Spiel 44: Diese Aumüllers

marts

Echt jetzt, Roland? (Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter)

 

Mal ehrlich, kann sich hier irgendjemand an Spiel gegen Straubing erinnern, das nicht nur spannend war, sondern vielleicht sogar, naja, gut. Irgendwelche bemerkenswerten Szenen, an die man sich auch nach dem Viertelfinal-Aus gegen Mannburg oder Wolfsheim erinnert? An schönes Eishockey? Große Kunst? Geile Tore? Spaß? Ich kann es nicht (jene vier Treffer von Eric Chouinard hab‘ ich nicht live gesehen). Spiele gegen Straubing bleiben einem nur in Erinnerung, wenn dazu noch Roland und drei weitere Aumüllers auflaufen. Das war heute leider nicht anders.

Die Fakten: Jaja, Larry Mitchell selbst hat noch einmal daran erinnert, dass die Straubing Tigers in zehn ihrer jüngsten zwölf Spiele gepunktet haben. Berlin haben sie besiegt, Hamburg und Wolfsburg auch. Wenn du aber deine kleine Chance wahren willst, dieser unwürdigen Trost-Playoffrunde zu entgehen, dann musst du dieses unterbesetzte Straubingen nach 60 Minuten schlagen. Punkt. Mit zwei eindeutigen Siegen in Iserlohn und gegen den Tabellenvorletzten hätten die Thomas Sabo Ice Tigers auf Platz sechs aufschließen können. Diesen Spielevorsprung würden sie zwar immer noch mit sich herumschleppen. Krefeld muss in seinen drei und Iserlohn in seinen zwei ausstehenden Partien aber auch erst einmal punkten. Die bereinigte Tabelle:

 5. Berlin  1,64 Punkte/Spiel
 6. Iserlohn  1,60
 7.  Wolfsburg  1,52
 8.  Düsseldorf  1,52
 9.  Nürnberg  1,45
 10.  Krefeld 1,44
 11. Köln 1,43

Die Wende hätte auf das herrliche 2:2 folgen sollen, ja, müssen. Die erste Reihe hat diesen formvollendeten Konter frühzeitig im Schlussdrittel abgeschlossen. Viel Zeit um nachzulegen. Danach folgte allerdings zu wenig, um dieses Momentum zu nutzen. Im Gegenteil: Straubing hat es danach noch einmal krachen lassen. Laurent Meunier, Sebastian Osterloh und Sacha Treille haben Connor James und Corey Locke teilweise aussehen lassen wie bemühte Jugendspieler. Osterloh hat Ehliz bearbeitet, Ehliz aber hat sich immerhin gewehrt. In dieser Mannschaft setzen weiterhin nur David Printz, TJ Wyman, Alexander Oblinger und Marius Möchel ihren Körper regelmäßig dazu ein einzuschüchtern, weh zu tun, Räume zu schaffen, Pucks zu gewinnen. Für lange Playoffs sind das ungefähr 14 Feldspieler zu wenig.

Die Statistik:

  1. Reimer 14 Spiele/9 Tore/10 Assists/19 Punkte/+5
  2. Reinprecht 14/7/10/17/+7
  3. Ehliz 14/4/12/16/+9
  4. Jaspers 14/4/6/10/+7
  5. Oblinger 14/4/4/8/+4
  6. James 14/3/4/7/0
  7. Eriksson 14/2/5/7/+4
  8. Klubertanz 14/1/6/7/+4
  9. Joslin 13/0/6/6/+2
  10. Locke 14/3/2/-2
  11. Kaufmann 14/2/3/5/0
  12. Nowak 14/1/4/5/+4

Martin Jiranek ist seit 14 Spielen Cheftrainer der Ice Tigers, an der Punkteverteilung in der Mannschaft hat sich seither nur wenig geändert. Interessanter als die Scorer sind ohnehin die Nicht-Scorer. Der hier von Bloggern und Kommentatoren aus vielerlei Gründen vollkommen zurecht gelobte Marius Möchel hat in dieser Zeit nicht mehr als ein Tor (+2) geschossen. Corey Locke zu kritisieren, hat dagegen tatsächlich mehr Gründe als sein nicht vorhandenes Zweikampf- und sein riskantes Passverhalten. Der Penalty-Spezialist (zuletzt drei Treffer bei vier Versuchen) hat trotz Power-Play-Eiszeit (im Gegensatz zum ebenfalls punktemäßig weiterhin enttäuschenden Evan Kaufmann) weniger Punkte gesammelt als (der zunächst einmal vor allem defensiv verbesserte) Derek Joslin. Das ist für einen Scorer viel zu wenig. Dazu ist er der einzige Spieler mit einer negativen Plus-Minus-Bilanz.

The Good: Sie haben nicht verloren. Immerhin. Recht viel mehr Gutes will mir da nicht mehr einfallen. Wobei. 5507 Zuschauer gegen Straubing ist eines jener Zeichen, das wieder auf ein wenig (Pre)Playoff-Euphorie hoffen lässt.

The Bad: Das war kein schönes Spiel. Nein, wirklich nicht. Jiranek hat danach bemängelt, dass es an diesem Wochenende grundsätzlich nicht ganz so klasse lief. Der Trainer war unzufrieden mit der Einstellung einzelner, hat im Schlussdrittel nicht ohne Grund auf drei Reihen reduziert und bemängelt, dass die Mannschaft insgesamt nach jenen ersten Erfolgen wieder zu schnell den Autopilot hat übernehmen lassen. Nach dem Spiel in Augsburg wird er seinen Spielern trotzdem vier Tage frei geben. Dann trainieren sie wieder drei Tage, es folgt ein freies Wochenende und dann kehren sie einen Tag früher als sonst zur Trainingsroutine zurück. Und auch wenn es so manchem Lohnschreibern gut tun wird, ein bisschen Abstand zu seinen Phrasen zu gewinnen, ist es doch bedauerlich, wenn es erst am 13. Februar wieder ernst wird.

