Spiel zwei: Punchingball und die DKF

preimer

Püschelbärchen33 war es nicht. ryanCALDWELLforever war es nicht. 77_27_12_26_87 auch nicht. Und sämtliche sehr süßen Passwörter des Kollegen @chribenesch ebenfalls nicht. Welchen Blödsinn ich mir einst habe einfallen lassen und über den Sommer wieder vergessen habe, werde ich nie erfahren, soeben habe ich mir von WordPress mein Passwort zurücksetzen lassen. Meine Schuld, meine große Schuld, liebe Blogosphäre. Nachdem unzählige Leser (also, wenn man nur bis drei zählen kann) bereits verwundert nachgefragt hatten, soll es jetzt 48 Stunden nach Spiel zwei endlich losgehen.

Die Fakten: Nürnberg holt mit dem 3:2 (0:1, 2:0, 0:1, 0:0, 1:0) immerhin zwei Punkte gegen den Iserlohner EC. Das darf man durchaus als Erfolg werten – 2014 gibt es saisonübergreifend kaum bessere Mannschaften als die Deutsch-Kanadische Freundschaft (DKF) vom Seilersee. Und vom 10:9 und 9:0-Doppelpack sollte man sich auch nicht mehr täuschen lassen, seitdem gab es für die Ice Tigers nicht mehr allzu viel zu holen, wenn es gegen Deilinghofen ging. Fünf Punkte also nach Wochenende eins, vor einem Jahr war das die Grundlage für ziemlich viel Spaß zum Saisonbeginn.

Aus der Mixed Zone: Eigentlich wollte ich an dieser Stelle den Kauf der Eishockey News empfehlen – natürlich wegen der bunten Bilder und der vielen Zahlen, vor allem aber wegen eines Zitats, das sich der Kollege Joachim Meyer exklusiv erarbeitet hatte, während ich mir vorgestellt hatte, wie Leo Pföderl in einer Helmut Dietl-Serie brillieren würde. Jetzt kann ich es einfach abschreiben: „Ich habe noch nie gesehen, dass einer, der als Punchingball benutzt wird, eine so große Strafe bekommt.“ Jochen Reimer über Patrick Reimer – Nürnbergs Eishockey-Berichterstatter haben schon jetzt einen neuen Lieblingsspieler.

The Good: Am Mittwoch war Patrick Reimer noch in einem netten Innenstadt-Café gesessen und hatte, streng von seinem Bruder beobachtet, folgende Frage beantwortet:

Im Eishockey wird auch gerne mal gestritten, vor allem wenn der eigene Torhüter angegriffen wird, müssen Sie da künftig auch mal ran, Patrick – oder gibt es bei den Ice Tigers andere, die diesen Job übernehmen dürfen?

Patrick Reimer (überlegt lange): Da gibt es mit Sicherheit andere, die das machen. Aber…NATÜRLICH stelle ich da vor meinen Bruder… (noch eine lange Pause) kommt natürlich darauf an, wer mir da gegenübersteht.

Jochen Reimer: Alle unter 1,70 übernimmt der Patrick.

Patrick Reimer: Die werden alle abgeräumt.

Grad recht lustig ging es zu. Wer konnte schon ahnen, dass sich Patrick Reimer fünf Tage später tatsächlich vor einen Mitspieler stellen würde, einen Mitspieler, der nicht Reimer heißt. Und dass ihm dabei ein Spieler gegenüber stehen würde, der weit größer als 1,70 Meter ist und in dieser Liga zu den gefährlicheren Genossen zählt, das war ebenfalls nicht zu erwarten. Nachdem Colten Teubert aber die Luft aus Marco Pfleger gelassen hatte, passierte genau das. Patrick Reimer trägt das C bereits zum dritten Mal, einen Respektsschub hat er nicht mehr nötig – aber genau den dürfte ihm diese Aktion intern noch verschafft haben. Es sind nicht die Tore oder die krachenden Checks gegen kleinere Gegner, an die sich Mitspieler erinnern. Es sind geblockte Schüsse und selbstlose Vorlagen, die für Respekt sorgen. Und Kamikaze-Aktionen wie diese. „Das war ein gutes Zeichen“, lobte Coach Tray Tuomie danach, „vor allem, wenn es von einem Spieler kommt, der nicht so für so etwas bekannt ist.“ Patrick Reimer war nicht dafür bekannt, sich mit Wandschränken anzulegen, die bei www.hockeyfights.com eine derart beeindruckende Anzahl an Fight Cards vorweisen können. Jetzt ist er es. Erste Überraschung dieser Saison.

The Bad: Natürlich kann man es mit der Würdigung Patrick Reimers nicht belassen. Und natürlich hat Teubert nur seinen Job gemacht: den Gegner mit einem grenzwertigen Hit (Puck war weg, die Bande nahe, Gegner war nicht vorbereitet – zwei Minuten angemessen) einschüchtern, auf einen Angriff mit Schlägen reagieren, mindestens einen Gegner mit auf die Strafbank nehmen. Nur von Daniel Piechaczek, diesem anerkannten Liebhaber technisch anspruchsvoller Hackentricktore, hätte man in dieser Situation schon ein wenig mehr Fingerspitzengefühl erwarten dürfen – selbst wenn man weiß, dass David Printz in seinen Handgelenken mehr Gefühl hat als sämtliche DEL-Referees in all ihren Fingerspitzen. Patrick Reimer hat seine Handschuhe nicht ausgezogen, selbst wenn er wollte, hätte er das nicht gekonnt, weil ihn Teuberts Sparringspartner Brodie Dupont festgehalten hatte. Dupont wurde dafür nicht bestraft – und seine Mannschaft auch nicht, weil bis zum Spielende 4gegen4 weitergespielt wurde. Natürlich lässt sich das nach der Lektüre von fünf Forumsseiten bei www.eishockey365.de leicht behaupten, aber Piechaczek hätte das auch schon während der Eskalation angemessen bewerten können.

