Spiel 33: Stefan, hol die Jungs raus

Das wird der klassische fränkische Sportbeobachter jetzt vielleicht nicht nachvollziehen können: Aber man kann, ja, man darf sich manchmal auch mit dem Gegner freuen. Zum Beispiel heute (am Ende dieses Eintrags: gestern) mit dem Schwenninger ERC, seinen Fans alter Schule, seinem Trainer Stefan Mair – und natürlich mit Sascha GOC.

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Spiel 31: Lauf, Kauf, lauf!

Der Blogger hat eine günstige Dienstplankonstellation ausgenutzt und einen Roadtrip gewagt. Außerdem, eine Premiere: Nicht in der Redaktion, neben der heimischen Couch oder in der U-Bahn wird diesmal im Wohnzimmer der Schwiegereltern geschrieben. Im Rücken ein Kachelofen, links Schnittchen und Kupferradler, rechts ziemlich großartige Lebkuchen – mal sehen, wie sich das auswirkt. Weiter lesen

Spiel 28: HuReiRei for Teddies

Block in der Redaktion vergessen, Blog in der U-Bahn befüllt. Egal. Nach einem Jahrzehnt mit den Ice Tigers, nach einer Beinahe-Insolvenz und letzten Saisonspielen, die gefühlt immer wieder in Mnnhm stattfinden, darf man solche Tage auch als Berichterstatter einfach nur genießen. Dieses 5:1 gegen den Meister von 2001 bis 2013 bot nicht nur einen, sondern mindestens fünf echte Hockey-Momente – und, nein, damit ist nicht der irgendwie auch ziemlich großartige Teddy Bear Toss gemeint. Weiter lesen

Spiel 26: You got printzed

Die eierlegende Medien-Wollmilchsau interviewt den Shortsträger

Die eierlegende Medien-Wollmilchsau interviewt den Shortsträger

Jetzt hat es mich auch erwischt, in Spiel 26, zur Saisonhalbzeit. Neun Spiele war ich ungeschlagen auf der Pressetribüne der Ice Tigers gesessen, mit dem Selbstbewusstsein einer stolzen Serie im Rücken und viel Häme für den Kollegen im Büro. Ich habe die Arena immer mit dem rechten Fuß betreten, immer als allererstes eine Cola light getrunken, bevor ich mich setzte. Habe meiner Frau immer den gleichen Orgel-Sound über WhatsApp aufgenommen und nach Hause geschickt (wenn er denn kam in einer Spielunterbrechung), die Arena immer durch dieselbe Glastür verlassen. Ja, sogar immer den selben Dienstwagen gehabt (sticktap to Erich Heimann und Peter Ehler, die weder wissen, was Movember ist, noch was sticktap bedeutet). Der Lohn des Aberglaubens: Ich durfte nur über Siege schreiben, seit Saisonbeginn. Egal, wer da kam, egal, wie die Vorzeichen standen: ich fuhr in diesem alten, blauen Opel Astra ohne Servolenkung wieder nach Hause und hatte einen Sieg gesehen. Oft beeindruckende, manchmal glückliche und nie unverdiente Siege. Gestern Abend, an diesem verhexten Sonntagabend in der Arena am Kurt-Leucht-Weg, ist dann doch passiert, was ich nie für möglich gehalten hätte. Das gemeine Wolfsburg hat mit dem ermauerten 2:1 in Nürnberg bereits die zweite Neun-Spiele-Serie in dieser Saison zerstört – meine eigene!

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers verpassen es aufgrund eines 1:2 (1:1, 0:1, 0:0) gegen die Grizzly Adams Wolfsburg, mit dem Tabellenführer gleich zu ziehen. Sie fallen sogar auf Rang drei zurück. Viel schlimmer aber: Ich kann den Kollegen ab sofort nicht mehr so herrlich aufziehen.

Die Wende: Gab es diesmal nicht. Selbst das zwischenzeitliche 1:1 durch Evan Kaufmann – er erzielte damit seinen elften Punkt im achten Spiel – kam aus dem Nichts und war vielmehr das glückliche Ergebnis eines Frust-Schusses von Jame Pollock. Vielleicht wäre das tatsächlich ein Mittel gewesen: unvorhersehbare, fast schwachsinnige Züge machen, wie gegen einen Schachcomputer, um den Algorithmus, die Perfektion, Millionen von Zügen in Sekundenbruchteilen durchrechnen zu können, zu verwirren. So war sogar Daniar Dshunussow , der im übertragenen Sinne sein Tor vernagelte wie Super-Computer Deep Blue einst seinen König gegen Schach-Weltmeister Gary Kasparow, plötzlich überrumpelt worden.
So aber blieb zu wenig Zug zum Tor, zu wenig „bodys to the net“, wie es Tray Tuomie nennt, zu wenig gewonnene Zweikämpfe, auch zu wenig Glück und, ganz am Ende, zu wenig Glaube daran, einen dreckigen Sieg noch irgendwie über die Overtime oder den Shootout erzwingen zu können. So war das Eishockeyspiel auch im Abschlussdrittel ein bisschen so wie ein Endspiel auf dem Schachbrett: Die Tigers hatten König und Läufer, Wolfsburg nur noch den König auf dem Brett. Wer diese Konstellation schon einmal hatte, weiß, dass ein Matt so unmöglich ist.

