Spiel 27: Echt jetzt, Tommer?

Foto: Roland Fengler

Foto: Roland Fengler

Als Jeff Tomlinson schon durch die Türe verschwunden war, stellte er ihm noch eine Frage. Und selbst als den Schreiberlingen um ihn herum danach keine Frage mehr einfallen wollte, machte Tray Tuomie keine Anstalten seinen Arbeitstag zu beenden. Der Trainer der Ice Tigers hatte noch Redebedarf. Vielleicht wartete er auch darauf, dass ihm jemand zuflüsterte, dass doch noch alles gut werden wird. Doch diesen Gefallen konnte ihm nach diesem 1:3 gegen Berlin niemand guten Gewissens erbringen.

Die Fakten: Die Eisbären Berlin (26 Spiele/37 Punkte) ziehen nach dem 3:1 (0:1, 0:0, 3:0) in Nürnberg wieder an den Thomas Sabo Ice Tigers vorbei (27/36). Und in der Arena verfestigt sich mal wieder der Eindruck, dass man sich diesmal erneut auf einen langen Kampf am Strich einstellen muss – allerdings an jenem Strich, der den Zehnten vom Elften trennt.

Aus der Pressekonferenz, eins: „Petri Vehanen war einfach überragend. Und das ist der Unterschied gewesen. Sport ist eine verrückte Sache, wir gehen jetzt nach Hause mit drei Punkten und ich weiß nicht wie.“ (Jeff Tomlinson ist ein sehr freundlicher Trainer, die Reihenfolge seiner Statements ist – aus Gründen – hier nicht richtig wiedergegeben.)

Aus der Pressekonferenz, zwei: „Stellt euch mal vor, wir spielen so (schlecht) und haben noch eine Chance, das Spiel zu gewinnen. Diese Chance müssen wir jetzt auch nutzen.“ (Das will Tomlinson angeblich in der zweiten Drittelpause zu seiner Mannschaft gesagt haben – das könnte dann allerdings auch so ausgesehen haben:

YouTube Preview Image

)

Aus der Pressekonferenz, drei: „Ich sitze hier ein bisschen überrascht, dass wir das Spiel gewonnen haben. In den ersten beiden Dritteln waren wir nicht anwesend. Nürnberg hätte auch 3, 4, 5, 6:0 nach den ersten Dritteln führen können.“ (Das ist natürlich nett, Jeff Tomlinson, aber natürlich vollkommen übertrieben.)

Die Wende: Denn natürlich hatten die Eisbären auch in den ersten beiden Dritteln Chancen, anständige sogar. Zwei Alleingänge, verdeckte Schüsse, Querpässe vor dem Tor, dazu belagerten sie Andreas Jenike ab der 30. Minute eigentlich ohne Unterlass. Brandgefährlich war das nicht immer, aber Berlin war bis auf die erste Minute immer im Spiel. Nach dem 1:0 hat es fünf Minuten gedauert, bis die Ice Tigers wieder auf Vehanen geschossen haben. Zwei Fouls (tatsächlich eher eines und eine Fehlentscheidung) gaben Nürnberg danach die Chance zu erhöhen. Kaufmann, Oblinger, Reinprecht, El-Sayed, El-Sayed und El-Sayed hätten danach treffen können. Und mit jeder dieser verpassten Chancen rückte die Wende näher.

Die Statistik: 8:15 Schüsse im Schlussdrittel, selten war diese Statistik aussagekräftiger. An diesem Mittwochabend blieb nicht nur die Aufholjagd aus, die Ice Tigers waren schon Mitte des zweiten Drittels nurmehr interessierte Beobachter der Berliner Bemühungen um klarere Chancen. Bis auf wenige Ausnahmen (Möchel, Klubertanz) wirkten die Ice Tigers physisch und psychisch völlig ausgelaugt – und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Umso überraschender war, dass sie im Schlussdrittel gegen Köln noch zulegen konnten.

Aus der Mixed Zone, eins: „Müde Beine? Wir sind Profis, wir müssen uns auf jedes Spiel gut vorbereiten Meiner Meinung nach haben wir das auch gemacht. Aber wir waren einfach mal wieder nicht konzentriert genug.“ (Patrick Buzas)

The Good: Kollektiv fassungsloses Kopfschütteln gilt nicht mehr exklusiv den Hauptschiedsrichtern. Offenbar aus Eifersucht hat die Linienrichtergewerkschaft den Sommer über ihren Genossen empfohlen, wieder vermehrt willkürlich Mittelstürmer aus dem Bullykreis zu vertreiben, die Icing-Regel während eines Spiel mehrmals vollkommen unterschiedlich auszulegen und zwischendurch immer mal wieder eine klare Abseitsfehlentscheidung einzustreuen. Angeblich hat sich unter der Führung eines Roland A. aus P. eine Gruppe von Hauptschiedsrichtern gebildet, die ernsthaft um ihren schlechten Ruf fürchten und mit gezielt krassen Fehlentscheidungen die uneingeschränkte Abneigung aller Eishockey-Freunde wieder zurück zu gewinnen.

