Spiel 16: Tiere, Tore, Sensationen

Die Schiedsrichter, die Funktionäre, die Fans, das Spiel an sich, die eigene Wahrnehmung, hab ich schon die Schiedsrichter erwähnt?, Linienrichter, natürlich der Modus, ja, die Playoffs – in der Deutschen Eishockey-Liga wird man von allem und jedem ständig und andauernd enttäuscht. Nur auf Mnnhm, also die Spiele gegen Mnnhm, kann man sich immer verlassen. Auch Spiel 107 bot Checks (zumindest ein paar), Tiere (Adler, Eistiger), Tore (eins zu viel), Fehlentscheidungen (wenige, aber entscheidende) und, jawohl, Sensationen:

Die Fakten: Alexander Oblinger hat gesagt, dass man die Tabelle frühestens zur Deutschland Cup-Pause ernst nehmen sollte. Nun fehlt dazu noch ein Spiel und es sieht ganz danach aus, als wäre die Tabelle noch immer nicht aussagekräftig – zumindest aus der Nürnberger Sicht hoffnungsloser Optimisten. Die Thomas Sabo Ice Tigers sind nach 16 Spielen Neunter und haben (einen Tag bevor sich auch die anderen zwölf Mannschaften dem 16. Spieltag widmen) nur drei Punkte Rückstand auf Rang drei (Hamburg), aber bereits 14 Zähler Rückstand auf den Tabellenführer Mannheim. Für 60 Minuten aber trennte diese beiden Klubs kein einziger Punkt, für 60 Minuten befanden sie sich, so sagt man das wohl und so sagten es auch die Trainer, Tim Schüle und sämtliche Berichterstatter: auf Augenhöhe.

Aus der Pressekonferenz: „Es war von Beginn an ein aufregendes, exzellentes Eishockey-Spiel, mit exzellenten Torhütern.“ (Ja, das erzählen Trainer in dieser Liga auch nach gewöhnlichen Dienstags-Narkotika. Den eingravierten Namen dieses Trainers aber findet man auf dem Stanley Cup. Wenn Geoff Ward also sagt, dass wir da ein exzellentes Eishockey-Spiel gesehen haben, dann haben wir verdammt nochmal auch ein exzellentes Eishockey-Spiel gesehen. Achja, und dafür ist er auch noch bekannt.)

Die Wende: Ja, natürlich hat Jamie Tardifs Cross-Check das 1:2 überhaupt erst möglich gemacht. Und natürlich hätten die Ice Tigers die beeindruckende Mnnhmr Drangphase im zweiten Drittel ohne Gegentor überstanden, wenn sich Lars Brüggemann Marcus Kinks Tor noch einmal hätte anschauen können (The Ugly). Tatsächlich war aber wohl jede vergebene Chance (Jaspers zweimal alleine vor Endras, James einmal, Reinprecht löffelt die Scheibe weit über das Tor, vergibt mit der Rückhand die Chance auf den schönsten Siegtreffer der jüngeren Nürnberger Eishockey-Geschichte) entscheidend zu Ungunsten der Ice Tigers. Mnnhm hatte mehr Schüsse und ebenfalls beste Chancen. So viele offene Schüsse und Alleingänge hat diese sehr stabile Mannschaft bislang wohl gegen keinen DEL-Gegner zugelassen. Eine solch gute Gelegenheit auf einen allseits inspirierenden Sieg wird man sich nur mit großem Aufwand wieder erarbeiten können.

Aus der Mixed Zone, eins: „Ich hätte auch lieber kein Tor geschossen und das Spiel gewonnen.“ (Dieser Marc El-Sayed weiß immer genau, was er sagen muss. Das ist nicht immer aufregend, aber auch niemals unsympathisch. Das Tor hat er sich sehr verdient. El-Sayed hatte zunächst Probleme, sich dem Nürnberger Stil anzupassen. Außerdem fallen derart verantwortungsvolle Spieler nur selten auf, umso wichtiger war wohl dieser erste Treffer für ihn.)

