Spiel 33: Stefan, hol die Jungs raus

Das wird der klassische fränkische Sportbeobachter jetzt vielleicht nicht nachvollziehen können: Aber man kann, ja, man darf sich manchmal auch mit dem Gegner freuen. Zum Beispiel heute (am Ende dieses Eintrags: gestern) mit dem Schwenninger ERC, seinen Fans alter Schule, seinem Trainer Stefan Mair – und natürlich mit Sascha GOC.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers haben mit dem 3:4 (0:0, 2:1, 1:2, 0:0, 0:1) gegen den Schwenninger ERC ihre Ausgangslage in der DEL-Tabelle verbessert (allerdings sollte man dabei schon erwähnen, dass Köln und Hamburg diesen 33. Spieltag erst am 4. März abschließen).

Spruchreif, Teil eins: „Wir verlieren und machen Punkte gut. Auch gut.“ (Tray Tuomie studiert das Tabellenbild und rastet kurz aus, als er sieht, dass Berlin in Düsseldorf verloren hat – ob er sich darüber gefreut hat oder eher nicht, war dabei nicht zu erkennen)

Die Statistik: Nummer sechs – and counting. Für Patrick Reimer könnte 2014 wahrscheinlich ganz gut so weitergehen wie 2013 geendet hat. Reimer traf zuletzt gegen Berlin, in Iserlohn, in Köln, in Straubing, in Düsseldorf sowieso und jetzt gerade (also: gestern) gegen Schwenningen. Macht er so weiter, hat er am Ende der Saison 39 Tore geschossen. Und dann soll Pat Cortina noch mal genau erklären, warum er den Nürnberger Kapitän nicht mit zur Weltmeisterschaft nehmen will.

Die Wende: Das 3:3 wäre zu einfach. Viel wichtiger für den SERC und zum (schrill quiekend rennt das Phrasenschwein aus dem Zimmer) psychologisch ungünstigen Zeitpunkt für die Ice Tigers aber war wohl das 2:1 von Nick Johnson spät im zweiten Drittel. Eine dumme Strafe gegen David Printz (gerade hab‘ noch nicht mal ich Böcke darauf, mir ein weiteres Mal neue Formulierungen bezüglich ungenügender Schiedsrichterleistungen einfallen zu lassen – vor allem nach den Vorkommnissen in Straubing und Düsseldorf) und fünf Sekunden später ein Schuss vom einstigen 1st-Round-Pick Wishart, eine gute Reaktion von Johnson – und schon war Nürnbergs vermeintliche Souveränität dahin.

Spruchreif, Teil zwei: „Ich kann den Buzas nicht mehr sehen.“ (Marco Nowak über die größten Schwierigkeiten in der Reha – aber Vorsicht, Nowak spricht fließend ironisch. Nachlesen kann man das in der ersten Wochenendausgabe von sowohl den Nürnberger Nachrichten als auch der Nürnberger Zeitung.)

The Good: Eine Eishockey-Mannschaft, die von einem Hersteller für Endoskope alimentiert wird, das allein reicht mir schon, um gewisse Sympathien für den Schwenninger ERC zu empfinden. Kommen dann noch Gimli, Glóins Sohn, auf Schlittschuhen hinzu, und der coolste Typ, der jemals in der DEL gespielt hat (der unerreichte Sascha Goc), dann wippt man plötzlich mit, wenn der Oberrang in der Nordkurve sich selbst und die Gastmannschaft feiert. Schwenningen hat hart gespielt, gegen die Ice Tigers und gegen sich selbst. Ist es nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass Nürnberg gegen solche Teams die größten Probleme hat?

The Bad: Buzas und Nowak werden noch länger fehlen, Stastny ist nicht mit dabei, ebenso wie Pfleger und Krüger. Tray Tuomie beklagt sich nicht darüber, immerhin steht ihm eine potenziell extrem tiefe Auswahl zur Verfügung. Aber dass ihm Brett Festerling fehlt, das kann er kaum leugnen. Gegen Schwenningen hat er deshalb sogar nur zehn Angreifer aufs Eis geschickt, weil er auf die Härte von Caldwell und Printz nicht verzichten wollte. Danach war er sich nicht mehr ganz so sicher, ob das eine gute Idee war.

And the Ugly: Nürnberg hat ein weiteres Spiel verloren, dass es eigentlich vorzeitig hätte gewinnen müssen – so wie zuletzt in Iserlohn und in Straubing. Dieses fiese interessante Auftaktprogramm 2014 (Hamburg, Krefeld und Wolfsburg zu Hause, dazwischen ein Ausflug nach Ingolstadt) wird den Ice Tigers zeigen, wo sie derzeit stehen.

Unsung three stars:

1. Jame Pollock ist noch so ein Spieler, der zu wenig Fame bekommt, von uns Journalisten-Fuzzis, vom Publikum und überhaupt. Acht Tore, plus 16 – statistisch ist das beeindruckend. Für die Mannschaft ist Pollocks Verlässlichkeit wichtiger. Dass er sich dazwischen immer mal wieder zu einem Stockfoul hinreißen lässt, das lässt sich in dieser Form ganz gut ertragen.

2. Steven Rupprich ist ein exzellenter Penalty-Killer. Kann sein, dass das zuvor schon einmal jemandem aufgefallen ist, Tray Tuomie zum Beispiel oder Jeff Tomlinson. Ich behaupte sogar, dass es in der DEL kaum ein besseren Unterzahlspieler gibt, zumindest keinen mit deutschem Pass. Schade dass er gestern kurz nach einer souverän um die Ecke gebrachten Strafzeit nicht mit einem eigenen Tor oder einer schönen Vorlage auf Jason Jaspers belohnt wurde.