The Bad: Marc El-Sayed hatte zuvor im Training angekündigt, an diesem Abend zwei Tore zu schießen. Und tatsächlich war der bislang so auffällig unauffällige Mittelstürmer der vierten Reihe so präsent wie in keinem anderen Spiel im Nürnberger Trikot. Bei seinen beiden Großchancen macht er beinahe alles richtig – aber eben nicht alles. Beim ersten Mal versucht Vehanen auf dessen Stockhandseite zu überwinden, beim zweiten Mal hätte er dem Finnen nach seinem überraschend starken Move den Puck durch die Schoner schieben müssen. Hat er nicht. Dass er diese Chancen überhaupt hatte, war trotzdem ein gutes Zeichen. Nur wenn er dafür seine Stärken vernachlässigt, dann wird der Trainer sauer. El-Sayed hätte die Chance gehabt, Frank Hördlers Schuss zum 1:1 zu blocken. „Hat er nicht gemacht. Das tut dann weh. Dass er seine beiden Tore nicht schießt, das ist die eine Sache. Aber in Unterzahl, da muss er seine Aufgaben erfüllen.“

And the Ugly: Möchel, El-Sayed, Jaspers, Oblinger James, Kaufmann, Ehliz – die Ice Tigers verfügen über sieben Stürmer, die auf hohem Niveau verteidigen können, wenn ein oder mehrere Kollegen auf der Strafbank sitzen. Eigentlich kommen für vernünftiges Penalty-Killing nur Locke, Pföderl, Pfleger und mangels Hockey-IQ auch Elsner nicht in Frage. Warum also müssen Reinprecht und Reimer auch in Unterzahl noch aufs Eis? Im Power-Play sind sie eigentlich im Falle eines Torerfolgs kürzer als 1:15 Minuten auf dem Eis, bei engen Spielen setzen sie in der Schlussphase meist nur einen Wechsel aus. Reimer scheint das mit Leichtigkeit wegzustecken, Reinprecht hingegen fiel schon gegen Köln durch ungewohnt viele Stockfehler auf. Reinprecht ist ein Ausnahmespieler, aber eben auch 38 Jahre alt. In der NHL werden solche Spieler geschont, bei den Ice Tigers müssen sie auch noch in Unterzahl arbeiten.

Auch nicht schön: Marco Nowak war bei den Gegentreffern zwei und drei auf dem Eis. Nummer eins erlebte er von der Strafbank aus.

Die Verletzten: Jochen Reimer wird wahrscheinlich erst im neuen Jahr wieder einsatzfähig sein. Tuomie geht vom 9./11. Januar aus. „Wir hoffen, dass er stärker zurückkommt“, sagt der Coach. Tim Schüle ist krank, hat in den letzten Tagen viel Substanz verloren. Sein Einsatz am Freitag in Düsseldorf ist ebenso fraglich wie das Mitwirken von David Printz (dessen Fehlen sich gegen Berlin sehr negativ ausgewirkt hat).

Unsung three stars: Andreas Jenike wirkte zwei Drittel lang sicher und selbstbewusst. Leo Pföderl hat sich nach einer weiteren motivierenden Video-Einheit vor dem Spiel wieder daran erinnert, was nötig ist, um in dieser Liga Tore zu schießen. Kyle Klubertanz hatte erneut drei, vier grandiose Szenen. Yasin Ehliz spielte im ersten Drittel wunderbare Pässe, die Reinprecht und Reimer nicht nutzen konnten. Aber all das reicht nicht wirklich aus, um sich für einen ernsthaften Eintrag in dieser Kategorie zu empfehlen.

Aus der Mixed Zone, zwei: „Langsam müssen wir mal aufwachen, sonst verpassen wir unsere Saisonziele. Das macht dann umso weniger Spaß.“ (Gut gebrüllt, Patrick Buzas, wenn man das an dieser Stelle nicht so oder so ähnlich schon ein- bis siebenmal gehört hätte.)

17 Kommentare in “Spiel 27: Echt jetzt, Tommer?

  1. Ein Abend, an dem mir relativ häufig das Wort „erbärmlich“ durch den Kopf geisterte…

    – 1.Drittel der Eisbärchen
    – 2.Drittel beider Teams
    – 3.Drittel der Tigerchen
    – der beiden Laien Trainer-Darsteller in der PK
    …und über Streifenhörnchen, Eisqualität und Buddy-Stories über Trainer usw lohnt es sich da gar nicht zu reden, denn der Oscar für die Nebenrolle ist eben weniger relevant
    —–
    Ich finde ja Körpersprache immer ganz interessant und dass, was T.Tuomie im PowerBreak (AKA nervige Auszeit zu dem meist unützen Zeitpunkt–Notiz an mich: Dringend nochmal nachlesen, warum die DEL-Oberen es so geil fanden, dies auch außerhalb der TV-Spiele einzuführen, um die Mega-Vermarktungsmöglichkeiten in der Halle zu maximieren) beim Stande von 1-3 im 3.Drittel bot, war genau dass, was sein Team im 3.Drittel am Eis bot).