The Good: Nach einer langen Pause (es gab da einige unschöne Zwischenfälle) habe ich zuletzt eine Woche lang ausgiebig Facebook-Kommentare und Einträge in offiziellen und inoffiziellen Foren gelesen. Es war keine schöne Erfahrung, weil offenbar nur wenige Fans wahrnehmen, was Florian Jennemann (NZ), Joachim Meyer (Eishockey News), Christoph Benesch und ich (NN) regelmäßig über die Ice Tigers schreiben. Das klingt jetzt ein wenig beleidigt und vielleicht ist es das auch. Aber es ist doch ziemlich erschreckend, wie weit die Einschätzungen von Journalisten und Fans auseinander gehen. Ein Zitat von Tray Tuomie wie jenes in diesem Artikel feiere ich zum Beispiel innerlich, weil ich auch kein 0-5-Eishockey sehen will. Auf dem zuweilen ganz vernünftigen www.eishockey365.de wird der Coach dafür hingegen zerrissen. Warum? In Nürnberg bekommen die Fans seit zwei Jahren regelmäßig höchst unterhaltsames Eishockey zu sehen. In welcher Arena war das Spekaktel in dieser Zeit größer? In Berlin? Nicht wirklich. In Hamburg? Vielleicht. In Mannheim? Sicher nicht. Natürlich hat Tray Tuomie einen Plan, ein System, eine Idee von erfolgreichem Eishockey. Heute, nein, gestern durfte man im ersten Drittel erneut sehen, was passiert, wenn dieser Idee alle fünf Feldspieler bedingungslos folgen. Wenn allerdings nur einer ausbricht, kann ein 1:8 in Hamburg dabei herauskommen. Natürlich ist das risikoreich, aber es ist auch mitreißend – und wie großartig wäre es, wenn die Ice Tigers mit ihrem Optimismus, ihrem risikoreichen Forechecking und ihrer Freude am Offensivspiel auch in den Playoffs Erfolg hätten. Natürlich ist das unwahrscheinlich. Glauben kann ich daran auch nicht, allerdings nur, weil es das in der DEL bislang noch nicht gegeben hat.

The Bad: Eigentlich wollte ich schreiben, dass man sich als neutraler (Moment, ich muss da immer noch lachen) Beobachter nicht mehr von einem Eishockey-Spiel erwarten kann. Aber das stimmt nicht. Das Tempo war die ersten 30 Minuten extrem (wenn man sich nicht zuweilen ein NHL-Spiel zu Gemüte führt) und die zweiten 30 Minuten immer noch vernünftig hoch. Es gab wunderbare Kleinigkeiten zu beobachten, technische Finessen, wenige, aber dennoch solide Checks, Leidenschaft und großartige Paraden. Und doch hat etwas gefehlt: das Gift. Fürchterlich brav waren Adler und Tiger gestern wieder. Wenn das so weitergeht, wird aus Nürnberg gegen Mnnhm doch noch beste Familienunterhaltung. So weit darf es nicht kommen. Was macht eigentlich René Corbet?

And the Ugly: In Wolfsburg hat Tyler Haskins mit der Hacke seines Schlittschuhs ein ziemlich entscheidendes Tor schießen dürfen, weil die Schiedsrichter bei der Begutachtung des Videomaterials nur eine Perspektive zur Verfügung hatten. Wäre das vierte Viertelfinalspiel von Servus TV übertragen worden, wäre Haskins‘ Treffer niemals gegeben worden. Das war erbärmlich. Nach dem Mnnhmr Ausgleich meinte man nun Lars Brüggemann dabei beobachten zu können, wie er mit sich hadert. Weil er den Videobeweis gerne bemühen würde, aber weiß, dass er aus Perspektive der Übertorkamera ohnehin nicht beurteilen kann, ob Kinks Schläger zu hoch geführt oder ober er den Puck überhaupt berührt hatte. Tatsächlich stand Brüggemann der Videobeweis gar nicht zu Verfügung. Bei der Prüfung vor dem Spiel hatten die Schiedsrichter festgestellt, dass diese Kamera nicht funktioniert und die Trainer darüber informiert. Deshalb hatten sich die Ice Tigers auch nicht gegen diese Entscheidung gewährt. Das kann man nun unglücklich nennen, peinlich trifft es aber wohl besser – dass der Videobeweis nicht zur Verfügung steht, das darf einfach nicht passieren. Ebensowenig ist nachzuvollziehen, warum Brüggemann/Schukies dem Videobeweis auf der anderen Seite dann doch genutzt hatten.

