Spiel 21: Und der Hammer der geht so!

Das war also die ladies‘ night. Soso. Welch wunderbar flache Witzchen könnte man daraus konstruieren – wenn man denn nur wollte. Dieses unwirkliche 1:2 gegen den Neusser EV die Düsseldorfer EG hinterließ aber vor allem die ernsthafte Erkenntnis, dass eine Red Party pro Saison eine gute Idee ist, Eishockey-Nürnberg für weitere Motto-Abende aber noch nicht bereit zu sein scheint.Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers haben durch das 1:2 (0:0, 1:1, 0:0, 0:0, 0:1) nach Penalty-Schießen gegen Schlusslicht Düsseldorf ihren zweiten Tabellenplatz an Mannheim verloren, aus vier Spielen nach der Deutschland-Cup-Pause aber immerhin sieben Punkte geholt (allerdings gegen Mannschaften, die inzwischen die Ränge zwölf bis vierzehn einnehmen).

Die Statistik: 63 Saves – was erwartet man, wenn man nur diese Zahl kennt, das Spiel dazu aber nicht gesehen hat? Einen Torhüter, der auf seinem Kopf stand, der einen grandiosen Save an den nächsten reihte. Stefan Ridderwall aber war an diesem Abend nur: gut. Sein Stellungsspiel war fehlerlos, vor allem aber ließ er sich nicht von unzähligen Schüssen aus spitzem Winkel düpieren, schloss die Fanghand zuverlässig, wenn ihm wieder ein Ice Tiger den Gefallen tat, exakt dorthin zu zielen. Überragend, fand Christian Brittig seinen Torhüter, nicht ohne Grund fand der Düsseldorfer Trainer an diesem Abend aber alles überragend. Und gemessen an den Leistungen aller Nürnberger Feldspieler war Ridderwall das wohl auch. Trotzdem ist Nürnberg nicht an Düsseldorfs Torhüter gescheitert.

Zitierfähig, eins: „An der Bar stand eine Horde Männer, (Männer)/muskellös aber keine Penner, (Penner)/sie sangen den Mädel ein Lied/so laut das das keine Auge trocken blieb.“ (In Drittel drei versuchte sich der Arena-DJ daran, das Niveau des Spiels noch zu unterbieten – mit Erfolg. Sollte sich eine Lady dieses Lied gewünscht haben, darf man sie dann noch als Lady bezeichnen?)

The good: Werte Blog-Gemeinde, war das die nominell schwächste Auswahl, die jemals in der DEL angetreten ist, oder habe ich nur verdrängt, mit welchen Spielern die ESG Sachsen Weißwasser, Revierlöwen, Füchse und Ice Tigers (1:14) einst angetreten sind? Mal ehrlich, fällt Euch eine Mannschaft ein, die mit lediglich mit vier Ausländern (darunter einem vermeintlich langzeitverletzten Kanadier, von dem ich in Spielbericht, der dem Niveau des Spiels unangenehm nahe kommt, behauptet habe, dass er am Knie verletzt gewesen sei), drei DNL-Spielern, einem 35 Jahre alten DEL-Veteranen und sieben weiteren Spielern, die sich in der DEL erst noch einen Namen machen werden, hat antreten müssen? Diese DEG wird die Saison als Tabellenletzter beenden, auch wenn Olimb, Long und Kreutzer (bis zum nächsten Ellbogencheck) wieder zurückkehren, von solchen Abenden werden Fans aber auch danach noch reden und Journalisten noch lange schreiben. Die DEG hat dieses Spiel gewinnen wollen, die Ice Tigers wollten es vor allem hinter sich bringen. Aber auch als neutraler Beobachter (sollte es so etwas geben) musste man beeindruckt sein von dem Einsatzwillen und der Disziplin dieser Mannschaft. Ganz einfaches Eishockey, drei Mann vor den Torhüter, des Gegners Schützen zu Schüssen aus schlechten Winkeln zwingen, die wenigen Chancen konsequent ausspielen – die DEG hat Brittigs Anweisungen überragend umgesetzt.