3. Angenehme Stimme, ruhig und trotzdem begeistert – keine Ahnung, wie der Mann heißt, aber das hat er doch gut gemacht, der Vertreter vom allerdings natürlich weiterhin ziemlich einzigartigen Dippi. Und nebenbei hat er noch den „Buddy-Check“ erfunden. Ich weiß, dass hier an dieser Stelle auch schon anders geurteilt wurde, nachvollziehen kann ich das nicht.

Und 2014? Werden die Ice Tigers große Spiele gewinnen und zwischendurch immer mal wieder gegen Schwenningen verlieren. So wie alle anderen Mannschaften in dieser Liga.

4 Kommentare in “Spiel 33: Stefan, hol die Jungs raus

  1. So ist es, habe mich auch mit den Gästen gefreut. Schon in Schwenningen war die Stimmung großartig, auch gestern ging im Gästeblock richtig die Post ab.

    Neben Rupprich ist mir gestern auch Yasin Ehliz positiv aufgefallen, weil er einfach mal wieder wie Yasin Ehliz gespielt hat.

  2. Ich war heute mit meinen Kindern Schlittschuhlaufen in der Arena, und da ist ein EHC-Nachwuchs-Knirps in voller Montur übers Eis gewuselt, der hatte ein Icetigers-Trikot, einen Krefeld-Pinguine-Helm und Augsburg-Stulpen an. Das war ein schönes Bild zum Jahresabschluss, das einem mal wieder gezeigt hat, was unseren Sport so besonders macht, und das fällt mir hier ein, weil du vom Sich-auch-mal-für-den-Gegner-Freuen schreibst. In diesem Sinne: Dem geschätzten Blogger und allen Eishockeyfans alles Gute fürs neue Jahr!

  3. 2014 wird interessantes Eishockey bringen. Denn es ist eine gute Mannschaft bei der es Spaß macht zuzusehen.

    Dennoch macht mir der Spielplan etwas Angst. Mit den Freezers kommt ein extrem heißes Team (wir haben allerdings eine gute Heimbilanz) und dann zwei unserer Antragsgegner zu Hause. Wann haben wir das letzte Mal gegen die Pinguine zu Hause gewonnen? Und Wolfsburg liegt uns irgendwie auch nicht. Hoffentlich halten wir den Anschluss…

    Schade das der Psycho Trick mit der Auswahl der Penalty Schützen nicht geklappt hat. Es waren dieselben Drei wie im Vorbereitungsspiel gegen Schwenningen. Da hatten zwei noch cool verwandelt. Wäre schön vor der Kulisse gewesen…

    Wünsche allen Bloggern und Fans ein frohes und gesundes neues Jahr.

  4. Danke an den „Journalisten-Fuzzi“. Ein (trotz oder dank des scheußlichen Presseraum-Kaffees wohl überstandener Schreibblockade) rundum gelungener Blog-Beitrag zum Jahresabschluss.

    Ich selbst mag es ja nicht wirklich, wenn die Gästefans ihre Mannschaft noch einmal aufs Eis holen wollen, aber gut, verlieren (können) gehört auch zum Sport und dem Dasein eines Fans. Mir persönlich und vielleicht auch dem einen oder anderen „Journalisten-Fuzzi“ hätte da zum Abschluss Karl Dall ganz gut gefallen. Wurde aber leider nicht gespielt. Naja auch egal.

    Verdient hatte es der SERC durch seine kämpferische Leistung. Eigentlich hatte ich über das gesamte Spiel hinweg das Gefühl, dass es die Ice Tigers waren, die tags zuvor gegen Köln gespielt und dann über Nacht eine sicher nicht ganz so bequeme Busfahrt nach Nürnberg hinter sich gebracht hatten. Irgendwie liegen uns derart spielerisch limitierte aber kämpferisch starke Mannschaften nicht. So jedenfalls mein Eindruck. Das man sie schlagen kann, haben die Ice Tigers ja schon, zuletzt in Düsseldorf, bewiesen. Man muss aber auch sagen – und ich erlaube mir dies in Vertretung für den Autor des Blogs – dass die vier Streifenhörnchen in diesem Spiel durchaus entscheidend mitgewirkt haben. Sicherlich gab es in den ersten beiden Dritteln auch Szenen, in denen die Ice Tigers von fehlenden – nennen wir es freundlich ausgedrückt – Aufmerksamkeit der Refs profitiert haben und nicht mit Strafzeiten belegt wurden. Dennoch waren weder die Strafen gegen Jasper und vor allem Printz nachvollziehbar. Natürlich darf es einer Mannschaft, wie den Ice Tigers (2013/14) nicht passieren, dass nach nur wenigen Sekunden einer Strafzeit Tore fallen. Auch an die Tatsache, dass in der DEL (zumindest hat man in Nürnberg in der Arena den Eindruck) die Regel wegen zu vieler Spieler auf dem Eis von den Linesmen bisweilen sehr interessant ausgelegt wird, habe ich mich schon gewöhnt. Was aber den Linesman aber unmittelbar vor dem 3:3 veranlasst hatte, den vor seinen Augen stattfindenden Regelverstoß NICHT zu ahnden, wird sich mir nicht erschließen. Deutlich als in dieser Szene konnte ein solcher Regelverstoß durch den SERC mit sechs Feldspielern fern ab der Wechselzone nicht begangen werden.

    Nun ja sei es drum. Auf ein für alle erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2014. Alles Gute!

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