Aus der Mixed Zone, zwei: „Na. Ich hatte nur die Chance vor dem Verteidiger reinzuziehen und ihm den Puck gegen die Laufrichtung einzuschieben. Das mag kein Torhüter gerne. Aber das hat nichts damit zu tun, dass ich mit dem Dennis länger zusammengespielt habe. Das möchte ich mal nicht behaupten.“ (Noch einmal Marc El-Sayed, SMS, Anrufe, Wetten und große Ankündigungen gegenüber ehemaligen Mitspielern hat es angeblich auch nicht gegeben.)

Unsung 3 Stars:

Patrick Buzas macht so viele Dinge richtig, die entscheidenden aber oftmals falsch. Gegen Mnnhm hat er erneut kluge kurze Pässe gespielt, ist viel gelaufen, hat nach rechts, links, vorne und hinten gearbeitet, nur war er dabei kaum torgefährlich. Gemessen an dem Aufwand, den Buzas betreibt, sind drei Punkte in vierzehn Spielen ein bisschen wenig. Wie wichtig er trotzdem als Energizer ist, merkt man meist erst dann, wenn er fehlt. Gegen Mnnhm hat man es auch gemerkt, wenn er auf dem Eis steht.

Der Kollege Meyer hat Andreas Jenike unter die drei Stars gewählt. Vollkommen zurecht. Man hätte aber darüber diskutieren können, ob er sich nicht vielleicht sogar first-star-Ehren verdient gehabt hätte. Das 4:1 in Augsburg hat dem Torhüter sichtlich gut getan. Jenike wirkte vom ersten Save an fokussierter, sicherer und selbstbewusster. Vielleicht liegt das auch nur am Gegner.

Und: Lars Brüggemann ist ein sehr, sehr guter Schiedsrichter. Natürlich macht auch er Fehler, aber eben viel weniger. Natürlich kann man auch über seine Entscheidungen diskutieren, aber viel seltener. Und einzigartig ist seine Art, wie er mit den Spielern spricht und umgeht. Seine Gags, seine kumpelhafte Art, vor allem aber seine klaren Ansagen (zum Beispiel an den – sehr starken – Dennis Reul) setzen ihn vom Rest der DEL-Schiedsrichterei ab.

Und sonst: War es lustig. Ronny Arendt scheitert erst daran, den Puck ins Nürnberger Drittel zu dropkicken und weil das nicht so recht funktioniert hatte, versuchte er kurz darauf eine Flanke von Rheault ins Dirttel zu köpfen. Klappte auch nicht so richtig. Zuvor hatte David Printz bereits eine Tür in die Bande gecheckt. Lustig, nicht? Nein. Gut, vielleicht liegt’s an mir, ich finde ja auch so etwas lustig:

Likmabam! Sensationell. Was wohl Orendorz auf Indisch heißt?

Caldwell-Watch: 13 Punkte in 15 Spielen. Kein weiterer Kommentar.

9 Kommentare in “Spiel 16: Tiere, Tore, Sensationen

  1. Ein paar Gedanken zum Spiel gestern:
    – ein richtig gutes Eishockeyspiel
    – der Videobeweis war eine Fehlentscheidung, der Puck war im Tor
    – Corey Locke und Tino Boos haben eine Gemeinsamkeit in ihrem Scouting Report: He can´t skate at all
    – das Spiel hätte 7-1, 2-6 oder 5-4 ausgehen können. Jedes dieser Ergebnisse wäre nachvollziehbar gewesen
    – Warum verpflichtet man bei einem derart laufintensivem System (wie die Icetigers es praktizieren) einen Center, der sich kaum auf den Schlittschuhen halten kann ?!
    – JT Wyman weiß was er tut
    – Tim Schüle bekommt bedauerlich wenig Eiszeit, weil auch er (mittlerweile) weiß was er tut

