Spiel 6: 47 in ’16?

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So, aufgepasst, der Blog-Onkel erzählt von früher, als die Stimmung noch gut, die Winter noch kalt und das Linde-Stadion der schönste Eishockeytempel der Welt war: Eishockey-Spiele haben auch in dieser wunderbaren Zeit bereits 60 Minuten gedauert, allerdings habe ich davon allenfalls 30 Minuten mitbekommen, weil ich das Geschehen nur dann mit voller Aufmerksamkeit verfolgt hatte, wenn Wayne Thompson und/oder Ray Podloski daran beteiligt waren. Zwei Ausländer waren damals erlaubt und als der Gretzky-gleiche Spielmacher und sein großer Torjägerkumpel an der Äußeren Bayreuther wirbelten, war ich erstmals reif für diese Sportart. Selbst zu Zeiten von Coldwell, Kosturik oder Richter war mir die Lachssemmel meist wichtiger als das Spiel selbst. Dass Peter Netzsch ein großartiger Arbeiter war und dieser Martin Müller auch kein ganz schlechter Spieler, bekam ich schon mit, voll konzentriert aber war ich nur, wenn Podloski und Thompson über die Bande sprangen. Nur dann konnte etwas Außergewöhnliches passieren, nur dann erstrahlte das Linde-Stadion. 25 Jahre später kehrte die selektive Wahrnehmung zurück. Dany Heatley materialisierte sich auf Nürnberger Eis – und wahrscheinlich ging es nicht nur mir so, dass man stets nur Wechsel der ersten Reihe herbeisehnte. Zum Glück hat der Heater früh getroffen – sonst hätte man so manch bemerkenswerte Szene verpasst. (Ein Blogeintrag von Christoph Benesch und Sebastian Böhm) Weiter lesen

Spiel 3: Luongo, Getzlaf und Toews

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Ryan Getzlaff (hier mit Corey Locke)

Das Beste zuerst: Der Sohn von Kyle Klubertanz ist wieder da. Dieselbe Brille, dieselbe Körpergröße, derselbe Coolheitsfaktor.
Das Zweitbeste: Eine Nachricht – und was für Gerüchte. Ryan Getzlaf wurde mit Thomas Sabo beim Mittagessen an der La Rambla gesehen. Jonathan Toews soll bereits mit Martin Jiraneks Kindern auf irgendeiner Straße in Nürnberg Rollhockey gespielt haben. Und Roberto Luongo war mit Christoph Sandner gemeinsam im Sonnenstudio. ANGEBLICH, liebe Freunde. Aber was ist seit Donnerstag eigentlich noch „klar, nur ein Scherz“, was Realität, was Wahnsinn, seitdem die Thomas Sabo Ice Tigers bekannt gaben, dass sie einen 34-jährigen Deutsch-Kanadier mit Knieproblemen verpflichteten, der in der vergangenen Saison in der NHL in sechs Spielen keinen einzigen Punkt (-4) erzielte und deshalb kein Vertragsangebot mehr bekam. Was, Yan Stastny spielt wieder in Nürnberg? Ach ne, der ist ja Amerikaner… Die Rede ist natürlich von Dany Heatley. Wenn Martin Jiranek sich morgen hinstellt und sagt: Wir sind an Patrick Roy dran – wird noch irgendjemand laut schallend loslachen? Oder wird man insgeheim denken: Ja, der Andy Jenike ist schon ein guter Mann, der Jochen Reimer ja verletzt, also, mal ehrlich, wenn man den Roy mit seinen bald 50 Jahren haben kann… ach, die Welt ist doch verrückt geworden. Schon nach dem dritten Spieltag.

Die Fakten:
3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen, 3 Punkte, 9:13 Tore. Zu Hause: 2 Spiele, 1 Sieg, 1 Niederlage, 7:8 Tore. Auswärts: 1 Spiel, 1 Niederlage, 2:5 Tore.