    Ja, auf den angeschossenen Trainer draufhauen ist ein bisserl billig, aber das nimmt langsam Brockmann’sche Züge an. Mit Hände in den Taschen, in geduckter Haltung und 10 Sekunden verbaler Kommunikation zu diesem Zeitpunkt ist mir das einfach zu dünn. Zu Beginn des Wirkens von Tuomie fand ich an ihm besonders gut, dass er nach fast jedem Shift, speziell mit den jungen Spielern kurz sprach (übrigens auch etwas, was ich bei Hans Zach immer gut fand), nun sehe ich dies in den meisten Spielen seit letzter Saison kaum mehr. Mir wirkt das alles viel zu ruhig und häufig ins Schicksal ergebend.
    Auch am gestrigen Abend war mir das zu dünn, was an Impulsen kam, um sich gegen diesen Schrebenhaufen eines Berliner-Teams doch nochmal zu wehren. Dies gilt aber nicht nur für die Bank, sondern natürlich auch für die Spieler selbst.
    Alles Schema F… Keine „Wachrüttel-Aktionen“ am Eis, Goalie gezogen 1:15 vor Schluß, die Auszeit 1:04 vor Ende, alles so Schicksalsergebend

    All dies nur dem Trainer anzulasten ist in der Tat zu billig, vielleicht ist dieses Team auch einfach ein bischen leblos und lässt sich gerne zu „Dienst nach Vorschrift“ verleiten. Es ist ja nicht nur im Falle der Niederlagen, sondern auch nach Siegen so, dass die Spieler doch recht emotionslos zur Pflicht-Ehrenrunde sich über das Eis schleppen , dann mit den Resten des Publikum ein kurzes „Hey“ und Schlägerheben und raus aus der Halle. Wirkliche Freude und wriklicher Jubel kommt doch selten vor, dass habe ich diese Saison nach Spielen z.B. in Mannheim, München oder WOB schon anders gesehen, als Mannschaften nach dem Spiel wirklich emotionalisiert mit den Fans 1-2min auf dem Eis gefeiert haben. Klar, dass muß auch zum Spiel/Sieg passen.
    Nebenbei bemerkt: Pflicht-Ehrenrunden nach jedem Sieg sind ähnlich überflüssig, wie LED-blinkende Weihnachtsmützen.
    Will sagen, vielleicht ist diese Mannschaft so auch nicht für mehr zu haben, als eben diesen „Dienst nach Vorschrift“ oder man muß einzelne Spieler anders anpacken um sie zu emotionalisieren (Glaskugel guck)
    —–
    PS:
    Mir ist klar, dass ein Redakteur genug zu tun hat und ob dieses Schatzkästchen an Blog hier mehr als 50-80 Leser hat und sich der Aufwand wirklich lohnt, weiß ich auch nicht, aber ich fände es klasse, wenn die beiden Haupt-Autoren der NN ein wenig mehr, auch in den Kommentaren interagieren und vielleicht mal außerhalb der Spiele ein kleiner Eintrag aufschlägt. Auf Dauer kommen dann die Stammleser vielleicht auch häufiger vorbei, weil etwas mehr passiert und es werden auch mehr Stammleser. Amen!

  2. Lieber Berni,
    erst schenkst uns ein „Schatzkästchen“ und bohrst dann ganz tief in der Wunde. Natürlich würde sich der Aufwand lohnen, mittlerweile haben wir tatsächlich weit mehr als 77, 78, 79, 80, 80 Leser. Und selbst wenn es nur 50 wären, dabei aber solch kompetente (und witzige und zutreffende – diesen Ehrenrundenblödsinn hatten wir hier, bilde ich mir ein, schon des öfteren) Kommentare wie Deiner oder die von Frank Strube oder Klaus oder (setzen Sie Ihren Namen bitte hier ein) herauskommen, dann lohnte es sich schon, selbst noch einen kleinen Eintrag zu verfassen. Vielleicht ist hier eben auch ein wenig zu sehr „Dienst nach Vorschrift“ eingekehrt (wobei mir niemand bei den NN vorschreibt, nach Spieltagen bis um 2 Uhr an diesem Blog zu schreiben – off topic, sorry).
    Tuomies Schicksalsergebenheit ist sicherlich keine falsche Beobachtung. Dass er mit seinen Spielern nur wenig redet, kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Während der Power-Breaks (noch so ein Leitthema dieses Blogs) redet auch der in Nürnberger Fankreisen kultisch verehrte Pavel Gross nicht immer auf seine Mannschaft ein. Und gerade mit seinen jungen Spielern steht Tuomie während der Spiele auch weiterhin ständig in Kontakt.
    Für mich bleiben die an solchen Abenden immer wieder aufkochende Trainerdiskussion und der Mangel an Emotionalität der Mannschaft Nebenkriegsschauplätze. Es ist der Mangel an Professionalität, ein solches Nichtspiel konzentriert über die Zeit zu retten, das größte Problem dieser Mannschaft.

  3. Dem Beitrag von Berni ist im Prinzip nichts hinzuzufügen. Absolute Zustimmung!
    Bin gestern zum ersten Mal seit dem unvergessenen 1:14 gegen Landshut (musste eben nochmal nachschauen: war im September 1996!) wieder vorzeitig gegangen. Erbärmliche Vorstellung, über weite Strecken, von beiden Teams. Bezeichnend der Gesang der Berliner Fans: „Wir wollen die Eisbären sehen“. Gegen diese Berliner an diesem Abend zu verlieren hätte sehr wahrscheinlich kein anderes Team fertig gebracht. Hat ja offenbar selbst Herrn Tomlinson überrascht, dass das passieren konnte.
    Bin auch keiner, der gleich den Rausschmiss des Trainers fordert. Allerdings wird für mich immer offensichtlicher, dass Herr Toumie mit seinem Latein am Ende ist. Durchhalteparolen („Mannschaft hat sich stabilisiert“, „positive Entwicklung nach der Länderspielpause“, etc.) wurden eindrucksvoll widerlegt. Härterer, lauterer Umgangston beim Trainiging. Mal den einen oder anderen Spieler auf die Tribüne setzen (m.E. nicht immer die richtigen). Er hat ja schon einiges versucht (manches davon auf Zuruf von außen?). Gebracht hat’s alles nix. Was könnte jetzt noch kommen?
    Es ist ja auch nicht sicher, dass mit einem neuen Mann alles besser wird. Aber so weiter machen? Meiner Meinung nach die schlechtere Variante!