  2. sehr geehrter herr böhm,

    ihre vorliebe für spektakel in allen ehren, jedoch geht es beim eishockey nicht darum, maximales spektakel zu zeigen. es dreht sich vielmehr darum, mittel und wege zu finden, spiele zu gewinnen wenn es darauf ankommt.

    dass dem mit klatschpappen ausgerüsteten 0815-eventfan ohne wirkliche ahnung von diesem schönen sport ein ergebnis wie 6-5 gefällt ist mir schon klar – mir ist es auch lieber dass die ice tigers 6-5 gewinnen als 0-1 zu verlieren, aber ich sehe ein 6-5 beispielsweise nicht als ein so tolles spiel an wie es in der berichterstattung zumeist anschließend dargestellt wird. das war dann ein spiel in dem normalerweise beide seiten einfach unglaublich viele eklatante fehler gemacht haben, die dann zu so vielen toren führen. spielen beide seiten konsequent, gut organisiert, nüchtern und ohne viele fehler fallen normal nicht so viele tore.
    das war dann ein gutes spiel, weil taktisch und spielerisch hochwertiges (weil fehlerloses) eishockey gezeigt wurde. für spektakel kann man sich in diesem sport nichts kaufen!

    spielphilosophie hin oder her. als cheftrainer einer professionellen eishockeymannschaft ist es nicht tray tuomies aufgabe für spektakel und unterhaltung auf eis und rängen zu sorgen. es ist seine aufgabe, eben genau die oben erwähnten wichtigen spiele zu gewinnen. wie das dann abläuft hat man letztes jahr während der lehrstunden von pavel gross verfolgen dürfen. sie sagen als verfechter des spektakels ja sogar selbst, dass es keine erfolge mit dieser art von eishockey geben wird.

    da muss es den fans auch erlaubt sein, kritik zu äußern. zumal vor der saison von offizieller seite ein besseres abschneiden als im letzten jahr als ziel ausgegeben wurde (jiranek).

    vielleicht hat er aber auch nur gemeint, dass man es diesmal schafft, sich immerhin in das siebte spiel des viertelfinales zu retten – eine verbesserung wäre es allemal…..

  3. Natürlich ist es nicht schön die Kommentare in Foren oder Facebook zu lesen. Natürlich sind die Fans nicht die besseren Trainer. Natürlich gibt es ein Spielsystem bei den Ice Tigers. Doch wenn es – von der Ergebnissen – nicht so läuft wie sich die Fans das wünschen oder hoffen, gibt es eine (Trainer-) Diskussion. Klar. Ist doch im Fußball genauso. Auch wenn man es nicht will. Und doch stellt sich die Frage, warum die Diskussion so intensiv ist.

    Das war die Einleitung, die ich schreiben wollte. Doch wir waren heute in Ingolstadt. Es gibt nichts schön zu reden (oder zu schreiben). Das Spektabel haben die Gegner. Und unser Spielsystem ist wohl ungeeignet. Sorry für diese krassen Worte.

    1. Der Tabellenplatz
    Da wurde vor der Saison kommuniziert, dass das Ziel ein Top 6 Platz ist (idealerweise sogar Heimrecht für PO). Da wurde die Personalie Jochen Reimer kommuniziert: „Der hält Punkte fest. Der wird das ein oder andere Spiel für uns gewinnen. Im Idealfall erreichen wir eine Stufe mehr (Halbfinale) als letzte Saison (war dies nicht sogar Aussage von Sandner?).“ Das weckt hohe Erwartungen.
    Und die Realität. Mit einem Spiel mehr (!) als wichtige Konkurrenten um die PO Plätze, nach dem 1. Drittel der Saison stehen die Ice Tigers auf Platz 10. Mit 6 Punkten hinter Platz Platz sechs. In der Abwehr (die beginnt bei den Stürmern) teilweise ein Chaos (wie auch letzte Saison), dass einem J. Reimer schon fast leid tun kann. Und Konstanz in der Leistung ist nicht wirklich zu erkennen. Der Anschluss an die Play-Off Plätze geht schon fast verloren.

