Spiel 15: Spitzenspiel mit Klauwn

Das Zweite Deutsche Fernsehen war da, mehrere Kollegen von der ARD auch. Die Nürnberger Nachrichten berichten auf ihrer ersten Sportseite (und auf Seite 25). Und, das hat es meines Wissens in einer DEL-Vorrunde noch nie gegeben: Die deutsche presseagentur hat einen Fotografen geschickt. Für 60 außergewöhnliche Minuten erachtete Mediendeutschland dieses zweite Treffen von Eistiger und Hai als wichtig. Mediendeutschland hat sich wieder anderen Dingen zugewandt – dieses schöne 3:5 aber bleibt.

Die Fakten: Ach, lassen wir das doch sein. Dieses Spiel ließ sich doch vortrefflich genießen, ohne dass die 14 Spiele zuvor und die mindestens 37 Spiele danach dabei wichtig waren. Aber wahrscheinlich wäre Andreas Holmqvist an der blauen Linie nicht so beneidenswert cool-konzentriert geblieben, hätte  Connor James seinen Motor irgendwann einmal in den Leerlauf geschalten, vielleicht hätte Jame Pollock nicht ganz so aufgedreht und sich dann aber auch nicht zu diesem Stockschlag hinreißen lassen, wenn es nicht um die Tabellenführung gegangen wäre. Jetzt ist Nürnberg also Zweiter, drei Punkte hinter diesen beängstigend großen und starken Kölner Haien und hat von den zuletzt möglichen zwölf Punkten nur zwei geholt. Dieses schöne Spiel machen diese Fakten aber auch nicht schlechter. Übrigens: In zwölf von fünfzehn Spielen haben die Ice Tigers gepunktet.

Die Wende: Solche Aufbaupässe erwartet man von mitspielenden Torhütern. Nur wusste man von Tyler Weiman bislang nicht, dass er zu den mitspielenden Torhütern zählt. Vielleicht war Jason Jaspers deshalb etwas überrascht, vielleicht ist er deshalb hingefallen, obwohl der Pass nicht schlecht war. Vielleicht hat er deshalb Puck und Gegenspieler verloren. Kann alles passieren, darf aber nicht passieren, wenn es gegen die derzeit beste DEL-Mannschaft geht. Die Kölner Haie haben nahezu jeden dieser Fehler, die mal passieren können, ausgenutzt. Nicht immer zu Toren, in dieser 35. Minute allerdings schon. Dieses 1:2 durch Yared Hagos war ein Stockschlag in die Kniekehlen der stürmenden Ice Tigers. In diesem zweiten Drittel waren die Ice Tigers die aktivere, die bessere, die hungrigere von zwei aktiven, guten und hungrigen Mannschaften. Es fehlte: das Glück. Allerdings hatte es mit nicht Glück allein zu tun, dass die Haie auf das (abgefälschte?) 1:2 in dreieinhalb Minuten noch das 1:3 und das 1:4 folgen ließen.  An diesem Sonntag trugen die Kölner ihren traditionellen Beinamen völlig zurecht.

Spruchreif, Teil eins von eins (viel mitgeschrieben und vielleicht kann ich es auch einfach nicht mehr entziffern, aber bis auf die Kabinenfeier-Geschichte von Uwe Krupp war heute nicht viel Schönes mit bei): „Second Assist: Number 16.“ – „Really?“ (Der Zivilist Ryan Caldwell versucht sich nach dem Spiel eine Vorlage zu erschmuggeln, obwohl er neben Thomas Sabo saß. Der Statistiker aber reagierte misstrauisch – was wohl mit der Trikotnummer 16 zu tun hat. Vielen Dank an Dippi und Joe)

The good: Pigalle, Pigalle. Da war doch mal was los in der Leichenhalle. Die Stimmung wird in Nürnberg ja nur selten in die three stars gewählt, diesmal aber war es ordentlich, manchmal sogar laut. Richtig angenehm aber war es nach der Schlusssirene, als die Fans den Bemühungen der Mannschaft ehrlich Anerkennung zollten.

The bad: Danach kam er als Erster wieder aus der Kabine – und verschwand eine Sekunde später im kleinen Fitnessraum der Ice Tigers, um noch ein wenig Radel zu fahren. Yan Stastny ist ein Enigma, ein Ausnahmespieler, der einen scharfen Querpass von Patrick Reimer direkt abnimmt und über die Stockhand Danny aus den Birkens ins Toreck lenkt. Er ist aber auch: schlampig und körperlich nicht auf der Höhe. Letzteres ist erklärbar. Stastny kam verletzt aus dem Sommer nach Nürnberg. Und verletzte sich schon wieder, kaum dass er wieder aufs Eis zurückgekehrt war. Das erklärt aber noch nicht, warum er das Auftaktbully zum Schlussdrittel nicht nimmt, das erklärt auch nicht die vielen Flüchtigkeitsfehler bei der Puckannahme und den Flip-Pass über den dann doch immerhin 1,78 Meter großen Connor James hinweg. Stastny hat nicht gut gespielt, in Relation zu seinem Potenzial war das sogar ein bodenloser Auftritt. Trotzdem hätte er das Spiel beinahe gedreht. Ein Enigma.