And the Ugly: „Im letzten Drittel haben wir immer unseren Außen zum Bully geschickt, weil dann die Chance größer war, dass wirklich unser Center das Bully macht.“ (Larry Mitchell hatte zuvor einen Linienrichter, „den kleinen, ich weiß nicht, wie er heißt“, für die Aufnahme in das Guiness-Buch der Rekorde vorgeschlagen, weil wahrscheinlich kein Linienrichter zuvor jemals so viele Spieler aus dem Bully-Kreis geschickt hatte.) So stand das hier schon einmal. Mitchell war damals noch Trainer des Augsburger EV, als Trainer des EHC Straubing vermutete er, dass der Rekord heute schon wieder gebrochen wurde – von Markku Büse und Stefan Velkoski (Memo an mich selbst: nach dem letzten Satz in diesem Eintrag gründen: Online-Petition Eishockey-Blogger für die Kennzeichnung von Streifenhörnchen). Auf elegantere Weise kann man diesen Irrsinn nicht kommentieren. Vor allem wenn es Roland Aumüller, dieser hochtalentierte Satiriker, doch selbst immer noch auf die Spitze treibt: Marc El-Sayed wird also von Büse Velkoski als 37. Nürnberger (damit war dir der Eintrag auf dem Guiness-Bierdeckel sicher, Stefan Markku, Gratulation) des Bully-Kreises verwiesen. Corey Locke will übernehmen, El-Sayed ist kurz unschlüssig. Natürlich muss er da eingreifen, der Aumüllerraus, da kann er natürlich nicht anders. Aber, das muss man auch mal schreiben dürfen, so ganz konsequent war er da nicht. Nach dem Aumüllerrausschen Regelbuch hätte er da eigentlich sofort eine Bankmatchstrafe verhängen müssen. Nicht seine beste Leistung. Schade.

Unsung three Stars:

So schnell, so zielstrebig und so gnadenlos zu sich selbst – der Auftritt des Puckkinds war großartig. Hätten sich die Ice Tigers inspiriert gefühlt, hätte Nürnberg jetzt einen Zähler mehr auf dem Konto (ja, Konto, nicht: Konter). Und sonst?

Hatten Kyle Klubertanz und TJ Wyman starke Defensivaktionen. Der verteidigende Stürmer hat Locke zudem nach einem völlig überflüssigen Icing gerettet und Nürnbergs beste Chance im Schlussdrittel eingeleitet (richtig, den muss er machen, der Jaspers). Und sonst? Habe ich nicht viel gesehen.

Achja: Natürlich haben wir Fredrik Eriksson und Steven Reinprecht gefragt, ob ihnen Angebote aus Köln vorliegen, und, ob sie, wenn ja, selbige bereits unterschrieben haben. Nun muss man vorwegschicken, dass dem kleinen Fredrik einst wahrscheinlich der Chefredakteur der Grundschülerzeitung von Örebrö die erste Freundin ausgespannt hat. Anders kann ich mir seine (beinahe schüchterne) Zurückhaltung uns gegenüber nicht erklären. Jedenfalls hat der nicht unfreundliche Eriksson meine Fragen völlig unerwartet… nichtssagend beantwortet: „I have no idea about that. I heard about that, too. But, that’s media, you know. Rumours.“ Yeah, I know. Der stets sehr freundliche, allerdings auch stets sehr professionelle Steven Reinprecht, der während seiner langen NHL-Karriere leider ein paar PR-Schulungen zu viel erlebt hat, hat dem Kollegen Meyer von den Eishockey News derweil erzählt, dass er erst mit seiner Familie reden wird, bevor er entscheidet, ob er diese Liga weiter durch seine Überlegenheit beschämen will (das hat er natürlich nicht gesagt), oder nicht. Martin Jiranek wollte weder die eine noch die andere Personalie kommentieren. Ich eigentlich auch nicht. Henning Reinprecht geht allerdings hier zur Schule – offenbar sogar gerne (nein, natürlich schütze ich meine Quellen). Und Köln hat einen schwedischen Trainer, (meines Wissens) auch in der kommenden Saison noch einen weiteren verteidigenden Schweden unter Vertrag und akquiriert derzeit ziemlich, nunja, aggressiv renommierte Spieler. Daraus kann nun jeder selbst seine Schlüsse ziehen.

Und noch ein bisschen Werbung für eine gute Sache:

So steht das hier (auch wenn es für das Gewinnspiel ein bisschen zu spät sein dürfte):

Kinogewinnspiel „Red Army – Legenden auf dem Eis“

In Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Kino Casablanca Filmkunsttheater verlosen wir 5×2 Tickets für die Preview der Eishockey-Dokumentation „Red Army – Legenden auf dem Eis“ am Dienstag, 27. Januar 2015, um 19.30 Uhr. Um gewinnen zu können, müsst Ihr nur an der eigens erstellten Veranstaltung teilnehmen: https://www.facebook.com/events/709035515873730/

Die Gewinner werden am Sonntagabend benachrichtigt. Wer nicht zu den glücklichen Gewinnern zählt, aber eine Dauerkarte der Ice Tigers besitzt, kann an der Preview zum Sonderpreis von 5,50 € (statt 8 €) teilnehmen. Hierzu müsst Ihr nur Eure Dauerkarte mit zur Kinokasse bringen.

Abschließend noch der Trailer zu einem Film, auf den ich mich sehr freue:

YouTube Preview Image