    2. Die Mannschaft auf dem Eis
    Da wird ein Sommercamp in Minnesota für junge Spieler finanziert („das soll sie besser machen“). Da soll eine Mischung aus vielen jungen Deutschen und erfahrenen Spielern die Saison bestreiten (war als Ziel ausgegeben). Und nach einer kleinen unglücklichen Niederlagenserie (in Straubing Goalie mit schlechtem Tag, in Düsseldorf 30 min verschlafen, in Mannheim kann man verlieren – ja, das kann Alles mal passieren) werden gleich zwei AL neu vergeben und bei den Fans beliebte und motivierte Spieler (Elsner, Weber, …) spielen plötzlich in Frankfurt. Dabei ist die #84 kaum DEL tauglich (wurde heute aus der Reihe genommen, saß lange auf der Bank und Wymann spielte im Sturm neben Kaufmann, der macht seine Nebenleute nicht besser, Defensive kennt der nicht, laufen kann er nicht).

    Tja. Und so ist die Euphorie nach den Playoffs gegen Wolfsburg (besserer Dauerkartenverkauf, guter Trikotverkauf) einer Realität gewichen, mit der sich viele Fans nach der hohen Erwartungshaltung nicht anfreunden können. Die Angst nur die PPO zu erreichen (und zu verlieren) und zur schönsten Jahreszeit mal wieder vor dem Fernseher zu sitzen ist in Diskussionen jetzt schon greifbar.

    Zum Glück ist nun der Deutschland-Cup und man kann diesen leblosen Auftritt vergessen…

    Viele Grüße

    P.S. Auch wenn Caldwell 13 Punkte hat. Die -6 zeigen, dass es defensiv wohl nicht besser geworden ist. Und was bringt dieser Watch…

  4. auch ich war gestern in ingolstadt und habe seit über 10 jahren wieder mal ein spiel zur 55. min verlassen. die ganze mannschaft wirkt total verunsichert, teilweise haarsträubende stockfehler, fehlpässe etc. und auch so kein harter check oder mal ein kampf um die mannschaft wachzurütteln
    auch was tray toumie bei dem spiel mit dieser leistung bei 0:5 noch den torwart rausnimmt ist nicht nachvollziehbar, letztendlich aber auch egal

    was ich sehr schade finde ist, wie mein vorgänger schon angesprochen hat, dass nicht mehr den jungen deutschen spielern vertaut wird und diese nach frankfurt ( pfleger, weber) oder tölz ( kabitzky) gesendet werden. wenn man mit diesen jungen spielern spielen würde und diesen tabellenplatz hätte wäre das zumindest für mich erträglicherer. aber diese zwei al für die nachverpflicheteten spieler zu nutzen kann man nur als verschwendung ansehen

    jetzt pause nutzen und danach vielleicht mit jungen deutschen spielern kämpfen und siegen, aber wenigstens kämpfen

    irgendwie habe ich auch dieses jahr nicht den einduck, dass es in der kabine so stimmt wie noch letztes jahr

  5. Hach, Internet, Du gemütlicher, dennoch stets verfügbarer, Du bunter, trotzdem anspruchsloser Freund – kann aber auch sein, dass ich da etwas verwechselt habe. Kurz: Verzeihung, dass ich erst heute antworte, fünf Tage nachdem dieser Eintrag online ging. In fünf Tagen aber kann es vorkommen, dass Großmütter besucht werden müssen, Ehefrauen Geburtstag haben, Söhne Kriminalpolizei spielen wollen (bitte, keine Kommentare) und zwischendurch immer mal wieder gearbeitet werden muss. Das sollen keine Ausreden sein, nur er Eklärungen (tatsächlich versuche ich durch bewusste Zurückhaltung die Klickzahlen in die Höhe zu treiben, so von 600 auf 612).

    Der Reihe nach:
    @Klaus:
    Was macht Dich so sicher, dass der Printz-Schuss im Tor war?
    Corey Locke ist kein guter Skater, trotzdem kann er in der DEL ein guter Spieler sein – nur eben nicht unbedingt in Nürnberg (dazu später noch mehr).
    Schöner Gedanke mit den unterschiedlich extremen Ergebnissen, hätte ich Dir beinahe geklaut, mich dann aber doch nicht getraut (sticktap in der Zeitung hätte eigenartig ausgesehen).