Spruchreif, eins: “Wir haben die Auszeit genommen, um noch ein letztes Bullyspiel zu machen. Aber dann haben wir ja das Bully verloren… dann nutzt der beste Plan natürlich nichts mehr“ (Tray Tuomie)

The good: Für David Printz war es sicher das schönste DEL-Spiel bislang, auch wenn er das so nicht zugeben wird. Als würde ihn auf dem Volksfest ein Halbstarker in pubertärem Brunftverhalten lenken, checkte sich Printz wie ein Autoscooter über die Eisfläche. „Bumm! – You got printzed“, wie Kollege Meyer immer voller Begeisterung sagt. Wolfsburgs Chad Bassen wurde am schönsten geprintzed – dabei wollte er doch eigentlich Printz printzen, prallte aber am stahlharten Schweden ab wie eine Mücke, die gegen die Windschutzscheibe knallt.

The bad: Ryan Caldwell ist ein Schatten seiner selbst. So stark wie er im Oktober begann, so schlimm baut er Woche für Woche ab. Auch gestern wieder, als er nicht zum ersten Mal ausrutschte, die Scheibe an der blauen Linie damit in Überzahl verlor – und so das 0:1 bereitete. Es war aber nur der Höhepunkt einer erneut schockierend schwachen Partie, durchzogen von Unsicherheiten und mehreren Fehlern. Zum Glück rutschte er nicht noch einmal aus. Vielleicht würde sein Einbruch gar nicht so extrem auffallen, hätte da nicht am Anfang der Saison ein kompromissloser, souveräner Verteidiger in diesem Körper gesteckt, der einzig durch seine schlechten Manieren Grund zur Beanstandung gegeben hatte. Mittlerweile wären wir schon froh, wenn Caldwell Kollege Jennemann wieder einen Batzen Snooze vor die Füße spotzt – wenn er dadurch wieder zurückkehrt zum guten, alten Caldwell!

Spruchreif, zwei: „Naja, Du sagst: Zu erst hat wie immer der Gästetrainer Pavel Gross das Wort, dann unser Chefcoach Tray Tuomie, ganz einfach…“ (Pressesprecher Roman Horlamus brieft den Aushilfs-Stadionsprecher vor der Pressekonferenz)

The ugly: Aus Nürnberger Sicht war nur eines hässlich: diese unerschütterliche Kompaktheit der Wolfsburger Defensive. Blitzschnell zogen sich die Verteidiger vor ihr Tor zurück, stellten jede Lücke und sogar jeden freien Spieler blitzschnell wieder zu. Es war eine perfekte Defensivleistung der Gäste, auch im Unterzahlspiel. „Das ist an der Bande und in den Ecken die beste Mannschaft der Liga“, stellte Tuomie voller Anerkennung fest. Schnelles Spiel allein reichte da nicht, fand er. „Wir hätten mehr Eins-gegen-Eins-Situationen suchen und gewinnen müssen. Vielleicht waren wir dafür zu müde. Vielleicht war aber Wolfsburg einfach auch einen Tick zu stark heute.“ Wolfsburg spielte, um es kurz zu machen, als wären das schon die Pre-Play-Offs… (die die Ice Tigers heuer ja milde belächeln werden)

Spruchreif, drei: “Ist euch mal aufgefallen, dass Tray Tuomie aussieht wie Chuck Norris?“ (der Aushilfs-Stadionsprecher hat es auch schon bemerkt)

Unsung three stars: Steven Regier wird von Spiel zu Spiel besser. Auch gegen Wolfsburg wieder eine starke Leistung des langen Kanadiers, viel Übersicht, große Abgeklärtheit – etwa, als er die Scheibe durch seine Beine ablegte. Ordentliche Leistung auch wieder von Andreas Jenike, der gegen Augsburg nun wieder Platz machen wird für Tyler Weiman. Wenn hier jemand noch fragen sollte warum, dann hat er nichts, aber auch gar nichts verstanden.
Dritter unsung Star geht an den Coach – Mitte des zweiten Drittels fliegt ein Puck auf die Spielerbank. Tuomie bückt sich, hebt ihn auf – und wirft ihn hinter die Plexiglasscheibe, zwei Kindern zu. Die schubsen sich erst um die Trophäe, tragen sie dann ein paar Stufen hinauf, um sie stolz ihren Eltern zu zeigen. Tuomie hat gestern zwei Kinder sehr glücklich gemacht, nicht nur, weil Adventszeit ist.