The bad: Linesmen mit Lehrauftrag sind schlimmer aus Mickie Krause. Ja, es geht wieder um Schiedsrichterleistungen, aber nur kurz und nicht um Zehetleitner und Vogl, sondern um die Herren Hoppe und Hurtik. Natürlich, Regeln gibt es auch für das Anspiel, aber muss man sich wirklich bei jedem dritten Bully aufbrezeln wie einst Fräulein Rottenmeier und so ohnehin nur schwer erträgliche Spiele unnötig in die Länge ziehen?

And the ugly: Vielleicht, überlegte Tray Tuomie danach laut, hätte man sie gar nicht erst warnen sollen vor den Gefahren einer solchen Paarung. Vielleicht hätte der Trainer seine Ice Tigers einfach spielen lassen sollen. So aber bemühte sich seine Mannschaft redlich, zunächst einmal das Gegenteil von dem umzusetzen, was ihnen Tuomie und Mansi mit auf den Weg gegeben hatten. Erst im Schlussdrittel war der Coach mit den Versuchen seines Teams einverstanden, da aber hatte die DEG die Ice Tigers bereits frustriert, da war Stefan Ridderwall längst auf doppelte Größe angewachsen. Solche Spiele wird es immer wieder geben, solche Spiele werden sich auch Spitzenmannschaften und solche, die es werden wollen, immer wieder leisten. Und noch muss man sich um diese Ice Tigers in ihrer Gesamtheit keine Sorgen machen – um einzelne allerdings schon: Die Leistungskurve von Ryan Caldwell, der sich als Mischwesen aus Chelios und Coffey in Nürnberg vorgestellt hatte, nähert sich inzwischen fatal den Leistungskurven von Sean Blanchard und Casey Borer. Und damit ist nicht seine Slapstick-Einlage oder sein zweiter Penalty auf schlechtem Eis gemeint. Über die erstaunlichen Unterschiede zwischen den tadellosen Trainingsleistungen von Yan Stastny und seinem Engagement im Ernstfall  wurde an dieser Stelle schon ausgiebig geschrieben. Und der hier gerne und meistens völlig zu Recht gelobte Jason Jaspers wird auch erst dann wieder regelmäßig ins Tor treffen, wenn er auch das Tor wieder trifft. Von Marco Pfleger (der einzige Ice Tiger ohne Torschuss), Leo Pföderl und Yasin Ehliz kann (noch) niemand erwarten, dass sie an solchen Abenden ihre eigene Formschwäche überwinden und die Mannschaft mitreißen. Von Stastny, Caldwell und Jaspers schon.

Zitierfähig, zwei: „Wir waren heut´ auf Augenhöhe/Und euch gehört für jetzt das Glück/Wir schwören hiermit feierlich/Wir holen es uns zurück.“ (Campino hat Patrick Reimer vor eineinhalb Jahren eine eher einfach formulierte Kurznachricht geschickt. Da Reimer aber gerade eben mit der Düsseldorfer EG im Halbfinale gegen die Berliner Eisbären verloren hatte, war „Schade, Scheiße, so was kann passieren“ ein durchaus angemessener Text. Campino war von seinen Worten sogar so begeistert, dass er ein Lied daraus gemacht hat. Nach diesem 1:2 von Reimers Ice Tigers gegen Reimers Ex-Klub wurde es wieder eingespielt, hoffentlich hat es der Kapitän in der Kabine nicht mehr hören müssen.)

7 Kommentare in “Spiel 21: Und der Hammer der geht so!

  1. diese niederlage nehme ich der mannschaft übel. es gibt immer mal ein spiel, in dem nichts geht, wo selbst einfachste scheiben verspringen. aber das gestern war ideen und lustlos.
    düsseldorf hatte gestern weniger qualität als die meisten zweitligisten in seinen reihen. ein ausländer im sturm, drei in der verteidigung und einen im tor, dazu beinahe ausschliesslich nachwuchsspieler.
    schon beinahe peinlich, wie hilflos die hochbezahlten herren stastny, james & co gegen diese verstärkte jugendmannschaft immer und immer wieder in den immer gleichen spielzügen hängen geblieben sind.
    bisher waren mir niederlagen in dieser saison egal, aber die von gestern war unverzeihlich.

  2. immer gleiche spielzüge? welche spielzüge? reimer, eriksson und ehliz versuchten es allein durch die mitte, james über die flügel, stastny hat hinter der blauen linie abgestoppt und den puck gegner geflippt. entweder sie haben sich hartnäckig nicht an den plan gehalten oder sie hatten keinen plan.