    Anmerkung zum Kommentar von Herrn Böhm hinsichtlich Trainerdiskussion, mangelnde Professionalität (der Spieler), etc.:
    Ja, schon auch richtig. Aber wer müsste für mehr Professionalität sorgen? Wer müsste in solchen Spielen die Mannschaft antreiben, wachrütteln und motivieren, die letzten Körner rauszuholen? Spätestens nach dem 1:2 hätte zwingend die Auszeit kommen müssen. Kann natürlich sein, dass der Trainer selbst nicht glaubt, dass das was bringen könnte. Dann braucht er aber auch den Torwart kurz vor Schluss nicht mehr rausnehmen.
    Torwart raus. Auch so ein Thema, habe ich schon mehrfach in dieser Saison mit ansehen müssen: Aussichtsloser Spielstand (0:5 in Ingolstadt, 1:4 in München,…) und dann den Torwart noch rausgenommen.
    Peinlich und lächerlich. Oder etwa doch professionelles Coaching???

  4. Mal ein paar Gedanken zu der heutigen Darbietung, Spiel kann man es ja kaum nennen!

    – Es ist schon faszinierend, wie es der Mannschaft gelingt jegliches Körperspiel zu vermeiden.
    – Wenn ich sehe, dass Oblinger mitte des letzten Drittels das erste Mal einen Check ausfährt krieg ich die kalte Wut.
    – Die Abhängigkeit von unserer ersten Reihe ist wirklich beängstigend, die anderen Reihen sind derart harmlos und ausrechenbar, dass einem ganz schlecht wird. Und setzt man, wie Wolfsburg in den Playoffs gegen die erste Reihe ein bischen den Körper ein, wird es auch da ganz schnell finster.
    – Wir wollen den Puck ins Tor tragen aber selbst dann ist die Qualität unserer Torschüsse maximal oberligareif… auch wenn Vehanen heute gut war.
    – Ein Spielsystem ist weiterhin nicht zu erkennen.
    – Schlagschuss von der blauen Linie gibt es bei uns viel zu selten, stattdessen laufen wir ins Angriffsdrittel und spielen jedes Mal quer in den Slot….kann sich jemand erinnern, wann das zum letzten Mal geklappt hat?
    – Wir sind allgemein extrem ausrechenbar, man könnte einkreisen wohin die Spieler jeweils laufen und der Puck gespielt wird.
    – Jenike machte auch nicht gerade eine glückliche Figur, ihm will ich die Niederlage aber auf keinen Fall anlasten.
    – Die jungen Deutschen bleiben meines Erachtens hinter den Erwartungen zurück, man muss sich schon fragen, ob dieses Konzept sinnvoll ist. El-Sayed, Elsner, Buzas und in der aktuellen Form Oblinger haben kaum DEL-Niveau. Wenn sie dann wenigstens hart und kompromisslos gegen den Mann spielen würden und versuchen würden dem Gegner weh zu tun, wäre das ja noch in Ordnung. Speziell Elsner hat sich mit seiner Diät im Sommer offensichtlich keinen Gefallen getan und sich seiner einzigen echten Stärke beraubt: Der Fähigkeit auch mal einen harten Check setzen zu können.
    – Kaufmann, Nowak,James, Joslin, Klubertanz, Ehliz, die Liste der Spieler, die weit hinter ihrem Können zurückbleiben ist lang.
    – Insgesamt war die Leistung heute wirklich eine Frechheit. Da kommt mit Berlin ein mehr als angeschlagener Gegener, man macht nach 41 Sekunden das 1:0, doch anstatt konsequent weiter zu spielen, verfällt man wie gewohnt in Lethargie und Lustlosigkeit und verhält sich wie der Prototyp eines Aufbaugegners. Ich hab ehrlich gesagt keinen Bock mehr!

    Niemand erwartet an einem tristen Mittwoch gegen einen ebenfalls wenig attraktiv spielenden Gegner ein Torfeuerwerk oder ein Spiel gespickt von technischen Raffinessen. Doch man kann und muss von der Mannschaft verlangen, dann wenigstens auf 2:0 oder 3:0 zu erhöhen. Wenn man dann das Spiel locker nach Hause schaukelt, beschwert sich niemand, keiner hat den Anspruch immer Topleistung sehen zu wollen, manchmal genügen auch einfach irgendwie drei Punkte.