Superlativen: 
Topscorer: Yasin Ehliz, 3 Spiele, 1 Tor, 5 Assists, 6 Punkte.
Bad boy: Brandon Segal, 3 Spiele, 14 Strafminuten
Plus: David Printz, 3 Spiele, +2
Minus: Derek Joslin, 3 Spiele, -5
On a hot streak: Yasin Ehliz (5 Assists, 1 Tor in den letzten 3 Spielen)

Die Partie:
Ein durchwachsener, gehemmter Start, ein offensiv grandioses Mitteldrittel, ein starker Schlussspurt mit beinahe noch katastrophalem Schlussakord. Aber immerhin: 3 Punkte, die ersten in dieser Saison. Das, wohlgemerkt, gegen den deutschen Vizemeister ERC Ingolstadt und ohne Steven Reinprecht (und noch ohne Dany Heatley, Ryan Getzlaff, Patrick Roy und Jonathan Toews). Zwischen dem 2:2 und dem 5:2 eine Vorführung von dem, was möglich ist mit dieser Mannschaft. Zwischen dem 1:0 und 1:2 sowie 5:3 bis 5:4 eine Vorführung von dem, was noch das Problem ist bei den Ice Tigers.
Klammert man das Startdrittel aus (und das würde ich so ziemlich jedem empfehlen – 7 Torschüsse der Ice Tigers, insgesamt davon lächerliche zwei Schüsse in vier Überzahlminuten) und die letzten zwei Minuten, ein guter Auftritt der Mannschaft, die vor allem deutlich unberechenbarer ist als in der Vorsaison. Man hat den Eindruck, wie Florian Jennemann (Gastbeitrag siehe weiter unten) treffend formulierte: Da kämpfen einige bereits um ihre Plätze für die Zeit, wenn Heatley da ist.
Ein nahezu überragender Kyle Klubertanz mit zwei beziehungsweise 1,5 Treffern (da war doch Leo Pföderl noch dran?), ein starker, spielfreudiger Marco Pfleger, ein wieder beeindruckender Yasin Ehliz, ein in den entscheidenden Momenten sehr cleverer, erfahrener Colin Fraser, ein solider Casey Borer – die Ice Tigers sind mehr als nur noch Ehliz/Reinprecht/Reimer. Leider aber sind sie im Kollektiv noch nicht soweit, so dass sie noch Gefahr laufen, sich eine 5:2-Führung in den letzten zwei Minuten noch einmal streitig machen zu lassen, nur weil, frei nach Pfleger, „der Greilingers Thomas anfängt hart und platziert schießen zu tun“. Und weil Andy Jenike eben doch nur Durchschnitt ist.

Von der Eisfläche I:
„Der Sieg ist wahnsinnig wichtig für den Kopf. Wenn man mit zwei Niederlagen startet ist das immer schlecht. Das heute gibt uns Selbstvertrauen – immerhin ist Ingolstadt eine starke Mannschaft, die nicht zu unrecht in den vergangenen zwei Jahren jeweils im Finale stand“ (Kapitän Patrick Reimer)

Der NN-Moment of the Game (presented by Brunswick Pool Billard Tables):
Als Kurtis Foster sich gerade einmal etwas bückte, um zum Videowürfel hinunterzublicken, sich dann noch weiter herunter bis übers Eis beugte, so dass es kurze Zeit nachtfinster in der Arena wurde und sich durch den plötzlichen Temperatursturz in sekundenschnelle Eiskristalle am Plexiglas bildeten, da sprang Kurtis Foster auch noch der Puck vor die Kelle. Er dachte nicht lange nach und holte aus. Foster zog den Schläger wie immer weit zurück, die Kelle durchpflügte am Wendepunkt den Gardasee, schubste zwei Lkw vom Brenner und schoss dann nach vorn über Kufstein, München, Ingolstadt, um die Scheibe tief zu schicken. Eigentlich. Wäre da nicht ein Linesman gestanden. Gerade so, dass der Puck derart billardmässig abgefälscht wurde, dass er plötzlich nicht mehr Richtung Hintertorumrandung jagte, sondern geradewegs in Richtung Ingolstädter Tor trudelte. Timo Pielmeier reagierte überrascht – also gar nicht – und es stand 3:2 für die Ice Tigers. Wirklich? Natürlich nicht. „Des is nedd wie beim Fußbolln“, klärte der freundliche DEL-Offizielle auf der Pressetribüne sofort auf. „Ja, aber der Schiri is doch Luft, beim Fußball, da ist der Schiri aber doch Luft“, versuchte NZ-Kollege Horst Dittmann aufgeregt noch mehr Details herauszukitzeln. „Eben nedd“, meinte der Offizielle. „Die Schiris haben genau richtig entschieden – wenn er die Scheibe tief spielen will, aber ein Ref die Scheibe ins Tor abfälscht, gilt es nicht.“ Egal. EGAL?! Ja, denn während die Fans der Ice Tigers, für die „der Schiri doch Luft“ is, noch wütend pfiffen, erzielte Matt Murley sein erstes Saisontor zum 3:2.