Spruchreif, drei: „Natürlich wusste ich am Freitag schon, dass Andy Jenike wieder im Tor stehen wird, ich habe Euch das nur nicht verraten.“ (Tray Tuomie)

Anmerkung: Gern hätte ich auch wieder Zitate in den wenigen Metern zwischen Eis und Kabine gesammelt, aber leider gibt es diese Unsitte der Mannschaft, bei Niederlagen nicht aus ihrem Schneckenhaus zu kommen und sich wenigstens bei ihren Fans zu bedanken. Vielleicht ändert sich das erst, wenn Raphael Schäfer irgendwann Tyler Weiman beerbt.

Spiel 25: Trays Haus steht noch

Xaver David Printz (rechts) setzt an zum Bodycheck

Xaver David Printz (rechts) setzt an zum Bodycheck

Die ganze Nacht hatte Tray Tuomie kein Auge zugemacht. Xaver war schuld. Was nach fiesem, Straubinger Gäubodenfest-Prügelknaben klingt, ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer: der Sturm (ohne Marco), der gerade vor allem Norddeutschland heimsucht. Die Wahlheimat von Tray Tuomie also.
„Meine Töchter wohnen in unserem Haus in Bremerhaven“, erzählte der Trainer der Ice Tigers bei der Pressekonferenz. Gestern Abend war eine von ihnen auf dem Weg nach Hause, von Leipzig, mit dem Zug. Eine Sache von zwei, drei Stunden, gestern dauerte es zwölfeinhalb. „So viel Regen und Wind und Schnee und … Sturm eben. Und als sie in Bremen ankam, fuhr kein Zug mehr nach Bremerhaven. Es fuhr überhaupt kein Zug mehr.“
Also nahm Tochter Tuomie ein Taxi, die satten 80 Kilometer nach Hause. „Als Vater muss man dann natürlich ständig dran denken, ob es ihnen gut geht“, sagte Tuomie.
Wie gut, dass die Mannschaft ihrem Trainer gegen Straubing dann immerhin nur das erste Drittel lang Kopfzerbrechen bereitete. Auf jeden Fall war Tray Tuomie so gelöst, dass er sogar kurzzeitig überlegte, erstmals überhaupt in der Pressekonferenz („Darf man das überhaupt?“) zum Weißbier zu greifen.
„Ah“, sagte er dann beim Blick aufs Etikett, „das ist ja gar kein Budweiser.“ Zum Glück erkennt man einen guten Trainer nicht am guten Biergeschmack!

Die Fakten: Mit 5:1 (1:0, 2:1, 2:0) besiegen die Thomas Sabo Ice Tigers die Straubing Tigers und schließen dank der dritten Niederlage in Folge der Kölner Haie wieder mit dem Spitzenreiter auf – zumindest punktemäßig. Schämt euch, Jungs: ein 14:1 über Straubing hätte für die Tabellenspitze gereicht.

Die Wende: 26 Sekunden waren gespielt, da verlud Patrick Reimer mit der Ruhe eines ostfriesischen Postschifffahrers auf hoher See bei Sturmtief erst Goalie Jason Bacashihua, um die Scheibe dann locker-leicht zum 4:1 ins Straubinger Herz zu schieben. Auf dem Oberrang herrschte endlich Ruhe und der leidgeprüfte Tray Tuomie konnte durchschnaufen. „Ein gutes Drittel“, fand Gästetrainer Daniel Ratushny, „ist zu wenig, um gegen diese starken Nürnberg Ice Tigers zu gewinnen“. Er hatte recht.

Spruchreif, eins: “Das war der Schlittschuh eines Kollegen, der über die Bande steigen wollte und mir dann hier…(zeigt auf den Unterarm)…ratsch!“ (Steven Rupprich auf die Frage, wie in Gottes Namen man sich im Training den Unterarm aufschlitzt)

The good: Andy Jenike. Bis auf das Gegentor, als er kurzzeitig die Orientierung verlor und allen ernstes noch sein linkes Eck abdeckte, als Peter Flache schon dabei war, den Puck nach Bauerntrick ins rechte Eck zu schieben, ein sicherer, ruhiger Rückhalt mit einigen starken Saves. Auch geht mein Puls bei ihm nicht schlagartig in die Höhe, wenn er hinter sein Tor fährt oder sonstwie den Puck mit seinem Schläger aufnimmt (bei Tyler Weimar hingegen bekomme ich Herz-Rhythmus-Störungen). „Tyler hätte gegen München gespielt, wäre er nicht krank geworden“, verriet Tuomie. Dann war er aber krank und Jenike machte seinen Job gut – gewann die letzten drei Spiele. „Jetzt kam Tyler zurück, hat super trainiert, aber wir wollten Jeni spielen lassen. Aber wer am Sonntag gegen Wolfsburg im Tor steht, haben wir noch nicht entschieden.“ Ach, come on, Tray, wir kennen deine Taktik: Never change the winning goalie! Wetten?