    Zu ihrem Blog: Ich bin begeisterter Leser und falls es ihr Zeitrahmen zulässt dürfen es natürlich gerne auch noch mehr Einträge werden. Mir ist Reinprecht übrigens auch zu viel auf dem Eis, vielleicht erklärt das auch, dass er kaum mehr selbst trifft. Wenn er mal aufs Tor schießt, wirkt das oft seltsam uninspiriert, so als ob er mit letzter Kraft den Puck noch irgendwie aufs Tor bringen wollte. Kann daran liegen, dass auch ihn momentan die Lust verlassen hat aber eben auch daran, dass er deutlich zu viel Eiszeit hat. Ein Spieler wie er lebt von der Kreativität, der Ruhe, dem einen genialen Pass, der unerwarteten Körpertäuschung. Solche Spielelemente gelingen aber nur sofern man nicht schon völlig ausgelaugt übers Eis läuft weil der Trainer offenbar der Auffassung ist, man müsse omnipräsent sein.
    Mit ihrer Einschätzung bezüglich Locke könnten sie recht haben. Möglicherweise ist er wirklich im Kopf 2 Schritte weiter als der durchschnittliche DEL-Spieler in den Beinen. Trotzdem bin ich von der Verpflichtung weiterhin nicht begeistert. Wie viele körperlos spielende, vermeintlich technisch begabte Spieler wollen wir denn noch?

  5. Die Mannschaft ist und bleibt mir ein Rätsel. Aktuell spielen wir eher um Platz 10 als um Platz 6. Gestern bin ich echt ratlos aus der Arena gegangen, weil mir nicht klar ist, wie es besser werden kann.

    Ist es eine Frage der Qulität, eine Frage des fehlenden Charakters, oder eine Frage des Willens? Morgen ein schweres Spiel in Düsseldorf, Sonntag wird auch nicht einfach.

  6. wenn man die letzten wochen so verfolgt, habe (zumindest) ich immer mehr das gefühl, dass die mannschaft immer für ein gutes spiel am wochenende brauchbar ist. irgendwie beschleicht mich da die ahnung, dass das team nicht komplett austrainiert ist. gestern waren sie im letzten drittel stehend k.o. (klar, das spiel gegen köln hat ordentlich körner gekostet).
    sollte das der fall sein, dann braucht ein guter athletic coach rund vier wochen, um die mannschaft wieder auf vordermann zu bringen (naja, wenigstens auf ein vernünftiges niveau …). problem ist, dass du in diesen vier wochen vermutlich kaum einen blumentopf gewinnst, was sich die icetigers aufgrund der tabellensituation gar nicht erlauben können.

    wenn ich mit dieser vermutung richtig liegen sollte, dann „freue“ ich mich schon auf den spielplan rund um weihnachten: 19. 21. 23. 26. 28. 30. 02. 04. 06. 09. 11. … das sind 11 spiele in 30 tagen … ich bleibe gespannt ….

  7. Momentan kann man sich nur fragen wo die Konstanz der Mannschaft geblieben ist? Woran liegt es das nicht mehrere Spiele hintereinander gewonnen werden? Wir machen uns auswärts zur Lachnummer der DEL. Wir führen z.B. in Schwenningen 4:1 und verlieren 5:7 weil wir innerhalb kürzester Zeit 6 Tore kassieren. Ja geht’s noch? Oder in Hamburg, Ingolstadt……..! Und dann wird der Torhüter bei nicht mehr aufzuholenden Rückständen vom Eis geholt!!!!!!!!!!!
    Danach erfolgt dann die Aussage des Trainers das sich alles ändern wird. Ja wo denn bitte!
    Um in der Saison noch was retten zu können gibt’s leider nur eine Alternative: Jetzt den Trainer feuern!
    Vielleicht tut sich dann auch etwas mit der Weiterentwicklung von Spielern wie Ehliz, Nowak etc.
    Denn zur Weiterentwicklung gehört auch der passende Trainer.
    Im Übrigen kann ich mir nur den Ausführungen von Norbert und Dominik vollumfänglich anschließen.

  8. Ja, primär bin ich zwar Eishockeyfan, aber schon auch ein wenig IceTigers-Fan und deshalb kann es so knapp nach dem Spiel manch geschriebener Satz schon mal etwas emotional gefärbt sein und ihm die Sachlichkeit leicht fehlen.

    @SebBöhm
    Ich frag mal ganz platt: Welche Professionalität meinst du denn genau, welche nicht vom Trainer beeinflusst werden kann?

    Noch zwei Gedanken:

    + Ein Musterbeispiel im DEL-Geschäft, waren für mich damals die Krefelder in ihrem Meisterjahr, als Butch Goring die Spieler Brandner, Augusta und Purdie quasi nie Unterzahl hat spielen lassen, damit sie sich voll darauf konzentrieren können, was sie am Besten können – Tore schiessen.

    + Auch ich dachte, dass manch junger Spieler sich etwas schneller weiterentwickelt, aber ich bin auch der Überzeugung, dass sich bei Spielern ein vorhandenes Potential schneller entfaltet, wenn sie mit besseren bzw erfahrenen Spielern zusammen spielen können.
    Nehmen wir als Beispiel, mal vollkommen wahllos und zufällig, den Spieler Martin Buchwieser, der vielleicht, wenn er nicht in München an die Seite von Eric Schneider gestellt worden wäre, die letzten fünf Jahre mit 6min Eiszeit pro Spiel in einer vierten Reihe in einem DEL-Durchschnittsteam rumturnen würde.

    Butch Goring Bonus:
    http://youtu.be/I1DS5-Drd7Q

  9. Das Spiel war mehr als passend für einen Mittwoch. Und selten wurde ich so oft enttäuscht wie in dieser Saison – die Kluft zwischen Anspruch und auch vermeintlichen Möglichkeiten des Teams auf der einen sowie der „Arbeitsleistung“ auf der anderen Seite ist groß wie nie. Das erste Drittel ok, im zweiten war es maximal Sommereishockey von beiden Teams und das letzte Drittel war wie schon häufiger dieses Jahr unterirdisch. Keine Ahnung, wo das noch hinführt, aber sicher nicht in die angestrebten Tabellenregionen.