Pressekonferenz, Teil I:
„Am Ende waren wir nicht souverän genug. Wir bringen die Scheibe nicht aus unserem Drittel heraus, das darf nicht sein. Wir versuchen stattdessen ein Kunststückchen. Und wir haben sogar die Chance auf das Empty Net Goal, aber stolpern auf dem Weg. Das darf nicht sein. Wir müssen lernen, diese Tür zuzumachen“ (Martin Jiranek, Sportdirektor Ice Tigers)

Die Schlüsselszene:
Das 4:2 durch Yasin Ehliz raubte Ingolstadt für entscheidende Minuten den Willen, weiter gegen die müden Beine anzukämpfen. Es raubte ihnen den Mut, die Leidenschaft, den Glauben an sich und den ersten Sieg in Nürnberg seit 21. Februar 2014 (5:3). Egal, was dann noch kam, es war zu spät.

Außenmeinung (presented by „Döb döb döb“ Scooter):
Florian Jennemann schreibt für die Nürnberger Zeitung. Und manchmal, da telefoniert er auch einfach nur die Ereignisse des Schlussdrittels an den Kollegen in der Redaktion, der nach dem Mitteldrittel in die Redaktion gefahren ist, um schon einmal zu schreiben.

„Brandon Segal soll nicht mehr flattern, haben ihm die Coaches verboten. Also sammelt der Kanadier auf andere Art Sympathiepunkte. Er verabschiedet das fünfjährige Mädchen (sorry, ich weiß den Namen nicht mehr), das dieses Mal den Puck brachte, mit einem freundlichen Lächeln und klatschte mit ihr ab (war das nicht Corey Locke, Anmerkung des Hauptblogverfassers). Nürnbergs Eismeister hatte in beiden Pausen offenbar die Hoffnung, unter den Ingolstädtern würden sich ein paar Nichtschwimmer befinden. Warum sonst war immer zu viel Wasser auf dem Eis?! Soweit zum Rahmenprogramm. Das Spiel ließ sich etwas langsam an, entfaltetet dann Tempo und gegen Ende einen Hauch von Spannung. Noch funktioniert die Überzahl nicht komplikationsfrei, in 95 Sekunden von 1:0 auf 1:2 zurückfallen war auch unnötig, weil Unaufmerksamkeit geschuldet. Marco Pfleger zeigte warum er der Gewinner der Vorbereitung war, Colin Fraser beim Abschirmen der Scheibe in den Schlusssekunden Cleverness..“

Be part of the coaching staff:
Dass diese Rubrik sich lohnt, zeigt der heutige Auftritt. Hatte man noch kritisiert, dass Pföderl und Pfleger in Überzahl keine Eiszeit bekommen, reagiert Trainer Rob Wilson prompt, nachdem er diesen Blog gelesen hatte. Das 2:2 durch Klubertanz fiel jedenfalls in Überzahl als die zweite Reihe auf dem Eis war. Die Reihe, die so wahrscheinlich nach Heatleys Ankunft nicht mehr zusammenspielen wird.
Wer wird weichen? „Wir stellen uns dauern die Frage, wo er spielen wird. Er ist ein Torjäger, das heißt, er muss in der ersten oder zweiten Reihe auflaufen“, sagt Jiranek. Also in Reihe eins anstelle von Yasin Ehliz, damit Heater mit Unikumpel Reino auf die alten Tage zocken kann? Oder wird es Oblinger treffen, der den Auftrag hat dem Goalie beim Powerplay die Sicht zu nehmen, dabei aber irgendwie oft den Schützen im Weg herumsteht? Klar ist: Heatley ist ein Torjäger, er braucht einen Playmaker um sich herum: Pfleger, Murley, Reinprecht. Na, eben: Heatley, Murley, Segal. Schon haben wirs, oder nicht? Bitte notieren, Rob…