The bad: Sind all diejenigen, die sich jetzt hinstellen und sagen: Kaum ist die Bremse Stastny draußen, schon läuft es. Ein gesunder, motivierter Yan Stastny mit Lust auf Eishockey ist natürlich mehr wert, als ein angeschlagener, trauriger Yan Stastny mit viel Angst vor Eishockey. Trotzdem brauchen wir ihn, spätestens für die Play-Offs. Dann aber: ausgeruht, hungrig, heiß und, vor allem, gesund.

Spruchreif, zwei: „Steven ist ein harter Hund, ich weiß, dass er spielen will. Aber frühestens kommenden Freitag ist es erst soweit. Seine Fleischwunde ist so tief, dass sie innen und außen nähen mussten. Zum Glück hat Pollock… äh… derjenige keinen Nerv und keine Sehne dabei verletzt.“ (Tray Tuomie über Steven Rupprich)

The ugly: Das Überzahlspiel bleibt nachwievor stark verbesserungswürdig. Acht Minuten Powerplay ohne Tor ist zu wenig gegen den Tabellenzehnten, der, immerhin, auch acht Minuten in Überzahl gegentorlos gegen die beste Unterzahlmannschaft der Liga überstand (ohne seinerseits einen Treffer zu erzielen). In einem Western hätte Tuomie, mit Streichholz zwischen den Zähnen, den Cowboyhut mit einem Finger gehoben und gesagt: Verschon sie, Connor! Beim Eishockey wünschen wir uns: Zeig’s Ihnen, Connor!

Unsung three stars: Man könnte jetzt einen unfassbar fleißigen Jason Jaspers mit unglaublich viel Eiszeit (war der überhaupt mal draußen?) nennen, den Pföderls Leo mit seinen zwei Toren oder Marvin Krüger oder gleich die ganze Reihe, die das Toreschießen eröffnete mit ihrem starken Zug zum Tor und die alle anderen mitriss. Stattdessen: Meine Top drei Szenen des Spiels, in aufsteigender Reihenfolge:
Szene 3: Blaine Down, immerhin Top-Scorer der Liga, scheint überhaupt nicht anwesend. Bis Steven Regier (der langsam aber sicher in Form kommt) eine Spielunterbrechung nutzt, um zur Bank zu fahren. Er sieht Down nicht, Down sieht ihn, verhakt sich trotzdem mit seinem Schlittschuh, fliegt der Länge nach aufs Eis. Regier zuckt mit den Schultern, fährt unberührt weiter. Down rappelt sich auf, rückt den Helm zurecht, klopft die Hose ab. Man meint, den roten Kopf bis unter den Oberrang leuchten zu sehen.

Szene 2: Ich bin ja ein Fan von satten, harten Open-Ice-Checks. Daher mochte ich schon immer Brett Festerling. Jetzt gibt es jemanden, der noch wilder auf alles losgeht, was nicht bei drei über die Plexiglasscheibe klettert: David Printz. Nach einer guten halben Stunde meint man ein Grinsen im Gesicht des schwedischen Kohlebaggers zu erkennen, als ihm der arme Rene Röthke vor die riesigen Schaufeln gerät. Es knallt so laut, dass man das Magenknurren des Kollegen Jennemann sogar für einen Moment nicht mehr hört. Dann fliegt Röthke, als hätte ihm der menschgewordene Sturm einen Baum an den Kopf geschmissen: Ich taufe ihn auf den Namen Xaver David Printz.

Szene 1: Brett Festerling (diesmal, habe ich das erwähnt, hat er mal kein Tor geschossen) verliert im ersten Drittel im Rückwärtsgang urplötzlich seinen Schläger, der fliegt David Elsner vor die Füße, springt auf auf dem Eis, Elsner
fängt ihn in voller Fahrt in der Luft lässig auf, besser, als er jemals einen Puck aufgenommen hat, und reicht ihn Sekunden später wie ein Caddy beim Golf zurück an Festerling: „Ich würde den Driver empfehlen, das 1er Holz, Monsieur. Das Green liegt tiefer hinter einem Bunker, rechts zieht sich das Fairway entlang, ich denke, ein Birdie wäre drin“

Spruchreif, drei: „Unser Haus steht noch. Glaube ich.“ (Tray Tuomie)