    @ Norbert
    Ohne es nachgeschaut zu haben – das 1:14 gegen Landshut kann nicht im Sep 96 gewesen sein. Ich bin das erste Mal zum Eishockey am 03.01.97 (gegen die damals noch symphatischen Mnnhmer und bei uns Michl Valliere im Tor) und war beim 1:14 – kurz nach dem Geddes Wechsel nach LA – auch im Stadion (wenn auch damals noch im Landshuter Block). Das 1:14 müsste Ende Januar 97 gewesen sein.

    Respekt, dass Du die hohen Heimniederlagen gegen Düsseldorf und Ingoldorf vor ein paar Jahren komplett durchgehalten hast. Ich hatte zumindest im zweiten Fall den Notaus-Knopf in der 2. Drittelpause gedrückt…

  10. @alle (vielen Dank für die angemessen angeheizten, dennoch stets fundierten Kommentare):
    Ja, dieses Spiel war peinlich, die aktuelle Situation enttäuschend – aber dass man mittlerweile nicht mehr von einer Minderheit ausgegehen kann, die sich nichts sehnlicher wünscht als die Beurlaubung von Tray Tuomie, kann ich nicht nachvollziehen. Kann sein, dass ich das schon geschrieben habe: Ich glaube daran, guten Trainern die Chance zu geben, ihre Ideen über einen längeren Zeitraum zu verwirklichen. Tuomie ist ein guter Trainer. Mag sein, dass das unter Fans eher hämisch aufgefasst wird, aber unter den Journalisten findet sich in Nürnberg (meines Wissens nach) kein einziger, der ernsthaft glaubt, dass allein der Trainer für diese Misere verantwortlich ist. Mit gegenüber hat sich kein Spieler auch nur ansatzweise negativ über Tuomie geäußert (ja, auch dieses Argument lässt sich trefflich umkehren). Woher kommt der Frust, die Verantwortung nach vier sehr schwachen Heimspielen (Straubing, Düsseldorf, Schwenningen, Berlin) und vier sehr schwachen Auswärtsspielen (Mannheim, Hamburg, Ingolstadt, Schwenningen) allein dem Trainer in die Schuhe zu schieben? Wie kam sich als Fan tatsächlich wünschen, dass die eigene Mannschaft verliert, weil dann ein Mann endlich seinen Job verliert (okay, das habe ich an einer anderen Stelle gelesen)?

    @Dominik:
    „beängstigend, die anderen Reihen sind derart harmlos und ausrechenbar, dass einem ganz schlecht wird.“ Trifft das wirklich auch auf die letzten Spiele zu? Seit der Deutschland-Cup-Pause haben die Ice Tigers 29 Tore erzielt, mehr als die Hälfte davon die erste Reihe (15), enttäuschende 4 die zweite, 9 die dritte, lediglich 1 hat die völlig harmlose vierte Reihe hinzugesteuert. Gerade die Reihe um Jason Jaspers kann man aktuell doch wirklich nicht als harmlos bezeichnen. Kaufmann und Oblinger hatten gegen Berlin noch drei weitere Großchancen. Die Abhängigkeit von der ersten Reihe war ein großes Problem, derzeit gibt es jedoch größere.
    „Wir wollen den Puck ins Tor tragen aber selbst dann ist die Qualität unserer Torschüsse maximal oberligareif… auch wenn Vehanen heute gut war.“ Vehanen zählt mMn zu den besten drei Torhütern dieser Liga, ansonsten aber muss ich diese Einschätzung dick unterstreichen.
    „Ein Spielsystem ist weiterhin nicht zu erkennen.“ Und was genau, hat die Eisbären am Mittwoch lange in deren Drittel eingeschnürt und die Haie zuvor die letzten 30 Minuten (samt Verlängerung)? Tuomie hat bereits darüber nachgedacht, den Fans sein System zu erklären. Das sollte er tatsächlich mal machen. Es ist erhellend.

    @Rudi
    Weiterentwicklung von Nowak? Okay. Aber die Weitentwicklung von Ehliz, ernsthaft? Ehliz ist 21, war am Mittwoch der einzig auffällige Spieler in der ersten Reihe, war in den Playoffs zuletzt der besonnenste Spieler in der ersten Reihe, überhaupt hat er sich spielerisch enorm entwickelt. Trotz einer Blinddarm-OP zur Unzeit hat er in 23 Spielen 16 Punkte gemacht, liegt nur knapp unter seinem Vorjahresschnitt. Was kann man da ernsthaft mehr erwarten? Grundsätzlich ist es in der Entwicklung von jungen vielversprechenden, aber nur leicht überdurchschnittlich talentierten Spielern völlig normal, dass sie immer mal wieder abtauchen, den Glauben an sich selbst verlieren, vergessen, was sie zu vielversprechenden Spielern gemacht hat. Das gilt besonders für Power Forwards wie Oblinger und zaghaft offensiv begabte Verteidiger wie Nowak. Dass Tuomie mittlerweile auch noch für deren normale Leistungsschwankungen verantwortlich sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Gerade die Arbeit mit jungen Spielern sehe als ich Stärke des Trainer-Duos. Für Pföderl hatte Tuomie extra für das Berlin-Spiel ein Video zusammengestellt, im Spiel hat es 45 Sekunden gedauert, bis er umgesetzt hatte, was der Coach von ihm sehen wollte. Bis zur 30 Minute blieb Pföderl auch danach noch auffällig – danach ist er mit der Mannschaft untergegangen.