  3. Alles gesagt, und vor allem Ridderwalls Leistung geerdet. 63 (und dann noch mit einem Ausrufezeichen in Klammern) klingt tatsächlich spektakulär, das meiste waren aber billige, oft schlampig ausgeführte Standardsituationen, die ans Warm-up erinnerten. Gute Leistung des Torwarts, keine Frage. Aber kein Grund zur Verklärung.

    Und bitte, bitte nehmt den DJ ins Gebet. J.B.O. ist schon hart an der Grenze, aber die Einlagen gestern waren zum Schämen.

    Den Rest hüllen wir in Schweigen. Aber peinlich trifft´s gut.

  4. Was uns gestern richtig Sorgen gemacht hat, ist die Geschwindigkeit mit der die Mannschaft derzeit spielt. Wenn ich schon gegen so ein Mauerwerk spiele, muss ich jeden Gegenstoss, jeden ungenauen Wechsel mit hoher Geschwindigkeit versuchen auszunutzen. Doch die schleichen uber das Feld. Das schnelle und direkte Umschalten von Abwehr auf Angriff ist nicht mehr zu sehen.
    Und wenn doch mal ein schneller Gegenstoss (Schüle zweimal?) kommt, dann rückt keiner nach. Ob das nur ein körperliches Problem ist?
    Da einige Spieler derzeit kaum DEL2 Niveau haben, wird es jetzt weiter (herbe?) Niederlagen setzen, wenn von den fünf fehlenden Spielern nicht bald wieder zwei oder drei dabei sind.
    Doch übel nehmen tue ich es der Mannschaft nicht. Ist von der Einstellung immer noch weit von der letzten Saison entfernt…

  5. scheinbar fehlt mit reinprecht wirklich das „hirn“ der mannschaft. ridderwall wurde gestern kein einziges mal aus der position gebracht, der musste gestern nicht mal einen sahnetag haben, um die nürnberger angriffe zu parieren.
    dazu ein mehr als einfältiges powerplay …
    allzu lange darf diese formkrise nicht anhalten, bei der engen tabelle ist man schneller durchgereicht, als einem lieb ist.

  6. Hallo,
    das Team hatte weder gegen Augsburg (Glück), noch gegen Iserlohn (noch mehr Glück) oder jetzt gegen dieses Oberliga – Team (eher kein Glück) den unbedingten Willen das Spiel zu gewinnen bzw. keine Lust alles dafür zu tun….

    Ohne Leidenschaft wird man in der Liga aber nicht bestehen und, was für eine GmbH ja auch nicht ganz unwesentlich ist, keine Zuschauer begeistern können.

    Diese letzten 3 Spiele hätten auch in der Saison 2010/2011 stattfinden können, kein großer unterschied. Außer dass es im Team 2012/13 nun wahrlich nicht an Talent fehlt!

    Schade.

    Gruß
    Stefan

    PS: was #22 gestern gezeigt hat war echt ’ne Frechheit….

  7. Neusser EV trifft es sehr gut. Wahnsinn, wie schlecht wir gestern ausgesehen haben. Wo war das Körperspiel? Fast ein Rückfall in die letzte Saison, wo wir auch alles mal schnell spielerisch lösen wollten, ohne uns groß weh zu tun.

    Da bring ich 60 Minuten die Scheibe tief, der erste Spieler fährt den Verteidiger über den Haufen, der zweite schnappt sich den Puck. Immer wenn wir länger in der Zone der DEG waren, konnten sie sich oft nur mit Strafen helfen, waren oft einen Schritt zu spät.

    Was machen wir? Laufen blind alleine gegen vier Düsseldorfer an der blauen Linie.

    Powerplay gestern extrem unbeweglich und ohne echte Torgefahr.

    Stastny? Hat er gestern gespielt? Caldwell ist jetzt endlich bei seiner Normalform angekommen. Hatte schon Angst nach den ersten 10 Spielen, dass ich bei ihm mit meiner Einschätzung daneben liegen könnte…

    Ashton Rome war wohl in seinem ersten Leben Kindergärtner. Überragender Auftritt gestern. Für eine verletzte Schulter war der Schuss zum 1-1 gar nicht schlecht.

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