Spiel 48: Viona Harrer für die Ice Tigers?

Aus. Aus. Aus. Alles Quatsch. Vier Tage bevor die Saison nochmal anfängt, muss auch dieses Blog ernster werden. Mit spruchreif, unbesungenen Helden und derlei Quatsch ist einem solchen 3:5 gegen Ingolstadt nicht beizukommen. Diese Niederlage hat erneut offenbart, auf wie vielen Baustellen Tray Tuomie und Moe Mansi in den nächsten zehn Tagen für Ordnung sorgen müssen. Weiter lesen

Spiel 47: So schön wie Ruth aus der 6b

Zum Bild: Steven Reinprecht in frühen Jahren (als er noch Haare hatte)

Der 18. Februar 2014 wird als der Tag in die Geschichte dieser Eishockey-Saison eingehen, an dem bei den Thomas Sabo Ice Tigers die Defensive zurückkehrte. Lag es am starken Andreas Jenike, der von 37 Schüssen auf sein Tor 36 hielt und den in München enttäuschenden Tyler Weiman bravourös ersetzte? Lag es am starken Ryan Caldwell, der nur einmal ausgerutscht ist und ansonsten keinen Zweikampf verlor? Oder an der Rückkehr von Marco Nowak, der – wie Matt Hussey und Patrick Buzas – mit einer Sicherheit und Selbstverständlichkeit spielt, als wäre er nie weg gewesen? „Das alles ein bisschen“, meint Trainer Tray Tuomie. „Vor allem aber, weil die Jungs jetzt diesen unbedingten Siegeswillen haben, gerade rechtzeitig vor den Play-offs.“

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (Platz 6, 46 Spiele, 77 Punkte, 161:138 Tore) besiegen einen ihrer Angstgegner, die Iserlohn Roosters (8., 46, 63, 132:137 Tore) vor 3969 Zuschauern in der Arena am Kurt-Leucht-Weg mit 2:1 (0:0, 0:0, 2:1) und überholen damit die Adler Mannheim und schieben sich auf Rang 5 nach vorne. Der Vorsprung auf die Pre-Play-off-Plätze (wollte ich unbedingt unterbringen, dieses Wort) vergrößert sich von zwei auf fünf Punkte. Ein rundum gelungener Dienstagabend also.

Spruchreif, eins: „Ich hab die Jungs nach dem ersten Drittel in der Kabine angelogen“ (Tray Tuomie hatte gesagt, heute würde ein Tor reichen, um das Spiel zu gewinnen. „War dann aber ja nicht so, wir brauchten zwei…“)

Die Wende: Warum gibt es in der Arena noch Fans, die Trikots anhaben, die nicht mit „28 – Reinprecht“ bedruckt sind? Die diesen 37-jährigen Kanadier nicht vergöttern, dafür, wie leicht er über das Eis fliegt, wie vorsichtig er die Scheibe aufnimmt (heute, als er sich in den Schuss warf (!!), hat er sie sogar in die Hose gesteckt), als wäre sie ein rohes Ei, wie er sie behutsam über den Boden schiebt, sie mit Körper und Schläger beschützt vor all den rohen, technisch so beschränkten übrigen Spielern, wie er die Raufbolde ausguckt, sie scheppernd ins Leere checken lässt, den Puck dann behutsam anhebt, über die Schoner des wild heranfliegenden Goalies mit diesem Entsetzen im Gesicht „Oh nein, nicht Gott himself!“, direkt unter die Latte. Gestern, auf diese Weise, zum 1:1. Eishockey, so schön wie das Gesicht von Ruth aus der 6b, neben der ich irgendwann auf der Freizeit im Zelt liegen durfte und die ganze Nacht kein Auge zutat, so schön wie ein Blick aufs Girokonto, als ich in den ersten Berufsjahren noch bei meinen Eltern lebte, oder eben so schön wie ein Abend vor dem Fernseher, wenn man zum x-ten Mal nach einem Ice-Tigers-Spiel die Wiederholung von „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ auf VHS einlegt, einfach nur, weil das Gefühl noch so frisch, so aufregend ist, dem Hauptdarsteller gerade erst bei der Pressekonferenz die Hand geschüttelt zu haben.