    @Berni
    1. Von der Professionalität, die eigene Leistung realistisch einschätzen zu können. Daran mangelt es übrigens nicht nur den nicht mehr ganz so jungen deutschen Spielern. Und 2. von der Professionalität, hässliche Spiele mit einem hässlichen Sieg über die Zeit zu bringen. Mir ist nicht ganz klar, womit hier so mancher meint, dass Tray Tuomie und Maurizio Mansi ihre Zeit verbringen, aber genau an diesem Problem arbeiten die beiden seit Saisonbeginn.

    @tigAIR38 und Norbert:
    Henrik Hölscher hat am 29. September 1996 vor 3239 Zuschauern gegen den EV Landshut getroffen – zum 1:14. Eineinhalb Monate später hat Wladimir Wassiljew die Stadt heimgesucht. Wenn dieses 1:3 gegen den siebenmaligen Meister tatsächlich so schlimm war wie einst das 1:14, dann will ich hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Wobei…Wobei…

  11. alles schön, alles gut und ich bin durchaus auch der meinung, dass nicht jede trainerentlassung des rätsels lösung ist. trotzdem befürchte ich, dass die beiden herren in dieser saison das ruder nicht mehr herum reissen werden. und richtig, man kann die trainer nicht für alles verantwortlich machen … allerdings halte ich die fitness und trainingsintensität schon für themen, die in der verantwortung der coaches liegen.
    am ende ist es für den standort erneut ein verlorenes jahr. das vertrauen und die euphorie, die durch das vorjahr geweckt worden sind, scheinen jedenfalls wieder dahin zu sein.

  12. Vertrauen und Euphorie kann ich auch nicht mehr feststellen. Ob es ein verlorene Saison (oder meintest du Jahr) wird, entscheidet sich im Eishockey immer erst nach dem letzten Saisonspiel. In Ingolstadt waren Vertrauen und Euphorie zum Jahreswechsel zuletzt auch nicht so ausgeprägt.

    Für den Fitnesszustand muss man hingegen das Trainerteam verantwortlich machen. Allerdings würde ich für eine endgültige Beurteilung tatsächlich jene von Dir verdienstvoll (Danke) ausgerechneten 11 Spiele in 30 Tagen abwarten. Grundsätzlich ist aber natürlich jetzt bereits bedenklich, dass eine derart tief besetzte Mannschaft ohne Verletzungsprobleme so eine Leistung wie am Mittwoch abliefert.

  13. Ich glaube bei der Diskussion, jedenfalls für meinen Teil, um das System-Tuomie, liegt es oft am Durcheinanderwerfen von Begriffen.
    Die grundlegende Spielausrichtung, also das „System“ ist mir schon klar, aber die Spieltaktik, sprich die Umsetzung, sowohl in den jeweiligen Reihen, als auch Anpassungen an das, was der Gegner macht und auch an Spielsituationen, da sehe ch keine Linie, sondern zumeist Wildwuchs.

    Genauso bin ich ein Freund von 4-8 fest einstudierten Spielzügen und auch diese erkenne ich jedenfalls seltenst. Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass man immer einen Spielaufbau nach Schema XY fahren soll, denn damit würde man natürlich die individuelle Kreativität der Spieler ersticken, aber solch fixe Spielzüge helfen einer Mannschaft, in bestimmten Situationen immens, wenn man z.B. in Drucksituation feststeckt oder schlicht einfach mal nichts zusammengeht und man eben einen Plan B zur Verfügung hat um ein Spielaufzubauen, der einem Sicherheit gibt. Das stärkt meiner Meinung auch daS Selbstvertrauen in die individuelle Stärke.
    …und eben da, sehe ich schon noch deutlich Luft nach oben, auch in der 2.Saison.
    …und nochmal, ich mag den Tuomie ja auch und vor allem den Mau und bin absolut kein Freund vom Trainer feuern, aber ich sehe irgendwie keinen Fortschritt, sondern mehr eins vor, eins zurück, Wiegeschritt.
    …und natürlich bringt Trainerentlassung rein gar nichts, wenn man nicht einen Nachfolger hat, den man aktuell für besser/sinnvoller usw BlaBla hält.


    #DEG-NIT
    Gibt es irgendeinen Leser hier, der beim Stande von 4-3 nicht darauf getippt hätte, dass die tiger das noch aufholen, aber dann doch verlieren werden?


    Achja…
    …Erwartungshaltungen
    Der leichte Frust, jedenfalls bei meinereiner, kommt schon daher, dass ich immernoch überzeugt davon bin, dass es in der aktuelllen DEL-Saison mit MAN und MUC zwei Teams mit überdurchschnittlich viel Talent gibt, dahinter sich aber vier bis fünf Teams, einschl. der NIT tummeln, die auch über gehobenes Talent verfügen, dies aber eben nicht oder eben nicht konstant (von Spieltag zu Spieltag und auch von Drittel zu Drittel) aufs Eis bekommen.