And the Queen: Patrick Reimer im Nahkampf mit Colten Teubert festgehalten, mit mehreren schönen Schwalben und zwei Tore aufgefallen. Den Titel der Königin dieses Spiels trägt Brodie Dupont völlig zurecht.

Aus der Pressekonferenz: „Das war sicherlich ein harter Check. Colten kann so hart checken. Muss man so hart checken am Ende des Spiels?“ (Jari Pasanan, Sauerlands Trainer, wusste genau, was er zu dieser Szene zu sagen hatte. Guter Mann.)

Unsung 3 stars: So schön, so brotlos. Nick Petersen kann gut mit der Scheibe umgehen, das zeigt er gerne allen, eigentlich immer, wenn er die Scheibe hat, und meistens gibt er sie auch nicht mehr ab. Wenn am Ende einer Saison auf die Statistiken schaut und ein paar Namen bei Eliteprospects eingibt, fragt man sich zuweilen, warum einer wie Petersen nach Iserlohn wechselt und nicht, nur so zum Beispiel, nach Nürnberg. Wenn man ihn dann genauer beobachtet, weiß man, warum. Petersen macht Spaß, allerdings haben seine Kollegen dann keinen mehr.

Schade, dass er später in einem Wechsel die Scheibe dann gleich zweimal schussbereiten Iserlohnen aufgelegt hat. Ansonsten hätte man von einem erstaunlich souveränen Debüt schreiben dürfen. Vielleicht ist es aber ganz gut so, wenn Derek Joslin die Messlatte noch nicht allzu hoch gelegt hat. Gerade während der 3-5-Unterzahl aber hat Joslin mit seiner Ruhe und seiner Konsequenz beeindruckt. Und auch Kyle Klubertanz hat angedeutet, dass er sich vor allem in den Special Teams zu einer ganz wichtigen Verstärkung entwickeln könnte. Man hat jedoch auch gesehen, dass er vielleicht noch ein wenig Zeit braucht, um nach einer verlorenen Saison wieder in Form zu kommen.

Und noch was Sympathisches vom Nachbarn zum Schluss (pathetic würde der Amerikaner sagen, ein treffenderes Wort fällt mir gerade nicht ein):

7 Kommentare in “Spiel zwei: Punchingball und die DKF

  1. vielen dank, dass es weiter geht mit dem besten blog der stadt 🙂

    hätte man aber zu beginn der verlängerung dann nicht eigentlich 3 gegen 3 spielen müssen?
    wer mir in den beiden spielen auch noch gut gefallen hat war marco pfleger in der ersten reihe

  2. Ich hab mich schon gefragt, was ich im Sommer außer den Arenabesuchen vermisst habe….
    dieser Blog war `s .. Danke!
    Inhaltlich ist nichts hinzuzufügen.

  3. Kommentare sind jetzt auch wieder freigeschalten. Mehr will mir nicht einfallen. Muss. Schreiben. Jetzt.

  4. nur mal ein paar lose Gedanken, die ich am Sonntag während des spiels so hatte (ohne Anspruch auf Richtigkeit):
    – die Spieler wissen noch nicht, was sie mit dem vielen Platz anfangen sollen
    – Printz ist kein DEL Verteidiger (Speed)
    – Iserlohn hätte – trotz massiver Unterlegenheit – deutlich gewinnen können
    – Jochen Reimer könnte das fehlende Puzzleteilchen sein
    – Buzas funktioniert nicht mit Kaufmann und James (Oblinger ?)
    – Patrick Reimer sollte nicht prügeln
    – verschenkter Punkt

  5. Platz: So hat das ausgesehen.
    Printz: Wenn Printz kein DEL-Verteidiger ist, bin ich kein… zu dünnes Eis. Printz ist ein sehr anständiger Skater, oftmals wirkt er aber nicht so. Die Frage, ob Printz‘ Vorzüge eine Ausländerlizenz wert sind, die wird man allerdings wohl noch des öfteren diskutieren.
    Iserlohn: Das wäre aber doch sehr unverdient gewesen.
    Reimer: Sehe ich auch so.
    Buzas: Das hat in der vergangenen Saison bereits so ausgesehen, sieht jetzt leider wieder so aus. Vielleicht ist die Stichprobengröße aber auch noch zu klein. Und vielleicht muss der Spieler, der mit Kaufmann und James funktioniert, erst noch geboren werden.
    Reimer II: Das weiß er selbst am besten.

  6. war mein erstes spiel, was ich in dieser saison gesehen habe, daher sicherlich nicht fundiert, sondern eben nur wirklich ein paar Gedanken, die ich während des spiels hatte.
    bei printz bin ich hin und her gerissen: ja, er ist sicherlich nicht der teuerste. ja, er kann ordentlich austeilen und gibt der mannschaft physische präsenz.
    dennoch war ich, nachdem er in der playoff serie gegen wob teilweise nicht gespielt hat schon überrascht, dass er wieder in nürnberg aufläuft.

    ich habe bei ihm immer das gefühl, das er ziemliche schwierigkeiten mit der raumaufteilung hat und das er sich eben immer wieder auf dem falschen fuss erwischen lässt.

Kommentare geschlossen.