    @pronger
    Irgendwann Anfang der 90er Jahre stand ich im Linde auf der Gegengerade. Gegen irgendeinen ESVERC (ausauchimmer) lief es eher suboptimal. Ein paar Reihen unter mir hat sich Sven Trautners Gesichtsfarbe mit jedem Trommelschlag einen intensivieren, einen ungesünderen Ton angenommen. Neben meinem Kumpel und mir stand ein kleiner, aber sehr lauter Mann auf einem Bierkasten, der von der ersten Sekunde an gemotzt hat, nicht über die Schiedsrichter, so wie das heute (auch nicht mehr) auf der Pressetribüne üblich ist, sondern über den EHC 80. Seine Sprache war fränkisch eingefärbt, er trug einen rotblauen Schal, hat sich wahrscheinlich selbst als Fan bezeichnet. Und dennoch war alles erbärmlich, Trainer, Angreifer, Verteidiger, Torhüter, Manager, über das System hat man sich damals noch keine Gedanken gemacht. Im Schlussdrittel hat der EHC dann das Spiel gedreht, mit jedem Tor wurde der kleine leiser, seinen Schal hat er trotzdem zu jedem neuen Cancan gewedelt. Heute sitzt dieser kleine Mann vor dem Computer und nutzt seinen Facebook-Account, um alles erbärmlich zu finden.
    Dieser Einstieg nur als Erklärung, warum ich bei diesem Thema ein bisschen empfindlich bin. Die Ice Tigers umgibt seit Jahren eine Aura des Scheiterns und ich glaube nicht, dass das dafür allein Spieler, Trainer und Manager verantwortlich sind. Das hat auch nicht unbedingt etwas mit Fachkompetenz (und schon gar nicht mit der Sportart) zu tun: Mir fällt auf, dass nicht wenige fränkische Sportfans einen großen Gefallen daran finden, zunächst einmal zu kritisieren. Mir reichen diese Typen in der Arena, weshalb ich letzte Woche tatsächlich zum ersten Mal seit langem wieder ins offizielle Forum und zum ersten Mal überhaupt in die Kommentarspalten auf Facebook geschaut habe.
    Das hat alles natürlich wenig mit Ihnen zu tun (gute Güte, ist das affig, Pronger, ich bin der Sebastian, nenn mich so oder Böhmsson, Lohnschreiber, NN-Fuzzi, wieauchimmer), wir stehen hier nur auf lange Einleitungen. Das schlimmste Spiel an das ich mich in der Arena erinnern kann, ist das Overtime-7:6 gegen den Augsburger EV, ein grotesk schlechtes Spiel, mit unerträglich vielen Fehlern auf beiden Seiten. Ich bin mir sicher, dass es Fans/Zuschauer/Eventies gab, die das unterhaltsam fanden, ich hab mir irgendwann einen ordentlichen Spielabbruch gewünscht. Das kann man Spektakel nennen, spektakulär war es nicht. Solche Spiele meinte ich aber auch überhaupt nicht. Tray Tuomie will solche Spiele auch nicht sehen. Und natürlich will der Coach auch nicht für Spektakel sorgen, sondern Spiele gewinnen. Dafür glaubt er an ein System, das im Idealfall keine grotesk fehlerhaften, sondern großartige, weil sehr konsequente und disziplinierte Eishockey-Spiele produziert (die Heimspiele gegen Augsburg, München und Mannheim). Ich glaube auch an diesem System, weil ich oft genug gesehen habe, was passiert, wenn sich alle Spieler an ihre Aufgaben halten. Und ja, ich glaube nicht an die Erfolgschancen dieses Systems in den Playoffs, allerdings nur aus einem Grund: Weil noch niemand mit solch unterhaltsamen Eishockey Meister geworden ist. Umso großartiger wäre es, wenn mir ein sympathischer Trainer mit einem sympathischen Mannschaft auf diese unterhaltsame Weise das Gegenteil beweisen würde.
    Und ja, es ist richtig, dass Tuomie in den Playoffs von Pavel Gross ausgecoacht wurde, aber nicht sechsmal, sondern lediglich dreimal. Ein Spiel wurde durch einen kleinen Skandal entschieden, in zwei Spielen hatte Gross keine Antwort. Vielleicht war die Zeit noch nicht reif für Tuomie, der zwar nicht mehr ganz jung, aber immer noch ein an Erfahrung junger DEL-Cheftrainer ist. Kann gut sein, dass er diese Zeit nicht bekommt. Im Wissen darum, wie hart er für den Erfolg arbeitet, fände ich das derzeit bedauerlich (und solche Einschätzungen sollte man sich als Journalist tatsächlich nur für eine Einträge in Blogs aufheben).
    Natürlich ist es erlaubt, diese Ice Tigers und ihren Trainer und ihren Manager zu kritisieren, wer sollte das auch verbieten? Ich vermisse da nur manchmal etwas Geduld und die Einsicht, dass es Gründe gibt, warum Tuomie Trainer ist und man selbst vor einem Laptop sitzt. Viele meiner Kritikpunkte wurdn beispielsweise bei der Video-Analyse entkräftet. Vielleicht sollte der Coach dazu künftig ein paar mehr Leute einladen. Und wer kann denn Ende Oktober ernsthaft er ahnen, ob Saisonziele erreicht werden? Ich nicht.
    Für solche ernsthaften Auseinandersetzungen aber schätze ich dieses Blog sehr, weil sich hier alle die Mühe geben, mehr als mit Smilies garnierte Einzeiler auszukotzen.