  14. @Sebastian Böhm
    Sie haben teilweise recht, die Punkteverteilung ist seit dem Deutschland-Cup tatsächlich etwas ausgeglichener geworden. Gestern in Düsseldorf haben wir beispielsweise wieder 2 Tore von Evan Kaufmann erleben dürfen, über weite Teile der Saison musste man ihn auf dem Eis regelrecht Suchen, um festzustellen, ob er überhaupt körperlich anwesend war. Auch Connor James scheint sich, zumindest in lichten Momenten, wieder daran zu erinnern, dass er Mitgleid einer Eishockeymannschaft ist. Der zeitliche Zusammenfall dieser Leistungssteigerungen mit den Worten Sabos ist sicherlich nur dem Zufall geschuldet….
    Jaspers muss man von der Kritik etwas ausnehmen. Er ist ein unermüdlicher Arbeiter, ein Kämpfer, einer, der nicht davor zurückschrecken würde dem Gegner den Schläger zu zerbeißen, wenn es gelte einen Torschuss zu verhindern.
    Ich glaube aber, dass die erste Reihe das alleinige Zugpferd ist, wenn sie nicht funktioniert, kollabiert die gesamte Offensive. Zur Illustration bietet sich die Serie gegen Wolfsburg an, als die erste Reihe mit dem aggressiven Spiel der Grizzlies überfordert war und niemand in der Lage war einzuspringen.

    Zum System:
    Ich sage nicht, dass Tuomie keine Idee hat wie er spielen möchte. Ich glaube auch nicht, dass er so schlecht ist wie er von vielen gemacht wird.
    Dennoch war es das erklärte Ziel in dieser Saison defensiv sicherer zu stehen. Aktuell sind wir die Mannschaft mit den drittmeisten Gegentoren der Liga, selbst bei wohlwollender Betrachtung kann ich da keine Verbesserung erkennen. Gerade die Situation, dass das gegnerische Team aus seinem Verteidungsdrittel heraus mit einem eröffnenden Pass seinen Center ins Spiel bringt und dieser dann alleine auf unser Tor zuläuft, haben wir (auch laut Fanradio) in schöner Regelmäßigkeit. Siehe das 1:0 für Düsseldorf gestern. Warum erkennt man dieses Problem nicht und lässt die beiden Verteidiger etwas weiter innen stehen, so dass diese den gegnerischen Center noch abfangen könnten?

    Im Übrigen denke ich auch nicht, dass Situationen wie gegen Köln oder Berlin, in denen man den Gegner plötzlich beherrscht, hauptsächlich eine Frage des Spielsytems sind. Ich glaube vielmehr, dass die Mannschaft in diesen Situationen plötzlich den Willen und den Biss zeigt, den sie eigentlich über 60 Minuten zeigen sollte. Wäre dies der Fall stünden wir bequem unter den ersten sechs. Unser Spielaufbau ist ausrechebar, die Fehlpassquote relativ hoch, die gegnerischen Offensivspieler haben oft erschreckend viel Platz. Natürlich kann man sagen, das ist einfach individuelles Versagen von Spielern, die haarsträubende Fehler begehen oder sich in einem Formtief befinden. Die Grundproblematik besteht aber, mal mehr, mal weniger ausgeprägt schon während der gesamten Ära Tuomie. Daher halte ich es für legitim auch die Frage nach dem Spielsystem zu stellen.

    Ein echter Dauerbrenner ist auch unser, mit aller Zurückhaltung formuliert, wenig ausgeprägtes Körperspiel. Ich gehe seit 2004 zum Eishockey und habe während dieser Zeit noch keine Nürnberger Mannschaft gesehen, die dem Gegner körperlich überlegen war, oft waren wir nicht mal ebenbürdig. Aktuell sind die Hälfte unserer Verteidiger unter 1,85m, darüber hinaus haben wir 6 Stürmer, die es auf maximal 1,80m bringen. Das alleine reicht als Erklärung aber nicht aus. Ordnet man nämlich die Teams, basierend auf den Angaben im EHN Sonderhaft Saison 14/15, nach Durchschnittsgröße, kommen die Icetigers auf einen respektablen sechsten Platz. Das zeigt, dass nicht nur die körperliche Statur, sondern auch die Mentalität der Spieler und des Teams entscheidend sind. Tie Domi war auch nur 1,78 aber noch heute dürfte sich der ein oder andere (Ex-) Spieler mit den Spätfolgen eines Zusammentreffens mit ihm herumplagen. Wir verpflichten aber (Ausnahme Printz, evtl. noch Jaspers) anscheinend gezielt Spieler, bei denen keine Gefahr besteht, sie könnten hart checken. Ich frage mich: Warum? Glaubt man im ernst man könnte ohne die im Eishockey so wichtige physische Komponente in den Playoffs bestehen oder gar den Titel holen? Anschauungsmaterial gab es wieder letztes jahr gegen Wolfsburg. Die erste Reihe kam mit dem Körperspiel der Wolfsburger nicht zurecht, die zweite Reihe hat ein Durchschnittsgewicht von 50kg und dementsprechend ohnehin keine Chance und dann wird es schon wieder sehr dünn…. In einer Serie wie der zwischen Köln und Ingolstadt hätte unser Team nicht den Hauch einer Chance. Auch dieszbezügliche sollte sich die komplette sportliche Leitung mal hinterfragen.

Kommentare geschlossen.