Spiel 43: Busunternehmen Pannenbecker

Der Mannschaftsbus der Düsseldorfer EG

Mit hängenden Köpfen schlichen die Gäste nach und nach aus der Kabine hinaus in die Finsternis der Nürnberger Nacht. Ein paar Schritte durch die Kälte, dann hineinschlüpfen und allen Blicken entfliehen, in die offene Bustür. Nullzuacht, das erlebt man nicht alle Tage, nicht einmal bei der Düsseldorfer EG aus der Saison 2013/2014. Zwei 1:7 waren mal dabei, ein 1:6, sogar ein 0:6. Doch, oh nein, was steht denn da auf dem Bus? „Busunternehmen Pannenbecker“ – das wäre fast so, als würde ich bei der Tageszeitung Fehlerteufel arbeiten. Oder aber Thomas Sabo hätte eine Anhänger-Kollektion für Silberkettchen mit dem Namen „Kram“… 

Die Fakten: Es ist eine entscheidende Phase jetzt, mal wieder. Gegen all die Gegner, die in unmittelbarer Nähe der Ice Tigers (Platz 5, 43 Spiele, 73 Punkte, 147:124 Tore) lagen, haben sie zuletzt auswärts verloren. Jetzt kommen mit Düsseldorf (14., 47Spiele, 38 Punkte, 89:163 Tore), Straubing (12., 43 Spiele, 52 Punkte, 108:125 Tore) und, nach der Olympia-Pause, den Eisbären (11., 4 Spiele, 57 Punkte, 118:135 Tore), Gegner aus den unteren Gefilden der Liga. Die Ice Tigers brauchen Punkte, für das direkte Erreichen des Play-Off-Viertelfinals. Sechs Punkte beträgt der Abstand auf den EHC München (43 Spiele, 67 Punkte, 141:133 Tore), der momentan auf dem ersten Pre-Play-Off-Platz (was für ein schreckliches Kuppel-Wort!) steht. Nach München geht es, richtig, direkt nach dem Berlin-Spiel, zwei Tage später.

Spruchreif, eins: „Nö“. (Patrick Reimers Unterbrechung der Frage „Sprechen wir kurz über die Nationalelf…“. Nachfrage: „Gar nicht?“ – Reimer: „Ne, will ich nichts zu sagen.“)

Die Wende: War das 1:0, das gar nicht das 1:0 war. 15 Sekunden (!) waren gerade einmal gespielt, als Connor James die Scheibe an Yan Stastnys Kufe passte. Stastny bremste sich da gerade in Position, führte also wohl eine Bewegung zur Scheibe aus – wenn auch ungewollt. Der Hartgummi war plötzlich im Tor – und die Unparteiischen entschieden auf: kein Tor, da eine Kickbewegung ausgeführt wurde (der eigentliche Grund war wohl, dass einige Fans vorher zu „Aumüller raus“-Sprechchören angestimmt hatten). Ich hatte ehrlicherweise in puncto „Kickbewegung“ zunächst akustisch Probleme, das Wort zu verstehen (und wahrscheinlich wollte ich es einfach auch mit einem „F“ am Anfang gehört haben). Einen anstößigen Hüftschwung hat Stastny aber ebenfalls beim Bremsen gemacht. Soll heißen: Es war also ok, das Tor nicht zu geben. War aber auch: egal, denn wie Tray Tuomie später sagte: „Dieses erste Tor von Yan – egal, ob es gezählt hat oder nicht -, das war furchtbar wichtig für uns. Von da an waren wir im Spiel.“ Nach fünfzehn Sekunden.

Spruchreif, zwei: „Das weiß ich doch nicht, das hättet ihr ihn fragen sollen“ (Tray Tuomie auf die Frage, warum Düsseldorfs Coach Christian Brittig beim Stande von 0:8 plötzlich eine Auszeit nahm)

Die Statistik: Zeigt diesmal die Effektivität der Ice Tigers im Mitteldrittel: Zwölf Schüsse, fünf Tore. Dabei fand Tray Tuomie die ersten acht Minuten dieses Abschnittes noch einmal ungemein gefährlich: „Wir kamen nicht gut rein in das Drittel, wenn da ein Tor für Düsseldorf fällt, wird es nochmal eng.“ Düsseldorf schoss neun Mal. Tyler Weiman (das Rechtschreibprogramm will dauernd Tyler Weimar aus ihm machen, dabei hat er doch mit Martin Luther nichts am Hut!) hielt alle Schüsse. Im übrigen hielt Weiman alle 21 Versuche der DEG in 60 Minuten. Nur beim Versuch von Bostrom hätte er noch hinlangen können – dann wäre die Scheibe nicht gegen den Videowürfel geknallt.