NN-Three Stars:
Gold: Yasin Ehliz; zum zweiten Mal in dieser Blogsaison bereits. Weiterhin eine Augenweide, wie er kämpft, wie er läuft, wie er arbeitet. Punktet obendrein noch riesig. Es wird Zeit ihn zu fragen, ob wir von diesem türkischen Tee einen Schluck abbekommen…
Silver: Kyle Klubertanz; zwei starke Treffer, die obendrein wichtig waren. Auch defensiv eine Bank. Super Leistung, bester Spielersohn.
Bronze: Marco Pfleger; im Startdrittel mit Problemen – wie jeder aus der Mannschaft. Dann immer anspielbar, pucksicher, gewitzt, technisch stark mit tollen Ideen (übrigens auch Murley hin und wieder). An der Bande auch gegen eine Ingolstädter Übermacht siegreich und sogar so clever, noch eine Strafe gegen die Gäste zu ziehen. Um es mit Pfleger zu sagen: „Ich hab mitm Möchel Marius einen super Mitspieler gehabt, der mit geholfen hat hart zum arbeiten.“

Aus der Pressekonferenz II:

„Wir haben heute viel zu viele Strafen bekommen, so kannst du auswärts nicht gewinnen.“ (Manny Viveiros, Headcoach Ingolstadt.)

Von der Eisfläche II:
„Nohjoo, mitm Schteckl Dafid und dem Siegl Brandon da mochts hoit unglaubli Spaß, da komma noch fui lernna.“ (Marco Pfleger, neuer Lieblingsgesprächspartner)

Game Stats:
Schüsse: NIT 27 – 40 ERC
Strafen: NIT 4 – 12 ERC
Bullys: NIT 45 – 33 ERC
Saves: Jenike 36 (90 %) – 22 Pielmeier (81,48 %)

Spiel 2: Flatternde Hühnchen

imageNatürlich haben wir den Sommer nicht nur mit Trauern verbracht. Trauern um eine mal wieder viel zu schnell vorübergegangene Saison, in der wir selbst manchmal einen dicken, fetten Kloß im Hals hatten, beim Anblick in die leeren Gesichter der Nürnberger Kabine in Mannheim. Wir versuchten uns an schönen Erinnerungen, an LiveBlogs aus dem Wellblechpalast, semilegal mitgeschnittene Torzeitlupen auf ServusTV, die wir ab sofort aus schlechtem Gewissen „unseren TV-Partner“ nennen werden, auch wenn die Kollegen auf der Pressetribüne während eines Videobeweises mit zwei DinA4-Blättern die Sicht auf ihren Monitor verdecken. Wir versuchten uns an brütendheißen Sommertagen an Spieler-Portraits und vor allem daran, beim Besuch in der Nebenhalle der Arena uns mit schweißnassem Rücken keine Nierenbeckenentzündung zu holen. Wir schrieben Sonderseiten, die, nunja, vielleicht doch denen der letzten Jahre zu sehr ähnelten. Wir führten fundierte Interviews mit Rob Wilson (NN: Sie sind Rangers-Fan. Ah, dann sind Sie katholisch? Wilson: Nein, ich bin Protestant. Celtic sind die Katholiken. NN: Ach ja, richtig.) und hatten auch mal Beef mit Martin Jiranek, von dem wir bisher gar nicht wussten, dass man mit ihm Beef haben kann (Jiranek: Warum fragst du nur die Fans, die diese Mannschaft schlecht finden, obwohl sie sie noch gar nicht gesehen haben? NN: Wir haben nicht nur Fans gefragt, die alles schlecht fanden. Aber kurioserweise waren tatsächlich die meisten, die wir gefragt haben, sehr skeptisch. Jiranek: Aber du schreibst das in die Überschrift, das ist unfair.). Nun aber ist sie endlich zurück, die Zeit des schnellsten, des aufregendsten, des männlichsten Sports der Welt – wenn da die flatternden Hühnchen nicht wären.