Spruchreif, zwei: „Alter, stell Deine Fragen und geh…“ (Marco Nowak grinsend, der unter der Woche bei den Brose Baskets zwei Charity-Freiwürfe vergab, auf die Aussage des Kollegen Jennemann, am Sonntag spielen die Ice Tigers seines Wissens nach gegen die Chicago Bulls)

The Good: Diese unfassbare Überzahlreihe, die Tuomie gegen Iserlohns Brechstange zeitweise aufs Eis schickte: Reinprecht, Reimer, Stastny, Hussey/Ehliz, Eriksson. Eine Reihe, die so wohl auch in der NHL spielen könnte – als durchschnittliche vierte Reihe. Auf DEL-Niveau ist sie ein Augenschmaus, rechtfertigt allein den Eintrittspreis (ich weiß, ich weiß, das schreibe ich permanent. Werde ich aber weiterhin so machen, solang in der Drittelpause noch Fans mit „Aab“-Trikots neben mir am Pissoir stehen). Und die gegen Iserlohn in Person von Reinprecht, Stastny (was für ein starker Pass!!) und Ehliz (wie abgebrüht!!) das Siegetor erzielte.

Spruchreif, vier: „Gegen wen spielen wir denn am Freitag?“ – Ingolstadt – „Wie stehen die so?“ – Kämpfen, wie ihr um den direkten Einzug in die Play-offs – „Ja dann: Ingolstadt ist eine starke Mannschaft, die kämpfen, wie wir, um den direkten Einzug in die Play-offs.“ (Patrick Buzas auf die Bitte, ob er nicht noch ein paar Sätze zum anstehenden Gegner loswerden könnte)

The Bad: Die Kolumne, die man langsam getrost in „the bad Referees“ umbenennen könnte. Hier geht es diesmal auch wieder um sie, über die offenbar sexuelle Stimulation, die den Herren ein Bully liefert, weil man da austrainierte Raufbolde mit einem arroganten Wink einfach davonschicken kann und für diese überheblich-peinliche Geste nicht, wie in jeder Wüstenkneipe von Arizona bis Nevada, (zurecht) eine Faust riskiert. Die darüber hinwegsehen, wenn Iserlohner Andreas Jenike gleich mehrfach über den Haufen fahren oder zwischenzeitlich zu sechst auf dem Eis stehen.

And the Ugly: Wäre Steven Regier doch ein Stürmer. Das dachte ich mir gestern gleich zweimal, als der zum Verteidiger umfunktionierte Kanadier die Scheibe mustergültig serviert bekam, einmal aber das Tor nicht traf, das andere Mal die Scheibe.

Unsung Hero: Ryan Caldwell bekam diesmal von seinen Kollegen den Wrestling-Gürtel des besten Spielers überreicht. Und, man muss sagen, durchaus zurecht. Für seine Verhältnisse spielte Caldwell überirdisch, für DEL-Niveau stark. Außerdem ein Augenschmaus: Matt Hussey, der sich schwer tat, den Puck wieder herzugeben, wenn er ihn denn mal bekommen hatte. Und: Marco Nowak, nicht nur, wie er, naja, sagen wir mal gerade noch so am Rande der Legalität, den Konter von Macek bremste. Und Patrick Buzas, der nichts von seiner sprühenden Energie eingebüßt hat, während der Monate, die er verletzt auf der Tribüne sitzen musste. Sie machen wieder Spaß, diese Ice Tigers. Und geht es am Freitag so weiter (obwohl der Kollege Böhm wieder auf der Pressetribüne sitzt – im Sport steckt nunmal viel Aberglaube!), dann könnte diese Saison noch sehr, sehr lange werden.