Trainer irgendwo einen Titel geholt, oder? Also wo ist der Unterschied zu Wilson? Shawn Carter wird leider unterschätzt, frag mal Martin Jiranek, wer in der Kabine die Ansagen gemacht hat… 🙂

    Für Ihnacak waren wir die erste Trainer – Station. Die Ansagen gab Momesso. Schau Dir die Saison 99/00 an, als Sergio in Köln war. Schönes Hockey gab es nur beim 8:irgendwas im 1. Saisonspiel gegen Mannheim. Dann war wurde nur noch Pizza geworfen, legendäre Grausamkeiten wie die gnadenlose Niederlage gegen Oberhausen mit Wella – Suppe blieben in Erinnerung.

    Denke, auch wenn wir bei den Trainern keinen Konsens haben, dass wir einen Leader brauchen steht außer Zweifel! Aktuell lässt sich das Team im Dorf schlachten…

    Herzlicher Gruß
    Stefan

  15. So, zurück aus Ingolstadt und ich muss jetzt einfach Dampf ablassen!

    Ernüchterung pur. Das ist jetzt mal die Kurzzusammenfassung des heutigen Abends.
    Im ersten Drittel noch gleichwertig und sogar mit den besseren Möglichkeiten, obwohl schon in dieser Phase mit teilweise haarsträubenden Fehlpässen im eigenen Drittel. Das 0:1 muss Beskorowany auf seine Kappe nehmen. Es wird immer deutlicher, warum es bei ihm zuletzt nichtmal mehr für die AHL reichte.

    Im 2. Drittel dann das schnelle 0:2 (zumindest diskussionwürdig, ob das regelkonform war). Aber was die Ice Tigers ab diesem Zeitpunkt abgeliefert haben war dann nur noch peinlich! Ingoldstadt minutenlang mit Katz-und-Maus-Spiel im Nürnberger Drittel, Gegenwehr gleich Null, kein Plan, katastrophales Zweikampfverhalten, viel zu langsam (körperlich und geistig!), usw. Einfach unterirdisch!

    Die Ingolstädter im letzten Drittel dann nur noch mit angezogener Handbremse, was den Tigers die Möglichkeit eröffnete, ihre Hillflosigkeit auch im Spiel nach vorne nachdrücklich unter Beweis zu stellen. Das gipfelte in einem fünfminütigen Überzahlspiel, teilweise mit 6 gegen 4, nachdem Beskorowany sein Tor verlassen hatte. Nicht ansatzweise eine gefährliche Situation in fünf Minuten!!!

    Damit sind wir bei der Trainerdiskussion, die hier ja schon voll entbrannt ist. Ich war da bisher eher zurückhaltend. Aber wenn ich mir den Trend der letzten Wochen anschaue, dann kommen mir da langsam auch Zweifel. Eigentlich sollte es doch Monat für Monat immer besser werden (O-Ton Jiranek)…

    Entweder die Mannschaft ist konditionell nicht auf der Höhe (wäre eine Erklärung für die Aussetzer in diversen Dritteln), oder die Trainer sind nicht mehr in der Lage, das Team entsprechend einzustellen bzw. zu motivieren. Wenn ich mich daran erinnere, wie Wilson nach seinem Amtsantritt in der letzten Saison auf der Bank während des Spiels die Spieler anfeuerte und das mit der aktuellen Situation vergleiche: da kommt nicht mehr viel. Dazu kommen die an dieser Stelle schon mehrfach zu Recht beschriebenen und kritisierten taktischen Maßnahmen.

    Nachdem einige Zeit wenigstens die Auswärtsspiele erfolgreich gestaltet werden konnten, ist nun zuletzt auch diesbezüglich eine besorgniserregende Entwicklung festzustellen.

    So, genug gejammert. Ich wünsche Euch einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

  16. War ja offensichtlich eine richtige Trotzreaktion gestern … da hat der Trainer wohl an die Ehre appelliert …

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