    So Feierabend, auf den geschätzten Frank Strube und Jens gehe ich morgen ein (wenn das Internet da noch offen hat).

    Bestes
    Sebastian

  6. @sebastian
    wir sitzen auf block 135 und haben aus unserer position einen perfekten blick aufs tor. meine sitznachbarn und ich waren uns alle einig, das die scheibe im tor war (ja, ich habe mir mittlerweile die szene auf del.org angesehen und da sieht es nicht so eindeutig aus wie ich es während des spiels wahr genommen habe). gestützt wird das ganze dadurch, das absolut nichts von der scheib zu hören war. die hätte bei einem derart mächtigen pfosten/latten treffer ordentlich lärm machen müssen (respektive die latte).
    aber klar, ih bin da sicherlich nicht unfehlbar, wir hatten einfach in der sekunde alle die gleiche wahrnehmung.

    zu locke: mag sein, dass er ein guter „spieler“ ist. das problem dabei ist nur, dass tuomies system nur funktioniert, wenn alle spieler permanent in Bewegung sind und in beide richtungen entsprechend arbeiten. und da fehlt es locke eben an den grundsätzlichsten Voraussetzungen um diese anforderung zu erfüllen.

  7. @Frank Strube:

    Tabellenplatz: Alles richtig, aber ist das nicht vielleicht ein bisschen früh? Sind da nicht noch 105 Punkte zu vergeben? Wahrscheinlich werden mindestens zwei direkte Viertelfinalqualifikationen doch ohnehin erst wieder am letzten Spieltag vergeben. Würde mich sehr wundern, wenn die Ice Tigers dann nicht mehr im Rennen wären.

    Caldwell: Die minus6 zeigen vor allem, dass er hauptsächlich im Power-Play punktet. Was das bringt? Gar nichts, so wie das meiste, was hier besprochen wird. Ich finde es nur immer wieder erstaunlich, wie stark manche Verteidiger (Caldwell, Blanchard) zumindest offensiv anfangen, ehe sie ganz stark nachlassen.

  8. Hallo Sebastian (sage/schreibe ich jetzt einfach mal),

    wir können uns glücklich schätzen dieses Blog zu haben, dass uns Fans mehr Informationen liefert über unseren Verein als die Tageszeitung bzw. der Online Auftritt der NN/NZ. Neben der Eishockey News (ich schätze auch J. Meyer) und den Infos vom Verein ist dies sicher die wichtigste Anlaufstelle, etwas mehr zu erfahren. Auch wenn ich das IceTigers Magazin gerne sehe und die Videos auf laola1 auch alle nachträglich nochmal ansehe. Damit mal ein riesiges Dankeschön an Dich und Christoph.