The ugly: Wo soll man nur anfangen, bei der Entscheidung auf Torraumabseits statt auf Torhüterbehinderung, obwohl der Kölner Tyler Weiman umgerannt hatte? Bei der von Elsner nett herausgeholten Strafe gegen Riefers, die Steffen Klau aus der Rundung 30 Meter hinter den Rücken der Beteiligten erspäht hat? Bei den Stockschlägen von Reinprecht, Stastny und vier unbekannten Kölnern, die er nicht gesehen hat? Oder doch bei der ersten erstaunlichen Entscheidung, als Connor James über den ersten Kölner drübergesprungen war, dabei aber von einem zweiten (A. Weiß) einen Stoß bekommen hat, danach aber nur der Nürnberger auf die Strafbank musste (und Marcus Brill die Diver-Geste machte, als er zur Rede gestellt wurde)? Es reicht jetzt dann mal wieder mit derlei Schiedsrichterleistungen. In Iserlohn und in Hamburg soll es ja nicht besser gewesen sein. Wobei, lustig waren sie schon, diese hektischen Gesten dieses – no jokes on names? ah, come on – Klauwns.

Unsung hero: Wieder Marcus Weber? Ja, wieder Marcus Weber. Effiziente Checks, gutes Stellungsspiel, einfache Pässe und diesmal neu: schnelle, gute Schüsse. Bedarf es eigentlich noch eines Beweises, dass Pierre Page seinen Zauber verloren hat? Nein. Egal, look no further than: Marcus Weber. Es ist ein Rätsel, warum man diesen begabten, cleveren Defensivverteidiger (mit Offensivpotenzial) nicht in München behalten hat. Für den Kollegen Meyer von den Eishockey News ist es wiederum ein Rätsel, warum die Webers beinahe ausschließlich Verteidiger stellen: Mike (Buffalo), Shea (Nashville), Yannick (Vancouver) und Marcus (Nürnberg)?

4 Kommentare in “Spiel 15: Spitzenspiel mit Klauwn

  1. Das ist doch wirklich schön, dass mal jemand was Gutes über unseren Marcus Weber schreibt. Der Junge ist für mich bisher der Spieler überhaupt. Der spielt Spiel für Spiel absolut solide bis sehr gut. Wenn man als defensiver Verteidiger, was er bei 0T/0A ja ist, eine positive +- Bilanz hat, dann zeigt das kompromissloses gutes Defensivhockey. Und was mir auch wirklich gut gefällt sind die wenigen Strafen (4 min in 15 Spielen). Damit bringt er uns mit seinem fairen Hockey auch sehr selten in Nachteil.
    Es wird Zeit den Vertrag zu verlängern…

  2. Super. Es geht doch. Die Vertragsverlängerung von Marcus Weber ist super. Falls es einen Einfluss auf die Verträge hat, wenn ich hier was schreibe, dann…
    …sollten die Verträge mit dem besten Duo der DEL (Kaufmann, James) und mit dem unermüdlichen und starken Kämpfer Jaspers verlängert werden.
    Schau wir mal… 😉

    • So ist es, werter Frank, aus sicherer Quelle wissen wir, dass alle Wünsche, die hier geäußert werden, in Erfüllung gehen. Bei Jaspers bin ich mir da allerdings nicht so sicher, könnte sein, dass sich dieser einzelne Wunsch von den Vorstellungen der meisten Ice Tigers-Fans diametral unterscheidet (wollte ich schon immer mal schreiben).

  3. Das kann ich schon verstehen. Die Erwartungen an die 19 sind sehr hoch. Und 12 Punkte bei einer +1 sind auf den ersten Blick vielleicht nichts das, was sich alle vorstellen. Doch man sollte auch immer die Reihe betrachten. Und die fällt nicht durch konstante Besetzung auf. Und auch die Mitspieler der 19 glänzen nicht gerade mit guten Pässen. So bleiben nur zwei dreckige Tore.
    Also dann warte ich die 19er Monate Dezember und Januar ab. Vielleicht erfüllt sich der Wunsch zu späterem Zeitpunkt…

    Aber vielleicht liegt es auch daran, das ich weder ein neues Home- noch Away-Trikot kaufen will 😉

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