Die Fakten:
2 Spiele, 2 Niederlagen, 0 Punkte, 4:9 Tore. Zu Hause: 1 Spiel, 1 Niederlage, 2:4 Tore. Auswärts: 1 Spiel, 1 Niederlage, 2:5 Tore.

Superlativen: 
Topscorer: Patrick Reimer, 2 Spiele, 3 Tore, 3 Punkte.
Bad boy: Brandon Segal, 2 Spiele, 14 Strafminuten
Plus: Kyle Klubertanz und David Printz (je 2 Spiele, +1)
Minus: David Steckel, Derek Joslin, Brandon Segal (je 2 Spiele, -4)
On a hot streak: Yasin Ehliz (4 Assists in den letzten 2 Spielen), Patrick Reimer (3 Tore in den letzten 2 Spielen).

Die Partie:
Wahrscheinlich kamen die Kölner Haie, die mehr schwedische Schränke im Team zu haben scheinen als das Auslieferungslager von Ikea in Fürth, für die Thomas Sabo Ice Tigers ein paar Wochen zu früh. Als erster Selbstbestimmungstest wurde die Partie gegen einen der ganze großen Favoriten auf den Titel im Vorfeld angesehen – obwohl am Freitag in Berlin bereits zu sehen war, dass sich die Mannschaft der Ice Tigers noch nicht gefunden hat. Dafür lieferten die Ice Tigers aber ein gutes erstes Heimspiel ab,  bei dem wahrscheinlich nur das Ergebnis nicht stimmte. Deshalb, weil Nürnberg einfach zu wenig Tore aus seinen Chancen machte. Anders Köln, das eiskalt agierte und ein perfektes Auswärtsspiel ablieferte und somit auch verdient gewann.

Der NN-Moment of the Game (presented by Kentucky Fried Chicken):
Nach 19 Minuten hob Per Aslund Nürnbergs Colin Fraser hinter dem Kölner Tor auf dem Weg zum Puck mit einem harten Check aus den Angeln. Fraser wirkte überrascht, aber nicht kopflos: Der 2,5-fache Stanley-Cup-Sieger revanchierte sich erst bei der nächsten Spielunterbrechung, indem er Aslund mit Sicamouser Holzfäller Trashtalk überhäufte. Weil der Schwede offenbar kein Englisch versteht, sprang ihm Moritz Müller bei. Es entwickelte sich eine Keilerei zwischen Müller und Fraser, in die sich auch Brandon Segal, der Mann mit den dicksten Oberarmen seit John Craighead einmischte. Das sah auch Aslund und obwohl Segal sich seines Helmes entledigte und die Handschuhe fallen ließ, verweigerte Pipi Langstrumpf den Faustkampf. Was Brandon Segal dazu nutzte, um sich als flatterndes Huhn mit Schlittschuhen in die Herzen der Fans zu gackern. Sogar Thomas Sabo konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Pressekonferenz, Teil I:
„Die Partie hatte eine hohe Intensität, Nürnberg hat ein starkes Team, wir wussten das und sind deshalb sehr froh, die drei Punkte mitzunehmen.“ (Niklas Sundblad, Kölns Coach. Auch er, natürlich: Schwede)

Die Schlüsselszene:
„Zwei Mann Überzahl für fast zwei Minuten, da musst du ein Tor machen. Das war der Schlüsselmoment des Spiels“, fand Brandon Segal. Er hatte natürlich Recht. So schön das Powerplay anzusehen war, wenn Steckel das Bully gewann und sich sofort drei Mann vor das Gehäuse stellten – die Scheibe muss eben irgendwann auch rein. Oder um es mit Andreas Jenike zu sagen: „Im 5-3 ist ein Tor immer gut.“

Außenmeinung (presented by Airbnb Florida and USA Eastcoast):
– Diesmal mit Sebastian Böhm, eben zurückgekehrt aus gefühlt drei Jahren USA-Aufenthalt und Elternzeit, als Privatperson beim Saisonauftakt –