Spruchreif, drei: „Es ist traurig mitanzuschauen, wie die Jungs aufopferungsvoll kämpfen, es heute aber bei weitem nicht gereicht hat. Aber Mitleid war von meiner Seite nicht dabei“ (Patrick Reimer, angesprochen auf den Kantersieg gegen die alte sportliche Heimat)

The Good: Ein Mercedes, der nur auf Eis fahren kann – was für ein geiles Auto, noch dazu, bei diesem frostigen Winter in Deutschland! Über den Asphalt vor der Arena fuhr die silberne Nobelkarosse, die sich jetzt sicher alle Fans kaufen werden, dann in zwei Metern Höhe – auf dem Rücken eines Abschleppdienstes.

Spruchreif, vier: „Ich hab zu Mo gesagt: Die letzten zehn Minuten kommt Brett Festerling nicht mehr aufs Eis, wir schonen ihn. Habt ihr Brett gesehen zum Schluss?“ – Kollektives Kopfschütteln. – „Gut, dann hat Mo gemacht, was ich gesagt habe.“ (Tray Tuomie)

The Bad: Die Arena-Regie. Immerhin Tyler Weiman konnte sie mit der Kamera korrekt einfangen beim Verlesen der Starting Five. Ansonsten sahen wir Kaufmann als James, Stastny als Caldwell, Festerling als Caldwell und James als Kaufmann. Oder umgekehrt. Oder war doch Stastny Kaufmann und Festerling James? Ansonsten gab es, nunja, wirklich wenig an den Ice Tigers auszusetzen. Vielleicht noch die Chancenverwertung – aber selbst die ist bei acht Toren aus 36 Schüssen traumhaft – jeder vierkommafünfte Schuss (rechnet man das so?) war ein Treffer. Soviel Gummi wie Stefan Ridderwall zwischen die Beine bekam, wäre das wohl sogar im Frauentorgraben rekordverdächtig gewesen (zu hart – dann sorry!).
Und dann traf da ja noch zum Beispiel Marco Pfleger (ja, die Jungen durften heute sogar in Überzahl aufs Eis) einmal nur die Latte…

Spruchreif, fünf: „Man kriegt mal so eine ins Kreuz. Das kommt vor, das war mir klar, dass das irgendwann passieren würde. Aber jetzt ist es wichtig wiederaufzustehen, weiterzumachen. Und dahin zurückzukommen, wo wir zuvor waren.“ (Düsseldorfs Coach Christian Brittig, der, nein, Rechtschreibprogramm, keine Britin ist. Aber, lieber Herr Brittig, wo war die Mannschaft denn zuvor überhaupt?)

And the Ugly: Hässlich war in diesem Spiel eigentlich nur, wie der Großteil der Düsseldorfer Mannschaft seinen Torhüter immer wieder allein ließ. Aber ich vermute mal, auch Bobby Goepfert (nicht Geopfert – mannmannmann, wo lässt sich diese Autokorrektur abschalten?) hatte an diesem Tag keine Lust, Ridderwall zu erlösen und sich selbst zwischen die Pfosten zu stellen. Damit hätte er sich ja praktisch: geopfert, der Goepfert (hohoho)

Unsung Hero: Ryan Caldwell. Weil er mal keinen spielentscheidenden Fehler gemacht hat. Und weil er nur einmal, ziemlich am Anfang, ausgerutscht ist. Ich will ihm mal die Schlittschuhe meines Sohnes mitbringen, die haben zwei Kufen nebeneinander an der Sohle…
Und dann war da natürlich Steven R….. der Hockeygott. Nein, nicht der, sondern der: Rupprich. Der Berliner trägt schonmal, wie auch Patrick Reimer und Ryan Caldwell, vorsorglich einen Play-Off-Bart (oder fragt er sich nur: der November ist heuer aber lang…?). Fuhr urplötzlich tatsächlich einen (fast) perfekten Bauerntrick mit Torabschluss (Schiedsrichter entschieden wieder nicht auf Treffer) und traf wenig später sogar doch noch ins Tor. Weil wir das nicht alle Tage sehen: Extralob für den Arbeiter!