    Ich wollte den Beitrag nicht als Generalkritik am sportlichen Management verstehen. Sowieso versuche ich nicht zu den Dauernörglern zu gehören. Meine Herkunft – „Huskies-Land“ – sorgt da für anderes. Ich werde im Oberrang immer seltsam angesehen, wenn ich in spontane Beifallsbekundungen für einen schönen move der #28 oder einen feinen poke check der #49 ausbreche. Das ist vielen leider fremd. Ein Spiel hat ja viel mehr zu bieten als nur Tore.

    Noch ein paar Gedanken. Ich hoffe ich langweile die Leser nicht.

    1) Trainer Tuomie
    Ich hatte das Glück, einige Tage nach Spiel sechs, ein langes Gespräch mit Tuomie auf der Geschäftsstelle zu führen. Wir haben einen tollen Rückblick über die Saison durchgeführt. Vom 0:6 gegen Krefeld zu den vielen großartigen Siegen, über den tollen Teamspirit, das Momentum in den PO, dass dann leider doch keines war. Ich schätze ihn sehr. Seine Kompetenz, Analytik und seine Art (auch die folgenden kurzen Begebnungen). Die feine menschliche Art wurde auch kürzlich von einem Fishtown Fan bestätigt, der bei uns saß.
    Ich fordere nicht seine Entlassung. Das würde mir (auch meinem Junior) echt weh tun. Und ich habe auch seine Art des Bench-coaching akzeptiert, auch wenn ich mir manchmal etwas früher eine Auszeit wünsche. 😉

    Ich habe diese Saison doch das Gefühl, dass einige Trainerfüchse verstanden haben, wie man unser Team, trotz der vorhandenen Qualität, „recht einfach“ besiegt. Und wenn es mal nicht so recht läuft, kommt zu wenig Reaktion vom Team. Auf diese Dinge erwarte ich mir eine Reaktion. Nicht dass der Trainer geht.

    2) Sportdirektor Jiranek
    Ich habe mich von Anfang an in dieser Saison sehr auf die neuen Spieler gefreut. Mir gefällt Möchel auch richtig gut. Ich fand die Auswahl sehr passend zur kommunizierten Strategie. Wie eigentlich (fast) alle passen. Auch damit keine Generalkritik am Management. Und ich gestehe. Ich habe mich auf den einen eingeschossen (vielleicht auch nicht ganz fair). Er passt nicht zur Strategie „physisch präsenter sein“ und ein schlechter Ruf ging ihm voraus, den er leider genau so bestätigt. Nach dem 1:2 gegen Mnnhm (ja er wird unkorrekt gecheckt, aber der Puck ist heiß und die Situation nicht bereinigt und er kurvt in Richtung blaue Linie um sich das Geschehen aus der Ferne anzusehen) hätte ich ihn sofort auf die Tribüne gesetzt. Es passt zum Menschen Tuomie, dass er ihm die Chance in Ingolstadt gegeben hat, das wieder gut zu machen. Doch beim 0:1 genau dassselbe Verhalten (grrr). Aber nach dem Artikel von J. Meyer bin ich etwas beruhigter und warte mal ab, was nun folgt.

    P. Reimer Watch – Die Leistung gestern bei der Nati war richtig gut. Ich hoffe, dass er diese Energie mit nach Nürnberg nimmt.

    Und zur Tabellensituation. Die nächsten Aufgaben (in Iserlohn hängen die Trauben für Nürnberg immer hoch, gegen Krefeld 9 Niederlagen zuhause in Folge, und wir haben derzeit keinen Savage für das Spiel im Obi) bedeuten, das die Ice Tigers endlich mal eine Serie brechen müssen. Sonst…

    Die Emotionen haben sich gelegt (vielleicht sollte ich erst eine Nacht schlafen, bevor ich schreibe). So langsam freue ich mich schon wieder auf die Spiele zu hause und auch auswärts (in Augsburg war es großartig, mein Sohn treibt mich auch dazu). Natürlich können wir es nicht lassen…

    Ich wünsche uns allen Nürnberger Eishockey Fans, dass wir mit Tray Tuomie in die PlayOffs kommen. Er hätte es sicher verdient. Ich wünsche vor allem ihm, dass ein paar Siege kommen, damit mehr Ruhe reinkommt.

    Viele Grüße
    Frank

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