Sebastian Böhm

Sebastian Böhm

„Steckel verliert alle wichtigen Bullys, Joslin Mann und Balance und ein schockierend schwaches Nürnberg zurecht gegen biedere, aber effiiente Kölner. Ich werd mich gleich mal wieder im offiziellen Forum anmelden, da werde ich sicher viel Zustimmung finden (folgt mir unter: Jan Platil Youth). Und jetzt mal ernsthaft: Das wird nicht das letzte Null-Punkte-Wochenende bleiben. Die Ice Tigers können noch 150 Punkte holen. Und mir würden noch ein halbes Dutzend weitere Saisonstartphrasen einfallen. Diese Mannschaft ist so zusammengestellt, dass sie nur eine Aufgabe hat: nicht nach zwei, sondern nach zweiundfünfzig Spieltagen auf Platz sechs zu stehen. Erst in den Playoffs sollten sich die vermeintlichen Stärken von Steckel, Foster, Segal und vor allem Fraser vollends auswirken. Andetungsweise habe ich von diesen Stärken auch heute schon einige gesehen. Davon abgesehen war mein Unterhaltungsanspruch als neutraler Eishockey-Fan bereits nach 19 Minuten und 18 Sekunden erfüllt.“

Be part of the coaching stuff:
Schade, dass Rob Wilson und Martin Jiranek offenbar kurz vor Saisonbeginn der Mut verlassen hat. Was hat man nicht alles über Marco Pfleger und seine wundersame Entwicklung zum Superstar der Vorbereitung gelesen, gestandene NHL-Recken wie Kurtis Foster lobten speziell diesen Pfleger, „von dem ich noch nie etwas gehört hatte vorher“. Pfleger spielte kluge Pässe, Pfleger spielte Überzahl. „Ich bin in einem Alter, wo man Aufgaben übernehmen will“, sagte er den Nürnberger Nachrichten jüngst. Und dann? Wurde ihm doch wieder Brandon Segal vor die Nase gesetzt. Dabei gäbe es mit Leo Pföderl, der ebenfalls im Power Play außen saß, einen Torjäger, der die Pässe von Pfleger verwandeln würde. So jedenfalls können sich die jungen Spieler nicht weiterentwickeln – dabei gibt es in der jetzigen Saisonphase keinen Grund, nicht mutig zu sein.

NN-Three Stars:
Gold: Yasin Ehliz; Eine Augenweide, wie der Angreifer kämpft, arbeitet, rackert – und darüber hinaus das Spielerische nicht vergisst. Es scheint, als wäre noch einmal Luft nach oben in seiner Entwicklung. Mal schauen, was erst passiert, wenn Steven Reinprecht zurückkehrt.
Silver: Colin Fraser; Verdient nur noch in etwa ein Achtel von dem, was er vergangene Saison in St. Louis bekam, hat aber angekündigt, deshalb nciht anders spielen zu wollen als in den vergangenen 25 Jahren in der NHL. Das macht der Routinier auch nicht – starke Szenen vor allem in der Defensive, in der Offensive wie alle verbesserungswürdig.
Bronze: Patrick Reimer; munteres Scheibenschießen im Powerplay, leider nur ein Treffer. Aber der Kapitän zeigt, in welche Richtung es gehen muss, hat jetzt mit David Steckel einen, der ihm die Bullys gewinnt und sich dann mit seinen zwei Metern vor den Torwart schiebt. Dass Reimer kein Verteidiger ist, zeigte er allerdings auch: den zugegeben schönen Move von Patrick Hager hätte er im Keim verhindern können, notfalls mit einem Foul.

Pressekonferenz, Teil II:
„Wir haben heute mehr so gespielt, wie wir wollen. In Berlin waren wir zu nervös. Heute war es mehr unser Spiel, aber im 5-3 musst Du ein Tor machen. Auch sonst waren die Chancen da. Aber ich denke, wenn wir so auftreten wie heute, werden wir noch genug Spiele gewinnen.“ (Martin Jiranek)

Game Stats:
Schüsse: NIT 42 – 32 HAI
Strafen: NIT 26 – 20 HAI
Bullys: NIT 37 – 31 HAI
Saves: Jenike 28 (87,5 %) – 42 Wesslau (95,24 %)